Ellie und ich

Ellie und ich

Dienstag, 30. September 2014

Kaleidoskop der letzten Wochen

Sicher haben sich einige von euch schon gefragt, was in der letzten Zeit so bei mir los war. Nun, eine Menge war los.

Impressionen der letzten Wochen ...


Pension mit Familienanschluß ... Frühstück für 3,- Euro - der Hammer!
Wurstplatte, Käseplatte, 3 Brötchen, Eier von eigenen Hühnern ohne Aufpreis ...
Mein erster Eindruck von der Gegend: super! 
Und der Wunsch, wiederzukommen, war geboren.


Das Phrasen-Schwein - kurz vor dem Schlachten. 
 gespendet - eine Aktion der Vulcanier Germany - Stammtisch Grenzadler -
Ich durfte die Fotos von der Aktion machen ... eine große und sehr bewegende Ehre ...


Auf dem Kinderspielplatz vom Kinderhospiz


Eine AWO und eine Simson auf einer Bikerparty - einer ganz besonderen Bikerparty ...



Karschti: "Ich glaube, ich habe da ein Pilzproblem ..." ... 
Plötzliche Stille am Grillstand ... 
Dann Antwort von mir: "Ich hab' da was von Ratiopharm!" ... 

Brüllendes Gelächter aller Anwesenden ;-)


Rock'n Roll and more ... die Jungs machten Stimmung bis weit nach Mitternacht. Da zuckten die Beine und man mußte einfach mitrocken.




Die sauberste Stelle auf meiner Orange ;-)


Kurzbesuch bei Motorradfreunden in der alten Nachbarschaft ...


Während ich auf meine Abholung warte ... vor einer Ranch ... Eine thüringische Dorfkatze leistet mir nette Gesellschaft - ziemlich schwanger, ziemlich anhänglich, ziemlich im Fellwechsel ...
Mein Wunsch damals in der Pension ausgesprochen ging in Erfüllung - ich war wieder da - da wo ich mich wohl fühle.


Eine Dampfhammer-Tour durch den Thüringer Wald - Jiiiiiiiiiiiiihaaaaa
Das Teil ist kraftvoll ... ;-)
 


Mal was kulinarisches nebenbei gezaubert ...



Ja, wie ihr seht, bin ich wieder Ich!
Ich hätte das ohne meine lieben Freunde nicht so gut hinbekommen.
Ich danke euch allen!


Um mal mit einem Zitat aus einer meiner Lieblinsserien zu sprechen:
Dr. Sheldon Cooper: "Wir müssen schlafen, Nährstoffe aufnehmen und wieder ausscheiden, alles andere ist optional!"



Und noch eines - Ice Age 2
Manni: "Ich bin nicht dick. Ich bin nur dick angezogen - Das nennt man Fell. 
Es ist plüschig."

;-)


Einheitstag an der Applaus-Kurve
Dann Frauenwald, Rennsteig und München - welches in Thüringen liegt ;-)





Das Rote ist böse - sehr böse - GANZ DOLL BÖSE ....








Adjeu ...

Montag, 8. September 2014

7.9.2014 - Guckst du scheiße, fährst du scheiße - Intensiv-Schräglagentraining in Eicklingen bei Celle mit 'race&fun'

Vor Monaten buchte ich hier KLICK zwei Personen auf einen Termin. Der Termin verschob sich dann, die teilnehmende Personenanzahl dann später ebenfalls.
Die Gründe sind euch bekannt ...

Die Buchung war fest - was vormals als Geburtstagsgeschenk angekündigt war, mußte ich nun allein übernehmen. Stornierung war nicht möglich, weil ich beim Buchen nicht darauf geachtet hatte. Aber damals beim Buchen war mir auch nicht in den Sinn gekommen, dass ich den Punkt Stornierung überhaupt hätte beachten SOLLEN ... !

Da ich derzeit wenig Futterkosten habe, bekam ich das trotzdem irgendwie am Limit geregelt. So war die Gummiwoche halt auf zwei Wochen verteilt ... mies, aber nicht anders hinzubekommen.  

Ich hatte ehrlich gesagt anfangs wenig Lust, da hinzufahren. Mir war nicht nach Übung. Ich hatte die Vergangenheit noch im Kopf. Aber verkriechen ist auch Mist, und wer braucht schon Mist (außer den Landwirten).


Aber ... wer neue Türen öffnen möchte, muß den Blickwinkel verändern!



Am Sonntagmorgen um 7 Uhr fiepte der Wecker also gnadenlos. Ein schlaftrunkener Blick nach draußen: Suppe. Dicker Nebel. Es war nicht kalt.
Das Training würde bei jedem Wetter stattfinden, hieß es in der Bestätigungsmail. Regennasser Platz wäre sogar besonders gut für die Übung.
Ich packte also zwei Motorradhosen und zwei Jacken ein, zwei Paar Stiefel - gerüstet für den Regenguß, so er denn kommen würde.

Gegen 9 Uhr kam ich auf dem Gelände an. Einzige Frau, fünf Männer, zwei Trainer. Bänke vor dem aufklappbaren Wagen, somit regensicher von oben.
Obst, Müsliriegel, Kaffee und Kaltgetränke standen für uns alle kostenlos zur Verfügung.

Los ging es mit Kaffee, der uns allen zur Verfügung stand. Eine kurze Vorstellungsrunde, wer wir sind, was wir vom Kurs erwarten.
Dann kamen die Einweisungen. Ein Check unserer Motorradklamotten, wo schon 2/3 der Leute durchfielen.
Leder - und nichts anderes. 
Micha, einer der Trainer, hatte eine alte Lederkombi als deutliches Demonstrationsbeispiel mitgebracht.

