Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 27. Juni 2016

26. Juni 2016 - Ein schöner langer Ritt zu einem Baum, aus dem Wasser sprudelt

Wasserbaum-Tour

Hintour 131 km - KLICK



Und zurück, 110 km

KLICK


Gleich mal vorneweg: geplant war die Tour nicht!
Ich wollte gegen Mittag mal eine kleine Runde drehen - tanken und dann mich treiben lassen.

Gesagt - getan. Und so ging es los. Die Straßen teilweise noch mit Sturmschäden behaftet.

Kleiner Schaden ... grüne Tannenzapfen und Nadelgeäst

Größerer Schaden - hier lagen vortags ganze Äste auf der Straße. Man sieht noch den abgebrochenen selbigen oben rechts im Bild, wie er sich der Unwetter-Touristin weiß geborsten präsentiert

Die letzten Tage hatte es im Landkreis verstärkte Unwetter gegeben, die all überall ihre Spuren hinterlassen hatten.

Da ich an diesem Tag die Waldgebiete meiden wollte, hoffte ich darauf, dass mir keine Knüppel auf dem Weg die Durchfahrt versperrten.

Ich ritt locker in den Sonntag hinein, nur vereinzelt gestört durch Radrennfahrer und den typischen Sonntagsausflügler, der meist bei Tempo 80 auf dem Gaspedal verharrte. Das scheint ein ehernes Gesetz zu sein. Mercedesfahrer, oder GolfPlus - Insassen meist weiß behaart und auffällig durch das völlige Ignorieren des Schulterblicks.

Ich mußte mehrfach energisch die Hupe drücken, damit sie in ihren Abbiegevorgängen und somit Vorfahrtmißachtungen zurückblieben.

Hätte ich den bösen Blick, wären so einige dieser Verkalkten in Asche aufgeflammt ... 

Ellie wurde in Wolfenbüttel aufgetankt und dann ging es durch diverse Baustellen weiter.


Kurzer Halt zum Vorplanen der Route ...

Ich durchfuhr schöne Waldgebiete - die Sturm-Schäden (geborstene Bäume) am Rand aufgetürmt. Meine normale Hausrundenstrecke lag jetzt weit hinter mir - somit auch der Welpenschutz bzw. der Ost-Bonus. Im Ostbereich ist es Sonntags meist gähnend leer.

Die Motorraddichte nahm mit jedem Kilometer zu. Man grüßte sich. Oder halt auch nicht. Einige schienen auf dem Rückweg von Bikertreffen zu sein. Ihre Zweiräder waren teilweise recht abenteuerlich gepackt!

Das Licht war zum fotografieren wie geschaffen. Und zum Augen-Fotografieren. Ich genoß den Blick in die Weite. 

Eine kleine Pause am Rand gönnte ich mir hinter Posthof. Ein Schluck aus der Wasserflasche und einen Haps vom Müsliriegel.
Ein Rudel Radfahrer - normale, mit Tourenrädern diesmal - bog in den Weg ein, und alle grüßten mich fröhlich.
Das fand ich nett. Sonst ist das Verhältnis zu den Langsamtretern ja eher angespannt.


Pause ohne ...

... und mit Radfahrtruppe


Gerade die Strecke in den kleinen Tälern - als Beispiel die Strecke zwischen Bornum und Lamspringe - tat sich landschaftlich herzerwärmend hervor. Die grünen Hügel stachen klar vor dem blauen Himmel hervor, die kleinen Ortschaften gaben sich völlig verschlafen und somit äußerst zuvorkommend dem gemütlichen Cruiser gegenüber. Wären da nicht die selbsternannten Kurvenkreischer gewesen, hätte man nur die Natur gehört.

Kleine Teile der schmalen Straßen waren frisch belegt. Hier hieß es auf das Fußrastenschleifen zu verzichten. Der Wind nahm an Stärke auch zu. Zeit, die Lüftungsverschlüsse der Lederjacke zuzumachen. Mein Rücken kühlte aus.




