Wetterchen wie aus dem Bilderbuch. Untypisch für November? Mir egal - ich genoß das. Die Hausarbeit (Kehrwoche, wer das kennt ...) hatte ich schnell erledigt. Danach kam Ellie dran: Fliegen abputzen, mit Wachs nachwienern, bis mich der Glanz selber blendete. Kettenkontrolle, Reifen checken, Unterboden in Augenschein nehmen - mit Tageslicht alles gnadenlos beleuchtet. Fazit: Zustand dem Alter entsprechend, und noch ein Stück weit besser als normal!
Gegen Mittag ging es warm eingemummelt los.
Eine weite Runde über das Land, Richtung Harz. Es ging über die B79 Richtung Halberstadt, dann ein Stück weit über kleine Ostdörfer Richtung Derenburg.
Bei einem Müsliriegelstopp (andere rauchen) meinen Kumpel angesimst, ob er Zeit und Lust hätte - er hatte aber heute einen Putztag eingelegt an seiner VN.
Auch wichtig ... also fuhr ich alleine hoch auf die Rappbode.
Was ist bloß aus dem Kurvenschisser Heike K. geworden ... hier nahm ich die Route, die Brummi mir letzte Woche schon gezeigt hatte.
In den schattigen Bereichen war ich vorsichtig, um dann aber bei den Sonnenteilen richtig Gas zu geben. Schräglagentraining im Ohr: Richtig gucken üben.
An der Rappbode angekommen, hatte ich immerhin schon mehr wie 80 Kilometer hinter mir gehabt. Und hing trotzdem noch frisch, locker und entspannt auf dem Motorrad.
Ich parkte strategisch angezogen von einem roten Schutzzelt. Neben mir noch drei Tourer, darunter eine African Twin mit Blechkoffersystem, ein Chopper, und eine nagelneue BMW irgendwas ...
Die dazugehörigen Fahrer standen schon bereit und wollten demnächst abrauschen.
"Hallo kleine Rockerlady - schön, noch welche ohne Strichkennzeichen zu sehen!" begrüßte mich der eine, sichtbar ältere Fahrer. Seine Lachfalten um die Augen herum gefielen mir, und so grüßte ich zurück: "Na, der Club der reiferen Herren muß wohl wieder zurück, bevor die Pfleger unruhig werden?"
Schallendes Gelächter und Augenzwinkern schallte mir entgegen. Die Jungs waren schon in Ordnung ... Ein kurzer Plausch, dann fuhren sie vom Platz. Alle kerzengerade, und durchaus flott ... alte Haudegen eben :-).
Am Imbiß wurde ich gleich wiedererkannt, bekam meinen Pott Kaffee und ein leckeres kleines Mittagessen. Da ich doch ein wenig durchgefroren war, genoß ich den heißen Kaffee und den kurzen Plausch mit der netten Bedienung doppelt.
Und dann bot sich der Welt ein ungewöhnliches Bild ...
Ellie als einziges Motorrad auf dem ganzen Rappbodetal-Parkplatz.
Das mußte ich sofort ablichten ...
Ich ließ mein leckeres Mittagessen - Kassler mit Sauerkraut und Senf im Brötchen - fallen und knipste meine Bilder.
Kurz darauf kam ein weiterer Zweirad-Fahrer an, stellte sich zu mir an den Tisch und wir klönten dummes Zeug zusammen.
Ich zeigte ihm die Fotos mit Ellie-allein und er nickte bewundernd. Er fährt jeden Tag an die Talsperre, wohnt in Seesen, aber sowas ist ihm noch nie passiert. Da wäre ja immer was los!
Wir erinnern uns an neulich?
31.10.2014 - letzter Saisonkennzeichentag - alles voll ...
So stand ich da, kaute mein Brötchen mit Appetit und wenig Talent (Senf kleckert irgendwie immer irgendwo raus), holte mir noch einen zweiten Pott Kaffee, klönte mit zwei weiteren angereisten Motorradfahrern und war immer noch die einzige selbst fahrende Frau in Fliegengewichtsklasse mit Motorrad dort.
Dann drückte die Blase und vor der Abfahrt wollte ich nochmal die Kleidung richtig sortiert haben.
