Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 30. Juni 2014

26.6.2014 - Kleine Hausrunde während des Fußballspiels; und ich habe meine 20.000 Kilometer weg

Heute sollte Deutschland spielen. Also, deutsche Fußballmannschaft in Brasilien gegen eine andere Mannschaft, nicht aus Deutschland.

Wie ihr erkennen könnt, bin ich in Fußball nicht besonders bewandert. Wer gegen wen, warum, und überhaupt ...

Eins habe ich von Holger Aue aber gelernt: wenn Fußball ist - besonders dann, wenn die deutsche Mannschaft spielt - dann sind die Straßen fast leer, und es ist geniale Moppedzeit.
Da Holger selber Motorrad fährt und in jeder seiner genialen Comic-Geschichten mehr als ein Körnchen Wahrheit zu stecken scheint, wollte ich das jetzt selber austesten!


Gegen 18 Uhr schob ich Ellie aus der Garage, und fuhr zunächst einmal zur Tankstelle. Luftkontrolle (nichts verloren), und tanken (1,56 Euro für Super; das ist der WM-Bonus ...). Beim Versuch, elegant vom Hof zu tuckern, rutschte mir das Hinterrad leicht weg.

Memo an mich selbst: an Tankstellen ist mit Öl auf dem Asphalt zu rechnen ...


Weiter fuhr ich, zurück nach Hause, dann über den Berg und in Richtung Hausrunde. Das Wetter paßte, und bis auf vereinzelte frustriert aussehende (Haus?-)Frauen und einem Rentnerbusfahrer, der sich mehr innerlich wie äußerlich am Leben erfreute und wohl Zitronen zum Abendbrot hatte, begegneten mir keine Autofahrer.
Ganze vier Moppeds sah ich, wobei alle mit sich selber beschäftigt schienen. Die grüßten nicht!

Fuhr ich durch die kleinen Dörfer, sah ich bis auf einige Vögel und Hauskatzen keine Lebewesen auf den Wegen. 
Vereinzelt drangen aus geöffneten Fenstern Urlaute an mein Ohr - Gegröhle und Hurra-Rufe. Der Duft von Grillgut wehte durch mein offenes Visier; in den Hinterhöfen fand wohl das dorfeigene Public-Viewing statt. So eine Art kollektives Zusammenrotten, alkoholisches Saufen und unter freiem Himmel Fernsehgegucke.

Ich fühlte mich zeitweise wie in einem Asimov-Sciene-Fiction-Film. Richtig gruselig! Feierabendzeit, und kein Mensch auf der Straße!
Ellies beruhigendes Motorgebrummel brachte mich aber recht schnell wieder in meine Welt zurück. Ich ließ sie laufen, ohne ihre Drehzahl hochzujagen. Wozu auch. Heute hatte ich Zeit, heute drängelte keiner. Heute konnte ich gemütlich im Rollertempo mit 60 km/h herumtuckern, ohne jemanden zu behindern.
Ich sog die Landschaftsbilder in mich auf wie ein durstiger Schwamm. Die Luft war klar und die Höhenzüge schienen zum Greifen nahe. Dazu der blaue Himmel und in der Ferne einige Wetterwolken. Die türmten sich aber nicht bedrohlich auf. DAS war mal ein Feierabend ... !



Blick über das Land, Richtung Gilzum und dahinter der Elm



Zu zweit allein auf weiter Flur ... herrlich!


So tuckerte ich mehr als gemächlich durch die Felder. Diese Strecke kann ich schon tanzen, so oft, wie ich hier gefahren bin.
Und während der Fahrt kam der Tacho auf 29.100 km. Ich hatte Ellie mit 9.100 km auf dem Tacho gekauft. Ergo habe ich seit 16.7.2012 jetzt 20.000 Kilometer zusammengefahren.

Wenn man bedenkt, dass ich in der ersten Saison nur vom 16.7.2012 bis zum 31.10.2012 gefahren bin und da schon knapp 8000 Kilometer runter hatte ...

Um diesen Meilenstein genießen zu können, legte ich eine weitere Pause ein.







Zwei, die gut miteinander klarkommen und gemeinsam schon ganz viel erlebt haben ...



An meinem Lieblingsplatz, der Anhöhe bei Seinstedt; ein Blick auf die Asse und den Elm, und zur rechten Seite hin außerhalb des Fotos der Harz


Ich stand da, ließ den Blick schweifen und fühlte mich einfach wohl. Fast schon ein wenig gelangweilt.
Was hatte ich früher für Aufregung gespürt, wenn ich bis hierhin gekommen war. Das schien jetzt alles schon Routine geworden zu sein. Auch das scheinbar sinnlose Herumfahren - ohne das Ziel eines Bikertreffens oder einer Veranstaltung - muß ich wohl neu genießen lernen.

Oder muß ich nicht? Habe ich mich soweit weiterentwickelt, dass mir diese Hausrunde nicht mehr reicht? Fast scheint es so.

Gegen 20 Uhr kam ich wieder zuhause vor der Garage an. Ich putzte Ellies Auge, weil sich doch einige Fliegen dran verewigt hatten. Ansonsten blitzte sie noch wie neu, da brauchte ich nichts mehr dran verschönern.

Ich glaube, Deutschland hat das Spiel gewonnen - dem Vuvuzela-Lärm in der Nachbarschaft nach zu urteilen.


Fazit:

Holger Aue hatte recht ;-)

Öl auf Tankstellenasphalt ist ein Ärgernis; mir wurde heiß unter dem Helm, aber das erwartete Angstzittern blieb aus.

Ich kann in wenigen Wochen "offen" fahren - soll heißen: ich darf dann auch mehr wie 48 PS Maschinen bewegen. Die Lernzeit von 2 Jahren ist bald rum. Ich hatte die Zeit nötig. Ich bereue meinen freiwilligen "A-begrenzt"-Motorradschein nicht!

Hausrunden ohne festes Ziel sind nicht mehr so reizvoll, wie sie am Anfang meiner Motorradmanie gewesen sind.

Ich muß aufpassen, nicht übermütig zu werden, auch wenn mir meine Hausrunde derzeit babyeierig leicht vorkommt.

Donnerstag, 19. Juni 2014

14. + 15.6.2014 - Jahrestreffen in Müden an der Örtze (in der Heide) - 2. Teil: Abfahrtag

15.6.2014


Viel Text, aber trotzdem lustig!

Mit nur einer kurzen Pause schlief ich ohne zu frieren (ich hatte den Schlafsack mit einem Wollpulli ausgestopft und hatte somit keine kalten Beine!) seelig von Mitternacht bis ... ja bis halb sechs am Morgen. Trotz der roten Ohrstöpsel (die den Schall und tiefe Töne besonders gut abhalten) wurde ich von einem lauten Gemurmel wach. Vögelzwitschern hatte ich schon im Unterbewußtsein gehört, aber das war es jetzt nicht ...
Irgend so ein Vollhonk unterhielt sich lautstark. Der Schall ging an die Hauswand, kroch hinterhältig über den Boden und bis zu meiner Luftmatratze, und dann genau in meinen Gehörgang.
Ich zog einen Pröppel heraus und hörte das lautstarke Geseier der Nachbarn gegenüber. Entweder noch nicht ins Bett gekommen oder gerade erwacht - radebrechten sich beide die unsinnigsten Sätze aus den ungeputzten Zähnen.
Ich bekam mit, dass der eine (mit Mütze auf) aus dem Mund stank wie ein Pferd ausm Arsch (ja danke fürs Kopfkino ...) und das der Pferderiechende den anderen ja sooo dolle liebhat.

Nach wenigen Minuten war ich stinksauer. Ich bin wirklich kein Morgenmuffel, aber das war mir zuviel. Wie die Weiber, wie die Weiber, grummelte ich halblaut vor mich hin. "Hallooo, seid mal leise!" wisperte ich durch den geschlossenen Zelteingang.
Aber selbst dieser freundliche (und nutzlose) Appell fruchtete nichts.
Ich versuchte es mit autogenem Wegatmen der Agression. Ommm, alles gut, alles schön, Pferde sind so nette Tiere und riechen nach Heu und frischen Kräutern ... aber es half nichts.
Das, was ich mir Montag morgens immer wünsche, trat nun ein: ich war hellwach. Und wütend. Und genervt (okay, letzteres ist Montags auch immer so ...).

Ich wußte, ich würde nicht mehr schlafen können. Vom Kopfende des Zeltes eines meiner Nachbarn kam ein Geraschel, und einer meiner Mitleidensgenossen bölkte ziemlich angepisst aus seinem Zelt heraus: "Könnt ihr mal die Fresse halten da drüben???"

Ich fand das klasse - deutlicher gings nimmer!
Aber auch das half nix.

So schnappte ich mir den Waschbeutel und öffnete das Innen-Zelt. Drei große fette Waldameisen guckten mich entsetzt an und flitzten zum Ausgang raus. Ich muß ja furchtbar aussehen, wenn sogar die Ameisen schon flüchten, schoß mir in dem Moment durch den Kopf.
Ich verließ das Zelt ziemlich unkoordiniert und warf den Randalebrüdern einen finsteren Blick zu. Die beiden waren aber so mit lautstarkem Liebhaben beschäftigt, dass sie mich gar nicht wahrnahmen.

