Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 20. Januar 2020

Der Saison-Start!

Nachdem der Zettfahrer einen Tag zuvor ganz spontan mit dem Joghurtbecher bei mir auftauchte, hielt mich am Folgetag nichts mehr. Das war so gemein, ey, so fies gemein! Er hatte frei und konnte das tolle Wetter ausnutzen und ich mußte knechten. So ging das nicht weiter! Der freitägliche Arbeitstag wurde spontan umgewandelt in einen mit Urlaub davor. Es ist der 17. Januar. Ellie hat 79.210 Kilometer auf der Uhr.

Der Probelauf ging gut. Batterie war über den Winter ausreichend geladen worden, und nach dem üblichen Wintermeckermodus sprang Ellie an. Die Abgase müffelten reichlich: da muß erst der alte Sprit rausgebollert werden.

Nachdem also alles gründlich getestet wurde, schmiß ich mich in die dicken Motorradsachen. Sie passen alle noch, da ich über die Feiertage krank gewesen war, und dementsprechend gut abgenommen hatte. Ja, so eine fiese Bronchitis mit in die Lunge rein hat auch Vorteile, selbst wenn man den Urlaub mal kurz in der Notaufnahme verbringt und selbigen dann einen Tag später doch vernunftsmäßig abbricht ... aber immerhin konnte ich endlich mal viel Zeit mit Lesen verbringen.

Bei der kurzen Fahrt zur Tankstelle - Reifendruckkontrolle! - stellte ich zwei Sachen fest: 1. Die Jacke ist für diese Jahreszeit im vorderen Bereich nicht ausreichend gut isoliert (ich holte mir später ein Stück Pappe, und steckte sie vorne rein; dann ging es) und 2. ist auf der Höhe Cremlinger Einkaufsmeile Einfahrt zum Aldi die beste Gelegenheit, sich kaputt fahren zu lassen.

Ja 'zefix nochamal ...  Da fährt so ein Berufsrentner und Golf Plus Fahrer einfach im Schneckentempo aus der Parkbucht, ohne Schulterblick und ohne Blinker. Kaum drei Kilometer von Zuhause weg, und gleich am ersten Fahrtag, hätte es mich bald erwischt. Meine besonnene Fahrweise half mir - ich war noch wintersteif und demzufolge vorsichtig. Ich fuhr dem PKW hinterher. Als er den Blinker setzte und auf die Tankstelle fuhr, fuhr ich auch. Nun schaute er in den Spiegel, und zwar ständig und hektisch. Ich fuhr mit Ellie an die Luftsäule, stieg ab und ging gemütlich zum Golf hinüber. Einfach mal fragen, ob der Fahrer sich verkauft hatte (weil: Blinkerfehler am Golf) und vielleicht ein gesundheitliches Gebrechen den Schulterblick verhindert hatte. Da gab der Gas, dass die Steine spritzten, und raste in den fließenden Verkehr. Okay, er war sich offensichtlich bewußt geworden, dass sein Verhalten vorhin nicht angemessen war. Mein Hupen und die Lichtorgelspiele mit dem Scheinwerfer waren wohl doch angekommen ...

Ellie hatte Luft gelassen. Hinten war es auf 1,9 und vorne auf 1,5 bar. Normal waren 2,7 (wegen immer viel Gelump dabei) und 2,4. Während ich so um die Maschine kraxelte, stellte sich ein altes Rentnerpärchen an die Rückwand der Waschanlage und schaute zu. Mir schwoll schon die Stirnader (von wegen Rentner von eben). Beim Wegfahren lachten die beiden ganz freundlich und winkten mir lieb hinterher. Grumpf, Vorurteil also wieder eingepackt. Doofer Rentner: 1. Freundliche Rentner: 2. Also irgendwie unentschieden heute.

Die Straßen waren nasser, als mir lieb war. Gestern alles knochentrocken, matschte es heute doch wieder. Das war jetzt doof. Ich hatte keinen Bock, Ellie mit Salzgesupp zu versiffen. Aber nun war es zu spät. Jetzt wieder umdrehen, wo das Wetter paßt? Nö. Augen auf und durch. Und halt am Abend mehr Zeit zum Gründlichputz einplanen!

Es ging über die B1 (trocken!) ab nach Destedt, Hemkenrode und über Erkerode Richtung Asse. War das herrlich. Warm genug (bis auf die Vorderseite der Jacke), herrliche Sicht, wenig Wind. Ich fuhr zur Tankstelle in Semmenstedt.

