Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 30. September 2013

Mein Flaschengeist


Schon erprobt am Sonntag - morgens um 8 Uhr heißen Tee eingefüllt - um 10 Uhr den Mund verbrannt, um 14 Uhr den Mund verbrannt - um 19 Uhr nach der Tour immer noch heiß - nicht ausgelaufen (liegend transportiert, Holperstrecke gefahren, nix nass - zur Vorsicht aber trotzdem in eine Plastiktüte gepackt).

Fazit - guter Kauf!
Voll-Metall. Kein Glaskern. Schließt mit seinem satten Saugegeräusch (hihi), paßt haargenau in meine Hecktasche.

Mein Flaschengeist für die Herbstsaison: Tankstellenunabhängig, kann ich das heiße Lieblingsgetränk meiner Wahl mitnehmen.







Hier läuft nix aus!


Günstig bei Amazon gekauft - Inhalt 0,47 Liter - leider war rotorange gerade nicht im Angebot.

Bei Ebay gibt es die grad günstig ohne Versandkosten für 22,95 Euro :-).

28.9.2013 - Vienenburg - Okertalsperre - Clausthal - grandioser Sonnenuntergang bei Wolfenbüttel

28.9.

Die Morgentemperaturen waren noch gruselig: 5°. Igitt. Der Wetterbericht versprach mir aber einen milden Frühherbsttag.
So pusselte ich in der Wohnung herum, bis es Mittag war. Nun zeigte das Thermometer schon 15° an und ich beschloß, loszufahren.

Dreifach Lage Funktionskleidung. Um die Fußwärme machte ich mir keine Sorgen mehr - die Falkestrümpfe sind einfach genial, halten warm und auch bei Themperaturen bis 20° bekam ich keine schwitzigen Füße!

Diesmal fuhr ich mit einer Thermosturmhaube. Die liegt sehr eng am Kopf an (Helmfrisur doppelt gruselig, sag ich euch ...), und das Drunterfummeln der Brille ist auch nicht so einfach. Außerdem wird das Gestell der Brille stets ein wenig herumgeschoben. Muß ich wohl für den Winter meine Harry-Potter-Nickelbrille aufsetzen, die ist vom Gestell her kleiner.
Aber ich hatte keine kalte Stirn und keinen kalten Hals mehr beim Fahren! Der Fahrtwind war eisig, unglaublich, wie das unter dem Helm zieht. Doch die klare Luft und die scharfen Konturen der Felder und Bäume, die Fernsicht allgemein, machten das alles wieder wett!

12 Uhr. Ich fuhr, als würde ich Prosecco durchpflügen - wie berauscht von Farben und Licht!

Zunächst einmal die grobe Hausrunde. Und weil ich merkte, wie gut ich trotz der Kühle drauf war, ging es nach Vieneburg. Zur Eisdiele.

Wo ich DIESES Foto extra für die liebe Sonja aufnahm ;-)!





Ich saß da im Gartenbereich der Eisdiele, schlürfte meinen heißen Latte Macciato und fühlte mich so lebendig wie schon lange nicht mehr. Meine Nase in die Sonne gehalten, kostete ich die Pause voll aus. Das Gefühl von Freiheit geisterte mir im Herzen herum und ich hatte den Wunsch, "Schmetterlinge zu umarmen" :-).
War aber keiner da, die hockten noch im warmen Stübchen und warteten wohl auf den nächsten Sommer ...

Das Wetter lockte mich dann aber heftigst - und so plünnte ich mich wieder gefühlte 2 Stunden lang an. Für diese Tour hatte ich übrigens meine alten Fahrschulhandschuhe von Probiker ausgegraben. Die waren schon in der Altkleidertüte gelandet, weil mir im letzten Jahr das enge Futter so mißfallen hatte. Eingelaufen bei diversen Regenfahrten ...
Eine Chance sollten sie aber noch erhalten, und bei dieser Ausfahrt wunderte ich mich: das Futter war eng, keine Frage. Aber die Winddichtigkeit und die Wärme waren 1a topp. Wunderbares Griffgefühl, und wenn man sie am Handgelenk nicht zu eng schnallte, durchaus bequemes Grundgefühl!

Es ging weiter, Richtung Vienenburg Ortsausgang, und weil mich das Harzpanorama so lockte, dann nach Oker. Ich sah nicht viele Motorradfahrer an diesem Morgen, auch hier nicht, auf der Einflugschneise Richtung Oberharz! Und so fuhr ich aus der Stimmung heraus die Straße weiter hoch, durch das Okertal und über Romkerhalle und bis zur Okertalsperre.

Im Harz fahren ist Samstags noch gut machbar. Am Sonntag trampelt sich hier alle Welt die Füße platt, Biker nebst Rentnerausflüglern. Jede Gruppe für sich beansprucht die Straße auf eine Art und Weise, die MICH (und ganz viele andere Biker) davon abhält, dort oben zu fahren. Es ist einfach zu gefährlich. Autos wenden in unübersichtlichen Kurven über beide Fahrbahnen, und die Insassen pöbeln einen noch an, wenn man es wagt zu hupen. Oder Fußgänger im Nacktschneckentempo kriechen über vielbefahrene Einfahrstraßen. Rennradfahrer im Pulk, die wie um einen zu ärgern, kaum das sie ein Motorrad hören, plötzlich zu Dritt auf der Bahn sind ... nebeneinander ... Flachlandmöchtegern-Rennbiker fahren kreischend nebeneinander, und überholen einander in Kurven, dass der Gegenverkehr - ich - zusammenzuckt und die ehemals perfekte Kurvenlinie im Arsch ist ... und so weiter ...

