Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 16. Juni 2014

11. und 12.6.2014 - Traumerfüllung: Zelten in Polle direkt an der Weser! 1. Teil: Anreise Polle

Das Wetter über Pfingsten war herrlich - wenn man Hitze mag. Im Freibad super, auf dem Motorrad eher anstrengend ... es folgten nach den Hitzetagen die üblichen Wärmegewitter. Ich wollte im Urlaub gerne Motorrad fahren, und auch noch einmal zelten.

Geplant war der Dienstag nach Pfingsten, um auf kurze Tour zu gehen. Das Wetter ließ uns aber zunächst nicht ... Gewitter vom schlimmsten, Unwetter und Sturzregen. Es sollte erst am Mittwoch Wetterberuhigung geben.
Also rödelte ich erst einmal das Campingzeug zusammen und bepackte Ellie akribisch. Die Regenkombi ließ ich demonstrativ im Flur liegen: es wird nicht !!! regnen. Basta!
Das Packen geht immer besser, wobei ich trotzdem jedes Mal wieder etwas vergesse.

Die neue Ortlieb-Rack-Pack-Tasche in L ist übrigens rechtzeitig angekommen. Sie ist perfekt als "Tasche für das grobe Zeugs" (also Schlafsack, Zelt, Isomatte, Groundsheet, Turnschuhe, Kopfkissen) geeignet!

Am Mittwoch, 11.6.,  befragte ich ab 8 Uhr morgens viertelstündlich Proplanta. Proplanta ist von der Wetterprognose her die Seite mit den besten Treffern, was Wetter im allgemeinen angeht.
Aber leider zog wieder ein Gewitter durch (da kann selbst Proplanta nichts dran ändern). Der Mann kam gegen 9 Uhr mit seinem Mopped im Eiltempo bei mir angeflogen. Hinter ihm am Himmel färbte sich selbiger bedrohlich schwarz.
Kurz nach seiner Ankunft pladderte, blitzte, stürmte und donnerte es dann auch, als würde es kein Morgen mehr geben ...

Sowas mag ich nicht. 

Wenn ich auf Tour will, und Ellie gepackt habe, dann soll das gefälligst auch so sein!

Es half aber nichts - das Wetter war unmöglich ... also fuhren wir erstmal in die Stadt, mit dem Auto. Bei Conrad und im Supermarkt wurden einige Sachen eingekauft. Es wurde Mittag ... wieder befragte ich am PC Proplanta, beäugte das Wetterradarbild ... und simste meine Freundin im Leinebergland an.

Bei ihr war das Unwetter schon durch. Gegen 15 Uhr riskierte ich es - wir schnappten die Moppeds und fuhren los.

In Wolfenbüttel wurde getankt, dann ging es weiter über die Dörfer. Der Navi führte uns querbeet im Salzgittergebiet herum, das erste Ziel war dann Grasdorf/Holle. Ein LKW-Fahrer mit Stahlmatten als Ladung (Überlänge/Überbreite) war so nett und gab mir Zeichen, das ich ihn überholen könne - der Mann hatte seinen Überholvorgang schon abgeschlossen, aber ich konnte die Kurve nicht einsehen und ignorierte die Blinksignale vom LKW. Erst als es mir sicher erschien, überholte ich. Der LKW-Fahrer fuhr extra etwas langsamer, damit ich vorbei käme. War so nicht nötig, aber nett fand ich das doch ...

Bei Gronau gab es noch eine Pause. Wir hatten einige Tropfen Regen abbekommen, und die Straßen waren stellenweise noch feucht, aber das Unwetter war immer links von uns. Wir hatten Glück!

Ich schickte den Mann als Tourguide vor. Es ging jetzt Richtung Ith ... die Kurven über den Ith führte er mich sicher, und wenn Autos zu sehr drängelten, setzte er den Blinker, wurde langsamer - ich somit auch, ich blinkte auch - und auf gerader Strecke schossen die Autos dann an uns vorbei.
Somit konnte ich die Spitzkurven hinunter ins Tal ruhig und entspannt mit 30 km/h fahren. Wieder einmal über den Ith - gut gegangen!


