Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 26. Oktober 2015

24.-25.10.2015 - Felsiges, und was für die Augen; und ein wenig The Fog-Gegrusel!

24.10.2015

Am Samstag kam mir die Idee, mal wieder den Regenstein zu besuchen. Burg & Festung Regenstein bei Blankenburg, um genauer zu sein.

Die Aussicht von da oben auf die Herbstfarben im Land würde sicherlich traumhaft sein.


 Schnell war die Hausarbeit erledigt, und der Zettfahrer per WhatsApp aktiviert.

Ich fuhr zunächst über die Dörfer in Richtung Vorharz. Immer schön auf die Straßen acht geben ...


In Wasserleben gab es Kaffee und etwas Stärkung, dann ging die Fahrt schnöde über die B6n nach Blankenburg.

Die Anfahrt zur Festung war zwar für Motorisierte verboten, aber wir tuckerten trotzdem den steilen Anstieg hinauf. Kurz vor dem Eingang gab es eine ungefestigte Parkfläche. Nachdem der Mann im Kassenhäuschen energisch abwinkte, und wir doch nicht oben am Haus parken durften, ließen wir uns rückwärts die Straße runterrollen bis zur Bucht, stellten uns nach einigem Hin und Her unter den Bäumen auf und verschnauften erstmal.
Burgen und Festungen in Motorradsachen zu erobern, für mich ein Unding. Wie die Ritter das damals mit steifen Metallrüstungen geschafft hatten, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich hätte ohne Protest aufgegeben.
Ich packte die schwere Jacke hinten auf den Gepäckträger, spannte die Gummistrapse durch den Helm und über die Klamotte und hoffte darauf, dass die Sachen später noch da sein würden.
Der Zettfahrer stapfte mitsamt dem schweren Lederzeug den Weg nach oben. Ich war schon nach wenigen Metern aus der Puste, und bewunderte ihn nach Kräften. Mein Held, mein Ritter! Als er mir die Umhängetasche abnahm, kannte meine Dankbarkeit keine Grenzen ;-).

Das Wetter war ein Traum. Die Idee, hier hoch zukommen, war kräftezehrend, aber absolut lohnend.

Das dachten sich nun aber hunderte anderer Besucher auch. Wenn ihr also auf den folgenden Bildern so gut wie keine Menschen seht, dann nicht, weil niemand da war. Sondern, weil ich schon drauf geachtet hatte, dass niemand drauf zu sehen ist!

Und nun genug gelabert - ich lasse mal die Fotos sprechen!















































Dieses Rotschwänzchen saß ganz weit weg auf einem Felsen - die Fotos sind sehr rauschig, aber bei soviel Teleobjektiv leidet halt die Qualität ... trotzdem war ich happy, dass dieser kleine Federkerl sich nicht von mir stören ließ!
Gefertigt mit meiner kleinen Pocketcamera Canon PowerShot SX130S; 12fach optischer Zoom






Dieser Ausflug war wirklich eine sehr gute Idee gewesen.

Gegen 16 Uhr ging die Sonne weg, es wurde kühler und dunstig. Zeit, nach Hause zu fahren. Ich schwang mich auf Ellie und tuckerte ein Stück über die B6n Richtung Heimat. Dann ging es über Vienenburg und die Dörfer, ein Stück durch die Asse und zurück zur Garage. Am Abend war Knoblauchparty in Magdeburg bei unseren Freunden, und obwohl ich müde war vom Kraxeln und der Autobahnfahrt, hielt ich noch lange durch.
Gegen 2.30 Uhr war ich im Bett. Zum Glück wurde die Uhr ja zurückgestellt, und somit gab es doch noch genug Schlaf für mich!


25.10.2015

Extremcouching. Wie lange hatte ich DAS nicht gemacht. Der Zettfahrer schnarchte leise neben mir, während ich mir im Fernsehen einen interessanten Bericht über ehemalige Urgesteine deutscher Politik ansah.

Am Nachmittag knurrten unsere Mägen, das Frühstück war schon durch und so ging es zu Cadera in Cremlingen.
Und weil es sich grad anbot, wurden noch drei Cachingpunkte gehoben. Erinnert ihr euch noch an den Film "The Fog"?

Ein klein wenig gruselig war diese abendliche Cachingtour schon ;-)!









Fazit:

Kurz und knapp geschrieben: Klasse Wochenende!

