Der Herbst wurde in der Nacht eisig. Irgend so ein Tief aus Russland (woher auch sonst!) zog zu uns herüber. Die Temperaturen fielen weit unter Null, und es wurde Zeit, sich umzustellen. Winterschuhe für die Orange mußten drauf, die Thermokleidung für mich sollte gefunden werden, und die Lenkerstulpen an Ellies Griffen würden jetzt wirklich Sinn haben.
Freitag abend ging es erst einmal zu den City Rats nach Magdeburg. Weit weit nach Mitternacht kamen wir wieder zuhause an.
Schlafen bis neun Uhr mußte ausreichen, wir wollten die Orange mit Winterreifen versehen und ich wollte auch noch shoppen. Eine längere Winterjacke und neue Jeans ...
Die Zett war schon eingemottet. Salz und Winterdreck sollten ihr nicht zusetzen. Aber Jott-Be, die Joghurtbecher-Kawa, war noch fahrbereit. Also würden Touren mit dem Zettfahrer trotzdem noch möglich sein für Ellie und mich!
Orange wurde gut versorgt, Bremsscheiben und Stoßdämpfer noch okay, und beim Einkaufen fand ich sowohl Jacke als auch Hosen. Wobei ich mich frage, wer die modischen Damenjeans wirklich kaufen kann. Ich holte mir nämlich zwei Hosen in der Herrenabteilung. Die waren a) am Bein weit genug und b) in der Taille anständig geschnitten.
Das Projekt Thermojeans ist allerdings gescheitert - dazu bin ich offensichtlich nicht dünn und klein genug. Jemand mit 45 Kilo und um die 1,56 Meter dürfte dort aber gut fündig werden ...
Das Herbstwetter wartete mit strahlend blauem Himmel und herrlichem Sonnenschein auf naive Zeitgenossen. Wo die Sonne nämlich nicht hinkam, wehte ein eisiger Wind, der einem die Nasenspitze blau werden ließ. Trotzdem waren einige Mutige in Lederkombi unterwegs und bretterten zum Harz hoch.
Sollte es am Sonntag noch einmal so schön werden, würde ich mich mit Ellie aber auch raustrauen! Ich hatte zwar immer noch "Rücken", hoffte aber darauf, dass der Thermo-Nierengurt bis dahin gute Heilarbeit leisten würde.
Der Zettfahrer und ich fuhren heute also nicht Motorrad, und gingen stattdessen erst einmal cachen ...
Der Sonntag begann mit Karacho. Unsere Haus-Eingangstür verzieht in der neu herrschenden Kälte ihre Türzargen, und der Pflegedienst der Nachbarin versuchte morgens um halb acht, die Tür zuzubekommen.
Auch nach dreimaligem Paukenschlag kapierte die Dame nicht, dass die Tür so nicht zu geht. Manche Frauen sind wirklich dermaßen
Ziemlich angesäuert ging ich barfuß nach unten, drückte den herausgezogenen Schnapper wieder an Ort und Stelle, und schloß die Tür.
Eiseskälte zog unter mein Sleepshirt. Na toll, der blöde Winter aus Russland hatte also auch hier seine Fühler reingesteckt. Heimtückisches Wetter, mistiges.
Sonntag mußte der Zettfahrer leider arbeiten, und konnte somit das Wetter und seine mies gelaunte Freundin am frühen Morgen nicht genießen. Er schwang schon froh gelaunt die Grillkohle, während ich zuhause noch mißmutig meine Motivation suchte ...
Nachdem ich sowieso schon so früh wach geworfen wurde, blieb ich gleich aus dem Bett.
Hauswoche wurde schnell erledigt, ein Stück weit die Wohnung aufgeräumt, die vierbeinige Familie wurde ebenfalls versorgt.
Der Himmel strahlte blau und verlockend, aber im Schatten waren die Autoscheiben noch weiß gefroren. Das Thermometer zeigte im Schatten drei Grad an.
