Die Entscheidung habe ich mir nicht leicht gemacht. Aber wenn sich Wege nicht mehr verbinden lassen, ist es Zeit, sich zu befreien. Ich habe nicht mehr unbegrenzte Zeit, um mein Leben zu gestalten. Wenn es gut läuft, und mein Körper mitmacht, fahre ich noch lange Jahre auf Treffen, oder besuche schlicht und ergreifend lieb gewordene Freunde. Und die sind überall, nicht ausschließlich in einer bestimmten Gruppierung.
Den wahren Charakter erkennt man ja bekanntlich nicht bei der ersten, sondern bei der letzten Begegnung. Mir sind von mehr als einem Dutzend Mitgliedern aus dem Stammtisch nur fünf begegnet, die zu der Veränderung einen öffentlichen Gruß mitgaben. Das macht mich traurig, bestätigt mir allerdings auch die Richtigkeit meiner Entscheidung.
Der Rest ist im Foto gesagt.
Ellie und ich
Dienstag, 13. November 2018
Donnerstag, 1. November 2018
Saisonende. Ende.
Am 31.10. war bestes Wetter. So richtig geeignet für eine gemütliche Moppedrunde. In der letzten Woche hatten sich bei mir aber drei Termine ergeben, die just an dem Tag abgearbeitet werden sollten. Wie die Termine zusammenhingen, war kurios.
Maulig und quengelig saß ich neben dem Zettfahrer, als wir auf meiner Hausrundenstrecke mit dem Auto unterwegs waren. Die Sonne strahlte, die Herbstfarben leuchteten - und wir fuhren Auto.
Nach etwa zehn Kilometern von Zuhause weg war die Straße blockiert. Zwei Rettungswagen standen quer. Auf dem Acker stand der gelbe Hubi. Auf dem Radweg lag ein gesplittertes Visier. Vielleicht ein Rollerfahrer, der in den weichen Randstreifen gefahren war? Urgs ... ich wies Zetti an, umzukehren. Wer weiß, wie lange das hier noch dauern würde ...
Gegen 12 Uhr kamen wir beim Termin an. Die Aktion war lehrreich, und sehr schnell beendet. Weil noch genug Zeit übrig war, besuchten wir einen ganz ganz alten Kumpel von Zetti ganz spontan ohne Verabredung auf einen Kaffee. Der freute sich wie Bolle, und auch Zetti war sehr happy, ihn endlich mal wieder besucht zu haben.
Wir fuhren danach ins Land, auf eine Anhöhe zu den Windrädern. Hier gab es eine ausgiebige Picknickpause mit heißem Eintopf, Kaffee, Schnitte und bestem Ausblick in das Harzvorland. Ein traumhafter Blick auf den Brocken beim Futtern, herrlich. Ab und an fuhren Zweiradgruppen vorbei. Seufz, die hatten es gut.
Der nächste Termin lief prima. Die Apfelquitten waren schon fast alle vom Baum herunter und mußten nur noch eingesammelt werden. Das gibt literweise leckeren Saft für Gelee. Zetti fachsimpelte dabei reichlich über die Zett und Schraubermöglichkeiten.
Anschließend ging es noch zu Ritchys Restaurant auf den Wochenburger. Hier trafen wir etliche Motorradfahrer, die ihre Tour gemütlich ausklingen ließen. Ich gab Tipps über Bade- und günstige Übernachtungsmöglichkeiten am Arendsee weiter. Zetti notierte sich Adressen, die dann im nächsten Jahr Einladungen bekommen würden für das Motorradtreffen in Wasserleben.
Mit dem Dunkelwerden kamen wir bei mir zuhause an. Da wir beide am Donnerstag arbeiten mußten, ging es recht früh ins Nest. Ich schaute noch in die Newsletter und fand diesen Artikel ...
Genau diese Strecke fahre ich jedesmal, wenn ich den Zettfahrer heimsuche. Ich weiß auch genau, wo die Rehe stehen. Mit dem CRümel bin ich langsam genug unterwegs, dass sie mich bemerken und vor allem: ich sie.
Mit Ellie sah das schon anders aus. Auf der Straße ist 80 km/h vorgegeben, und auch ich fahre da manchmal +10 drüber. Wenn ich in der Schräge bin und so ein Tier rennt in mich hinein, hätte ich wohl ebenfalls keine Chance.
Geschlafen hatte ich sehr schlecht. Der Zettfahrer hatte vor einigen Wochen eine Reh-Überfahrung gehabt. Das kam in meinem Kopf ständig wieder hoch.
Und heute morgen - ich war gerade beim Zähneputzen und tippte die Whatsapp Nachrichten an, weil mir langweilig war bei der Putzung - kam eine weitere Nachricht, die mich sprachlos und sehr traurig machte ...
Vor zwei Wochen noch miteinander gefeiert, gealbert, gelacht und gefrotzelt. Die näheren Umstände des Unfalls sind noch nicht ärztlich bestätigt. Er ist wohl mit der Bikerunion auf einer Ausfahrt gewesen und führte die Truppe an. In einer Kurve fuhr er geradeaus. Das Bike schob nach. Seine Lebensgefährtin war bei ihm.
Was für ein Scheiß Ende der Saison. So viele, so unglaublich viele und tragische Todesunfälle in dieser Saison 2018.
Die Termine, die sich bei mir ergeben hatten, hatten ein Fahren mit dem Motorrad verhindert. Wer transportiert schon 30 Kilogramm Apfelquitten in der Satteltasche ...
Ich bin froh, das mir die Termine, die komischen!, einen Strich gesetzt hatten. Das wir nicht fahren konnten. Wäre ich eine Esoterikerin, könnte ich jetzt an Heilgeister oder Lichtwesen glauben, die mich beschützen wollten. Bin ich aber nicht.
Ich kann sagen: ich habe einfach ein Scheiß Glück gehabt, dass ich nur mit dem Auto unterwegs gewesen war.
Ich war noch nicht dran ...
https://www.hallelife.de/nachrichten/polizei-feuerwehr/details/450079.html
Maulig und quengelig saß ich neben dem Zettfahrer, als wir auf meiner Hausrundenstrecke mit dem Auto unterwegs waren. Die Sonne strahlte, die Herbstfarben leuchteten - und wir fuhren Auto.
Nach etwa zehn Kilometern von Zuhause weg war die Straße blockiert. Zwei Rettungswagen standen quer. Auf dem Acker stand der gelbe Hubi. Auf dem Radweg lag ein gesplittertes Visier. Vielleicht ein Rollerfahrer, der in den weichen Randstreifen gefahren war? Urgs ... ich wies Zetti an, umzukehren. Wer weiß, wie lange das hier noch dauern würde ...
Gegen 12 Uhr kamen wir beim Termin an. Die Aktion war lehrreich, und sehr schnell beendet. Weil noch genug Zeit übrig war, besuchten wir einen ganz ganz alten Kumpel von Zetti ganz spontan ohne Verabredung auf einen Kaffee. Der freute sich wie Bolle, und auch Zetti war sehr happy, ihn endlich mal wieder besucht zu haben.
Wir fuhren danach ins Land, auf eine Anhöhe zu den Windrädern. Hier gab es eine ausgiebige Picknickpause mit heißem Eintopf, Kaffee, Schnitte und bestem Ausblick in das Harzvorland. Ein traumhafter Blick auf den Brocken beim Futtern, herrlich. Ab und an fuhren Zweiradgruppen vorbei. Seufz, die hatten es gut.
Der nächste Termin lief prima. Die Apfelquitten waren schon fast alle vom Baum herunter und mußten nur noch eingesammelt werden. Das gibt literweise leckeren Saft für Gelee. Zetti fachsimpelte dabei reichlich über die Zett und Schraubermöglichkeiten.
Anschließend ging es noch zu Ritchys Restaurant auf den Wochenburger. Hier trafen wir etliche Motorradfahrer, die ihre Tour gemütlich ausklingen ließen. Ich gab Tipps über Bade- und günstige Übernachtungsmöglichkeiten am Arendsee weiter. Zetti notierte sich Adressen, die dann im nächsten Jahr Einladungen bekommen würden für das Motorradtreffen in Wasserleben.
Mit dem Dunkelwerden kamen wir bei mir zuhause an. Da wir beide am Donnerstag arbeiten mußten, ging es recht früh ins Nest. Ich schaute noch in die Newsletter und fand diesen Artikel ...
Mit Ellie sah das schon anders aus. Auf der Straße ist 80 km/h vorgegeben, und auch ich fahre da manchmal +10 drüber. Wenn ich in der Schräge bin und so ein Tier rennt in mich hinein, hätte ich wohl ebenfalls keine Chance.
Geschlafen hatte ich sehr schlecht. Der Zettfahrer hatte vor einigen Wochen eine Reh-Überfahrung gehabt. Das kam in meinem Kopf ständig wieder hoch.
Und heute morgen - ich war gerade beim Zähneputzen und tippte die Whatsapp Nachrichten an, weil mir langweilig war bei der Putzung - kam eine weitere Nachricht, die mich sprachlos und sehr traurig machte ...
Vor zwei Wochen noch miteinander gefeiert, gealbert, gelacht und gefrotzelt. Die näheren Umstände des Unfalls sind noch nicht ärztlich bestätigt. Er ist wohl mit der Bikerunion auf einer Ausfahrt gewesen und führte die Truppe an. In einer Kurve fuhr er geradeaus. Das Bike schob nach. Seine Lebensgefährtin war bei ihm.
Was für ein Scheiß Ende der Saison. So viele, so unglaublich viele und tragische Todesunfälle in dieser Saison 2018.
Die Termine, die sich bei mir ergeben hatten, hatten ein Fahren mit dem Motorrad verhindert. Wer transportiert schon 30 Kilogramm Apfelquitten in der Satteltasche ...
Ich bin froh, das mir die Termine, die komischen!, einen Strich gesetzt hatten. Das wir nicht fahren konnten. Wäre ich eine Esoterikerin, könnte ich jetzt an Heilgeister oder Lichtwesen glauben, die mich beschützen wollten. Bin ich aber nicht.
