Ellie und ich

Ellie und ich

Donnerstag, 29. Dezember 2016

29.12.2016 Jahresabschluß-Tour; und Danksagungen

Die letzte Gelegenheit, bevor a) der Jahreswechsel ansteht und b) die Minustemperaturen eintruddeln ...

Kleine Runde zum Tanken - diesmal mit Moonboots als Fußhülle. Im Prinzip eine super Idee, aber der Fahrtwind ging durch. Beim nächsten Mal werde ich zusätzlich winddichte Überziehsocken nehmen. Die Teile liegen schon ewig im Sockenfach. Zeit, sie auszuprobieren. Das zu straffe Gummi abschneiden (check), Socken über die Skistrümpfe ziehen, darüber die polnischen Wollsocken - fettsch.

 Das Wetter war ein Traum ... Straßen trocken, 5 Grad, kein Wind.


Nach dem Tanken ging es Richtung Harzvorland. Auf der Tour traf ich 2 Kuttenträger auf Harleys (kein Gruß: check), 1 125-er Fahrer (sehr viel Gruß: check), und 3 Tourer (gelangweilter Winker: check).

Ein Zwischenstopp bei einem netten Bekannten am Angelteich mußte sein. Füße aufwärmen, ein nettes Gespräch führen, einen warmen Schluck Kaffee abbetteln, zum Jahresabschluß liebe Wünsche weiterreichen ... Steffen, alter Fischkopp - herzlichen Dank *knuddel*


Dann ging es gemütlich zurück. Ellie legte sich wie von selbst in die Kurven. Die Fernsicht war grandios. Klare Luft, es wirkte so, als könnte man den Harz greifen.
Meine Gedanken gingen in den Osten ... viel Zeit hatte ich dort verbracht. Viele gute Strecken entdeckt.

An der Asse vorbei ging es wieder Richtung Heimat. Die Uhr ging auf halb drei - die Sonne ging tiefer, und ich wollte nicht bei Null Grad nach Hause rauschen.

Vor der Garage bekam Ellie einen Wintercheck. Die Kette wurde noch einmal dick eingefettet.

Ellie wurde von unten akribisch abgeleuchtet, und von kleineren Dreckbatzen und Grasbüscheln befreit.

Nun der Tachovergleich.

28. Januar 2016


29. Dezember 2016


Summa summarum 12.304 Kilometer.

Nicht schlecht, trotz der Krankheit und dem zeitweiligen Fahrstillstand deswegen.


Jahresrückblick:
Burnout ist echt übel. Da kommen Sachen zusammen, die man alleine nicht verarbeiten kann. Professionelle Hilfe ist unabdingbar. GEHEN lernen muß man dann aber alleine. Andere können einem nur Anreiz sein - wenn man selbst nicht mitmacht, bringt das nichts.
Dieses Mitmachen ist ein täglicher beinharter Kampf. Manchmal geht auch gar nichts. Der Heilungsprozeß ist langwierig und mit so einigen Rückschlägen gepflastert. Daran werde ich noch viel arbeiten. Ich bin so ungeduldig ...

Ich bedanke mich bei allen, die mich in diesem Jahr begleitet hatten!

Manch einer mußte auf der Strecke bleiben, so leid mir das auch tat. Aber jetzt ist nur eine wichtig - und das bin ich. Ich habe (noch) keine Kraft, mich um anderes zu kümmern.

Danke an alle, die mich überrascht hatten. Svenja, du Gute - du an allererster Stelle. Deine Mail und die Weihnachtspost kamen genau in ein dunkles Tief hinein und hatten mich herausgerettet. Ganz herzliche Grüße. Auch an Pieps, nä?

Danke an die Ratten in Magdeburg. Hier besonders Metta und Hilde. Ihr Lieben - danke für eure Gastfreundschaft vor Weihnachten. Das hatte so gut getan ...
Auch Yvonne, Jette, Moppi und die anderen. Ihr hattet mir mehr gegeben, als ihr ahntet.

Meine Schreiberling-Freundin in der alten Heimat - danke für die tiefen Gespräche.
Meine Haare-schön-Freundin - danke für's Haare-schön-machen und ... die Gespräche.
Meine Pferdewiese-Ex-Meerschweinzucht-Freundin ... die Gespräche, die Sprachnachrichten, die Gastfreundschaft.

Meine Arbeitskollegen, die hier mitlesen: dankedankedanke euch für die freundliche Stimmung am 20.12. bei der Weihnachtsfeier. Langsam freue ich mich doch schon darauf, euch wiederzutreffen.

Grisi und Funny - über eure Blogs und Fatzebuch Texte mußte ich zeitweilig herzhaft lachen. Schön war das!

Und ihr anderen, die ich vergessen habe (mein Gehirn ist halt immer noch wie warmer Kartoffelbrei): gebt mich nicht auf. Ich komme wieder. Es dauert solang, wie es dauert. Erzwingen kann ich nichts.
Am Arsch vorbei mit "ich sollte/ich müßte/wäre es nicht besser, wenn ..."!

Ich wünsche euch allen ein Frohes Neues Jahr 2017!
Wir sehen uns! Wo auch immer.

Paßt auf euch auf. Und habt immer genug Grip und Reifen auf der Straße. 

 

Samstag, 17. Dezember 2016

Ho Ho Ho! - Alle Jahre wieder ...

16.12.2016

Hausarbeit war erledigt. Jetzt war Ellie dran! Kettenkontrolle - sah sauber aus. Etwas nachgesprüht. Kann nicht schaden. Reifen - auch okay. Sind ja kaum genutzt. Öl - auch gut. Tank - fast voll. Batterie - könnte mal wieder Ladung brauchen.

