Ellie und ich

Ellie und ich

Donnerstag, 19. Juni 2014

14. + 15.6.2014 - Jahrestreffen in Müden an der Örtze (in der Heide) - 2. Teil: Abfahrtag

15.6.2014


Viel Text, aber trotzdem lustig!

Mit nur einer kurzen Pause schlief ich ohne zu frieren (ich hatte den Schlafsack mit einem Wollpulli ausgestopft und hatte somit keine kalten Beine!) seelig von Mitternacht bis ... ja bis halb sechs am Morgen. Trotz der roten Ohrstöpsel (die den Schall und tiefe Töne besonders gut abhalten) wurde ich von einem lauten Gemurmel wach. Vögelzwitschern hatte ich schon im Unterbewußtsein gehört, aber das war es jetzt nicht ...
Irgend so ein Vollhonk unterhielt sich lautstark. Der Schall ging an die Hauswand, kroch hinterhältig über den Boden und bis zu meiner Luftmatratze, und dann genau in meinen Gehörgang.
Ich zog einen Pröppel heraus und hörte das lautstarke Geseier der Nachbarn gegenüber. Entweder noch nicht ins Bett gekommen oder gerade erwacht - radebrechten sich beide die unsinnigsten Sätze aus den ungeputzten Zähnen.
Ich bekam mit, dass der eine (mit Mütze auf) aus dem Mund stank wie ein Pferd ausm Arsch (ja danke fürs Kopfkino ...) und das der Pferderiechende den anderen ja sooo dolle liebhat.

Nach wenigen Minuten war ich stinksauer. Ich bin wirklich kein Morgenmuffel, aber das war mir zuviel. Wie die Weiber, wie die Weiber, grummelte ich halblaut vor mich hin. "Hallooo, seid mal leise!" wisperte ich durch den geschlossenen Zelteingang.
Aber selbst dieser freundliche (und nutzlose) Appell fruchtete nichts.
Ich versuchte es mit autogenem Wegatmen der Agression. Ommm, alles gut, alles schön, Pferde sind so nette Tiere und riechen nach Heu und frischen Kräutern ... aber es half nichts.
Das, was ich mir Montag morgens immer wünsche, trat nun ein: ich war hellwach. Und wütend. Und genervt (okay, letzteres ist Montags auch immer so ...).

Ich wußte, ich würde nicht mehr schlafen können. Vom Kopfende des Zeltes eines meiner Nachbarn kam ein Geraschel, und einer meiner Mitleidensgenossen bölkte ziemlich angepisst aus seinem Zelt heraus: "Könnt ihr mal die Fresse halten da drüben???"

Ich fand das klasse - deutlicher gings nimmer!
Aber auch das half nix.

So schnappte ich mir den Waschbeutel und öffnete das Innen-Zelt. Drei große fette Waldameisen guckten mich entsetzt an und flitzten zum Ausgang raus. Ich muß ja furchtbar aussehen, wenn sogar die Ameisen schon flüchten, schoß mir in dem Moment durch den Kopf.
Ich verließ das Zelt ziemlich unkoordiniert und warf den Randalebrüdern einen finsteren Blick zu. Die beiden waren aber so mit lautstarkem Liebhaben beschäftigt, dass sie mich gar nicht wahrnahmen.

Ich schlurfte auf sandigen Sandalen ins Haupthaus. Unter der Dusche wurde ich dann langsam wach. Einige andere Biker waren mir im Flur begegnet. Belustigt hatte ich ihre zerknitterten Gesichter wahrgenommen, aber das Schmunzeln verging mir, als ich das meinige im Spiegel sah: oha, da brauche ich aber mindestens 200 Stunden Schlaf, damit die Krähenfüße in den Augenwinkeln verschwinden!

Ich knetete meine Wangen, cremte meine Augenränder, aber ein Wunder konnte ich damit nicht vollbringen. Ich sah verpennt, müde und unentspannt aus. Sissi*, ich ... (* Slang, englischer, für 'Weichei')
Seufz ... jetzt erstmal einen heißen Tee.
Klugerweise hatte ich meinen Blechbecher gleich mit eingesteckt. Das heiße Wasser aus der Leitung mußte genügen - Frühstück gab es erst um 8 Uhr. Ich tat einen Teebeutel in den Napf, füllte das heiße Wasser drauf und hoffte, dass die Kräuter auch ohne kochendes Nass ihre Wirkung entfalten würden.

