Hintour 131 km - KLICK
Und zurück, 110 km
KLICK
Gleich mal vorneweg: geplant war die Tour nicht!
Ich wollte gegen Mittag mal eine kleine Runde drehen - tanken und dann mich treiben lassen.
Gesagt - getan. Und so ging es los. Die Straßen teilweise noch mit Sturmschäden behaftet.
Kleiner Schaden ... grüne Tannenzapfen und Nadelgeäst
Größerer Schaden - hier lagen vortags ganze Äste auf der Straße. Man sieht noch den abgebrochenen selbigen oben rechts im Bild, wie er sich der Unwetter-Touristin weiß geborsten präsentiert
Die letzten Tage hatte es im Landkreis verstärkte Unwetter gegeben, die all überall ihre Spuren hinterlassen hatten.
Da ich an diesem Tag die Waldgebiete meiden wollte, hoffte ich darauf, dass mir keine Knüppel auf dem Weg die Durchfahrt versperrten.
Ich ritt locker in den Sonntag hinein, nur vereinzelt gestört durch Radrennfahrer und den typischen Sonntagsausflügler, der meist bei Tempo 80 auf dem Gaspedal verharrte. Das scheint ein ehernes Gesetz zu sein. Mercedesfahrer, oder GolfPlus - Insassen meist weiß behaart und auffällig durch das völlige Ignorieren des Schulterblicks.
Ich mußte mehrfach energisch die Hupe drücken, damit sie in ihren Abbiegevorgängen und somit Vorfahrtmißachtungen zurückblieben.
Hätte ich den bösen Blick, wären so einige dieser Verkalkten in Asche aufgeflammt ...
Ellie wurde in Wolfenbüttel aufgetankt und dann ging es durch diverse Baustellen weiter.
Kurzer Halt zum Vorplanen der Route ...
Ich durchfuhr schöne Waldgebiete - die Sturm-Schäden (geborstene Bäume) am Rand aufgetürmt. Meine normale Hausrundenstrecke lag jetzt weit hinter mir - somit auch der Welpenschutz bzw. der Ost-Bonus. Im Ostbereich ist es Sonntags meist gähnend leer.
Die Motorraddichte nahm mit jedem Kilometer zu. Man grüßte sich. Oder halt auch nicht. Einige schienen auf dem Rückweg von Bikertreffen zu sein. Ihre Zweiräder waren teilweise recht abenteuerlich gepackt!
Das Licht war zum fotografieren wie geschaffen. Und zum Augen-Fotografieren. Ich genoß den Blick in die Weite.
Eine kleine Pause am Rand gönnte ich mir hinter Posthof. Ein Schluck aus der Wasserflasche und einen Haps vom Müsliriegel.
Ein Rudel Radfahrer - normale, mit Tourenrädern diesmal - bog in den Weg ein, und alle grüßten mich fröhlich.
Das fand ich nett. Sonst ist das Verhältnis zu den Langsamtretern ja eher angespannt.
Pause ohne ...
... und mit Radfahrtruppe
Gerade die Strecke in den kleinen Tälern - als Beispiel die Strecke zwischen Bornum und Lamspringe - tat sich landschaftlich herzerwärmend hervor. Die grünen Hügel stachen klar vor dem blauen Himmel hervor, die kleinen Ortschaften gaben sich völlig verschlafen und somit äußerst zuvorkommend dem gemütlichen Cruiser gegenüber. Wären da nicht die selbsternannten Kurvenkreischer gewesen, hätte man nur die Natur gehört.
Kleine Teile der schmalen Straßen waren frisch belegt. Hier hieß es auf das Fußrastenschleifen zu verzichten. Der Wind nahm an Stärke auch zu. Zeit, die Lüftungsverschlüsse der Lederjacke zuzumachen. Mein Rücken kühlte aus.
Frisch eingestreut, und an den Rändern fingertief - Split
Ich wagte mich immer weiter vor. Diese schöne Gegend hatte mich gepackt, meine Kondition war prima, ich fühlte mich wohl im Sattel und so konnte ich einfach nicht aufhören mit fahren.
In der Gelände-Ansicht könnt ihr die kleinen Höhenzüge gut erkennen ...
Ich hatte diese Strecke teilweise vor zwei Jahren schon einmal bewältigt, konnte mich aber noch sehr gut an meine eingeschränkte Konzentration und Überlastung damals zurückerinnern. Heute nahm ich die Kurven in den Hügeln ohne Nachzudenken. Blick voraus, Kurvenlinie suchen und fahren.
Damals eierte ich von Punkt zu Punkt. Mir fehlte einfach die Er-Fahrung. Es war im Rückblick gesehen wichtig für mich, dieses Update zu erleben. Von anderen zu hören, ich hätte große Fortschritte gemacht, ist zwar auch hilfreich - das ganze dann aber selber zu erleben, das ist das Tüpfelchen.