Ich kann sagen: ich habe einfach ein Scheiß Glück gehabt, dass ich nur mit dem Auto unterwegs gewesen war.
Ich war noch nicht dran ...
https://www.hallelife.de/nachrichten/polizei-feuerwehr/details/450079.html
Montag, 8. Oktober 2018
Freie Fahrt, Schlagkräftigkeit, Arroganz, eine fette Bockwurst - und kanalisiertes Wasser; Teil 3 B des Drömling-Urlaubes
Dritter Reisetag - Teil A - hier nachzulesen: KLICK
Dritter Reisetag - Teil B -
Ellie und ich ließen den kleinen Wallfahrtsort Marienborn hinter uns. Je dichter es zum Autobahnzubringer Nr. 64 "Alleringersleben" ging, umso dichter wurde auch der Autoverkehr. Wir bogen falsch ab und fuhren in der Reisewelle zunächst bis zum nächsten Örtchen Belsdorf. Dort gab es die Gelegenheit zur Umkehr, und nun fuhren wir korrekt unter der Warschauer Allee durch. Im Volksmund auch bekannt als A2.
Die Autobahn A2 ...
Die Bundesautobahn 2 Kurzform: Autobahn 2 verläuft komplett sechsstreifig von Oberhausen entlang des Nordrandes des Ruhrgebiets durch das südliche Münsterland, Ostwestfalen-Lippe und das Weserbergland, erreicht die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover, die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt Magdeburg und nach Querung der Elbe vor Berlin den südlichen bzw. westlichen Berliner Ring (A 10) am Dreieck Werder. Die A 2 gehört neben der A 3 wegen ihrer Bedeutung als Ost-West-Achse zu den meistfrequentierten Autobahnen Deutschlands. Die hohe Anzahl der polnischen Verkehrsteilnehmer brachte der A 2 den Spitznamen „Warschauer Allee“ ein (Zitat aus Wiki).
In der DDR war die Autobahn einer der Transitwege. Und es hält sich immer noch hartnäckig die Behauptung, derrr Härrr Atsche hätte die Autobahnen erfunden. Dem ist nicht so. Die Bezeichnung Autobahn tauchte zum ersten Mal zu Beginn des Jahres 1927 in einer Fachzeitschrift auf; als Schöpfer gilt der Bauingenieur Robert Otzen, der auch Vorsitzender des Vereins zur Vorbereitung der Autostraße Hansestädte–Frankfurt–Basel (HaFraBa) war. Dieser Verein begann bereits in den 1920er-Jahren mit Planungen zu einem für den Automobilverkehr reservierten Straßennetz. Die HaFraBa gab ab 1928 auch eine Vereinszeitung mit dem zukunftsweisenden Namen Die Autobahn heraus. In Analogie zur Eisenbahn sollte der Ausdruck für das ersonnene Straßennetz stehen. Die im Deutschen Reich getroffenen Überlegungen zum Aufbau leistungsfähiger Straßen sind nur im Kontext zu den verschiedensten Überlegungen zu verstehen, die damals in allen europäischen Industriestaaten angestoßen wurden. Bereits in den 1920er-Jahren war an eine Autobahn zwischen Deutschland und Italien gedacht worden. Der Begriff „Autobahn“ war somit schon lange vor der Vereinnahmung durch die NS-Propaganda – genauso wie die Idee zu einer Autobahn – gebräuchlich.
Wir fuhren oberhalb der A2 durch kleine Dörfer, die schön zurechtgemacht waren. Es ging Richtung Weferlingen. Quer durch den Ort, fuhr ich in nördlicher Richtung. Ich machte einen Schlenker, weil mir danach war, und kam wieder durch die Dörfer Döhren, Mackendorf (Füttys Fisch!) und Saalsdorf. Auf einem kleinen "Privatweg" kam ich durch eine Allee von Pflaumen-, Zwetschgen- und Mirabellenbüschen hindurch, und machte eine kleine Futterpause. Ich hatte Durst und ein wenig Hunger. Die Büsche hingen voll mit Früchten. Zuckersüß und ohne Wurm, Unmengen von Früchten ... Niemand schien sich für das Obst zu interessieren. Traurig ... ich vertilgte soviele wie ich konnte. Und sammelte in die Satteltaschen hinein.
Während ich da so herumstand und das Obst genoß, sah ich in der Ferne Bewegung in der Szene. Ein junges Mädel drosch mit allen Beinen und Armen, die sie zur Verfügung hatte, auf eine männliche Person in Trainingshose ein. Sie trug eine Pudelmütze (bei Außentemperaturen von über 25 Grad), Boxhandschuhe und hochgeschnürte Turnschuhe. Offenbar trainierte hier jemand seinen Schützling im Kick-Boxen. Wie das Mädel um ihn herumtanzte, und immer wieder ruckartig mit den Beinen nach oben ausholte, war zu bewundern. Ich schaffe es nicht einmal, in meine Unterbuxe zu steigen, ohne vorne über zu kippen. Und muß mich mittlerweile hinsetzen, um nicht weitere Beulen am Kopf zu bekommen (die Arbeitskollegen gucken schon komisch).
Und das Mädel dort tanzte regelrecht beim Kämpfen. Sie schien riesigen Spaß an der Sache zu haben. Ihr Lachen war bis zu meinem Standort zu hören.
Als ich an ihnen vorbei fuhr, hob ich meinen linken Daumen hoch als bewundernde Geste. Der Trainer guckte grimmig, aber sie grinste und winkte mit ihrer behandschuhten Flunke zurück.
Weiter ging es jetzt, zu meinem nächsten Ziel: Seggerde.
Ich bog in der scharfen Linkskurve nach rechts ab, in die Siedlung hinein. Rechter Hand stand ein Tor offen, der Hinweispfeil aus Holz zeigte zum Gutshof. Schloß Seggerde lag dort. Ich fuhr im Schritttempo auf dem hubbeligen Pflaster zwischen den Wirtsschaftsgebäuden durch. Eine blaue Arbeitsjacke hing über einer Bank, eine Laterne brannte über einer Stalltür, irgendwo dudelte ein Radio einen Schlager. Kein Mensch war zu sehen. Ich fuhr weiter, bis vor den grün schimmernden Teich.
Vor der Schloßtreppe stand ein Gabelstapler, und irgendwo innen im Haus rumorten zwei Arbeiter. Ich wendete Ellie und fuhr über einen schmalen Zufahrtsweg durch die Bäume direkt vor das Schloß. Die Männer trugen gleich darauf eine große recht schäbig aussehende Couch über die Treppe zum Anhänger hinunter. Beide schwitzten und sahen recht geschafft aus. Der Größere der Männer wischte sich das Gesicht mit der Hand ab und sprach mich an. Ich dürfte gar nicht hier sein. Hier ist Fahrverbot, auf dem gesamten Gelände. Wie ich überhaupt hier raufgekommen wäre. Der Schloßbesitzer wäre darüber sicher sehr böse, und es wäre besser, wenn ich gleich verschwinden würde.
Schulterzuckend sagte ich ihm, dass das Tor offen gewesen ist, das ich keinerlei Hinweisschilder gesehen hätte, und nur fragen wollte, ob man das Schloß besichtigen könne. Ich würde auch Eintritt zahlen. Der Arbeiter sah irgendwie verlegen und verschüchtert aus. Er könne da gar nichts zu sagen.
Und dann kam ein älterer Mann in eleganter Klamotte auf dem Fahrrad angefahren, bremste in einer Staubwolke und schnauzte uns sofort an. Der Herr Schloßbesitzer persönlich. Ob ich die 120 Euro Strafe gleich zahlen würde, oder ob er gleich die Polizei holen solle.
Ich stellte mich höflich vor. Er fiel mir sofort ins Wort und pochte erneut auf die 120 Euro. Ich nahm den Helm ab und gab mich zu erkennen. "Guten Tag. Mein Name ist XXX, ich wollte mich erkundigen, ob das Schloß zu besichtigen wäre. Ich bin durch das Hoftor gefahren, es gab keinen Hinweis, dass das Befahren nicht erlaubt ist." Jede Faser meines verschwitzten Ichs zeigte mitsamt der Helmfrisur ein korrektes und adeliges Verhalten.
Der arrogante Mensch schnaubte. Besichtigen gäbe es schonmal gar nicht. Und mit Motorrad sowieso nicht. Einmal im Jahr wäre hier ein Konzert zur Weihnachtszeit, das könne ich im Internet nachlesen. Aber Motorräder hätten hier nichts zu suchen. Er fiel mir ständig ins Wort und war mit jeder Faser seines Körpers ein komplettes riesiges Mega-Arschloch.
Mein Seitenblick auf die Arbeiter zeigte meinen Eindruck bestätigt. Die hatten Angst vor diesem Kerl. Schließlich hatte er genug wortgewaltige Reviermarkierung von sich gespuckt, drehte sich weg, und kommandierte die beiden Arbeiter in Grund und Boden. Mich beachtete er nicht mehr.
Wir fuhren gemütlich zurück über den Hof, und weg von diesem Gelände. Was für eine unangenehme Begegnung. Aber ich hatte das Eintrittsgeld gespart, mußte keine 120 Euro löhnen und hatte ihm einige Tage später in seinen Gutspark gepullert. Ätsch.
Mit dem Zettfahrer war ich einige Tage später nämlich noch einmal dort. Der Gutspark ist herrlich. Und wenn man vor dem Abbiegen gleich scharf rechts auf den kleinen Waldparkplatz fährt, sieht man auch das Hinweisschild "Durchfahrt verboten". Das weiße Taschentuch darunter ist von mir ;-).
Mein nächstes Ziel war wegen einer Brückensperrung nicht ohne Probleme zu erreichen. So fuhr ich erneut durch die Dörfer Döhren, Mackendorf und Bardorf. Und kam von der anderen Seite zum Rittergut Altena. Altena liegt im äußersten Osten von Niedersachsen, nur knapp zwei Kilometer von der Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt entfernt. Vorzeitlich in dem so genannten Zonenrandgebiet.
