Nachdem meine vorrangige Erkrankung vom letzten Juli weiter erfolgreich bearbeitet wird, fing im April zusätzlich etwas neues an. Ein Unfall aus der Badewanne. Das rechte Knie wurde laut Arzt mit Knieinnengelenkschaden, Bänderanriß, Meniskusverletzung und Knorpelschaden diagnostiziert. Da das Lymphwasser nicht weg geht, folgt seit einiger Zeit Lymphdrainage. Durch Fehlbelastung zog das linke Knie nach. Auch dort gibt es irgendwelche Innereien, die mir jetzt mit jedem Schritt Schmerzen zufügen.
Unter diesen Vorraussetzungen ist Motorrad fahren der falsche Weg. Ich kann nach hundert Kilometern kaum noch laufen, weil beide Knie dermaßen anschwellen, dass ich am Fahren keine Freude mehr habe.
Ich soll Ausgleichsport machen. Schwimmen, Spazieren gehen an Stöcken (grumpf ...), und Rad fahren ohne Belastung.
Mein alter Drahtesel ist über fünfundzwanzig Jahre alt. Er hat mich immer super überall hingebracht, und in der Großstadt war das Rad so uninteressant, das es nicht einmal gestohlen wurde. Da es aber nur über drei Gänge verfügte, und mein jetziger Wohnort in einem kleinen Tal liegt, merkte ich schnell die Grenze meiner Leistungsfähigkeit.
Ich war in der Zwickmühle. Schwimmen ist mein Lieblingssport außer Motorrad fahren. Geht aber bei dem deutschen Sommer nur bedingt (ich hasse Hallenbäder ...). Spazieren gehen ist super, aber ich habe seit neuestem Veränderungen im Körper, was die Mücken und Zecken freut (offenbar dufte ich jetzt Europaweit verlockend), und mich zum Wahnsinn treibt ... (ich bekam sogar eine Zecke mitten in der Großstadt auf einem betonierten Platz ... weit und breit KEIN Baum, aber mich fällt so ein Drecksvieh an ... von der ständigen Belästigung durch Mücken ganz zu schweigen. Und falls jetzt jemand mit dem Thema Antibrumm kommt ... ich dufte bei meinen Outdoor-Aktivitäten wie ein Werk von Bayer, aber die Mücken wissen nicht, dass Antibrumm sie abhalten soll ... ).
Somit ist Zelten bei Treffen zum jetzigen Zeitpunkt auch keine Option mehr für mich ...
Im August bekommt mein Konto eine Finanzspritze - ein Sparvertrag wird ausgezahlt. Vorgegriffen auf einen Teil der Summe recherchierte ich mit Hilfe von Kollegen im Internet. Erst war ein E-Bike geplant. Eine Liste wurde erstellt: Vorteile, Nachteile. Größter Knackpunkt war die Reichweite des Akkus und die Folgekosten. Ein zweiter Akku sollte vorhanden sein, sonst wartet man ständig auf die Zuladung. Nach der Gesamtberechnung war mein Sparvertrag komplett aufgebraucht. Und deshalb kam das E-Bike für mich nicht mehr in Frage.
Ich fuhr das Rad einer Kollegin Probe. Und auch nur deshalb, weil es a) orange war und b) von KTM *grins*
Das Rad hatte elf Gänge mit Nabenschaltung. Ich kam innerhalb weniger Meter auf Tempo, ohne mich großartig anzustrengen. Das gefiel mir. Der Preis war akzeptabel und weit unter dem eines E-Bikes.
Dann fing die Verwirrung an. Ich entstamme einer Generation, in der es damals wenige Marken in den Fahrrad-Läden gab. Man ging hin, setzte sich auf eines, und das war es dann.
Es folgt der Zeitsprung nach 2017 ...
Argl ...
Ein Bike-Hype der Superlative. Fast wie in Holland, nur mit agressiverer Umsetzung. Deutschland eben ...
Ich erspare euch die Details der Suche. So müssen sich unsere Ostdeutschen gefühlt haben, als sie das erste Mal in einem Wessi-Supermarkt waren ...
Irgendwann hatte ich die Nase voll vom Suchen. Ich hatte bestimmte Vorstellungen, was vorhanden sein mußte. Mit diesem Zettel in der Hand ging ich zu einem Radladen. Der Verkäufer war erst etwas zurückhaltend, aber im Laufe der Beratung taute er dann auf. Offenbar gibt es außer mir weitere sehr anstrengende Fahrrad-Käufer bzw. -Sucher ... aber wir waren uns dann doch sympathisch und meine Suche hatte Erfolg.
Kalkhoff Agattu 8R City Bike 2017. Variante in eierschalen-creme.
Agathe
Pünktlich zum Kauf setzt in Deutschland das Starkregen-Unwetter ein. Ist jetzt irgendwie fies ...
Das Fahrradschloß von Abus war übrigens so teuer wie nötig, und wiegt allein bestimmt 1,5 kg.
Agathe ist jetzt erkennbar an einem Fahrradkorb der Superlative (hinten). Völlig überdimensioniert, aber nützlich. Ich will damit ja nicht nur einen Riegel Schokolade kaufen, sondern auch zur Arbeit fahren (9 km einfach). Und da habe ich Gepäck mit.
Warum ich nicht bei einem freundlichen Schwarz gelandet bin?
Ganz einfach ... als ich in den Fahrrad-Laden kam, stand da eine lange Reihe Fahrräder, viele verschiedene Marken - und alle alle waren schwarz.
Schwarz macht einen schlanken Fuß - was mir persönlich aber wurscht ist. Ich hätte Agathe auch in knallig orange gekauft (wahrscheinlich noch lieber als das brave eierschalen-creme). Hätte ich also ein schwarzes Fahrrad, müßte ich sehr viel Tüddelkram anbauen, damit ich es wiederfinde ... hier im Fahrradständer vor dem Büro stehen ungefähr zwanzig Räder ... und richtig: alle schwarz. Winzige Details wurden geändert, damit das Wiederfinden nicht so kompliziert ist: knallige Klingeln, oder eine Fahrradhupe, oder Blumengirlanden (örks ...) ... Ich liege mit dem hellen Rahmen also etwas ab vom Hype. Prima!
Nur mit dem Thema Fahrrad-Helm tue ich mich noch schwer. Ich habe jetzt einen zum Ausprobieren bestellt. Dezentes Kreisch-Orange. Könnte ich dann auch auf der Fahrt mit Agnes aufsetzen ...
Fazit:
Dieses Jahr ist alles anders. Und das ist auch gut so.
Auf dem Pilger-Pfad
An der Steinmetz-Schule Königslutter
Bob - mein kleiner gelber Begleiter; immer gute Laune und immer erstaunt darüber, wo wir herumkutschieren