Gegen Mittag war es aber gut über fünf Grad gekommen, und ich suchte meine Thermokleidung heraus. Eine kleine Runde Motorrad fahren müßte doch zu machen sein!
Eine neue Errungenschaft: ein Unterzieh-Teil aus reiner Wolle, welches sich im Laufe des Tages als fantastischer Kauf herausstellte.
Ein irrer Preis für dieses Markenteil, und dann steht im Label "Made in China". Wir wissen ja alle, wie billig der Einkäufer dabei weg kommt, und wie der Laden dann Profit daraus schlägt ... aber dieses Unterteil ist warm, absolut nicht kratzig trotzdem es 100% Merinowolle ist, und es sieht auch noch gut aus.
Darüber kam das Shirt von Thermoboy. Darüber dann eine Soft-Shell-Weste. Mein Windbreaker-Vanucci-Shirt ist noch bei der Schneiderin. Ein neuer Reißverschluß muß eingenäht werden.
Jetzt kamen die langen Strümpfe von Falke, und darüber die Thermohose. Ich kam mir ziemlich eingestopft vor. Preßwurst-Gefühl!
Die neue Motorradhose in Größe L paßte prima über die lange Unterhose von Thermoboy, und sie war auch nicht zu eng an den Beinen.
Trotzdem ... Uff - ich hasse dieses Michelingefühl, was ich jetzt hatte!
Der Thermo-Nierengurt von POLO - Thermoboy - saß prima und wärmte wirklich gut. Es muß nicht immer Reusch sein ... den hatte ich auch noch, allerdings war der jetzt mit dem Winterzeug in der Hose einfach zu eng um den Bauch herum. Ein neuer mußte her, und Thermoboy bot eine kostengünstige Alternative in Größe L.
Nun noch die Sturmhaube über den Kopf, den Helm korrekt aufsetzen und die Sturmhaube zurecht ziehen, damit nichts drückt.
Nassgeschwitzt schwang ich mich auf Ellie und stopfte die Hände in die Windstulpen.
Fünf Kilo Zeug machen einen nicht wirklich glücklich. Vielleicht hätte ich doch den Thermokombi ... ???
Zur Sicherheit hatte ich trotzdem noch einen dünneren Fleecepulli mitgenommen. Ob der noch unter die Jacke passen würde? Egal - mitnehmen - auch wenn man ihn vielleicht nicht benötigt.
Der Wind war wirklich eisig. Die Sonne wärmte prima, aber die Luft war schneidend. Zugluft am Kopf ist Gift für meine Stirnhöhlengesundheit! Ich hielt am Straßenrand an und zog die Haube bis über die Nasenwurzel hinunter.
Ich war froh über diese Sturmhaube! Beim nächsten Stopp irgendwo am Harzrand würde ich auch den Fleecepulli anziehen. Der Wind ging durch und durch.
Gemütlich fuhr ich die ersten Kilometer über die Dörfer. Keine große Schräglage, erstmal die Reifen anständig warm fahren. Es waren so einige Sonntagsfahrer unterwegs, und die Dosen waren allesamt nicht in der Lage, ihre Fahrspur zu halten. Eine Unsitte, die mir heute besonders auffiel. Sämtliche Fahrer schnitten die Kurven.
Ich bog von der stark befahrenen B1 ab über die kleinen Dörfer. Die Bäume waren stellenweise schon kahl. Kastanien und Eicheln zierten die Straßen, und einmal traf mich eine Kastanie am Arm. AUTSCH! Das hatte weh getan!
Der eisige Wind trieb die welken Blätter vor sich her. Wenn ich so einen Wirbel durchfuhr, stoben sie in alle Richtungen davon. Die Straßen waren teilweise arg versifft. Die Rübentransporte hatten die fette Erde über den Asphalt verteilt. Ich blieb locker, verzichtete auf die Schräglage und spielte auf Nummer Sicher.