Was bei Google Satelit prima zu erkennen war, versteckte sich in der Realität vor mir. Ich fuhr tatsächlich erst einmal daran vorbei.
Erst der zweite Anlauf zeigte mir, dass ich richtig wäre. Das Gut ist kaum noch als selbiges zu erkennen. Einzig das Wappen an der Außenmauer des Gutes ist noch relativ gut erhalten.
Auch die gelbe Zeitungshülle am mit einer dicken Kette verschlossenen Hoftor täuscht nicht darüber hinweg: hier gibt es bis auf Fledermäuse und anderes Kleingetier keine Bewohner mehr. Daran mag auch die ehemalige innerdeutsche Grenze schuld sein. Viele ehemalige Rittergüter wurden von der Regierung eingetrieben, und sozialistisch genutzt. Für Feudalismus, Adelige und andere subversive Elemente war dort kein Platz. Auch wenn der Platz den Personen gehörte - meist durch Schenkung oder Heirat - wurden solche Besitztümer einfach aberkannt. Nach der Grenzöffnung waren die Besitze meist so heruntergekommen und verfallen, dass die Rückführung oft daran scheiterte, dass die ehemaligen Besitzer oder deren Nachkommen die Güter nicht mehr haben wollten.
Der Hartriegel überwuchert alles: das noch erhaltene Mauerwerk, und die zerfallenen Gebäude dahinter. Ein Trampelpfad führte rechts durch das Gebüsch. Offenbar der Abenteuerspielplatz für die Bewohner auf der anderen Straßenseite. Das ehemalige Rittergut versank im Schlaf. Ob das nun ein Fluch oder ein Segen ist, muß jeder für sich selbst entscheiden. Die Fledermäuse und die Wildbienenpopulation finden es sicher prima dort.
Auf der Straße donnerten mehrere Traktoren mit zwei oder sogar drei Anhängern an uns vorbei. Der Mais lag gehäckselt in den hohen Schütten. Ein Nebel von zerkleinerten und extrem klebrigen Teilchen fegte dem Tross hinterher. Ich wartete einige Minuten, und fuhr dann in die selbe Richtung.
Es ging über Lockstedt und Rätzlingen auf die L24. Jetzt fuhr ich einfach drauflos, zum nächsten Ziel. Es ging in den größeren Ort Calvörde.
Ich habe mächtigen Appetit. So fuhr ich in den kleinen Ortskern hinein. Bei einer offenen Bäckerei hielt ich an. Ein Kunden WC hatten sie leider nicht, da die Angestellten im Ort wohnten und für die paar Stunden am Tag (Schichtdienst, Stundendienst) würden sie es ohne aushalten.
Erst bei der Blognachbearbeitung erfuhr ich im Internet, wie bekannt diese kleine Schau-Bäckerei ist! MDR Sachsen-Anhalt hat darüber sogar ein kleines Filmchen gedreht! KLICK
Schaubäckerei heißt nichts anderes, als das der Käufer durch eine große Glasscheibe sehen kann, was der Bäcker gerade in Arbeit hat. Wenn er denn noch da ist. Bäcker arbeiten bekanntermaßen sehr früh. Ich hätte ihn wahrscheinlich niemals zu Gesicht bekommen. Ein Hoch auf MDR. So sieht er also aus, der Chef ;-).
In fast allen Einrichtungen wie Tankstellen oder Kiosken, Bäckereien oder Imbißstuben Sachsen-Anhalts kann man mit Gewißheit eines bestellen, was immer vorhanden ist: Bockwurst und Brötchen.
Ich wurde fündig. Dazu wünschte ich mir einen Tee. Die nette bemühte Verkäuferin brachte mir den Tee und die heiß gemachte Bockwurst einige Minuten später direkt an meinen Tisch. Dazu mußte sie die Bäckerei kurz verlassen, und andere Kunden kurz warten - aber das wäre Kundendienst, sagte sie mir fröhlich und mit schüchternem freundlichen Lächeln.
Wenn ich mir überlege, wie ich bei so manchem Lokal in Niedersachsen behandelt werde, erstaunt und rührt mich dieses Servicegebiet Sachsen-Anhalt immer wieder aufs neue. Hier habe ich nur im äußersten Ausnahmefall eine nicht so gute Erfahrung gemacht.
Die Wurst war so dick, dass das Brötchen kaum zuging. Bei uns gibt es Wurst auf labberiger Pappe, und meist ist die so schmal, dass die noch schmalere Wurst hinunterrutscht. Und das Dreieck Toastbrot, was (auch nicht immer!) dabei liegt, ist meist auch nicht wirklich nahrhaft.
Ich mampfte vergnügt und kleckernd meine Mahlzeit in mich hinein. Das Erdbeertörtchen war superlecker, und ebenfalls frisch, wie das Brötchen, von der Bäckerei selbst hergestellt.
Meine verklebten Finger steckte ich später in meine Handschuhe. Das kam jetzt auch nicht mehr darauf an. Die Handschuhe haben so manchen Dreck erleben dürfen.
Eine kleine Runde drehte ich noch durch den Ort. Das ist hübsch hier. Niedrige Fachwerkhäuser und eine wuchtige Kirche auf einem sauberen Vorplatz. Die Calvörder müssen einen gesunden Schlaf haben. Oder gute Ohropax. Oder schallisolierte Fenster! Wenn die Glocken läuten, dürfte das recht lautstark in die Stuben dringen! Wohnhäuser standen dicht gedrängt um die Kirche herum.
Ich fuhr bis zur Hauptstraße, bog nach links weg und kam erneut an den Kanal. Ein Stück ging es in Richtung Haldensleben. Ich folgte einem kleinen Hinweisschild und war am nächsten Zielort. Sportboothafen Calvörde. Diesen Tipp hatte ich von einem unserer Studenten bekommen. Hier wäre Zelten auch möglich. Es seien Örtlichkeiten vorhanden - also Dusche, WC, Frischwasser. Die Preise sind auf der Homepage. Was ein Zelt und ein Motorrad kostet, steht dort nicht, aber das kann man beim Hafenmeister erfragen.
So riesig ist dieser Sportboothafen nicht. Überschaubar, würde ich sagen. Keine Aida, keine Hunderttausendeuro-Yachten. Ich fuhr an der kleinen Leitplanke entlang und positionierte Ellie für das Foto. Aus einem der Wohnwagen kam ein Mann, schlurfte zu einem der weißen Container - die WC und Duschcontainer - und ein anderer kam mit einem kleinen Klapprad auf den Bootsanleger gefahren. Neugierig schaute er zu mir hinüber. Ich winkte ihm, und er winkte kurz zurück. Dann widmete er sich Besen und Wischmopp: Deck schrubben.
Ein Stück spazierte ich noch am Kanal entlang. Dieser Tag war lang geworden. Länger, als ich erwartet hatte. In der Ferne brandete der Feierabendverkehr in Richtung Haldensleben.
Träge und ablehnend wirkte das leicht schmuddelige Kanalwasser auf mich. Nichts, wo ich freiwillig drin verweilen würde.
Für mich war es nun Zeit für die Heimreise. Als ich mich auf Ellie setzte und wenden wollte, merkte ich meinen Parkfehler. Das Gelände fiel nach vorne leicht ab. Schwitzend versuchte ich, Ellie durch hin- und herschieben weg von der Sandnase zu bekommen. Ständig rutschten mir die Schuhe weg. Kein Grip!
Es hätte nicht viel gefehlt, und wir wären im Kanal und somit sicher nach dem Feuerwehr-Einsatz auch im Fernsehen gelandet. Bei MDR Sachen-Anhalt, in den Regional-Nachrichten.
Die Fotos sind also nicht einfach nur Fotos von 'Ellie am Hafen'. Sie haben viel Schweiß und Fluchen hinten dran ... Mies parken kann ich wirklich super!
Als ich Ellie endlich auf dem Asphalt hatte, war ich klitschnass geschwitzt. Time to go.
Ohne weitere Spirenzchen fuhr ich die gleiche Landstraße zurück. In Kathendorf ging es links ab. Ruhige Seitenstraßen waren mir jetzt am liebsten. Ruhige und vor allem geteerte.
Wer möchte, kann hier in der Nacht wandern.
Wir fuhren durch die Landschaft, und zu guter Letzt gab es noch den Blick auf den Blocksberg/Sachsen-Anhalt. Rechts über dem rechten Außenspiegel von Ellie. Immerhin über 100 Meter. Im Flachland sind das die Alpen. In klein.
Dort, wo der Schatten der Baumreihe hinkam, war der Mais noch frisch und grün. Aber halt klein gewachsen. Dahinter war er wie überall zu Trockengemüse verbrutzelt. Der Regen fehlte. Auch hier war das Land schon bereit für den Herbst. Die Felder meist abgeerntet. Nur noch trockene Stümpfe ragten aus der betonharten, mit tiefen Rissen durchzogenen Erde und zeigten an, dass hier einmal Mais gestanden hatte. Oder zumindest so etwas ähnliches wie Mais ...
Am Ufer von diesem seichten Kanal tanzten blaue Prachtlibellen (blaue Flatterteile, ähnlich wie Schmetterlinge). Ansonsten war die Erde überall knochentrocken, und Traktoren hinterließen meterhohe Staubwolken. Aus der Ferne sah es aus als würde da ein Dorf in Flammen stehen. Dabei waren es nur die Erntemaschinen, die mit ihrer Gerätschaft diese dunklen Fontainen in den Himmel schickten.
Der lange Reisetag war zuende. Dutzende von Fliegenleichen klebten an mir, und Ellie war gepudert mit der Maishäckselmatsche. Das Säubern verschob ich auf den nächsten Tag.
Einen Nachschlag zum Drömling-Urlaub gibt es noch. Da wird es dann kulinarisch, und kämpferisch.
