Ellie und ich

Ellie und ich

Dienstag, 18. November 2014

Doof darf man sein - man/frau muß sich nur zu helfen wissen

Am 15.11. gab es in meiner alten Heimat mehrere Bikerpartys, die mich interessierten. Ich suchte mir auf der Motorradkarte den Ort eines Clubhauses, markierte den mit einem kleinen pinkfarbenen Post-It-Reiterchen und steckte die Karte in die Handtasche.

Auf dem Hinweg machte ich noch bei meiner Freundin eine Pause. Sie hatte ein Gastgeschenk fertig graviert, welches ich demnächst überreichen werde.

Handgraviert - ein Unikat und daher etwas ganz besonderes!


Gegen Abend fuhr ich dann in mein zur Hälfte mir gehörendes Haus, zog mich schnell um, machte mich standesgemäß fertig, nahm noch die dicke Steppjacke unter den Arm und los ging die Reise.

Abfahrt Heimfeld/Hamburg war natürlich noch eine Baustelle. Aber kein Problem, nahm ich die nächste.
Immer schön den gelben U-Schildern hinterher. Wenn die denn immer so fix erkennbar wären im Dustern. Es regnete, unheimlich viel Verkehr auf den Straßen (hier merkte ich deutlich, nicht mehr in meinem Landkreis zu sein ... das war hier normal so!), und ich nachtblinder Fisch verfuhr mich mehrere Male gekonnt.

Schließlich kam ich in die Nähe des Clubhauses. Dachte ich zumindest. Es folgte - nichts - nur Dunkelheit am Wegesrand.

Im nächsten Ort hielt ich am Straßenrand an, und rief meinen Buddy in Salzgitter zur Hilfe. Er hängte sich ans Internet und suchte per Google Maps heraus, wo ich stecken könnte, und wo genau der Club wäre. Zwischendurch kam die unvermeidliche Frage, mit der er mich seit Wochen nervt: "Hast Du IMMER noch kein Smartphone???"
Nein, habe ich nicht, sonst hätte ich ihn ja wohl nicht angerufen.
Er findet mich ein wenig doof, weil ich das immer noch nicht erledigt habe.

Pah. Doof darf ich ruhig sein, ich wußte mir ja zu helfen, oder nicht?

Es kam heraus, das ich nur ein kleines Stück zu weit gefahren war. Ich drehte also rasant über zwei Fahrspuren um, und fuhr zurück. Vor mir schlingerte ein alter Passat Kombi, und fuhr irgendwann in einen kleinen Waldweg ein. Keine Ahnung, warum ich dem folgte - aber plötzlich sah ich an einem alten Holzschuppen die Hausnummer 130. Hurra - das war das Clubhaus!
Es stellte sich heraus, das der Typ aus dem Auto derjenige war, der das Haus für die Party öffnen sollte.
Sprich - ich war der erste Gast.
Daher auch die Dunkelheit - noch keine Positionslampen rausgehängt. Und die Ortskundigen wußten ja, wo sie hinmußten.

Man, man, man - in Hamburg ticken die Uhren echt anders. Um die Uhrzeit wäre bei uns schon die Post durchgeritten, die Hälfte der Gäste breit wie ein Holzfäller im Frühling, und die andere Hälfte gerade auf dem Weg dahin!

Während der tapfere Geselle also seinen Pflichten nachkam, lungerte ich auf dem Gelände herum und bekam als erster Gast ein Bier ausgegeben. Prost, Kamerad - das war eine feine Geste von Dir!

Nach und nach trudelten weitere Mitglieder ein. Alle freundlich und wie gewohnt nordisch zurückhaltend. Ich war in der alten Heimat - hier sind die etwas gesetzter.
Ein Bier ausgeben heißt soviel wie tausend Küsse bei den Franzosen.

An der Feier - bzw. Feuertonne kamen später am Abend noch schöne Gespräche zustande. Schicksale wurden begossen, und Verstorbenen gedacht ...

Ich machte ein Foto für den Blog.