Die 240 über den Ith, ein Höhenzug zwischen Leine und Weser


Jetzt kam es drauf an - wir wollten die Fähre bei Polle/Weser noch erreichen. Die letzte Fähre fuhr aber um 19 Uhr, und somit gab es leider keinen Fotostopp mehr ...
In Negenborn ging es rechts ab nach Golmbach, und das schöne Wesertal lag vor mir. Wo wir letztes Jahr noch mit dem Auto längs gefahren waren, fuhren jetzt Ellie und ich. Ich juchzte in den Helm: Hurra, mein Traum wird wahr! Zelten in Polle!

Um 18.50 Uhr kamen wir auf der anderen Weserseite an ... die Fähre war auch noch in Betrieb! Wieder Glück gehabt!










Und auf der Fähre konnte ich endlich den netten Fährmann aus einem Bericht im Fernsehen über das Weserbergland begrüßen.

Die Kosten von 1,- Euro pro Person mit Motorrad erschien uns lächerlich günstig im Vergleich zu den anderen Fähren, die wir bis dahin benutzt hatten.

Kurz nach 19 Uhr rollten wir auf dem Campingplatz an ...







Schotterweg, Wiese, Fahrspuren erwarteten mich. Was das wohl wird?

Die freundliche Dame von der Gastwirtschaft wollte aber erstmal gar kein Anmeldeformular ausgefüllt haben. "Fahrt ruhig durch und sucht euch in Ruhe einen Platz aus - bis 21 Uhr gibt es warmes Essen, und ihr könnt euch dann anmelden!"

Wow ... bikerfreundliches Personal. Ich war immer mehr begeistert. Kein Regen, relativ gute Anfahrt, günstige Fähre und nun noch diese freundliche Begrüßung ...

Und so tuckerte ich also - übrigens ohne weitere Probleme wegen des unterschiedlichen Untergrundes - hinter dem Mann her, bis an das äußerste Ende vom Platz. Hier, und genau HIER wollte ich mein Zelt aufstellen, das hatte ich mir seit Oktober so gewünscht! Traumerfüllung ...




Kuschelige Gemütlichkeit im Zelt; mhm - ich wäre am liebsten gleich liegengeblieben, war aber doch noch zu aufgeheizt von den Eindrücken


Die hellgrünen Quadrate im Rasen zeigten uns, dass Pfingsten dort wohl ein großes Zeltlager gewesen sein mußte. Gerade dieser hintere Bereich wird gerne von Motorradreisenden genutzt. Jetzt nach Pfingsten war der Platz nur mäßig besucht, was ich mir auch genauso erhofft hatte ... nichts nervt mehr wie der obligatorisch kläffende Hund vom Wohnmobil in der unmittelbaren Nachbarschaft ...

Es waren etliche Holländer mit Zelten, Wohnmobilchen und Miniwohnwagen auf dem hinteren Gelände, die sich die ganze Zeit über freundlich und zurückhaltend verhielten. Äußerst angenehme Nachbarn!


Die Zeit ging durch, es war jetzt 20.30 Uhr, und uns plagte ein böser Hunger. Anmelden wollten wir uns ja auch, also ging es nach vorne zur Gastwirtschaft. Das Wetter hielt sich trocken, es war angenehm abgekühlt. Wir hockten uns auf die Terrasse ...







Auf der Speisekarte stand Bauernfrühstück, und da ich so spät abends nichts mehr essen wollte, was wie ein Stein im Magen lag, orderte ich die Portion für mich. Dazu gab es ein großes Alsterwasser. Und zum Nachtisch saisonbedingt ... Erdbeeren mit Vanilleeis und Sahne. Also total leichte Kost - es war ja Obst dabei ;-)!




Prost Urlaub!

Gemütlich blieb es auch. Abendspaziergang an der Weser:











Im Hintergrund: Rauchsignale der Dauercamper weiter oberhalb unserer Zelte - die bescherten uns mit dem Verbrennen von Papierzeug fiesen Ascheregen auf Zelten und Motorrädern - ich hätte sie erwürgen können - Funkenflug und Zelte vertragen sich nämlich nur bedingt! Wie gut, dass ich das erst am nächsten Tag bemerkte, sonst hätte ich den Abendspaziergang nicht mehr genießen können!






Blick auf Burg Polle und den Campingplatz im Abendlicht


Gegen 22 Uhr war ich müde und bettschwer. Während die deutschen Feuermacher von weit gegenüber am Lagerfeuer herumlaberten und gruselige Heimatmusik hörten, war mir eher nach Stille und Geruhsamkeit. Ab und an war eine kurze Musikpause, und dann war es so friedlich, wie in meinem Traum.
Die Weser gurgelte und plätscherte leise vor sich hin, und das klang richtig gemütlich. Leider war es viel zu selten zu hören (siehe oben; Heimatmusik ... örks ... totale Gehörverschmutzung).