Dritter Reisetag - Teil B -
Ellie und ich ließen den kleinen Wallfahrtsort Marienborn hinter uns. Je dichter es zum Autobahnzubringer Nr. 64 "Alleringersleben" ging, umso dichter wurde auch der Autoverkehr. Wir bogen falsch ab und fuhren in der Reisewelle zunächst bis zum nächsten Örtchen Belsdorf. Dort gab es die Gelegenheit zur Umkehr, und nun fuhren wir korrekt unter der Warschauer Allee durch. Im Volksmund auch bekannt als A2.
Die Autobahn A2 ...
Die Bundesautobahn 2 Kurzform: Autobahn 2 verläuft komplett sechsstreifig von Oberhausen entlang des Nordrandes des Ruhrgebiets durch das südliche Münsterland, Ostwestfalen-Lippe und das Weserbergland, erreicht die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover, die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt Magdeburg und nach Querung der Elbe vor Berlin den südlichen bzw. westlichen Berliner Ring (A 10) am Dreieck Werder. Die A 2 gehört neben der A 3 wegen ihrer Bedeutung als Ost-West-Achse zu den meistfrequentierten Autobahnen Deutschlands. Die hohe Anzahl der polnischen Verkehrsteilnehmer brachte der A 2 den Spitznamen „Warschauer Allee“ ein (Zitat aus Wiki).
In der DDR war die Autobahn einer der Transitwege. Und es hält sich immer noch hartnäckig die Behauptung, derrr Härrr Atsche hätte die Autobahnen erfunden. Dem ist nicht so. Die Bezeichnung Autobahn tauchte zum ersten Mal zu Beginn des Jahres 1927 in einer Fachzeitschrift auf; als Schöpfer gilt der Bauingenieur Robert Otzen, der auch Vorsitzender des Vereins zur Vorbereitung der Autostraße Hansestädte–Frankfurt–Basel (HaFraBa) war. Dieser Verein begann bereits in den 1920er-Jahren mit Planungen zu einem für den Automobilverkehr reservierten Straßennetz. Die HaFraBa gab ab 1928 auch eine Vereinszeitung mit dem zukunftsweisenden Namen Die Autobahn heraus. In Analogie zur Eisenbahn sollte der Ausdruck für das ersonnene Straßennetz stehen. Die im Deutschen Reich getroffenen Überlegungen zum Aufbau leistungsfähiger Straßen sind nur im Kontext zu den verschiedensten Überlegungen zu verstehen, die damals in allen europäischen Industriestaaten angestoßen wurden. Bereits in den 1920er-Jahren war an eine Autobahn zwischen Deutschland und Italien gedacht worden. Der Begriff „Autobahn“ war somit schon lange vor der Vereinnahmung durch die NS-Propaganda – genauso wie die Idee zu einer Autobahn – gebräuchlich.
Wir fuhren oberhalb der A2 durch kleine Dörfer, die schön zurechtgemacht waren. Es ging Richtung Weferlingen. Quer durch den Ort, fuhr ich in nördlicher Richtung. Ich machte einen Schlenker, weil mir danach war, und kam wieder durch die Dörfer Döhren, Mackendorf (Füttys Fisch!) und Saalsdorf. Auf einem kleinen "Privatweg" kam ich durch eine Allee von Pflaumen-, Zwetschgen- und Mirabellenbüschen hindurch, und machte eine kleine Futterpause. Ich hatte Durst und ein wenig Hunger. Die Büsche hingen voll mit Früchten. Zuckersüß und ohne Wurm, Unmengen von Früchten ... Niemand schien sich für das Obst zu interessieren. Traurig ... ich vertilgte soviele wie ich konnte. Und sammelte in die Satteltaschen hinein.
Während ich da so herumstand und das Obst genoß, sah ich in der Ferne Bewegung in der Szene. Ein junges Mädel drosch mit allen Beinen und Armen, die sie zur Verfügung hatte, auf eine männliche Person in Trainingshose ein. Sie trug eine Pudelmütze (bei Außentemperaturen von über 25 Grad), Boxhandschuhe und hochgeschnürte Turnschuhe. Offenbar trainierte hier jemand seinen Schützling im Kick-Boxen. Wie das Mädel um ihn herumtanzte, und immer wieder ruckartig mit den Beinen nach oben ausholte, war zu bewundern. Ich schaffe es nicht einmal, in meine Unterbuxe zu steigen, ohne vorne über zu kippen. Und muß mich mittlerweile hinsetzen, um nicht weitere Beulen am Kopf zu bekommen (die Arbeitskollegen gucken schon komisch).
Und das Mädel dort tanzte regelrecht beim Kämpfen. Sie schien riesigen Spaß an der Sache zu haben. Ihr Lachen war bis zu meinem Standort zu hören.
Als ich an ihnen vorbei fuhr, hob ich meinen linken Daumen hoch als bewundernde Geste. Der Trainer guckte grimmig, aber sie grinste und winkte mit ihrer behandschuhten Flunke zurück.
Weiter ging es jetzt, zu meinem nächsten Ziel: Seggerde.
Ich bog in der scharfen Linkskurve nach rechts ab, in die Siedlung hinein. Rechter Hand stand ein Tor offen, der Hinweispfeil aus Holz zeigte zum Gutshof. Schloß Seggerde lag dort. Ich fuhr im Schritttempo auf dem hubbeligen Pflaster zwischen den Wirtsschaftsgebäuden durch. Eine blaue Arbeitsjacke hing über einer Bank, eine Laterne brannte über einer Stalltür, irgendwo dudelte ein Radio einen Schlager. Kein Mensch war zu sehen. Ich fuhr weiter, bis vor den grün schimmernden Teich.
Vor der Schloßtreppe stand ein Gabelstapler, und irgendwo innen im Haus rumorten zwei Arbeiter. Ich wendete Ellie und fuhr über einen schmalen Zufahrtsweg durch die Bäume direkt vor das Schloß. Die Männer trugen gleich darauf eine große recht schäbig aussehende Couch über die Treppe zum Anhänger hinunter. Beide schwitzten und sahen recht geschafft aus. Der Größere der Männer wischte sich das Gesicht mit der Hand ab und sprach mich an. Ich dürfte gar nicht hier sein. Hier ist Fahrverbot, auf dem gesamten Gelände. Wie ich überhaupt hier raufgekommen wäre. Der Schloßbesitzer wäre darüber sicher sehr böse, und es wäre besser, wenn ich gleich verschwinden würde.
Schulterzuckend sagte ich ihm, dass das Tor offen gewesen ist, das ich keinerlei Hinweisschilder gesehen hätte, und nur fragen wollte, ob man das Schloß besichtigen könne. Ich würde auch Eintritt zahlen. Der Arbeiter sah irgendwie verlegen und verschüchtert aus. Er könne da gar nichts zu sagen.
Und dann kam ein älterer Mann in eleganter Klamotte auf dem Fahrrad angefahren, bremste in einer Staubwolke und schnauzte uns sofort an. Der Herr Schloßbesitzer persönlich. Ob ich die 120 Euro Strafe gleich zahlen würde, oder ob er gleich die Polizei holen solle.
Ich stellte mich höflich vor. Er fiel mir sofort ins Wort und pochte erneut auf die 120 Euro. Ich nahm den Helm ab und gab mich zu erkennen. "Guten Tag. Mein Name ist XXX, ich wollte mich erkundigen, ob das Schloß zu besichtigen wäre. Ich bin durch das Hoftor gefahren, es gab keinen Hinweis, dass das Befahren nicht erlaubt ist." Jede Faser meines verschwitzten Ichs zeigte mitsamt der Helmfrisur ein korrektes und adeliges Verhalten.
Der arrogante Mensch schnaubte. Besichtigen gäbe es schonmal gar nicht. Und mit Motorrad sowieso nicht. Einmal im Jahr wäre hier ein Konzert zur Weihnachtszeit, das könne ich im Internet nachlesen. Aber Motorräder hätten hier nichts zu suchen. Er fiel mir ständig ins Wort und war mit jeder Faser seines Körpers ein komplettes riesiges Mega-Arschloch.
Mein Seitenblick auf die Arbeiter zeigte meinen Eindruck bestätigt. Die hatten Angst vor diesem Kerl. Schließlich hatte er genug wortgewaltige Reviermarkierung von sich gespuckt, drehte sich weg, und kommandierte die beiden Arbeiter in Grund und Boden. Mich beachtete er nicht mehr.
Wir fuhren gemütlich zurück über den Hof, und weg von diesem Gelände. Was für eine unangenehme Begegnung. Aber ich hatte das Eintrittsgeld gespart, mußte keine 120 Euro löhnen und hatte ihm einige Tage später in seinen Gutspark gepullert. Ätsch.
Mit dem Zettfahrer war ich einige Tage später nämlich noch einmal dort. Der Gutspark ist herrlich. Und wenn man vor dem Abbiegen gleich scharf rechts auf den kleinen Waldparkplatz fährt, sieht man auch das Hinweisschild "Durchfahrt verboten". Das weiße Taschentuch darunter ist von mir ;-).
Mein nächstes Ziel war wegen einer Brückensperrung nicht ohne Probleme zu erreichen. So fuhr ich erneut durch die Dörfer Döhren, Mackendorf und Bardorf. Und kam von der anderen Seite zum Rittergut Altena. Altena liegt im äußersten Osten von Niedersachsen, nur knapp zwei Kilometer von der Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt entfernt. Vorzeitlich in dem so genannten Zonenrandgebiet.
Was bei Google Satelit prima zu erkennen war, versteckte sich in der Realität vor mir. Ich fuhr tatsächlich erst einmal daran vorbei.
Erst der zweite Anlauf zeigte mir, dass ich richtig wäre. Das Gut ist kaum noch als selbiges zu erkennen. Einzig das Wappen an der Außenmauer des Gutes ist noch relativ gut erhalten.
