Ellie und ich

Ellie und ich

Dienstag, 7. August 2018

Ausfahrt zum kluboffenen Abend - "Das läuft schon irgendwie ...!"

Am Samstag wollten der Zettfahrer und ich einen befreundeten Motorradclub besuchen. Wegen der Hitze war für mich der Plan: nach 18 Uhr losfahren. Wir waren schon einmal bei der Truppe gewesen, bei ihrer Sommerparty.

Ich tickerte einen Freund vom Zettfahrer an, ob er eventuell mitkommen würde. Er wollte. Rief den Zettfahrer auf dem Handy an, doch ohne Erfolg. Das Handy war wohl stumm gestellt. Auch meine Rückfrage bei ihm blieb erfolglos. Bis zur Abfahrt tat sich da nichts. Na egal, ich fuhr dann erstmal los.

Kurz vor Hornburg erwischte mich die Hitzewelle: mir wurde schwarz vor Augen und das Atmen ging auf einmal gar nicht mehr. Uff - ab in den Schatten. Auf einem Parkstreifen bei einer Bushaltestelle hielt ich an, und rupfte mir den Helm, das Halstuch, die Jacke, die Stiefel und die Socken vom Körper. Mit einer Wasserflasche benetzte ich alles, was ich erreichen konnte. Japsend hing ich dann am Geländer, und hoffte auf Regeneration. Sollte ich umkehren? In Schlappen weiterfahren?
Jetzt ging Zetti ans Telefon - ich vermeldete eine verspätete Ankunft, und er solle doch mit seinem Kumpel schon vorfahren. Ein anderer aus dem MF Wasserleben Haufen wollte auch noch mit, erzählte Zetti, aber der hing mit ohne Sprit und einem technischen Problem irgendwo zwischen dem Treffpunkt und dem Ankunftsort fest. Den müßten sie erst einmal aufspüren.

Na bravo. Das Chaoten-Team hat Ausgang. Ihr lest ja selbst, wie wirr diese Aktion bislang war. Ob wir uns wirklich noch treffen würden?

Ich fuhr nach der Erholungspause in Richtung Treffpunkt, mußte aber eine erneute Pause einlegen. Diesmal stieg ich aus der Klamotte, und rein in die Oker bei Wülperode. Herrliche Erfrischung! Am liebsten hätte ich mich nackich in dem kühlen Wasser gewälzt. Da dieser Abschnitt direkt an der Straße lag, und ich mich ungern von fremden Leuten beglotzen lasse, mußte diese Aktion ausfallen.

Irgendwann kam ich dann auf dem Gelände an, wo ich hinwollte. Es waren schon einige Leute anwesend, und ich wurde neugierig beäugt.


Die Chaos-Truppe war zwei Minuten vorher angekommen. Der eine Kumpel hatte an der falschen Tankstelle gewartet - der Zettfahrer hatte ihn auf der gegenüber liegenden Seite gesucht. Der Liegengebliebene war aufgefunden worden und hatte Starthilfe bekommen, und der Kumpel von der falschen Tankstelle war mit einem Spritkanister, den er sich mit einem Zurrgurt umgebunden hatte, angereist (Sprit war nämlich auch ausgegangen), und irgendwann irgendwie fanden sie doch noch den Weg zu den Gastgebern. Niemand hatte sich vorher die Mühe gemacht und geschaut, WO genau der kluboffene Abend eigentlich stattfindet. "Dat läuft schon irjendwie", meinte Olli, der Liegenbleiber. Und er hatte ja recht.

Diese Aktion war völlig normal, meinte der Zettfahrer. Und dann folgten Geschichten von vergangenen Zeiten, noch vor der Wende. Für mich, die immer gern klar strukturierte Fahrten macht, eine erschreckende Aufzählung ;-). Wenn ich also demnächst nochmal mit den Jungs fahre, dann scheint das eine interessante Bloggeschichte zu werden.

Ein gemütlicher Abend mit tollen Gastgebern ging ins Land. Alle Gäste bekamen bei der Ankunft erst einmal eine kalte Cola angeboten. Meine Lebensgeister bekamen neue Nahrung!

Obligatorische Fotos ...


Kumpel Carsten - Orientierungssinn wie eine Bockwurst ... (O-Ton vom Liegengebliebenen ...)

Zettis Haare zu lang - wenn man schon Zöpfe reinzwirbeln kann ... hihihi ...

Isch esche Schipsch!

