Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 28. September 2015

25.9. - 27.9.2015 - Herbstrunde, Einkaufen mit und ohne Erfolg, Kaminfeuer und leichte Wehmut

Die Wetterfrösche sagten für das Wochenende 26.-27.9. herrliches Wetter voraus. 

Bei Harley in Braunschweig war Open House Wochenende mit Probefahren, und was Harley sonst noch so anbietet für das Klientel der goldenen Visa-Master-sonstwie-Card.
Da der Zettfahrer und ich aber andere Pläne hatten, schauten wir beim Vorbeifahren aus dem Auto von der Autobahn aus nur auf die Menschenmassen. Später sah ich in einem Forum Fotos von der Aktion und war erleichtert: ich hatte nichts verpaßt.
Nee, echt - bei SO einem Kaiserwetter mit Hunderten anderer Menschen in praller Sonne stehen und mich zudröhnen lassen von Impulsen, die mich nicht einen Halm weit interessieren ... 

WIR verbrachten hingegen einen herrlichen Nachmittag in der Nähe der Heide, begutachteten verschiedene Viechereien, schlemmten in Unmengen von Blaubeeren herum, futterten sagenhafte Wurstwaren und waren mit unserer Tagesplanung rundum zufrieden!

Das Fahren wollte ich dann auf den Sonntag verlegen. POLO hatte Sonntagsverkauf, 10% Rabatt gab es auch noch, und da ich eh neue Sachen brauchte, stand der Plan fest. Erst eine kleine Runde bei dem herrlichen Herbstwetter, einkaufen, und dann nochmal zum Ausprobieren Richtung Harz.

Gegen 10 Uhr war es Sonntag morgen immer noch ziemlich kühl. Die Sonne wärmte langsam, aber die Luft war deutlich herbstlich eingetüncht! Es wurde Zeit, an die wärmere Fahrvorbereitung zu denken.

Gegen 12 Uhr hielt mich zuhause nichts mehr. Ich zog das Jacken- und das Hosenfutter ein, Funktionsshirt und -Hose, eine dünne Fleecejacke und - ganz wichtig - die Sturmhaube. Die Wintersturmhaube packte ich in die Satteltaschen, ebenso dickere Handschuhe. Man weiß ja nicht ...

Es ging los. Die Luft war frisch, und durch mein geschlossenes Visier pfiff der Wind. Der X-Lite Helm gibt langsam Schwächen preis. Er ist schon dreieinhalb Jahre alt. Polster schützt nicht mehr so, Dichte gegen Zugluft nicht mehr so, und laut ist er geworden. 
Gerade im Winter ist Zugluft übrigens extrem ätzend für mich. Kalte Luft einatmen macht mir sofort Erkältung der Atemwege, obwohl ich durch das Nordic Walken, Radfahren und Wandern nicht gerade ein Weichei bin!

Wird wohl Zeit für etwas Neues in bezug auf den Helm ... vielleicht endlich mal einer mit Sonnenblende!

Ich fuhr eine Runde und genoß die klare Aussicht!





Ein Stück Weg hier, einige Kilometer da ... herrlicher Blick auf das Harzvorland. So muß ein Sonntag sein!
Auf der B79 gab ich Gas, und ein Blick im Rückspiegel zeigte, wie das Herbstlaub empor stob. Ein hübscher Anblick, der mich aber auch etwas wehmütig machte. Das Laub färbte sich bereits kräftig, die Ebereschenbäume leuchten an den Hügeln der Asse knallrot - Herbst. Eindeutig!
In Groß Denkte hielt ich am Straßenrand und zog meinen Fleecekragen über den Helm. Uff, endlich Ruhe am Hals. Das Teil, was ich mir letzte Saison aus zwei alten Pulloverärmeln gefertigt hatte, hält wirklich gut die kalte Luft vom Körper fern! Es beginnt also wieder die Michelin-Frauchen-Zeit, wenn ich nicht frieren will.




Einen kleinen Teil der Anfahrt mußte ich über die A395 erledigen - die Zeit wurde mir sonst zu knapp. Nicht wirklich meins, diese Abfahrt auf die A39-Kurve.

Nach 61 Kilometern Fahrt kam ich bei POLO an. Die Hose hatten sie nicht da, wird aber für mich bestellt. Ich kaufte stattdessen ein Paar neue Handschuhe von Thermoboy, einen Winternierengurt - auch Thermoboy - ein Paar Longjohns von FLM, und probierte einen Helm. Der hat grad einen guten Preis, da Auslaufmodell. MIT Sonnenblende. Den, den ich wollte (weiß, hellgrau) müssen sie aber auch erst anfordern. Vom Sitz her war der klasse, aber über die Kosten von 319 Euro muß ich mir erst einmal klar werden ...

Gegen 14.30 Uhr war ich fertig mit Einkaufen und Anprobieren, schwang mich wieder auf Ellie, zog die neuen Handschuhe an und fuhr los.

Tja ... ewiges Thema Handschuhe!
Ergebnis: Thermoboy Null, Lenkerstulpen EinsPlus. Die Handschuhe sind mir zu starr, und meine Finger sterben ab. Warm gewesen sind sie nur am Anfang, später wurde mir das zu unangenehm. Ich bleibe also wie gehabt bei meinen Lenkerstulpen. Sehen klobig aus, verschaffen mir aber deutlichen Komfort: keine blauen Finger, die Griffheizung wirkt da wo sie soll, und ich kann mit meinen Sommerlederhandschuhen fahren, mit denen ich ein sehr gutes Griffgefühl habe ...
Die tollen Handschuhe von Thermoboy mögen also andere gut finden. Meins waren sie nicht. Für 70 Euro eine Probefahrt, die zeigte: taugt für Heike nix.

Memo an mich: Lenkerstulpen anbauen, aber hurtig!