Donnerstag, 22. Oktober 2015

21.10.2015 - Und es geht weiter im Herbst ...

Endlich war mal die Gelegenheit zu einer Feierabendrunde. Die Möglichkeiten reduzieren sich "kurz außerhalb der Weichei-Saison" ja wegen der früh einsetzenden Dunkelheit und sehr instabilem Wetter.

Gegen halb fünf plünnte ich mich bei angenehmen 13 Grad Außentemperaturen und sonnigen Abschnitten ausreichend dick an. Eine kurze Runde sollte wohl drin sein. Ellie stand jetzt zwei Wochen am Stück, ob sie wohl noch mitmachte?
Ein Zug am Choke, ein Drücker auf den Starter - sie sprang sofort an und schnurrte hochtourig vor sich hin. Ich ließ sie ein wenig warm laufen, und regelte dann wieder zurück. Ihr Motor lief wie eine Nähmaschine, leise, beruhigend, gemütlich.

Schon die ersten Kilometer auf der Straße merkte ich, wie mir das gefehlt hatte die letzten Tage. Ich sog wie ein Anfänger alle Eindrücke auf!

Eine vorwitzige Fliege meinte, mein linkes Auge attackieren zu müssen. Argl, das tat weh! Ich hatte das Visier ein Stück offen gelassen, weil meine Atemluft die Brillengläser beschlagen ließ. Das ist im Herbst bzw. Winter beim Fahren lästig: ganz zumachen geht nicht, weil die Atemluft mit der kalten Luft am Visier kämpft. Egal, ob mit Pinlock oder ohne.
Mein Auge tränte, und das Wasser lief mir in die Sturmhaube. Ein kurzer Stopp am Straßenrand, ein Reiben mit dem behandschuhten Finger - die Fliegenleiche wurde hinausgeschwemmt.
In dem Zuge rupfte ich gleich noch eine große Menge an Grünzeug für die Schweinsbande zuhause ab. Die würden sich freuen. Gras kurz vor dem Winter, da sind sie ganz verrückt drauf.

Die Straßen waren trocken, aber in den Kurven lagen oftmals angewehte Blätterhaufen. Vorsicht war geboten, denn die untersten Blätter sind feucht und glitschig.
Außerdem waren die Bauern wie wild dabei, ihre Felder für den Winter vorzubereiten. Resultat: abseits der vielbefahrenen Bundesstraßen war der Straßenbelag ziemlich verschmutzt. Vor allem die Rübentransporte hinterlassen eine unglaubliche Sauerei. Die lehmhaltige Erde ist ein Teufelszeug. Mehr als einmal rutschte mir das Hinterrad einen winzigen Augenblick weg. Und ich war nicht schnell unterwegs, beileibe nicht ...



Auch in den Dörfern war ich in schlecht einsehbaren Kurven übervorsichtig. Zu recht. Mehrfach tuckerte ein Trecker mit Anhänger im Schneckentempo aus der Hofeinfahrt. Fontalzusammenstöße hätte ich ebenfalls mehrfach haben können. Hier half mir meine Erfahrung und die Tatsache, dass ich meine Hausrunde sehr gut kenne und weiß, wo die Pappenheimer ackern!

Als ich um die Asse herumgefahren war, wollte ich eigentlich umkehren. Aber zu schön war die Stimmung - also ging es weiter.


Und da ist es wieder, das seelige Grinsen im Gesicht ...

Feldweg-Begegnungen ...

Im Hintergrund links zu sehen: Schladen, Zuckerfabrik;
die "Rauchwolke" entsteht bei der Zuckerproduktion, es duftet verführerisch nach gebrannten Erdnüssen ... fast wie auf dem Weihnachtsmarkt!






Kein Fahrweg für glatte Ellie-Reifen
Abseits der Asphaltbucht, ein Paradies für Enduros?
 

Ich bog dann in Seinstedt ab - es ging auf 18 Uhr zu und so langsam verschwand die Sonne. Es wurde kälter und das Tageslicht zog sich zurück.


Hier war ich schon oft dran vorbeigefahren, diesmal gab es einen Fotostopp:
altes Feuerwehrhaus in Seinstedt; rechts hinter mir stand das neue Gebäude mit blitzblanken Fenstern und einem ansehnlichen Fuhrpark

Als ich das Feuerwehrhaus fotografierte, stellte sich ein UP! (Winzlingsausgabe von Skoda) direkt vor die Ausfahrt - der örtliche Hauspflegedienst. Es gab meterweit genug Parkmöglichkeiten, aber die beiden recht stabil gebauten Damen parkten genau da.