Auch die gelbe Zeitungshülle am mit einer dicken Kette verschlossenen Hoftor täuscht nicht darüber hinweg: hier gibt es bis auf Fledermäuse und anderes Kleingetier keine Bewohner mehr. Daran mag auch die ehemalige innerdeutsche Grenze schuld sein. Viele ehemalige Rittergüter wurden von der Regierung eingetrieben, und sozialistisch genutzt. Für Feudalismus, Adelige und andere subversive Elemente war dort kein Platz. Auch wenn der Platz den Personen gehörte - meist durch Schenkung oder Heirat - wurden solche Besitztümer einfach aberkannt. Nach der Grenzöffnung waren die Besitze meist so heruntergekommen und verfallen, dass die Rückführung oft daran scheiterte, dass die ehemaligen Besitzer oder deren Nachkommen die Güter nicht mehr haben wollten.
Der Hartriegel überwuchert alles: das noch erhaltene Mauerwerk, und die zerfallenen Gebäude dahinter. Ein Trampelpfad führte rechts durch das Gebüsch. Offenbar der Abenteuerspielplatz für die Bewohner auf der anderen Straßenseite. Das ehemalige Rittergut versank im Schlaf. Ob das nun ein Fluch oder ein Segen ist, muß jeder für sich selbst entscheiden. Die Fledermäuse und die Wildbienenpopulation finden es sicher prima dort.
Auf der Straße donnerten mehrere Traktoren mit zwei oder sogar drei Anhängern an uns vorbei. Der Mais lag gehäckselt in den hohen Schütten. Ein Nebel von zerkleinerten und extrem klebrigen Teilchen fegte dem Tross hinterher. Ich wartete einige Minuten, und fuhr dann in die selbe Richtung.
Es ging über Lockstedt und Rätzlingen auf die L24. Jetzt fuhr ich einfach drauflos, zum nächsten Ziel. Es ging in den größeren Ort Calvörde.
Ich habe mächtigen Appetit. So fuhr ich in den kleinen Ortskern hinein. Bei einer offenen Bäckerei hielt ich an. Ein Kunden WC hatten sie leider nicht, da die Angestellten im Ort wohnten und für die paar Stunden am Tag (Schichtdienst, Stundendienst) würden sie es ohne aushalten.
Erst bei der Blognachbearbeitung erfuhr ich im Internet, wie bekannt diese kleine Schau-Bäckerei ist! MDR Sachsen-Anhalt hat darüber sogar ein kleines Filmchen gedreht! KLICK
Schaubäckerei heißt nichts anderes, als das der Käufer durch eine große Glasscheibe sehen kann, was der Bäcker gerade in Arbeit hat. Wenn er denn noch da ist. Bäcker arbeiten bekanntermaßen sehr früh. Ich hätte ihn wahrscheinlich niemals zu Gesicht bekommen. Ein Hoch auf MDR. So sieht er also aus, der Chef ;-).
In fast allen Einrichtungen wie Tankstellen oder Kiosken, Bäckereien oder Imbißstuben Sachsen-Anhalts kann man mit Gewißheit eines bestellen, was immer vorhanden ist: Bockwurst und Brötchen.
Ich wurde fündig. Dazu wünschte ich mir einen Tee. Die nette bemühte Verkäuferin brachte mir den Tee und die heiß gemachte Bockwurst einige Minuten später direkt an meinen Tisch. Dazu mußte sie die Bäckerei kurz verlassen, und andere Kunden kurz warten - aber das wäre Kundendienst, sagte sie mir fröhlich und mit schüchternem freundlichen Lächeln.
Wenn ich mir überlege, wie ich bei so manchem Lokal in Niedersachsen behandelt werde, erstaunt und rührt mich dieses Servicegebiet Sachsen-Anhalt immer wieder aufs neue. Hier habe ich nur im äußersten Ausnahmefall eine nicht so gute Erfahrung gemacht.
Die Wurst war so dick, dass das Brötchen kaum zuging. Bei uns gibt es Wurst auf labberiger Pappe, und meist ist die so schmal, dass die noch schmalere Wurst hinunterrutscht. Und das Dreieck Toastbrot, was (auch nicht immer!) dabei liegt, ist meist auch nicht wirklich nahrhaft.
Ich mampfte vergnügt und kleckernd meine Mahlzeit in mich hinein. Das Erdbeertörtchen war superlecker, und ebenfalls frisch, wie das Brötchen, von der Bäckerei selbst hergestellt.
Meine verklebten Finger steckte ich später in meine Handschuhe. Das kam jetzt auch nicht mehr darauf an. Die Handschuhe haben so manchen Dreck erleben dürfen.
Eine kleine Runde drehte ich noch durch den Ort. Das ist hübsch hier. Niedrige Fachwerkhäuser und eine wuchtige Kirche auf einem sauberen Vorplatz. Die Calvörder müssen einen gesunden Schlaf haben. Oder gute Ohropax. Oder schallisolierte Fenster! Wenn die Glocken läuten, dürfte das recht lautstark in die Stuben dringen! Wohnhäuser standen dicht gedrängt um die Kirche herum.
Ich fuhr bis zur Hauptstraße, bog nach links weg und kam erneut an den Kanal. Ein Stück ging es in Richtung Haldensleben. Ich folgte einem kleinen Hinweisschild und war am nächsten Zielort. Sportboothafen Calvörde. Diesen Tipp hatte ich von einem unserer Studenten bekommen. Hier wäre Zelten auch möglich. Es seien Örtlichkeiten vorhanden - also Dusche, WC, Frischwasser. Die Preise sind auf der Homepage. Was ein Zelt und ein Motorrad kostet, steht dort nicht, aber das kann man beim Hafenmeister erfragen.
So riesig ist dieser Sportboothafen nicht. Überschaubar, würde ich sagen. Keine Aida, keine Hunderttausendeuro-Yachten. Ich fuhr an der kleinen Leitplanke entlang und positionierte Ellie für das Foto. Aus einem der Wohnwagen kam ein Mann, schlurfte zu einem der weißen Container - die WC und Duschcontainer - und ein anderer kam mit einem kleinen Klapprad auf den Bootsanleger gefahren. Neugierig schaute er zu mir hinüber. Ich winkte ihm, und er winkte kurz zurück. Dann widmete er sich Besen und Wischmopp: Deck schrubben.
Ein Stück spazierte ich noch am Kanal entlang. Dieser Tag war lang geworden. Länger, als ich erwartet hatte. In der Ferne brandete der Feierabendverkehr in Richtung Haldensleben.
Träge und ablehnend wirkte das leicht schmuddelige Kanalwasser auf mich. Nichts, wo ich freiwillig drin verweilen würde.
Für mich war es nun Zeit für die Heimreise. Als ich mich auf Ellie setzte und wenden wollte, merkte ich meinen Parkfehler. Das Gelände fiel nach vorne leicht ab. Schwitzend versuchte ich, Ellie durch hin- und herschieben weg von der Sandnase zu bekommen. Ständig rutschten mir die Schuhe weg. Kein Grip!
Es hätte nicht viel gefehlt, und wir wären im Kanal und somit sicher nach dem Feuerwehr-Einsatz auch im Fernsehen gelandet. Bei MDR Sachen-Anhalt, in den Regional-Nachrichten.
Die Fotos sind also nicht einfach nur Fotos von 'Ellie am Hafen'. Sie haben viel Schweiß und Fluchen hinten dran ... Mies parken kann ich wirklich super!
Als ich Ellie endlich auf dem Asphalt hatte, war ich klitschnass geschwitzt. Time to go.
Ohne weitere Spirenzchen fuhr ich die gleiche Landstraße zurück. In Kathendorf ging es links ab. Ruhige Seitenstraßen waren mir jetzt am liebsten. Ruhige und vor allem geteerte.
Wer möchte, kann hier in der Nacht wandern.
Wir fuhren durch die Landschaft, und zu guter Letzt gab es noch den Blick auf den Blocksberg/Sachsen-Anhalt. Rechts über dem rechten Außenspiegel von Ellie. Immerhin über 100 Meter. Im Flachland sind das die Alpen. In klein.
Dort, wo der Schatten der Baumreihe hinkam, war der Mais noch frisch und grün. Aber halt klein gewachsen. Dahinter war er wie überall zu Trockengemüse verbrutzelt. Der Regen fehlte. Auch hier war das Land schon bereit für den Herbst. Die Felder meist abgeerntet. Nur noch trockene Stümpfe ragten aus der betonharten, mit tiefen Rissen durchzogenen Erde und zeigten an, dass hier einmal Mais gestanden hatte. Oder zumindest so etwas ähnliches wie Mais ...
Am Ufer von diesem seichten Kanal tanzten blaue Prachtlibellen (blaue Flatterteile, ähnlich wie Schmetterlinge). Ansonsten war die Erde überall knochentrocken, und Traktoren hinterließen meterhohe Staubwolken. Aus der Ferne sah es aus als würde da ein Dorf in Flammen stehen. Dabei waren es nur die Erntemaschinen, die mit ihrer Gerätschaft diese dunklen Fontainen in den Himmel schickten.
Der lange Reisetag war zuende. Dutzende von Fliegenleichen klebten an mir, und Ellie war gepudert mit der Maishäckselmatsche. Das Säubern verschob ich auf den nächsten Tag.
Einen Nachschlag zum Drömling-Urlaub gibt es noch. Da wird es dann kulinarisch, und kämpferisch.
Dienstag, 2. Oktober 2018
Braunkohle, Schloß Dracula und Deutsche Geschichte - Teil 3 des Drömling-Urlaubes
Da der dritte Reisetag sehr umfangreich war, teile ich ihn auf. Quasi Teil 3 a und Teil b.
Dritter Reisetag - A -
28.8.2018
Zunächst ging es wie üblich zur Tankstelle. Diesmal schlug ich einen Bogen über den Elm, und fuhr durch ihn durch nach Schöningen. Die waldige Strecke gefiel mir. Das Morgenlicht schien durch die hohen Nadelbäume, das mir irgendwie feierlich zumute wurde. Ich hatte einige Ziele auf meiner Liste. Wie sie wohl sein würden?