Die Sonne krauchte zögerlich durch die Winterwolken hindurch. Ein Blick auf die Straße: bis auf den obligatorischen Bau-Staub der Dauerbuddler die Straße hoch - trocken und okay.

Der Nachbar kam vom Einkaufen. "Na? Sie wollen doch nicht etwa ...?"

Doch, ich wollte. Eine kleine Runde dürfte möglich sein. Gegen 14 Uhr aufgestiegen. Die zweifach Sturmhaubenverhüllung war mittlerweile in kurzer Zeit absolviert. Die neue Unterzieh-Thermojacke von Polo mit den Daumenlöchern hielt lange warm. Nur diese Löcher um die Daumen herum ... zu klein. Zu stramm. Aber kurzfristig mochte das gehen!

Der NEXO Helm war schon mit Weihnachtsmütze geschmückt. Ebenso meine Heckfigur (Stuart Mignon - böse) mit seiner Bommelmütze von einem bekannten Schokoladenhersteller verziert.

Los ging es. Tanken war ja nicht nötig. Ellie orgelte zweimal, dann sprang sie zögerlich an. Der Choke mußte mithelfen. Das letzte Fahren war schon ein wenig her - also alles normal so wie auch im letzten Winter.

Ich fuhr hoch, die B1 entlang. Und in Sickte, etwa 5 Kilometer von meinem Wohnort entfernt, holte ich an der dortigen Gärtnerei ein Foto nach!




Weiter ging die Runde. Abgebogen Richtung Asse. Die Landschaft wirkte eintönig, fast schon monochrom. Die wenigen Farbtupfer waren die Weihnachtsorgien an den Häusern. Manche Leute verwechseln Weihnachtsdekoration mit Puffbeleuchtung *grumpf*.

Saatkrähen hockten auf nackten Baumkronen, und wirkten irgendwie mürrisch. Die Sonne strahlte mir genau in die Augen, aber dank der Sonnenblende fuhr ich nicht blind.

Es ging um die Asse herum, in Richtung Harzvorland. Nebel zog über das Land. Es sah herrlich verwunschen aus. Vom Harz war nichts zu sehen!

Irgendwann hielt ich an, und stieg in meine Regenstiefel-Überzieher. Zusätzlicher Schutz vor der Kälte. Die Füße waren jetzt doch ziemlich tot gefroren. Der Nebel brachte eine feuchte Kälte. Unangenehm.

Ein Stück ging es über Wittmar, dann durch kleine Randdörfer und hinein in den Speckgürtel von Wolfenbüttel. Abgebogen nach Salzdahlum, tuckerte ich mich dem Heimathafen entgegen.

Am Doppelkreise bei Klein Schöppenstedt übersah mich ein von rechts einbiegender PKW-Fahrer. Ich lag wohl in seiner A-Säule. Wie gut, das ich auf so etwas vorbereitet war. Meine Vorahnung bzw. mein Bauchgefühl funktionierte wie früher. Trotz des kurzzeitigen Ärgergefühls freute ich mich. Es geht aufwärts!

Nach 55 Kilometern kamen Ellie und ich zufrieden zuhause an. Die Tour hatte in vielerlei Hinsicht einiges klären können.


Das Thermometer am Fenster zeigte die Wahrheit an. Kein Wunder, dass meine Füße fast ohne Leben waren.
Außer mir war offenbar kein anderer Zweirad-Fahrer unterwegs gewesen. Ich hatte jedenfalls keinen gesehen um die Zeit ...
Saison-Muschies ;-) 

Fazit:
Es läuft. Manchmal wie ein Schneckenlauf. Manchmal zwei Schritte zurück, und nur einen voran. Manchmal nicht einmal das.
Aber die klaren Momente kommen wieder. Und gerade kann ich genau die aus ganzer Seele wirklich genießen. Vielleicht mußte es deshalb so dicke kommen, gesundheitlich, damit das echte Genießen wieder klappt.
Keine Ahnung. Es ist, wie es ist. Und wie es weitergeht, sehe ich dann, wenn es soweit ist. Jeden Tag für sich sehen. Und vor allem, viel viel gnädiger mit mir selbst werden.


In diesem Sinne:



Mein Wunsch für euch, liebe Blogleserinnen und Blogleser:

Seid nett zu euch selbst. Niemand versteht euch besser als ihr selbst. Und niemand wird sich so gut um euch kümmern können, auch wenn es noch so gut gemeint ist. Lebenszeit ist endlich. Macht was draus! TÄGLICH. Es kann ganz schnell ganz ganz anders werden als ihr es euch je mit Schrecken hättet vorstellen können.

Meine besten Wünsche für euch für Weihnachten, und für das Neue Jahr 2017.



Montag, 21. November 2016

Aus dem September - Grenzstreifenkontrolle mit Ziege

Irgendwann entdeckte ich auf meiner Hausrunde einen Weg. Ziemlich zugewachsen, und augenscheinlich für Anlieger und Landwirtschaft vorbehalten. Und er wurde für Fahrradfahrer empfohlen. Stichwort "Grünes Band".

Ich bin eine Frau, entdeckerfreudig von Geburt an, und ich liebe es, abseits der normalen Wege unterwegs zu sein. Somit war dieser Weg genau das richtige für mich. Außerdem kannte ich den noch nicht. Zwei Räder konnte ich vorweisen. Das bisschen Motor dazwischen zählte kaum.

Legal hin oder her - ich bog da hinein.

An dem Tag war es wirklich ziemlich heiß. Schnell fahren zum Abkühlen ging auf dem Weg aber nicht ...


Hier fährt man besser gemütlich ...

