Ellie und ich

Ellie und ich

Freitag, 30. Juni 2017

Agathe's Story

Älter werden ist nüscht für Feiglinge.

Nachdem meine vorrangige Erkrankung vom letzten Juli weiter erfolgreich bearbeitet wird, fing im April zusätzlich etwas neues an. Ein Unfall aus der Badewanne. Das rechte Knie wurde laut Arzt mit Knieinnengelenkschaden, Bänderanriß, Meniskusverletzung und Knorpelschaden diagnostiziert. Da das Lymphwasser nicht weg geht, folgt seit einiger Zeit Lymphdrainage. Durch Fehlbelastung zog das linke Knie nach. Auch dort gibt es irgendwelche Innereien, die mir jetzt mit jedem Schritt Schmerzen zufügen.

Unter diesen Vorraussetzungen ist Motorrad fahren der falsche Weg. Ich kann nach hundert Kilometern kaum noch laufen, weil beide Knie dermaßen anschwellen, dass ich am Fahren keine Freude mehr habe.

Ich soll Ausgleichsport machen. Schwimmen, Spazieren gehen an Stöcken (grumpf ...), und Rad fahren ohne Belastung.

Mein alter Drahtesel ist über fünfundzwanzig Jahre alt. Er hat mich immer super überall hingebracht, und in der Großstadt war das Rad so uninteressant, das es nicht einmal gestohlen wurde. Da es aber nur über drei Gänge verfügte, und mein jetziger Wohnort in einem kleinen Tal liegt, merkte ich schnell die Grenze meiner Leistungsfähigkeit.

Ich war in der Zwickmühle. Schwimmen ist mein Lieblingssport außer Motorrad fahren. Geht aber bei dem deutschen Sommer nur bedingt (ich hasse Hallenbäder ...). Spazieren gehen ist super, aber ich habe seit neuestem Veränderungen im Körper, was die Mücken und Zecken freut (offenbar dufte ich jetzt Europaweit verlockend), und mich zum Wahnsinn treibt ... (ich bekam sogar eine Zecke mitten in der Großstadt auf einem betonierten Platz ...  weit und breit KEIN Baum, aber mich fällt so ein Drecksvieh an ... von der ständigen Belästigung durch Mücken ganz zu schweigen. Und falls jetzt jemand mit dem Thema Antibrumm kommt ... ich dufte bei meinen Outdoor-Aktivitäten wie ein Werk von Bayer, aber die Mücken wissen nicht, dass Antibrumm sie abhalten soll ... )

Somit ist Zelten bei Treffen zum jetzigen Zeitpunkt auch keine Option mehr für mich ...

Im August bekommt mein Konto eine Finanzspritze - ein Sparvertrag wird ausgezahlt. Vorgegriffen auf einen Teil der Summe recherchierte ich mit Hilfe von Kollegen im Internet. Erst war ein E-Bike geplant. Eine Liste wurde erstellt: Vorteile, Nachteile. Größter Knackpunkt war die Reichweite des Akkus und die Folgekosten. Ein zweiter Akku sollte vorhanden sein, sonst wartet man ständig auf die Zuladung. Nach der Gesamtberechnung war mein Sparvertrag komplett aufgebraucht. Und deshalb kam das E-Bike für mich nicht mehr in Frage.

Ich fuhr das Rad einer Kollegin Probe. Und auch nur deshalb, weil es a) orange war und b) von KTM *grins*
Das Rad hatte elf Gänge mit Nabenschaltung. Ich kam innerhalb weniger Meter auf Tempo, ohne mich großartig anzustrengen. Das gefiel mir. Der Preis war akzeptabel und weit unter dem eines E-Bikes.

Dann fing die Verwirrung an. Ich entstamme einer Generation, in der es damals wenige Marken in den Fahrrad-Läden gab. Man ging hin, setzte sich auf eines, und das war es dann.
Es folgt der Zeitsprung nach 2017 ...
Argl ...

Ein Bike-Hype der Superlative. Fast wie in Holland, nur mit agressiverer Umsetzung. Deutschland eben ...

Ich erspare euch die Details der Suche. So müssen sich unsere Ostdeutschen gefühlt haben, als sie das erste Mal in einem Wessi-Supermarkt waren ...

Irgendwann hatte ich die Nase voll vom Suchen. Ich hatte bestimmte Vorstellungen, was vorhanden sein mußte. Mit diesem Zettel in der Hand ging ich zu einem Radladen. Der Verkäufer war erst etwas zurückhaltend, aber im Laufe der Beratung taute er dann auf. Offenbar gibt es außer mir weitere sehr anstrengende Fahrrad-Käufer bzw. -Sucher ... aber wir waren uns dann doch sympathisch und meine Suche hatte Erfolg.



Kalkhoff Agattu 8R City Bike 2017. Variante in eierschalen-creme.

Agathe

Pünktlich zum Kauf setzt in Deutschland das Starkregen-Unwetter ein. Ist jetzt irgendwie fies ...


Das Fahrradschloß von Abus war übrigens so teuer wie nötig, und wiegt allein bestimmt 1,5 kg.


Agathe ist jetzt erkennbar an einem Fahrradkorb der Superlative (hinten). Völlig überdimensioniert, aber nützlich. Ich will damit ja nicht nur einen Riegel Schokolade kaufen, sondern auch zur Arbeit fahren (9 km einfach). Und da habe ich Gepäck mit.