Gegen 15 Uhr fuhren Ellie und ich dann ab. Völlig ruhig und gelassen buxierte ich uns aus der Parkbucht, und gemütlich säuselte Ellie den Parkplatz entlang. Bei der Ausfahrt ließ ich mir bewußt viel Zeit: auf dem Weg war es schattig, es lagen sehr viele Blätter dort und ich hatte absolut keinen Bock, jetzt aus falsch verstandenem Ehrgeiz totalen Anfängerscheiß zu bauen, nur um die Passanten und sensationslüsternden Zuschauer zu erheitern. Durch den Tunnel durchgefahren erwartete mich am anderen Ende helles Sonnenlicht, und ich freute mich wie Bolle, das ich "einfach mal so" an die Rappbode gekommen war. Nur auf einen Kaffee und ein leckeres Brötchen.
Undenkbar vor einigen Monaten.
Ohne viel Tamtam fuhr ich diesmal die gerade Strecke hinunter nach Blankenburg. Und dann auf die B6 Stadtautobahn *hörthört*.
Es wurde langsam schattig, und mir saß ein wenig die Zeit im Nacken. Ich hatte abends eine Party, zu der ich unbedingt hinwollte ...
Bei Schladen verließ ich die Bahn, und fuhr wie gewohnt über die alte B6 Richtung Wolfenbüttel-Linden, und dann wieder über meine Hausstrecke in Richtung Sickte. Gegen 17 Uhr kam ich zuhause an. Ich stellte Ellie tickend in der Garage ab, und stapfte dann doch etwas durchgebibbert in die Wohnung hoch.
Das heiße Vollbad genoß ich mit allen Sinnen - es war zum Ende hin doch ziemlich kühl geworden, trotz Griffheizung und dicken Handschuhen.
Und ich freute mich über meine Fortschritte - mal eben so 180 Kilometer abgefahren, einfach so, ohne viel drüber nachzudenken. Und vor allem einfach mal so eine längere Anfahrt und dann noch Kurven gemacht.
Undenkbar vor einigen Wochen! Monaten?!
Nachdem ich gut aufgewärmt war, packte ich das Übernachtungszeug ins Auto und fuhr los. Richtung Magdeburg.
Die Party war der Hammer. Ich traf sehr liebe Bekannte wieder - Huhu Jungs, ein herzlicher Gruß nach Erfurt! - und dann gab es ein Kulturprogramm.
Klar - auch Motorradclub-Besucher sind durchaus für so etwas zu haben!
Die Stimmung im Club war grandios. Und was für ein schön hergerichtetes Clubhaus. Die Mitglieder haben da bewundernswerte Arbeit geleistet, wow ...
Da ich nicht mehr fahren mußte, feierte ich diesen Abend dann auch entsprechend mit. Alle Gäste waren in bester Laune, aber niemand wurde auffällig - egal welcher Zustand später vorrangig war. Obwohl ich dort allein angereist war, hatte ich nicht das Gefühl, alleingelassen zu sein. Selbst bei der Masse an anderen Gästen hatten die Leute ihre Besucher und die Stimmung im Blick.
Männer und Frauen teilten sich das WC - die Frauen in die Kabinen, die Männer nach hinten an die Becken. Trotzdem kam da keine Peinlichkeit auf - alle wußten sich zu benehmen. Und war einer doch reichlich betankt, achteten die anderen Kumpels auf ihn.
Wer in meiner Gegenwart in Zukunft schlecht über MC-Partys spricht, wird sich meine Version der Richtigstellung anhören müssen - das verspreche ich. Das, was ICH als weiblicher Gast erlebte, gebe ich auch mit MEINER Sichtweise weiter: mir ist niemand begegnet, dem ich in Zukunft aus dem Wege gehen würde. Basta fertig aus. Wer sich wie ein Gast benimmt, wird auch wie einer behandelt werden.
Im Falle einer Unsicherheit ist eines der MC-Mitglieder (erkennbar am Rückenpatch) ansprechbar und wird weiterhelfen. Das hatte ich bislang immer so erlebt. Auch im Vorfeld hatte ich immer Freundlichkeit und Gastfreundschaft erlebt - sei es, wenn ich nach einer Wegbeschreibung fragte, oder ob es "sichere Schlafmöglichkeiten für weibliche Gäste" gibt.
9.11.2014
Gegen 1 Uhr war es dann genug, und ich ging zum Auto.