Beim Verlassen des Waschraumes rempelte ich den Türrahmen an. Meine Motorik funktionierte nur auf Sparflamme, da sind ein Meter breite Türen noch zu eng für mich. Ich kann das ohne Alkohol vom Vorabend - stellt euch mal vor, wie das mit Kater aussehen würde!

Ein Blick auf den Zauberkaffeeautomaten zeigte mir: einen Euro reintun und es würde heiße Dröhnung geben. Den hatte ich aber nicht bei mir. Der Mann hat ja immer Pulverkaffee mit, aber da müßte ich sein Zelt durchgraben.
Und ich wollte das Zelt nicht eher öffnen als notwendig. Er hatte keine Ameisen vor dem Zelt, die wußten schon, warum!

Ich hockte mich also zunächst mal auf meinen Campingstuhl und schlürfte meinen lauwarmen Tee. Okay, besser als nix. Die beiden Liebhaber-Hansels waren hinter dem Zelt verschwunden. Der eine wollte und wollte nicht wach werden - jedenfalls dem Gerede seines Mützenkumpels nach. Komisch, der stand doch da - wieso will der andere ihn wecken?
Diese Brausebrandunterhaltung erschloß sich mir nicht. Mein Fehler - ich erwartete zuviel!

Dann kruschtelte es im Zelt, und der Mann steckte seinen Kopf raus.
Oha ... besser mal Sonnenbrille aufsetzen!?!
Meine ersten Worte an ihn: "Haste ma n Euro?"
Keine Reaktion, aber ein böser Blick in Richtung der Nachbarn. Eigentlich hätten die in Flammen aufgehen müssen ...

Ich bekam den Euro und schlenderte los, einen Kaffee besorgen. Die Idee hatten noch andere Biker, und so standen wir da schwankend vor Morgenmüdigkeit herum und warteten auf Erlösung. Dank an den mir Unbekannten, der mich vorließ. Mein entsetzter Blick, weil er gleich drei Becher vollfüllen lassen sollte, und ich noch so lange hätte warten müssen, haben ihn wohl weichgekocht. Kavalier, mitleidiger, der ...

Ich trank dem Mann vier ordentliche Schlucke Kaffee weg, damit der halbvolle Becher nicht überschwappt (meine Morgenmotorik, ihr erinnert euch an die Türrahmenstory?), und ging wieder zu den Zelten. Mittlerweile waren meine Leidensnachbarn auch aus den Zelten gekommen. Die Blicke in Richtung der rosaroten Hab-dich-lieb-du-Pferdea..riechender Nachbarn waren alle gleich: sie hätten tot sein müssen, diese Blicke waren wirklich böseböse! Ich vermute, dass sie überlebt haben, hatte nur mit dem Umweltbewußtsein meiner Nachbarn zu tun. Sie wollten die Örtze nicht vergiften. Netter Zug, Leute, echt!

Während der Banditmister langsam ins Leben zurückfand (kein Leben vor dem Kaffee, kenn ich, kenn ich), packten die anderen Stück für Stück zusammen. Die hatten mehr Übung als ich. Schon allein das Vorbeugen und Becher greifen bescherte mir Schwindelanfälle. Ich bin ohne ausreichenden Schlaf nur mit 2 Litern Kaffee lebensfähig, vor allem morgens ...





Um 8 Uhr öffnete der Speisesaal, und da ich eh grad auf dem Weg war, enterte ich gleich das Frühstücksbuffet. Mir war nach Fleisch, und so tat ich mir eine Portion Mett auf das riesige Brötchen. Brötchen backen können die da in der Heide, Respekt!
Innerhalb von wenigen Minuten war die Wursttheke leergefegt und ich schaute die trüben Reste hungrig an. Aber das Küchenteam schaffte sofort neue Platten her. Die hielten auch nur knapp 10 Minuten.
Ich erwähnte es bereits - hungrige Biker, die können das! 