Frisch eingestreut, und an den Rändern fingertief - Split


Ich wagte mich immer weiter vor. Diese schöne Gegend hatte mich gepackt, meine Kondition war prima, ich fühlte mich wohl im Sattel und so konnte ich einfach nicht aufhören mit fahren.



In der Gelände-Ansicht könnt ihr die kleinen Höhenzüge gut erkennen ...

Ich hatte diese Strecke teilweise vor zwei Jahren schon einmal bewältigt, konnte mich aber noch sehr gut an meine eingeschränkte Konzentration und Überlastung damals zurückerinnern. Heute nahm ich die Kurven in den Hügeln ohne Nachzudenken. Blick voraus, Kurvenlinie suchen und fahren.
Damals eierte ich von Punkt zu Punkt. Mir fehlte einfach die Er-Fahrung. Es war im Rückblick gesehen wichtig für mich, dieses Update zu erleben. Von anderen zu hören, ich hätte große Fortschritte gemacht, ist zwar auch hilfreich - das ganze dann aber selber zu erleben, das ist das Tüpfelchen.

Ich fuhr durch Winzenburgs Grünhügel, und erlebte hier die Hildesheimer Raudies live. Jaulend und halsbrecherisch in meinen Augen, nahmen sie die Kurven ohne Einblick auf das, was vor ihnen war. Entgegenkommende Wohnmobilfahrer zuckten zusammen, und rissen das Lenkrad derb zur Seite weg. Ihre wütenden Schimpftiraden konnte ich dann gut erkennen. Die erhobenen Mittelfinger galten zwar nicht mir persönlich, aber schade fand ich das doch. Das ICH die zu sehen bekam, nicht die Verursacher ...

Mein Magen meldete sich vorsichtig. Aber der beliebte Treff "Fischerhütte", zwischen Lamspringe und Winzenburg, war mir zu überlaufen. Ein Pulk Motorradfahrer hatte sich gerade eben auf dem Parkplatz zusammengerottet. Die Helme über den Spiegeln, die Jacken lässig auf den Schultern positioniert, Sonnenbrillen auf den Halbglatzen geparkt - so lachten und erzählten sie vor sich hin.
Weitere kamen von hinter mir angebrummt, ließen den Gashahn noch schnell aufschnellen - und mit unnötigem Gebrüll fuhren sie zu ihren Genossen herunter.

Danke - aber nein danke. Da wird sich irgendwo noch eine Gelegenheit ergeben, tröstete ich mich selbst. Später naschte ich einige Streifen Fritt in mich hinein. Kein vollwertiger Ersatz für eine Mahlzeit, aber der Magen knurrte etwas weniger.



Diese Tankstelle auf dem Foto glänzte durch einen Eier-Automaten, links außerhalb des Bildes. Ansonsten ist sie ein Sinnbild für viele Tankmöglichkeiten in der verkehrsreichen Gegend: Tanken, mit Zigaretten aus dem Automaten eindecken - und sonst nix. So wie es früher einmal war. Das Verkaufsgebäude war old fashion. Auch die Kaugummi-Automaten hatten schon bessere Zeiten - und weniger anspruchsvolle Kinder - gesehen. Trotzdem gefielen mir diese Stationen. Ein Eier-Automat - sowas kannte ich nicht.

Ich kam in Freden an, kurzzeitig begleitet von einem Einheimischen. Der rauchte mich aber auf der Überführung auf. Ich war ihm wohl zu korrekt. An die vorgeschriebene Geschwindigkeit halten sich dort recht wenige. Entweder, sie sind besser informiert als ich und wissen, wo die mobilen Blitzer stehen. Oder aber sie haben zuviel Geld. Ich als Ortsunkundige war lieber korrekt, denn unnötig Geld habe ich nicht zur Verfügung.

Schmale kurvige Straßen waren unser Weg. Die Motorraddichte war hier angestiegen - das wunderte mich auch nicht. Schöner Blick linksseitig, Hügel anwärts rechtsseitig. Beim Vorbeifahren wurde ich kurzfristig irritiert. Ein Warnschild ließ mich stutzen: "Achtung Wildkatze". Was es hier nicht alles gibt! Leider ergab sich keine Möglichkeit zum wenden für ein Foto. Ich werde wiederkommen müssen. 