Aber heute war Samstag und heute hielt sich das Chaos noch in erträglichen Bahnen! Ich fuhr ohne große Probleme die Einfahrt zum Okertal-Parkplatz hinein und hielt am Rande. Okay, auch hier hatte man mich schon mal eingeparkt, doch wahrscheinlich dachte der PKW-Fahrer, ich könnte mich aus der Parkfalle herausfliegen ...


Wenig andere Motorradfahrer da ... war mir recht ... Rudelbildung ist nicht meins ...











 Dieses Licht ... ein Traum!



Unspektakulärer Abgang zum Stauwasser



Fundstück - war aber nicht meine Farbe - ich mag Tussie-Pink nicht ... 



Diese Farben mochte ich lieber - leuchtendes Herbstrot



Blick vom Wasserspiegel aus an die Staumauer


Steiniges Ufer






Ein Schiff ist im Anmarsch ...



DAS ultimative Werbefoto für die Okertalsperre - Ausflugsboot - 
or maybe somewhere in Nova Scotia? Canada?


So angefüllt mit Farben, Bildern und Energie, schwang ich mich auf Ellie und fuhr noch ein Stück weiter, hoch hoch hinaus ... das Wechselspiel Sonne von vorne, Schatten, Sonne, Schatten ... ist anstrengend. Die wechselnden Lichtverhältnisse sind nichts für dunkle Sonnenblenden oder Sonnenbrillen, so fuhr ich also mit normaler Sehbrille. Ab und an jaulten einige Papageien an mir vorbei - also diese Sportkombi-Knieschleifer. Ich wünschte ihnen im Stillen eine gute Heimfahrt ... ob die mitbekommen hatten, was das für ein herrlicher Tag war? Die Farben der Natur?

Ich fuhr nach Schulenberg hoch. Und wurde belohnt. Wieder einmal!


Blick auf die Okertalsperre mit der Brücke nach Altenau - 
Fertigstellung der Brücke Oktober 2013 - wurde auch Zeit!


Sagt selbst - ist DAS nicht phänomenal grandios???







Dafür, dass ich "nur eine kleine Trainingsrunde mit Winteroutfit" hatte drehen wollen, war ich doch schon GANZ schön weit entfernt von zuhause!

Und weil es jetzt auch nicht mehr drauf ankam, fuhr ich noch ein Stück weiter. Nach Clausthal-Zellerfeld. In Zellerfeld kehrte ich in einer kleinen Seitenstraße in ein total niedliches Caféstübchen ein, direkt neben der Mineralienhandlung in der Marktstraße. Hier aß ich eine hausgemachte Soljanka - heiß und nahrhaft versorgte mich der Eintopf mit neuer Energie für die Rückfahrt nach Hause. Es war knapp bei 17.30 Uhr ... Zeit für die Heimreise! Es wurde ja auch bald dunkel ...

Kurz nach den Ortsausgang von Clausthal, an der L517, fand ich noch ein Fotomotiv ... hier bugsierte ich mich mal wieder in eine unmögliche Parksituation. Schräg abfallende Straße, Schotter, Spurrillen ... und als ich wieder wegfahren wollte, mußte ich meterlang an der Teerstraße längs fahren, weil mir der Absatz, um wieder AUF die Straße zu kommen, zu hoch erschien.

Aber das Foto war mir den Aufwand wert ;-):


Wieder mal ein Herz gefunden :-)



Der Rückweg über die bekannte Strecke war relativ wenig aufregend. Die Sonne allerdings strahlte den Brocken an, das ich nur noch den Kopf schütteln konnte: Kitsch as Kitsch can ... so klar, so deutlich und leiderleider so unfotogen - das ist was, was nur das Auge wirklich würdigen kann ...

Auf der Gegenfahrbahn kamen mir jetzt die Einkäufler entgegen - auf meiner Spur hinter mir waren nur selten andere Fahrzeuge. Da ich "abschüssig fahren" nicht so gerne mag, blieb ich bei 80 km/h. Das langte mir völlig. Es ging in die Abendstunden, und die Wildtiere sind im Harz keine nette Touristenattraktion auf Plakaten - nein, die Viecher wagen es tatsächlich, aus dem Wald und auf die Straßen zu spazieren ... da blieb ich lieber bei einem gemäßigten Tempo. Mir war mein Hals zu wertvoll ...

Ab und an kamen jetzt vereinzelt Papageienfahrer zurück. Ich bemitleidete sie wegen ihrer Ledercombis. Das muß so ätzend kalt sein, wenn die Außentemperatur rapide unter 15° sinkt!

Ohne besondere Vorkommnisse fuhr ich durch Vienenburg, weiter über die Hausrunde und bis nach Wolfenbüttel.

Und wie als Bonbon Belohnung kam dann das noch obendrauf:












Oberhammer wooooooooooooooooow ...




Kein Scherz ... ich habe vor Überwältigung in die Sturmmaske geheult, so klasse fand ich das Szenario ...


