In der Nacht fror ich in meinem Salewa Denali 2 Zelt. Unglaublich, wie unterschiedlich die dünnen Zeltstoffe sein können.
Das billige Fähnchen vom Zettfahrer hält warm, es war innen nicht feucht vom Atem, und ebenso schnell aufzubauen wie das teure, ausgeklügelte Salewa Denali!
Beispielfoto vom Zett-Zelt
Ausgewiesen für zwei!!! Personen, ist es auch mit drei Bewohnern immer noch komfortabel
Dank meines Funktionsinlets - so eine Art zusätzlicher Schlafsack im Schlafsack - hob ich die Komforttemperatur ein Stück weit an. Trotzdem ... ich war nicht mehr so überzeugt von dem teueren Zeltheim-auf-Zeit.
Da, wo meine Füße den Schlafsack an die Zeltwand gebracht hatten, war der Stoff (vom Zelt UND vom Schlafsack) klatsch nass.
Und dabei schlafe ich schon immer quer, wegen der zusätzlichen Beinfreiheit.
Auch die geringe Sitzhöhe beim Aufrichten nervte mich mittlerweile. Für die kürzere Reise mit Motorrad ist das Denali 2 genau für EINE Person und Gepäck geeignet. Für längere Touren sollte es schon ein Drei-Personenzelt sein.
Wie schrieb Svenja noch so treffend?
Ein Dreipersonenzelt ist 1x Person, 1x Gepäck - und die dritte Person ist ein Marketing-Gag des Herstellers!
Mein Gepäck in der Apsis unterbringen, damit IM Zelt mehr Platz ist? Das mache ich nur mit der geschlossenen Packtasche. Ansonsten werden die Sachen nämlich feucht.
Schuhe in der Apsis hinstellen? Prima - die Ohrenkneifer, Spinnen und anderes Getier (Nacktschnecken!) finden so eine dunkle Unterschlupfmöglichkeit superklasse!
Wenn, dann Schuhe in Plastiktüte einknoten!
Helm draußen abstellen? Prima. Das Insektenvolk hat weitere Handlungsmöglichkeiten ... wer schon einmal den Helm aufsetzte und unbedarft losfuhr und DANN bemerkte, dass eine Familie von Kellerasseln und Ohrenkneifern im Helmpolster mit Energie ihr neues Zuhause verteidigte, der weiß, was ich meine ...
Bei der nächsten Outdoor-Messe in der Gegend werde ich mit Sicherheit die ausgestellten Zelte nach Innenhöhe, Vernunft und Funktionalität durchchecken!
Da grinst sich die Ortliebtasche eins - danke an Volker für den Hinweis!
Gegen 9 Uhr rappelte ich mich aus dem Zelt. Gähnen und Strecken an der frischen Luft - und der Blick zum Himmel: strahlend blau. Urlaubsfeeling - ich liebe es!
Ich lüftete das Zelt, hing den fußnassen Schlafsack über einen Stuhl und packte schon die überzähligen Sachen in die Ortliebtasche, die offenmaulig grinsende.
Die Luftmatratze hatte ein großes Ventil - da brauchte ich nur den Stopfen abziehen und innerhalb weniger Sekunden war die Schlafstätte nur noch ein grauer schlaffer Haufen.
Es ging ein herrlicher Wind, der die nervenden Gewittertierchen vertrieb. Später kamen sie dafür wieder angekrochen, als der Wind weniger wurde.
Hochsommer im Oberharz - alles duftet nach frischem Heu, die Grillen zirpen lautstark, ein grandioser Fernblick auf den Brocken ... Urlaubsfeeling pur!
Ein kurzer Besuch im Waschraum ließ meine Morgenmüdigkeit verfliegen. Kaltes Waschwasser wirkt Wunder.
Dann befüllte ich den kleinen Wasserkessel, stellte ihn auf den Campinggas-Kocher und wartete im Stuhl daneben auf das Teewasser.
Ellie als Wäscheständer - ein Hoch auf das Gepäcksystem
Ich saß da im Schatten, knabberte mein Frühstücks-Wasa, doppelt dick belegt mit Ziegenkäse (...), denn noch einen Transport würde der Aufschnitt nicht unbeschadet überstehen. Das Lebensmittel mußte unbedingt aufgegessen werden.
Auch eine Packung Schinken wurde so ohne Brot vertilgt. In der Not ... schmeckt der Schinken auch ohne Brot.