Ich schlurfte auf sandigen Sandalen ins Haupthaus. Unter der Dusche wurde ich dann langsam wach. Einige andere Biker waren mir im Flur begegnet. Belustigt hatte ich ihre zerknitterten Gesichter wahrgenommen, aber das Schmunzeln verging mir, als ich das meinige im Spiegel sah: oha, da brauche ich aber mindestens 200 Stunden Schlaf, damit die Krähenfüße in den Augenwinkeln verschwinden!

Ich knetete meine Wangen, cremte meine Augenränder, aber ein Wunder konnte ich damit nicht vollbringen. Ich sah verpennt, müde und unentspannt aus. Sissi*, ich ... (* Slang, englischer, für 'Weichei')
Seufz ... jetzt erstmal einen heißen Tee.
Klugerweise hatte ich meinen Blechbecher gleich mit eingesteckt. Das heiße Wasser aus der Leitung mußte genügen - Frühstück gab es erst um 8 Uhr. Ich tat einen Teebeutel in den Napf, füllte das heiße Wasser drauf und hoffte, dass die Kräuter auch ohne kochendes Nass ihre Wirkung entfalten würden.

Beim Verlassen des Waschraumes rempelte ich den Türrahmen an. Meine Motorik funktionierte nur auf Sparflamme, da sind ein Meter breite Türen noch zu eng für mich. Ich kann das ohne Alkohol vom Vorabend - stellt euch mal vor, wie das mit Kater aussehen würde!

Ein Blick auf den Zauberkaffeeautomaten zeigte mir: einen Euro reintun und es würde heiße Dröhnung geben. Den hatte ich aber nicht bei mir. Der Mann hat ja immer Pulverkaffee mit, aber da müßte ich sein Zelt durchgraben.
Und ich wollte das Zelt nicht eher öffnen als notwendig. Er hatte keine Ameisen vor dem Zelt, die wußten schon, warum!

Ich hockte mich also zunächst mal auf meinen Campingstuhl und schlürfte meinen lauwarmen Tee. Okay, besser als nix. Die beiden Liebhaber-Hansels waren hinter dem Zelt verschwunden. Der eine wollte und wollte nicht wach werden - jedenfalls dem Gerede seines Mützenkumpels nach. Komisch, der stand doch da - wieso will der andere ihn wecken?
Diese Brausebrandunterhaltung erschloß sich mir nicht. Mein Fehler - ich erwartete zuviel!

Dann kruschtelte es im Zelt, und der Mann steckte seinen Kopf raus.
Oha ... besser mal Sonnenbrille aufsetzen!?!
Meine ersten Worte an ihn: "Haste ma n Euro?"
Keine Reaktion, aber ein böser Blick in Richtung der Nachbarn. Eigentlich hätten die in Flammen aufgehen müssen ...

Ich bekam den Euro und schlenderte los, einen Kaffee besorgen. Die Idee hatten noch andere Biker, und so standen wir da schwankend vor Morgenmüdigkeit herum und warteten auf Erlösung. Dank an den mir Unbekannten, der mich vorließ. Mein entsetzter Blick, weil er gleich drei Becher vollfüllen lassen sollte, und ich noch so lange hätte warten müssen, haben ihn wohl weichgekocht. Kavalier, mitleidiger, der ...

Ich trank dem Mann vier ordentliche Schlucke Kaffee weg, damit der halbvolle Becher nicht überschwappt (meine Morgenmotorik, ihr erinnert euch an die Türrahmenstory?), und ging wieder zu den Zelten. Mittlerweile waren meine Leidensnachbarn auch aus den Zelten gekommen. Die Blicke in Richtung der rosaroten Hab-dich-lieb-du-Pferdea..riechender Nachbarn waren alle gleich: sie hätten tot sein müssen, diese Blicke waren wirklich böseböse! Ich vermute, dass sie überlebt haben, hatte nur mit dem Umweltbewußtsein meiner Nachbarn zu tun. Sie wollten die Örtze nicht vergiften. Netter Zug, Leute, echt!

Während der Banditmister langsam ins Leben zurückfand (kein Leben vor dem Kaffee, kenn ich, kenn ich), packten die anderen Stück für Stück zusammen. Die hatten mehr Übung als ich. Schon allein das Vorbeugen und Becher greifen bescherte mir Schwindelanfälle. Ich bin ohne ausreichenden Schlaf nur mit 2 Litern Kaffee lebensfähig, vor allem morgens ...





Um 8 Uhr öffnete der Speisesaal, und da ich eh grad auf dem Weg war, enterte ich gleich das Frühstücksbuffet. Mir war nach Fleisch, und so tat ich mir eine Portion Mett auf das riesige Brötchen. Brötchen backen können die da in der Heide, Respekt!
Innerhalb von wenigen Minuten war die Wursttheke leergefegt und ich schaute die trüben Reste hungrig an. Aber das Küchenteam schaffte sofort neue Platten her. Die hielten auch nur knapp 10 Minuten.
Ich erwähnte es bereits - hungrige Biker, die können das! 

Mit gebunkertem Futter und zwei Bechern Kaffee tapste ich ohne zu kleckern zu den Zelten. Der Mann war erfreut über den Kaffee. Dann ging es gemeinsam in den Speisesaal.

Hier gibt es viele viele schöne lustige Fotos von, aber da ich die nicht geknipst habe, kann ich die leider nicht verwenden. Aber ich sage euch, die Gesichter sahen alle noch ein wenig schief aus, das könnt ihr mir glauben ;-).
Meins ebenfalls ;-).

Am Tisch gab es leichte und recht zähe Unterhaltung, was aber kein Problem war. Morgens um kurz nach 8 Uhr brauche ich keine Bespaßung, da muß ich erstmal lebendig werden ... Nach einem Liter Kaffee ging es mir dann besser. Das Küchenteam war in heftiger Betriebsamkeit. Es gab alles, was man sich wünschen konnte. Brot, Brötchen, Körnerfutter, Süßkram, Obst, Aufschnitt, literweise Kaffee, Saft und sogar klares Wasser (mit Limettenstücken als Geschmacksgeber, super Idee und saulecker bei Durst), und alles in einer echt guten Qualität. Schade, das ich nur zwei Brötchen schaffen konnte.

Wir schnappten uns noch einen Teller, füllten die Becher neu und gingen nach draußen. Dort waren einige schon mit der Abreise beschäftigt. Abschiedsfotos folgten, denn einige Biker mußten ziemlich weit nach Hause reisen. Auffällig war, dass die meisten Sonnenbrillen trugen - aber die Sonne war auch schon dolle hell, das muß ich zugeben ...




Unter dem Rock war was angezogen, ich ließ mich darüber informieren






Ups - das sieht nach Arbeitseinsatz aus ;-)



Es ging an 10 Uhr heran. Dieses Abfahren der anderen machte mich etwas bedrückt. Ankommen ist viel schöner!
Das Hannoverteam begann langsam mit den Aufräumarbeiten. Ich wollte sie nicht stören, indem ich da faul herumsaß und ihnen beim Schaffen zuguckte. Also ging es noch einmal an die Örtze.



Schön war es da, so mit Sonne und klarem Licht.





Baden? Never ever - boah, wat kaaalt!



So, hier mal für die Kinderchen etwas lehrreiches!

















Dieser Spaziergang war ein richtig schöner Abschluß - nun hieß es Zelte abbauen und Moppeds beladen.
Wir gingen zurück und in Badeschlappen holte ich Ellie auf das Zeltgelände. So ohne Schutzkleidung hörte ich sie endlich mal richtig: ein leises Sirren und Blubbern kam aus dem Motorraum, so richtig gemütlich und freundlich. Hach, das fand ich herrlich, wie ich da im ersten Gang über den Rasen eierte ...

Die beiden Liebhabären waren schon abgereist, nur ein Rest vom Igluzelt und ein Handtuch waren noch da geblieben. Ist ja auch doof, wenn man seinen Müll einfach so da läßt, echt ...

Ich stellte Ellie auf den Plattenweg ab. So war das besser mit dem Beladen auf dem Hauptständer, als wenn ich das auf dem weichen Grasboden gemacht hätte. Das Abbauen des Zeltes und das Einpacken der Klamotten ging leicht von der Hand. Der Feger leistete mir gute Dienste, denn ich hatte trotz Vorsicht überall Sand im Innenzelt.
Auch hier finde ich das Denali klasse: das Innenzelt hängt noch an den Stangen fest, ich kann es öffnen und umstülpen, während ich die Zeltstangen halte. Ich schüttelte den Sand quasi raus. Das macht sonst kein anderes Zelt mit.
Ein Lob an den Hersteller: durch das Ecksystem rutschen die zwei Teleskopstangen nicht heraus!

Als alles wieder gut verstaut war, nichts vergessen oder übriggeblieben (außer Badelatschen und Handfeger; die Sachen klemmte ich zwischen die Spanngummies, fertig), als ich nochmal unseren Platz ablief und kleine Müllreste aufgesammelt hatte, gingen auch wir Abschied nehmen.
Das Team war voll beschäftigt mit Abbauen. Das große Festzelt war aber auch eine dolle Arbeit ... Herzlichen Dank nochmal an alle, da steckt soviel Hintergrundarbeit drin, was wir gar nicht mitbekommen hatten.

Gegen Mittag fuhren der Banditmister und ich dann voll bepackt vom Gelände. Der Navi war gefüttert, zumindest bis Eschede. Das bekam der Gerät auch endlich mal vernünftig hin!

Bestes Wetter, beste Bedingungen, und richtig angezogen war ich auch. Wäre ich nicht so geschafft gewesen durch den Schlafentzug, wäre ich mit meinem Fahren auch besser klargekommen. So lief das etwas steif und mit viel Pausen ab.