Hier mußte ich jetzt die Heizgriffe einsetzen - die Temperatur war unter 10° gesunken. 
Gegen 19.30 Uhr und bei fast völliger Dunkelheit kam ich zuhause vor der Garage an. Verheulte Augen, aber von Herzen glücklich.

Was für eine Tour. Unglaublich.
210 Kilometer gefahren. Einfach mal so.

Mittlerweile bin ich bei über 7000 Kilometer in dieser Saison angekommen ... und diese Tour war die Beeindruckenste der ganzen bisherigen Saison für mich gewesen ...


Mal so die ungefähre Route





Fazit:

Überwältigender Tag. 

Der Herbst ist da. Die Blätter tanzen auf der Straße, und sind morgens nass und glitschig. Einmal ging mir in der Kurve der Hinterreifen leicht weg. Ups ... Gas weggelassen, fing Ellie sich gleich wieder.
Kastanien, die an den Helm klatschen, machen einen irre Krach.
Birnen, die einen auf den Rücken knallen in Obstbaum-Alleen, tun selbst durch den Protektor weh - und erschreckten mich gewaltig.
Zwetschgen auf der Straße sind glitschig und saugefährlich.

Touristen im Oberharz sind unberechenbar und auf einer Linie mit Wild, das ebenso unvermutet aus dem Wald bricht.

Sonntags fährt man entweder um 9 Uhr in den Harz und ist gegen 11 Uhr wieder weg - oder man läßt das bleiben.

Wenn man in die Sturmmaske heult, wird der Augenrand schnell eiskalt, und die Nase läuft wie hulle ... hier ist damenhaftes Benehmen mal zur Seite zu legen - Nase hochziehen und männlich schnorcheln rettet das Weiterfahren.
Nase putzen ohne den Integral-Helm abzunehmen oder die Handschuhe auszuziehen ist NUR möglich am Straßenrand.

Heizgriffe können Fingerfertigkeit deutlich verbessern ;-).

Freitag, 27. September 2013

27.9.2013 - Feierabend im Herbstlicht

27.9.

Das Wetter war heute nachmittag hier im Land einfach wunderbar. Morgens das Auto zugefroren, zeigte sich die Natur allerdings zickig - nachmittags kam dann warme Sonne, aber trotzdem ist der Herbst jetzt zu spüren.

Ich plünnte mich in die Winterkombi. Wie ungewohnt - die dicken Handschuhe, die Falke-Winterstrümpfe, lange Unterhose, zwei Funktionsshirts ... aber später merkte ich, dass ich mich genau richtig angezogen hatte ...

Es ging einfach wie immer zur Hausrunde. Ungewohnt, so ungewohnt - Michelinheike ... wie gut, das ich die Sturmhaube übergezogen hatte. Die Luft war eisig, trotz der Sonne. Ich fuhr nicht besonders locker, ich mußte mich erst an das neue eingezwängte Fahrgefühl gewöhnen. Aber genau dazu war die Tour ja auch gedacht gewesen.

Es ging nach Volzum, Groß Vahlberg, weiter um die Asse herum. Dort am Hügel pausierte ich kurz - eine Grille hatte sich in Ellies Armaturkabel verknotet und begleitete mich schon seit geraumer Zeit, und ich wollte das quietschgrüne Ding nun in die Natur entlassen. Sie hatte sich die ganze Zeit so tapfer gehalten, bei 80 km/h klappten ihre Fühler ganz dicht nach hinten, und ich hatte echtes Mitleid mit dem Tierchen ... so hielt ich also in einer Parkbucht mit Blick auf das Harzvorland, zupfte das Insekt aus der Kabelage heraus und schaute zufrieden zu, wie das Tierchen an einem kleinen Zweig davonkroch. 

In der Parkbucht stand eine andere rote Maschine - und die Fahrerin kam gleich darauf zu mir. Es war eine Bekannte vom Stammtisch. Sie wollte noch ein Stück mitfahren, und begleitete mich dann nach Hornburg. Hier verabschiedete sie sich und fuhr zurück.
Das war mir ehrlich gesagt auch ganz recht so. Ich wollte meine Feierabendrunde allein genießen, ohne auf andere Rücksicht zu nehmen oder mich ihnen anzupassen. So fuhren Ellie und ich nun endlich ganz gemütlich weiter, bis kurz vor Vienenburg. Ich wollte die Streuobstbäume begutachten - die Birnen sind jetzt richtig dick und saftig. Und umsonst. Auf einem abgeernteten Stoppelfeld tobte sich ein Motocrossfahrer aus. Als er mich vorbeifahren sah, machte er mehrfach Wheelies - ich fand das putzig :-).
Seine Staubwolke war meterweit zu erkennen ...
Leider kein Foto, mir war der Staub zu gefährlich für die empfindliche Technik meiner Digicam.




Pause am Wegesrand - ich sammle Fallbirnen und habe den ultimativen Premium-Blick auf den Vorharz!

Ich fuhr dann ein kleines Stückchen weiter, wo ein noch besserer Blick auf den Harz war. Ohne den Helm abzunehmen (bis die Sturmhaube wieder so perfekt sitzt, dauert es ewig ...), stiefelte ich in der Gegend herum und freute mich über diesen wunderschönen Abend ... herrliches Fotografierlicht ...