Warum ich nicht bei einem freundlichen Schwarz gelandet bin?
Ganz einfach ... als ich in den Fahrrad-Laden kam, stand da eine lange Reihe Fahrräder, viele verschiedene Marken - und alle alle waren schwarz.
Schwarz macht einen schlanken Fuß - was mir persönlich aber wurscht ist. Ich hätte Agathe auch in knallig orange gekauft (wahrscheinlich noch lieber als das brave eierschalen-creme). Hätte ich also ein schwarzes Fahrrad, müßte ich sehr viel Tüddelkram anbauen, damit ich es wiederfinde ... hier im Fahrradständer vor dem Büro stehen ungefähr zwanzig Räder ... und richtig: alle schwarz. Winzige Details wurden geändert, damit das Wiederfinden nicht so kompliziert ist: knallige Klingeln, oder eine Fahrradhupe, oder Blumengirlanden (örks ...) ... Ich liege mit dem hellen Rahmen also etwas ab vom Hype. Prima!

Nur mit dem Thema Fahrrad-Helm tue ich mich noch schwer. Ich habe jetzt einen zum Ausprobieren bestellt. Dezentes Kreisch-Orange. Könnte ich dann auch auf der Fahrt mit Agnes aufsetzen ...

Fazit:
Dieses Jahr ist alles anders. Und das ist auch gut so.



Auf dem Pilger-Pfad

An der Steinmetz-Schule Königslutter

Bob - mein kleiner gelber Begleiter; immer gute Laune und immer erstaunt darüber, wo wir herumkutschieren

Freitag, 2. Juni 2017

Tour ins Grüne und etwas Rotten Places


Rapsblüte macht sich immer gut auf Fotos - blauer Himmel noch dazu, fertig ist eine super Ansicht. Von vorne und im Rückspiegel!
 
Knalliges Maschinen-Rot, dazu der Raps und blauer Himmel. Trotz Pollen ein richtig schöner Tag!


Neulich war da noch ein kleiner Feldweg gewesen. Der Weizen wuchs irgendwie "im Weg". Nichts, was den Zettfahrer wirklich aufhielt ;-)!



Sehr lecker gegessen, sehr gemütlich gesessen, sehr gut umsorgt worden - Alter Landgasthof in Drackenstedt in der Nähe von Oschersleben. Am Wochenende ist der Chef persönlich im Service, und der Zettfahrer bekam einen wirklich wirklich großen Kaffee-POTT.



Hadmersleben - immer wieder entdecken wir hier im Ort Neues! Ich war schon 3x hier, und jedesmal gibt es weitere kleine Abenteuer!










Den ganzen Komplex zu erkunden, dazu war es zu warm in den Motorradklamotten. Wir müssen wohl mal wieder kommen ;-)!

SO sah es im März aus in dem Ort ...
Beim letzten Ausflug:




Da müssen wir mal wieder hin, wenn das Museum offen ist. Die Ortsgeschichte ist bestimmt interessant. So viele wuchtige Bauten gibt es dort in der Stadt! 






Im Inneren der katholischen Kirche in einer Seitenstraße. Wir bekamen eine kostenlose Führung durch den Komplex. Die Küsterin bombadierte uns mit Namen der Heiligen und wichtigen Persönlichkeiten, das uns der Kopf schwirrte ;-). Eigentlich wollten wir nur kurz im Garten herumschauen ... Ich fand es sehr nett, das sie uns finsteren Gesellen doch noch mit Mut begegnete. Am Anfang meinte sie nämlich: "Die Motorradfahrer sehen immer so finster aus, mit ihren dunklen Visieren und Sonnenbrillen. Aber Sie sind ja jetzt ganz freundlich, guck einer an!"
Die alte Dame hatte einen trockenen Humor, was uns erfreulich von den trockenen Geschichtszahlen ablenkte!


Hier ist sonst normalerweise kein Zutritt. Weil: Internatsschule. Für gut Betuchte. Wir durften aber mit der alten Dame hier auf das Gelände.
Hier findet allerdings trotzdem noch ganz viel Unsinn statt - reich hin oder her ... da sind die Übersättigten manchmal doch etwas ärger drauf. Zucker in die Kehrseite geblasen ... da kommen nur Milchbrötchenen bei raus etc.

Wer das vor sich hin murmelte, habe ich vergessen ;-)





Der schöne Internatspark. Gut in Schuß gehalten vom Gärtner. Wenn ich da an meine alte Schule denke ... überall Beton und Grün waren höchstens die Fahrradständer.

Das waren mal wieder wirklich interessante Ausflüge gewesen. Einziger negativer Punkt: in Motorradsachen Stadtbesichtigungen machen, ist nicht immer angenehm. Schwere Jacke, der Helm, der Tankrucksack ... Wir ließen unsere Sachen oft am Motorrad - aber wohl war mir dabei nicht. Wenn es sich anbot, so wie hier auf dem Kirchengelände, brachten wir alles wichtige mit und ließen es "unter Aufsicht". Gelegenheit macht Diebe - auch wenn nicht wirklich Gold und Geschmeide in den Taschen zu finden ist. Teilweise wundert man sich später, was Leute so alles "gebrauchen" können.

Vormals war es ein No Go für die zivile Bevölkerung, sich an den Sachen auf einem Motorrad zu vergreifen. Zu gefährlich schien es einem, sich den Zorn der finsteren Gesellen auszusetzen, die in der Nähe waren. Wenn man heutzutage die Kataloge der Motorradausstatter anschaut: überall hippe schnieke Männe-Ken's mit fotogenen Gesichtsbehaarungen (gewachst, gedreht, gefönt, geflochten), und sexy belederte Weiblein mit langen blonden Haaren - quasi Barbi in Leder. Vor solchen Hochglanz-Kreditkarten-Bikern hätte ich auch keinen großartigen Respekt mehr ;-). Das prägt halt das neue moderne Bild der Motorrad-Riege.
Nicht immer gelungen. Meine Meinung!



Zeit für einen Klassiker von Volker Aue ;-):