Mit gebunkertem Futter und zwei Bechern Kaffee tapste ich ohne zu kleckern zu den Zelten. Der Mann war erfreut über den Kaffee. Dann ging es gemeinsam in den Speisesaal.

Hier gibt es viele viele schöne lustige Fotos von, aber da ich die nicht geknipst habe, kann ich die leider nicht verwenden. Aber ich sage euch, die Gesichter sahen alle noch ein wenig schief aus, das könnt ihr mir glauben ;-).
Meins ebenfalls ;-).

Am Tisch gab es leichte und recht zähe Unterhaltung, was aber kein Problem war. Morgens um kurz nach 8 Uhr brauche ich keine Bespaßung, da muß ich erstmal lebendig werden ... Nach einem Liter Kaffee ging es mir dann besser. Das Küchenteam war in heftiger Betriebsamkeit. Es gab alles, was man sich wünschen konnte. Brot, Brötchen, Körnerfutter, Süßkram, Obst, Aufschnitt, literweise Kaffee, Saft und sogar klares Wasser (mit Limettenstücken als Geschmacksgeber, super Idee und saulecker bei Durst), und alles in einer echt guten Qualität. Schade, das ich nur zwei Brötchen schaffen konnte.

Wir schnappten uns noch einen Teller, füllten die Becher neu und gingen nach draußen. Dort waren einige schon mit der Abreise beschäftigt. Abschiedsfotos folgten, denn einige Biker mußten ziemlich weit nach Hause reisen. Auffällig war, dass die meisten Sonnenbrillen trugen - aber die Sonne war auch schon dolle hell, das muß ich zugeben ...




Unter dem Rock war was angezogen, ich ließ mich darüber informieren






Ups - das sieht nach Arbeitseinsatz aus ;-)



Es ging an 10 Uhr heran. Dieses Abfahren der anderen machte mich etwas bedrückt. Ankommen ist viel schöner!
Das Hannoverteam begann langsam mit den Aufräumarbeiten. Ich wollte sie nicht stören, indem ich da faul herumsaß und ihnen beim Schaffen zuguckte. Also ging es noch einmal an die Örtze.



Schön war es da, so mit Sonne und klarem Licht.





Baden? Never ever - boah, wat kaaalt!



So, hier mal für die Kinderchen etwas lehrreiches!

















Dieser Spaziergang war ein richtig schöner Abschluß - nun hieß es Zelte abbauen und Moppeds beladen.
Wir gingen zurück und in Badeschlappen holte ich Ellie auf das Zeltgelände. So ohne Schutzkleidung hörte ich sie endlich mal richtig: ein leises Sirren und Blubbern kam aus dem Motorraum, so richtig gemütlich und freundlich. Hach, das fand ich herrlich, wie ich da im ersten Gang über den Rasen eierte ...

Die beiden Liebhabären waren schon abgereist, nur ein Rest vom Igluzelt und ein Handtuch waren noch da geblieben. Ist ja auch doof, wenn man seinen Müll einfach so da läßt, echt ...

Ich stellte Ellie auf den Plattenweg ab. So war das besser mit dem Beladen auf dem Hauptständer, als wenn ich das auf dem weichen Grasboden gemacht hätte. Das Abbauen des Zeltes und das Einpacken der Klamotten ging leicht von der Hand. Der Feger leistete mir gute Dienste, denn ich hatte trotz Vorsicht überall Sand im Innenzelt.
Auch hier finde ich das Denali klasse: das Innenzelt hängt noch an den Stangen fest, ich kann es öffnen und umstülpen, während ich die Zeltstangen halte. Ich schüttelte den Sand quasi raus. Das macht sonst kein anderes Zelt mit.
Ein Lob an den Hersteller: durch das Ecksystem rutschen die zwei Teleskopstangen nicht heraus!

Als alles wieder gut verstaut war, nichts vergessen oder übriggeblieben (außer Badelatschen und Handfeger; die Sachen klemmte ich zwischen die Spanngummies, fertig), als ich nochmal unseren Platz ablief und kleine Müllreste aufgesammelt hatte, gingen auch wir Abschied nehmen.
Das Team war voll beschäftigt mit Abbauen. Das große Festzelt war aber auch eine dolle Arbeit ... Herzlichen Dank nochmal an alle, da steckt soviel Hintergrundarbeit drin, was wir gar nicht mitbekommen hatten.