Und da ist er mit dem Sendemast - der Brocken - ganz klare Sicht heute, trotz der weiten Entfernung


Im Hintergrund lärmten zwei weitere Crossfahrer und schickten Staubzeichen in den klaren blauen Himmel.
So freut sich jeder auf seine Art über diesen Feierabendfreitag.



Ellie parkt an den Obstbäumen, während ich auf Fotopirsch war


Ich genoß diesen Abend aus allen (zugeschnürten) Knopflöchern. Es ging auf 18 Uhr zu, und da die Sonne nun weniger wärmte, fuhr ich zurück.



Beim (problemlosen) Wenden gelang mir noch ein Foto, was ich persönlich sehr passend für mich finde ...


Die Straße liegt vor mir, die Schranke ist offen - also ab geht's :-) - Freiheit



Ich bin dann doch nur links abgebogen, und zurück über die östlichen Dörfer und Wolfenbüttel nach Hause getuckert. Es war nun deutlich kühl, und die Fingerspitzen froren mir doch mächtig. Bei der nächsten Fahrt werde ich meine Unterziehhandschuhe mitnehmen.

Die neuen Falke-Sportkniestrümpfe von Louis sind hervorragend. Ich hatte zu keiner Zeit kalte Füße, wohl dank des Wollanteils. Wo ich bei den Strümpfen von Vanucci immer so ein unangenehm feuchtes Fußgefühl hatte, war heute alles so wie ich mich wohlfühle!



Fazit:
Der Herbst ist da.
Augen auf bei frühen Fahrten. Auch verschmutzte Straßen durch Erntefahrzeuge oder frisch erwischte Kleintiere stellen eine erhebliche Gefahr für uns dar.

Montag, 23. September 2013

22.9.2013 - Tour nach Schönebeck/Elbe bei Magdeburg

21.9.

Eigentlich wollte ich ja zwei Tage in Schönebeck verbringen: Anfahrt am 21.10. - Hotelübernachtung in einem Schiffhotel. Rückfahrt 22.10.

Leider wachte ich am 21.10. mit Kopfschmerzen und Übelkeit auf. Ich fühlte mich nicht fit genug für die Tour ...

So blieb ich im Land, und fuhr dafür am Nachmittag zu einer Bikerparty der Motorradfreunde Iberg - sie machten Saisonabschlußfeier. An der Zweigstraße nach Rimbeck gelegen, kurz vor dem Ortsausgang Hornburg, lag ihr Clubgelände. Hatte ich im letzten Jahr schon gesehen, mich aber nicht hingetraut als "Frischling".
Die Anfahrstraße war mit grobem Schotter belegt - urgs. Aber tapfer und aufmerksam fuhr ich dann durch das Tor, beäugt von Leuten an der Bratbude - die stand genau gegenüber.  

Später stand ich da auch und äugte genauso neugierig auf andere Ankömmlinge ;-).

Ich stellte mich direkt neben den Eingang auf eine kleine Grasfläche, konnte sogar noch eine Metallunterlegplatte ergattern. Uff - geschafft. Ich zog den Helm ab und war froh, "sicher gelandet" zu sein.
Helm über den Spiegel, Sturmhaube runtergeklappt als Halstuch getragen, Jacke auf, und mit Tapferkeit meine Leuchtweste über den Platz getragen. Überall freundliche lächelnde Leute, und raubeinige aber herzige Sprüche.
Eine ältere Dame schnackte mich an, sie hätte auch mal einen Preis gewonnen bei so einem Treffen, weil sie "den alten Sack" kutschiert hätte - sie meinte damit wohl ihren Ehegatten ... der alte Sack ... ich muß immer noch grinsen, wenn ich an ihre Worte zurückdenke!

Eine sehr friedliche und familiäre Atmosphäre herrschte dort. Nicht zu übersehen, dass die meisten Biker eher Ü40 waren.
Überall liefen aber auch Kinder herum, es gab schon ein Lagerfeuer und Stockbrot, der Platzdackel kläffte einen Konkurrenten an (giftiger kleiner Zwerg, der - aber süüüß).
Geniales Klubhaus: WC UND Dusche. Überall auf dem Gelände war es hübsch mit Blumen dekoriert. Total liebe Serviceleute bzw. Teammitglieder ... ich war sehr angenehm überrascht. Solche Events mag ich. Nicht zu riesig, nicht zu gorilla-tam-tam, nicht dieses Silberrückengehabe ...

Ich traf gleich neben der Bratwurstbude einige Bekannte vom Stammtisch Asse/Wittmar und bei einem opulenten Kaffee- und Kuchenbufett war auch die Versorgung gesichert. Später kam da noch ein Steak und eine Bratwurst dazu. Sehr gute Qualität, ich habe sehr selten solche dicken und saftigen Würschtels verdrückt! GüMa, seine Holde und ich quasselten viel über das bevorstehende "Ententreffen" vom 18-20.10. an der Asse, über ihre Reisen (die beiden rüstigen Rentner sind eigentlich fast nie zuhause anzutreffen;-), und beguckten die anderen Anreisenden: mal Gespanne, mal Solomaschinen - von weit her, von GANZ weit her, oder aus dem Nachbarort.
Die Gäste waren ebenfalls bunt gemischt - Gespannfahrer wie Solotouristen. Weit Angereiste aus Leer, aus dem Schleswiger Raum, und ich fand es herrlich, mal wieder im "nordischen Slang" quatschen zu können. Ein Gespann aus den Neederlands war auch da, und es gab ein großes Hallo, als ich auf Holländisch grüßte. Da die Truppe aber schon recht heftig "vorgeglüht" war, ging ich lieber weiter Maschinen angucken :-).