Rutschende und sich verschiebende Protektoren wurden bemängelt. Schuhe kritisiert.
Sicherheitsstandard gleich Null bei mir, na bravo.
Ich mag reine Lederklamotten nicht. Zu schwitzig, zu schwer, zu teuer - und für Frauen gibts kaum wirklich passendes. Außer Maßanfertigung. Und zu Preisen, wo ich keinen Zugang habe. Muß ich jetzt mal sehen, wie ich meine Ausrüstung verbessere. Bei den Handschuhen fange ich mal an! 

Dann ging es los mit dem Fahren. Erstmal das Bike kennenlernen.

Wir fingen bei 20° Schräglage an. Das ist das, was ich sonst so fahre.
Ich war an vierter Stelle dran. Rauf auf den Hobel, und erstmal eingewöhnen. Ich, auf einem fremden Motorrad, was ganz ungewohntes.

Locker ist was anderes. Erstmal alles im ersten Gang. Okay, das ging. Trotzdem - Achten zu fahren und keinen Plan im Kopf, Blickführung scheiße - die erste Trainingseinheit war ziemlich frustrierend. Ich fixierte die falschen Punkte, starrte wie hypnotisiert die roten Hütchen an ... fuhr einfach total neben mir.

Zwischendurch kamen gute Tipps, viele Hinweise. Die konnte ich schwer umsetzen, ich brauche immer wen, der das VORMACHT.
Ok, also fuhr der Trainer die nächste Runde mal mit dem Roller voraus. So konnte ich mir zumindest ansatzweise eine Linie denken. Genauso machte es damals übrigens mein Fahrlehrer vor!



Guckst du scheiße ... fährst du scheiße ... Heike übt den richtigen Blick



Nächste Runde im zweiten Gang und mit 25° Schräglage. Nun kam das so genannte energische Kommandieren, wenn meine Kollegen das mit der Blickführung nicht hinbekamen. Die Trainer hockten sich zu den orangefarbenen Hütchen in der Mitte und brüllten Kommandos. Was sich befremdlich anhört, funktionierte aber. "Hierher gucken - HIER HER GUCKEN - GUCK HIERHER VERDAMMT NOCHMAL" - wobei sie sich selber fast kringelig lachten dabei.
Dieses System funktionierte - die Methode mag sich merkwürdig lesen, aber ich garantiere - es ist ein Erfolg!

Die Teilnehmer zuckten nämlich mit dem Kopf in die richtige Stellung und die Kurven saßen plötzlich perfekt. Erfolgserlebnisse.
Sich für Geld anschreien lassen - und dann auch noch Erfolge damit erzielen. Cool.

Da ich das nicht richtig umsetzen konnte, fuhr ich eine Übungsrunde als Sozia mit. Der Trainer erklärte mir die richtige Blickführung.



Guckst du scheiße, fährst du scheiße - guck auf die Mitte, nicht auf die Rolle, guck bis zum Ausgang der Runde dahin!

Heike hochkonzentriert beim richtigen Gucken, während Knut mit der linken Hand gestikuliert; die linke Hand braucht man nämlich dabei eigentlich gar nicht ... mhm ...


So bekam ich ein besseres Gefühl für das Hinsehen.

Zwischendurch regnete es leicht - perfekte Rutschbedingungen, aber uns würde nichts passieren, weil die Flügel einen Rutscher abfangen würden. Meine drei Vorreiter fuhren die Reifen gut trocken, und als ich dann dran war, kam die Sonne raus.

Bis zur Mittagspause waren wir alle nassgeschwitzt. Jeder wurde gefordert - jeder hatte andere Wünsche an sich und das Training. Die, die vormals zögerten, konnten das Knieanschleifen gar nicht abwarten.

Es folgte eine Trockenübung zum Thema Hanging-off.


Ich hatte mächtig viel Spaß beim Proben


Einer der Teilnehmer - er hatte ein Bike mit den berühmten drei Buchstaben und der Leuchtweste - ging total aus sich heraus und mußte später über sich selber witzeln. Die Jungs waren insgesamt sehr witzig. Bunt gemischt vom Alter, von der Erfahrung und von den Typen her. Ich kam mir da zeitweise wie ein Heimchen vor.
Der Trainer gab sich aber alle Mühe, mir die Kniffe beizubringen. Aber erst, als ich als Sozia mitgefahren war, kapierte ich endlich, wie Blickführung einen retten kann. Das mit dem Arm beugen bekam ich aber nicht in den Kopf.
Arm beugen in der Schräglage bringt noch mehr Schräglage. Üben, Üben, Achten ziehen ...

Irgendwann waren wir dann bei 40° Schräglage angekommen. Nach jedem Durchgang wurden die Wings um eine Stufe (5°)  verstellt. 
Je länger der Kurs ging, umso schräger wurden die Wings eingestellt. Umso tiefer ging das Motorrad runter.

Wir waren immer nur im zweiten Gang unterwegs!

Die Minuten, die wir da unsere Achten durchzogen, waren nicht lang - aber hochkonzentriert für uns.

Ich schaffte es Stück für Stück, die Runden größer zu ziehen - allein das Gas geben lief zu ruckelig und zu unsauber ab. So kam ich auch nicht sauber um die Kurven. Trotzdem schaffte ich es jedes Mal, das Bike auf die Stützräder zu setzen.
So langsam wurde es besser.


Konzentrierter Blick zur Mitte



Noch reichlich krampfig - ich hatte noch kein Einheitsgefühl entwickelt


Nach jedem Durchgang torkelte ich zur Rastbank, zog mit zitternden Händen die Handschuhe aus und prophezeite "Na das war dann wohl die letzte Runde, wo ich die Räder runterkrieg". Meine Blickführung verbesserte sich zwar, aber dieses Gekurve machte mich schwummerig. Einem anderen Teilnehmer ging es ähnlich.
Die Jungs trösteten mich aber. Das hätte doch gut ausgesehen. Ich wäre doch runtergekommen. Ich würde das mit Sicherheit auch noch mit noch 5° schräger packen ... ihr Spaßvögel, dachte ich ...
Trotzdem freute ich mich über konstruktive Bemerkungen und versuchte in Gedanken, die Hinweise der Trainer zu verstoffwechseln.