Ich rangierte Ellie gekonnt vor und zurück - über den Gehweg fahren wollte ich heute nicht, zumal der in einem schlammigen Trampelpfad endete. 

Irgendwie kam mir der Comic mit den Frauenparkplätzen in den Sinn ...



Gemächlich fuhr ich weiter über die kleinen Straßen, vorbei an Feldern mit hellgelbgrünen Pflänzchen. Stickstoffanreicherung?  
Ansonsten herrschte das eintönige schwarzbraun der frisch gepflügten Erde vor. Die Ahornbäume am Straßenrand glänzten mit knallgelben Blättern, und die heruntergefallenen wirbelte ich beim Durchfahren auf. In den Vorgärten gaben Herbstastern und Dahlien in verschiedenen Lilatönen Farbtupfer für das Auge.

Die ganze Natur kam zur Ruhe. Der Frühling mit seinen knalligen Farben war durch, der Sommer mit dem Überangebot von Grün und dem lange andauernden Tageslicht - alles Geschichte jetzt.
Der Herbst war da - mit Nebel, mit welkem Laub auf den Straßen, mit früher Dunkelheit. Das war jetzt nichts mehr für die Rennstreckler.
Ich begegnete einem anderen Motorradfahrer. Sonst war außer mir keiner um die Uhrzeit unterwegs. Der Zettfahrer meinte ja, jetzt im November käme endlich seine Saison. Nämlich die, wo die Echten unterwegs sind. Jetzt ist das Schauposen vorbei. Jetzt fahren die, die fahren müssen (weil sie kein Auto haben), oder die, denen es nicht darauf ankommt, gesehen zu werden.
Und die Rollerfahrer - ja, die sind dann auch unterwegs.

Okay, ich gebe zu, auch ich fahre gerne bei Temperaturen, die höher sind als 10 Grad. Darunter spielt meine Gesundheit leider nicht mehr so mit, wie ich das gerne hätte. Kalte Luft einatmen, ich brachte das Thema bereits.
Aber es wird auch im November noch schöne, sonnige Stunden geben. Und die werde ich nutzen können.
Stichkennzeichen? Ich würde pro Monat 10 Euro sparen. Das ist mir die Sache nicht wert. Im Gegenteil! Auch wenn es unkomfortabler ist als in der Saison der anderen, auch wenn viele Autofahrer nicht mit einem rechnen (Scherz ... selbst IN der Saison rechnen viele nicht mit, also ab dafür mit diesem Argument) ... nein, egal, ich werde fahren, solange ich es verantworten kann. Das ist für mich das beste Mittel, um die Stimmung zu heben.

Diese und andere Gedanken kamen mir in den Sinn, während ich meine Route abfuhr.

Ich hatte keine Lust auf die stark befahrene Straße nach Wolfenbüttel und bog in einen kleinen Nebenweg ab. Die Straße war ebenfalls stark mit Erde verschmiert und außerdem extrem gepudert mit Strohspelzen. Den Übeltäter sah ich dann, kurz bevor ich am Ende der Straße links abbiegen wollte. Ein Strohballenanhänger, ziemlich hoch beladen.


Keiner weiter da ...


Ich fuhr über Groß Biewende, genoß die Abendruhe in dem Dörflein, und ein Stück ging es die B79 nach Groß Denkte weiter, bog dann ab und fuhr um die Asse herum Richtung Mönchevalberg. 
Die langgezogene Kurve an der Asse konnte ich diesmal ohne Drängler hinter mir in aller Ruhe anfahren und somit meine Technik überprüfen und korrigieren.

Ich bog später links ab, kreuzte einige Fallobstbirnen und versuchte, die Dreckklumpen zu meiden.

In Dettum wurden wir aufgehalten. Das rote Signallicht ging an, es bimmelte hektisch und ununterbrochen. Dann gingen die Halbschranken herunter.
Da gibt es Schienen, aber bislang hatte ich dort noch nie etwas Fahrendes gesichtet.

Eine Premiere!

 Der Regionalzug - ganze drei Leutchen stiegen aus

Diese Regionalzüge - meistens mit zwei Abteil-Wagen - haben etwas uriges. Sie fahren nicht so irre wie der ICE-Lindwurm, sie erfüllen die Versorgung der Dörfer und ich hoffe, dass sie noch lange so weitermachen.
Gewinn bringen sie sicherlich nicht viel ein, für das gefräßige Monster Deutsche Bundesbahn. Insofern ... genießen, so lange es diese kleinen Züglein noch gibt.