Gegen 19 Uhr fuhr ich wieder heim. Beim nächsten Sommertreffen werde ich sicher wieder hingucken - ich hatte mich dort bei den Leuten sehr wohl gefühlt und werde das gekaufte Patch an meiner Leuchtweste spazieren fahren ;-).

Meine Kopfschmerzen waren fast weg, und ich wollte mich nun doch am nächsten Tag nach Magdeburg wagen ...


22.9.

Nachdem ich eine halbe Stunde meinen Moppedschlüssel gesucht hatte, fand ich ihn schließlich ... in meiner langen Unterhose. Fluchend plünnte ich mich wieder an. Wetteronline hatte mir für Magdeburg 5 Stunden Sonne versprochen, hier zuhause sah es aber noch nicht so prall aus. Lufttemperatur von 12°.
Uff ... Herbst! Also hatte ich mich im Vorfeld in 3 Schichten Klamotten gepellt, und fühlte mich mal wieder wie Michelinheike.

Um kurz nach halb zehn fuhr ich dann los. Die Thermoboyhandschuhe taugten nur was in den ersten 20 Minuten, danach waren meine Finger kalt. Leider hatte ich die Kuhfußhandschuhe zuhause gelassen, so mußte ich jetzt zusehen, wie ich mit dem veränderten und erschwerten Griffverhalten klarkam.
Vorweg genommen - ich kam gar nicht klar. Später zog ich meine dünnen Sommerlederhandschuhe von Held wieder an. Bestes Griffgefühl, aber leider für den Herbst etwas zu dünn ...

Erster Halt war in Hötensleben am Grenzdenkmal. Die Blase drückte, und der Hunger war erwacht. Das WC dort ist kostenlos, und für deutsche Verhältnisse erstaunlich sauber!

Ich saß auf einer Holzbank, schmauste mein Picknick und hatte noch ein freundliches Gespräch mit einem Hundegänger. Weil meine Finger so kalt waren, wärmte ich sie an der Plastikflasche mit lauwarmem Tee. Klugerweise hatte ich die Buddel in einen Gefrierbeutel gepackt, so hielt sich die Wärme in der Tüte und die Finger wurden langsam wieder geschmeidig. Das Heissluftgebläse der Toilettenbox half dann ebenfalls! Luxus - Heissluftgebläse ... gut zu wissen für spätere Herbsttouren!

Weiter ging es, Richtung Seehausen ... ich hatte mich vor der Abfahrt seelisch darauf eingestellt, dass heute wenig Gemütlichkeit respektive Tuckern angesagt war. So konnte ich auf der Landstraße auch gut Stoff geben. Mit durchschnittlich 90 - 100 km/h kam ich gut voran. Die L245 war relativ wenig befahren. Kaum andere Motorradfahrer, wenig Autos. Meist Wahlgänger (heute war Bundestagswahl).




Kurz vor Seehausen stand am rechten Straßenrand ein Turm. Den wollte ich mir genauer angucken!

Ellie in einem Feldweg abgestellt und hingetapert.


Mit Sperrmüll überall im Gebüsch und sogar direkt vor dem Turm - schade, wieder einmal das, was mich bei meiner letzten Osttour so gestört hatte: wilde Müllkippen-Mentalität ... 






Leider kein Hinweis darauf, was das für ein Turm sein sollte. Google sei Dank wissen wir aber nun - es ist die im 15. Jahrhundert erbaute Seehäuser Warte

Der sehr gut erhaltene Wartturm diente der Grenzsicherung des Erzbistums Magdeburg und als Zufluchtsort. Da es ein echter Turm war, konnte man auch ohne Leiter nicht hinein gelangen! Wohl auch besser so, wer weiß, was sich da drin dann an Sperrmüll angelagert hätte :-(.
 
Weiter ging die Fahrt nach Seehausen. Hier hatte ich eine Pause am See eingeplant.

Ich stellte Ellie auf einen leeren Parkplatz ab, und setzte mich auf eine Holzplattform an den See. Der müffelte etwas heftig nach "totem Karpfen". Nebenan auf einer anderen Holzplattform kicherten zwei Jugendliche - hach, junge Liebe ;-) ...



Hier verspeiste ich den zweiten Teil meines Picknicks, mußte einmal in die Büsche, und fuhr dann gegen Mittag weiter.
Die Straßen außerhalb der 246a waren teilweise abenteuerlich. Buckelpflaster, Betonplatten, Löcher mittenmang ... Baustellen und undurchsichtige Hinweise, wohin man auszuweichen hätte ... also alles wie gewohnt "ostwärts".

Die Landschaft der Börde ist sehr weitläufig. Teilweise langweilig, und der auffrischende Wind haute mich ganz schön hin und her. Aber ich war ja zum fahren unterwegs. Meine Hausstrecke zum Tuckern und gucken konnte ich ja ein andernmal zur Erholung befahren!