Eingangsbereich vom Gelände - verschnörkelt und durch die Dunkelheit nur schlecht erkennbar, trotzdem das spezielle Merkmal vom Clubhaus und deshalb ohne Bearbeitung


Ich lernte einige interessante Typen kennen, bekam Infos und Flyer in die Tasche gepackt, verlor irgendwo auf dem Gelände meine warme Mütze (stellte ich aber erst zuhause fest ...), und weit weit nach Mitternacht - als meine immer noch nicht ausgeheilte Halsentzündung mir das Sprechen und Wohlfühlen ganz unmöglich machte - fuhr ich stockheiser geredet heimwärts.

Durch die Baustelle auf der A7 mußte ich Umleitungen folgen. Gleiches Spiel wie auf der Hinfahrt - nur in die andere Richtung. 
Ich irrte im Stadtrandgebiet herum, verließ mich auf Erinnerungen, die 20 Jahre alt waren. Fand letztendlich doch die A1 und beschloß in dem Augenblick: mir reicht es! Ohne Helferlein geht es nicht mehr.
Ich bin zu oft unterwegs, und auf die Papierkarte kann ich mich dann nur begrenzt verlassen. Außerdem nervt das - immer wieder irgendwo rechts ran fahren, und genervt auf einer Karte herumsuchen, aussteigen und Straßennamen suchen ...

Und so kam es, dass es jetzt anders kommen wird in der Zukunft.

Nämlich so:

Mein neuer automatischer Hans - ein Garmin NÜVi - was ganz schickes, feines und hochintelligentes ... und bezahlbar!


Schon zuhause ausprobiert auf einer bekannten Strecke. Okay, das Teil kann viel, aber nicht alles. Trotzdem bin ich sehr zufrieden. Auch mit dem 5 Zoll großen Monitor. Man wird ja nicht jünger, und gut gucken können ist was feines.

Das lebenslange kostenlose Kartenupdate ist prima. Muß man beim TomTom ja alles extra zahlen.
Auch die gute Bewertung der Software, der Kundenservice von Garmin und die Zubehörteile haben mich angesprochen.

Nun bin ich nicht mehr ganz so planlos in der Botanik unterwegs. Das Teil hat sogar eine "Wo bin ich?"-Funktion!
Sehr wichtig, finde ich - denn oft genug fragte ich mich das ja bei meinen Touren mitten im Osten Deutschlands  "... wo zur Hölle bin ich jetzt wieder durch die ganzen Umleitungen gelandet???"
Ich habe mir erzählen lassen, dass man diese Navis auch auf dem Motorrad nutzen kann. Da sie nicht wasserdicht sind, sollte man entweder nicht bei Regen fahren, oder den Tankrucksack mit einer Regenhaube schützen. Oder eben weiter nach laminierter Karte fahren, und den Navi als Rettungs-Hans im Gepäck haben.


Fazit:
Man darf ruhig doof sein, man muß sich nur zu helfen wissen.

Mal schauen, wie das mit dem Kartenupdate für Gesamteuropa aussieht. Ich habe so einige Reisepläne im nächsten Jahr ;-) !!!


P.S. Ob es wirklich ein alter Passat Kombi gewesen ist, dem ich da nachgefahren bin, bleibt mein Autorengeheimnis. Es war ja dunkel, und erkennbare Attribute schlecht zu sehen.


 

Dienstag, 11. November 2014

8.-9.11.2014 - Ellie allein an der Rappbode im Harz, Abfeiern in Barby und ein Wiedersehen mit der Elbe

8.11.

Wetterchen wie aus dem Bilderbuch. Untypisch für November? Mir egal - ich genoß das. Die Hausarbeit (Kehrwoche, wer das kennt ...) hatte ich schnell erledigt. Danach kam Ellie dran: Fliegen abputzen, mit Wachs nachwienern, bis mich der Glanz selber blendete. Kettenkontrolle, Reifen checken, Unterboden in Augenschein nehmen - mit Tageslicht alles gnadenlos beleuchtet. Fazit: Zustand dem Alter entsprechend, und noch ein Stück weit besser als normal!

Gegen Mittag ging es warm eingemummelt los. 
Eine weite Runde über das Land, Richtung Harz. Es ging über die B79 Richtung Halberstadt, dann ein Stück weit über kleine Ostdörfer Richtung Derenburg.

Bei einem Müsliriegelstopp (andere rauchen) meinen Kumpel angesimst, ob er Zeit und Lust hätte - er hatte aber heute einen Putztag eingelegt an seiner VN. 

Auch wichtig ... also fuhr ich alleine hoch auf die Rappbode.