Ich fuhr durch Winzenburgs Grünhügel, und erlebte hier die Hildesheimer Raudies live. Jaulend und halsbrecherisch in meinen Augen, nahmen sie die Kurven ohne Einblick auf das, was vor ihnen war. Entgegenkommende Wohnmobilfahrer zuckten zusammen, und rissen das Lenkrad derb zur Seite weg. Ihre wütenden Schimpftiraden konnte ich dann gut erkennen. Die erhobenen Mittelfinger galten zwar nicht mir persönlich, aber schade fand ich das doch. Das ICH die zu sehen bekam, nicht die Verursacher ...
Mein Magen meldete sich vorsichtig. Aber der beliebte Treff "Fischerhütte", zwischen Lamspringe und Winzenburg, war mir zu überlaufen. Ein Pulk Motorradfahrer hatte sich gerade eben auf dem Parkplatz zusammengerottet. Die Helme über den Spiegeln, die Jacken lässig auf den Schultern positioniert, Sonnenbrillen auf den Halbglatzen geparkt - so lachten und erzählten sie vor sich hin.
Weitere kamen von hinter mir angebrummt, ließen den Gashahn noch schnell aufschnellen - und mit unnötigem Gebrüll fuhren sie zu ihren Genossen herunter.
Danke - aber nein danke. Da wird sich irgendwo noch eine Gelegenheit ergeben, tröstete ich mich selbst. Später naschte ich einige Streifen Fritt in mich hinein. Kein vollwertiger Ersatz für eine Mahlzeit, aber der Magen knurrte etwas weniger.
Diese Tankstelle auf dem Foto glänzte durch einen Eier-Automaten, links außerhalb des Bildes. Ansonsten ist sie ein Sinnbild für viele Tankmöglichkeiten in der verkehrsreichen Gegend: Tanken, mit Zigaretten aus dem Automaten eindecken - und sonst nix. So wie es früher einmal war. Das Verkaufsgebäude war old fashion. Auch die Kaugummi-Automaten hatten schon bessere Zeiten - und weniger anspruchsvolle Kinder - gesehen. Trotzdem gefielen mir diese Stationen. Ein Eier-Automat - sowas kannte ich nicht.
Ich kam in Freden an, kurzzeitig begleitet von einem Einheimischen. Der rauchte mich aber auf der Überführung auf. Ich war ihm wohl zu korrekt. An die vorgeschriebene Geschwindigkeit halten sich dort recht wenige. Entweder, sie sind besser informiert als ich und wissen, wo die mobilen Blitzer stehen. Oder aber sie haben zuviel Geld. Ich als Ortsunkundige war lieber korrekt, denn unnötig Geld habe ich nicht zur Verfügung.
Schmale kurvige Straßen waren unser Weg. Die Motorraddichte war hier angestiegen - das wunderte mich auch nicht. Schöner Blick linksseitig, Hügel anwärts rechtsseitig. Beim Vorbeifahren wurde ich kurzfristig irritiert. Ein Warnschild ließ mich stutzen: "Achtung Wildkatze". Was es hier nicht alles gibt! Leider ergab sich keine Möglichkeit zum wenden für ein Foto. Ich werde wiederkommen müssen.
Obwohl ich nur nach Karte fuhr, behielt ich die Orientierung. Offenbar war ich wirklich gut drauf an dem Tag ;-). Ein Stück mußte ich die B3 befahren. Zum Glück nur wenige Meter, dann bog ich in Delligsen ab. Eine weitere sanftkurvige Höhenstraße erwartete mich. Die wunderschönste, wie ich fand! Etliche Motorradbegleiter bogen dann links ab nach Grünenplan, und weiter wohl nach Eschershausen. Richtung Weser und tief ins Weserbergland. Nun, viel Glück ihnen auf der Tour. Es war Sonntag, wunderbares Wetter - und somit das gleiche wie bei mir zuhause: die bekannten Kurvenrouten total überlaufen.
Not my cup of tea, dear ... Mal schauen. Im August. Wenn ich Urlaub habe. Dann könnte man das mal versuchen. Unter der Woche!
Im kleinen Örtchen Thüste sah ich aus den Augenwinkeln ein wirklich schönes Pausenplätzchen. Voilá - rauf auf den gepflasterten Platz.
Im Lavendelgebüsch summselte und brumselte und flatterte es - eine wahre Augenfreude. Und die Nase bekam auch etwas: der Lavendel in der prallen Sonne duftete wie ein Douglas-Shop ...
Auf der Dorfstraße brausten von Zeit zu Zeit Pulks von Weserbergland-Touristen vorbei. Auch schien es irgendwo einen Oldtimer-Tag zu geben: einige wunderschöne Cabriolets von ganz ganz alten Mercedes-Modellen tuckerten durch den Ort.