Irgendwann hielt ich im Schatten, plünnte mich aus - und fuhr dann später ohne Helm weiter. Da ich mich im Tuckermodus bewegte, taten nicht einmal die Fliegen weh, die mir ins Gesicht klatschten. Es war mehr wie ein sanftes Streicheln, wenn sie an meinen Brillengläsern zerplatzten.




Dieser Weg ging am Wassergraben entlang, und es kam zu einer niedlichen hüpfenden Begegnung.



Weit und breit war ganz viel Gegend. Und Ruhe. Und Hitze. Und Tiere ...

Der Wind stand günstig - ich kam ganz nah heran und stand lange dort, Motor ausgeschaltet - und freute mich über die beiden Bambis ...

Ellie macht ja erfreulich wenig Geräusche, und somit störten wir dort kaum.



Wir tuckerten Stück für Stück weiter. Am Horizont erschien etwas hellblaues. Das mußte untersucht werden! Ich fuhr so dicht heran, wie ich verantworten konnte. In einiger Entfernung waberten Staubwolken hoch: ein Landwirt pflügte seine Krume. Der wird in dieser Geschichte später noch eine Rolle spielen ...

Wir parken auf der "Deichkrone" ...
 


Zu Fuß war das Sperrwerk vom Großen Graben ziemlich weit entfernt vom Motorrad ... heiß und ohne Schatten, dazu die schwarzen Motorradsachen ... ihr kennt das ja. Normalerweise wären es wenige hundert Meter. So fühlte es sich aber wesentlich länger an!


Dort unten links sah ich etwas, was da so nicht hingehört. Dichter dran:



Ein Grenzgänger. Ziemlich hochnäsig meckerte das Tier mich an. Weit und breit sah ich aber keine Herde. Somit schien dieses Wesen ausgebüxt zu sein. Den Kötteln nach zu urteilen, lümmelte die Ziege dort schon länger herum.

Der Große Graben. Dort hinten ganz klein: Ellie. Und drumherum: Naturschutzgebiet ...

Ich überlegte, was mit der Ziege passieren könnte. Abstürzen und ersaufen? Können Ziegen schwimmen? War sie schlau und würde dann von allein zurück nach Hause finden? Wohl kaum.

Ich würde in das nächste Dorf fahren, und schauen, ob ich da einen Einwohner fände - und den fragen, ob jemand eine Ziege vermißt. 
Vielleicht gibt es dort ja eine ostdeutsche Heidi oder einen Ziegenpeter, der jetzt ganz traurig ist über den Verlust.

Entschlossen und schweißbedeckt stapfte ich zurück zu Ellie, schwang mich in den Sattel, setzte seufzend den Helm wieder auf, lenkte das treue Gefährt den Deich herunter, durch die spärliche Erdkrume, an den abgekippten Seitenstreifen vorbei in Richtung Dorf.

Dieses Dorf hatte noch eine echte Dorfstraße von vor der Wende. So richtig mit faustgroßen Feldsteinen belegt. Nachdem ich den Grenzweg bezwungen hatte, fuhr ich ebenso gemächlich und umsichtig über dieses Gehöcker. Jungejunge, Gehöckerstraßen können die da ...

Irgendwann hörte ich eine Landmaschine, und richtig: aus einem Feldweg, begleitet von einer gigantischen Staubwolke, tauchte der Landwirt auf, den ich vorhin gesichtet hatte. Ich parkte Ellie und winkte ihm wie doof entgegen.

Quietschend und ratternd hielt das Gefährt. Ich renkte meinen Hals in die Höhe: die Räder waren 2x so hoch wie ich (1,67m Körperhöhe sind wirklich nicht gigantisch ...). Der Mann steckte seinen Kopf aus dem Fenster. "Na Mädelchen - watt gibbs denn?" war sein brummiger, aber freundlicher Kommentar zu meiner Aktion.

Während Ellie mit knisterndem Motor am Straßenrand stand, legte sich die Staubwolke auf uns alle. Innerlich aufstöhnend zählte ein abgekoppelter Teil meines Denkens die Minuten, die nötig waren, um Ellie davon zu säubern ... ungefähr 40 Minuten würde ich benötigen ...

Ich erzählte meine Geschichte von der Ziege, und der Mann wußte tatsächlich, zu wem das störrische Vieh gehören könnte. Er bedankte sich, versprach, dem Nachbarn Bescheid zu geben und startete sein Ungetüm wieder.

Okay, weitere 40 Minuten PLUS einer Lungenspülung *hust keuch röchel* ... Das Land war wirklich ausgetrocknet. So wie meine Kehle jetzt. Ich setzte meine Wasserflasche an und schüttete den Inhalt in einem Zug hinunter. Auf eine Staubwolke mehr kam es jetzt nicht mehr an!

Über normal asphaltierte Straßen ging es zurück nach Hause. Bei der Hitze ist der Besuch des Freibades nach einer Tour genau das richtige. Wasser überall! Während die Grillen einen Krach machten, der mich an den Urlaub in Sardinien erinnerte, dümpelte ich im kühlen Nass vor mich hin und erfreute ich an dem hellen Blau des Wassers - natürlich nur ein Wiederschein vom hellblau gestrichenen Beckenboden ...

Fazit:
Sommer im September. Ein Weg, der Spaß macht, auch wenn er nur der Landwirtschaft vorbehalten ist. Ellie ist leiser, sauberer und somit hatte ich null Schuldgefühle!



 

Donnerstag, 10. November 2016

Läuft wieder los hier

Bald geht es weiter hier.
Aufgrund krankheitsbedingter Lustlosigkeit trieb mich nichts zum Laptop.

Nun ist das Gröbste überwunden und demnächst folgen schöne Bilder nebst kurzen Berichten von Juli bis November.