In den Dörfern wurde meine Fahrt bei zunehmender Dunkelheit von etlichen Klein-Abendseglern - eine kleine Fledermausart - begleitet. Die winzigen Kerlchen sehen für Ungeübte aus wie Schwalben. Ihr Flug ist aber anders, sie flattern mehr. Sieht etwas taumelig aus, aber sie sind hervorragende Flugkünstler.

Ich mag Abendsegler. In Dänemark hatten wir Kinder die immer verjuxt: wir warfen in der Dunkelheit Kieselsteine nach oben und freuten uns wie verrückt, wenn die Flattermänner auf die Steine zustießen. Sie meinten, Insekten geortet zu haben.

Hinter Dettum wollte ich eine Abkürzung nehmen, die ich neulich Abend mit dem Zettfahrer getuckert bin. Keine gute Idee. Mehrere raufgeschwemmte Lehmbatzen auf dem Weg ließen Ellies Hinterrad durchdrehen. Uff - für Enduro bestens, für Ellie nicht gut geeignet. Keine meiner besten Ideen. Ich scheuchte noch einen pinkelnden Radfahrer auf, der bei meinem Herannahen seinen Hund schnappte und sich wieder auf den Weg begab. Aha - daher kam also die tiefe Spur, die ich vorhin im Lehmmatsch gesehen hatte!

Zeit für eine kurze Pause - da ich mich illegal auf dem Weg aufhielt, mußte er ja nun nicht unbedingt mein Kennzeichen aufschreiben.
Erst als er am Horizont verschwunden war, tuckerte ich wieder los - die Dreckklumpen flogen vom Hinterrad ab und zierten später meine Kehrseite.
Ich Schlaufuchs, ich - frisch geputzt, gleich wieder eingesaut ...
Gegen halb sieben kamen wir vor der Garage an. Der Zettfahrer war kurz vorher da gewesen und hatte Alimente in Form von Roter Beete und Gartenkräutern für seine beiden Kinder dagelassen.


Fazit:
Es war herrlich gewesen. Eine kleine, gemütliche und unspektakuläre Feierabendrunde. Genau, wie ich es gebraucht hatte! Es lebe die Rückbesinnung auf das genaue Hinschauen, auf das Neu-Erleben des Altvertrauten!
Samstag soll noch einmal Klassewetter werden, da bin ich auf jeden Fall noch einmal unterwegs.
Ich bin ja jetzt sensibilisiert - auf die verdreckten Straßen, auf das Herbstfahren allgemein.

Nur noch wenige Möglichkeiten, fahren zu können - nach Feierabend wird das Zeitfenster immer enger, gerade jetzt, wo am Wochenende die Uhr zurückstellt wird. Aber das wird mich nicht aufhalten - höchstens etwas ausbremsen ;-)


Und abends dann bei den Fellnasen ... vollstopfen angesagt!


Schweins im Glück

Montag, 12. Oktober 2015

9.-11.10.2015 - Es herbstelt ... Frieren, Shoppen, Chillen und eine Herbsttour mit Michelinfeeling



Der Herbst wurde in der Nacht eisig. Irgend so ein Tief aus Russland (woher auch sonst!) zog zu uns herüber. Die Temperaturen fielen weit unter Null, und es wurde Zeit, sich umzustellen. Winterschuhe für die Orange mußten drauf, die Thermokleidung für mich sollte gefunden werden, und die Lenkerstulpen an Ellies Griffen würden jetzt wirklich Sinn haben.

Freitag abend ging es erst einmal zu den City Rats nach Magdeburg. Weit weit nach Mitternacht kamen wir wieder zuhause an. 

Schlafen bis neun Uhr mußte ausreichen, wir wollten die Orange mit Winterreifen versehen und ich wollte auch noch shoppen. Eine längere Winterjacke und neue Jeans ... 

Die Zett war schon eingemottet. Salz und Winterdreck sollten ihr nicht zusetzen. Aber Jott-Be, die Joghurtbecher-Kawa, war noch fahrbereit. Also würden Touren mit dem Zettfahrer trotzdem noch möglich sein für Ellie und mich!