Ein Rest Wassermelone rundete das Frühstück ab.
Während ich dann später das Geschirr abwusch, klaute die weiße Ziege meinen Frühstücksapfel und das letzte Knäckebrot. Ich hatte beides unbedarft in der Brotdose auf dem Stuhl liegen gelassen. Das sollte eigentlich mein Wegproviant zum Nachmittag sein ...
Als ich wieder vor Ort war, konnte ich die Ziege nur mit Schlägen auf den Ziegenhintern - mit dem nassen Handtuch - davon abbringen, die Brotdose loszulassen.
Sie suchte sich dann den Stoffbeutel, der an Ellies Rückblinker hing, und kaute auf dem herum.
Das Vieh war wirklich lästig, und nur ihre Schwangerschaft hielt mich davon ab, ihr einen Topf mit Wasser überzukippen!
Sie zog mit scheelem Blick in den klugen Augen ab, zum Nachbarn. Dort nahm sie sich deren Abfalltüte vor. Anhand der lautstarken Kommentare und Rufe konnte ich erahnen, dass die beiden Kerls weniger erfolgreich im Verscheuchen waren. Ziege fraß sich in aller Ruhe durch die Tüte an die Speisereste vom Vorabend. Mjammi, kalter Kaffeesatz und durchgesabschte Teebeutel - lecker!
Mein Abfallbeutel hing über den Zaunpfahl - da kam die Ziege zwar ran, aber sie konnte nicht in die Tüte rein und somit war der Müll uninteressant
Stück für Stück rödelte ich die Sachen zusammen, packte die Satteltaschen voll, wischte und fegte das Zelt von innen aus ... ich ließ mir Zeit dabei, denn so schnell würde ich das Denali nicht wieder aufbauen, und da das Wetter so gut war, verpackte ich es ordentlich in den Beutel. Startklar für das nächste Mal.
Die verbogenen Zeltheringe kamen in ihren Sack, und den packte ich mir in den Tankrucksack. Der Zettfahrer würde sie im Schraubstock wieder gerade biegen.
Ein seltsames Geräusch ließ mich aufhorchen. Moment - eine Ziege meckert so komisch!!!
Ich ging zum kleinen Pferch gleich hinter den Holzhütten, in dem das schwarze Hörnertier untergebracht war. Tatsächlich, die Fruchtblase war geplatzt, und Käthe sah ziemlich gebeutelt aus!
Suchend schlappte ich zum Haus der Campingplatzpächter und riß Petra aus dem Mittagsschlaf. "Die Ziege kriegt ihre Babys!" Petra schoß vom Liegestuhl hoch, und mit Hilfe eines Stricks schafften wir Käthe dann in den für die Geburt eingestreuten Stall. Die Ziege wehrte sich mit allen noch verbliebenen Kräften. Was für ein stures Ding!!!
Nassgeschwitzt standen Petra und ich und gefühlte dreihundert Campingkinder am Holzzaun. Die Stalltür war geschlossen, denn Käthe sollte in Ruhe das erledigen, was sie alleine hinkriegen würde.
Eine Stunde später maunzte und muckerte es aus der Box. Zwei kleine schwarze Zicklein torkelten durch das Stroh.
Keine Fotos - ich wollte die Kinderstube nicht stören!
Ich zahlte die Campinggebühren für meine Übernachtungen und die eine zusätzliche vom Zettfahrer. Mitsamt Personengebühr, Kurabgabe, Essen vom Freitag abend, einer Cola, einem Eis und zwei Duschmarken kam ich bei 35 Euro raus. Urlaub von Freitag bis Sonntag - ohne Hektik beim Abbauen, kein "bis 11 Uhr vom Platz weg sein" ...
Gegen 13 Uhr fuhr ich dann in praller Hitze wieder kurz bei Mario vorbei, gönnte mir einen Latte Macciato. Diesmal wurde ich nicht eingeparkt, ich stellte Ellie nämlich ganz weit nach hinten.
Ein kurzes Telefonat mit dem Zettfahrer, und ich plante meinen Nachmittagsstopp bei ihm zuhause ein.
Jetzt hieß es, erst einmal unbeschadet aus dem Harz herauszukommen. Ein Verkehr war da wie beim Jahrmarkt - Auto an Auto, Motorrad auf Motorrad ... zum Glück war auf meiner Spur - raus aus dem Harz - weniger los.