Die monochromen Farben vom Land waren eine Wohltat für die Augen: fette schwarze Erde, und darin oftmals noch die graubraunen Stoppeln von abgeerntetem Mais. Sinnbild vom Ende der Saison, vom herannahenden Winter.
Die Essigbäume in den Dorfvorgärten mit ihren tiefrot gefrorenen Blättern wirkten, als ob sie brennen würden!
Über all dem der blaue Himmel. Ich fiel richtig auf mit meiner roten Maschine!
In Seinstedt hielt ich an. Etwas Windschatten gab es dort. Ich plünnte mich aus der Jacke, und holte aus der Satteltasche den dünnen Fleecepulli. Den Helm abzusetzen hatte ich absolut keine Lust, und so versuchte ich, den Pullover über den Kopf zu kriegen. Nach einigem Ächzen gab der Stoff nach und ich hatte eine weitere wärmende Hülle angezogen. Am Hals wurde es nun eng, also mußte der Reißverschluß vom Pulli offen bleiben. Dank des Thermokragens zog aber keine kalte Luft auf die Bronchien.
Die Jacke wieder angezuppelt, seufzte ich in den Helm. Ach Sommer, wie herrlich warst du doch. So mit wenig Zeug unter der Jacke. Besserem Körpergefühl. Das Anziehen ging so fix!
Naja, aber der Herbst ist auch okay, keine Fliegen unterwegs ...
Trotz Michelingefühl war ich froh über jedes Stück Stoff am Körper. Gefühlte -3 Grad beim Fahren! Ich sah dann auch nur vier andere Motorrad-Veteranen. Allzu oft würde ich solche Fahrten nicht machen können. Meine Bronchien hassen Fahrkälte. Diese Eisesluft einzuatmen hatte mir in den letzten Wintern zu oft sehr hartnäckige Erkältungen beschert, so dass ich mich trotz Motorradvirus diesen Winter wirklich zur Vernunft zwingen muß. Lungenentzündung muß nicht sein ...
Am Straßenrand bei Abbenrode hielt ich erneut. Ich organisierte mir einige Fallobst-Äpfel.
Stapelburg - herrliches Fotolicht ...
Es ging auf 15 Uhr zu. Pausenzeit! Ich überlegte, wo ich einen heißen Kaffee herbekommen könnte. Tankstelle Ilsenburg schien mir verlockend. Eine Whatsapp Nachricht vom Zettfahrer versprach allerdings Kaffee und Kuchen in Wasserleben. Also mußte das Tanken warten!
Ich drehte Ellie in die richtige Fahrroute und es ging über Veckenstedt. Die letzten Birnen und Zwetschgen säumten die Straßenränder. Mir tat es immer in der Seele leid, die Nahrungsmittel zerfahren auf den Wegen zu sehen.
Deutschland muß für hungrige Zuwanderer wie ein Paradies aussehen - Lebensmittel, die keiner erntet, sondern überfährt ...
Zuhause beim Zettfahrer war die ostdeutsche Mauer hochgezogen. Ein absolut übliches Bild in den Dörfern. Ein Relikt aus der spiogenten Vergangenheit.
Sonst war das Tor ja immer auf - nur heute nicht.
Mehr als mannshoch ...
Da ich keine Ahnung hatte, wie ich diese Bastion stürmen konnte, drehte ich wieder um und fuhr dem Mann entgegen.
Heimatlose, ausgekühlte und hungrige Motorradfahrerin sucht neuen Wirkungskreis ...
Es folgte ein gemütlicher Nachmittag in familiärer Runde. Und später fuhren wir gemeinsam zurück.
Eine lächerliche Baustellenampel in Berßel zwang uns zu Geduld. Als die Gegenfahrbahn aber zum zweiten Male grün bekam, und wir immer noch bei Rot vor uns hin blubberten, riß uns der Faden. Gas und über den Fußweg, hieß die Parole!
Die "Baustelle" bestand aus einem kleinen Haufen Steine, die gerade mal eine Handbreit in die Fahrbahn ragten. Da es aber eine so genannte T-Abbiegung war, sah sich der Harzkreis wohl gezwungen, hier so eine Ampel aufzustellen.