Gegen Mittag fuhren der Banditmister und ich dann voll bepackt vom Gelände. Der Navi war gefüttert, zumindest bis Eschede. Das bekam der Gerät auch endlich mal vernünftig hin!

Bestes Wetter, beste Bedingungen, und richtig angezogen war ich auch. Wäre ich nicht so geschafft gewesen durch den Schlafentzug, wäre ich mit meinem Fahren auch besser klargekommen. So lief das etwas steif und mit viel Pausen ab.

Ein kurzes Stück vor Eschede hielten wir auf einem Waldparkplatz. Der Kaffee drückte ... ich futterte dann noch eine Handvoll Weintrauben (Reste vom Frühstücksbuffet), währenddessen ein anderes Motorrad hinter uns anhielt.
Der Fahrer kam vorbei und wir plauschten ein wenig. Sein erster Satz war: "So eine schöne und gut gepflegte ER5 habe ich ja noch nie gesehen!"
Stooolz-ich :-)

Er hatte auch mal eine gefahren. Wir tauschten Tourstrecken aus, Erlebnisse aus dem Weserbergland, Polle an der Weser kannte er auch ... hach ja, schön war das, mit Gleichgesinnten zu schwätzen!

Wir fuhren weiter und ließen das Pärchen im Schatten zurück. Bei Müden/Aller übernahm ich dann die Führung, und über die winzigen Singletracks ging es nach Meinersen und Hillerse. Es war erstaunlich viel los zwischen den Feldern!

Eine weitere Pause ...








Wir streiften den Stadtrand von Braunschweig, fuhren ein Stück weit über Braunschweig-Hafen, bogen dann wieder nach Wenden ab und es ging weiter nach Weddel.

Gegen 17 Uhr waren wir zuhause. Ich war nun doch platt, und freute mich auf das heiße Vollbad. Da der Sonnenbrand verheilt war, konnte ich das Bad auch genießen. Gut gegen Muskelkater!

Der Mann bekam noch seinen Kaffee und gemütlich holten wir eine kleine Mütze Schlaf nach. Morgen hieß es, wieder arbeiten zu müssen.
Hat auch Vorteile: geregelter Tagesablauf, geregelter Schlaf ... gerade letzteres würde ich tagelang nachholen müssen, ich kenne mich ...


Fazit:
Es war ein schönes Wochenende gewesen. Das Zelten hat prima geklappt, ich konnte gut schlafen, und wären die beiden Liebhabären nicht gewesen, hätte ich endlich mal richtig auspennen können. Dann hätte mir allerdings auch Stoff für die Story hier gefehlt, also waren auch die zwei irgendwie ein Bestandteil, ein wichtiger ...

Ich gewöhne mich an die NeoAir-Luftmatratze, habe jetzt auch herausgefunden, wie ich weniger friere, und das Schlafen an frischer Luft hat etwas total schönes. Zuhause kam ich mir an dem Abend ziemlich eingesperrt vor ...

Ich freue mich schon auf den nächsten Outdoor-Ausflug. Bisher habe ich immer etwas neues dazulernen können und ich bin total gespannt darauf, was mich dann erwartet!



2 Kommentare:

  1. Hast nicht zuviel versprochen. Ich hab' mich zwischendurch vor Lachen abgerollt. Einfach klasse, Heike! Incl. Ameisen und Liebhabären ;-)

    Vielen Dank für die ganze Aufschreiberei. Die Geschichte hat mir den Feierabend versüßt.

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    1. Danke Dir, Sonja - ja, es hat mir auch Spaß gemacht, wenngleich dieser Schlafmangel schon belastend war. Zum Glück sind die anderen Teilnehmer dieses Mal alle gesund zuhause angekommen.
      Die Ameisen hatte ich mir nicht ausgedacht, die gab es wirklich. Und außerdem: mit Humor im Herzen sind solche Erlebnisse wie dort geschehen deutlich angenehmer zu "verdauen" :-) :-)!
      Ich lasse mich nicht abschrecken. Immerhin habe ich die Viecherwiese überlebt! Alles danach kann ja nur Pippifax werden ;-)

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