Schönstes Herbstwetter. Oder Spätsommer?
Ich wollte eine kleine Runde nach Feierabend tuckern.
Das ist nichts besonderes, denkt ihr - nun, stimmt in diesem Fall jetzt nur bedingt.
Ich war am 2.9. beim Arzt gewesen, und der stellte einen Tieftonhörsturz linksseitig bei mir fest. Sowas hatte ich dieses Jahr schon mehrfach gehabt: auf einmal waren die tiefen Töne einfach verschwunden, ich hörte sie eine Zeitlang nicht. Bislang kam die hörende Gesundheit von allein wieder - dieses Mal war es anders.
Ich bekam Tabletten. Schon nach zwei von den weißen Teilen ging es mir zu 80% besser. Tags drauf - also heute am 5.9. - war die Umwelt links wieder nur dumpf wahrnehmbar. Na immerhin war es einen Tag schon wieder normal gewesen - offenbar war es nicht so ernst wie sich die Diagnose anhörte.
Leider hatten die Tabletten dann wenige Tage später solche fiesen Nebenwirkungen, dass ich sie absetzen mußte.
Zum Schutz meiner Gehörgänge lief ich also seit Tagen mit kleinen Taschentuchpröppels vor dem Trommelfell herum.
Ich bin im Kopfbereich extrem empfindsam, und dieses einseitige Hören irritierte mich mächtig. Da einige Bikerkumpel aber seit Jahren MIT Ohrstopfen unterwegs sind auf ihren Touren, dachte ich mir: ich probier das jetzt auch mal, ist vielleicht reine Übungssache.
Nicht ZU dicht stopfen, damit ich noch etwas mitkriege. Und möglichst auf einsamen Wegen unterwegs sein. Teststrecken, sozusagen.
So ging es also los.
Unter dem Helm höre ich eh weniger. Mit Ausnahme der Windgeräusche ;-). Orientierung war okay, Fahrweise noch unsicher. Trotzdem kam ich auf Tempo, und der noch geringe Feierabendverkehr hielt sich auf den einsamen Strecken in Grenzen.
Ein Ziel in der nahen Umgegend - Groß Vahlberg. Hier tuckerte ich schon oft durch, und nun wollte ich mir ein Kunstwerk mal aus der Nähe ansehen ...
... die Holzhände im Steinblock.
Der angrenzende Bach lud zu einem weiteren Fotostopp ein.
Zu merken: der Herbst naht. Das Licht wird milder, die Luft auch (obwohl es heute noch echt warm und angenehm war!). Ein wenig Wehmut kam in mir hoch. Die Saison ist kurz. Es sind nur wenige Wochen, wo man sich richtig wohlfühlt auf dem Mopped.
Die restliche Zeit? Zu heiß, zu kalt, zu nass, zu unbeständig.
Okay, ich bin ein Schönwetter- und Genießerbiker. Ist euch sicher nicht entgangen. Trotzdem bin ich auch schon bei -12° gefahren, aber SCHÖN war das nicht.
Zwei Einwohnerinnen von Groß Vahlberg schauten etwas verwundert, wie ich da herumlungerte und Fotos machte. Ein kurzer Plausch (was wäre an Groß Vahlberg denn SO interessant) und freundliche Grüße auf beiden Seiten.
Groß Vahlberg ist klein, niedlich angelegt und hat sicherlich mehr Aufmerksamkeit verdient, als ständig "Das arme Dorf direkt neben dem Asseschacht" genannt zu werden ...
Über das hubbelige Kopfsteinpflaster ging es weiter - durch den Assehöhenzug durch. Der Blick auf den Harz war grandios. Das ist mir noch in Erinnerung vom letzten Jahr: die Herbstsonne und die klare Luft läßt die Hügel ganz dicht dran erscheinen!
Meine Hausstrecke über Klein Biewende ...
Oben auf dem Hügel seht ihr die Windräder von Seinstedt, meinem Lieblingspausenplatz
Hunger hatte ich jetzt, und die halbrohen Birnen lagen verlockend auf der Straße. Auch hier merkte ich wieder einmal, wie PKW-lastig mein Denken und Handeln ist: ich wollte Ellie mitten auf einem Hügel parken. Zwar am Straßenrand, aber trotzdem: was mit dem PKW wegen der größeren Silhouette kein Problem ist, kann mit dem Mopped böse gefährlich enden.
Ich fuhr wenige Meter weiter, und hielt in einer Schotterparkbucht. Ellie mit Blick auf den Harz hingestellt, und somit sicher "weggeparkt".
Tja, 32 Jahre PKW-Prägung sind eben nicht mal eben mit einer kleinen Moppedtour aus dem Kopf zu wischen.
Ich schnappte mir einige Fallobstbirnen, steckte sie in die Hecktasche, und fuhr zum Seinstedter Hügel hoch.
Ellie vor mir auf dem befestigten Randstreifen, saß ich im Gras, knabberte am Obst herum und genoß den herbstlichen Abend.
Mein krankes Ohr wummerte nur noch kaum merkbar, doch meine Kondition war nicht mehr berauschend. So hieß es heimfahren. Gegen 19 Uhr trafen wir wieder vor der Garage ein. Schön war die Ausfahrt gewesen. Da wo ich längs getuckert bin, waren sehr wenig Autos und noch weniger Motorräder unterwegs. Weil diese Straßen nicht beliebt sind bei den Bikern - zu langweilig, zu gerade. Insofern genau das richtige für Ellie und mich. Zum Chillen :-).
Fazit:
Auch 40 Kilometer können einen glücklich machen - die Hauptsache ist doch, man kommt heil am gewünschten Pausenplatz an - und wieder heil zurück!

Immer weiter so, Heike. Es kommt ja gar nicht auf die Distanz an, sondern auf das was Du fühlst und für Dich entdeckst. Ich geniesse solche Touren genauso und freue mich, dass ich in Dir einen Seelenverwandten treffe.
AntwortenLöschenIch liebe dieses Herbstlicht, wo alles sanfter erscheint und der Himmel blauer.
Was ist das für eine Hügelkette im Hintergrund des letzten Bildes?
Gute Besserung übrigens, Hörsturz ist nicht witzig und meist das letzte Warnsignal vor einem Zusammenbruch. Pass auf Dich auf und versuche, Deinen Stresslevel zu senken (ich weiss, hört sich einfacher an, als es ist...).
LöschenDie Hügelkette ist der Harz, und der höchste Hügel, da wo die erste Windmühle von rechts nach links gesehen, vor steht - der Brocken :-).
LöschenDanke für die Wünsche! Ich hatte heute eine gemütliche Walkingrunde bei Wind und Regenwetter gemacht und es sehr genossen. Der herbstliche Wald hat zwar etwas wehmütiges, aber es ist auch beruhigend da im Dämmerlicht! Und ich versuche jetzt genau wie Du schreibst, meinen Stresslevel runterzuschrauben. Atemtechniken, kein Fernsehen, einfach alles zur Seite packen, was Zeit frißt ohne Sinn :-).
Liebe Grüße an meine Seelenverwandte :-)!