Fledermäuse (Abendsegler) tanzten um uns herum. Auf den rustikalen Holztischen standen Teelichter, im Garten zirpten die Grillen. Idylle pur dort in Weddingen beim kluboffenen Abend! Die Truppe war sehr gastfreundlich und die Getränke zu moderaten Preisen sogar eisgekühlt. Zetti war glücklich mit seinem Kaffee, während ich mich an das Oettinger Grapefruit Bier hielt. Die Fahr-Geschichten an unserem Tisch wurden immer skuriler, und ich staunte, was andere erlebt hatten.

Gegen 22.30 Uhr hieß es, nach Hause zu fahren. Der Abend war warm - Lufttemperatur von 25 Grad. Es war schon dunkel, und ich hatte ein wenig Bammel, wie die Rückfahrt laufen würde. Ich nachtblindes Wesen hatte schon mit PKW so meine Schwierigkeiten. Die Funzel von Motorradlicht war nicht wirklich beruhigend. Mein Plan war, nach dem Tanken über die A395 Richtung Heimat zu rauschen. So richtig lange war ich noch nie nachts unterwegs gewesen. Die Jungs konnten meine Bedenken nicht wirklich nachvollziehen. Woher auch. Ihre Fahrerfahrungen belaufen sich auf Jahrzehnte. Meine sind ja erst sechs Sainsonen "lang".

Als ich Ellie anmachte, kam das übliche Geläster "Ist sie schon an?" ... Gegen die anderen Maschinen kann ich nicht anstinken (und will's auch gar nicht).

So fuhr ich also mit der Chaos-Gang im Schlepptau erst einmal zur Tankstelle nach Vienenburg. Die lauteste Maschine am Ende. Die Tanke hatte tatsächlich noch geöffnet - ein Zustand, der hier in der ländlichen Region keine Selbstverständlichkeit ist.

An der Zapfsäule mußte noch ein Abschiedsfoto sein. Die MF Wasserleben-Truppe, zu der ich ja auch gehöre, bei der ersten Ausfahrt. Die schwarz-weiße Maschine lief die ganze Zeit durch - besser nicht ausmachen, war die Devise ... nicht, das die Elektrik erneut herumzickt.

Die Drei von der Tankstelle
... "Ein Freund, ein guter Freund ...."
Song: KLICK (youtube)

Ein kurzes Stück fuhren wir dröhnend durch das nachtschlafene Vienenburg. Die Bürgersteige waren noch unten, aber am hochklappen fehlte nicht mehr viel. Dann bogen sie ab auf die Autobahn, Richtung Wernigerode. Ich entschloß mich kurzfristig um, und fuhr über die Dörfer. Die Nacht gefiel mir. Und ich wuppte die Rückfahrt besser, als ich erwartet hatte. Einmal lief ein Fuchs im Scheinwerferlicht, sonst sah ich nur hin und wieder leuchtende Augen auf den Feldern. Ich tuckerte gemütlich mit 50-60 km/h über die Straßen, die ich von meinen Hausrunden gut kannte. In der Nacht sieht das alles trotzdem ganz anders aus, und ich freute mich über die neue Erfahrung. Von Bedenken keine Spur mehr.

Ab und an röhrten in der Ferne Fahrzeuge weit im roten Drehzahlbereich - zur Zeit herrscht auch bei uns die unsägliche Mode "illegale Straßenrennen" - ich war froh, über Land gefahren zu sein. Die A395 ist berüchtigt dafür, dass dort gerade Freitag und Samstag Nacht gerast wird. In der Eisdiele in Vienenburg lauschte ich einmal einem Gespräch - der Redner gab offen damit an, auf dem Stück 295 Stundenkilometer gefahren zu sein. Mit der Rennmaschine. Jo ... und dann kommt einmal ein traniger Fahrer die Auffahrt herunter und tuckert mit 70 auf die Bahn, und die Rechtsspurler fahren mit 85 auf die linke Spur. Und dann ist es passiert. Bis einer heult! Solche Geschwindigkeiten sind unberechenbar für PKW-Fahrer - sie sehen ein kleines Licht im Außenspiegel, denken sich "ach da kann ich ja noch ausscheren" (WENN sie denn denken), und dann ist der Motorradfahrer auf einmal im Heck aufgeschlagen.

Gegen Mitternacht kam ich Zuhause an. Nachtfahren - schön war es gewesen.

Fazit:
Hat Spaß gemacht, und neue Erkenntnisse gebracht.