Ein kurzes Stück vor Eschede hielten wir auf einem Waldparkplatz. Der Kaffee drückte ... ich futterte dann noch eine Handvoll Weintrauben (Reste vom Frühstücksbuffet), währenddessen ein anderes Motorrad hinter uns anhielt.
Der Fahrer kam vorbei und wir plauschten ein wenig. Sein erster Satz war: "So eine schöne und gut gepflegte ER5 habe ich ja noch nie gesehen!"
Stooolz-ich :-)

Er hatte auch mal eine gefahren. Wir tauschten Tourstrecken aus, Erlebnisse aus dem Weserbergland, Polle an der Weser kannte er auch ... hach ja, schön war das, mit Gleichgesinnten zu schwätzen!

Wir fuhren weiter und ließen das Pärchen im Schatten zurück. Bei Müden/Aller übernahm ich dann die Führung, und über die winzigen Singletracks ging es nach Meinersen und Hillerse. Es war erstaunlich viel los zwischen den Feldern!

Eine weitere Pause ...








Wir streiften den Stadtrand von Braunschweig, fuhren ein Stück weit über Braunschweig-Hafen, bogen dann wieder nach Wenden ab und es ging weiter nach Weddel.

Gegen 17 Uhr waren wir zuhause. Ich war nun doch platt, und freute mich auf das heiße Vollbad. Da der Sonnenbrand verheilt war, konnte ich das Bad auch genießen. Gut gegen Muskelkater!

Der Mann bekam noch seinen Kaffee und gemütlich holten wir eine kleine Mütze Schlaf nach. Morgen hieß es, wieder arbeiten zu müssen.
Hat auch Vorteile: geregelter Tagesablauf, geregelter Schlaf ... gerade letzteres würde ich tagelang nachholen müssen, ich kenne mich ...


Fazit:
Es war ein schönes Wochenende gewesen. Das Zelten hat prima geklappt, ich konnte gut schlafen, und wären die beiden Liebhabären nicht gewesen, hätte ich endlich mal richtig auspennen können. Dann hätte mir allerdings auch Stoff für die Story hier gefehlt, also waren auch die zwei irgendwie ein Bestandteil, ein wichtiger ...

Ich gewöhne mich an die NeoAir-Luftmatratze, habe jetzt auch herausgefunden, wie ich weniger friere, und das Schlafen an frischer Luft hat etwas total schönes. Zuhause kam ich mir an dem Abend ziemlich eingesperrt vor ...

Ich freue mich schon auf den nächsten Outdoor-Ausflug. Bisher habe ich immer etwas neues dazulernen können und ich bin total gespannt darauf, was mich dann erwartet!



14. + 15.6.2014 - Jahrestreffen in Müden an der Örtze (in der Heide) - 1. Teil: Anfahrt und Bikerparty

Der Nach-Pfingst-Urlaub neigte sich dem Ende zu. Vorgestern erst aus dem Weserbergland zurück, den Freitag dann zum chillen genutzt (mehr oder weniger; eher weniger ...). 

Und heute, am 14.6. ging es schon wieder auf Tour.

Sozusagen die Urlaubs-Abschlußtour.

Der Banditmister-Mann hatte uns vor Wochen schon dort angemeldet. Er fährt seit einigen Jahren mit den Vulcaniern Germany durchs Land oder auf Treffen derselben. Beim Herrentag und letztes Jahr bei der Nicofeier bin ich auch dabei gewesen.
Das Jahrestreffen fand in der Nähe statt - auf dem Gelände der Jugendherberge Müden/Örtze - und da ich von zelten und Leute kennenlernen ja seit kurzem extrem begeistert bin, freute ich mich auf die erneute Gelegenheit!
Der Banditmister war schon einmal dort gewesen und war überzeugt, dass mir die Location gefallen würde: es ist ein Fluß in der Nähe, und es gibt viel Natur drumherum.

Ich rödelte Ellie also am Freitag abend wieder einmal wie einen Packesel auf. Mir steckte der Schlafdefizit der letzten Tage immer noch in den Knochen, und auch körperlich war ich nicht so gut drauf.

Proplanta war sich nicht einig - sollte es nun kalt und regnerisch werden, oder doch nur regnerisch, und später in der Nacht kalt? Der Wetterbericht änderte sich stündlich. Zur Vorsicht packte ich meine Melkerhandschuhe in den Tankrucksack, und zog das dicke Winterfutter in meine Jacke ein.
Nachdem ich Ellie aus der Garage gewuchtet hatte, entfernte ich das Futter schleunigst, und zog stattdessen nur die Softshelljacke an.
Elendes Zwangsjackengefühl. War aber nötig, denn die Lufttemperatur hatte keine 15°C. Ich zog mir zur Vorsicht noch die Winter-Sturmhaube drüber, und fühlte mich damit noch mehr eingezwängt. Ich konnte mich an diesem Morgen selber nicht leiden ...

Der Mann kam angefahren, und übernahm das zusätzliche Gepäck von mir: ein Bundeswehr-Wäschesack mit einer dicken Wolldecke/Umhang und die dicke Fleece-Plüschjacke von Reusch (meine bisherige ultimative Waffe gegen Nachtkälte).

Wir fuhren los, zunächst einmal an den Stadtrand von Braunschweig. Wenden, zur HEM Tankstelle.
Und beim Tanken rüsselte ich mir eine volle Ladung Benzin über den Tank und die Schuhe, weil die blöde Tankpistole nicht rechtzeitig abschaltete. ShiceShice!
Total angenervt säuberte ich Tank und Schuhe notdürftig, wollte Ellie zur Seite fahren ... und da paßt der Schlüssel nicht mehr.
Ich hatte unbeabsichtigt den Tankrucksack so ungünstig auf die Armatur gestellt, dass ich mir den Schlüssel im Schloß verbogen hatte.

Wenn es eine Gelegenheit gab, auszuflippen, dann jetzt. Ich nutzte sie aus voller Kehle. Denn WAS hatte ich beim Packen vergessen? Na?
Den Ersatzschlüssel von Ellie - genau ...

Ich hatte den Eindruck, irgendwas wollte mich an der Tour hindern, oder mir den Spaß versauen. Kennt ihr so ein Gefühl?

Der Banditmister nahm mir den Schlüssel aus der Hand, und bog ihn mit Gefühl auf dem Bordstein wieder gerade. Ich beäugte das Stück misstrauisch, aber es war kein Haarriß zu sehen. Weiterfahren wollte ich trotzdem nicht.
Horrorgeschichten von abgebrochenen Schlüsseln und ADAC-Einsätze kamen mir blitzartig ins Gedächtnis.
Ich war im Zwiespalt - zurückfahren und den Ersatzschlüssel holen? Den Mann vorschicken und nachkommen? Heulen und zetern, in Panik ausbrechen und herumzicken?

Nein, nichts dergleichen - ich ging zunächst mal ... aufs Klo.
Danach fühlte ich mich wohler, und hatte die Panik weggepinkelt. Auf geht's. Ich bin im ADAC, ich fahre auf ein Bikertreffen und da hat sicherlich der eine oder andere Biker Lösungsvorschläge, sollte der blöde Schlüssel tatsächlich Probleme machen. Basta!

Ich war SO stolz auf mich selber! Wenn ich frauenkrams habe, bin ich immer sehr wehleidig und tussiehaft - ich hatte das diesesmal erfolgreich im Keim erstickt. Tschakka!

Energisch putzte ich mir die Nase, wischte mir über die Augen (...), plünnte mich wieder an und fuhr los.
Zur Vorsicht sollte der Banditmister vorfahren. ER hat Navi ... Navi führte uns dann leider nicht so, wie gewünscht. Wir landeten auf der doofen B4. Ich mag die nicht ... die ist so wuselig, so langweilig und total nervend.

Kurz vor Groß Oesingen gibt es auf der rechten Seite einen alten unbenutzten Gasthof. Da hielt ich auf dem Parkstreifen an. Mir war kalt, ich hatte einen saumäßigen Hunger (ich frühstücke morgens nur Kaffee, feste Nahrung gibt es erst später!) - und mußte mal wieder. Während die LKW und die anderen Samstagseinkäufer an uns vorbeikachelten, futterte ich mein Frühstücksbrot. Die Sonne kam ab und an durch, und so langsam wärmte ich mich wieder auf. Der unbewohnte Gasthof war nicht ganz so unbewohnt wie ich geglaubt hatte - vielleicht tauchen jetzt bei youtube Videos von mir auf, wie ich da hinten im verwilderten Garten hocke ... mir egal!

Der Blick auf die Motorradkarte zeigte uns nun, dass es eine wesentlich schönere Möglichkeit gibt, um in Richtung Hermannsburg zu gelangen! Die wollten wir jetzt nutzen.


Gerade das Stück hinter Eschede durch die Heidewälder hindurch ... das war ein Fahr-Traum nach der öden B4-Strecke! Kaum Autos, schöne Eichen-Alleen, und schöne sanfte Kurven. Ich war begeistert und die Problemchen der Anfahrt waren vergessen. Die Vorfreude auf das Treffen gelangte endlich in mein Herz.





Hermannsburg ist ein niedlicher, dörflicher Ort, den ich bislang nur von Kirchentreffen her kannte. Wir fuhren ein Stück weit die L240 längs, und überquerten dann die Örtze. Ich verrenkte mir den Hals, aber bis auf ein winziges Stück grüne Baumreihe konnte ich nichts erkennen. Aber das Wasser würde schon noch da sein ...

