Ich bin eine Frau, entdeckerfreudig von Geburt an, und ich liebe es, abseits der normalen Wege unterwegs zu sein. Somit war dieser Weg genau das richtige für mich. Außerdem kannte ich den noch nicht. Zwei Räder konnte ich vorweisen. Das bisschen Motor dazwischen zählte kaum.
Legal hin oder her - ich bog da hinein.
An dem Tag war es wirklich ziemlich heiß. Schnell fahren zum Abkühlen ging auf dem Weg aber nicht ...
Hier fährt man besser gemütlich ...
Irgendwann hielt ich im Schatten, plünnte mich aus - und fuhr dann später ohne Helm weiter. Da ich mich im Tuckermodus bewegte, taten nicht einmal die Fliegen weh, die mir ins Gesicht klatschten. Es war mehr wie ein sanftes Streicheln, wenn sie an meinen Brillengläsern zerplatzten.
Dieser Weg ging am Wassergraben entlang, und es kam zu einer niedlichen hüpfenden Begegnung.
Weit und breit war ganz viel Gegend. Und Ruhe. Und Hitze. Und Tiere ...
Der Wind stand günstig - ich kam ganz nah heran und stand lange dort, Motor ausgeschaltet - und freute mich über die beiden Bambis ...
Ellie macht ja erfreulich wenig Geräusche, und somit störten wir dort kaum.
Wir tuckerten Stück für Stück weiter. Am Horizont erschien etwas hellblaues. Das mußte untersucht werden! Ich fuhr so dicht heran, wie ich verantworten konnte. In einiger Entfernung waberten Staubwolken hoch: ein Landwirt pflügte seine Krume. Der wird in dieser Geschichte später noch eine Rolle spielen ...
Wir parken auf der "Deichkrone" ...
Zu Fuß war das Sperrwerk vom Großen Graben ziemlich weit entfernt vom Motorrad ... heiß und ohne Schatten, dazu die schwarzen Motorradsachen ... ihr kennt das ja. Normalerweise wären es wenige hundert Meter. So fühlte es sich aber wesentlich länger an!
Dort unten links sah ich etwas, was da so nicht hingehört. Dichter dran:
Ein Grenzgänger. Ziemlich hochnäsig meckerte das Tier mich an. Weit und breit sah ich aber keine Herde. Somit schien dieses Wesen ausgebüxt zu sein. Den Kötteln nach zu urteilen, lümmelte die Ziege dort schon länger herum.
Der Große Graben. Dort hinten ganz klein: Ellie. Und drumherum: Naturschutzgebiet ...
Ich überlegte, was mit der Ziege passieren könnte. Abstürzen und ersaufen? Können Ziegen schwimmen? War sie schlau und würde dann von allein zurück nach Hause finden? Wohl kaum.
Ich würde in das nächste Dorf fahren, und schauen, ob ich da einen Einwohner fände - und den fragen, ob jemand eine Ziege vermißt.
Vielleicht gibt es dort ja eine ostdeutsche Heidi oder einen Ziegenpeter, der jetzt ganz traurig ist über den Verlust.
Entschlossen und schweißbedeckt stapfte ich zurück zu Ellie, schwang mich in den Sattel, setzte seufzend den Helm wieder auf, lenkte das treue Gefährt den Deich herunter, durch die spärliche Erdkrume, an den abgekippten Seitenstreifen vorbei in Richtung Dorf.
Dieses Dorf hatte noch eine echte Dorfstraße von vor der Wende. So richtig mit faustgroßen Feldsteinen belegt. Nachdem ich den Grenzweg bezwungen hatte, fuhr ich ebenso gemächlich und umsichtig über dieses Gehöcker. Jungejunge, Gehöckerstraßen können die da ...
Irgendwann hörte ich eine Landmaschine, und richtig: aus einem Feldweg, begleitet von einer gigantischen Staubwolke, tauchte der Landwirt auf, den ich vorhin gesichtet hatte. Ich parkte Ellie und winkte ihm wie doof entgegen.
Quietschend und ratternd hielt das Gefährt. Ich renkte meinen Hals in die Höhe: die Räder waren 2x so hoch wie ich (1,67m Körperhöhe sind wirklich nicht gigantisch ...). Der Mann steckte seinen Kopf aus dem Fenster. "Na Mädelchen - watt gibbs denn?" war sein brummiger, aber freundlicher Kommentar zu meiner Aktion.
Während Ellie mit knisterndem Motor am Straßenrand stand, legte sich die Staubwolke auf uns alle. Innerlich aufstöhnend zählte ein abgekoppelter Teil meines Denkens die Minuten, die nötig waren, um Ellie davon zu säubern ... ungefähr 40 Minuten würde ich benötigen ...
Ich erzählte meine Geschichte von der Ziege, und der Mann wußte tatsächlich, zu wem das störrische Vieh gehören könnte. Er bedankte sich, versprach, dem Nachbarn Bescheid zu geben und startete sein Ungetüm wieder.
Okay, weitere 40 Minuten PLUS einer Lungenspülung *hust keuch röchel* ... Das Land war wirklich ausgetrocknet. So wie meine Kehle jetzt. Ich setzte meine Wasserflasche an und schüttete den Inhalt in einem Zug hinunter. Auf eine Staubwolke mehr kam es jetzt nicht mehr an!
Über normal asphaltierte Straßen ging es zurück nach Hause. Bei der Hitze ist der Besuch des Freibades nach einer Tour genau das richtige. Wasser überall! Während die Grillen einen Krach machten, der mich an den Urlaub in Sardinien erinnerte, dümpelte ich im kühlen Nass vor mich hin und erfreute ich an dem hellen Blau des Wassers - natürlich nur ein Wiederschein vom hellblau gestrichenen Beckenboden ...
Fazit:
Sommer im September. Ein Weg, der Spaß macht, auch wenn er nur der Landwirtschaft vorbehalten ist. Ellie ist leiser, sauberer und somit hatte ich null Schuldgefühle!
Du schilderst das Alleinfahren ganz prima und hast wieder gute Bilder mitgebracht. Nun ist erstmal Winterschlaf. Seufz...
AntwortenLöschenAch Mensch, so was schönes. Jetzt, wo es die Tage grad das erste Mal etwas kälter ist, da wärmen einen die Gedanken an schön warme Sommertage.
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