Was ist bloß aus dem Kurvenschisser Heike K. geworden ... hier nahm ich die Route, die Brummi mir letzte Woche schon gezeigt hatte.
In den schattigen Bereichen war ich vorsichtig, um dann aber bei den Sonnenteilen richtig Gas zu geben. Schräglagentraining im Ohr: Richtig gucken üben.

An der Rappbode angekommen, hatte ich immerhin schon mehr wie 80 Kilometer hinter mir gehabt. Und hing trotzdem noch frisch, locker und entspannt auf dem Motorrad.

Ich parkte strategisch angezogen von einem roten Schutzzelt. Neben mir noch drei Tourer, darunter eine African Twin mit Blechkoffersystem, ein Chopper, und eine nagelneue BMW irgendwas ...
Die dazugehörigen Fahrer standen schon bereit und wollten demnächst abrauschen.

"Hallo kleine Rockerlady - schön, noch welche ohne Strichkennzeichen zu sehen!" begrüßte mich der eine, sichtbar ältere Fahrer. Seine Lachfalten um die Augen herum gefielen mir, und so grüßte ich zurück: "Na, der Club der reiferen Herren muß wohl wieder zurück, bevor die Pfleger unruhig werden?"
Schallendes Gelächter und Augenzwinkern schallte mir entgegen. Die Jungs waren schon in Ordnung ... Ein kurzer Plausch, dann fuhren sie vom Platz. Alle kerzengerade, und durchaus flott ... alte Haudegen eben :-).

Am Imbiß wurde ich gleich wiedererkannt, bekam meinen Pott Kaffee und ein leckeres kleines Mittagessen. Da ich doch ein wenig durchgefroren war, genoß ich den heißen Kaffee und den kurzen Plausch mit der netten Bedienung doppelt.

Und dann bot sich der Welt ein ungewöhnliches Bild ...




Ellie als einziges Motorrad auf dem ganzen Rappbodetal-Parkplatz.

Das mußte ich sofort ablichten ...





Ich ließ mein leckeres Mittagessen - Kassler mit Sauerkraut und Senf im Brötchen - fallen und knipste meine Bilder.

Kurz darauf kam ein weiterer Zweirad-Fahrer an, stellte sich zu mir an den Tisch und wir klönten dummes Zeug zusammen.

Ich zeigte ihm die Fotos mit Ellie-allein und er nickte bewundernd. Er fährt jeden Tag an die Talsperre, wohnt in Seesen, aber sowas ist ihm noch nie passiert. Da wäre ja immer was los!

Wir erinnern uns an neulich?

31.10.2014 - letzter Saisonkennzeichentag - alles voll ...


So stand ich da, kaute mein Brötchen mit Appetit und wenig Talent (Senf kleckert irgendwie immer irgendwo raus), holte mir noch einen zweiten Pott Kaffee, klönte mit zwei weiteren angereisten Motorradfahrern und war immer noch die einzige selbst fahrende Frau in Fliegengewichtsklasse mit Motorrad dort. 
Dann drückte die Blase und vor der Abfahrt wollte ich nochmal die Kleidung richtig sortiert haben.

Gegen 15 Uhr fuhren Ellie und ich dann ab. Völlig ruhig und gelassen buxierte ich uns aus der Parkbucht, und gemütlich säuselte Ellie den Parkplatz entlang. Bei der Ausfahrt ließ ich mir bewußt viel Zeit: auf dem Weg war es schattig, es lagen sehr viele Blätter dort und ich hatte absolut keinen Bock, jetzt aus falsch verstandenem Ehrgeiz totalen Anfängerscheiß zu bauen, nur um die Passanten und sensationslüsternden Zuschauer zu erheitern. Durch den Tunnel durchgefahren erwartete mich am anderen Ende helles Sonnenlicht, und ich freute mich wie Bolle, das ich "einfach mal so" an die Rappbode gekommen war. Nur auf einen Kaffee und ein leckeres Brötchen.

Undenkbar vor einigen Monaten.

Ohne viel Tamtam fuhr ich diesmal die gerade Strecke hinunter nach Blankenburg. Und dann auf die B6 Stadtautobahn *hörthört*.

Es wurde langsam schattig, und mir saß ein wenig die Zeit im Nacken. Ich hatte abends eine Party, zu der ich unbedingt hinwollte ...