Es ging in Müden hinein, und nun endlich bewies der Navi einmal seine Intelligenz - er führte uns schnurstracks durch ein Wohngebiet, und dann konnte ich schon das Hinweisschild "Vulcanier" erkennen.
Wir waren da!

Ein Checkpoint-Zelt stand am Eingang, und die dortigen Helfer hießen uns anzuhalten, und den Motor abzustellen. Der Mann begrüßte die Damen, während ich noch damit beschäftigt war, abzusteigen und mich vorsichtig zu orientieren.
Wir erhielten Armbänder, mit denen wir autorisiert waren, überall herumzulaufen und auch am Futtertrog teilnehmen zu dürfen.


Moppeds, Moppeds, überall Moppeds ... ein toller Anblick!
 

Der Banditmister fuhr dann auf den Eingangsplatz. Er wollte sich zu Fuß beim Campground umgucken. Sinnvoll, denn es war schon ziemlich zugezeltet dort.
Zunächst begrüßte er gefühlte 300 Leute. Ich bekam auch meine Umarmungen und war etwas verlegen. Die meisten Leute kannte ich gar nicht, aber diese Herzlichkeit fand ich total super.

Wir stapften hinter das Haupthaus auf der Suche nach einem geeigneten Zeltplatz. Zum Glück fanden wir dann diesen hier:




 


Direkt links außerhalb des Fotos ging eine Treppe ins Gebäude, und da kamen gleich der Speisesaal, die Toiletten und die Duschräume. Perfekt!

Sandiger Boden, sprich: Waldameisen und Spinnen, aber wegen der Trockenheit keine Zeckengefahr.
Wir gingen zurück zu den Moppeds und ich war jetzt total nervös: vor den Augen dutzender Anwesenden auf dem Platz eine Kurve fahren, auf dem schmalen Fußweg auf das Grüngelände tuckern, dabei keinen peinlichen Scheiß bauen und noch ohne Probleme parken!

Alles ging gut - und da ich (auch für die kurze Fahrt) meinen Helm aufgesetzt hatte, konnte keiner meinen angestrengten Gesichtsausdruck wahrnehmen.

Der Mann kann das immer nicht so wirklich nachvollziehen. Aber mich macht das nervös - fremde Umgebung, und dann noch soviele mir unbekannte Menschen, das verwirrt mich zunächst heftig.
Als mein Zelt stand (meine Bastion), ging es mir wieder gut. Das Haus errichtet, meine Burg und Rückzugsmöglichkeit. Gemütlichkeit beim Reinsehen ...


Das Foto kennt ihr ja schon ;-)


Nach dem Aufbauen fuhren wir die Maschinen wieder nach vorne. So machten es dort fast alle Biker - aus Rücksicht auf die, die schlafen wollten. Manch einer mußte sich ja für Sonntag nüchtern schlafen, was nicht geht, wenn nebenan der Nachbar mit seiner Maschine herumbollert.
Der Mann stellte seine Bandit rückwärts hin. Ich stellte mich ihm gegenüber, weil ich das Rückwärts einparken nicht gut drauf habe ... und ich hätte mir eher in die Hand gebissen, als das ich ihn hätte Ellie einparken lassen ... so'n büschen Stolz habe ich ja auch!




Seht ihr Ellie? Sie paßt doch perfekt in die "rote Reihe" dort!


Mir war heiß geworden. Ich ging zurück zum Zelt, schnappte mir mein Waschzeug und begab mich auf die Suche nach einer Dusche. Diese Jugendherberge war klasse (ich war noch nie in einer, vielleicht sind sie alle so gut?) - alles gut erreichbar, und genug Möglichkeiten zum zurückziehen, frischmachen und anderem. Und alles so sauber und fein ausgestattet! Das Personal machte zwischendurch immer mal sauber, füllte Toilettenpapier nach, die Papierhandtücherbehälter wurden neu bestückt ... immer mit einem freundlichen Gesicht, und gut gelaunt. Das hatte ich auf Campingplätzen so nie erlebt! Da schob einmal am Tag eine muffelige Gestalt einen Putzwagen durch und reinigte lustlos mehr oder weniger sauber vor sich hin ...
Zwar waren die Duschkabinen hier ohne Duschvorhang, aber da ich dort alleine war, störte mich das wenig. Der Duschstrahl knallte mir auf den Pelz, so dass von der Wassermassage mein Kreislauf in die Höhe schoß. Ich setzte den Vorplatz mit der Kleiderbank dermaßen unter Wasser, dass ich die Sauerei später verschämt mit Papiertüchern nachwischte.

So perfekt erfrischt und angeregt, zog ich mich im Zelt noch kurz um, und dann traute auch ich mich nach vorne, in die Menge der Leute.

Am Kaffee-Kuchenzelt versorgte ich mich ausreichend, und dann verzog ich mich auf Entdeckungstour mit der Kamera über das Gelände auf der Suche nach der Örtze.
Und da war sie!











Sandstrand an der Örtze - hier gab es gestern Patch-Taufe und die zwei armen Probanden mußten im Borat-Mankini-Badeanzug im knietiefen Wasser herumfrösteln und ihr Patch suchen ... nur eines wurde gefunden, das andere hatte sich auf den Weg nach Afrika gemacht ...







Zwei Väter und ihre Kinder waren damit gerade beschäftigt, das Paddelboot zu bestücken. Die Kiddies tobten noch im Wasser herum, und ich fand sie extrem mutig. Das Wasser war so kalt, dass es mich in die Unterschenkel biß.
Keine 12°!

Ich genoß diesen Moment. Auf das Wasser schauen, den Vogelstimmen lauschen, in der Nähe hörte ich Motorräder ankommen und Leute lachen ... ich verstoffwechselte die Eindrücke in aller Ruhe.
Jetzt war ich wirklich angekommen!

Mit einem Grinsen im Gesicht ging ich zurück zum Kaffeezelt, wo der Banditmister und andere Bekannte herumstanden und Benzin redeten.
Viele der Anwesenden waren gestern schon angereist, hatten den Freitag abend erfolgreich begossen und so einige von ihnen waren jetzt - gegen 14 Uhr - gerade erst wach geworden. Die Truppe, die die Ausfahrt mitgemacht hatte, bollerte in dem Moment auch auf den Platz. So viele große Maschinen ... mal sehen, wann ich soweit bin, dass ich bei so einem Event mitfahren kann. Momentan ist mir das alles noch viel zu aufregend. Zutrauen würde ich mir das, keine Frage. Aber da sind noch so einige Unsicherheiten, an denen ich erstmal noch arbeiten will ...


Mit den Zeltnachbarn gab es bis auf zwei Ausnahmen keine Probleme. Diese beiden Ausnahmen waren leider äußerst rücksichtslos - zum einen fuhren sie im Brausebrand am Samstag nachmittag ständig mit ihren Maschinen am Bierwagen vorbei und zwischen den Verkaufsständen entlang, zu ihren Zelten genau gegenüber von meinem, und wieder zurück zum Bierwagen - und am nächsten Morgen waren sie gegen 6 Uhr am lauten und sinnlosen Herumseiern und Dünnsinn labern - was ihnen beinahe eine mächtige Abreibung beschert hätte.
Ich konnte mich gerade noch zurückhalten ... ich bin ja ein höflicher Mensch ... und gegen fehlende Kinderstube hilft Prügel nun leider auch nicht ... aber ich war SOOO dicht dran, die zu verhauen - echt ey!




Moppeds gucken ...



 



 

Getränke gucken ...




Zelte gucken ...




Tiere gucken ...





Am Festzelt traf ich Bekannte wieder. Meine Tischnachbarn vom Herrentag! Gruß an Reaper und Big Chief!


Gesponsortes T-Shirt

Es wurde viel gelacht und gescherzt, aber auch trauriges angesprochen. Auf dem Partygelände stand ein Zelt, in dem der gestorbenen Biker der Vulcanier gedacht wurde. Das aktuelle Foto und ein Kondolenzbuch waren - von einem Blumengesteck und einer Kerze eingerahmt - auf einem Tisch dargestellt.
Der Mann und ich gingen ins Zelt, und ich schrieb einen Satz in das Buch. Danach ging es mir gar nicht gut, und ich brauchte erst einmal einige Minuten, um mich wieder zu fangen ...

Es war noch Zeit bis zum Abendessen, und so holten wir uns vom Bratwurststand zwei leckere Griller. Das war genau das richtige jetzt ...

Später folgten die Bikerspiele, die allen Anschein nach lustig waren. Das Tretroller-Fahren ging bei einigen mehr oder weniger unelegant ab, aber alle hatten sehr viel Spaß bei den Versuchen :-).

Vor dem Abendessen gab es noch die Preisverleihung im Zelt. Hier einer der Preise - ich war heftig neidisch auf den Gewinner ...


Ein Windlicht - wunderschön gestaltet, und eine tolle Idee vom Hannover-Stammtisch, der dieses Treffen ausgerichtet hatte



Auch die Reden, die gehalten wurden, rührten mich (und die Anwesenden) an. Ich will hier aus Respekt nicht auf Einzelheiten eingehen - die, die das Blog lesen und dabei waren, werden wissen, was ich meine!

Dann wurde zum Essen gerufen. Mal eben an die 200 Biker verköstigen, das ist eine besondere Herausforderung für jede Küche! Die sind da ja sonst nur Kinderhorden gewohnt. Eine Zweihundertschaft hungrige Biker, das hat schon was von einem Überfall der Wanderheuschrecken!