Ich habe seit neuestem ein ausgeklügeltes Seilsystem, rundum im Innenraum, und da sind nun Verdunklungsvorhänge dran gehängt. Schützt gegen Kälte (hoffte ich), neugierige Blicke, und grellem Sonnenlicht (jawohl!).
In der Nacht fiel die Außentemperatur drastisch, und erst als ich meine Wolldecke in den Schlafsack holte, war mir nicht mehr kalt.
Scheiß Funktionsgewebe im Schlafsack. Ich brauche es flauschig, sonst friere ich, mistnocheins ...
Durch die Ohrstöpsel hörte ich ab und an Leute abfahren, Lichtkegel tanzten über die Orange, aber die dunklen Vorhänge hielten das meiste ab.
Und zwar so gut, dass ich erst gegen 9 Uhr aus dem Schlaf kam.
Da waren die meisten Leute leider schon im Abfahren begriffen. Ich putzte mir mit heißem Wasser (ein Hoch auf die Thermoskanne) die Zähne, wischte mir den Schlaf aus dem zerknautschten Gesicht, und ging zum Clubhaus.
Es gab Frühstück für alle. Umsonst. Noch einmal Daumen hoch für den Club!
Nach und nach leerte sich die Partymeile, bis ich als einziger Gast übrig blieb. Ich bekam noch das gesamte Clubhaus gezeigt. Meine Bewunderung für die Mitglieder stieg weiter. So einen schönen Mitgliederbereich hatte ich noch nicht gesehen und ich durfte schon so einige Häuser anschauen.
Außerdem war es ein sehr großzügiges Gebäude. WC und Duschen vorhanden - unten im Erdgeschoß und oben unter dem Dach. Gästeräume und Gästebetten ebenfalls (ich hätte da schlafen können, Betten waren da - aber mit 12 Bikern in einem Raum??? jeder schnarcht anders??? ... na gut, das nächste Mal probier ich das mal aus, das ist besser als bei -2° im Auto zu bibbern! - versprochen).
Außerdem war es ein sehr großzügiges Gebäude. WC und Duschen vorhanden - unten im Erdgeschoß und oben unter dem Dach. Gästeräume und Gästebetten ebenfalls (ich hätte da schlafen können, Betten waren da - aber mit 12 Bikern in einem Raum??? jeder schnarcht anders??? ... na gut, das nächste Mal probier ich das mal aus, das ist besser als bei -2° im Auto zu bibbern! - versprochen).
Dann hockte ich mich noch mit Leuten vom Club auf eine Bank in die Sonne, wir redeten dummes Zeug zusammen, lachten viel und genossen "the day after".
Wieder einmal durfte ich "im wilden Osten" Gastfreundschaft der alten Art erleben.
Ich bin da sehr ungern weggefahren. Aber nach der Party ist ja vor der Party - die neue Saison wird schon mit Spannung erwartet :-).
Weil das Wetter es anbot, und ich grad da war, machte ich noch einen Ausflug an die Elbe!
Elbe - in der Nähe von Barby - bitteschön:
Das Hochwasser an der Elbe, wir erinnern uns - übrigens hat der MC Bull Skull Barby auch hier hervorragende Helferarbeit geleistet, und zusätzlich den Leuten von THW und anderen das Clubhaus zum Erholen und Ausruhen zur Verfügung gestellt ... !
Bilder hierzu findet ihr hier KLICKMICH
Bilder hierzu findet ihr hier KLICKMICH
Puschelfußhühner aus dem Garten beim Fährhaus ...
Hühner - ich liebe Hühner (ihr erinnert euch an Stiege?)
Und weil es so schön war, fuhr ich noch nach Schönebeck - ebenfalls Elbe - bei Magdeburg ...
Über die Elbauen-Brücke ... mit Sichtschutz, damit hier keiner unnötig herumbummelt ...
Ein Stück weit zurück ins Hinterland, fand ich am Deich einen Parkplatz und konnte endlich runter ans Wasser - Wasser gucken, Wasser anfassen, Wasser riechen, und Wasser hören ...
Spuren von Bibern! Ein zurechtgenagter Baumstamm!
Biber an der Elbe ... mein Naturherz lachte!
Was für zwei grandiose Tage waren das gewesen.