Trotzdem - schön war das nicht. Rückreise durch Blankenburg, bei Affenhitze. Tanken mußte ich auch noch. An der Aral machte ich soviel in den Tank wie möglich. Eine freundliche Verkäuferin an der Kasse gab mir die Information, ich könne um die Waschhalle herum und dann wieder auf die Hauptverkehrsstraße abbiegen.
Eigentlich war nämlich Einbahnstraßen-Regelung an der Tankstelle: stadteinwärts anfahren, und dann auch stadteinwärts wieder ausfahren.
Gesagt, getan. Als ich dann links abbiegen wollte (stadtauswärts), sah ich die anderen Motorradfahrer, die sich nicht an das Abbiegeverbot (links rum) von der Tankstelle hielten ...
Hm ...
Als ich die Harzautobahn erreicht hatte, atmete ich durch. Kühlung durch Fahrtwind!
Ellie schaukelte bei 100 km/h gemächlich vor sich hin, während ich meine Schwierigkeiten hatte, mit dem verschobenen Kupplungsschalter klarzukommen.
Die Pause beim Zettfahrer wurde genutzt, um abzudampfen. Jungejunge, da ölt man ganz schön, wenn der Fahrtwind fehlt ...
Zuhause angekommen, schmiss ich alle Taschen vom Motorrad, und fuhr Ellie in die kühle Garage. Aufräumen und putzen mach ich später ...
Fazit:
Es muß nicht immer eine Reise in das Land "Weitweitweg" sein!
Der Kurzurlaub hat gut getan.
Die Ausrüstung bekam mal wieder ein Update. Mit jeder Tour optimiere ich das Gepäck und habe trotzdem das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen. Immer noch soviel!
Nun, meine "must have"s sind raumfressend. Das Zelt kann ich nicht kleiner schrumpfen. Der Schlafsack sieht auch MIT Kompressionssack immer noch wie ein schwarzer Troll in Lauerstellung aus. Der Regenkombi, die Isomatte - zusammengerollt füllen sie beide eine Satteltasche zur Hälfte!
Die Alternative: nur das Wäschezeugs, und ansonsten im Hotel nächtigen.
Äh ... nein, nicht wirklich. Mal kann man das tun, ja.
Aber preislich gesehen ist Campen/Zelten einfach unschlagbar.
NOCH ...
Es kommt hier aber auch wesentlich auf das eigene Bedürfnis an!
Naturcamping bedeutet: Natur! Inklusive Ameisen, Ohrenkneifer, Nacktschnecken, manchmal recht hohem Wiesegras, nicht immer steril sauberen Waschhäusern (weil zitierte Ameisen, Ohrenkneifer und Kellerasseln in der Nacht auch gerne irgendwo unterkriechen) ... Davon abgesehen haben die Spinnen mehr Angst vor den Gästen und erfüllen außerdem noch ihren Zweck: Insekten fressen!
Ein Naturcampingplatz mit einem Basic-Waschraum und WC reicht mir aus. Wenn noch ein Küchenraum und eine Steckdose mit Gratisstrom dabei ist ... perfekt bzw. Luxus.
Ausreichend warmes Duschwasser? Luxus. Es geht auch mit warmem Wasser aus der Leitung, einer 5 Liter Ortlieb-Faltschüssel, einem Alubecher als Duschkopf/Wasserschöpfer.
Ein überdachter Treffpunkt? Auch noch windgeschützt? Absolut genial.
Animation? Wasserrutsche? Lebensgroßes Schachbrett-Spiel? Pommesbude und Restaurant? Nö.
Wellness-Oase? Sauna? Disco am Abend? Nööö ...
Gartenzaun um den Wohnwagen? Gartenzwerge im Vorgarten, und der familieneigene Fersenkläffer-Hund? Nöööööö!
Ich werde das Campen genießen, solange ich das noch hinkriege. Vom Rücken her, und vom Enthusiasmus.
Wie das ganze Reisen bei Dauerregen aussieht, steht natürlich unter ganz anderen Bedürfnissen. In so einem Fall auf Blockhütten oder Pensionszimmer auszuweichen, um nicht krank zu werden, hat etwas mit Vernunft zu tun!
Campen? Ja bitte!



