Das Team von der Jugendherbergen-Küche hat aber wirklich gute Arbeit geleistet. 3 verschiedene Sorten Braten - wobei der Rinderbraten ziemlich zäh geworden war, aber das mag am Tier gelegen haben - viel unterschiedliches Gemüse, Kroketten und Salzkartoffeln und dann auch noch ein großes Salatbufett.

Und zum Nachtisch ein Quark-Obst-Törtchen - oh, siebter Himmel meiner :-)!
Foto gibbet nich', ich war zu gierig und futterte es auf, bevor mir siedenheiß einfiel: verdammt, Foto für's Blog machen ... ach Pech, schon aufgegessen ...


Nach dem Essen hockten und standen die Biker auf dem Gelände herum, das Lagerfeuer wurde angezündet ...





Im Programm war etwas von einer Überraschung angesprochen worden. Und die kam dann auch. Während ich mit anderen Bikern auf dem Gelände herumstand und erzählte, hörte ich vertraute Klänge.


Herumstehen und erzählen ... nette Leute kennenlernen ... unbekannte Dialekte hören und gemütlich sein ...


Es folgte ein Aufmarsch von Fakelträgern und in dessen Mitte ein Dudelsackspieler. Der ging bis ans Lagerfeuer, stellte sich dort auf, und gab seine Kunst zum besten.

Lagerfeuer, Dudelsack (Amazing Grace ...) und die ganze Atmosphäre - ich mußte mir schon wieder die Augen wischen ... 




Ich stand da in der Abenddämmerung und hing meinen Gedanken nach. Da ich keinen Alk vertrage, holte ich mir Unmengen von Fanta, Sprite und Wasser - denn da mein Zelt in der unmittelbaren Nähe der Örtlichkeiten lag, konnte ich mir das viele Trinken auch "leisten". Die Männer machten es sich da einfacher. Ein Mann, ein Gebüsch ...

Es bildeten sich Grüppchen, und die Stammtische bespaßten sich untereinander. Wortfetzen über Motorradtechnik, Toureninformationen und anderes Benzingerede drangen an meine Ohren. Aber auch persönliches durfte ich hören ...
Ich erfuhr von einem Brautkleid, was in China bestellt wurde und erst auf den letzten Drücker geliefert ankam, von einem zuvor knieenden Heiratsantrag in aller Öffentlichkeit, von einer total überraschten und aus dem Anlaß heulenden Verlobten, einer späteren total coolen Braut und einem zappeligen Bräutigam ... blöder Heuschnupfen, ich hatte schon wieder was ins Auge bekommen, mhm ... übrigens hatten nach dem Dudelsackspieler irgendwie noch so einige andere Leute diese Probleme gehabt ...

Es waren mächtig viele Eindrücke, die da an diesem Abend zu mir kamen ...


Es wurde dunkel, und gegen 23 Uhr war ich so müde, dass ich mich mit meiner Zahnbürste in den Waschraum verzog. Zeit zum Schlafen gehen. Ich verabschiedete mich vom Mann, der sich im Kreise seiner Freunde vergnügte und mich augenscheinlich nicht wirklich vermißte, und tapste mit meiner Taschenlampe im Anschlag zum Zelt.

Die Lautstärke der Dosenmusik drang nur bedingt bis hierher. Das Licht der Waschräume drang dämmerig durch den Zeltstoff zu mir, und so brauchte ich keine Lampe zum Umziehen. Ich stopfte die Wolldecke um das Fußteil des Schlafsackes und unter die NeoAir. Sehr gute Lösung, in der Nacht ließ ich den Schlafsack-Reißverschluß offen und fühlte mich trotzdem nicht ausgekühlt!
Das war ein schönes Treffen. Und eine ganz eigene Atmosphäre dort auf dem weitläufigen Gelände der Jugendherberge. Ein schöner Festplatz, der einem viel zu bieten hatte.

Während die anderen Gäste noch feierten, lag ich auf dem Rücken und genoß den Ausklang des Abends auf meine Weise. Ich fühle mich wohl. Richtig wohl. Mir war warm, ich war satt, und aus den Zelten von hintermir drangen gemütliche Schnarchgeräusche zu mir, die mich inspirierten. Irgendwann war ich traumlos eingeduselt ... ich konnte gar nicht mehr Gute-Nacht-Welt murmeln!

Hier geht es zu Teil 2: KLICK

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Dienstag, 17. Juni 2014

12.6.2014 - Zelten im Weserbergland - Teil 2 - Achtung, lang!

Laut Proplanta soll morgens um 3 Uhr die Temperatur am niedrigsten sein.

Ich bestätige das.
Morgens um 3 Uhr wachte ich mit eiskalter Nasenspitze auf. Obwohl ich mich in den Salewaschlafsack ( man liest es: Salewa-Schlafsack ;-) ... ) gehüllt hatte wie Ägypter ihre Mumien einwickeln, obwohl ich ein Schlafsack-Inlet "angezogen" hatte (soll die Wohlfühltemperatur um 9° steigern), fror ich an den Unterschenkeln.
Die Luft im Zelt schien mir feucht, dadurch sehr kühl, und beim Ausatmen konnte ich meinen eigenen Atem sehen. Erstaunlich, wie hell es schon war ...

Der Schlafsack hat kein flauschiges Innenfutter. Er ist aus funktioneller Kunstfaser, und somit für deutsche Wetterverhältnisse gut angepaßt. Da klumpt nichts, da muß nicht auf Trockenheit geachtet werden. Der Nachteil ist aber auch, dass er sich kalt anfühlt!
Ich hatte bis zum Fußende noch 30 Zentimeter Luft. Ich werde diesen Hohlraum das nächste Mal mit einer Winter-Wollleggins ausstopfen, um meinen persönlichen Wohlfühlbereich zu optimieren.
Der Schlafsack vom Mann ist weniger teuer gewesen als meiner, hat ein flauschiges Innenfutter, ist auch nicht so dick wie der meinige. Und der wärmt VIEL besser! Ich zog einen Ohrstöpsel heraus und lauschte in das Morgengrauen. Vom Zelt nebenan drangen Geräusche an meinen Gehörgang: der Mann war noch damit beschäftigt, die wilden Tiere vom Zelt fernzuhalten.
Er hätte es sicherlich nicht so toll gefunden, wenn ich ihm seinen schönen, flauschigen und warmen Schlafsack weggezogen hätte ...

Also vermummte ich mich wieder, nachdem ich zwei Kleidungsstücke in das Fußende des Schlafsacks gestopft hatte.
Angebliche Extremtemperatur bis -5°C.
Oben herum paßte das, aber die Unterschenkel ... ich brauche wohl noch einen Woll-Innensack.

Endlich hatte ich eine annehmbare Schlafposition gefunden. Dann rutschte das zweite Kopfkissen weg. Ich hatte zwar um das selbstaufblasende Kopfkissen eines dieser "Zauberhandtücher" gewickelt, damit es nicht so auf der glatten NeoAir-Oberfläche herumrutscht, aber das zweite Kissen wollte nicht so wie ich mir das für eine gute Nackenstütze vorstellte.
Dieses ganze Herumgezuppel brachte meinen Kreislauf in Wallung, so dass mir jetzt nicht mehr kalt war.

Endlich schlief ich wieder ein ...

Aber morgens um 6 Uhr war ich dann wieder wach. Schlafen auf der Luftmatratze muß ich noch üben! Ich habe zwar die Komfortmatratze von 65 cm Schulterbreite gekauft, was aber immer noch zuwenig ist, wenn man zuhause ein 1,40 m breites Bett sein eigen nennt!

Ich zog beide Ohrstöpsel heraus und lauschte erstmal. Stille. Nur ab und an zirpte ein Vogel vor sich hin.
Die Luft war immer noch kühl und feucht.
Jetzt kam der spannende Moment. Im Zelt selber kann ich nur hell/dunkel, kalt/warm unterscheiden. Wie würde die Weser aussehen? Die Landschaft am Zelt?

Ich zog und zerrte am Reißverschluß des Schlafsacks herum. Endlich konnte ich mich aus der Pelle befreien, griff zur Seite und setzte meine Brille auf. Prompt beschlug sie mir. 

Dann hockte ich mich vor den Eingang und zog den Reißverschluß des leichten Innenzeltes auf.  Das Außenzelt war klatschnass von innen. Ich zog auch diesen Reißverschluß auf, und gleich klebte mir der Stoff im Gesicht fest.
Grumpf. Ich mußte erstmal die Stoffbahn einrollen und mit dem Hakenverschluß außen an der Zeltstangenschlinge einhaken. Klingt leicht, aber versucht das mal morgens um 6 Uhr mit klammen Fingern und beschlagener Brille!


Und dann konnte ich endlich genießen, was sich mir da für ein Anblick bot:




Voilá - aus dem Bett heraus Blick auf die Weser - morgens um 6 Uhr; leicht verschobener und schiefer Horizont, aber hey - es ist 6 Uhr!!! Was erwartet ihr da!




Der Nebel hing über dem Fluß und über dem gesamten Zeltplatz. Das Licht glitzterte in den Wassertropfen, die dick und schwer an den Grashalmen hingen wie Perlen an einer grünen Schnur. Kein Wunder, dass ich in der Nacht gefroren hatte - es war nicht die Kälte, sondern die Luftfeuchtigkeit gewesen. Daher war auch das Außenzelt von innen so nass gewesen. Wie gut, dass ich gestern Nacht noch die Motorradstiefel in einen Müllbeutel gesteckt und fest zugeknotet hatte. Und die Motorradsachen in die L-RackPack-Tasche gehüllt und zugeklipst.