Ich lehnte mich - dick eingemummelt in meine neue Steppjacke von FLM, denn der Wind hier am Wasser war wie erwartet eisekalt - an einen Baumstamm und schaute lange Zeit die Elbe rauf und runter.
Motorrad gefahren, Party gehabt, viele nette Kontakte geknüpft und bei allerbestem Wetter (wir haben November, man erinnere sich!) noch das Chillen an einem mir sehr wichtigen Fluß ...
Mit einem Lächeln im Gesicht fuhr ich dann gegen 16.30 Uhr wieder nach Hause, wo mich die Piranhas empört quiekend begrüßten.
Fazit:
Dankbarkeit. Tiefe Dankbarkeit spürte ich in mir drin. Manchmal wird Mut und über-Grenzen-springen so belohnt wie an diesem Wochenende. Und damit meine ich nicht die Grenze, die heute auf den Tag genau vor 25 Jahren endlich gefallen ist ... aber das werden sich meine aufmerksamen Leser längst gedacht haben :-).
Und DER hier mußte einfach noch sein - für die lieben Mitmenschen, die noch unsicher sind ...

Ja geil...Rappbodetal mit der einsamen Ellie...
AntwortenLöschenDer Treffpunkt hat mir beim KLR Treff schon gefallen. Wenn ich in der Nähe wohnen würde, wäre das mein bevorzugter Ausflugspunkt...
Vor allem weil es von da aus sehr viele schöne und auch unbekannte Kurvenstrecken weit ab von Halligalli gibt, Marcus. Die Straßen sind dann nicht mehr Heizerbelegt, sondern man muß schon aufpassen. Da können auch mal Löcher im Belag sein. Aber die Ausblicke auf einsame Täler oder den Kyffhäuser - durch eine Brandschneise hindurch - lohnt solche "Strapazen" allemal. Ich werde in der Saison mit Sicherheit noch oft da oben sein, in Stiege zelten und dann auf Erkundungstour gehen. Natürlich poste ich Fotos und vielleicht auch den einen oder anderen Geheimtipp.
AntwortenLöschenIch bin ja selber einer von den "Rockern" und habe auch keine Vorurteile gegen asoziale Eltern ;-) wir sind nämlich eine sehr tolerante Truppe.
AntwortenLöschenMerkst Du, wie die Entfernungen ihre Bedeutung verlieren? Bald kannst Du Dir vorstellen, 300 bis 400 km am Tag zu fahren und dabei Spaß zu haben (selbst wenn ab und zu die Autobahn benutzt werden muss) und schon erhöht sich der Ausflugsradius und die Möglichkeiten.
Ich liebe diese Zeit, wenn die Saisonies ihre Kisten bereits eingemottet haben. Und Frauen auf dem Bike habe ich schon (außer meiner selbst im eigenen Rückspiegel) schon seit Wochen nicht mehr gesehen... Die zu allen Jahreszeiten fahrenden Damen sind nach wie vor eine ganz seltene Spezies.
Du hast recht, Sonja - die Entfernungen haben eine andere Bedeutung, weil ich jetzt ab und an die Autobahn mit einbeziehe. Dadurch komme ich ja schneller voran, und der Zielradius wird größer. Ab 250 Kilometer spinnt zwar mein rechtes Bein herum, aber mit genügend Pausen ... ich werde es trainieren, Stück für Stück etwas weiter zu fahren.
LöschenJa, auch ich sehe außer meiner Person keine andere Frau mehr im Rückspiegel, geschweige denn vor mir auf einem Motorrad. Wir sind schon sehr speziell ;-).
Da bestehe ich sogar drauf!!!....:-)
AntwortenLöschenUnd die Nebenstraßen haben wir ja im August auch genossen. Teilweise leider frisch geschottert...also langsam gefahren. Aber die beschatteten Wege und auch die Straße mit der Furt (müsste jetzt nachschauen welche das war..) einfach Klasse...
Die Furt war bei Altenbrak, im Bodetal :-). Das ist ein wirklich schönes Plätzchen, genau. Und wenn Du solche Straßen magst, kann ich Dir gerne mal die "krassen Wege" mailen ;-).
LöschenDas freut mich aber ungemein zu lesen, daß Du die blöden Erlebnisse von neulich so gut verarbeitet hast! Keep on riding! :)
AntwortenLöschenViele liebe Grüße von einer, die auch munter in den Herbst weiterfährt...