Ellie bekam neues Lenkkopflager - mit 58000 km muß das halt mal sein!


Ja, wir fahren noch! Auch wenn ich nun zwei Sturmhauben übereinander trage. Ist muschelig so!

So schön ist es derzeit leider nicht.  Wir hatten sogar schon Schneeschauer hier ...

Also demnächst dann mal mehr!

Donnerstag, 29. September 2016

Eine wichtige Person ist gegangen ... Nachruf über den weltbesten Fahrlehrer und Ratgeber

Gestern erfuhr ich über Fratzebuch etwas, was ich nicht glauben konnte. Heute kam die Gewissheit.

Mein bester Lehrer - er, welcher mich mit Geduld und Einfallsreichtum zum Motorrad Führerschein brachte und vorher oft zur Weißglut mit seiner Sturheit - hat den zweiten Kampf gegen Krebs verloren.


Lieber Uwe - letzte Woche wollte ich dich per WhatsApp antickern wegen Käffchen in der Fahrschule. Zeit hättest du nie, war dein Motto. Nun hast du Zeit. Und wir sind traurig, dass deine Zeit hier bei uns zuende ging.

Mach's gut, weltbester Fahrlehrer ... ich verdanke dir sehr viel ... bring dem Volk da oben mal das korrekte Fahren bei, mit ihren Wolken!

Die Trauerfeier war unglaublich bewegend. Kirche prall gefüllt. Du kanntest soviele, und über 800 Kontakte im Handy sprechen Bände. Sogar noch kurz vor dem Lebensende hattest du mit dem Krankenhauspersonal deine Späße gemacht, erzählte uns der Pfarrer in seiner gefühlvollen Rede. Als dann dein jüngster Sohn zwei Klavierstücke als letzten persönlichen Gruß an dich spielte, war kein Auge in der Kirche mehr trocken.

Ellie war passend beschleift...


Ja, ich bin mit Motorradoutfit zur Trauerfeier. Standesgemäß. Du hättest deine Freude gehabt, und sicher einen Spruch gemacht ... und mir wie üblich den Wunsch mitgegeben, das ich achtgeben soll beim Fahren ...



Uwe - danke für alles.




(Wie alles angefangen hatte ...)






Freitag, 2. September 2016

Biketober der OutSide Vulcanier Germany

Heiß war es gewesen, das Wochenende. Sehr heiß. Zu heiß für mich. Und mal wieder: mein rechter Arm.

Mein Stammtisch und andere der IG Vulcanier Germany feierten vergangenes Wochenende, im Osten, auf einem Sportplatz.
Ich nahm mit PKW am Event teil. Wurde von allen akzeptiert, denn ich hatte gesundheitliche Gründe.
Am Samstag gab es eine große Ausfahrt mit über 40 Motorrädern. Ziel: Schloßinnenhof Schloß Wernigerode.

Und so sah die Anfahrt dann aus:


Ich hatte in der Nacht von Freitag auf Samstag noch ein Schild gezaubert. Und dutzende Eiswürfel gefertigt. Mein Auto fuhr als Servicefahrzeug mit kalten Getränken hinter den Jungs her.

Bei über dreissig Grad im Schatten - und das mit Lederzeug und -Stiefeln - wurde das Angebot mit Begeisterung angenommen.

Sch... die Wand an - ist das heiß ... meiner einer kurz vor dem Kollaps; Hitze ist definitiv nix für einen Fischkopp wie mich!

Dreiunddreissig Grad - High Noon - ach herrlich, so ein Lederzeug ...

Freundin Ivi hatte den besten Job gemacht - sie hatte ihr Stützräder-Motorrad erst seit drei Wochen, war noch nie im Korso gefahren, war dementsprechend aufgeregt und litt tierisch unter der Hitze; so heftig, dass sie auf der Rückfahrt mit einer Flasche Mineralwasser übergossen wurde - ihr Kopf war heiß und rot und ich hatte wirklich Angst, dass sie einen Hitzschlag erwischt hatte!

 
Anfahrt zum Schloß Wernigerode - hier darf normalerweise kein Fahrzeug längs - außer Pferdekutsche oder Elektro-Eisenbahn

Der Innenhof war prall gefüllt und zog viele neugierige Touristen an

Teilzeitsozia Heike - Anfahrt zum Schloß, Fotodienst erledigen

Die Rückfahrt durch die Kreisel in Wernigerode war etwas konfus gelaufen. Hier zeigte Ivi wieder einmal, wie gut sie war: sie kreiselte, und fuhr dann doch richtig raus. Ich selber drehte eine Runde durch das Industrieviertel, und wartete später auf der B6N auf den Korso. Alle wieder eingefangen also!

Abends wurde dann lustig gefeiert. Eine Zwei-Mann-Band (bzw. ein Opa und sein Enkel) zauberten Stimmung in den sternenfunkelnden Himmel. Die Band war vom Gastwirt organisiert. Der kleine Junge gab sein Bestes und trommelte, was das Zeug hielt. Teilweise machte ihm sein Stimmbruch arg zu schaffen, doch das Schlagzeug beherrschte er wie ein Großer!

Dieses Jahr war das Catering fremd vergeben. Im nächsten Jahr werden wir eine andere Location wählen. Und einen anderen Zulieferer. Eine Flasche Whisky mit Cola für 50 Euro ist dann doch eher eine Unverschämtheit.
Eine Flasche Mineralwasser für 3,50 Euro - bei der Hitze ebenfalls Nepp. Denn KALT waren die Getränke nicht.
Wir behalfen uns mit Kofferraum-Handelei - sprich: wir kauften beim ortsansässigen Supermarkt die Wasservorräte leer, die dann später gegen Spenden ausgeteilt wurden.
So hat der Wirt zwar sein Auskommen gehabt, aber nur dieses eine Mal. An uns verdient er nüscht mehr, soviel ist sicher ...