In einem der nächsten Dörfer sah ich aus den Augenwinkeln einen großen Schriftzug: Christian der Schmied.
Das war in Remkersleben. Da werde ich mit Sicherheit noch einmal hinfahren! Sah sehr interessant aus, das Gebäude! Und altes echtes Kunst- bzw. Schmiedehandwerk faszinierte mich schon immer.

Dann hieß es Richtung Schönebeck fahren. Und in einem kleinen Örtchen namens Sülzetal Altweddingen war der Ortsdurchgang durch eine Baustelle gesperrt. Wieder einmal - ich stand vor dem Aus. Kein Hinweis. 
Hm, also nach Karte und mit Hoffnung gefahren. Und dann landete ich erst auf einer 3-Spur-Straße in die Felder, und dann wären 5 Kilometer kindskopfgroße Kopfsteinpflaster-Straße zu bewältigen gewesen. Nach 200 Metern streikte ich. Ich fuhr rechts ran, und wendete wie auf rohen Eiern.
Da muß es einen besseren Weg nach Wanzleben geben!

Und zurück im Ort Sülzetal griff ich mir den nächsten Einheimischen, der auch prompt mit einer Umleitung aufwarten konnte. 
Abenteuerlich erst über einen Kauflandparkplatz, dann kreuz und quer durch eine 30-Zone mitten durch idyllische Einzelbungalowhäuser und endlich - ich dachte schon, ich hätte mich WIEDER verfahren - kam ich auf die 246a zurück.
Leider ging es dann nicht weiter geradeaus direkt nach Schönebeck hinein - wieder eine Sperrung. Ich mußte ein Stück weit über Dörfer wie Biere und Eggersdorf gurken (aber so ganz genau habe ich das nun nicht mehr in Erinnerung ... ). Das ist wirklich ätzend dort im Ostbereich. Umleitungen ohne vernünftige Hinweise.
Und ein Navi hätte mir auch nicht wirklich geholfen, denn diese Umleitungen ohne Ortskenntnisse bringt einem Touristen nicht besonders viel :-( ...




Ich wollte auf der 246a um Schönebeck herumfahren - so war das geplant, aber im Stadtverkehr und nun doch etwas außer Puste fuhr ich mitten durch. Etliche Unsicherheitspausen am Straßenrand, bis ich endlich einen Hinweis fand ...

Und endlich an der Salzblume ankam - ein Denkmal dort in Schönebeck.

Ein Stück weit die kleine Straße hinauf bis zu einem Café ging die Fahrt ... Kopfsteinpflaster ist da in den Städten wohl überall ...

Voilá - angekommen nach ca. 120 Kilometern Anfahrt.




Erstmal Klamotten und Helm aus, Kamera geschnappt und zur Elbe ... ab und an kam die Sonne etwas hervor, aber die versprochenen 5 Sonnenstunden waren wohl schon VOR meinem Besuch gewesen ...



Blick auf die Salzblume







Die Elbe war klar, kalt und schnell fließend - und ohne typischen Geruch - das kenne ich von Hamburg anders :-)







Rettungsring am Haus - keine Deko ... seht das nächste Foto!



Wer erinnert sich nicht an das schwere Hochwasser im Juni 2013 in Schönebeck und Mageburg ...



Ich hatte Hunger und so kehrte ich im Café ein ...


Die kleine Terrasse mit Windschutz und südlichen Pflanzen liebevoll dekoriert - Südseeflair bei windigen 16° im September in Deutschland ... 





Großer Pott Kaffee 2,70 Euro. Ein Stück selbstgebackener Apfelkuchen mit Sahne 2,- Euro. Eine Portion  hausgemachtes Gulasch mit Böhmischen Knödeln 4,90 Euro. Futtern mit Elbblick - und für meine Begriffe sehr zivile Preise als Krönung!
Der Kuchen war ein Gedicht, warm serviert und wirklich hausgemacht, das Gulasch ebenso hausgemacht, gut gewürzt und für mich, die ich keine Gallenblase mehr habe, auch noch perfekt verträglich gewesen! Das ist durchaus keine Selbstverständlichkeit bei mir ...
Die Kellnerin sehr bemüht, freundlich und mit leichtem säggsch Dialekt - innen im Café eine Silberlockenparade (es war ja Nachmittags und somit Kaffeezeit für die Rentner) und Hektik sondergleichen, trotzdem war das Fräulein sehr bemüht und ein Schatz.

Hier war ich sehr gerne, und hier werde ich beim nächsten Besuch mit Sicherheit wieder hingehen!

Gestärkt für die Rückfahrt, mußte ich aber nochmal an die Elbe ... wenn ich schonmal hier war, mußte ich das ausnutzen!






Selbstportrait mit Anker - Hamburger Deern fühlt sich gleich wie zuhause :-)




Es war jetzt an die 16 Uhr und die Sonne war auch verschwunden. Zeit für die Rückfahrt ...

Weil ich mich nicht wieder in der Stadt verirren wollte, biß ich in den sauren Apfel und fuhr drei Abfahrten und 15 Kilometer auf der Autobahn bis Wanzleben. Heike auf der A14. Ich schaffte es mit durchschnittlich 110 bzw. 120 km/h, mich da auf der rechten Spur zu halten. Als ich dann nach 10 Minuten da endlich runterkonnte, war ich doch ziemlich groggy.