Bei Schladen verließ ich die Bahn, und fuhr wie gewohnt über die alte B6 Richtung Wolfenbüttel-Linden, und dann wieder über meine Hausstrecke in Richtung Sickte. Gegen 17 Uhr kam ich zuhause an. Ich stellte Ellie tickend in der Garage ab, und stapfte dann doch etwas durchgebibbert in die Wohnung hoch.
Das heiße Vollbad genoß ich mit allen Sinnen - es war zum Ende hin doch ziemlich kühl geworden, trotz Griffheizung und dicken Handschuhen. 
Und ich freute mich über meine Fortschritte - mal eben so 180 Kilometer abgefahren, einfach so, ohne viel drüber nachzudenken. Und vor allem einfach mal so eine längere Anfahrt und dann noch Kurven gemacht.
Undenkbar vor einigen Wochen! Monaten?!

Nachdem ich gut aufgewärmt war, packte ich das Übernachtungszeug ins Auto und fuhr los. Richtung Magdeburg.
Die Party war der Hammer. Ich traf sehr liebe Bekannte wieder - Huhu Jungs, ein herzlicher Gruß nach Erfurt! - und dann gab es ein Kulturprogramm.
Klar - auch Motorradclub-Besucher sind durchaus für so etwas zu haben!


  
Die Stimmung im Club war grandios. Und was für ein schön hergerichtetes Clubhaus. Die Mitglieder haben da bewundernswerte Arbeit geleistet, wow ...

Da ich nicht mehr fahren mußte, feierte ich diesen Abend dann auch entsprechend mit. Alle Gäste waren in bester Laune, aber niemand wurde auffällig - egal welcher Zustand später vorrangig war. Obwohl ich dort allein angereist war, hatte ich nicht das Gefühl, alleingelassen zu sein. Selbst bei der Masse an anderen Gästen hatten die Leute ihre Besucher und die Stimmung im Blick.
Männer und Frauen teilten sich das WC - die Frauen in die Kabinen, die Männer nach hinten an die Becken. Trotzdem kam da keine Peinlichkeit auf - alle wußten sich zu benehmen. Und war einer doch reichlich betankt, achteten die anderen Kumpels auf ihn.
Wer in meiner Gegenwart in Zukunft schlecht über MC-Partys spricht, wird sich meine Version der Richtigstellung anhören müssen - das verspreche ich. Das, was ICH als weiblicher Gast erlebte, gebe ich auch mit MEINER Sichtweise weiter: mir ist niemand begegnet, dem ich in Zukunft aus dem Wege gehen würde. Basta fertig aus. Wer sich wie ein Gast benimmt, wird auch wie einer behandelt werden.
Im Falle einer Unsicherheit ist eines der MC-Mitglieder (erkennbar am Rückenpatch) ansprechbar und wird weiterhelfen. Das hatte ich bislang immer so erlebt. Auch im Vorfeld hatte ich immer Freundlichkeit und Gastfreundschaft erlebt - sei es, wenn ich nach einer Wegbeschreibung fragte, oder ob es "sichere Schlafmöglichkeiten für weibliche Gäste" gibt. 


9.11.2014


Gegen 1 Uhr war es dann genug, und ich ging zum Auto.
Ich habe seit neuestem ein ausgeklügeltes Seilsystem, rundum im Innenraum, und da sind nun Verdunklungsvorhänge dran gehängt. Schützt gegen Kälte (hoffte ich), neugierige Blicke, und grellem Sonnenlicht (jawohl!).
In der Nacht fiel die Außentemperatur drastisch, und erst als ich meine Wolldecke in den Schlafsack holte, war mir nicht mehr kalt.
Scheiß Funktionsgewebe im Schlafsack. Ich brauche es flauschig, sonst friere ich, mistnocheins ...

Durch die Ohrstöpsel hörte ich ab und an Leute abfahren, Lichtkegel tanzten über die Orange, aber die dunklen Vorhänge hielten das meiste ab.
Und zwar so gut, dass ich erst gegen 9 Uhr aus dem Schlaf kam.
Da waren die meisten Leute leider schon im Abfahren begriffen. Ich putzte mir mit heißem Wasser (ein Hoch auf die Thermoskanne) die Zähne, wischte mir den Schlaf aus dem zerknautschten Gesicht, und ging zum Clubhaus.
Es gab Frühstück für alle. Umsonst. Noch einmal Daumen hoch für den Club!