Der Organisator vom Fest konnte einem leid tun. Das der Wirt sich SO bereichern wollte, konnte vorher keiner ahnen. Um jeden Nachmittagskaffee zu betteln, ging einigen Gästen deshalb zu weit. Sie beschwerten sich nachdrücklich bei mir.
Sie hatten sich zwar mit Tagesgeld beteiligt, in den Jahren zuvor aber wenigstens Kaffee (und Kuchenteilchen) als Bonus erhalten. Und zwar Kaffee satt. Klar mußte der Platz auch bezahlt werden, und die Duschen, und die Klospülungen ... aber wenn ich daran denke, wie gastfreundlich die MC's sind, bei denen der Zettfahrer und ich gewesen sind ... Mal schauen, wie wir das im nächsten Jahr wuppen. Denn eins ist mal sicher - Biker brauchen viiiel Kaffee - und süß sind die auch. Kuchen geht da immer! Und Kaffee sowieso.

Alle sind wieder gesund nach Hause gekommen. Ein gebrochener linker Zeigefinger, ein schmerzendes Knie und eine Schmerz-Schulter waren allerdings zu beklagen. Auf drei Personen verteilt ;-).

Schön, das die Ausfahrt bei allen so gut angekommen war. Trotz Hitze! Und trotz einiger beknackter Auto- bzw. Motorradfahrer, die partout nicht warten konnten und sich unbedingt in den Korso drängeln mußten.
So etwas ist kreuzgefährlich, und hätte ich einen Beifahrer gehabt, wäre bei dem sicher ein Hörsturz als Schaden herausgekommen. Wegen des lauten Fluchens. Mhm ...

 
 

Freitag, 12. August 2016

Fähnchen, Wasser und ein Bloggertreffen

Bei Google Plus wurde mir vor kurzem ein Beitrag empfohlen. Wirre Linien, mini klein und für meine alten Augen schwer zu entziffern.
Lag wohl auch daran, dass ich seit Wochen nur noch über das Smarte Fon kommuniziere. Das ist gewollt so. Der Laptop sollte pausieren. Beziehungsweise die gesamte Arbeit. Die mich an meinen Job erinnert. Außerdem mußte mein rechter Arm ausheilen. Der meinte, mich mit einer Sehnenscheidenentzündung ärgern zu müssen. Die immer noch nicht ausgeheilt ist.

Da ich am Samsung nur schwer bloggen kann - und gucken schon gleich gar nicht vernünftig - mußte ich mich notgedrungen mal an den genannten Läppi setzen.

Ich entzifferte die Linien, las den betreffenden Blog vom Grisi ...

Und hatte frech wie vormals gewohnt an den unbekannten Blogger großspurig gepostet, ich hätte hier in der Gegend soooviele Wasserwege für ihn. Wo seine Fähnchenkarte in unserem Gebiet nämlich noch total naggich war!

Jo, und der antwortet mir doch glatt. Schreibt mir ein Datum. Okay, Termin notiert, und dann mühseelig mit dem Phone bei Googlemaps einen GPS Punkt markiert und per Whatsapp weitergepostet.

12.8., gegen 11 Uhr. Unter der Brücke der B6N. In der Nähe von Vienenburg.

Ich wurde heute morgen um kurz nach 7 Uhr aus dem Schlaf geweckt. Nicht meine Uhrzeit, ganz und gar nicht. Momentan brauche ich viel Schlaf, mehr noch als sonst. Aber das nur am Rande ...

Ich bereitete den angekündigten Tee vor, packte die Kuchenteilchen in das Rotkäppchenkörble und schaute nach dem Wetter. Grumpf. Regen. Naja, ich hatte eh vor, mit der Dose anzureisen. Das Motorradfahren war mir derzeit zu anstrengend. Außerdem sollte es am Sonntag in einen kurzen Urlaub gehen. Da mußte ich fit sein, und zu dem Arm war noch eine Erkältung dazu gekommen, welche sich ebenfalls seit fast 3 Wochen in mir wohl fühlte.

Um kurz nach 10 Uhr war ich am Treffpunkt. Viel zu früh, aber vielleicht würde Grisi ja früher erscheinen?


Ich checkte das Gebiet. Es war ein wenig mehr Wasser in der Furt. Dann dröhnte ein Motor - der Zettfahrer traf ein.
Er würde der Guide für die Furten in Veckenstedt und Wasserleben sein!

Grisi postete eine Nachricht - Verspätung, da er sich total verfranst hatte.

Wir nutzten die Zeit zum Teetrinken, Furt abchecken und gemütlich chillen. Ein vorbeifahrender selbsternannter Naturwächter meinte, uns ermahnen zu müssen. Wir würden da doch nicht etwa Müll abladen?

Just in die Diskussion platzte die Hippe - und mit ihr Grisi. Er hatte uns gefunden! Sein Navi hatte ihm hartnäckig angewiesen, direkt auf der Brücke ÜBER dem Treffpunkt anzuhalten.

Der Gute. Aber wer sich in Laos zurecht findet, findet auch im wilden Osten das, was er soll.

Und dann ging er mit uns an die Furt, schritt sie ab, schnappte sich die Hippe - und hatte Spaß ;-)

Das Video kann ich leider nicht hochladen, da ich es nicht gekürzt bekomme. Hier ist eine Beschränkung von 100 MB und das Video hat 117. Schade ... :-(


Ich postete das Video dann bei Google+! Titel: "Grisi hat Spaß".