Gestern abend hatte ich den Mann gebeten, den Aufsatz auf die Gaskartusche zu bringen. Da es auf dem Campingplatz keine Küche gibt, gab es keine andere Möglichkeit, an heißes Tee- und Kaffeewasser zu kommen außer, ich würde den Gasbrenner anwerfen.
Für genau solche Zwecke hatte ich das Teil ja auch gekauft.
Bei Svenja hatte ich mir abgeguckt, was man alles mit dieser kleinen blauen Kartusche veranstalten kann - ich fing allerdings mit etwas leichtem an: kochendes Wasser fabrizieren, das wollte ich zunächst mal!

Mein Gekrame und Geraschel weckte den Mann. Nachdem er sein Erstaunen darüber, dass ich schon wach war, verdaut hatte, war er so nett und holte mir einen Topf mit Trinkwasser.

Während ich auf seine Rückkehr wartete, bekamen wir Besuch!



Diese beiden Tiere werden uns später im Blog noch mehrfach begegnen!


Völlig ungeniert und ohne Scheu stapfte das Entenpärchen an den Zelten vorbei. Da, wo sie hergekommen waren (rechts im Bild zu sehen, ein Einschnitt im Grünzeug), da ging ich jetzt auch erstmal hin.
Mit Blick auf die Weser "austreten", das hat was.
Eine Handvoll Spinnen huschte hektisch nach allen Seiten in das Schilf zurück. Keine Angst, ihr kleinen Nützlinge, ich tue euch nichts!

Zurück am Zelt, war auch das Kaffeewasser angekommen. Ich hatte mir extra einen Mini-Primustopf gekauft, nach einer Empfehlung von http://www.unterwegens.de

Der Deckel ist gleichzeitig eine kleine Bratpfanne. Kaum größer als meine Handinnenfläche, reicht es für eine Single-Kochaktion dicke hin!

Ich kramte nach dem Feuerzeug, drehte den Regler hoch, hörte das Gas fauchen, und zündete an. Diesen Gaskocher hatte ich mir gekauft: KLICKKLICK

Svenja, Du hast gar nirgendwo beschrieben, wie schön sich dieses Fauchen anhört, wenn das Gas seine Arbeit tut!





Ich krabbelte zurück in das Zelt, hüllte meine kalten Beine in den Schlafsack, und bewachte den Kochvorgang.




Feuer bewachen - wann blubbert das Wasser?



Der Primustopf leitete die Hitze super weiter. Innerhalb weniger Minuten kochte das Wasser. Für den Gaskocher werde ich mir für den nächsten Ausflug eine Unterleg-Fliese mitnehmen, er stand doch etwas wackelig auf dem Gras bzw. der Unterlage.

Nachtrag: Dank an Michi - ich kaufte DAS hier: KLICKKLICK ... bin gespannt auf die Wirkung!



Tee ist in Arbeit, Kaffee schon fertig (außerhalb des Fotos) und der ehemals nagelneue Gasaufsatz hat sich durch den Kochvorgang schon entsprechend verfärbt


Mit Gas zu kochen, kannte ich ja aus Dänemark. Es ist aber etwas anderes, wenn man einen Gasherd hat, und im Unterschrank eine 11 Kg Gasflasche schlummert - hier gab es nur die kleine Kartusche und einen Aufsatz.
Der Kochvorgang war ursprünglicher. Allerdings auch gefährlich. Wenn das Teil mal umkippt ... daher die Kochfliese (zukünftig!).
Morgens habe ich es noch nicht so wirklich mit Motorik, da kann das schonmal passieren!

Wir saßen bequem auf unseren Campingstühlen, genossen die heißen Getränke und den Ausblick.

Was war das wunderbar ... mitten in der Natur, ein heißes Getränk in den Händen, die Badeschlappen an den Füßen nass vom Tau im Gras, die quakenden Enten auf der Weser (das Pärchen hatte 4 Junge, die Mühe hatten, die schnell fließende Weser zu verlassen) ...



Der Nebel geht langsam hoch - hängt noch in den Hügeln ... was für eine geniale Morgenstimmung um 7 Uhr!
Seht ihr den geraden Horizont? Die Motorik funktioniert wieder ;-)!






BimmBimmBimm ... Idylle pur! Hier nur klein zu erkennen, sieht das Video auf dem PC zuhause noch schöner und heimeliger aus ... kurz vor Schluß fliegt sogar eine der Enten durch das Bild, was hier leider kaum zu erkennen ist


Zum Vorfrühstück hatte ich von zuhause etwas mitgebracht ... was keine so gute Idee war, denn diese Cupcakes waren sogar mir zu süß!






Ich begutachte die Weser - braun war sie geworden, von den Regenfällen der letzten Tage auch über Nacht heftig angeschwollen






Die Zeltleinen-Wäscheleinen-Idee hatte ich mir ebenfalls bei Svenja abgeguckt - da lernt man viel!


Der Nebel verflüchtigte sich und die Sonne kam durch. Die Wassertropfen auf Zelt und Maschine trockneten.
Jetzt konnte ich auch die Ascheteilchen auf dem Zelt und auf Ellie entdecken.
Grummel ...
Der eine der Feuerteufel war bereits aufgestanden, und stellte sich mit dem Bauch an den Grünstreifen bei seiner erkalteten Feuerstelle. Er war nur mit einer knappen Badehose bekleidet, und ich war erstaunt, dass die Schwerkraft ihn nicht nach vorne zog - diese Holstenkugel da vorne dran hatte die Ausmaße eines 50 Liter Fasses ...
Er stand und stand - und so langsam bekam ich Mitleid mit ihm. Da schien was mit der Entwässerung nicht zu funktionieren ...

So langsam erwachten nun auch die anderen Camper. Die Holländer schlichen leise und bedächtig um ihre Unterkünfte herum, sammelten Handtücher, Schlappen, Müll und Kaffeetassen ein und wanderten in Richtung Haupthaus zum Abwaschen, wie ich vermutete ...

Da mich die Cupcakes zum Frühstück nicht wirklich begeisterten, wollte ich etwas besseres frühstücken.
Im nahe gelegenen NP-Discounter gab es sicherlich vernünftige Einkaufsmöglichkeiten. Also schlappten der Mann und ich zunächst einmal zum Waschcontainer, um uns einigermaßen landfein zu machen.

Die Sonne gewann an Kraft, und zurück am Zelt zog ich mich noch einmal um. Kurzarmshirt (was mir zwar Abkühlung, aber auch einen heftigen Sonnenbrand bescherte, aber dazu später ...).


Wasser treten soll ja gesund sein!



Weser links runter, vom Zelt aus gesehen ...



Weser rechts runter ...

  

Der Platz erwacht ...  Im Hintergrund leuchtet im Morgenlicht Burg Polle; was für eine Campground-Kulisse, gelle?



Zeltplatz vom Weserufer aus gesehen ... 
dann kamen zwei Boote vorbei und die Insassen beäugten uns interessiert ... einer sagte dann zu den anderen Bootsfahrern "Guckt mal, Moppedfahrer" ...und das klang so, als hätte er eine seltene Tierart entdeckt


Der Einkauf beim NP-Markt bescherte mir ein Stück Wassermelone, einen Handfeger, 6 frische rohe Bioeier, eine Wurst- und eine Käseaufschnittstiege, 4 Brötchen mit seltsamen Namen (ich mochte die anfangs kaum anrühren; wenn mein Essen einen Namen hat, habe ich immer das Gefühl, ich würde einen Freund töten ...) und eine kleine Flasche Olivenöl.

Am Zelt angekommen, ging die Testphase Gaskocher/Primus-Pfanne los.





Pfanne drauf, Feuer an - und warten



Eier salzen; Dank an MD für die gratis Probetütchen Salz und Pfeffer ... 



Rechtzeitig wenden - Rührspiegeleier!
Die Gaskartuschenkocherei muß ich noch üben; die erste Ladung wurde etwas sehr knusprig, weil die Wärmeentwicklung deutlich heftiger ausfiel als beim E-Kochen; und ohne Olivenöl-Tuning brennt es in der Mitte doch leicht an!



Die letzte Ladung von 2 Rührspiegeleiern wurde dann perfekt



Mittlerweile knallte die Sonne vom Himmel. Der Mann hatte intelligenterweise ein Sonnensegel mitgenommen, welches jetzt zum Einsatz kam!






Prost Urlaub - ich genieße das Frühstück und kann nach Herzenslust krümeln und kleckern; das Gras nimmt mir das nicht übel, und die späteren Besucher erfreute es auf das heftigste!



Aaah - ein Krümel! Schnell wegschnabeln, bevor das Weib mich wieder zwickt, das futterneidische!
Die Feuerstelle ist übrigens nicht die von den Feuerteufeln; die waren weiter links oben, außerhalb des Fotos!



WaakWaakWaak - Daisy fraß mir aus der Hand, Donald hielt sich schüchtern zurück und bekam kaum etwas ab, weil seine Frau futterneidisch bis zum Zwicken war!






Komisches Futter, da auf der Leine ... !







Enten beim Limbo - unter der Wäscheleine durch ...