Ich fuhr weiter, neben der Harzautobahn entlang. Einige Sonntagsdosenfahrer waren mit mir unterwegs, aber da ich ja im Feiertagsmodus unterwegs war, störte mich das nicht. Vereinzelte Gebückte kreischten ungeduldig zwischen den Schnecken, touchierten mich fast beim Einscheren, und hingen dann später gesammelt hinter einem Bus fest.
Ein klein wenig Schadenfreude machte sich in mir breit, das gebe ich gerne zu.

Die Harleys traten ebenfalls verstärkt auf. Fuhren aber immer auf der Gegenfahrbahn an mir vorbei. Die nächsten Kandidaten für das Full-Crowd-Event am Hafen.
Sonja scheint die vorbildliche Ausnahme zu sein. Denn die Fahrer, die mir entgegen kamen, waren wohl zu cool zum Bikergruß erwiedern.
Wenn ich die Lenkerstulpen drauf habe, reduziert sich das Grußerwiedern sowieso auf ein Minimum. Vielleicht sehe ich von vorne aus wie ein Rollerfahrer - und Rollerfahrer zu grüßen ist ja sowieso ein absolutes No go in der geheimnisvollen Welt der Gruß-Regelung.
Pft ... dabei fahre ich auch nach der Saison noch. Bislang habe ich in dieser mehr als 11000 Kilometer gefahren. Etwas, was die meisten Hobbyfahrer nicht einmal annähernd schaffen. Aber dann große Töne spucken und auf andere herabsehen.
Insofern macht es Spaß ab 1.11. - denn da sind nur noch die Unerschrockenen unterwegs, man wird fast immer gegrüßt und die Lenkerstulpen werden allenfalls anerkennend erwähnt. Weil die, die dann fahren, genau wissen, wie sich kältesteife Griffel anfühlen.

Dann bog ich auf die Autobahn ab, in Richtung Vienenburg. Bei Schladen verließ ich die Bahn, denn kurz danach fängt diese ewige Baustelle an: nur eine Fahrspur, Tempo auf 40 km/h und das ist sogar mir zu trantütig ...

An Schladen vorbei, rechts in der Senke die rauchenden Schlote der Zuckerfabrik. Die Luft roch nach gebrannten Mandeln. Die Rübenkampagne ist angefangen. An den Feldrändern liegen meterhoch aufgebaut die ausgebuddelten Zuckerrüben, und die Straßen sind an den Feld-Aus- und -Einfahrten mit Erdklumpen versaut. Bei Regen oder nassem Wetter verwandelt sich das in einen glitschigen Belag aus Lehm, der wie Schmierseife wirkt.

Kaum war ich durch Hornburg hindurch, hörte der wenige Sonntagsverkehr auch auf. An einem Feldweg hielt ich an, stellte Ellie ab und genoß ein wenig den herrlichen Spätseptembertag. SO fühlt sich ein Sonntag an. Sonne im Gesicht, ein Reiher kreist über den Feldern, irgendwo plumpst ein Apfel mit einem harten Klatsch auf den Asphalt und einige Grillen zirpen voller Energie und Wehmut. Über allem ein kitschblauer Himmel mitsamt Schäfchenwolken.



Ich hatte noch keine Meinung, wieder nach Hause zu fahren. Erstmal weiter, Richtung Harz.



Ich fuhr und fuhr, und genoß die kleinen Details am Wegrand: lila und rot gefärbte Astern in den Vorgärten, Sonnenblumen an den Feldrändern, das satte Braun frisch gepflügter Felder, Spaziergänger mit einem Eis auf der Hand. Der Parkplatz am Kloster Drübeck war voll gefüllt. Eigentlich wollte ich hier Station machen und etwas futtern, denn seit dem Frühstück hatte ich nichts mehr gehabt. Aber auf solche Menschenmassen hatte ich keine Lust.
So fuhr ich also dran vorbei, weiter auf Seitenstraßen nach Wernigerode. Das Schloß thronte majestätisch auf dem Hügel, und die Umleitung nach Elbingerode verschaffte mir wieder einige Übung im Anfahren am Berg. Bislang schaffte ich es niemals wegen des nachfolgenden Verkehrs, ein Foto mit Ellie und dem Schloß im Hintergrund zu machen. Real sieht es aber wirklich gewaltig aus, diese Kulisse.
Auf dem Weg nach Elbingerode legte ich eine Pause ein.




Während ich dort herumstromerte, mir die Beine vertrat und meine Ausrüstung neu sortierte, brandete der Verkehr durch die Kurve an mir vorbei. Eine echte Showkurve. Ein Einheimischer brüllte gleich mehrfach dort entlang. Hoch, runter, hoch, runter.
Dicht gefolgt von weiteren im Papageienleder. Ab und an aufgehalten von einer Horde Simson-Fahrer - das wird wohl die Simson-Jugend-Oberharz gewesen sein, die sich heute oben an der Rappbodetalsperre treffen wollte.
Einige bekloppte Radrennfahrer waren auch mal unterwegs und schnauften mit verbissenem Gesicht, hautengen Klamotten und strammen Waden an mir vorüber.

Ich glaube, in diese Kurve komme ich noch einmal. Dann aber mit Klappstuhl, mit Picknicktisch, gutem Grillessen und einigen Freunden zum Lästern. Vielleicht noch mit Fähnchen, die ich dann schwenke. Eine echte Poserkurve!

Ich war ziemlich groggy. Es ging auf 16 Uhr zu, ich hatte schon einige Kilometer hinter mir, und mein Magen protestierte schon seit geraumer Zeit. Ich schickte dem Zettfahrer eine Nachricht, und machte mich auf zur Weiterfahrt. Ziel: Biker Ranch Hasselfelde, lecker Essen bei Mario und Carmen und vor allem Pause machen und erholen zur Rückfahrt.