Die bereitgestellten Müsliriegel und die Bananen wurden mit Dankbarkeit einverleibt - wir brauchten alle die Energie zurück, die wir da auf dem Feld gelassen hatten.
Hochleistung für den Körper und die Konzentration!

Bei 45° hatte ich zunächst einfach keinen Bock mehr. Bis mir der Trainer kurze und knackige Hinweise gab. Die mich erst verwirrten, aber als ich das alles über Bord warf und einfach machte - mit Blickkontakt zu den Hütchen bis zum Ausgang der Kurve - da warf sich das Bike wie von selbst auf die Seite. Ich probierte das mit etwas mehr Gas - es war wirklich kaum mehr wie 30/35 km/h - ich winkelte das eine Bein ab, preßte das kurvenäußere Knie an den Tank, hing mich zur Seite, und dann schraddelte ich tatsächlich die gesamte Kurve in 45°. Hin und wieder zurück. Sogar die von mir gehasste Rechtskurve bekam ich Stück für Stück besser geregelt. Anfangs schrabte meine Fußspitze auf dem Boden, wenn ich in Schräglage ging - ups, da war doch was. Mit den Fußspitzen auf die Rasten, nicht mit der Fußmitte, Heike!

Ich fuhr und fuhr und ignorierte die winkenden Trainer. Sie hatten uns anfangs gesagt, wir sollten uns nicht irritieren lassen von Aktionen am Rand. Sie würden sich schon irgendwie bemerkbar machen, wenn wir anhalten sollten.

Dann zappelte der eine aber so herum, dass ich ihn nicht mehr ausblenden konnte. Ich fuhr aus dem Kreis heraus zu ihm hin. Es kam der Hinweis, ich sollte noch mehr Schultern runter nehmen, Arm anklappen, etwas mehr den Kopf zurechthalten ... Okay, also noch weitere Runden.
Wieder gings runter auf die Rollen.
Dann war ich geschafft und da nahte auch schon die Ablösung. Der nächste war dran.

Mit zitternden Knien stieg ich vom Bike ab.

Ich nahm den Helm ab und meinte: "Okay, mein Ziel ist erreicht - ich bin über meine Grenze." Die letzte Runde sollte auf 50° Schräglage gefahren werden.
Ein Teilnehmer aus Hamburg schmunzelte. Das hätte ich bei 40° und bei 45° auch gesagt - er sei sich sicher, dass ich das mit den 50° hinkriegen werde.
Hm - dankeschön, Unbekannter.
Aber ich fühlte mich wie ein Pfannkuchen.
Btw - selbst der Könner unter den Teilnehmern mußte zugeben, dass ihn die 45° und das bewußte Knieschleifen sehr angestrengt hätte und er sich äußerst unwohl gefühlt hatte. Das war anfangs auch zu sehen gewesen - hochgezogene Schultern, steife Gesamthaltung.

Knut, der Trainer, zeigte uns dann live auf dem Motorrad, wie das aussehen kann mit dem Hanging-off. Mein Neid war ihm sicher.
Gerade die Knieschleifer-Fraktion war jetzt besonders aufmerksam.
Erst wollte nur einer, aber nun waren endgültig alle fünf angefixt.

Ich hielt mich zurück. Ich war froh, das ich die 45° gepackt hatte. Das war für mich schon ziemlich schräg!

Die Jungs waren mit Macht bei der Sache. Das Knie mußte unbedingt runter. Ich beobachtete den Haufen und dachte mir meinen Teil.
Dann war ich dran.
Der Trainer gab letzte Anweisungen, die wie in den Wind gesprochen waren. Ich setzte mich rauf und fuhr erstmal los. Mir selber war wichtig, die Kurven mit mehr Tempo zu nehmen und das Gas gleichmäßiger aufzumachen.
Es war wie verhext - entweder ich versemmelte die Blickführung, oder das Gas war rappelig, ich war einfach zu bemüht.
Mittlerweile war es 16 Uhr durch und wir Teilnehmer alle etwas geschafft von dem ungewohnten Training.

Wenige Runden danach winkte Micha mich ran. Gab mir weitere Hinweise. Ich war aber groggy gefahren, hatte keine wirkliche Laune mehr.
Da kam dann die Befreiung - er sagte mir "Dann fahr einfach die letzten Runden nur für Dich, zum Spaß - denn Du sollst mit Freude hier vom Hof gehen!"

Und dann fuhr ich. Nur für mich.
Und auf einmal machte es Klick. Ich nahm das Knie raus, preßte mit dem anderen fest am Tank, winkelte den Ellenbogen richtig, klebte mich richtig an den Korpus ran, und das Motorrad warf sich quasi von allein in die Schräglage - ich hörte die Rolle schraddeln, da war die Kurve schon vorbei.
50°
Konzentrierte Blickführung zum nächsten orangefarbenen Hütchen - rechtsseitig - meine schwache Seite.
Genau das gleiche - ich hörte die Rolle. Das Gas wurde gleichmäßiger und das höhere Tempo hielt sich - ich hatte definitiv das Richtige getan und meinen Drive gefunden. Unglaublich aber wahr - ich fuhr entspannt, obwohl ich hochkonzentriert war.
Ich hing da ab, als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Das Pflaster war sehr dicht an meiner Hand, einmal setzte ich sogar mit dem Fuß auf - ups, vermalledeite Fußspitze.
Eine schnelle Korrektur der Haltung, und dann lag ich wieder so schön drinnen in der Linkskurve - und auf einmal hob ich meine linke Hand an, und hielt den Griff nur noch mit drei Fingern ganz locker. Denn es ist ja eine Lenkstange, keine Festhaltestange ...
Knut hatte uns gesagt, dass man die linke Hand nicht zwangsläufig braucht, wenn alles paßt. Und da paßte alles.
Das Gefühl dabei war unbeschreiblich.
Was für ein Kick!!!