Obwohl ich nur nach Karte fuhr, behielt ich die Orientierung. Offenbar war ich wirklich gut drauf an dem Tag ;-). Ein Stück mußte ich die B3 befahren. Zum Glück nur wenige Meter, dann bog ich in Delligsen ab. Eine weitere sanftkurvige Höhenstraße erwartete mich. Die wunderschönste, wie ich fand! Etliche Motorradbegleiter bogen dann links ab nach Grünenplan, und weiter wohl nach Eschershausen. Richtung Weser und tief ins Weserbergland. Nun, viel Glück ihnen auf der Tour. Es war Sonntag, wunderbares Wetter - und somit das gleiche wie bei mir zuhause: die bekannten Kurvenrouten total überlaufen.
Not my cup of tea, dear ... Mal schauen. Im August. Wenn ich Urlaub habe. Dann könnte man das mal versuchen. Unter der Woche! 
Im kleinen Örtchen Thüste sah ich aus den Augenwinkeln ein wirklich schönes Pausenplätzchen. Voilá - rauf auf den gepflasterten Platz.








Im Lavendelgebüsch summselte und brumselte und flatterte es - eine wahre Augenfreude. Und die Nase bekam auch etwas: der Lavendel in der prallen Sonne duftete wie ein Douglas-Shop ...


Auf der Dorfstraße brausten von Zeit zu Zeit Pulks von Weserbergland-Touristen vorbei. Auch schien es irgendwo einen Oldtimer-Tag zu geben: einige wunderschöne Cabriolets von ganz ganz alten Mercedes-Modellen tuckerten durch den Ort.

Eine unerklärliche Unruhe hatte mich gepackt. Ich mußte da vehement gegenan steuern. Pausen sind NÖTIG und ERLAUBT, mahnte ich mich selber.
Vor langer Zeit pausierte ich an jedem Maulwurfshügel - jetzt mußte ich mich zum Anhalten zwingen. Wie sich das Verhalten ändert, wenn man längerfristig dabei ist ...

Trotzdem wurde es Zeit, und ich fuhr einige Kilometer weiter. Fast hätte ich die Ortsabfahrt verpaßt. Ich steppte die Gänge zusammen, und bog ziemlich eierig ab. Zu schnell angefahren, grumpf ...

Der Weg hoch war sehr schwammig vom Untergrund her. Ein Tribut an das Unwetter - auch hier hatte es tiefe Gräben hinterlassen!

Dann war ich am Tourziel, von welchem ich bei Beginn noch gar nichts wußte.


Ganz klein? Nein! Nur schlechte Perspektive!



Da ist er - in voller Schönheit




Hier war ich in meiner Anfängerzeit schon einmal gewesen. Meine erste lange Tour damals, und wie stolz war ich da gewesen. Schmunzelnd erinnerte ich mich an meine Euphorie damals.

Der Rastplatz am Baum war total überfüllt, und ständig kamen weitere Autos voll mit kleinen Kindern in Gummianzügen angefahren. Der Wasserbaum ist ein beliebter Treff für Familien mit kleinen Kindern, die im Wasser panschen und toben.

Ich beruhigte meinen Magen mit weiterem Junkfood, und rief bei meiner Freundin an. Sie war auf der Weide und bis dahin hätte ich nur wenige Kilometer zu fahren gehabt. Mein Besuch war willkommen, sie beschrieb mir den Weg und ich machte mich wieder auf die Straße.

In Salzhemmendorf sichtete ich eine Aral, und entschloß mich zu einem Imbiß. Kurz gesagt: es gab ein Stück Pizza und einen sagenhaft leckeren Automaten-Cappucino. Cappucino Spezial - mit einem Anteil Schokopulver drin.
Meine Lebensgeister kehrten zurück. Hier erfuhr ich auch, dass Deutschland heute spielt. Das gefiel mir ausnehmend gut, denn der Rückweg würde somit ab 18 Uhr fast komplett frei von anderen Fahrern sein!