Kaum war ich auf der Straße, kamen von hinten Horden der Freizeitraser angefegt. Ich fuhr stoisch meinen Stiefel, ganz rechts und winkte sie vorbei. Niemand bedankte sich.
Das kotzt mich ehrlich gesagt mächtig an. Ich bin so nett und behindere sie nicht, mache ihnen auch noch Platz - warum also bedankt sich nicht EINER dieser Geisteskranken mal zurück?

Die treiben es noch soweit, dass weitere Straßen am Wochenende gesperrt werden für Motorradfahrer. Und friedliche Gesellen wie die Simson-Jünger, einige Rollerfahrer, der Studienrat aus Obersulzbach mit seinem alten BMW-Gespann, Hilde aus Magdeburg mit seiner lieben Marietta und dem MZ-Dreirad sowie Heike und Ellie das Nachsehen haben.



Etwas angesäuert, hungrig und verfroren traf ich nach ungefähr 100 Kilometern von POLO aus gerechnet bei Mario und Carmen ein. Ich parkte wie immer genau vor dem Geländer, quetschte Ellie zwischen die dort stehenden Rennsemmeln. 
Rechts von mir stand ein junges Mädchen in schickem weißen Rennleder neben ihrer Maschine, und vier ältere Kerls zerpflückten gerade ihre Anfahrt in die Einzelteile. Wo sie hätte Gas geben müssen, was sie noch alles aus ihrer Maschine rausholen könnte etc.
Als sie dann zustimmend nickte und meinte: "Ja, aber so gut kenne ich die Maschine noch nicht, und es ist ja auch erst meine erste Saison, ich habe den Schein ja noch ganz neu", schüttelte es mich.
Bald hätte ich etwas gesagt - aber ich tat es nicht.
Da muß jede ihre eigene Erfahrung machen. Die Kerls meinten es auf ihre Art ja gut. Aber - FAHREN MUSS JEDER FÜR SICH. Tipps geben ist das eine - sie umzusetzen für sich, ohne Gruppendruck - sichert einem das unversehrte Heimkommen. So habe ich es immer gehalten. Ich stehe zu meiner Art zu fahren. Das ich nicht in der Gruppe fahren mag. Zu meinen Lenkerstulpen. Zu meiner Lieblingsreisegeschwindigkeit. Wem das nicht paßt, der darf gerne voraus eilen.

Ich nahm die Geldbörse, das Handy und den Zündschlüssel und stapfte über die Rampe in die Ranch. Wohlige Wärme empfing mich. Der Kamin war geheizt. Himmel, was hatte ich jetzt Hunger, und kaputt war ich ebenfalls. Ich hockte mich an den Kamin und hoffte auf Wiederbelebung meiner Kräfte.

Wenige Augenblicke später stand eine Schüssel mit heißem Chilli vor mir, und ein frisch aufgebackenes heißes Brötchen wartete darauf, das Brennen in meinem Mund zu mildern.


In schneller Folge kippe ich erst den Kaffee, dann ein Glas Cola hinterher. Energiemangel, aber sowas von.
Erst nach dem Essen kehrte meine Kraft wieder zurück. Ich hatte mich durch das schöne Wetter blenden lassen - letztes Essen um 10 Uhr, und um 17 Uhr das nächste. Dazwischen eine längere und teilweise anstrengende Tour, dann die Strecke im Harz. Kurzum: ich war nicht nett gewesen zu mir selbst.
Jetzt bin ich schon drei Jahre dabei, aber manche Dinge ändern sich schwer.

Als der Zettfahrer wenige Minuten später mit dem Auto eintraf, stand meine Entscheidung fest: Rückfahrt zu seinem Wohnort, Ellie dort lassen und gemütlich im warmen Auto zurück nach Hause. Bis zum Zettfahrer hatte ich nämlich wieder insgesamt über 200 Kilometer auf dem Tageskilometerzähler, und das ist für "nur mal eben Einkaufen und etwas touren" doch schon ganz ordentlich.


Um 18 Uhr schwang ich mich auf Ellie, der Zettfahrer kam mit dem Pferd hinterher und hielt mir den Rücken frei, und es ging nach Blankenburg an die Tankstelle. Ich wechselte die Sturmhaube, und stellte die Griffheizung an.

Dann trennten sich unsere Wege kurzfristig.
Es folgen später noch Fotos, die der Zettfahrer aus dem fahrenden Auto aufgenommen hatte - Heike und Ellie in voller Fahrt. Er hatte nämlich am Rastplatz Regensteinblick gewartet, und meine Anfahrt geknipst.
Aber die Fotos müssen erstmal ihren Weg zu mir finden, sprich: das Übertragungskabel will gefunden werden!

Update:

Hier die Foto-Serie!

Auf geht's - kurze Rast an der Köhlerhütte kurz hinter Hasselfelde; warme Handschuhe sind getauscht und die innere Stimmung ist gut!

Auf der B6n - Heike und Ellie im Anmarsch

So sehe ich also aus - bei voller Fahrt

Chillmodus mit rausgeklappten Reisefußrasten

 
Als wir dann gegen 20.30 Uhr bei mir zuhause eintrafen, war ich froh über meine Entscheidung. Ellie residiert warm und trocken, ich konnte mich auf der Rückfahrt noch aufwärmen und den Tag Revue passieren lassen, und mußte nicht im Dunkeln auf dem Motorrad heimfahren. Dunkelfahren kann ich nicht gut.

Fazit:
Lenkerstulpen sehen murksig aus, taugen aber sehr gut.



Sieben Stunden ohne Energiezufuhr ist Mist - das wird nichts. Schwarzer Kaffee zählt nicht als Ersatz!
Chilli ist immer noch keine Option für mich.
Der Herbst ist da, und in der Woche nach Feierabend noch bei Tageslicht zu fahren wird kaum noch möglich sein. Bleibt also nur das Wochenende.
Somit ist der Harz erst wieder ab 1.11. ein Reiseziel für mich. Oh ich werde den 1.11. - übrigens ein Sonntag! genießen.