Unfassbar - das bin ICH
Die Fotos beweisen es!


Gleich geht das Knie noch etwas raus, der linke Arm beugt sich und wuppdich - liegt das Bike auf der Rolle - Heike bei 50° Schräglage


Ich fühlte mit jeder Phase meines Ichs, wie es lief, und DAS es lief. 
Alles ging innerhalb weniger Sekunden ab - links gekurvt, Blickwechsel - rechts gekurvt.
Wo ich zu Beginn des Kurses immer zu enge Kreise gefahren war - viel zu weit weg von den roten Hütchen - ging es jetzt weiträumig ziemlich nah an den roten Hütchen entlang auf der äußeren Linie. Ich sah die aber nicht, ich fixierte die Mitte und fuhr meine Linie, genau wie es sein sollte.
Ich will nicht sagen, dass ich wie im Rausch war - ich war für die Zeit aber eine fühlbare Einheit mit der Maschine, des Übungsplatzes und der Fahrphysik.

Dann sah ich aus den Augenwinkeln den nächsten Teilnehmer nahen. Mir reichte es körperlich jetzt auch. Ich hätte kopfmäßig vom Kick her noch ewig so weiterfahren wollen. Aber bevor ich mich überschätze und durch einen winzigen Fahrfehler am Ende doch noch Blödsinn fahre, hörte ich aus Vernunftgründen jetzt auf. 
Unabhängig davon wußten die Trainer bei jedem Teilnehmer ganz genau, wann es das beste war, aufzuhören. Sie haben jahrelange Erfahrung und sahen ALLES. Sie hätten uns nie über unsere Kräfte fahren lassen. Und genau DAS macht diesen Kurs so anders und so wertvoll. Wenige Teilnehmer, zwei Trainer - das ist wirklich gute Betreuung!

So fuhr ich zum Haltepunkt, bremste mich in den Stand, kickte den Seitenständer heraus und stellte den Motor ab.

Als ich vom Motorrad stieg - noch ganz berauscht - kamen die Jungs an und machten die La Ola Welle vor mir.
Ich hätte fast geheult vor Freude *schniiief*

Und der Hamburger sagte: "Siehste - auch hier warst Du mit den Rollen unten - ich sagte Dir doch, Du packst das!"

Das tat SO gut.
Ich selber fühlte mich halt nicht fähig genug - wurde aber hier gelobt, korrigiert und gleichwertig behandelt. Da glaubten Wildfremde an mich. Diese Worte motivierten mich unglaublich.
Ich hatte mich ja auch Stück für Stück gesteigert - die Fotos beweisen es.
Bei quasi Null angefangen, und am Ende des Kurses ein Ziel erreicht, was ich nie für möglich gehalten hatte.

Das Adrenalin in mir kochte noch, mir zitterten jetzt auf einmal die Hände - Augenblicke später wurde mir kalt und ich mußte andauernd zum Klo rennen.
Die Anspannung löste sich. Aber es war eine positive Anspannung!

Als der letzte Teilnehmer seine Kniee geschliffen hatte, war es schon fast 18 Uhr.

Wir erhielten jeder eine Urkunde, mit der wir uns für ein Foto vor das Übungsmotorrad stellten. Dann gab es noch ein Gruppenfoto.

Unsere Truppe vom 7.9.2014 
mit den Trainern Micha (links) und Knut (rechts) von www.race-and-fun.com
Das Motorrad liegt auf 50° Schräglage - das Maximum - mehr gab es nicht! 


Nicht zu sehen: Chantal (die die Fotos machte) und Regina (die die Fotos verschickte - danke Dir, dass ich sie so schnell bekam!)


Fazit des Tages:

Kleine Gruppe, sehr gute Betreuung, viele Tipps und Tricks aus jahrelanger Erfahrung. Klare Buchungsempfehlung.

Kennengelernt hatte ich race and fun letztes Jahr in Wolfsburg bei den Motorradtagen. Ich werde nächstes Frühjahr meine Fähigkeiten auffrischen und erneut bei ihnen buchen. Der Kursus hat nicht einfach nur Spaß gemacht. Er hat mich weitergebracht mit Spaß!

Denn: 
Heute, 8.9., bin ich mit Ellie meine Hausrunde gefahren.
Ich fuhr sie GANZ anders.
Andere Blickführung. Andere Sicherheit zum Motorrad. Da war jetzt einfach mehr Vertrauen.

Trotzdem kein Übermut, denn - wie Knut schon sagte - wer richtig Speed geben und sich austoben will, sollte das nur auf der Renne tun.
Öffentliche Straßen eignen sich für so etwas nicht.
Und ebenfalls wichtig - Wiederholungen. So ein Kurs einmal im Jahr gemacht, möglichst zum Anfang der Saison, bringt einem vieles zurück in die Bewegungsabläufe, die im Winter eingerostet sind.
So ein Kurs kann mir helfen, in brenzligen Situationen Millimeter zu gewinnen, die im schlimmsten Fall zwischen hop oder top entscheiden ...

Und last but not least der Slogan des Tages:

GUCKST DU SCHEISSE - FÄHRST DU SCHEISSE

Blickführung ist das A und O vonns janze.