Ich fragte zwei Anwohnerinnen in dem nächsten Dörflein nach dem Weg zur Weide. Die eine war ganz freundlich, während ihr Hund bei der Wegbeschreibung die ganze Zeit kläffend seinen Unmut kund tat, wie es nur verwöhnte Haushunde können.

Dann tuckerte ich den für Unbefugte gesperrten Weg hoch bis zum Weideneingang. Nun, ich hatte ja ein Anliegen - den Besuch. Und fühlte mich somit nicht unbefugt.


Herrliches Fleckchen, wo die Pferde stehen durften ...

Die Wiesenarbeit war erledigt, und wir hockten für eine halbe Stunde zusammen und schwätzten. Dann winkte ihre Familie zuhause, und meine Freundin fuhr zurück. Ich wollte folgen, hatte aber noch einen Disput mit einer Anwohnerin. Das Hausmeister-Gen kam hier voll durch. Mein Angebot, das sie meine Freundin anrufen könne - mit meinem Handy - und sich von meiner lauteren Absicht überzeugen könne, ließ sie nicht gelten. Nein, sie war auf Krawall gebürstet und ließ mich ihren Hass auf Touristen und Motorradfahrer im besonderen voll spüren.
Ihr Gesicht wurde ziemlich hässlich während ihrer Schimpftirade.

Diese Situation, die meinen ansich schönen Tag verdunkelte, begleitete mich noch lange Kilometer.

Die  Rückfahrt über die B1 war fast schon gespenstisch. Die Dörfer leer, kein Mucks zu hören. Die Straßen bis auf wenige Autos ebenfalls einsam. Hildesheim fast ohne Menschen - so etwas erlebt man äußerst selten!

Kurz vor zuhause hatte ich die Nase voll von der öden Bundesstraßenfahrt und dem Kilometerfressen. Ich bog rechts ab, durchfuhr Lengede, kratzte am Stadtrand von Salzgitter, und es ging ein Stück Autobahn entlang. Eine Auf- und Abfahrt durch, und dann über Nebenrouten durch Wolfenbüttel und ein Stück die Hausroute.

Um 20.30 Uhr kam ich zuhause an.
Der ersehnte Schlaf stellte sich schwer ein - zuviel Adrenalin war noch im Blut.


Fazit:

Mal eben fast 250 Kilometer gerissen. Das wunderschöne Weserbergland gestreift. Kleine Ortschaften neu entdeckt.
Wenn Deutschland Fußball spielt, sind selbst die Hauptverkehrsadern ein Traum ;-)

Mittwoch, 22. Juni 2016

21. Juni 2016 - Sommersonnenwende - und Fußballzeit zum offiziellen Sommeranfang - hat Vorteile!

Irgendwie spielte gestern abend jemand wichtiges - denn die Straßen waren zunächst, nachmittags, rappelvoll. Und die Autofahrer mega agressiv. Aber später gähnend leer. Herrlich gähnend leer. Wie nach einem Atomkrieg. Nur nicht so nachhaltig!

Ich tourte nach Feierabend zunächst um die Asse, durchfuhr eine Baustelle (obwohl die Straße noch gesperrt war), und pausierte an der Eisdiele in Vienenburg. Ausser mir war noch ein zerzauster Street-Fighter-Fahrer anwesend, und etliche zivile Gäste.

Street-Fighter-Fahrer sehen irgendwie immer zerzaust und verwegen aus, oder?

Ich plünnte mich wieder an und reihte mich in den Feierabendverkehr ein, bog dann aber von der Hauptader ab in Richtung Harzvorland.

Die grobe Richtung war Bad Harzburg, wo ich aus einer Laune heraus einen Wirtschaftsweg nahm. So querte ich mehrfach die ehemalige Grenze, von Niedersachsen nach Sachsen-Anhalt und zurück. Die Waldstücke schienen wie mit dem Lineal gepflanzt, die Wege und Entwässerungsgräben schnurgerade. Auch wenn keine Erinnerungstafel zu sehen war - diese Anzeichen bewiesen den ehemaligen Grenzverlauf.