Am Samstag vorher, den 31.10., wird sicherlich wieder die Hölle los sein im Harz, so es denn das Wetter zuläßt. Alle Möchtegern-Kurvenheizer wollen nochmal die Sau um die Höhen rauslassen.
Da genießen Ellie und ich dann mit Sicherheit nur das Vorland. Oder die Applauskurve bei Elbingerode, mal schauen!
Thermoskanne mit heißem Kaffee dabei, kleiner Klapptisch, Klappstuhl, warme Decke und los geht es, das Begucken der Saisonisten.

Zettpapa - wolln wir das machen? :-)



 




Mittwoch, 23. September 2015

Eine Themenreihe: Camping - Heute: die Campingküche

Campingküche!

Ihr erwartet jetzt doch nicht eine Linkliste und eine Aufstellung meiner Küchenutensilien? Doch? Pech gehabt ;-).

Das, was ich hier beschreibe, ist meine persönliche Ausrüstung, auf meine Bedürfnisse zugeschnittten. 
Bei Svenja findet ihr eine richtig gute Checkliste, an der ich mich auch orientiert hatte.

Für mich persönlich wichtig: Kosten und Funktionalität.
Trangia ist schön, aber kostenintensiv.
Primus tut es auch.
Ich kaufe grundsätzlich nach der Saison - da purzeln die Preise, und man kann viele Schnäppchen machen. Mein Favorit ist Campz.de - hier findet man Markenware, und im Vergleich zu den teuren Internetglobetrotterläden schneidet Campz sehr gut ab!

Trockencampen in der Wohnung ... eine Winter-Frust-Aktion, als ich das Denali neu hatte und der Winter einfach kein Ende nahm ;-)

Bei öden Regentagen hocke ich auf dem Zimmerfußboden, schwelge in Erinnerungen und um mich herum liegt verteilt der Inhalt meiner Ortlieb Rackpack Tasche (Größe M).

Ich beäuge jedes Stück, prüfe es auf Unversehrtheit, stelle neue Textilien zusammen, wische die toten Ameisen aus dem Alubecher, kontrolliere die Campingküche auf Vollständigkeit ...  

Immer dabei: 

  • Die kleine Gaskartusche mit Aufsatz und Fußhalterung! 
  • Ein Thermosbecher (von Louis gekauft; hält super warm und ist groß genug, um auch als Schöpfbecher/Duschersatz zu dienen). 
  • Ein Teekesselchen. Und Teebeutel, selbstverständlich ...

Sieht winzig aus, und doch gehen hier 0,9 Liter Wasser hinein!

Es faucht, es zischt - für mich hat dieses Geräusch etwas absolut heimeliges an sich: der Kocher in Aktion!
Die Gaskartuschen sind in fast jeder Tankstelle käuflich zu erwerben. Oder im Outdoor-Shop.


Memo an mich und euch:
  • Genug Feuerzeuge dabei? Nehmt Leuchtfarben. Orange ist gut. Rot ebenfalls. Grün, oder tarngemustert ist Blödsinn. Wenn das ins Gras fällt, findet ihr es fast nie wieder. Deshalb auch: mehrere mitnehmen, dann ist ein eventueller Verlust zu verschmerzen. Nichts ist übrigens übler, als bei Regen über den Campingplatz laufen zu müssen und wie ein Bettler an den fest verrammelten Wohnmobiltüren der Nachbarn zu klopfen und um Feuer zu betteln ... bei meinem Glück sind das meist Nichtraucher! Einmal passiert, als ich mein einziges Feuerzeug - in wunderschönem Indigoblau (also bei Dunkelheit im Gras unauffindbar) - verlegt hatte und bei den Nachbarn reihum klopfen mußte ...




Manchmal ist auch mein kleiner, faltbarer Alutisch dabei. Leichtgewicht, und eine feste Abstellfläche für Feuer, Getränke und anderes.
Ein Nice-to-have.

Ist der Tisch nicht dabei, fungiert Ellie als Frühstückstisch - auf Augenhöhe. Das rote Tuch ist eine Schaumstoffunterlage für den Tankrucksack, damit der Lack nicht zerkratzt. Hier: Tischtuch (praktisch denken...)


Ebenfalls wichtig:
  • Genug Gas in der Kartusche? Warum das so wichtig ist, versteht sich von selbst ...
  • Teebeutel, Zucker-, Pfeffer- und Salztütchen trocken, sauber und in ausreichender Menge dabei? Gut verpackt als Schutz gegen Insekten?
  • löslicher Kaffee noch löslich, oder schon ein unansehnlicher Klumpen durch Luft ziehenden Aufbewahrungsbehälter?

Die kleine Campingküche in Aktion!
Diese blaue und graue Schale ist ein Set - der graue Teil ist gleichzeitig Suppenschale mit Haltegriff; das Plastikbesteck hat genau die richtige Größe und paßt hinein, und mit einem Kabelbinder kann man das Besteck auffädeln; das Messer ist übrigens schärfer als es den Anschein hatte ... die Oberschale ist Teller oder Schüssel.
Zu finden bei campz.de
Wildo Camp-a-Box
Das weiße Schneidbrett fehlte in jeder Lieferung - keine Ahnung, warum ... ich reklamierte das 2x und bekam jedesmal prompt Ersatz - ebenfalls OHNE Schneidbrett ... nun denn, jetzt hat der Zettfahrer auch so ein Set, umsonst!
Der faltbare Becher ist niedlich, aber es paßt echt wenig hinein ... der blieb zuhause

Minipfanne - und gespanntes Warten auf das Rührei
Hier paßt natürlich kein Svenja-kompatibles Entrecote hinein - aber zum Frühstück zubereiten langt das Pfännchen allemal!