So unbekannt der Ort Schöningen am Ende des Elm auch scheint - er hat einen Golf Club. Dort war ich noch nie. Aber Google findet das erwähnenswert. Na denn ...
In Schöningen suchte ich mir eine kleine Nebenstraße um den Ort herum, und fuhr quasi oberhalb am Tagebau Schöningen vorbei.
Mit der Auskohlung des Tagebaus Schöningen am 30. August 2016 ging die über 140-jährige Bergbaugeschichte im Helmstedter Revier zu Ende ... Die Schöninger Speere, die dort ausgegraben wurden, sind im Paläon ausgestellt. Ein Forschungs- und Erlebniszentrum am Rand der Grube. Ich war schon mehrfach dort gewesen. Es ist spannend, die eigene Vorgeschichte kennenzulernen. In der Schule mußte ich häufig ins Museum - Klassenausflüge! Wer kennt das nicht ... War ganz okay für mich, aber das naturhistorische Museum mit seinen Artefakten zeigte selten etwas aus der eigenen Geschichte. Dafür ganz viele ausgestopfte Tiere wie Löwen, Tiger und Affen. Ich fand die gruselig. Die Glasaugen funkelten irgendwie diabolisch. Und das Fell war an vielen Stellen ziemlich kahl. Ich sah die Tiere lieber am Leben, und dort, wo sie hingehörten - in Afrika, Asien und sonstwo!
Geschichte ist im Paläon anders. Hier gibt es Sachen von vor-der-Haustür. Auf dem Frei-Gelände gibt es auch eine kleine Herde Wildpferde. Das gesamte Areal ist Museum zum Anfassen und beinhaltet auch ein sehr gutes kleines Café. Hier lohnt sich ein Stopp immer.
Auf der L640 war an diesem Dienstag nicht viel los. Ich querte die B245a, und fuhr kurz darauf eine kleine und furchtbar hubbelige Seitenstraße hinein zum kleinen Ort Sommersdorf. Ab und an gibt es sie noch, die nicht subventionierten ehemals "normalen" Straßen in der ehemaligen Ost-Zone. Ich sah aus dem Augenwinkel eine kleine Hütte, und drehte noch einmal um. Dieser Kontrast gefiel mir. Fotostopp!
Schlehen
Hinter der Hütte war eine stachelige Hecke übervoll mit dicken blauen Früchten. Ich probierte eine und richtig - DAS waren Schlehen. Uah - blaue Zitronen. Die Stelle merkte ich mir. Hier werden der Zettfahrer und ich nach dem ersten Frost vorbei fahren, und ernten. Schlehenlikör ist eine Köstlichkeit. Und dazu braucht man eben ... die Früchte. Entlang der ehemaligen Grenze gibt es noch heute das grüne Band - Hecken und Gebüsch, oft verwildert, aber niemals unnötig. Hier brütet allerlei Getier, versteckt sich Fuchs, Hase und Rehwild.
Im Örtchen Sommersdorf geriet ich in eine Straßensperrung. Hm, das war jetzt nicht so schön. Aber an den Baufahrzeugen war wirklich kein Vorbeimogeln. Auch nicht nach Zettfahrer-Art - hier war gesperrt, und zwar für alle.
Ich schaute in meine Sachsen-Anhalt-Karte. Es half nichts. Umleitung fahren. Es ging raus aus dem Örtchen über eine sehr schöne kleine kurvenreiche Straße. Das ging richtig hoch hinaus hier - für Landschaftsguck war aber leider keine Muße, weil von hinten ein tiefergelegter Golf andrängelte. Der überholte mich dann sobald er konnte. Gut so, ich konnte also weiterhin gemütlich sein.
Ortseingang Völpke begrüßt die Besucher mit einem Museumsstück.
Hier hat jemand aus einem Schrotthaufen einen Hingucker gezaubert. Wobei mir der restaurierte Bus besser gefallen hätte. Vielleicht hatten Anwohner auch die Nase voll gehabt vom Blick auf das modernde Gefährt, und aus Protest die Blumenkästen angehängt.
Es ging durch den Ort, dann bog ich in Badeleben links weg. Und auf einem Hügel schaute ich nach etwas, was ich unbedingt aufsuchen wollte. Dracula's Schloß, so erschien es mir. Es ist in Privatbesitz, und die ganzen Hinweistafeln sprachen deutliches Mißfallen Touristen gegenüber aus.
So begnügte ich mich damit, im Gebüsch nach bestmöglichen Fotoperspektiven Ausschau zu halten.
Das alles war mir zuwenig. Ich fuhr die steile Straße hinauf, und bog nach links weg. Kurz danach stand ich vor einer Pracht-Allee. Mal sehen, ob ich hier geduldet werde.
Die Kamera in der Hand, wanderte ich zum Tor. Ein altdeutscher Schäferhund auf dem Grundstück links vor dem hohen Zauntor flippte völlig aus, kläffte sich die Seele aus dem Leib, und rannte wie verrückt hin und her. Ich sprach einen Mann an, der bei der Gartenarbeit war. Erst schaute er etwas zugeknöpft, taute aber bald auf. Mein höfliches Interesse ließ ihm fast keine andere Wahl.
Leider ist das Besichtigen des Schloßes nicht möglich. Das Gelände ist in Privatbesitz, und die Schloßherren restaurieren Stück für Stück. Na, da haben sie aber viel zu schaffen. Das Haus Gneisenau, Schloß Sommerschenburg, ist teilweise in wirklich üblem Zustand.
Dann kam ein kleiner verhutzelter Mann auf einem kleinen verrosteten Gefährt angefahren, welches rußigen Rauch ausspuckte: der polnische Arbeiter, der auf dem Gelände für Ordnung sorgt. Er fluchte heiser über das motorisierte Ding "Maschien kapuuud - Drecksding!". Wir mußten alle lachen. Er öffnete das Tor und ließ mich aus der Ferne einige Fotos machen, während er eine selbstgedrehte Zigarette zwischen seine Zahnstummel schob. Er wünschte mir "Gutes Fahren, Madamchen!" und tuckerte den geharkten Kiesweg entlang, auf das Schloß zu.
Irgendwie fühlte ich mich jetzt wie in einem Roman aus Ost-Preußen. Feudales Schloß, polnisches Personal, Schäferhunde ...
Im Ort Sommerschenburg gab es ein Dorfgemeinschaftshaus mit Informationen zur Geschichte. Dort fuhr ich hin.
Das Tor war zwar offen, aber niemand vor Ort. So machte ich einige Fotos und schaute mir die Karte genauer an.
So hübsch war der Besitz einmal gewesen.
Es war gegen 14 Uhr, und ich wollte weiter. Einmal fuhr ich noch zurück, über die Badelebener Straße, hin zum Gelände des ehemaligen Eisenerztagebaus.
Der Zufahrtsweg, den ich fahren wollte, war für Fahrzeuge gesperrt. Zum Laufen war ich zu faul. Das Schwimmbad würde ich ein anderes Mal besichtigen. Ein alter Trabbi tuckerte in einen Seitenweg, während der Fahrer neugierig zu uns hinschaute. Touristen gab es hier wohl nicht so viele.
Ich drehte auf der kleinen befestigten Haltebucht, fuhr diesmal den kleinen Weg "Unterburg" unterhalb des Schloßes entlang, und ergatterte kurz vor dem Ortsausgang ein weiteres Foto voller Geschichte.
Hier wäre ich auf dem schotterigen Untergrund bald weggerutscht. Was tut man nicht alles für ein gutes Foto ...
Der Weg "Unterburg" und "Bergstraße" brachte mich übrigens an der Vollsperrung vorbei. Das dürfte sonst nur Einheimischen bekannt sein. Und jetzt auch mir ;-).
Nun ging es aber wirklich weiter. Nach Marienborn.
Marienborn zählt zu den historisch ältesten Wallfahrtsorten innerhalb Deutschlands. Das weiß kaum jemand. Die meisten Menschen verbinden den Ort mit der Geschichte der Teilung Deutschlands. Gedenkstätte Deutsche Teilung, Marienborn, um ihn genau zu nennen. Die Gedenkstätte ist aber ein Stück weiter. Neben der Autobahn. Transit-Reisende werden dieses furchteinflößende Areal mehr als deutlich kennen ... Zitat aus der Seite bei Wiki:
Alle Abfertigungsgebäude wurden größer als nötig gebaut, um die Reisenden einzuschüchtern, die Stasi nannte das „Operative Psychologie“.
Sehr lesenswert hierzu ist dieses Essay: Generation Marienborn
Es beschreibt viel von dem, was meine Eltern erlebt hatten. Und als ich es bei der Blognachbereitung im Internet fand, wußte ich auch, woher mein Gefühl von Bedrückung kam, welches ich im Ort selbst empfand.
Zetti und ich machten bei unserem damaligen Besuch vor zwei Jahren viele Fotos. Das Gelände ist riesig. Für mich Westkind ist es nur ein Ort. Dem Zettfahrer ist es immer noch unangenehm, dort zu sein. Meine Eltern kennen den Ort ebenfalls persönlich - sie mußten damals auf dem Weg nach Berlin immer dort durch. Besonders unangenehm kamen ihnen die Flintenweiber vor die Stoßstange. Pingeliger als pingelig, es dauerte Stunden, und immer lief es mit Schikane - so ging das Filzen der Autos vonstatten. Seitdem hat mein Dad Probleme mit Frauen in Uniform.
Der Zettfahrer bestätigte die Erfahrungen meines Dads. Die Frauen dort am Kontrollpunkt waren am schlimmsten. Sie tobten sich wohl richtig aus in dieser zwanghaften Atmosphäre von "Fressen, sonst gefressen werden".
Aber zurück zur Ortschaft Marienborn!