Nach und nach leerte sich die Partymeile, bis ich als einziger Gast übrig blieb. Ich bekam noch das gesamte Clubhaus gezeigt. Meine Bewunderung für die Mitglieder stieg weiter. So einen schönen Mitgliederbereich hatte ich noch nicht gesehen und ich durfte schon so einige Häuser anschauen.
Außerdem war es ein sehr großzügiges Gebäude. WC und Duschen vorhanden - unten im Erdgeschoß und oben unter dem Dach. Gästeräume und Gästebetten ebenfalls (ich hätte da schlafen können, Betten waren da - aber mit 12 Bikern in einem Raum??? jeder schnarcht anders??? ... na gut, das nächste Mal probier ich das mal aus, das ist besser als bei -2° im Auto zu bibbern! - versprochen).

Dann hockte ich mich noch mit Leuten vom Club auf eine Bank in die Sonne, wir redeten dummes Zeug zusammen, lachten viel und genossen "the day after".






Wieder einmal durfte ich "im wilden Osten" Gastfreundschaft der alten Art erleben.

Ich bin da sehr ungern weggefahren. Aber nach der Party ist ja vor der Party - die neue Saison wird schon mit Spannung erwartet :-).


Weil das Wetter es anbot, und ich grad da war, machte ich noch einen Ausflug an die Elbe!

Elbe - in der Nähe von Barby - bitteschön:

















Das Hochwasser an der Elbe, wir erinnern uns - übrigens hat der MC Bull Skull Barby auch hier hervorragende Helferarbeit geleistet, und zusätzlich den Leuten von THW und anderen das Clubhaus zum Erholen und Ausruhen zur Verfügung gestellt ... !
Bilder hierzu findet ihr hier KLICKMICH


Puschelfußhühner aus dem Garten beim Fährhaus ... 
Hühner - ich liebe Hühner (ihr erinnert euch an Stiege?)



Und weil es so schön war, fuhr ich noch nach Schönebeck - ebenfalls Elbe - bei Magdeburg ...


Über die Elbauen-Brücke ... mit Sichtschutz, damit hier keiner unnötig herumbummelt ...


Ein Stück weit zurück ins Hinterland, fand ich am Deich einen Parkplatz und konnte endlich runter ans Wasser - Wasser gucken, Wasser anfassen, Wasser riechen, und Wasser hören ...





Spuren von Bibern! Ein zurechtgenagter Baumstamm! 
Biber an der Elbe ... mein Naturherz lachte!



Was für zwei grandiose Tage waren das gewesen. 

Ich lehnte mich - dick eingemummelt in meine neue Steppjacke von FLM, denn der Wind hier am Wasser war wie erwartet eisekalt - an einen Baumstamm und schaute lange Zeit die Elbe rauf und runter.
Motorrad gefahren, Party gehabt, viele nette Kontakte geknüpft und bei allerbestem Wetter (wir haben November, man erinnere sich!) noch das Chillen an einem mir sehr wichtigen Fluß ...

Mit einem Lächeln im Gesicht fuhr ich dann gegen 16.30 Uhr wieder nach Hause, wo mich die Piranhas empört quiekend begrüßten.

Fazit:
Dankbarkeit. Tiefe Dankbarkeit spürte ich in mir drin. Manchmal wird Mut und über-Grenzen-springen so belohnt wie an diesem Wochenende. Und damit meine ich nicht die Grenze, die heute auf den Tag genau vor 25 Jahren endlich gefallen ist ... aber das werden sich meine aufmerksamen Leser längst gedacht haben :-).


Und DER hier mußte einfach noch sein - für die lieben Mitmenschen, die noch unsicher sind ...

Sonntag, 2. November 2014

2.11.2014 - Against all Odds Rider ... oder: das ist ja gerade nochmal gut gegangen!


Die Erklärung zu dem Logo findet ihr hier: KLICKKLICK


Sonntag - und wieder schönes Wetter angesagt. Morgen sollte es wieder eklig werden. Also war mein Plan heute, noch einmal auf Tour zu gehen.

Da meine Erkältung sich nicht so verzog wie ich es gern gehabt hätte, wollte ich heute aber nur eine kleine Runde drehen.