Nach dem ersten Wasser-Spielchen ging es weiter. Eine saftige Endurostrecke für Fortgeschrittene - da viel tiefer Sand zwischendurch - wurde ihm angeboten. Er hinterließ eine Staubwolke, und enterte das Gelände.


Die Hippe traf später schlank und rank und sandig gespielt wieder mitsamt dem Normalitätenverweigerer bei uns ein.

Ein weiteres Schmankerl - Grenz Denkmale. Meine aufmerksamen Leser werden das gleich wiedererkennen:


Mir gefiel mir die Hippe sehr gut. Ich hatte mich draufsetzen dürfen, und ehrlich - mir juckte es in den Fingern. Aber ich war nicht fit, und einen Umfaller ohne Schutzkleidung wollte ich mir einfach nicht geben. Ich bekam Informationen über das Endurofahren, und bewunderte später beim Anfahren der nächsten Ziele die schlanke und wendige Hippe.

Dann ging es weiter, in den Ort Veckenstedt. Die erste Furt dort wurde sogar vom Joghurtbecher bewältigt. Same procedure ... das Video geht hier nicht raus ...

Ich fuhr dann vor, um den Besuch anzukündigen. Wenig später kamen die beiden Wassermänner angerauscht - sie hatten in Wasserleben auch mehrfach durch Wasser spielen können!



Der Reisende kam in den Genuß der Familie, ob er wollte oder nicht ;-).

Nach einem herzhaften Mittagessen mußte Grisi dann aber doch endlich Richtung Hamburg aufbrechen. Das obligatorische Abschiedsfoto:


Hoffentlich seid ihr zwei - also Du und die Hippe - gut angekommen. Trocken wohl eher nicht, wenn man der Wetter-App glauben schenkte. Hier bei uns ist der Regen jetzt wärmer ...

Coole Aktion, das heute - ein Reisender, der Furtenfahrten "sammelt".
Wir konnten ihm jetzt keine spektakulären bieten - aber immerhin gibt es jetzt mehr grüne Fähnchen auf seiner Karte!

Furten-Mann - hab' noch viel Spaß mit Deiner Aktion!

Er hat über seinen Besuch bei uns einen herrlich humoristischen Blog gepostet: KLICK KLICK

Herzlichen Dank dafür! 

Montag, 27. Juni 2016

26. Juni 2016 - Ein schöner langer Ritt zu einem Baum, aus dem Wasser sprudelt

Wasserbaum-Tour

Hintour 131 km - KLICK



Und zurück, 110 km

KLICK


Gleich mal vorneweg: geplant war die Tour nicht!
Ich wollte gegen Mittag mal eine kleine Runde drehen - tanken und dann mich treiben lassen.

Gesagt - getan. Und so ging es los. Die Straßen teilweise noch mit Sturmschäden behaftet.

Kleiner Schaden ... grüne Tannenzapfen und Nadelgeäst

Größerer Schaden - hier lagen vortags ganze Äste auf der Straße. Man sieht noch den abgebrochenen selbigen oben rechts im Bild, wie er sich der Unwetter-Touristin weiß geborsten präsentiert

Die letzten Tage hatte es im Landkreis verstärkte Unwetter gegeben, die all überall ihre Spuren hinterlassen hatten.

Da ich an diesem Tag die Waldgebiete meiden wollte, hoffte ich darauf, dass mir keine Knüppel auf dem Weg die Durchfahrt versperrten.

Ich ritt locker in den Sonntag hinein, nur vereinzelt gestört durch Radrennfahrer und den typischen Sonntagsausflügler, der meist bei Tempo 80 auf dem Gaspedal verharrte. Das scheint ein ehernes Gesetz zu sein. Mercedesfahrer, oder GolfPlus - Insassen meist weiß behaart und auffällig durch das völlige Ignorieren des Schulterblicks.

Ich mußte mehrfach energisch die Hupe drücken, damit sie in ihren Abbiegevorgängen und somit Vorfahrtmißachtungen zurückblieben.

Hätte ich den bösen Blick, wären so einige dieser Verkalkten in Asche aufgeflammt ... 

Ellie wurde in Wolfenbüttel aufgetankt und dann ging es durch diverse Baustellen weiter.


Kurzer Halt zum Vorplanen der Route ...

Ich durchfuhr schöne Waldgebiete - die Sturm-Schäden (geborstene Bäume) am Rand aufgetürmt. Meine normale Hausrundenstrecke lag jetzt weit hinter mir - somit auch der Welpenschutz bzw. der Ost-Bonus. Im Ostbereich ist es Sonntags meist gähnend leer.

Die Motorraddichte nahm mit jedem Kilometer zu. Man grüßte sich. Oder halt auch nicht. Einige schienen auf dem Rückweg von Bikertreffen zu sein. Ihre Zweiräder waren teilweise recht abenteuerlich gepackt!

Das Licht war zum fotografieren wie geschaffen. Und zum Augen-Fotografieren. Ich genoß den Blick in die Weite. 

Eine kleine Pause am Rand gönnte ich mir hinter Posthof. Ein Schluck aus der Wasserflasche und einen Haps vom Müsliriegel.
Ein Rudel Radfahrer - normale, mit Tourenrädern diesmal - bog in den Weg ein, und alle grüßten mich fröhlich.
Das fand ich nett. Sonst ist das Verhältnis zu den Langsamtretern ja eher angespannt.


Pause ohne ...