Ein Aue als Gruß für Knut, Micha und die anderen :-)


Der einzige Wehrmutstropfen war, dass hinterher niemand da war, mit dem ich meine Euphorie teilen konnte, den ich kneifen und knuffen konnte und der sich live mit mir freute ...
Aber irgendwas ist ja immer ... und deshalb gibt es diesen Blog - ich teile das mit EUCH - und wen ich live erwische, den knuddel ich dann! Jawoll ja :-)!

Alles Liebe - eure 50°Heike


P.S. Ich habe manch ziemlich verrückten Leser ;-) !!!
DU WEISST DAS ICH DICH MEINE, Mädel !!!
Ich drück Dich mal und sage - GUTES GELINGEN. Grüß mir die Jungs!



.

5.9. - 6.9.2014 - Biker-Party bei den Heidereitern, an einem Ort, der nicht existiert - nein, nicht Bielefeld!

Im Internet gab es eine Bikerparty-Veranstaltung, die nicht weit weg gewesen ist von mir. Das Logo gefiel mir, ich hatte von den Organisatoren nur Gutes gehört, und somit stand mein Plan fest.
Da mir der Weg aber für einen Freitagabend zu heftig war, und ich noch was anderes vorhatte am Sonntag, ließ ich Ellie dieses Mal zuhause.

Anfahrt über die B3 und die B214 - kam mir endlos vor. Offenbar war irgendwo irgendwas ausgebrochen, und die Leute flüchteten alle über diese Straßen in die Richtung, wo ich auch hinwollte.

Nach ellenlangen zwei einhalb Stunden kutschierte ich staubige Sandwege entlang, die mitten im Nichts und vor Warnhinweisen "ACHTUNG - MILITÄRISCHES SPERRGEBIET" endeten. Keine Maus in Hörweite, keiner zum fragen da.
Hammergeiles Offroad-Gelände, jede Menge Geländewagenspuren.

Ich kam mir ziemlich bescheuert vor. Auf den bei Google Maps ausgedruckten Karten war das Party-Gelände des MC's eindeutig ausgewiesen, aber in der Realität war davon nichts zu sehen.

Tankstellen sind normalerweise Orte, an denem einem geholfen wird.
Also ab zum Autohof Soltau-Süd.
Tja ...
Der Kassierer war deutlich weiter östlich seßhaft - der kannte sich gerade mal in der Tankstelle aus.
Seine Kollegin war sehr hilfsbereit, aber auch hilflos. Die Frage, welche Pferde der Klub denn züchtet, ließ mich fassungslos werden.
Das wurde später am Abend übrigens DER running gag ...

Ich wurde dann zu einem Beton-Mischwerk geschickt.

Und siehe da - unter dem Firmenschild stand der Ort, und darüber war das Logo des MC's fett und groß angebunden.
Von der Autobahn aus abgefahren gut ausgeschildert - nur kam ich aus der anderen Richtung ...

Und so holperte ich über meterlange Kopfsteinpflasterwege. Ein Glück, dass ich mit der Orange unterwegs gewesen bin!
Und irgendwann, als die Maisfelder kein Ende mehr nahmen, traf ich an dem Ort ein, der laut Tankstellenauskunft irgendwie gar nicht existiert.


Ankunft am Freitag abend ... nachdem ich den Ort endlich gefunden hatte - schön gelegen, aber für Ortsunkundige genau wie Bielefeld - nicht existent - 
Da die Pegasus-Biker aus Bad Kissingen trotz Navi ebenfalls auf dem Truppenübungsgelände drumrum herumgeirrt waren - der Navi kannte den Ort auch nicht - fühlte ich mich nicht mehr ganz so blond und doof mit meinen ausgedruckten Karten von Google Maps ...






Das erste Mal im Auto nächtigen - gute Wahl, da das Gelände Zeckenverseucht war! 
1a Premiumschlaf bei lautstarker Dosenmucke, die die ganze Nacht nicht ausging - Endlosschleife am PC


Der Freitag lief zäh an, wurde dann besser, und dank Tanja und Dany und einem widerlichen Lakritzzeug, was die selber gemixt hatten, und diversen Drinks, die typisch sind für die ländliche Region, wurde die Stimmung schnell sehr locker.

Die Feuerschalen am Eingang beleuchteten die Fahnen des MC und zauberten eine tolle Atmosphäre.

Meine eigene Story der letzten Wochen hörte ich am Tresen genau vier Mal.
Was ist das nur, dass die Leute dazu treibt, gerade vor dem Winter das vormals so Gemochte vom Acker zu jagen - der Winter steht vor der Tür und somit kommt die Zeit, wo man doch kuscheln sollte.
Wir hingen da am Tresen ab, schwiegen gemeinsam, tranken unser Bier und guckten dem Grillgut dabei zu, wie es langsam aber sicher atomisiert wurde.
Ab und an fiel mal das Wort "Tja ...", wir stießen mit dem Astra an - damit war dann alles gesagt. Ich war unter Norddeutschen - mehr Worte brauchten wir nicht.
Home sweet home ...

Das spätere Sitzen am Lagerfeuer hatte etwas Meditatives - melancholische Lieder wurden zwar lautstark mitgesungen, aber ich ließ mich nicht täuschen von dem Gegröhle. Ich kannte ja jetzt die Hintergründe ...

Nach Mitternacht war ich angenehm dun, und mußte ins Bett. Ich raffelte mein Zeug zurecht, und knipste die kleine Zeltlampe aus.
Mein Schlafplatz war gut gewählt zwischen Bäumen und Gebüsch. Dicht genug dran, aber auch weit genug weg.