Ausweichquartier Wanderhütte - hier nahm ich die größere Pfanne (22 cm Durchmesser) mit eiskaltem Händchen, einem Holzlöffel mit abgeschnittenem Stil und Essen von Zuhause.
Damals hatte ich das Teekesselchen noch nicht und kochte mein Teewasser im Primus-Set - oben Deckel/Pfanne und unten Topf/Kessel
Da alles beschichtet ist, solltet ihr wirklich auf Holzbesteck achten.
Die Beschichtung der Gerätschaften ist empfindlich!

Ausweichquartier Wanderhütte - hilfe, was habe ich gefroren in dem blöden Salewa Schlafsack - damals hatte ich das Fleece-Inlet nämlich noch nicht!
Die Hütte hielt zwar das Wasser von oben ab, aber die Ohrenkneifer und die Luftfeuchtigkeit leider nicht ...


Dann habe ich noch ein echt praktisches Ding - die Ortlieb Faltschüssel, 5 Liter Inhalt!



Hier fungierte die Faltschüssel als Waschtasche!

Diese Faltschüssel ist mit 5 Litern absolut ausreichend. Es gibt sie auch mit 15, aber das ist definitiv zu riesig.
Wer die Ortlieb Materialen kennt, weiß: das ist eine robuste, wasserfeste/dichte Plane. Man kann die Tasche zusammenfalten, rollen und hat ... eine kleine zweifinger breite Wurst, die überall mit reinpaßt.
Hier schöpfte ich schon Waschwasser mit, sammelte Grünzeug, Beeren und Pilze hinein, sie war Abwaschschüssel oder Wäschewasch-Maschine ... kurzum: das Ding ist klasse!

Eine kleine Klickbox mit Abwaschschwamm, abgefülltem Spülmittel und ein kleines Geschirrtuch - fertig ist meine Ausrüstung!

Klickbox durchsichtig mit Zuckertütchen und Tee, Ortlieb Falttasche, Abwaschklickbox

Okay, ich habe euch beschwindelt - hier kommt doch eine Auflistung!

  • Ortlieb Faltschüssel
  • Gaskartusche und -Füßchen
  • Alutisch (nach Bedarf; nice to have)
  • Teekesselchen
  • Thermosbecher
  • Klickbox Mini mit Teebeuteln
  • Klickbox Mini mit Gewürzen
  • Essen nach Bedarf (Knäckebrot und Hartwurst tun es zur Not auch als schnelles Frühstück, bevor man eine Bäckerei überfällt - ich für meine Person schaffe es nicht, ohne Frühstück aufs Motorrad zu steigen; zumindest EINE Scheibe Knäcke-mit-was-Salzigem-drauf muß sein, sonst bin ich zu schnell ausgepowert!)
  • kleine Portionsflasche mit Olivenöl, die ich aber nur mitnehme, wenn ich auch wirklich braten will
  • Primus Kochtopf mit Deckel/Pfanne
  • 22 cm Pfanne mit eiskaltem Händchen
  • Camp-a-Box plus 3-teiligem Besteck
  • Kochlöffel aus Holz
  • Klickbox mit Abwaschschwamm, Spüli und Handtuch
  • Stofftasche, Abfallbeutel 20 Liter, 3 Gefrierbeutel, Beutelklips
  • Notfall-Müsliriegel ... da ich ein bekennender Fleischfrühstücker bin, werde ich mich nie mit diesem Körnerzeugs (Müsli zum Frühstück ist für mich ein No-Go, Körner vertrage ich nicht ... ich bin kein Huhn) anfreunden und so einen Riegel nur im Notfall vertilgen ... 

Die Klickboxen bekommt ihr in 1-Euro-Shops oder beim Discounter. Klarsichtdosen haben sie leider nur selten - hier wählte ich grün für Kräutertee/Zucker/Süßstoff und Gelb für Gewürze (Curry ist gelb ... das ist meine Eselsbrücke).

Je nachdem, wie lange ich wegfahre, stelle ich die Küche dementsprechend zusammen.

Kurze Tripps: Minimalausstattung, also Kocher und Kesselchen. Bei den Kurzreisen ist das warme Essen meist am Abend bei einem Imbiß - zwischendurch gibt es Obst oder Sandwich vom Supermarkt.

Über 2 Tage: 22 cm Pfanne mit -Greifer, Bratöl, Pfannenwender/Kochlöffel. Hier wird abends auch mal gebrutzelt bzw. gebraten.

Ich packe die jeweilige Ausrüstung in einen kleinen Beutel zusammen - da klötert nichts herum, und man hat alles beieinander.
Der Beutel ist aus festem Material - hier kann man sich im Internet austoben - oder man nimmt einen kleinen Stoffbeutel, das geht auch - Kostenpunkt 1,- Euro ;-).

Ein-Tag-Verpflegung ... 
Mittags wurde bei der Gulaschkanone angehalten für eine warme Mahlzeit Nudeln mit Fleischsoße; in Güntersberge, bei Thale

Weitere nützliche Dinge gibt es im nächsten Blog, wenn es wieder heißt:


Heike & Ellie on Tour ... 
dann: Gedöns

    Montag, 14. September 2015

    11.-12.9.15 Zelten im Herbst - ein kurzes Intermezzo zum Ausprobieren der Gegebenheiten

    Ich hatte endlich das neue Zelt in der Paketpost. Warum ein neues? Nun, bei diesem hier stellt man erst das Außenzelt auf, und hängt dann die Kabine hinein. Außerdem ist mehr Platz drinnen, wodurch ein mehrnächtiger Aufenthalt bequemer wird. Eine angenehme Deckenhöhe von 1,30 Metern ist ebenfalls nicht zu verachten.


    Das Topeka würde ich aber bei einer anderen Gelegenheit ausprobieren. Der Bericht dazu folgt!

    Ich wollte noch einmal das Klappzelt aufstellen. Das Wetter paßte ja am Wochenende, so dass ich Ellie gegen 16 Uhr aufrödelte und in Richtung Harz aufbrach.
    Zelten im Herbst - ich wollte es einfach einmal ausprobieren.