Dort organisierte ich den guten Sprit für Ellie (Super Plus; mal ein Versuch, ob damit das Innenleben länger frisch bleibt), und ein großes Stück Pappe für die Wärmeisolierung meiner Jacke. Normalerweise kommt da im Winter ein Thermositzkissen rein. Das lag aber Zuhause.

Nun ging es gut versorgt weiter nach Hornburg, über die Dörfer bis Osterwieck. Zeit für einen Fotostopp.


Blick auf Hoppenstedt und den Kleinen Fallstein

Blick auf glückliche Motorradfahrerin

Dann ging es weiter bis zum Zettfahrer. Der war nicht glücklich: der Joghurtbecher war über Nacht inkontinent geworden. Unten drunter ein riesiger Ölfleck. Na so ein Mist aber auch! Er hatte auch noch einen Termin, so daß er nicht einmal mit der Schwalbe ein Stück mitfahren konnte. Die anderen Motorräder waren in Saisonruhe. Ich holte mir eine Zeitung, stopfte mir die anstelle des Pappstückes unter die Jacke, und fuhr dann kurze Zeit später wieder zurück.

Während im Land Niedersachsen der Feierabendverkehr ab 17 Uhr losbricht, ist in Sachsen-Anhalt schon ab 13 Uhr relativ viel auf den Straßen los. Kaum private PKW, dafür meistens Transporter, Sprinter, Firmenbusse. Die sind aber rücksichtsvoller als bei uns. Überholen mit ausreichendem Abstand und scheren auch nicht so arg früh wieder ein.

Auf dem Berg über Seinstedt ein Blick zurück - Stimmung nachkommen lassen!






Hier waren die Straßen gut paniert. Am Rand und auf dem Mittelstreifen lagen dicke Lagen Salzstücke. In der Ferne ackerten einige Landwirte auf ihren matschigen Feldern. Es roch sehr intensiv. Offenbar wurde dort irgendetwas in den Boden eingepflügt. Die Stollenreifen hatten fingerdicke lehmige Batzen auf die Straße gedrückt.

Mir begegneten drei andere Motorradfahrer. Die beiden quietschbunt gekleideten Einzylinderjungs, die mir bei Volzum mit heftigem Geknöter begegneten, winkten wie die Verrückten und schienen sich ebenso über das Wetter und die Auslüfte-Möglichkeit zu freuen wie ich vorher.

Es gab auf dem Rückweg noch einige Begegnungen mit Autofahrern, die nicht wirklich auf die Straße oder den Zweiradfahrer Acht gaben. Blick auf das Handy, Blick auf das Navi, Blick wasweißichwohin ... irgendwie ist der Straßenverkehr immer mehr zu Wildwildwest verkommen, scheint es mir. Das war letztes Jahr schon schlimm. Jetzt, aus dem Blickwinkel eines schwächeren Verkehrsteilnehmers gesehen, kam mir das erneut zu Bewußtsein. Da ich verstärkt mit dem Rad zur Arbeit fahre, war ich bisher relativ unbehelligt - Benutzung des Radweges! Mit dem Motorrad zur Arbeit zu fahren, das bleibt bei mir auch in der Zukunft eine Ausnahme.

Nach insgesamt 130 Kilometern kam ich gegen 15.30 Uhr Zuhause an. Der Gründlichputz von Ellie brauchte drei Eimer Waschwasser, dann war sie wieder wie neu.

Anschließend drehte ich in Freizeitkleidung noch eine kleine Dorfrunde mit der Kreidler. Unkonventionell einfach den Helm aufgesetzt und los. Ohne Ohrstöpsel, weil es ja nur kurz gehen sollte. CRümel röhrte sich durch die Landschaft. Alter Schwede, ist die kleine Maschine laut! Einmal Gas gegeben, und der kleine zottelige Köter einer Passantin hüpfte einen halben Meter hoch. Anschließend kläffte er sich die Stimme aus der Kehle, während die Frau alle Hände voll zu tun hatte, den Hund von ihrem Mantel fernzuhalten. Grinsend fuhr ich nach kurzem Weg wieder zur Garage. 11 PS, "Kleinzylinder", und trotzdem Spaßfaktor.

Fazit:
Saisonstart gut überstanden. Ich bin im achten Jahr nach dem Motorradführerschein, und somit schon lange kein Newbie mehr. Und gespannt, was mir das Jahr 2020 an neuen Erkenntnissen so bringt.
Unterwegs sein, egal wie kalt es ist - das zumindest ist anders geworden. Ohne Rücksicht auf mich loszufahren, nur weil es so kribbelt - das mußte ich lernen. Da mir meine Lunge aber wichtig ist, muß ich Rücksicht nehmen. Doof, aber anders geht's nicht mehr.