Ein Gast (Nachbar) ließ es sich nicht nehmen, von einer riesigen Landmaschine abgeholt zu werden. Monstermäßiges Gefährt, es leuchtete, blinkte und ratterte über den schmalen Weg. Ich lag da schon im Auto und dachte, jetzt kommen die Ausserirdischen !
Die Landbevölkerung ist schon was ganz eigenes - I love them!

1a Premiumschlaf folgte, der nur einmal unterbrochen wurde ... das viele Zeug war durchgelaufen ... 

Die Matratze im Auto war eine geniale Idee gewesen. Camping auf vier Rädern, weit ab von Zecken. Die Mistviecher liefen mir am Samstag morgen nämlich beim Waldgang über die nackten Füße - uaaah.
Ich stand da am Auto, putzte mir die Zähne, wusch mich aus der Faltschüssel (eine Literflasche Waschwasser ist immer dabei bei solchen Events) und lauschte in den Wald.





Notdürftig gesäubert schnappte ich mir meinen Blechbecher und ging zum Partyplatz zurück - in der Hoffnung auf Kaffee.

Übrig Gebliebener vom Freitag - rechts im Bild am Feuer ... unglaublich, in welchen Stellungen manche Leute pennen können ... alles eine Frage des Pegels ...

 
Frühschoppen ... der MC gab kostenlos literweise Kaffee und Brötchen an die Gäste aus - feiner Zug von euch, Leute!

Dank meiner Haarfrisur und meiner offenen Art, die am Vortag wohl gut angekommen war, hatte ich auch an diesem Samstag morgen noch einen hohen Wiedererkennungswert.
Leute, die ich am Abend zuvor gar nicht wahrgenommen hatte, waren jetzt tieftraurig, dass ich wegfahren mußte.
Hm ... fand ich ja putzig.

Gegen 15 Uhr mußte ich aber dann leider heim. Der Abendtermin stand noch aus. Kurz vor der Abfahrt lernte ich noch ein Pärchen aus Wolfenbüttel kennen, die ich auf der Party der Harzteufel wiedersehen werde.

Die Rückfahrt über die B3 und 214 war ätzend. Um Celle herum verfahre ich mich IMMER.
Später erfuhr ich, dass die Gäste der Party am Samstag abend fast abgesoffen wären, weil eine Art Unwetter mit Sturzregen dort in der Nähe runterging. Hoffentlich konnten sie die Live-Band trotzdem genießen!


Fazit:
Wird wiederholt. Nächstes Jahr bleibe ich beide Tage, versprochen!

Ganz liebe Grüße an Dany, Tanja, und an Peitsche, Bäcker und Bernd.

Mittwoch, 3. September 2014

29. - 31.8.2014 - Biketoberfest Völpke

Der Blog geht weiter ...
Und ich gehe weiter.


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 Und so ging es weiter

Obwohl ich die Interessengemeinschaft in der Vergangenheit nur in Begleitung (...) besucht hatte, wollte ich einen im letzten Jahr gefaßten Plan nicht einfach aufgeben. Sonst würde ich nie erfahren, ob nicht doch etwas Positives dabei gewesen wäre.

Der Festplatz lag bei mir in der Nähe. Und so rödelte ich Ellie am Freitag mittag auf. Mit gemischten Gefühlen fuhr ich los. Ich wußte, dass da Fragen kommen würden. Fragen, warum ich  allein dort auftauchte. Im Vorfeld hatte ich privat abgeklärt, dass ich zunächst teilnehmen würde. Weiteres würde ich mir dann als Option frei halten ...

Die Anfahrt über verschiedene Kreis- und Dorfstraßen kam mir endlos vor. Ich hatte mich auf das nötigste Gepäck beschränkt und nur eine gelbe Tasche mitgenommen. Der Zeltsack wurde obendrauf geschnallt.
Da die Durchfahrt über Hötensleben immer noch gesperrt ist, hieß es, sich durch Schöppenstedt zu quälen.
Kieslaster und Traktoren nervten sehr - trotzdem bewahrte ich Ruhe und überholte nur, wenn ich die Strecke auch wirklich gut einsehen konnte. Dann kam ich unter der Bahn durch und sah schon das Banner.





So fuhr ich also die schotterige Zufahrt zum Schäferhof hoch ... Steine rutschten unter den Reifen weg, aber ich war jetzt so trainiert, dass mich das nicht mehr verunsicherte. Außerdem war ich mit den Gedanken ganz woanders ... hier war ich schon einmal hochgefahren - damals in Begleitung - damals wurde das Gelände gemeinsam begutachtet "für später, beim nächsten Biketoberfest in Völpke".
Tja. Soviel zu Plänen und Planungen.
Und wie gut, das ich trotzdem da hingefahren bin, aber ich will nicht vorgreifen, lest selber ... 


Am Rand des schönen Teiches waren schon viele Zelte aufgebaut. Einige Ankömmlinge begrüßten mich mit Winken.




Ich fuhr bis ans äußerste Ende des Geländes, wendete Ellie etwas ungeschickt auf dem holperigen Boden, und baute dann das Zelt auf.





Persönliche Mutprobe
29.-31.8.2014 - Völpke - Biketober-Feier der Vulcanier

Ich stellte mein kleines Zelt weit abseits hin; das fiel zunächst unangenehm auf, klärte sich aber im Laufe des Abends; meine Gründe wurden akzeptiert und mein Mut wegen der besonderen Situation wurde bewundert und respektiert


Dann hieß es, nach vorne zu gehen und die Leute zu begrüßen. 
Die Frage, warum ich denn soweit hinten stehen würde, ob ich mit ihnen nichts zu tun haben wollte, kam natürlich ... Meine Antwort, ich würde derzeit zeitweise Ruhe nötig haben, wurde zunächst akzeptiert.
Vorteil: ich bin eine Frau, die machen oft Sachen, die Männern spanisch vorkommen.