Keine Menschenseele war zu sehen - kein Radfahrer, keiner auf der Hunderunde - eine schmale und gut gepflegte Straße vor uns, und ich mittenmang! Ich holte tief Luft und erholte mich langsam vom stressig gewesenen Bürotag. Unsere Abteilung zieht mal wieder um, und ich bin die Koordinatorin. Bevor ich mich total aufreibe an den Eigenarten einzelner, hatte ich beschlossen, die Situation als Comedy einzustufen. Damit lebe ich recht ordentlich. Nur manchmal reicht auch die innere Einstellung nicht aus, alles zu übertünchen ...


Licht und Luft und Aufatmen


Die Temperaturen gingen immer höher - das Sommerhoch drohte schon. Ich öffnete die Lüftungsreißverschlüsse in der Lederjacke und der Motorradhose. Schräg über mir brandete der Verkehr in die B6N-Zubringer-Schleife. Hier unten aber waren Ellie und ich für uns, und teilten uns die Gegend mit Feldhasen, Feldlärchen und anderem Getier. Eine heilende Wohltat, wie ich fand. Ellie und ich, und die Natur. Mehr mußte nicht sein! Was sich da oben abspielte, blendete ich total aus. Ich beobachtete einen fetten schwarzen Käfer, der in eiligen Angelegenheiten über die heiße Teerstraße zum frisch gemähten Grasstreifen rannte. Emsiges Kerlchen - ob ihm wohl die Füße brannten?

Nach der kleinen Pause drehte ich Ellie um, und tuckerte die kleinen Wege immer kreuz und quer durch die Felder. Links Getreide, rechts Zuckerrüben. Ein Maisfeld war auch mit dabei. Libellen flogen auf Schulterhöhe mit. Ihre Flügel schillerten in der Sonne, und ich bewunderte ihre Fähigkeit, in der Luft abrupt anzuhalten und kopfüber an den Boden zu sausen, auf der Jagd nach Insekten.

Schäfchen-Wolken, den Harz-Höhenzug vor Augen - Feldlärchen über mir, Raubvögel in den Bäumen, Libellen als kurzzeitige Tourbegleiter. Natur pur und keine Menschen.
Gebt mir eine Enduro, und ich wäre nur noch im Gelände! Für das Rad ist diese schöne Gegend ebenfalls allerbestens geeignet, nur leiderleider viel zu weit weg von mir zuhause. Hier einfach blindlings durchzufegen wäre viel zu schade.

Es ist schon erstaunlich, was ich mit der kleinen Tourenmaschine so alles bewerkstelligen kann. Schotterpisten, Graswege - all das sind eigentlich keine typischen Straßen für sie. Hier macht sich jetzt  meine Fahr-Erfahrung bemerkbar. Ich weiß besser, was ich Ellie zumuten kann. Natürlich ist Schotterpiste oder aufgeweichte Feldwege fahren nicht so wirklich komfortabel. Die Reifen sind einfach falsch dafür. Aber mit Gefühl und Aufmerksamkeit bekomme ich das bislang ganz ordentlich hin.

Ich kam irgendwann in einem verschachtelten und verschlafenen Örtchen mit hübschen Häusern, Vorgärten und Bachverläufen an. Kinder spielten am Straßenrand, und winkten hinter uns her. Keines steckte sich die Finger in die Ohren. Ellie ist leise genug.

Ein Blick auf die Karte weckte mein Interesse, ich drehte erneut und fuhr in das so genannte Eckertal. Ein kleines grünes Fleckchen, mit einigen netten Kurven. Nichts spektakuläres. Nichts für die Knieschleifer, denn der Straßenbelag ist an einigen Stellen fragwürdig.




Die Getreidefelder standen schon gut, und heute paßte auch das Fotolicht. Mir tat der Hintern weh, und ich mußte mal meine Beine ausstrecken.

Mohnblumenzeit. Fotozeit!