Zunächst ging es in die Stadt zu POLO. Verkaufsoffener Sonntag ist für die Serviceleute ein Gräuel, zugegeben.
Ich griff mir einen frischen Kaffee ab und simste meinen Buddy an, ob er Lust hätte, nach der Schicht ins Rock Café nach Salzgitter zu kommen.
Er wollte.

Also fuhr ich gegen 13 Uhr von POLO Braunschweig los. Ich wollte über die Dörfer Richtung Salzgitter - noch ein wenig das gute Wetter ausnutzen. Die Stimmung war gut, die Kraft war okay, und die Konzentration ebenfalls da. Die Nase lief nicht mehr, und der Kopf war durch die klare Luft frei und ohne Beschwerden.

Ich fuhr etwas über 50 km/h auf einer Nebenstrecke neben der Stadtautobahn. Und plötzlich schießt ein Touran aus einer Seitenstraße, von mir aus rechtsseitig. Ein LKW stand auf dem Parkstreifen und hatte wohl die Sicht auf mich verdeckt. Normalerweise tastet man sich auf die Hauptverkehrsstraße.
Der PKW Fahrer tat das nicht.

Ich bremste ohne Überlegung aus Reflex mit Hand- und Fußbremseneinsatz gleichzeitig - Ellie brach hinten leicht aus, ich verhielt mich instinktiv locker und unverkrampft - die PKW-Seite kam immer näher und ich versuchte weiterhin, Ellie rechts zur Seite zu lenken, ohne auf die Straße zu klatschen oder in den PKW zu krachen.

Wenige Sekunden später brachte ich Ellie am Straßenrand zum Stehen, machte den Gang in den Leerlauf, kickte den Seitenständer raus, und drehte den Schlüssel um.
Stille.
Ich mußte erstmal verschnaufen.
Wow - das erste Mal nach knapp 24.000 Fahrkilometern, dass mir sowas passierte. Die klassische Situation halt, die jeder erfahrene Motorradfahrer sicher schon erlebt hatte.

War das jetzt so eine Art Ritterschlag in meiner Fahrchronik, oder wie???

Der PKW Fahrer hatte seinen Wagen ein Stück in den Graben gelenkt, und kam schon über die Straße auf mich zugelaufen. Er redete auf mich ein, und nach einigen Sekunden nahm ich seine Worte auch wahr.

"Ich habe Sie nicht gesehen! Ich habe nur nach rechts geschaut - der LKW hatte Sie verdeckt - ich hatte nur rechts geschaut!!! Ist Ihnen was passiert? Brauchen Sie was?"

Er war total erschrocken. Hätte er den Touran nicht herumgerissen, so dass sein Heck von mir weg rutschte, hätte ich ihn frontal zu spüren bekommen ...
Er war in Eile gewesen, wollte zum Sport, hatte gepennt ... kann ja mal vorkommen ...

Obwohl mir der Schreck in den Knochen saß, war ich ruhig. Er hatte zugegeben, dass er gepennt hatte. Es war um Haaresbreite gut gegangen. Ich hatte die Vollbremsung irgendwie gut hinbekommen, hatte keinen Blödsinn gemacht. Ellie hatte nur ein wenig Gummi auf der Straße gelassen. Die Straße war trocken gewesen, kein Öl, keine Blätter.
Ich gab ihm zum Abschied die Hand. "Schön aufpassen, gelle? Wir sind auch im November noch auf den Straßen ..."

Ich denke schon, dass der Fahrer sich diese Situation gemerkt hat. Ich war nicht schnell gewesen, das war mein Glück. Hätte ich die Strecke mit nur wenigen KM/H mehr gemacht ... außerdem waren da zwei Spaziergänger mit Hund auf dem Radweg gewesen - hätte ich ein Stück weit anders reagiert, wäre auf den Bürgersteig ausgewichen oder ähnliches, hätte ich die umgenietet.


Ich hatte keine Lust mehr, über die Dörfer zu fahren. Ich fuhr schnurstracks auf die Autobahn 39. Da kommen sie wenigstens nur von hinten, dachte ich mir ...


Gegen halb zwei traf ich in Salzgitter ein. Mein Buddy kam etwas später, da hatte ich schon einen Hawaiiburger und einen großen Becher Kakao intus. Meine Hände zitterten nicht mehr, aber mein Kopf war immer noch ziemlich beschäftigt ... mit dem, was eine Stunde vorher passiert war!