Ich schnappte mir ein Handtuch, die Ortlieb-Faltwaschschüssel und ging in den Waschcontainer. Die hintere Einzelwaschkabine wurde belegt, die Waschschüssel voll heißes Wasser gefüllt (die Stöpsel im Waschbecken waren wie fast überall üblich geklaut/woanders benötigt) ... und ich säuberte mir dann nebenan in der Duschkabine den Tourendreck in aller Ruhe vom Pelz. Nicht, das ich geizig bin  - heiß Duschen hätte 1,- Euro gekostet - aber ich wollte halt mal die Faltschüssel ausnutzen/ausprobieren.
Auf dem Campingplatz ist ja meist alles vorhanden, aber wenn ich mal in der Natur zelte, würde ich heißes Wasser nur durch den Gaskocher bekommen. Und so probierte ich das Duschen-aus-der-Faltschüssel zunächst mal in der Theorie aus!








 
Danach folgte dann die Ölung mit Schwarzkümmelöl. Ich wollte den vielleicht anwesenden Zecken die Tour vermasseln. Hat anscheinend geklappt - ich kam Zeckenfrei wieder nach Hause ...

Der Mann kam auch grade frisch aufbereitet aus seinem Abteil heraus, und wir schlenderten zum Zelt zurück.

Die Rauchsignal-Camper hockten weiterhin deutsch-bierseelig am nahen Lagerfeuer, der Pegel des Gerstensaftes war deutlich hörbar angehoben, und sie winkten den Mann und mich zu sich. Ich winkte höflich zurück - und ignorierte die Einladung.

Der Feuerteufelklops - so rund wie ein Klops, schob er eine Bierbauchkugel vor sich her - erklärte den Anwesenden dann auch recht lautstark, dass wir wohl Holländer wären, weil wir ihn nicht verstanden hätten.
Da wir die Motorräder mit den Kennzeichen zur Weser gedreht hatten, ließ sich unsere Herkunft so auch nicht wirklich erahnen ;-).
Die Einladung war vielleicht als so eine Art Wiedergutmachung wegen der Rauchsignale gewesen? Wir werden es nie erfahren.

Der Mann und ich saßen noch eine Zeitlang auf unseren Stühlen, genossen den Anblick der Weser und unterhielten uns leise.
Ein schöner Tag - der so unschön angefangen hatte - ging zuende. Das Gras wurde nass, die Nähe zum Fluß ließ leichten Bodennebel aufkommen.
Das würde schön aussehen am nächsten Morgen, hoffte ich.
Ich sollte recht behalten!

Ich kroch in mein Zelt, zog mir die warmen Wintersocken über die Füße, kuschelte mich in den Schlafsack und hoffte auf eine erholsame und wärmende Nacht. Dank der Ohropax hörte ich dann auch nichts mehr von den Feuernachbarn! Gute Nacht, Welt!

Hier geht es zu Teil 2: KLICK

Hier der Link des Campingplatzes: KLICKKLICK

6 Kommentare:

  1. Wieder ein super schöner Bericht!

    Lg Mel

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    1. Hallo Mel! Danke Dir! Es folgt im Teil 2 ganz viel lustiges und schöne Fotos. Obwohl der Ausflug nur 2 Tage (mit nur einer Übernachtung) dauerte, war es für mich als wären es 4 gewesen! So viele neue Eindrücke.
      Zelten macht immer mehr Spaß und Freude!
      Liebe Grüße!

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  2. Liebe Heike, ich muss Dich mal mit auf Reisen nehmen, ich führe Dich und mach' in Kulturprogramm und Du schreibst die Berichte. Bei Dir glaubt man doch fast, man ist dabei gewesen. Ich höre die Volksmukke (oh Moment, das ist von bei uns umme Ecke...) und rieche das Lagerfeuer.
    Du machst mir fast (aber nur fast) wieder Lust auf Camping (bin aber zu alt und hab' Rücken, außerdem die Zecken und Mücken, Sturm und fliegende Kühe...).
    "Der Mann" scheint ja auch einen richtig guten Job zu machen, es kommen keine Klagen über Tempo oder schwierige Manöver. Freut mich, dass das Tourenfahren zu zweit funktioniert.
    Her mit dem zweiten Teil (bitte?)