Ich fuhr jetzt nach Oschersleben. Ich wollte keine Straßenexperimente mehr erleben müssen. Ich hatte genug von Baustellen, Umleitungen und Kopfsteinpflaster.
Einmal fuhr ein riesiger Traktor mit offenem Anhänger vor mir her. Frische Maishäcksel geladen, nicht abgespannt.
Das Zeug klebte mir überall: an den Klamotten, am Visier und auch Ellie sah hinterher ziemlich zugekleckst aus. Das würde noch lange Putzarbeit geben ... endlich ergab sich die Gelegenheit und ich zog an dem Teil vorbei.
Uff ... so ganz taufrisch war ich nicht mehr, muß ich zugeben.

In Oschersleben mußte ich tanken - eine Aral lag auf der richtigen Straßenseite und ich packte Ellies Tank randvoll. Bislang lagen knapp 180 Kilometer hinter mir.

Dort schien es üblich zu sein, dass die Einwohner allesamt mit Jogginganzug und laut wummernden Bässen in ihren aufgemotzten Autos anrasen, das Auto mit offenen Türen an der Eingangstür abstellen, sich drinnen in aller Gemütsruhe ihre Getränke, Fressalien und Zigaretten kaufen, während der Nachwuchs betäubt guckend im Auto ausharrt. Oder es rotten sich am Rand bei der Putzstelle kleine Gruppen zusammen, die dann ebenfalls jeder für sich die eigene Musik dröhnen läßt. Mit laufendem Motor.

Sehr merkwürdige Subkultur.

Oschersleben ist vielen sicher ein Begriff durch die Motorsportarena. Der Ort ansich hat an vielen Ecken erbärmliche Mängel - sehr viele verfallene Häuser, und mir schien es, dass seit der Wende dort nicht gerade viele Euro hingeflossen ist ... Mich wundert, dass eine Ortschaft, die durch diese Arena so bekannt ist, es nicht hinkriegt, ihre Bewohner ein wenig zu verwöhnen ... oder ich bin durch Zufall nur im schlechtesten Stadtteil gelandet, das kann ja sein.
Also auch hier - einen erneuten Besuch anpeilen! So schnell gebe ich nicht auf.

Da jetzt viel Rückreiseverkehr (von wo auch immer her) war, wurde das Fahren auch immer anstrengender. Außerdem war ich nun platt, meine Konzentration nahm immer mehr ab. So bog ich von der Bundesstraße weg, und fuhr über Hornhausen und Ausleben auf die 245 und war kurz darauf wieder in Hötensleben angekommen.




Eine weitere Pause zum Verschnaufen und Kräfte sammeln ...

Den weiteren Rückweg über die B82 nahm ich dann mit zusammengenommener Energie. Ein wenig Sprühregen kam noch dazu, aber bis ich zuhause angekommen war, kam doch noch ein wenig Blau im Himmel durch.

Gegen 19 Uhr und mit 230 Kilometern mehr auf der Uhr trafen wir wieder vor der Garage ein ...

Ein langer Tag, und viel Fahrerei.

Aber ich hatte mein Ziel erreicht - ich war an der Elbe gewesen :-).


Grober Überblick der Hintour ...


Fazit:
Ein schöner Tag, und ich hatte wie vorgenommen mit den Händen in die Elbe getatscht :-). Jetzt habe ich meinen Radius wieder ein wenig erweitert, mehr Fahrerfahrung gesammelt und bin mal außerhalb meines vertrauten Terrains gewesen.
Es ist und bleibt abenteuerlich, im Osten zu fahren.
Auf den Navi kann man sich hier nicht verlassen. Zuviele Unwägbarkeiten durch Baustellen und sonstwelche Ereignisse ...




Montag, 16. September 2013

14.9.2013 - neuer Reifen

13.9. - Fritz, mein Hausschrauber, kam am Nachmittag und holte Ellie ab. Der Hinterreifen war jetzt mehr als platt nach einer Woche "Standzeit" ... die böse Schraube zeigte also Wirkung ... wie gut, dass Ellie einen Hauptständer hat, so konnte ich die Hinterradfelge entlasten! Da das Wetter die letzten Tage sehr mies gewesen war, und ich sowieso nicht hätte fahren wollen, war meine Zwangspause nicht ganz so arg gewesen wie erwartet.
Und immer wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt über den Harz ein Unwetterchen daher ... hach ... und man vermißt das Fahren irgendwie gar nicht bei Temperaturen um die 10° ...

Nur zwei Stunden später nach der Abholung kam der Anruf "Ellie ist fertig, kannst sie holen!"

Und da stand sie. Frischer neuer "Schuh".
Ich hielt mit Fritz noch ein Pläuschchen und schaute mir Videos am PC von seiner letzten Enduro-Trainingszeit im Gelände an (Fritz hatte sich mal eine Helmcam ausgeliehen - juijui, Enduro fahren hat was wildes, total cool!).

Ellie allein nach Hause fahren, das war schon was für mich ... Wäre etwas gewesen, hätte ich Fritz von unterwegs noch einige Zeit erreichen können ... er hatte mir im Vorfeld angeboten, Ellie "einzufahren", aber das wollte ich dann doch allein hinkriegen. Unsicherheit hin oder her - mir war nach "Eigenerfahrung". Ich kleines Revoluzzerkind, ich ;-).