    Einen Tankstopp in Blankenburg später deckte ich mich noch mit einem belegten Fladenbrot ein. Das sollte mein Nachtessen werden. Die Verkäuferin wollte das Brot unbedingt noch kurz in den Grill tun, "weil es gebacken sehr viel besser schmeckt". Ich konnte sie nur mit Mühe davon überzeugen, dass das Brot oben in Stiege sowieso eisekalt wäre ...

    Um die Uhrzeit war in Richtung Hasselfelde zum Glück sehr wenig los. Ich konnte in Ruhe meine Kurven ziehen, was mit Beladung immer nicht ganz so flüssig abgeht. Das Fahrverhalten ist ein anderes, ohne Frage ...

    Gegen 19 Uhr kam ich in Stiege an, und tuckerte den ausgewaschenen Schotterweg nach oben zum Campingplatz. Was hatte ich mir vor zwei Jahren einen Kopf gemacht über diese Auffahrt. Alles eine Frage der Übung ... auch die Anfahrt nach Stiege absolviere ich mittlerweile ohne größere Pausen zwischendurch. 
    Das Autobahnfahren macht mir mittlerweile ebenso wenig aus. Notwendiges Übel, wenn man schnell wohin reisen möchte - nicht mehr, nicht weniger. Durch mein Gepäck sehe ich breit aus, und die Autos überholen angenehm weiträumig. Ab und zu gibt es mal einen Vollpfosten, der beweisen will, wie gut seine Potenz ist - drängeln, auffahren und dann fast schon geschnitten überholen ... aber da ich Ellie jetzt gut kenne, weiß ich auch, wie ich solchen Riesenhirnies begegne.
    Mit Gelassenheit nämlich!
    Hinterherfahren und verkloppen und dabei meine Gesundheit durch einen unbedachten Fahrfehler riskieren? Muß nicht sein.
    Aber gnade dem Fahrer sonstjemand, den ich bei meiner Abfahrt zuhause hinter mir hatte. Ich kenne dich, du wohnst in meinem Wohnort und wenn ich dich das nächste Mal beim Einkaufen treffe, dann bekommst du eine verbale Ladung, die mit Sicherheit noch in Wolfenbüttel zu hören ist. Bei der Ortseinfahrt Cremlingen noch überholen und dann vor der Fußgängerfurt schneiden, dass ich fast gestürzt wäre - sowas geht einfach nicht!

    Ein einsamer Motorradfahrer war außer mir noch auf dem Campingplatz. Erst am nächsten Tag kamen wir ins Gespräch. Er war vom Celler MC, fuhr eine Harley von 1937, mit der er in Neuseeland 9000 Kilometer herumgereist ist ... aber das wußte ich am Freitag abend alles noch nicht, sonst wäre ich sicherlich sehr spät ins Bett gekommen.

    Der Campingplatz war wenig besucht. Die Ferienzeit war beendet und nur noch vereinzelte weiße Ware stand klobig auf dem Rasen herum. Die Bewohner durch die Bank weit jenseits der Sechzig.

    Ich rödelte mein Gepäck ab, stellte das Klappzelt auf die Plane und richtete mich ein. Das geht jetzt ohne Probleme innerhalb von zehn Minuten vonstatten.

    Eine warme Outdoorjacke war neu im Gepäck. Ich war gespannt, ob sie versprach, was die Marke anbot.

    Außerdem wollte ich für den Blog einige Normalitäten fotografieren, die mir vor Ort so selbstverständlich sind, das ich nie daran dachte, das mal abzulichten ...

    Es wurde dunkel, und es wurde langsam feuchtkalt. Nebel zog auf. Der Herbst war hier oben angekommen.
    Ich war nun auch ziemlich ausgehungert, dadurch fror ich leicht, und so zog ich die neue Fleecejacke an. Kurz und gut: sie hält, was ihr Preis außerhalb des Sonderangebotes versprochen hatte!


    Abendessen ist angerichtet! Leckeres Fladenbrot mit italienischem Gemüse und ganz viel Hähnchenfilet innen drin - ein Dank an die ARAL Heißtheke für diese kulinarische Köstlichkeit ...

    Warme Fleecejacke und Beenie - Wärmeverlust über den Kopf somit eingedämmt und mir war kuschelig (auch wenn's albern ausschaut, aber wer friert, schert sich nicht um die Mode!)

    Der Kocher ist aktiviert! Das Fauchen und Zischen hat etwas herrlich vielversprechendes!

     
    Das Teewasser kocht!
    Herrlicher Anblick, wenn man doch etwas ausgekühlt ist und keine Zentralheizung in der Nähe wartet ... das hat schon fast etwas meditatives, den Kochvorgang zu beobachten ...

     
    Minuten später hielt ich den Becher mit dem dampfenden Tee in den Händen, kuschelte mich auf den Gartenstuhl, und schaute über die Koppeln. Hier oben war es schön still und friedlich. Der Biker hatte Rockmusik eingeschaltet, die hier hinten in meiner Ecke aber nicht weiter störte. Ich genoß das Fladenbrot. Es schmeckte auch ungetoastet sehr lecker, aber vielleicht war ich auch einfach nur total ausgehungert. Ab und an meckerte eine der Ziegen nach ihren Babys, und der all überall obligatorisch kläffende Hund hielt sich mit seinem Gebelle zum Glück zurück.

    Die Luftfeuchtigkeit zog deutlich an. Der Fleecepulli hatte winzige Wassertröpfchen auf den Fasern. Ich war froh, meinen dünnen Mummin für den Schlafsack mitgenommen zu haben. In das Fußteil würde ich später meine warme Woll-Leggins stopfen. Zusätzliche Wärmequelle.