Orange wurde gut versorgt, Bremsscheiben und Stoßdämpfer noch okay, und beim Einkaufen fand ich sowohl Jacke als auch Hosen. Wobei ich mich frage, wer die modischen Damenjeans wirklich kaufen kann. Ich holte mir nämlich zwei Hosen in der Herrenabteilung. Die waren a) am Bein weit genug und b) in der Taille anständig geschnitten.
Das Projekt Thermojeans ist allerdings gescheitert - dazu bin ich offensichtlich nicht dünn und klein genug. Jemand mit 45 Kilo und um die 1,56 Meter dürfte dort aber gut fündig werden ...

Das Herbstwetter wartete mit strahlend blauem Himmel und herrlichem Sonnenschein auf naive Zeitgenossen. Wo die Sonne nämlich nicht hinkam, wehte ein eisiger Wind, der einem die Nasenspitze blau werden ließ. Trotzdem waren einige Mutige in Lederkombi unterwegs und bretterten zum Harz hoch.
Sollte es am Sonntag noch einmal so schön werden, würde ich mich mit Ellie aber auch raustrauen! Ich hatte zwar immer noch "Rücken", hoffte aber darauf, dass der Thermo-Nierengurt bis dahin gute Heilarbeit leisten würde.

Der Zettfahrer und ich fuhren heute also nicht Motorrad, und gingen stattdessen erst einmal cachen ...









Der Sonntag begann mit Karacho. Unsere Haus-Eingangstür verzieht in der neu herrschenden Kälte ihre Türzargen, und der Pflegedienst der Nachbarin versuchte morgens um halb acht, die Tür zuzubekommen.
Auch nach dreimaligem Paukenschlag kapierte die Dame nicht, dass die Tür so nicht zu geht. Manche Frauen sind wirklich dermaßen dämlich unpraktisch veranlagt ...

Ziemlich angesäuert ging ich barfuß nach unten, drückte den herausgezogenen Schnapper wieder an Ort und Stelle, und schloß die Tür.
Eiseskälte zog unter mein Sleepshirt. Na toll, der blöde Winter aus Russland hatte also auch hier seine Fühler reingesteckt. Heimtückisches Wetter, mistiges.

Sonntag mußte der Zettfahrer leider arbeiten, und konnte somit das Wetter und seine mies gelaunte Freundin am frühen Morgen nicht genießen. Er schwang schon froh gelaunt die Grillkohle, während ich zuhause noch mißmutig meine Motivation suchte ...

Nachdem ich sowieso schon so früh wach geworfen wurde, blieb ich gleich aus dem Bett. 
Hauswoche wurde schnell erledigt, ein Stück weit die Wohnung aufgeräumt, die vierbeinige Familie wurde ebenfalls versorgt.

Der Himmel strahlte blau und verlockend, aber im Schatten waren die Autoscheiben noch weiß gefroren. Das Thermometer zeigte im Schatten drei Grad an.

Gegen Mittag war es aber gut über fünf Grad gekommen, und ich suchte meine Thermokleidung heraus. Eine kleine Runde Motorrad fahren müßte doch zu machen sein!

Eine neue Errungenschaft: ein Unterzieh-Teil aus reiner Wolle, welches sich im Laufe des Tages als fantastischer Kauf herausstellte. 
Ein irrer Preis für dieses Markenteil, und dann steht im Label "Made in China". Wir wissen ja alle, wie billig der Einkäufer dabei weg kommt, und wie der Laden dann Profit daraus schlägt ... aber dieses Unterteil ist warm, absolut nicht kratzig trotzdem es 100% Merinowolle ist, und es sieht auch noch gut aus.



Darüber kam das Shirt von Thermoboy. Darüber dann eine Soft-Shell-Weste. Mein Windbreaker-Vanucci-Shirt ist noch bei der Schneiderin. Ein neuer Reißverschluß muß eingenäht werden.

Jetzt kamen die langen Strümpfe von Falke, und darüber die Thermohose. Ich kam mir ziemlich eingestopft vor. Preßwurst-Gefühl!

Die neue Motorradhose in Größe L paßte prima über die lange Unterhose von Thermoboy, und sie war auch nicht zu eng an den Beinen.

Trotzdem ... Uff - ich hasse dieses Michelingefühl, was ich jetzt hatte!