Bitteschön: der Blick nach vorne zeigt den Harz-Höhenzug


 


 

Dafür gehe ich gerne in die Knie: eine Mohnblumen-Motorrad-Perspektive




In einer Seitenbucht stand ein Auto, aber der Fahrer war abgängig. Ich konnte in Ruhe meine Verrenkungen für die Fotos machen.

Als es genug war, drehte ich Ellie auf der Schotterpiste mit den ausgewaschenen Fahrspuren um. Eine dunkle Reihe Waldameisen wuselte mit Turboantrieb im Staub, und ich hatte Mühe, ihre Straße nicht zu zerstören.

Der kleine Ort Eckertal war anschließend schnell durchfahren. Vor mir bemühte sich ein leuchtend gelb ge-Weste-ter Fahrschüler auf seiner Maschine durch den Ort, den Fahrlehrer im Auto hinter sich. Sie bogen nach rechts, in Richtung Ilsenburg. Ich führte Ellie nach links, und hing meinen Gedanken nach. Fahrschule ... das ist lange her und doch immer noch präsent.

So fuhr und fuhr ich. Der Abend kam, und mit ihm gefühlte Milliarden von Insekten. Obwohl ich die Lüftungslöcher im Helm geschlossen hatte, fanden immer wieder winzige Fliegen den Weg hinter das Visier.

Um halb neun Uhr war ich vor der Garage, und müde gefahren war ich jetzt auch. Ellie wurde abgestellt, um das Fliegen säubern würde ich mich am nächsten Tag kümmern.

Eine heiße Dusche folgte, dann noch ein wenig Chillen auf der Couch - und der Tag war mal wieder zuende. Der längste Tag im Jahr. Ab morgen würde es wieder Richtung Winter gehen. Würde es täglich später hell und früher dunkel. Ich hasse das.

Die Saison in Deutschland ist - was die Helligkeit angeht - eindeutig zu kurz bemessen. Deshalb leide ich im Sommer auch an permanentem Schlafentzug: spät zuhause ankommen nach der Tour, und morgens wieder mit den frühen Vögeln aufstehen. Irgendwann hilft auch Kaffee nicht mehr ;-).

Fazit:
Sommersonnenwende. Nutzt die Zeit. Hetzt nicht, sondern genießt. Nicht grün-grün-grau, sondern auch mal anhalten und umgucken.

 

Montag, 20. Juni 2016

19. Juni 2016 - Rin in de Kartüffeln, rut ut de Kartüffeln

Gestern hatten der Zettfahrer und ich die Family im Norden besucht. Allerdings mit dem Auto, denn das Wetter wetterte vor sich hin, sprich: Regen. Es war mal wieder ganz interessant, die alte Heimat zu besuchen. Neue Häusersiedlungen, neue Baustellen ... und gefühlt irgendwie immer genau dann, wenn Ferien vor der Tür stehen!
 
Der Sonntag gestaltete sich Wettermäßig ebenfalls wechselhaft. Fahren wollte ich aber nun gerne einmal wieder, nachdem sich die Woche über gar keine Möglichkeit ergeben hatte!

Die Morgentour brach ich allerdings nach 2 Kilometern ab, weil Wetter ankam. Eine gute Entscheidung! Wenige Augenblicke später brach der Himmel auf und es pladderte, als würde jemand dafür bezahlt werden!

Durch den Wind trocknete es dann aber relativ fix ab.

Gegen 14 Uhr fuhr ich dann doch los. Diesmal allerdings mit leichter Winterausstattung: Futter in die Jacke, langes Shirt, und Funktionsunterwäsche. Das war gut gewählt, denn die Luft war sehr frisch. Wenn die Sonne rauskam, ging es prima. Ohne Sonne war ich froh über mein warmes Unterzeug! Ich hatte meine Winterhandschuhe eingepackt, und nutzte sie zum Abend hin erfreut! Griffheizung wollte ich nicht einschalten - das kommt noch früh genug auf mich zu!

Und ich fuhr. Und fuhr. Am Abend hatte ich satte 260 Kilometer. Für eine "Hausrunde" und in der kurzen Zeit relativ viel.
Für meine Verhältnisse!