Auf dem oberen Foto zu sehen: die ehemalige Orangerie (im Hintergrund die ehem. Brauerei) - hier war einmal ein Café untergebracht gewesen. Es ist aber bereits seit acht Jahren geschlossen. Ich lernte beim Fotografieren einen älteren Herren kennen, der sich als der ehemalige Betreiber und Besitzer des Cafés entpuppte. Er erzählte lange von der Zeit, als hier im Ort noch wirklich Betrieb war. Das schlich nach der Grenzöffnung mehr und mehr dem Ende zu, so daß er dann vor acht Jahren aufgab. Seitdem verfällt dieses kleine Häuschen mehr und mehr. Er sprach ziemlich resigniert - im Ort wäre leider nur noch Durchgangsverkehr. Keine Möglichkeiten zum Einkaufen, und die alten Leute würden sich hier wie auf der letzten Station vor der Erde fühlen.
Wenn ich allein unterwegs bin, erlebe ich häufig solche Begegnungen. Was zunächst wie Zufall ausschaut, wird im Rückblick ein Mosaik-Steinchen in einem bunten und tiefschichtigen Reisebild. Und dieser Ausflugstag ging wirklich unter die Haut!
1857 gab es hier vor der Orangerie einen Teich mit Fontäne. Zu sehen, wenn ihr den unten stehenden Link anklickt. Gustav Löbbecke, der Erbauer, hat übrigens auch in Braunschweig seine Spuren hinterlassen: Löbbeckes Insel, am Inselwall.
Ansichten früher und heute - Orangerie (klick!)
Der Vorplatz der evangelischen Klosterkirche St. Marien (im Hintergrund das Pfarrhaus) lockte mit einem prachtvoll blühenden Rosenbeet. Aber auch hier, wenn man genau hinschaut ...
... könnte mal der Staub weggepustet werden.
Im hinteren Bereich des Geländes gab es eine Ruine, die direkt an die Kirche angebaut war. Die Klostergebäude. Ein Teil des Kreuzganges. Die Rückwände zugemauert. Dank Google erfuhr ich, dass das Kloster 1811 aufgegeben wurde, und in den Räumen Arbeiterwohnungen entstanden sind. Das würde auch zu dem Grundriss der einzelnen Stätten passen.
Die Fenster waren schon lange ohne Fassung und Glas, und die Tür nur mehr ein leeres Loch. Innen fand ich viele leere Räume, die ihre eigene Botschaft trugen:
Neuzeit ...
Okay, DAS ist jetzt sehr lange her ;-). Aus den 70ern? Und falsch geschrieben. Trotzdem ein Zeitdokument der eigenen Art. Zu dem Zeitpunkt, wo diese Disco Gruppe existierte, gab es die Mauer schon. Und Gruppen aus den USA oder überhaupt Musik-Schallplatten waren im Osten kaum erhältlich. Höchstens als Bückware, wenn man Beziehungen hatte ...
Neben der Marien-Kirche stand ein wuchtiges Wohnhaus. Bei Google wird es als Schloß genannt. Es befinden sich darin 4 Wohnungen, das Gemeindebüro und eine Arztpraxis. Eine junge Frau parkte genau neben Ellie, und stieg aus ihrem Auto, bepackt mit den Einkäufen. Meine Frage nach der Ruine neben der Kirche konnte sie nicht beantworten. Sie würde hier nur wohnen. In der Kirche wäre ab und an Betrieb, aber sie interessiere sich da nicht so wirklich für.
Das Wohnhaus schien ein wirkliches Schmuckstück gewesen zu sein, wenn man bei Google Bilder nachschaut. Ansonsten ... Der ganze Ort Marienborn atmete eine sterbende Resignation aus, welche durch die durchrasenden fetten SUVs und sonstige protzige Fahrzeuge nur noch unterstrichen wurde. Abgehängt, nicht mehr interessant. Trotz Wallfahrt. Vielleicht war ich nur zur falschen Zeit dort gewesen. Ich will dem Ort nichts böses nachsagen. Auch wenn ich mich dort irgendwie unwohl fühlte: Ich werde wiederkommen.
Übrigens sah ich beim Rausfahren einen PKW am Straßenrand parken. Ein alter Mann ging mit einem Gefäß in der Hand in den Park, hin zur Marienkapelle. Dort gibt es eine Quelle, der heilende Kräfte nachgesprochen werden. Die werde ich bei meinem nächsten Besuch auch mal aufsuchen. Man weiß ja nie ... vielleicht ist was dran an der Mär. Im ungünstigsten Fall hole ich mir auch "nur" fiesen Durchfall.
- Ende Teil A - Das muß erstmal gelesen werden von euch ;-).
Im Teil B kommen Kickboxer in die Geschichte, geht es zu einem Herrenhaus, wo wir sehr unerwünscht sind. Eine Schaubäckerei wird belagert, beim Fototermin im Sportboothafen fahren wir fast in den Kanal, und entdecken anschließend den Nachtwächter-Weg.
Dritter Reisetag - A -
28.8.2018
Zunächst ging es wie üblich zur Tankstelle. Diesmal schlug ich einen Bogen über den Elm, und fuhr durch ihn durch nach Schöningen. Die waldige Strecke gefiel mir. Das Morgenlicht schien durch die hohen Nadelbäume, das mir irgendwie feierlich zumute wurde. Ich hatte einige Ziele auf meiner Liste. Wie sie wohl sein würden?
So unbekannt der Ort Schöningen am Ende des Elm auch scheint - er hat einen Golf Club. Dort war ich noch nie. Aber Google findet das erwähnenswert. Na denn ...
In Schöningen suchte ich mir eine kleine Nebenstraße um den Ort herum, und fuhr quasi oberhalb am Tagebau Schöningen vorbei.
Mit der Auskohlung des Tagebaus Schöningen am 30. August 2016 ging die über 140-jährige Bergbaugeschichte im Helmstedter Revier zu Ende ... Die Schöninger Speere, die dort ausgegraben wurden, sind im Paläon ausgestellt. Ein Forschungs- und Erlebniszentrum am Rand der Grube. Ich war schon mehrfach dort gewesen. Es ist spannend, die eigene Vorgeschichte kennenzulernen. In der Schule mußte ich häufig ins Museum - Klassenausflüge! Wer kennt das nicht ... War ganz okay für mich, aber das naturhistorische Museum mit seinen Artefakten zeigte selten etwas aus der eigenen Geschichte. Dafür ganz viele ausgestopfte Tiere wie Löwen, Tiger und Affen. Ich fand die gruselig. Die Glasaugen funkelten irgendwie diabolisch. Und das Fell war an vielen Stellen ziemlich kahl. Ich sah die Tiere lieber am Leben, und dort, wo sie hingehörten - in Afrika, Asien und sonstwo!
Geschichte ist im Paläon anders. Hier gibt es Sachen von vor-der-Haustür. Auf dem Frei-Gelände gibt es auch eine kleine Herde Wildpferde. Das gesamte Areal ist Museum zum Anfassen und beinhaltet auch ein sehr gutes kleines Café. Hier lohnt sich ein Stopp immer.
Auf der L640 war an diesem Dienstag nicht viel los. Ich querte die B245a, und fuhr kurz darauf eine kleine und furchtbar hubbelige Seitenstraße hinein zum kleinen Ort Sommersdorf. Ab und an gibt es sie noch, die nicht subventionierten ehemals "normalen" Straßen in der ehemaligen Ost-Zone. Ich sah aus dem Augenwinkel eine kleine Hütte, und drehte noch einmal um. Dieser Kontrast gefiel mir. Fotostopp!
Hinter der Hütte war eine stachelige Hecke übervoll mit dicken blauen Früchten. Ich probierte eine und richtig - DAS waren Schlehen. Uah - blaue Zitronen. Die Stelle merkte ich mir. Hier werden der Zettfahrer und ich nach dem ersten Frost vorbei fahren, und ernten. Schlehenlikör ist eine Köstlichkeit. Und dazu braucht man eben ... die Früchte. Entlang der ehemaligen Grenze gibt es noch heute das grüne Band - Hecken und Gebüsch, oft verwildert, aber niemals unnötig. Hier brütet allerlei Getier, versteckt sich Fuchs, Hase und Rehwild.
Im Örtchen Sommersdorf geriet ich in eine Straßensperrung. Hm, das war jetzt nicht so schön. Aber an den Baufahrzeugen war wirklich kein Vorbeimogeln. Auch nicht nach Zettfahrer-Art - hier war gesperrt, und zwar für alle.
Ich schaute in meine Sachsen-Anhalt-Karte. Es half nichts. Umleitung fahren. Es ging raus aus dem Örtchen über eine sehr schöne kleine kurvenreiche Straße. Das ging richtig hoch hinaus hier - für Landschaftsguck war aber leider keine Muße, weil von hinten ein tiefergelegter Golf andrängelte. Der überholte mich dann sobald er konnte. Gut so, ich konnte also weiterhin gemütlich sein.
Ortseingang Völpke begrüßt die Besucher mit einem Museumsstück.
Nur gucken - nicht anfassen ... Scherzkekse
Hier hat jemand aus einem Schrotthaufen einen Hingucker gezaubert. Wobei mir der restaurierte Bus besser gefallen hätte. Vielleicht hatten Anwohner auch die Nase voll gehabt vom Blick auf das modernde Gefährt, und aus Protest die Blumenkästen angehängt.
Es ging durch den Ort, dann bog ich in Badeleben links weg. Und auf einem Hügel schaute ich nach etwas, was ich unbedingt aufsuchen wollte. Dracula's Schloß, so erschien es mir. Es ist in Privatbesitz, und die ganzen Hinweistafeln sprachen deutliches Mißfallen Touristen gegenüber aus.
So begnügte ich mich damit, im Gebüsch nach bestmöglichen Fotoperspektiven Ausschau zu halten.
Das alles war mir zuwenig. Ich fuhr die steile Straße hinauf, und bog nach links weg. Kurz danach stand ich vor einer Pracht-Allee. Mal sehen, ob ich hier geduldet werde.
Ein Grab für ein Haustier, ich vermute es war ein Hund
Die Kamera in der Hand, wanderte ich zum Tor. Ein altdeutscher Schäferhund auf dem Grundstück links vor dem hohen Zauntor flippte völlig aus, kläffte sich die Seele aus dem Leib, und rannte wie verrückt hin und her. Ich sprach einen Mann an, der bei der Gartenarbeit war. Erst schaute er etwas zugeknöpft, taute aber bald auf. Mein höfliches Interesse ließ ihm fast keine andere Wahl.