Der Thermo-Nierengurt von POLO - Thermoboy - saß prima und wärmte wirklich gut. Es muß nicht immer Reusch sein ... den hatte ich auch noch, allerdings war der jetzt mit dem Winterzeug in der Hose einfach zu eng um den Bauch herum. Ein neuer mußte her, und Thermoboy bot eine kostengünstige Alternative in Größe L.

Nun noch die Sturmhaube über den Kopf, den Helm korrekt aufsetzen und die Sturmhaube zurecht ziehen, damit nichts drückt.

Nassgeschwitzt schwang ich mich auf Ellie und stopfte die Hände in die Windstulpen.

Fünf Kilo Zeug machen einen nicht wirklich glücklich. Vielleicht hätte ich doch den Thermokombi ... ???

Zur Sicherheit hatte ich trotzdem noch einen dünneren Fleecepulli mitgenommen. Ob der noch unter die Jacke passen würde? Egal - mitnehmen - auch wenn man ihn vielleicht nicht benötigt.

Der Wind war wirklich eisig. Die Sonne wärmte prima, aber die Luft war schneidend. Zugluft am Kopf ist Gift für meine Stirnhöhlengesundheit! Ich hielt am Straßenrand an und zog die Haube bis über die Nasenwurzel hinunter.

Ich war froh über diese Sturmhaube! Beim nächsten Stopp irgendwo am Harzrand würde ich auch den Fleecepulli anziehen. Der Wind ging durch und durch.

Gemütlich fuhr ich die ersten Kilometer über die Dörfer. Keine große Schräglage, erstmal die Reifen anständig warm fahren. Es waren so einige Sonntagsfahrer unterwegs, und die Dosen waren allesamt nicht in der Lage, ihre Fahrspur zu halten. Eine Unsitte, die mir heute besonders auffiel. Sämtliche Fahrer schnitten die Kurven.

Ich bog von der stark befahrenen B1 ab über die kleinen Dörfer. Die Bäume waren stellenweise schon kahl. Kastanien und Eicheln zierten die Straßen, und einmal traf mich eine Kastanie am Arm. AUTSCH! Das hatte weh getan!

Der eisige Wind trieb die welken Blätter vor sich her. Wenn ich so einen Wirbel durchfuhr, stoben sie in alle Richtungen davon. Die Straßen waren teilweise arg versifft. Die Rübentransporte hatten die fette Erde über den Asphalt verteilt. Ich blieb locker, verzichtete auf die Schräglage und spielte auf Nummer Sicher.


Die monochromen Farben vom Land waren eine Wohltat für die Augen: fette schwarze Erde, und darin oftmals noch die graubraunen Stoppeln von abgeerntetem Mais. Sinnbild vom Ende der Saison, vom herannahenden Winter.

Die Essigbäume in den Dorfvorgärten mit ihren tiefrot gefrorenen Blättern wirkten, als ob sie brennen würden!

Über all dem der blaue Himmel. Ich fiel richtig auf mit meiner roten Maschine!

In Seinstedt hielt ich an. Etwas Windschatten gab es dort. Ich plünnte mich aus der Jacke, und holte aus der Satteltasche den dünnen Fleecepulli. Den Helm abzusetzen hatte ich absolut keine Lust, und so versuchte ich, den Pullover über den Kopf zu kriegen. Nach einigem Ächzen gab der Stoff nach und ich hatte eine weitere wärmende Hülle angezogen. Am Hals wurde es nun eng, also mußte der Reißverschluß vom Pulli offen bleiben. Dank des Thermokragens zog aber keine kalte Luft auf die Bronchien.

Die Jacke wieder angezuppelt, seufzte ich in den Helm. Ach Sommer, wie herrlich warst du doch. So mit wenig Zeug unter der Jacke. Besserem Körpergefühl. Das Anziehen ging so fix!
Naja, aber der Herbst ist auch okay, keine Fliegen unterwegs ...

Trotz Michelingefühl war ich froh über jedes Stück Stoff am Körper. Gefühlte -3 Grad beim Fahren! Ich sah dann auch nur vier andere Motorrad-Veteranen. Allzu oft würde ich solche Fahrten nicht machen können. Meine Bronchien hassen Fahrkälte. Diese Eisesluft einzuatmen hatte mir in den letzten Wintern zu oft sehr hartnäckige Erkältungen beschert, so dass ich mich trotz Motorradvirus diesen Winter wirklich zur Vernunft zwingen muß. Lungenentzündung muß nicht sein ...

Am Straßenrand bei Abbenrode hielt ich erneut. Ich organisierte mir einige Fallobst-Äpfel.