    Ich trottete mit dem Waschbeutel und dem Handtuch in der einen, mit dem Thermosbecher in der anderen Hand zum Waschhaus. Zähne putzen, Gesicht säubern, Schlafzeug anziehen. Die Funktionsunterwäsche von FLM war ein guter Kauf - vielseitig einsetzbar. Wenn POLO die wieder im Angebot hat, werde ich noch eine Ersatzgarnitur holen.
    Draußen wartete der Zettfahrer, der mich nach seiner Arbeit noch mit einem heißen Tee überraschte. Wir klönten noch eine Zeitlang, dann riefen unsere unterschiedlichen Schlafstätten.

    Ich deckte Ellie noch ab, packte die Motorradsachen in das Zelt, schlüpfte in den Mummin und zog die Kaputze vom Schlafsack über den Kopf. Die warme Fleecejacke ließ ich an. Der Zeltnachbar neben den Hütten schnarchte in einer Lautstärke, dass heute Nacht sicherlich keine wilden Tiere an uns herankommen würden. Ich lag noch eine Zeitlang wach und versuchte, die perfekte Schlafposition zu finden. Mit einigen Unterbrechungen schlief ich dann bis acht Uhr am nächsten Morgen durch. Als ich in der Nacht mal raus mußte, stolperte ich in eine dicke Nebelsuppe. Junge, war das feucht da draußen!
    Schnell wieder in den warmen Schlafsack krabbeln! Dieses Einhüllen in den Mummin und in den Schlafsack ist etwas lästig, aber ich schlief schnell wieder ein.

    Am nächsten Morgen ...
    Meine kalte Nasenspitze - ein perfektes Barometer - zeigte mir, dass es in der Nacht weit unter zehn Grad gewesen war. 

    Das Kopf- und das Fußteil vom Schlafsack war nass. Mein Einwand-Zelt hatte bis zur Hälfte von unten hochgerechnet kleine Wassertröpfchen innen an der Zeltwand.
    Somit hat sich das Thema Daunenschlafsack auch geklärt: ist zwar warm und kuschelig, aber nass werden darf er nicht, er muß gut ausgelüftet werden und verlangt mehr Zuwendung, als ich zu geben bereit bin.

    Zelt geöffnet, der erste Blick in den neuen Morgen ...



    Nach zehn Stunden Zeltruhe - mit einigen Unterbrechungen - ein immer noch verschlafenes "Guten Morgen Welt" ...



    Die Ortliebtasche hat alles gut trocken gehalten - auf dem Tankrucksack liegt ein leichter Nebelschleier von Feuchtigkeit



    Oben unter der Decke: alles trocken - hier hat die Lüftung gut gearbeitet ...

    Gemütliches Dämmerlicht im Zelt, während sich die Wassertropfen am Außenzelt immer noch nicht auflösen; die Sonne kam noch nicht durch 

    Ich hatte noch keine Meinung, den warmen Kokon zu verlassen und döste noch einige Minuten bei offener Zelttür vor mich hin.


    Die Sonne dringt durch

    Altweibersommer ... die Nebelfeuchtigkeit hängt noch in den Spinnennetzen ...

    Morgenstimmung im Harz

    Um 8 Uhr morgens hängt der Nebel immer noch in der Senke ...


    Herbstnebel am Thermosbecher ... so feucht war es in der Nacht gewesen

    Feuchtigkeit an der Bodenplane - es drang aber nichts durch!

    Ellie geschützt - die Sonne trocknete die Plane schon


    Das rote Bündel ist das Mummin-Inlet; leicht und trotzdem wärmend 
    Wenn ihr das Foto anklickt, könnt ihr auf der Vergrößerung die Wassertropfen auf der inneren Zeltwand vom Eingang sehen


    Zur jetzigen Jahreszeit ist meine Ecke nur bedingt geeignet, weil das Zelt zu lange im Schatten steht. Und das Trocknen somit sehr lange dauert. Andererseits ist die Ecke ruhig und schirmt die Nachtbeleuchtung vom Campingplatz ab. Und die Geräusche der Leute, die sich nachts noch am Lagerfeuer vergnügen.

    Ich schlurfte zum Waschhaus. Das zweite Waschbecken von links hat knalleheißes Leitungswasser zu bieten, auch wenn das ständige Draufdrücken auf den Wassersparknopf sehr nervig ist. Jeder Waschplatz bietet eine andere Wassertemperatur, selbst wenn alle Hähne auf "hot" stehen. Bei dem Waschplatz verbrüht man sich fast, so heiß dampft das Wasser aus dem Hahn!

    Nach dem Waschgang baute ich mein Frühstücksbufett auf, und organisierte mir vom Gästehaus noch einen Becher Kaffee.

    Dann zog ich das Oberzelt herunter und hängte es über den Gartenzaun in die Sonne.

    Ellie als Frühstückstisch - ich schob den Gartenstuhl in die Sonne und genoß die wärmenden Strahlen


    Frühstück am Motorrad - was kann es schöneres geben!

    Der Thermosbecher fungierte nun wieder als Teebecher. Erst einen Tee, dann als Abschluß den Kaffee. Dazu ein leichter Snack mit Knäckebrot und Aufschnitt, etwas Obst - perfekt.

    Ab und an ging ich zum Zaun, wendete meine Zeltplane, die Bodenplane und die Zeltgarage von Ellie, und scheuchte die Ziegenbabys weg. Die frechen Biester kauten mit Wonne an den Zeltleinen herum und ließen sich nur schwer weg jagen.

    Stille Zeugen am nächsten Morgen ...
    Die Wasserflasche noch ganz beschlagen mit der Nachtfeuchtigkeit, der kleine Müllbeutel lag schlaff und nass im Gras, und der Wasserkocher wartete auf seinen Einsatz.
    In dem kleinen rostroten Säckchen warten die Feuerzeuge auf ihre Bestimmung 


    Ich zog die Heringe aus dem Boden, legte sie in ihren Beutel, löste die Spannleinen, und verfrachtete die noch aufgespannte Zeltkabine in die Sonne - damit auch der Boden und die Seitenteile trockneten. Die frei herumstromernden Ziegen stoben verschreckt in alle Richtungen davon, als ich mit diesem unförmigen Ungeheuer in meinen Händen in die Sonne trat.
    Mein Zeitlimit war auf 12 Uhr begrenzt - da wollte ich wieder heimfahren. Andere Termine warteten noch. Ich rödelte die Ausrüstung also wieder Stück für Stück in die Packsäcke.