Die andere Frage, warum ich allein da wäre - natürlich kam die Frage, denn ich war ja bislang IMMER zu zweit aufgetaucht bei den Events - wurde dann teilweise von einem Eingeweihten beantwortet, der dafür sorgte, dass ich ein Stück weit meine Ruhe bekam.
Ganz half das nicht. Das war aber kein Boden für Gewesenes, hier sollte es Party geben - trotzdem mußte ich ein Stück weit Farbe bekennen. Das Gewesene war noch frisch, noch nicht verheilt, ich war einfach noch viel zu höflich der Vergangenheit gegenüber ... konnten sie nicht wissen, und nahm ich ihnen auch nicht übel. Zumal eine Nachfrage so reizend offen herausplatzend formuliert wurde ... *schief grins* ...
Ich beobachtete die Gemeinschaft der anderen Gäste deshalb auch zunächst aus der Entfernung, lauschte den Gesprächen, während ich mich an meinem Thermobecher mit Kaffee festhielt. Stück für Stück näherte ich mich an. Beim Abendessen lockerte sich die Stimmung allgemein auf - auch ich aß einen Teil, und das Grillgut war einfach das beste, was ich seit Tagen zu mir genommen hatte. Eigenes Schlachtfleisch, da merkste den Unterschied. Und das lag nicht daran, dass ich total ausgehungert war.
Ich bekam nette Tischnachbarn, und unterhielt mich mit einem Mädel später noch hinter dem Festzelt. Ja, Einbrüche gab es an dem Abend immer mal wieder - ich zog mich dann einfach mal zurück.That was my cup of tea.
Trotzdem ich mich zurückhaltend verhielt, blieb das nicht unbemerkt. Einige sehr nette Gesten ...

An zwei Gespräche erinnere ich mich ganz besonders - ich möchte da aber nicht drauf eingehen. Nur soviel - das ihr den gedanklichen Hut verbal vor mir gezogen habt, weil ich den Mut hatte, auch allein aufzutauchen - obwohl ich mit Fragen rechnen mußte - hat sehr sehr gut getan ...

Gegen 2 Uhr war ich geschafft. Kondition aufgeraucht.
So ging ich zum Zelt, aber nicht alleine. Danke für die Begleitung, ihr Zwei. Und ja, das nächste Mal stelle ich mich mitten rein zwischen die Zelte. Ich habe es euch versprochen, und das halte ich auch.

Die Nacht war kalt. Der neue Schlafsack war zu kurz, ich stieß mit den Füßen unten an und das wärmte nicht. Der Schlaf kam nur kurzzeitig.
Da ich seit Tagen aber immer nur stundenweise schlafe, war das "gewohntes Übel".
Gegen 8 Uhr krabbelte ich aus dem Zelt. Total gerädert und verquollen um die Augen herum - zuwenig Schlaf für die Entfaltung.

Gestern hatte es etwas geregnet, aber an dem Morgen war es trocken. Der Herbst lag in der Luft - auf dem Zelt Wasserlachen, das Gras noch quatschnass.
Ich holte mir aus dem Teich eine Schüssel voll Wasser und wusch mein Gesicht wach. Zum Baden war es mir dann doch zu kalt. Dann ging es nach vorne. Das Frühstücksbuffet war schon aufgebaut.
Unglaublich große Mengen, sehr leckerer Aufschnitt und Mettwurst, verschiedenes Obst, Joghurt ... ich schüttete mehrere Becher Kaffee in mich hinein und ließ mich zu einem Brötchen nötigen.
Ich genoß das - in Ruhe wach werden, ohne große Konversation.
Die Anwesenden waren ebenfalls noch nicht fit, was niemanden störte. Das gehört dazu. Und das mochte ich total. Langsam wach werden - ganz langsam ...

Die Sonne kam raus, beschien die Dixi-Klos am Rand des Weges, und trocknete den Rasen langsam ab.
Netterweise bekam ich noch eine Führung über das Gelände - ich durfte mir die Viecherei ansehen, die dort wohnte. Hühner, Enten, Gänse, Ponys, Pferde, Ziegen ... herrliche Gegend, mit supernetten Bewohnern (2beinig).
Ich hatte eine Einladung zu einer Familienfeier. Eigentlich hatte ich wenig Lust, diese Gemeinschaft in Völpke zu verlassen, gerade jetzt, wo ich am auftauen war. Es löste allgemeines Erstaunen aus, das ich die Ausfahrt - das Salz des Tages - nicht mitfahren wollte. Meine Bedenken wurden nicht akzeptiert - ich wurde als Sozia rekrutiert.

Ein Anruf bei meiner Familie, und ich bekam Verlängerung zugesprochen.

Der Konvoi sammelt sich ...


Heike hoch zu VN ... weißer Helm hat hohen Erkennwert

Das Gefühl, auf der dicken Maschine zu sitzen, war unbeschreiblich. Ein erfahrener Fahrer, der sich strikt an die Konvoi-Regeln hielt - die Beschleunigung, wenn er den Blocker gemacht hatte und wir dem Konvoi wieder hinterher fuhren - das Aufrücken in die festen Plätze zurück - die Zuschauer in den fast menschenleeren Dörfern ... die Strecke kannte ich, da war ich selber schon oft gefahren.
Aber auf dieser Maschine, kutschiert werden und die Stimmung wirken lassen - ohne Nachdenken einfach dabei sein ...  ich war das letzte Mal vor mehr als 2 Jahren als Sozia gefahren. Damals war das totaler Mist gewesen, und auch die Wiederholung vor wenigen Monaten war scheiße (aber das ist eine andere Geschichte).
Hier lief das so ab, als wäre ich schon immer mitgefahren. Das fühlte sich so passig an.