Irgendwie war mir nach fahren. Nicht nach anhalten. Die letzte Woche war total scheiße gelaufen. So etwas kommt vor. Das Fahren war sozusagen Medizin zum "Abdenken". Und Erinnerung an die eigene Sterblichkeit. Der Fahrwind schüttelte Ellie und mich ganz schön durch. Als die Wolken weggeblasen waren, wärmte die Sonne sehr schön. Das tat gut. Auch dem Kopf! Helles Licht, weiter Blick - da kann die Seele mal wieder aufatmen.

Ich hatte Glück und relativ wenig PKW-Verkehr auf den Straßen. Mein Stammtischbruder war nicht im Freibad - es hatte sich wohl nicht gelohnt, das Bad aufzumachen. Zu kühl. Zu wenig Badegäste. Also fuhr ich weiter in Richtung Osten. Unbekannte Dörfer, interessante "Abkürzungen" in die Felder hinein.

Viel fahren und kaum anhalten bedeutet: wenig Fotomaterial. EINE Fotorast mußte aber mal sein. Da merkte ich dann auch das von Svenja beschriebene "Summen im Körper", wenn man sehr lange unterwegs war, ohne Pausen. Das ist sonst so gar nicht meins, dieses Herumjagen. Aber an diesem Tag ergab sich das einfach.

Ein interessanter Nebeneffekt an dem Tag: ohne groß über das Fahren nachzudenken, brachte mich mal eben über mehrere Stadtgrenzen hinaus. Einfach so.
So eine Er-Fahrung hatte ich noch nie. Fahren, Eindrücke aufsaugen, ohne Nachdenken.

Mal ganz okay. Mußte ich wohl haben.


Mitten im Nirgendwo


Nach hinten: weiter leerer Raum. Energie-Umwandlung. Und Kartoffeln.

Da hinten war Wetter. Das regnete sich zwar ab, aber wir bekamen nichts davon mit. Der Wind war stark, die Sonne auch - insofern trocknete die Straße ab, bevor wir dort ankamen!

Links von uns: Kartoffeln
 

Rechts von uns: Kartoffeln
 

All überall: Kartoffeln



Fazit:
Manchmal gibt es so Tage ...

Dienstag, 14. Juni 2016

Eulenspiegel-Route, Oldtimer-Tag, Monet

Kleine Runden im Umland.

Inklusive Erdbeerfeld entern (legal), Feldwege untersuchen (hüstel ...), und einem Schelm auf die Schliche kommen.
Eulenspiegel-Route








Schön geschwungene Kurven, schmale Straßen und geringer Verkehr - so liebe ich das!





Ein schöner Tag geht in den Abend ... herrlicher Anblick beim Nachhause-Fahren


Am 12.6. - ein Sonntag - war im Nachbardorf Oldtimer-Treff mit Flohmarkt.  Dort war ich im letzten und vorletzten Jahr schon gewesen, und es hatte mir immer sehr gut gefallen.


Das Wetter war komisch an diesem Sonntag morgen. So feuchtwarm! Ab und an stippelte es ein wenig. Der Himmel sah bleiern aus. Das Regenradar sah übel aus. Trotzdem wollten wir mit den Motorrädern anreisen.

Der Zettfahrer kam gegen 11 Uhr mit Karacho angefegt. Das Outfit passte wie üblich zum Motorrad, und wir machten uns auf den Weg in das Gewusel. Die Anfahrt wurde von mir ein wenig ausgedehnt - es ging kreuz und quer und drumherum. Die Zett knatterte durch die Lande, und wir ernteten mehrfach anerkennende Blicke. Das bezog sich wohl eher auf den Zettfahrer. Es sah schon richtig authentisch aus, wie er da - mit seinem passenden Oldtimer-Helm mit den Lederschnallen - auf der Zett unterwegs war ... sogar eine ECE Zulassung hatte der ...

Dann kamen wir am Ort des Geschehens an. Das ganze Dorf war der Veranstalter. Überall gab es Aktion, Fahrzeuge, Leckereien und Getränke.