Leider ist das Besichtigen des Schloßes nicht möglich. Das Gelände ist in Privatbesitz, und die Schloßherren restaurieren Stück für Stück. Na, da haben sie aber viel zu schaffen. Das Haus Gneisenau, Schloß Sommerschenburg, ist teilweise in wirklich üblem Zustand.
Dann kam ein kleiner verhutzelter Mann auf einem kleinen verrosteten Gefährt angefahren, welches rußigen Rauch ausspuckte: der polnische Arbeiter, der auf dem Gelände für Ordnung sorgt. Er fluchte heiser über das motorisierte Ding "Maschien kapuuud - Drecksding!". Wir mußten alle lachen. Er öffnete das Tor und ließ mich aus der Ferne einige Fotos machen, während er eine selbstgedrehte Zigarette zwischen seine Zahnstummel schob. Er wünschte mir "Gutes Fahren, Madamchen!" und tuckerte den geharkten Kiesweg entlang, auf das Schloß zu.
Irgendwie fühlte ich mich jetzt wie in einem Roman aus Ost-Preußen. Feudales Schloß, polnisches Personal, Schäferhunde ...
Im Ort Sommerschenburg gab es ein Dorfgemeinschaftshaus mit Informationen zur Geschichte. Dort fuhr ich hin.
Das Tor war zwar offen, aber niemand vor Ort. So machte ich einige Fotos und schaute mir die Karte genauer an.
So hübsch war der Besitz einmal gewesen.
Es war gegen 14 Uhr, und ich wollte weiter. Einmal fuhr ich noch zurück, über die Badelebener Straße, hin zum Gelände des ehemaligen Eisenerztagebaus.
Der Zufahrtsweg, den ich fahren wollte, war für Fahrzeuge gesperrt. Zum Laufen war ich zu faul. Das Schwimmbad würde ich ein anderes Mal besichtigen. Ein alter Trabbi tuckerte in einen Seitenweg, während der Fahrer neugierig zu uns hinschaute. Touristen gab es hier wohl nicht so viele.
Ich drehte auf der kleinen befestigten Haltebucht, fuhr diesmal den kleinen Weg "Unterburg" unterhalb des Schloßes entlang, und ergatterte kurz vor dem Ortsausgang ein weiteres Foto voller Geschichte.
Hier wäre ich auf dem schotterigen Untergrund bald weggerutscht. Was tut man nicht alles für ein gutes Foto ...
Der Weg "Unterburg" und "Bergstraße" brachte mich übrigens an der Vollsperrung vorbei. Das dürfte sonst nur Einheimischen bekannt sein. Und jetzt auch mir ;-).
Nun ging es aber wirklich weiter. Nach Marienborn.
Marienborn zählt zu den historisch ältesten Wallfahrtsorten innerhalb Deutschlands. Das weiß kaum jemand. Die meisten Menschen verbinden den Ort mit der Geschichte der Teilung Deutschlands. Gedenkstätte Deutsche Teilung, Marienborn, um ihn genau zu nennen. Die Gedenkstätte ist aber ein Stück weiter. Neben der Autobahn. Transit-Reisende werden dieses furchteinflößende Areal mehr als deutlich kennen ... Zitat aus der Seite bei Wiki:
Alle Abfertigungsgebäude wurden größer als nötig gebaut, um die Reisenden einzuschüchtern, die Stasi nannte das „Operative Psychologie“.
Sehr lesenswert hierzu ist dieses Essay: Generation Marienborn
Es beschreibt viel von dem, was meine Eltern erlebt hatten. Und als ich es bei der Blognachbereitung im Internet fand, wußte ich auch, woher mein Gefühl von Bedrückung kam, welches ich im Ort selbst empfand.
Zetti und ich machten bei unserem damaligen Besuch vor zwei Jahren viele Fotos. Das Gelände ist riesig. Für mich Westkind ist es nur ein Ort. Dem Zettfahrer ist es immer noch unangenehm, dort zu sein. Meine Eltern kennen den Ort ebenfalls persönlich - sie mußten damals auf dem Weg nach Berlin immer dort durch. Besonders unangenehm kamen ihnen die Flintenweiber vor die Stoßstange. Pingeliger als pingelig, es dauerte Stunden, und immer lief es mit Schikane - so ging das Filzen der Autos vonstatten. Seitdem hat mein Dad Probleme mit Frauen in Uniform.
Der Zettfahrer bestätigte die Erfahrungen meines Dads. Die Frauen dort am Kontrollpunkt waren am schlimmsten. Sie tobten sich wohl richtig aus in dieser zwanghaften Atmosphäre von "Fressen, sonst gefressen werden".
Aber zurück zur Ortschaft Marienborn!
Auf dem oberen Foto zu sehen: die ehemalige Orangerie (im Hintergrund die ehem. Brauerei) - hier war einmal ein Café untergebracht gewesen. Es ist aber bereits seit acht Jahren geschlossen. Ich lernte beim Fotografieren einen älteren Herren kennen, der sich als der ehemalige Betreiber und Besitzer des Cafés entpuppte. Er erzählte lange von der Zeit, als hier im Ort noch wirklich Betrieb war. Das schlich nach der Grenzöffnung mehr und mehr dem Ende zu, so daß er dann vor acht Jahren aufgab. Seitdem verfällt dieses kleine Häuschen mehr und mehr. Er sprach ziemlich resigniert - im Ort wäre leider nur noch Durchgangsverkehr. Keine Möglichkeiten zum Einkaufen, und die alten Leute würden sich hier wie auf der letzten Station vor der Erde fühlen.
Wenn ich allein unterwegs bin, erlebe ich häufig solche Begegnungen. Was zunächst wie Zufall ausschaut, wird im Rückblick ein Mosaik-Steinchen in einem bunten und tiefschichtigen Reisebild. Und dieser Ausflugstag ging wirklich unter die Haut!
1857 gab es hier vor der Orangerie einen Teich mit Fontäne. Zu sehen, wenn ihr den unten stehenden Link anklickt. Gustav Löbbecke, der Erbauer, hat übrigens auch in Braunschweig seine Spuren hinterlassen: Löbbeckes Insel, am Inselwall.
Ansichten früher und heute - Orangerie (klick!)
Der Vorplatz der evangelischen Klosterkirche St. Marien (im Hintergrund das Pfarrhaus) lockte mit einem prachtvoll blühenden Rosenbeet. Aber auch hier, wenn man genau hinschaut ...
... könnte mal der Staub weggepustet werden.
Trutzig und irgendwie drohend erhebt sich dieser Halbturm in den Himmel; wirkt auf mich jetzt nicht unbedingt einladend frohlockend, sondern eher wie das alte Testament - strafend
Im hinteren Bereich des Geländes gab es eine Ruine, die direkt an die Kirche angebaut war. Die Klostergebäude. Ein Teil des Kreuzganges. Die Rückwände zugemauert. Dank Google erfuhr ich, dass das Kloster 1811 aufgegeben wurde, und in den Räumen Arbeiterwohnungen entstanden sind. Das würde auch zu dem Grundriss der einzelnen Stätten passen.
Die Fenster waren schon lange ohne Fassung und Glas, und die Tür nur mehr ein leeres Loch. Innen fand ich viele leere Räume, die ihre eigene Botschaft trugen:
Neuzeit ...
Okay, DAS ist jetzt sehr lange her ;-). Aus den 70ern? Und falsch geschrieben. Trotzdem ein Zeitdokument der eigenen Art. Zu dem Zeitpunkt, wo diese Disco Gruppe existierte, gab es die Mauer schon. Und Gruppen aus den USA oder überhaupt Musik-Schallplatten waren im Osten kaum erhältlich. Höchstens als Bückware, wenn man Beziehungen hatte ...
Neben der Marien-Kirche stand ein wuchtiges Wohnhaus. Bei Google wird es als Schloß genannt. Es befinden sich darin 4 Wohnungen, das Gemeindebüro und eine Arztpraxis. Eine junge Frau parkte genau neben Ellie, und stieg aus ihrem Auto, bepackt mit den Einkäufen. Meine Frage nach der Ruine neben der Kirche konnte sie nicht beantworten. Sie würde hier nur wohnen. In der Kirche wäre ab und an Betrieb, aber sie interessiere sich da nicht so wirklich für.
Das Wohnhaus schien ein wirkliches Schmuckstück gewesen zu sein, wenn man bei Google Bilder nachschaut. Ansonsten ... Der ganze Ort Marienborn atmete eine sterbende Resignation aus, welche durch die durchrasenden fetten SUVs und sonstige protzige Fahrzeuge nur noch unterstrichen wurde. Abgehängt, nicht mehr interessant. Trotz Wallfahrt. Vielleicht war ich nur zur falschen Zeit dort gewesen. Ich will dem Ort nichts böses nachsagen. Auch wenn ich mich dort irgendwie unwohl fühlte: Ich werde wiederkommen.
Übrigens sah ich beim Rausfahren einen PKW am Straßenrand parken. Ein alter Mann ging mit einem Gefäß in der Hand in den Park, hin zur Marienkapelle. Dort gibt es eine Quelle, der heilende Kräfte nachgesprochen werden. Die werde ich bei meinem nächsten Besuch auch mal aufsuchen. Man weiß ja nie ... vielleicht ist was dran an der Mär. Im ungünstigsten Fall hole ich mir auch "nur" fiesen Durchfall.
- Ende Teil A - Das muß erstmal gelesen werden von euch ;-).
Im Teil B kommen Kickboxer in die Geschichte, geht es zu einem Herrenhaus, wo wir sehr unerwünscht sind. Eine Schaubäckerei wird belagert, beim Fototermin im Sportboothafen fahren wir fast in den Kanal, und entdecken anschließend den Nachtwächter-Weg.
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