    Ein neuer Gast traf ein, in direkter Nachbarschaft. Ein Berliner. Er war auf Wanderschaft. Während wir ein wenig quatschten, zündete er sich dreimal eine Pfeife an. Sehr chillig verlief unser Gespräch ann. Jo, alles total cool, Bruder ... ;-).
    Er hatte sich eine Wanderhütte gemietet. Während wir uns unterhielten, flog ein kleiner Zaunkönig in die offene Tür, pickte ein wenig an den Sachen vom Berliner herum, untersuchte die Fußräume des Etagenbettes, ergatterte ein oder zwei Insekten, und hockte sich dann auf den Zaun.
    Das liebe ich so an diesem Naturcampingplatz - ob es nun solch kleine Niedlichkeiten sind, oder der euphorische Specht im Baum über meinem Zelt, die Hausrotschwänzchen auf Fliegenjagd auf der Koppel, die Ziegen und ihre rotzfrechen Babys, die Ponys und Pferde, Hühner, Stallhasen oder Helmut, der Haushund von der Pächterin. Perfekt wäre jetzt noch das Meer direkt vor dem Zelteingang, aber der Seerosenteich auf der Koppel tut es auch. Außerdem ist ja die Rappbodetalsperre in der Nähe.

    Dann folgte noch ein gemütlicher Klönschnack mit dem Motorradfahrer vom Celler MC. Er wollte vor der Heimfahrt den Kyffhäuser erobern, und knatterte dann mit eindrucksvoller Phonetik vom Platz. Mit dem wäre ich gerne gefahren - er outete sich als Chopperfahrer der gemütlichen Geschwindigkeit - mehr wie 90 wäre nicht drin mit dem alten Hobel, weil die alte Maschine danach so vibrieren würde, dass die Handgelenke weh tun - und außerdem ist sie nicht geeignet für Rasen, sondern für gemütliches Reisen. Schön zu hören, dass es noch solche Exemplare gibt ... ansonsten fallen ja eher die Gebückten in den Harz ein!

    Auch für mich hieß es: Zeit zum Abfahren. Ich löhnte meine Gebühr bei der Pächterin, was mittlerweile ziemlich unbürokratisch von sich ging, klönte noch ein wenig mit ihr und dem Berliner und fuhr dann wieder Richtung Heimat. Kurzurlaub und Ausrüstungstest für dieses Mal beendet.
    Weitere werden folgen - dann aber wohl auch einmal mit dem Auto. Zelten im Winter steht noch offen!

    Zelten im Herbst
    Das Zelt ist lange feucht. Von außen und oftmals auch von innen.
    Die Ausrüstung muß also trocken untergebracht sein - hier ist die Ortliebtasche wirklich super geeignet. Darauf achten: gut zurollen, sonst nützt auch die wasserdichte Außenhülle nichts!
    Bodenfeuchtigkeit bringt Bodenkälte. Hier ist eine dickere Unterlage notwendig. Unter dem Zelt und unter der Luftmatratze.

    Eine Schlafmütze ist sinnvoll. Also eine dünne Fleecekappe, die man noch im Schlafsack trägt. Die meiste Körperwärme verliert man über den Kopf. Da man beim Motorradfahren eh eine Helmfrisur hat, richtet so eine Kappe nicht mehr Schaden an als ohnehin schon da ist.

    Ein Kunstfaserschlafsack verträgt Feuchtigkeit von außen ganz gut - einige Zeit in die Sonne gelegt, trocknet er sehr schnell und bleibt fluffig. Fleecekleidung und Funktionswäsche ist ebenfalls eine gute Kombination. Im Schlafsack tun es die Norweger-Wollsocken aber auch - Wolle vermittelt mir bei Nässe und Kälte ein kuscheliges Gefühl.

    Wichtig ist das warm BLEIBEN. Einmal ausgekühlt in den Schlafsack kriechen, und dann stundenlang wach liegen wegen kalter Füße - vielleicht kennen einige von euch das.
    Kaputze vom Schlafsack über den Kopf ziehen hält die Wärme am Körper. Manch einer mag dieses Leichensack-Gefühl nicht, was ein Mumienschlafsack vermittelt. Da muß jeder nach seiner Vorliebe suchen. Fakt ist, dass so ein Mumienschlafsack schneller warm zu bekommen ist als ein rechteckiger Deckenschlafsack. Und mit warmer Fleecejacke im Schlafsack kann man den sogar ein wenig offen lassen, wenn einem das Eingesperrt-Gefühl zu heftig ist. Man kann in das Fußteil vom Schlafsack auch noch Anziehsachen vom Tag stopfen, wenn Platz ist. So hält man das Zeug auch trocken.
    Bei meiner nächsten Zeltaktion werde ich das dicke Fleece-Inlet für den Schlafsack mitnehmen. Dann kann ich bis -15° - oder aber in einer weiteren Nebelnacht - gemütlich auf dem Boden nächtigen.

    Das Anderthalb-Wand-Klappzelt ist bei Nebel oder regenfeuchter Luft weniger geeignet. Zu geringer Innenraum-Platz. Wenn man an die Zeltwand kommt, wird der Schlafsack nass. Doppelwandzelte mit größerem Innenraum, wo man nicht anstupst, eignen sich sehr viel besser.

    Der Zettfahrer und ich probieren demnächst ein Familienzelt von Fritz Berger aus. Größere Apsis, größerer Innenraum. Auch hier werde ich berichten!