Fritz gab mir noch letzte Instruktionen, wie ich mit dem neuen Hinterreifen verfahren sollte. Er war vorher so nett gewesen und hatte mir die "Wachsschicht" abgewischt.

So fuhr ich also vom Hof. Immer schön vorsichtig. Als der Reifen dann warm war, legte ich mich schon ein wenig mehr in die Kurven. Ellie fährt sich jetzt etwas anders. Irgendwie graziler, feiner. Ich vermute, der alte Reifen war doch etwas eckig gefahren gewesen ;-).
Für morgen war schönes Wetter angesagt, zumindest am Vormittag. Da wollte ich dann noch einige Kilometer machen!


14.9.

Morgens um 9 Uhr ging es los. Ich rüschte Ellie auf (d.h. ich packte ihre Hecktasche voll), weil ich in Seinstedt frühstücken wollte. Allerallerfeinstes Herbstwetter - und ohne Sturmmaske definitiv zu kalt. Ich hielt unterwegs an, und plünnte mich zurecht.



Was für ein Morgenhimmel - 9 Uhr auf dem Land! Aber die Lufttemperatur beim Fahren war deutlich herbstlich - ich mußte meine Sturmhaube unter den Helm ziehen ...



Kaum ein anderes Fahrzeug unterwegs - genauso liebe ich das!


Ich fuhr die altgewohnte Hausstrecke. Hier kenne ich die Kurven, den Straßenbelag, und ich konnte also volle Konzentration auf das Fahrverhalten legen. Der neue Reifen fährt sich wirklich anders. Gerutscht bin ich nicht - nicht einmal in Groß Vahlberg mit dem Kopfsteinpflaster. Ja, ich hatte mich tatsächlich drüber getraut. Im Vorfeld wurden mir ja so etliche Horrorstorys erzählt, was neue Reifen, wegrutschen und Unfälle anging. Das hatte mich zugegebenermaßen doch sehr verunsichert.
Umso fröhlicher war ich dann, als ich in Seinstedt ankam: alle Schwierigkeiten gemeistert! Tschakka.


Große Kulisse für die kleine rote Maschine ;-) - Frühstück in Seinstedt - rechts außerhalb des Bildes wäre der Assehöhenzug zu sehen, links dann der Brocken und im Hintergrund das heran nahende Regengebiet ...



Hinter der Maschine im Gras sitzen, in die Sonne gucken und sich einfach wieder glücklich fühlen ... Frühstück im Freien ... das wird mir hoffentlich niemals langweilig werden, das Fahren!  Und Pausieren!



In besten Händen - meine Ellie ...


Ich hatte nicht so richtig Appetit - war irgendwie fahr-hibbelig. Also gab es nur ein Brot, und dann mit Blick auf den Himmel ging es weiter. Die Wetterfrösche sollten anscheinend recht haben - über Salzgitter kam die Regenfront an. So fuhr ich also in die Sonnenfelder hinein, behielt das Regengebiet im Rücken aber trotzdem im Blick. Ich hatte mein Regenzeug nämlich mal wieder zuhause gelassen. Na immerhin war mir nicht kalt - mit mehreren Schichten Funktionskleidung und dem Winterfutter in der Jacke.

Um die Uhrzeit war über Land kaum etwas los. Dafür massenhaft dreckige Straßen: die Traktoren schmissen mit ihren Stollenreifen die ganze fette Erde wegen der Maisernte auf den Belag. Hier nachts oder bei Regen zu fahren, wäre dann lebensgefährlich: Schmierseifenfeeling ...

Da ich meinem neuen Hinterreifen jetzt doch noch einige Schräglagen zumuten wollte, fuhr ich über Jerxheim Bahnhof die Serpentinen hoch.











Ich war ganz brav und fuhr wirklich 30 km/h


Die Fernsicht an diesem Herbstmorgen war einfach grandios. Klare Luft, dazu auf der einen Seite stahlblauer Himmel, während von der Wetterseite her dramatische schwarze Wolkentürme näher rückten. Also fuhr ich wieder nach Hause zurück.

Eigentlich wollte ich noch die Harley-Open-Days in Braunschweig besuchen. Aber wie vorausgesagt, öffnete der Himmel die Schleusen und um 13 Uhr war ich nach einer kurzen Innenstadtfahrt so nass, dass ich keine Lust mehr hatte und zurück zur Garage fuhr.

Hier putzte ich gemütlich eine Stunde, bis Ellie wieder blitzeblank war. Der Reifen sieht jetzt eingefahren aus, nur der Randstreifen könnte noch etwas matter werden. Aber ich bin zuversichtlich - das kommt noch :-).


Fazit:

Heute 100 Kilometer gefahren. Am Anfang ging es noch verkrampft ab, aber wenn ich nicht drauf achtete, fuhr ich eigentlich wie immer. Der Popometer funktionierte auch mit dem neuen Hinterreifen wie gewünscht, und da ich eh kein Sportheizer bin, war die heutige Tour für mich Reifen-Einfahrneuling gut zu schaffen gewesen.
Die Schraube hängt übrigens zuhause am Bilderrahmen ;-). Sie ist total rostig und dürfte da schon länger irgendwo auf der Straße herumgelegen haben ...