Er hatte seine Digicam dabei und als ich gegen 15 Uhr abfuhr, knipste er mal so nebenbei ...





 

Aufrödeln und warm einpacken, damit am Kopf nichts zieht ...
 


Brille friemeln ...






AUGENKONTAKT, liebe Autofahrer - AUGENKONTAKT


In Gedanken zwei Stunden zurück ...



Starten ...


 Straße einsehen, sichernder Blick nach allen Seiten ... 



Against all Odds Rider ..
Heike gegen alle Widrigkeiten wieder auf Tour ...


Ich fuhr Richtung Wolfenbüttel, bog dann bei Halchter ab und fuhr noch eine Runde auf meiner gewohnten, wenig befahrenen Hausstrecke. Ich merkte meine Unsicherheit deutlich. Wenn ein Auto mit Tempo von rechts an eine Einmündung heranfuhr, zuckte ich innerlich zusammen. Mit Geduld akzeptierte ich meine Reaktion - das Erlebte muß verstoffwechselt werden. Da nützt es nichts, wenn ich mich selber unter Druck setzen würde.
Ich fuhr bewußt Strecken, wo es viele Einmündungen gab. Und Stück für Stück lockerte sich der Knoten.

Und zum Nachmittag wurde ich dann noch belohnt.





Irgendwie kam mir der Sonnenuntergang schöner vor als die, die ich vorher erlebt hatte ...


Gegen 17 Uhr war ich zuhause in der Garage. Ich nahm einen feuchten Wischlappen und putze in aller Ruhe die vielen Fliegen von Ellie ab.
Das Erlebnis heute hatte mich mal wieder daran erinnert, was dieses Hobby kosten kann. Bislang habe ich fast 24.000 Kilometer unbeschadet überstanden.
Dummerweise dachte ich, das geht so weiter. Ich war ein wenig zu unbekümmert geworden. Diese Erinnerung heute kam vielleicht genau zur richtigen Zeit.


Fazit:
Lebe jeden Tag so intensiv es Dir möglich ist. Genieße. Und freue Dich auch an Kleinigkeiten. Es muß nicht das große Ganze sein.
Heute war für mich ein Stück weit ein zweiter Geburtstag ...


Kurz vor der Tour hatte ich übrigens einen neuen Aufnäher auf meine Weste gebracht ...


Hat sich ja bewährt ... irgendwie ...



31.10. und 1.11.2014 - Fahren bei herrlichem Herbstwetterchen, und Strichkennzeichler bedauern

Endlich war das Wetter mal so, wie ich es brauchte. Trotz fieser Erkältung fuhr ich Freitag Richtung Harz.
Es gibt da ja genug von Ratiopharm ...

Mutig auf nach Blankenburg, ein Stück weit über die Stadtautobahn B6, und hoch zur Rappbodetal-Sperre.
Ich parkte Ellie wie gewohnt da, wo niemand sonst parken würde ... und holte mir eine Portion Mittagessen. Hunger! Ich brauchte Energiezufuhr!

Die Stichkennzeichler drehten nochmal so richtig auf ... rein in den Tunnel, raus, Krach machen, Posen, angeben ... 

Derweil hockte ich mich auf einen Stuhl, genoß meine Nudeln mit Gulasch, trank den Kaffee und guckte, wie die anderen Fahrer herumliefen und auch guckten ...







Es liefen alle herum und guckten Moppeds an - und auch wenn Ellie keinen Extra-Firlefanz hat, mit dem sie posen könnte, nötigte ihr Pflegezustand allen Glotzern Respekt ab!





Gegen 15 Uhr reichte es mir, ich fuhr wieder ab.  


Weiches Licht, abgeerntete Rübenfelder - Herbst im östlichen Harzvorland!


Blick auf den Brocken im Nachmittagsdunst ...


In Derenburg tankte ich und simste einen Stammtisch-Kumpel an.
Bei ihm paßte das von der Zeit her, und so begleitete er mich noch ein Stück weit heim ... Im Dunkeln kam ich dann zuhause an, Fliegenübersäht. Die haben auch noch Saison - grrrr!