Eine unerklärliche Unruhe hatte mich gepackt. Ich mußte da vehement gegenan steuern. Pausen sind NÖTIG und ERLAUBT, mahnte ich mich selber.
Vor langer Zeit pausierte ich an jedem Maulwurfshügel - jetzt mußte ich mich zum Anhalten zwingen. Wie sich das Verhalten ändert, wenn man längerfristig dabei ist ...
Trotzdem wurde es Zeit, und ich fuhr einige Kilometer weiter. Fast hätte ich die Ortsabfahrt verpaßt. Ich steppte die Gänge zusammen, und bog ziemlich eierig ab. Zu schnell angefahren, grumpf ...
Der Weg hoch war sehr schwammig vom Untergrund her. Ein Tribut an das Unwetter - auch hier hatte es tiefe Gräben hinterlassen!
Dann war ich am Tourziel, von welchem ich bei Beginn noch gar nichts wußte.
Ganz klein? Nein! Nur schlechte Perspektive!
Da ist er - in voller Schönheit
Hier war ich in meiner Anfängerzeit schon einmal gewesen. Meine erste lange Tour damals, und wie stolz war ich da gewesen. Schmunzelnd erinnerte ich mich an meine Euphorie damals.
Der Rastplatz am Baum war total überfüllt, und ständig kamen weitere Autos voll mit kleinen Kindern in Gummianzügen angefahren. Der Wasserbaum ist ein beliebter Treff für Familien mit kleinen Kindern, die im Wasser panschen und toben.
Ich beruhigte meinen Magen mit weiterem Junkfood, und rief bei meiner Freundin an. Sie war auf der Weide und bis dahin hätte ich nur wenige Kilometer zu fahren gehabt. Mein Besuch war willkommen, sie beschrieb mir den Weg und ich machte mich wieder auf die Straße.
In Salzhemmendorf sichtete ich eine Aral, und entschloß mich zu einem Imbiß. Kurz gesagt: es gab ein Stück Pizza und einen sagenhaft leckeren Automaten-Cappucino. Cappucino Spezial - mit einem Anteil Schokopulver drin.
Meine Lebensgeister kehrten zurück. Hier erfuhr ich auch, dass Deutschland heute spielt. Das gefiel mir ausnehmend gut, denn der Rückweg würde somit ab 18 Uhr fast komplett frei von anderen Fahrern sein!
Ich fragte zwei Anwohnerinnen in dem nächsten Dörflein nach dem Weg zur Weide. Die eine war ganz freundlich, während ihr Hund bei der Wegbeschreibung die ganze Zeit kläffend seinen Unmut kund tat, wie es nur verwöhnte Haushunde können.
Dann tuckerte ich den für Unbefugte gesperrten Weg hoch bis zum Weideneingang. Nun, ich hatte ja ein Anliegen - den Besuch. Und fühlte mich somit nicht unbefugt.
Herrliches Fleckchen, wo die Pferde stehen durften ...
Die Wiesenarbeit war erledigt, und wir hockten für eine halbe Stunde zusammen und schwätzten. Dann winkte ihre Familie zuhause, und meine Freundin fuhr zurück. Ich wollte folgen, hatte aber noch einen Disput mit einer Anwohnerin. Das Hausmeister-Gen kam hier voll durch. Mein Angebot, das sie meine Freundin anrufen könne - mit meinem Handy - und sich von meiner lauteren Absicht überzeugen könne, ließ sie nicht gelten. Nein, sie war auf Krawall gebürstet und ließ mich ihren Hass auf Touristen und Motorradfahrer im besonderen voll spüren.
Ihr Gesicht wurde ziemlich hässlich während ihrer Schimpftirade.
Diese Situation, die meinen ansich schönen Tag verdunkelte, begleitete mich noch lange Kilometer.
Die Rückfahrt über die B1 war fast schon gespenstisch. Die Dörfer leer, kein Mucks zu hören. Die Straßen bis auf wenige Autos ebenfalls einsam. Hildesheim fast ohne Menschen - so etwas erlebt man äußerst selten!
Kurz vor zuhause hatte ich die Nase voll von der öden Bundesstraßenfahrt und dem Kilometerfressen. Ich bog rechts ab, durchfuhr Lengede, kratzte am Stadtrand von Salzgitter, und es ging ein Stück Autobahn entlang. Eine Auf- und Abfahrt durch, und dann über Nebenrouten durch Wolfenbüttel und ein Stück die Hausroute.
Um 20.30 Uhr kam ich zuhause an.
Der ersehnte Schlaf stellte sich schwer ein - zuviel Adrenalin war noch im Blut.
Fazit:
Mal eben fast 250 Kilometer gerissen. Das wunderschöne Weserbergland gestreift. Kleine Ortschaften neu entdeckt.
Wenn Deutschland Fußball spielt, sind selbst die Hauptverkehrsadern ein Traum ;-)