... und mit Radfahrtruppe


Gerade die Strecke in den kleinen Tälern - als Beispiel die Strecke zwischen Bornum und Lamspringe - tat sich landschaftlich herzerwärmend hervor. Die grünen Hügel stachen klar vor dem blauen Himmel hervor, die kleinen Ortschaften gaben sich völlig verschlafen und somit äußerst zuvorkommend dem gemütlichen Cruiser gegenüber. Wären da nicht die selbsternannten Kurvenkreischer gewesen, hätte man nur die Natur gehört.

Kleine Teile der schmalen Straßen waren frisch belegt. Hier hieß es auf das Fußrastenschleifen zu verzichten. Der Wind nahm an Stärke auch zu. Zeit, die Lüftungsverschlüsse der Lederjacke zuzumachen. Mein Rücken kühlte aus.




Frisch eingestreut, und an den Rändern fingertief - Split


Ich wagte mich immer weiter vor. Diese schöne Gegend hatte mich gepackt, meine Kondition war prima, ich fühlte mich wohl im Sattel und so konnte ich einfach nicht aufhören mit fahren.



In der Gelände-Ansicht könnt ihr die kleinen Höhenzüge gut erkennen ...

Ich hatte diese Strecke teilweise vor zwei Jahren schon einmal bewältigt, konnte mich aber noch sehr gut an meine eingeschränkte Konzentration und Überlastung damals zurückerinnern. Heute nahm ich die Kurven in den Hügeln ohne Nachzudenken. Blick voraus, Kurvenlinie suchen und fahren.
Damals eierte ich von Punkt zu Punkt. Mir fehlte einfach die Er-Fahrung. Es war im Rückblick gesehen wichtig für mich, dieses Update zu erleben. Von anderen zu hören, ich hätte große Fortschritte gemacht, ist zwar auch hilfreich - das ganze dann aber selber zu erleben, das ist das Tüpfelchen.

Ich fuhr durch Winzenburgs Grünhügel, und erlebte hier die Hildesheimer Raudies live. Jaulend und halsbrecherisch in meinen Augen, nahmen sie die Kurven ohne Einblick auf das, was vor ihnen war. Entgegenkommende Wohnmobilfahrer zuckten zusammen, und rissen das Lenkrad derb zur Seite weg. Ihre wütenden Schimpftiraden konnte ich dann gut erkennen. Die erhobenen Mittelfinger galten zwar nicht mir persönlich, aber schade fand ich das doch. Das ICH die zu sehen bekam, nicht die Verursacher ...

Mein Magen meldete sich vorsichtig. Aber der beliebte Treff "Fischerhütte", zwischen Lamspringe und Winzenburg, war mir zu überlaufen. Ein Pulk Motorradfahrer hatte sich gerade eben auf dem Parkplatz zusammengerottet. Die Helme über den Spiegeln, die Jacken lässig auf den Schultern positioniert, Sonnenbrillen auf den Halbglatzen geparkt - so lachten und erzählten sie vor sich hin.
Weitere kamen von hinter mir angebrummt, ließen den Gashahn noch schnell aufschnellen - und mit unnötigem Gebrüll fuhren sie zu ihren Genossen herunter.

Danke - aber nein danke. Da wird sich irgendwo noch eine Gelegenheit ergeben, tröstete ich mich selbst. Später naschte ich einige Streifen Fritt in mich hinein. Kein vollwertiger Ersatz für eine Mahlzeit, aber der Magen knurrte etwas weniger.



Diese Tankstelle auf dem Foto glänzte durch einen Eier-Automaten, links außerhalb des Bildes. Ansonsten ist sie ein Sinnbild für viele Tankmöglichkeiten in der verkehrsreichen Gegend: Tanken, mit Zigaretten aus dem Automaten eindecken - und sonst nix. So wie es früher einmal war. Das Verkaufsgebäude war old fashion. Auch die Kaugummi-Automaten hatten schon bessere Zeiten - und weniger anspruchsvolle Kinder - gesehen. Trotzdem gefielen mir diese Stationen. Ein Eier-Automat - sowas kannte ich nicht.

Ich kam in Freden an, kurzzeitig begleitet von einem Einheimischen. Der rauchte mich aber auf der Überführung auf. Ich war ihm wohl zu korrekt. An die vorgeschriebene Geschwindigkeit halten sich dort recht wenige. Entweder, sie sind besser informiert als ich und wissen, wo die mobilen Blitzer stehen. Oder aber sie haben zuviel Geld. Ich als Ortsunkundige war lieber korrekt, denn unnötig Geld habe ich nicht zur Verfügung.

Schmale kurvige Straßen waren unser Weg. Die Motorraddichte war hier angestiegen - das wunderte mich auch nicht. Schöner Blick linksseitig, Hügel anwärts rechtsseitig. Beim Vorbeifahren wurde ich kurzfristig irritiert. Ein Warnschild ließ mich stutzen: "Achtung Wildkatze". Was es hier nicht alles gibt! Leider ergab sich keine Möglichkeit zum wenden für ein Foto. Ich werde wiederkommen müssen. 

Obwohl ich nur nach Karte fuhr, behielt ich die Orientierung. Offenbar war ich wirklich gut drauf an dem Tag ;-). Ein Stück mußte ich die B3 befahren. Zum Glück nur wenige Meter, dann bog ich in Delligsen ab. Eine weitere sanftkurvige Höhenstraße erwartete mich. Die wunderschönste, wie ich fand! Etliche Motorradbegleiter bogen dann links ab nach Grünenplan, und weiter wohl nach Eschershausen. Richtung Weser und tief ins Weserbergland. Nun, viel Glück ihnen auf der Tour. Es war Sonntag, wunderbares Wetter - und somit das gleiche wie bei mir zuhause: die bekannten Kurvenrouten total überlaufen.
Not my cup of tea, dear ... Mal schauen. Im August. Wenn ich Urlaub habe. Dann könnte man das mal versuchen. Unter der Woche! 
Im kleinen Örtchen Thüste sah ich aus den Augenwinkeln ein wirklich schönes Pausenplätzchen. Voilá - rauf auf den gepflasterten Platz.