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    1. Danke, liebe Sonja. Das Problem der fliegenden Kühe, ja ich hörte schon davon!!!
      Ich werde ein Video machen, sollten sie mir begegnen!
      Fliegende Enten im Video gibt es im zweiten Teil. Und Donald und Daisy kamen sogar bis fast INS Zelt, auf der Suche nach Futter.
      Sowas von niedlich - Entenfrau, die mir zerbröselte Kekse aus der Hand nahm *dahinschmelz*.

      Der Mann hat sich mit meinen Fahrmanövern abgefunden - nur selten kommen vorsichtige Korrekturvorschläge (die dann aber umso mehr fruchten!). Er hält es da mit Einstein ;-).
      "Manche Männer bemühen sich lebenslang, das Wesen einer Frau zu verstehen. Andere befassen sich mit weniger schwierigen Dingen z. B. der Relativitätstheorie"

      (und ich schreibe morgen den zweiten Teil, so schnell ich kann ;-)

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  3. Ach Heike, so ein klasse Bericht. Der Campingplatz direkt am Ufer der Weser sieht klasse aus. Ich hab dreimal geschaut, ob es nicht derselbe war, auf dem ich auch einmal direkt an der Weser gestanden habe, aber meiner war Trendelburg und auch genau mit einer Burg über dem Platz.

    > der obligatorisch kläffende Hund vom Wohnmobil in der unmittelbaren Nachbarschaft ...
    Den durfte ich auf meiner letzten Tour durch Schweden auch wieder reichlich genießen. Bei jedem, der am Wohnmobil vorbeigeht, wird laut gekläfft. Ich versteh den Hund ja, dass er das tut, aber nerven tut es trotzdem.

    Übrigens habe ich das Zelt vor Jahren aus dem Rackpack geworfen. Wenn man bei Regen abbaut, kann man zuvor alles im Trockenen im Zelt verstauen, das Rackpack dicht verschließen, und das nasse Zelt als allerletztes obendrauf packen. Dann ist man froh, dass es nicht in einem Zimmer mit dem Schlafsack wohnt. Fürs Ankommen bei Regen gilt dasselbe. In Regenkombi aufbauen, Tankrucksack und RackPack ins Zelt schaffen, trockenwischen und dann erst die wertvolle Trockentasche öffnen.
    Dafür hab ich so einen blauen Ortliebbeutel gekauft. Der ist zu groß fürs Zelt, aber dann krieg ich das auch bei Regen und schwer genervt noch da reingestopft.
    Ein toller Bericht von dir!

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    1. Hei Svenja - ja, deinen blauen Beutel habe ich mehrfach bewundert. Schreib doch mal bitte, welche Größe der hat, denn ich finde Deine Lösung auch besser, als das Zelt jedesmal wieder in die Tasche zu prummeln.
      Bei Regen hatte ich noch nie auf- bzw. abgebaut. Das wäre auch fatal, denn ich verbringe noch elend lange Zeiten damit, das Zelt aufzustellen :-(. Das muß ich definitiv noch üben!
      Die Reihenfolge, die Du genannt hast, ist wirklich sinnvoll.
      Und Du mußt es wissen, Du hast ja schon tausende von Kilometern Erfahrung!
      Nachdem mich das ständige Suchen IN der kleinen RackPack-Tasche so genervt hatte, habe ich mir jetzt für meine Kleinteile spezielle Wäschebeutel zugelegt. Jeder Bereich hat seine eigene Farbe. So suche ich jetzt nie wieder nach meinen Socken o.ä., weil die Kleinwäsche ihren eigenen Netzbeutel hat.
      Sehr sinnvoll, denn mit Suchen Zeit zu vergeuden, kann im Extremfall (Gewitter im Anmarsch? Regenabbau ...) unnötigen Streß verursachen.
      Was noch wichtig ist für mich: ich habe jetzt immer 2 zusätzliche Zurrgurte im Tankrucksack - für Sachen, die doch noch vergessen wurden. Wenn die RackPacks zugezogen und aufgeschnallt sind, mache ich die nicht mehr auf. Dann wird das vergessene Zeug eben hinten drauf geschnallt. Fertig aus.
      Schaut lustig aus, wenn da Badeschlappen oder Handfeger aus dem Gepäck gucken ;-)

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