Stapelburg - herrliches Fotolicht ...


Es ging auf 15 Uhr zu. Pausenzeit! Ich überlegte, wo ich einen heißen Kaffee herbekommen könnte. Tankstelle Ilsenburg schien mir verlockend. Eine Whatsapp Nachricht vom Zettfahrer versprach allerdings Kaffee und Kuchen in Wasserleben. Also mußte das Tanken warten!
Ich drehte Ellie in die richtige Fahrroute und es ging über Veckenstedt. Die letzten Birnen und Zwetschgen säumten die Straßenränder. Mir tat es immer in der Seele leid, die Nahrungsmittel zerfahren auf den Wegen zu sehen.
Deutschland muß für hungrige Zuwanderer wie ein Paradies aussehen - Lebensmittel, die keiner erntet, sondern überfährt ...

Zuhause beim Zettfahrer war die ostdeutsche Mauer hochgezogen. Ein absolut übliches Bild in den Dörfern. Ein Relikt aus der spiogenten Vergangenheit.

Sonst war das Tor ja immer auf - nur heute nicht.


Mehr als mannshoch ...

Da ich keine Ahnung hatte, wie ich diese Bastion stürmen konnte, drehte ich wieder um und fuhr dem Mann entgegen.

 

Heimatlose, ausgekühlte und hungrige Motorradfahrerin sucht neuen Wirkungskreis ...


Es folgte ein gemütlicher Nachmittag in familiärer Runde. Und später fuhren wir gemeinsam zurück.
Eine lächerliche Baustellenampel in Berßel zwang uns zu Geduld. Als die Gegenfahrbahn aber zum zweiten Male grün bekam, und wir immer noch bei Rot vor uns hin blubberten, riß uns der Faden. Gas und über den Fußweg, hieß die Parole!
Die "Baustelle" bestand aus einem kleinen Haufen Steine, die gerade mal eine Handbreit in die Fahrbahn ragten. Da es aber eine so genannte T-Abbiegung war, sah sich der Harzkreis wohl gezwungen, hier so eine Ampel aufzustellen.

Wir begutachteten noch einen Cachepunkt bei Kalme, und kurz vor der Abfahrt kam eine Dosenfahrerin und hielt an, ließ die Seitenscheibe herunter und fragte, ob bei uns alles okay wäre. Mal wieder eine nette Begegnung zur Abwechslung.
Herzlichen Dank, Unbekannte, für deine Nachfrage!

Ohne größere Vorkommnisse - bis auf einen orientierungslos fahrenden Opa in Volzum - kamen wir dann gegen 18 Uhr zuhause bei mir vor der Garage an.
Ich kochte uns schnell einen heißen Eintopf. Der wärmte gut von innen. Als die Sonne am Horizont verschwunden war - knapp fünfzehn Minuten vor zuhause - machte mir der Eiswind unter dem Visier nämlich heftige Kältekopfschmerzen.
Diese Fahrkälte ist für mich am Kopf am schlimmsten zu ertragen. Die Hände waren schön warm geblieben dank der Stulpen und der Griffheizung. Auch am Körper war es kuschelig.

Ich hoffe darauf, dass ich gesund geblieben bin.

Fazit:
Arktische Kälte aus Russland ist ätzend und darf gern da bleiben, wo sie hingehört: in die Arktis. Und in Russland.
Die Kraniche trompeten schon zu Hunderten über den Dächern - als Zugvögel zeigen sie uns, dass es hier auch nicht mehr kuschelig ist für sie.

Kastanien abzubekommen macht Lärm (am Helm) und tut weh (am Körper, hier: Arm).
Zu zweit cachen macht viel Spaß und ist zielorientierter als alleine mühseelig alle toten Bäume abzuklopfen.
Kari Traa Unterwäsche ist teuer, aber effektiv: sie hält, was die Werbung verspricht! Warm!

Mein Versuch, einen neuen Helm zu erstehen, war übrigens in der letzten Woche kläglich gescheitert. Ich habe keinen HJC-Kopf. Der HJC zog durch das Visier, als wenn ich es offen hätte. Brillenkanal war okay, Design und Preis ebenfalls. Sonnenblende absolut top.
Aber höllemäßig laut außerdem noch als negativen Punkt oben auf.

Also fahre ich erst einmal weiterhin mit meinem X-Lite Produkt durch die Lande ... so ich denn noch fahren kann.