Die Zett hätte in die Straße um die Kirche herum fahren dürfen, dort, wo alle Oldtimer sich versammelten.

Ellie war leider nicht alt genug. 

Aber wir parkten trotzdem lieber außen vor.
Kaum war der Recke von der Tochter Frankensteins abgestiegen, versammelten sich neugierige Passanten.


Wir nahmen nur das nötigste mit, und es ging auf Fototour. Begleitet von fremdartig anmutenden Bongo-Klängen der Ortsneulinge aus Afrika beäugten wir die dargestellten Schätzchen.

Endlich mal eine vernünftige Harley, und nicht so ein moderner Schickimicki-Hobel ...

Lalüüü Lalaaaaaaa
Polizei-Isetta Knutschkugel

Mein VW-Bus



Richtig alte Landtechnik - überall in den Höfen standen sie und warteten auf die Kenner

Ich bekam auf dem Flohmarkt einige Nettigkeiten zu Gesicht. Einzelne davon fanden den Weg in die Satteltaschen ...


Dort war nicht nur Flohmarkt. Auch einige mit viel Liebe gefertigte Handarbeiten warteten auf die Käufer. Zwei kleine Stoffbeutel wechselten später den Besitzer und umhüllten den niedlichen Glasvogel als Schutz während der Fahrt in der Satteltasche ... 

An einer Poffertjes-Bude gab es vernünftigen Kaffee für den Zettfahrer, und eine süße Portion für mich. Die Sonne brutzelte mir auf den Kopf. Dazu die schwere Lederklamotte, und meine Kopfschmerzen rieben sich die Hände - Attacke!

Irgendwann reichte es mir. Wir hätten - in kurzen Sommerhosen und Shirt - noch viel länger dort verweilen können, aber so in den Motorradsachen, da fehlte mir das Durchhaltevermögen.

Eine kleine Runde tourten wir um den Elm herum, die schwarze und drohende Gewitterwolke vor Augen. Irgendwann fuhren wir um einen Hügel herum, und wie mit einem Lineal gezogen wurde kurz vor uns die Straße klitschenass. Eine regionale Front regnete sich ab!

Ich hielt an, drehte auf einer Parkbucht, und mit Tempo ging es zurück dahin, wo wir hergekommen waren. Immer kreuz und quer, fast auf der Route, die ich morgens immer zur Arbeit hetze. Der Himmel wirkte immer noch bedrohlich, aber wir waren anscheinend dem Regen ausgewichen!

Eine Pizzeria war mein Ziel. Ich hatte einen Mörderhunger! Während der Zettfahrer zwei Kaffee besorgte, orderte ich die Pizzen. Wir schmausten beide mit großem Appetit. Als die halben Pizzen vernichtet waren, bekam ich ein extrem ungutes Gefühl. Der Blick zum Himmel bestätigte mein Gespür. Ich organisierte einen Pizzakarton, tat die übrigen Stücke hinein und verstaute den Karton mehr schlecht als recht auf dem Gepäckträger von Ellie. Das verflixte Gummistraps glitt vom Gestänge und schnappste mir schmerzhaft an die Finger.
Drecksteil!!!  

Undamenhaft fluchend und ungeduldig brachte ich Ellie in Gang, ranzte den armen Tourenbegleiter zickig von der Seite an ("Ey mach HINNE!!!") und mit nicht angepaßter Geschwindigkeit fegte ich durch den Ort, Richtung zuhause vor die Garage.

Kaum waren wir unter dem Garagentor angekommen, ging der Wolkenbruch nieder.

Wir standen im Trockenen und kauten die Reste der Pizzen. Mea Culpa, lieber Zetti, aber das harsche Gedrängel mußte sein - mein Bauchgefühl das Wetter betreffend paßte ...

Und weil wir beide auch noch andere gemeinsame Hobbys haben, gab es gestern auch noch dieses dazu ...


Wie ein Gemälde von Claude Monet, oder?



Fazit:

Mir fällt heut nix als Fazit ein ...