Eine schöne Tour, an die 200 Kilometer oder mehr. Einfach mal so in den Harz gehuscht. Undenkbar vor wenigen Monaten. So langsam kommt doch die Fahrpraxis zum Tragen!

Und morgen sollte es nochmal so schön werden ...

Also gab es am Samstag, 1.11., eine Wiederholung. 

Und die wenigen Motorradfahrer, die mir jetzt begegneten, grüßten frenetisch sogar über die Autobahn-Bande hinweg auf meine Fahrspur. Ich mußte grinsen und fühlte mich jetzt doch etwas elitär!
Bei DEM herrlichen Wetter nicht fahren zu dürfen, ich hätte es nicht ausgehalten ... never ever Saisonkennzeichen.

Wieder ging es Richtung Harz, Richtung Blankenburg. Ich traf mich mit Brummi wieder in Derenburg, und er führte mich ein schönes kurvenreiches Stück über Hüttenrode hoch zur Rappbodetalsperre. Dort, wo die Sonne nicht hinkam, war die Straße nass und die vielen Blätter ließen mich vorsichtig sein.
Ich fuhr trotz langer Anfahrt locker in die Kurven ein - das Schräglagentraining immer im Kopf. Richtig gucken, richtig fahren!
Es machte Spaß, ich war trotz Erkältung gut drauf und nicht verkrampft. Auch kräftemäßig ging es prima.

Auf dem Talsperrenparkplatz war deutlich weniger los. Ich futterte eine normale Bratwurst (nicht mit der Thüringer zu vergleichen, kein Stück!), trank 2 Kaffee, und wir ratschten mit Bekannten von meinem Kumpel.

Gegen 15 Uhr ging es heimwärts. Zunächst Richtung Halberstadt - wo ich am Abend auch nochmal hinwollte, dann allerdings mit Auto - und dann über die B79 Richtung Heimat. Auf der Höhe von Zilly gab ich Signal zum links abbiegen. Ich hatte keinen Bock mehr auf die öde Landstraße.
In Berßel trennten wir uns wieder - Brummi fuhr zurück und ich weiter über die Dörfer nach Wolfenbüttel. Es hieß vorsichtig fahren. Überall Rübenlaster und versiffte, verschmierte Straßen!

Wieder einmal als Fliegengrab zuhause in der Garage angekommen!

Schnell hieß es umziehen, fertig machen und dann fuhr ich noch einmal los. Der Wild Wheels MC Halberstadt hatte zur Metparty geladen, und das wollte ich mir ansehen.

Ich fuhr über die A395 an, denn ich hatte keine Lust auf die 79. Auf Anhieb fand ich das Klubhaus und war gespannt.
Wie immer im Osten: nette bemühte Mitglieder, sehr leckeres Essen (Grünkohleintopf), und der Met war SO gut geraten, dass ich nur einen Becher nehmen durfte. Weitere hätten mir die Beine ausgerissen! Und die Rennleitung hätte mir mit Freuden sämtliche Fahrscheine abgenommen und auf Eis gelegt!

Zum späten Abend hin erschienen zwei Feuerspucker und legten eine geniale Showeinlage hin.



 Selfie vom Klo :-)


Blümchen-Papier für die Daaamen

 
Wandaufkleber aufm Klo - na gut zu wissen, gelle?


Die Stimmung war gut und wurde immer besser dank guter Dosenmucke, Met, diversen anderen Getränken und dem leckeren Grünkohleintopf.
Nachdem ich allerdings Eroberungen machte, nach denen ich nicht gefragt hatte, sah ich die Heimfahrzeit gekommen.
Der Met stieg bei manchem sehr unschön zu Kopfe ...
Ich verabschiedete mich von einigen Klubmitgliedern, ging zur Orange und fuhr nach Hause. Diesmal doch über die B79.
Bodennebel und viele Wildtiere begleiteten meinen Rückweg. Sternenklare Nacht und heller Mondschein kam als Bonbon obendrauf.
Weit nach Mitternacht war ich zuhause. Müde, erschöpft vom Tag und der Erkältung, aber rundum zufrieden fiel ich gegen 1 Uhr ins Bett.


Fazit:
Herrlich.
Genug gefahren, viel erlebt, viel gesehen, und dann auch noch gefeiert.
Herzerfrischend! Und ein klitzekleines bisschen wahnsinnig ... aber dank Ratiopharm lief alles ... ;-) !!!