Ein Freund, ein guter Freund Songtext


Sonniger Tag! Wonniger Tag! Klopfendes Herz und der Motor ein Schlag! Lachendes Ziel! Lachender Start und eine herrliche Fahrt! Rom und Madrid nehmen wir mit.
So ging das Leben im Taumel zu dritt! Über das Meer, über das Land, haben wir eines erkannt: Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste was es gibt auf der Welt.
Ein Freund bleibt immer Freund, und wenn die ganze Welt zusammenfällt.
Drum sei auch nicht betrübt, wenn dein Schatz dich nicht mehr liebt.
Ein Freund, ein guter Freund, das ist der größte Schatz, den's gibt.
Sonnige Welt! Wonnige Welt! Hast uns für immer zusammengestellt! Liebe vergeht, Liebe verweht, Freundschaft alleine besteht! Ja man vergisst wen man geküsst, weil auch die Treue längst unmodern ist.
Ja, man verließ manche Madam', wir aber bleiben zusamm'. Ein Freund, ...
Ein Freund, ein wirklicher Freund, das ist doch das Größte und Beste Schönste, was es gibt auf der Welt.
Ein Freund bleibt immer dir Freund, und wenn auch die ganze die große die schreckliche, alberne
Welt vor den Augen zusammen dir fällt.
Drum sei auch nicht betrübt, wenn dein Schatz dich auch nicht mehr liebt.
Ein Freund, ein wirklicher Freund, das ist der größte Schatz, den's gibt.



Montag, 6. August 2018

Motorrad fahren bei Wüstenbedingungen

Der Sommer 2018 ... Temperaturen zeitweise über 35 Grad. Seit Wochen hänge ich zuhause fest. Tagsüber ist an Fahren nicht zu denken! Der Asphalt löst sich auf, und das Herumlaufen mit Sonnenschirm (sonst: Regenschirm) ist auf einmal kein spleeniges Verhalten mehr, sondern reine Vernunft! Ständig brennt es irgendwo im Landkreis. Anreisen zu Motorradtreffen mit dem klimatisierten Auto sind zur Zeit keine peinliche Aktion mehr, sondern vernünftig.

Aber nach 20 Uhr, da gehts dann. Wenn der rote Feuerball am Horizont untertaucht, erwacht das Leben kurzfristig.

Das Rehwild tobt sich hormonell wie fremdgesteuert aus, und nie sah ich so viele Feldhasen wie zur Zeit. Oft auf den Feldern, sehr oft an den Straßenrändern. Die pelzigen Kerlchen rennen unberechenbar mal hin, mal her. Motorräder wie Ellie (leise, langsam unterwegs) sind wohl nicht eingeplant bei denen - Hasen rennen erst meilenweit über den Acker, um dann doch aus welchen Gründen auch immer plötzlich auf die Fahrbahn zu hechten. So ein Feldhase verursacht hässliche Schäden an Autofronten. Noch hässlichere allerdings an Motorrädern, also Augen auf.

Landwirtschaftliche Fahrzeuge erzeugen Staubfontänen, die den Himmel verdunkeln. Die Bäume sind zu fünfzig Prozent gelb und werfen alle Blätter ab. Das Gras ist ebenfalls fahlgelb, nur die Unkräuter leuchten noch in matten Grüntönen aus der Steppe heraus. Viele Bäche und Tümpel sind ausgetrocknet, und Mücken gibt es dadurch zur Zeit auch recht wenige. Darüber bin ich jetzt nicht wirklich böse.

Meist mit dem Dunkelwerden bin ich  zuhause vor der Garage. Und die Luft hat selbst um die späte Uhrzeit (nach 22 Uhr) immer noch mindestens 26 Grad zu bieten, inklusive eines heißen Luftstroms. Nicht nur aus dem Motor, sondern so allgemein ...









Trotz allem: nie ohne Schutzkleidung. Gegen den heißen Kopf hilft es, sich den Schädel zwischendurch mal mit Wasser zu übergießen. Die Motorradjeans kann man mit Wasser tränken. Das kühlt im Fahrtwind. Ausreichend trinken ist ebenfalls lebensnotwendig. Bei einer Tour schüttetete ich zwei Liter Mineralwasser in mich hinein, und nichts! kam unten an. Alles ausgeschwitzt. Das sagt wohl alles ... 


Fazit:
Rudi Carell mit seinem Sommer-Song von 1975 soll bloß die Klappe halten ;-)