Im Lavendelgebüsch summselte und brumselte und flatterte es - eine wahre Augenfreude. Und die Nase bekam auch etwas: der Lavendel in der prallen Sonne duftete wie ein Douglas-Shop ...


Auf der Dorfstraße brausten von Zeit zu Zeit Pulks von Weserbergland-Touristen vorbei. Auch schien es irgendwo einen Oldtimer-Tag zu geben: einige wunderschöne Cabriolets von ganz ganz alten Mercedes-Modellen tuckerten durch den Ort.

Eine unerklärliche Unruhe hatte mich gepackt. Ich mußte da vehement gegenan steuern. Pausen sind NÖTIG und ERLAUBT, mahnte ich mich selber.
Vor langer Zeit pausierte ich an jedem Maulwurfshügel - jetzt mußte ich mich zum Anhalten zwingen. Wie sich das Verhalten ändert, wenn man längerfristig dabei ist ...

Trotzdem wurde es Zeit, und ich fuhr einige Kilometer weiter. Fast hätte ich die Ortsabfahrt verpaßt. Ich steppte die Gänge zusammen, und bog ziemlich eierig ab. Zu schnell angefahren, grumpf ...

Der Weg hoch war sehr schwammig vom Untergrund her. Ein Tribut an das Unwetter - auch hier hatte es tiefe Gräben hinterlassen!

Dann war ich am Tourziel, von welchem ich bei Beginn noch gar nichts wußte.


Ganz klein? Nein! Nur schlechte Perspektive!



Da ist er - in voller Schönheit




Hier war ich in meiner Anfängerzeit schon einmal gewesen. Meine erste lange Tour damals, und wie stolz war ich da gewesen. Schmunzelnd erinnerte ich mich an meine Euphorie damals.

Der Rastplatz am Baum war total überfüllt, und ständig kamen weitere Autos voll mit kleinen Kindern in Gummianzügen angefahren. Der Wasserbaum ist ein beliebter Treff für Familien mit kleinen Kindern, die im Wasser panschen und toben.

Ich beruhigte meinen Magen mit weiterem Junkfood, und rief bei meiner Freundin an. Sie war auf der Weide und bis dahin hätte ich nur wenige Kilometer zu fahren gehabt. Mein Besuch war willkommen, sie beschrieb mir den Weg und ich machte mich wieder auf die Straße.

In Salzhemmendorf sichtete ich eine Aral, und entschloß mich zu einem Imbiß. Kurz gesagt: es gab ein Stück Pizza und einen sagenhaft leckeren Automaten-Cappucino. Cappucino Spezial - mit einem Anteil Schokopulver drin.
Meine Lebensgeister kehrten zurück. Hier erfuhr ich auch, dass Deutschland heute spielt. Das gefiel mir ausnehmend gut, denn der Rückweg würde somit ab 18 Uhr fast komplett frei von anderen Fahrern sein!

Ich fragte zwei Anwohnerinnen in dem nächsten Dörflein nach dem Weg zur Weide. Die eine war ganz freundlich, während ihr Hund bei der Wegbeschreibung die ganze Zeit kläffend seinen Unmut kund tat, wie es nur verwöhnte Haushunde können.

Dann tuckerte ich den für Unbefugte gesperrten Weg hoch bis zum Weideneingang. Nun, ich hatte ja ein Anliegen - den Besuch. Und fühlte mich somit nicht unbefugt.


Herrliches Fleckchen, wo die Pferde stehen durften ...

Die Wiesenarbeit war erledigt, und wir hockten für eine halbe Stunde zusammen und schwätzten. Dann winkte ihre Familie zuhause, und meine Freundin fuhr zurück. Ich wollte folgen, hatte aber noch einen Disput mit einer Anwohnerin. Das Hausmeister-Gen kam hier voll durch. Mein Angebot, das sie meine Freundin anrufen könne - mit meinem Handy - und sich von meiner lauteren Absicht überzeugen könne, ließ sie nicht gelten. Nein, sie war auf Krawall gebürstet und ließ mich ihren Hass auf Touristen und Motorradfahrer im besonderen voll spüren.
Ihr Gesicht wurde ziemlich hässlich während ihrer Schimpftirade.

Diese Situation, die meinen ansich schönen Tag verdunkelte, begleitete mich noch lange Kilometer.

Die  Rückfahrt über die B1 war fast schon gespenstisch. Die Dörfer leer, kein Mucks zu hören. Die Straßen bis auf wenige Autos ebenfalls einsam. Hildesheim fast ohne Menschen - so etwas erlebt man äußerst selten!

Kurz vor zuhause hatte ich die Nase voll von der öden Bundesstraßenfahrt und dem Kilometerfressen. Ich bog rechts ab, durchfuhr Lengede, kratzte am Stadtrand von Salzgitter, und es ging ein Stück Autobahn entlang. Eine Auf- und Abfahrt durch, und dann über Nebenrouten durch Wolfenbüttel und ein Stück die Hausroute.

Um 20.30 Uhr kam ich zuhause an.
Der ersehnte Schlaf stellte sich schwer ein - zuviel Adrenalin war noch im Blut.


Fazit:

Mal eben fast 250 Kilometer gerissen. Das wunderschöne Weserbergland gestreift. Kleine Ortschaften neu entdeckt.
Wenn Deutschland Fußball spielt, sind selbst die Hauptverkehrsadern ein Traum ;-)