Wir begutachteten noch einen Cachepunkt bei Kalme, und kurz vor der Abfahrt kam eine Dosenfahrerin und hielt an, ließ die Seitenscheibe herunter und fragte, ob bei uns alles okay wäre. Mal wieder eine nette Begegnung zur Abwechslung.
Herzlichen Dank, Unbekannte, für deine Nachfrage!
Ohne größere Vorkommnisse - bis auf einen orientierungslos fahrenden Opa in Volzum - kamen wir dann gegen 18 Uhr zuhause bei mir vor der Garage an.
Ich kochte uns schnell einen heißen Eintopf. Der wärmte gut von innen. Als die Sonne am Horizont verschwunden war - knapp fünfzehn Minuten vor zuhause - machte mir der Eiswind unter dem Visier nämlich heftige Kältekopfschmerzen.
Diese Fahrkälte ist für mich am Kopf am schlimmsten zu ertragen. Die Hände waren schön warm geblieben dank der Stulpen und der Griffheizung. Auch am Körper war es kuschelig.
Ich hoffe darauf, dass ich gesund geblieben bin.
Fazit:
Arktische Kälte aus Russland ist ätzend und darf gern da bleiben, wo sie hingehört: in die Arktis. Und in Russland.
Die Kraniche trompeten schon zu Hunderten über den Dächern - als Zugvögel zeigen sie uns, dass es hier auch nicht mehr kuschelig ist für sie.
Kastanien abzubekommen macht Lärm (am Helm) und tut weh (am Körper, hier: Arm).
Zu zweit cachen macht viel Spaß und ist zielorientierter als alleine mühseelig alle toten Bäume abzuklopfen.
Kari Traa Unterwäsche ist teuer, aber effektiv: sie hält, was die Werbung verspricht! Warm!
Mein Versuch, einen neuen Helm zu erstehen, war übrigens in der letzten Woche kläglich gescheitert. Ich habe keinen HJC-Kopf. Der HJC zog durch das Visier, als wenn ich es offen hätte. Brillenkanal war okay, Design und Preis ebenfalls. Sonnenblende absolut top.
Aber höllemäßig laut außerdem noch als negativen Punkt oben auf.
Also fahre ich erst einmal weiterhin mit meinem X-Lite Produkt durch die Lande ... so ich denn noch fahren kann.







Huh! Bei Dir da oben ist es immer noch eine Spur kälter als bei uns hier. Hier ist fast das Tal der Glückseligen, wenn man das liest. Aber wer weiß was dieser Herbst und Winter noch zu bieten hat. Ich hoffe ja, viele schöne sonnige, milde Tage zum Fahren. Auch bei Dir da oben!
AntwortenLöschenUnd ich hoffe auch, daß Du dir nichts weggeholt hast bei Deiner Sonntagsrunde! Pass schön auf Dich auf!
Viele liebe Grüße, auch an den Z - Fahrer,
Minya
Ich hatte eine leichte Unpässlichkeit. Aber drei Tage zuhause und Hühnersuppe reichen hin. Der Zettfahrer grüßt zurück, soll ich bestellen ;-)!
LöschenWir freuen uns schon auf den nächsten tollen Bericht von Dir!
Hier ist es auch kalt... Ich habe Deinen Ausflug trotzdem genossen ;-) Bleib' gesund!
AntwortenLöschenGruß vom A.d.W. Unterfranken, Grenze Thüringen.
Au weh - Unterfranken, Grenze - da hattet ihr Schnee vor drei Tagen.
LöschenGenau, dieses Michelin-Zwangsjacken-Gefühl ist echt ätzend und jetzt, wo meine Thermoschicht weg ist, befürchte ich, dass ich demnächst auch mehr anziehen muss.
AntwortenLöschenUnterwegs cachen ist genial. Sollte ich auch mal überlegen :-)