Wir lagen gemütlich unter dem Sonnensegel. Der Mann hielt ein Frühstücksschläfchen, und ich guckte faul und entspannt durch die Grashalme auf die Zelte. Es kam leichter Wind auf, und kühlte perfekt. Die Duschhandtücher flatterten fröhlich im Wind, die Weser plätscherte leise und die Entengäste waren irgendwo im Gebüsch mit ihren Aktivitäten beschäftigt.

Ab und an tönte die Motorsäge eines Dauercampers, der mit Krach und viel Bemühen seine Hecke massakrierte. Als diese Arbeit erledigt war, ging es ans Rasenmähen. Und später wurde mit dem elektrischen Rasenkantentrimmer nachgefeilt.
Warum gibt es diese Gerätschaften nur mit soviel Geräuschen? Damit Muddi im Vorzelt hört, dass ihr Heinzelmännchen auch wirklich arbeitet und keinen Blödsinn macht?

 Ich hatte sowas von keine Lust, jetzt abzufahren; es war zu heiß, um sich jetzt in das schwarze Motorradzeug zu pellen - eigentlich hätten wir bis 13 Uhr vom Platz sein sollen, aber wenn wir später fahren würden, gäbe es auch keinen Streß. So die Aussage im Restaurant.

Mittags- und Fahrruhe von 13 - 15 Uhr. 
Was die Feuerteufel nicht davon abhielt, doch wieder Remmidemmi zu machen.
Die pure Natur bringt so manchen wohl in Verzweiflung. Es ist erschreckend, wie wenig Menschen diese Friedfertigkeit aushalten, und wie schnell sie diese Ruhe mit Stadtgeräuschen verschmutzen.

Mein Denali war von Rapskäfern umschwärmt. Die grüne Farbe ist wohl gerade total hipp bei den kleinen Viechern.
Ich mußte mich schon sehr zwingen, mal einige Zeit gemütlich auf dem Bauch liegend einfach nur so zu entspannen. Das zeigte mir deutlich, wie nötig ich einen Faulenzerurlaub hatte!
Da der Mann kurzfristig wieder die bösen, gefährlichen Tiere verscheuchte - was leider nicht bei den Rapskäfern half - wurde auch ich langsam schläfriger und ruhiger. Irgendwann muß ich doch eingenickt sein, denn als mir das eine Ende des Sonnensegels ins Gesicht schlug, schreckte ich reflexartig hoch.
Huch - der Wind hatte die Abspanngurte etwas gelockert. Schnell war das behoben. Die Sonne knallte jetzt mächtig, und mir taten die Schultern weh.
Der Mann tatschte mit einem Zeigefinger drauf: "Du, da bist Du ganz rot!"
AUA - ja verreck, das weiß ich jetzt auch!
Ich legte meinen Waschlappen in das kühle Wasser, was ich nach dem Frühstück in die Faltschüssel gefüllt hatte. Mit dem kalten, feuchten Tuch im Nacken fühlte ich mich gleich wohler. Es wäre klüger gewesen, sich das T-Shirt anzuziehen. Aber das war mir zu warm!


Fußthermometer: bestimmt 30° da außerhalb vom Schatten!


Es half aber nichts mehr - die Zeit ging durch den Tag, und so langsam mußten wir ans Einpacken denken.
Stück für Stück wurde wieder eingeräumt ...




... und aus dem sicheren Schatten unter dem Sonnensegel heraus noch ein Abschiedsfoto - Ellie wieder bepackt ... damit die Spanngurte nicht den Lack zerschraddeln, hatte ich meine Polierlappen drumgewickelt; perfekt!


Gegen 15 Uhr fuhren wir gemächlich vom Platz. Der hoppelige Untergrund machte mir nichts mehr aus, ich fuhr da langsam aber ohne Hemmungen bis zur Fähre vor. Auch die Fahrt auf und wieder von der Fähre herunter wurde ohne Probleme gemeistert.
Ich habe mich gesteigert, definitiv ...

Wir fuhren gemütlich an der anderen Seite der Weser entlang, Richtung Bodenwerder.




Das sanfte Dahingleiten durch die schönen, langgezogenen Kurven mit Blick auf die Weser links von mir gefiel mir ausnehmend gut. Ich hätte mir Schritttempo gewünscht, um diese ganzen Bilder in mich aufnehmen zu können.
Leider waren die anderen Fahrer nicht so entspannt. Trotzdem kam ich auf meine Kosten. Der Blick auf den Ort Rühle, wo die Häuser direkt an den Felsen gebaut sind, den habe ich immer noch vor Augen.
Empfehlung !!! Fahrt hier nicht einfach vorbei - haltet mal an und verstoffwechselt mal die Landschaft!
Fahrenfahrenfahren ist auch mal nett, aber wo bleibt da das Seelenfutter? Gönnt euch das, sonst bereut ihr es vielleicht später!
Ich hatte es bereut, und ich werde das Reisen in die schöne Gegend wiederholen, jawohl!

Nach Bodenwerder gab es eine undurchsichtige Umleitung, die den Navi veranlasste, eine andere Route zu nehmen als geplant. Irgendwann fuhr ich rechts ran und erklärte dem Mann, dass wir verkehrt wären.
Das war nicht als Kritik, sondern als Information gemeint - kam aber durch den Helm nicht so durch. Ja, ich denke nun doch über ein Helm-Micro nach - diese Tonfall-Mißverständnisse können nerven ...

Nach diesem Mißverständnis fuhr ich dann vor - was die Sache aber nicht besser machte: ich fuhr schnurstracks in die nächste Baustelle. Vollsperrung nach links, genau da wollten wir aber längs!
Diesesmal war es laut STVO kein Durchkommen, was wir aber dann ignorierten. Es folgte ein unkoordiniertes Gefahre in einem kleinen Ort namens Tuchfeld, bis ich wieder vor einer Schuttfläche landete. Ja verreck - schon wieder dieses blöde runde Schild - rote Umrandung und weißes Innenleben.
Also umdrehen!
Schlussendlich gelangten wir dann doch noch irgendwie nach Halle/Weser. Und von dort aus denn Richtung B1.

Und dann DACHTE ich daran, nach Coppenbrügge zu fahren. Den Ith zu UMfahren. Pft - falsch geplant ... schnurstracks fuhr ich Richtung Lauenstein. Und erwischte somit die heftigen Spitzkurven vom Ith-Ausläufer. Noch spitzer als die, die ich auf der Hintour gefahren war!

Und der Mann hinter mir wunderte sich mal wieder ... sie wollte doch ganz geruhsam gerade fahren? ...
Ja, wollte ich ja auch.

Eigentlich ... !



Kurz nach Lauenstein gab es dann auch eine Pause im kleinen Ort Oldendorf an der B1, beim NP-Supermarkt. Ich brauchte das.

Die Frau am Bäckertresen war total nett und bemüht. Später erfuhr ich, dass ihr Mann auch Motorrad fährt, und gerade in der Woche mit seinen Kumpels in Italien herumfährt.

Draußen vor dem Supermarkt lehnte ich mich hinter einigen Blumenpaletten an die Glaswand, trank meinen Kaffee und knabberte ein Marzipan-Mandelhörnchen.
Wenig später ging es mir wieder besser.
Ich war wohl nur total unterzuckert gewesen! Motorradfahren ist Motorsport! Hochleistung für Körper und Geist. Da ist Diäten fehl am Platz.

Es folgte noch ein nettes Gespräch mit einem Einheimischen. Er hatte einen tätowierten Anker auf dem Arm (was mich an einen Seemann denken ließ), und hatte unter anderem lange im Steinkohlebergbau in Osterwald gearbeitet - oberhalb von Oldendorf. Bergbau in dem Bereich hatte ich bislang nur mit Salz in Verbindung gebracht (daher auch der Name des größeren Ortes dort in der Nähe: Salzhemmendorf!).

Nach dieser Stärkung war ich mal wieder Tourguide, und fuhr gekonnt durch Hildesheim hindurch. Weil wir beide keine Lust auf die langweilige und nervende B1 hatten, ich aber keine geeignete Nebenstrecke im Kopf hatte, übernahm der Mann mit dem Navi dann wenige Kilometer später erneut die Tourführung.

Es ging über kleinere Vororte bis nach Salzgitter. Je dichter wir an die Stadt kamen, umso ungeschmeidiger wurden die Autofahrer.
Schiefmützenträger - vom Mann und mir treffend "GuggstDu"s genannt - jagten ihre getunten 3er-BMW mit dröhnenden Bässen die kleinen Straßen entlang.

Wir waren beide froh, als wir endlich aus dem Dunstkreis dieses Ortes heraus kamen. Ich übernahm wieder die Führung, da ich die Strecke nach Wolfenbüttel-Linden mittlerweile tanzen kann, so oft war ich da längsgefahren.

Gegen 19 Uhr kamen wir zuhause in Weddel an.
Ich war doch ziemlich erledigt, und mir tat der Rücken weh. Vom Sonnenbrand, und vom Fahren auch.

Der Mann konnte sich ein warmes Vollbad leisten, was mir versagt blieb. Sonnenbrand, krebsrote Haut und heißes Wasser sind KEINE gute Mischung ... dementsprechend versteift wachte ICH am nächsten Morgen auf. Muskelkater!
Dem Mann gings prima, er war fit wie ein Turnschuh - roch aber besser ...


Gesamtlänge der Tour: ungefähr 300 Kilometer.


Fazit der Campingtour im allgemeinen und im besonderen:


Das war der erste kleine Urlaub außerhalb von Bikertreffen. So richtig zelten also. Es hat mir sehr gut gefallen.
Beim Zelten bin ich dichter dran - an allem. An den Geräuschen, an den Wetterverhältnissen, an meinen eingefahrenen Bahnen und Grenzen. Beim Zelten konnte ich mich neu sortieren - durch den Alltag bin ich in vielen Bereichen so unglaublich unflexibel geworden, und beim Zelten ist häufig Flexibilität und Kreativität gefordert. Das finde ich klasse. Ich lerne mich beim Zelten neu kennen - komme aus meiner Komfortzone heraus, und das ganze sogar freiwillig.
Andere gehen ins Kloster und machen auf Selbstfindung.
Ich schnappe mir Ellie, meine Packtaschen und fahre in die Welt. Ich habe neuen Respekt gefunden - vor mir selber. Wie kreativ ich trotz allem immer noch bin. Trotz aller Schicksalsforderungen und fortschreitendem Alter (ja, das muß ich auch mal vor Augen haben). Solange ich meine kleinen Einschränkungen noch humorvoll nehmen kann, solange ich mit Kreativität und positiver Einstellung losreise - ja, solange WERDE ich reisen.
Möge es noch lange, lange so gehen ...


Tipps und Tricks: den (Ersatz-)Moppedschlüssel oder auch (Ersatz-)Hausschlüssel aus dem Tankrucksack (oder wo auch immer gelagert) mit einem langen Schlüsselband versehen; so kann man das Geraffel bei der Ankunft auf dem Campground einfach in die große Pack-Tasche werfen, und findet es bei der Abfahrt auch wieder!
Laßt Schlüssel lieber nicht in der Kuttentasche oder in der Moppedtasche - je nach eigener Tagesform neigen diese Blechteile dazu, sich irgendwie auf den Weg nach Afrika zu begeben (so wie das Patch aus der Örtze).


Der Campinggas-Kocher hat sich bewährt, ebenso der Primus-Topf und die kleine Pfanne/Deckel. Zusammengepackt und eingewickelt in Tücher paßt das Päckchen genau quer in den Tankrucksack und läßt noch reichlich Platz für tausend andere wichtige Kleinigkeiten! Dank eines Bloglesers bin ich jetzt auf einen Dreibein-Plastikfuß gekommen, der eine Unterlegfliese perfekt ersetzt - einfach Kartusche draufstellen, einklipsen, fertig ist der umkippsichere Stand. Und das ganze für nur 7 Euro!

Die Rack-Pack-Tasche von Ortlieb in Größe L ist perfekt als Tasche für das grobe Zeug. Sie wird zuerst auf die Rückbank geschnallt, hat genug Zurrmöglichkeiten, verrutscht nicht, ist gut komprimierbar durch 4 Zurrgurte, die vom Hersteller so an der Tasche angebracht sind.
Darauf kommt dann die zweite, kleinere Ortliebtasche mit dem Anziehzeug.

Der Campingstuhl war wieder einmal eine gute Idee gewesen. Klein genug zusammenfaltbar, dass er nicht stört (ich muß ihn aber hinter die große Tasche schnallen, ganz nach unten, auf die "Flosse" vom Rahmen, sonst stört der Stuhl das Rücksichtfeld - da der Außenspiegel eh so klein ist, muß ich genau drauf achten, wo das Gepäck untergebracht wird). Und das minimale Gewicht ist ein zusätzlicher Pluspunkt.

Das Denali hat eine rapskäferfreundliche Farbe. Ich habe heute noch Käferleichen im Gepäck.
Der Kauf des Handfegers war eine gute Idee. Ich konnte so den Ascheregen relativ gefahrlos entfernen, und auch den großen Teil der Rapskäfer verjagen. 

Beim Zeltaufbau und Zeltabbau stecke ich jetzt die Hering-Tasche IN meine Motorradstiefel, die da eh so sinnlos herumstehen - bevor ich sie dann zum Schluß anziehe.
So weiß ich immer, wo die schlanke und schmale Hülle abgeblieben ist - und finde ich beim Abbauen einen verwaisten Hering, weiß ich sofort, wo ich ihn hineintue und auch WIEDERFINDE! Der Grasboden ist ein schlechter Ort, um Heringe abzulegen ... das minutenlange Gesuche kann im Regenfall extrem ätzend werden ... im ungünstigsten Fall findet ihr die Heringe, wenn ihr drauftretet.
Was bei Aluminiummaterial unschön ausfällt (sie werden krumm wie eine Spitzkehre).

Allmählich gewöhne ich mich an die NeoAir-Matratze.
Die zusätzliche gelbe Fleecedecke läßt sich klein zusammenlegen, paßt also ohne Probleme noch in die große Rackpack-Tasche. Die Decke auf die NeoAir gelegt, beschert meinem Rücken-Nierenbereich in der Nacht zusätzlichen Komfort. So muß ich den Schlafsack nicht bis zum Anschlag zuziehen, denn ich empfinde dieses Mumiengefühl als beengend, Kältebrücke hin oder her!

Die Badeschlappen sind eine gute Lösung - sie sind gut im Waschraum (Fußpilzgefahr), und beim Einkaufen stören sie das Erscheinungsbild nur bedingt. Diese unseeligen Gartencrogs sind sicher auch bequem, aber sie nehmen viel zuviel Platz weg (außerdem sehen sie extrem örksig aus ...).

Die Zauberhandtücher, die ja angeblich so gut Wasser aufnehmen sollen, sind meinem Empfinden nach ein Fehlkauf und dienen allenfalls zum Zelt auspolstern oder dazu, das Kopfkissen am verrutschen zu hindern. Ein normales kleineres Frotteehandtuch ist viel besser. In den Wind gehängt, trocknet es auch innerhalb kurzer Zeit.
Wer keinen Wind hat, macht sich welchen: es trocknet auch, wenn man es unter das Gepäckgummi stopft. Fahrtwindtrocknung!

Mein kleiner Waschbeutel enthält nur und ausschließlich "Probeportionen" an Duschgel, Körperlotion, Shampoo und Haarspray. Diese kleinen Portionen gibt es in den Drogeriemärkten in extra Schütten.
Anfänglich kaufte ich mir Laborflaschen und füllte mein Stammwaschzeug ab. Das geht auch, wenn man möchte.
Hierbei ist eine wasserresistente Beschriftung notwendig. Wer schonmal Olivenöl wollte, und stattdessen Spülmittel nahm, wird meinen Rat nachvollziehen können.

Zum Thema Handfeger ... das ist ein "nice to have". Mit dem Feger geht es schneller und einfacher, als wenn ich den Zeltboden, mühsam auf den Knien liegend, mit einem Tuch abwische.

Ein absolutes MUST HAVE ist meine Nalgene-Trinkflasche mit 0.7 Litern Inhalt. Die gehört immer mit in den Tankrucksack. Ich dehydriere viel schneller als ich ahne. Der Mann weiß, wovon ich rede ...
Viele Biker verkneifen sich das Trinken aus Sorge, zu oft anhalten und pinkeln zu müssen.

Leute, auch das habe ich ausgetestet: ich trank bis auf einen Schluck Tee morgens nichts. Und fuhr auch erst 4 Stunden später los.
Es dauerte keine 30 Minuten, und durch die Vibrationen mußte ich mal ...
Ich hatte dann aber heftig Kreislaufprobleme, und später einen Hitzschlag. Versuch beendet! Wiederholung gab es nicht!

An das Zelten kann man sich gewöhnen. Ich rate euch, sucht euch mal ein Ziel ungefähr 50 Kilometer von eurem Zuhause, so daß ihr im Notfall den Versuch abbrechen und nach Hause fahren könnt. Und dann probiert es einfach mal.
Fehlschläge sind normal und natürlich. Es ging mir ganz genauso! Ich leide z.B. auf jeder Tour unter extremem Schlafdefizit, weil ich trotz Ohropax einen sehr leichten Schlaf habe und auf jede Veränderung - Lichteinfall, Wind, Schnarchen, Vogelgesang - sofort reagiere. Zelten ist eben nicht wie in der Wohnung schlafen.

Aber so langsam taste ich mich an 3 Stunden Schlaf am Stück heran! Und schlafe dann auch schnell wieder ein!

Mit jeder Campingtour habe ich dazugelernt. Es waren bislang nur vier Outdoor-Touren gewesen! Die Tour zum Celler MC, der Herrentag in Ellringen, die Tour ins Weserbergland, und eine Tour nach Müden/Örtze zum Jahrestreffen der Vulcanier.
Der aufmerksame Leser weiß, dass ich zunächst mal IN der Wohnung auf dem Trockenen geübt habe.
Das mag einigen komisch oder lächerlich erscheinen, aber dieser Testverlauf hat sich für mich bewährt. Ich hatte zwar jahrzehntelang Camping in Dänemark erlebt, allerdings vom Wohnwagen aus. Was doch etwas ganz anderes war - mehr Komfort und Schutz bei Unwettern, vor Ungeziefer und anderem. Nur bedingt vergleichbar.

Etwas, was ich früher nie vermutet hätte: Ich komme neuerdings mit dem Mopped putzen kaum noch hinterher.

Und last but not least: Männer schnarchen nicht. Sie machen Geräusche, um ihr Revier zu markieren - und damit die wilden Tiere wissen, wer der Stärkere ist!



Noch ein Hinweis für unbeübte Blogleser: durch Anklicken der Bilder könnt ihr sie in größerer Ansicht genießen, und hinter einigen fett gehaltenen Worten verbergen sich die Links zu weiteren Berichten oder Informationen.

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