Bei einer kurzen Pause, weil jemand "abgehängt" worden war, kommentierte mein Chauffeur, das er mich gar nicht bemerken würde. Ich wäre superperfekt, kein Zappeln, kein Gegenlehnen - er hätte zeitweise nach hinten geschaut zur Kontrolle, ob ich überhaupt noch da wäre. Trotz Körperkontakt war ich quasi "verschmolzen".

Weiter ging die Tour, zur Huysburg. Wie die Maschinen dort in den Klosterhof donnerten, ließ die anwesenden Touristen mit großen Augen zuschauen.





Der schöne bunte Klostergarten






Das obligatorische Gruppenfoto
diesmal mit einer Heike

Weiter ging es - zu einem Ausflugslokal. Dort waren schon Gerichte vorbereitet, die wir vor der Ausfahrt hatten ankreuzen müssen.
Ich genoß eine spitzenmäßige Gulaschsuppe und durfte später noch die Pommes vertilgen, die bei der Currywurstgranate meines Nachbarn zurückgeblieben waren.

Die weitere Ausfahrt ging über menschenleere Dörfer, teilweise wirklich miese Straßenbelege und durch Ruinenansiedlungen.
Das Wetter hielt sich - der kleine Regenschauer von der Huysburg bis zum Ausflugslokal war schon wieder von der Straße abgetrocknet.
Als Überraschung war noch der Besuch einer ortsansässigen Eisdiele eingeplant. Ein großer Begeisterungssturm unter den Anwesenden.
Ich bekam ein Eis ausgegeben, und so stand ich da mit den Leuten und war einfach von Herzen glücklich. Das Gefühl hatte ich schon lange nicht mehr gehabt. Unter Gleichgesinnten. Ja, und auch unter echten Kumpel's.



Gegen 15 Uhr kam der Konvoi wieder beim Festplatz an.

Leider mußte ich jetzt mein Zeug einpacken, und nach Hause fahren. Familienfeier, ich erwähnte es ja bereits ...

Mir gefiel das nicht. Da einfach wegfahren. Da waren noch Dinge offen - das wollte ich so nicht stehen lassen ... ich verabschiedete mich mit dem Versprechen, zum Frühstück wieder da zu sein.
Und ich klamüserte mit jemand vom Team, dass sie eine Flasche Jackie auf den Tisch stellen sollte abends beim Spanferkel-Essen - mit Gruß von mir.

Ich fuhr die Heimstrecke über die Bundesstraße in Rekordzeit, parkte Ellie ohne viel Theater in die Garage, während sie heiß tickend vor sich hin murmelte ...
Ja, ich hatte sie gescheucht - ja, sie war nass geworden - ja, ich hatte sie seit Tagen nicht geputzt - ja, sie hatte das Gepäck noch drauf - ja, mich interessierte und irritierte das nicht mehr ...

In der Wohnung schmiss ich mein Zeug hin, hetzte unter die Dusche, putzte mir später den Pelz von den Zähnen und zehn Minuten später fuhr ich mit dem Auto weiter zur Familienfete.
Pünktlich zum Grillabend kam ich dort an. Lustig war es, laut und lärmig und Gewusel. Perfekt!

Erst gegen 23 Uhr fuhr ich wieder heim. Kroch erschöpft in mein Bett und schlief wie unter Drogen sofort tief und fest ein.

Der Wecker klingelte um 6 Uhr morgens. Gegen 7 Uhr fuhr ich mit dem Auto über die A2 zurück nach Völpke ...

Allgemeines Erstaunen einiger schon wach Anwesenden, ob ich schon wieder oder immer noch da wäre. Aber auch Freude, das ich wieder da war, kam mir entgegen.
Und ich bekam ein Dankeschön-Knuddler von jemandem, dem der Inhalt aus der Jackie-Flasche gestern abend etwas Kopfweh heute morgen, aber doch auch Freude bereitet hatte. Beim nächsten Event werde ich allerdings nicht drumrum kommen, zumindest einen Drink mitzunehmen - quasi als Ausgleich. Na dann ...

Da ich mich beim Frühstück am 31.8. nicht eingetragen hatte, holte ich mir nur Hallo-Wach-Kaffee, denn so richtig viel geschlafen hatte ich ja auch nicht.




Die Feier soll gestern noch super gewesen sein - mit Bikerspielen, Spanferkel und Stimmung mit der Live-Band.
Einige Damen schauten heftig verknittert aus der Wäsche - da war was gewesen mit Selbstgebranntem.

Gegen halb zehn rollten die meisten vom Hof. Allgemeine Verabschiedungszeremonie mit Reihenbildung und Umarmungen und dem Versprechen, sich zu melden, sich wiederzusehen und auf jeden Fall auf sich aufzupassen beim Fahren.
*Kloß im Hals* Wir werden uns wiedersehen. Die nächsten Termine stehen schon!

Der harte Kern half dann noch beim Abbauen. Ich packte mit an. Ich war die letzte, die vom Hof runterfuhr ...


Fazit:

Bitter-sweet-symphony

Aber was danach kam, war heilsam! Aber das ist eine andere Story ...



:-)
Das Foto spricht für sich ... 
Der Alk auf dem Tisch war aber für mich ohne Auswirkung und Bedeutung
Heike - die Teilzeit-Uschi :-)




Danke an die Jungs, die mir das Fest erleichtert hatten - ihr seid wirklich klasse - ihr habt meinen Mut gewürdigt und mir Respekt erwiesen - das tat sehr sehr gut.

Als "Belohnung" meiner Mutprobe habt ihr mich mitgenommen auf meine allererste Ausfahrt, und was für ein geniales Feeling, im Rückspiegel den nachfolgenden Korso zu sehen, den Sound zu hören und die Tour als Mitglied der Truppe mitzuerleben.
Unvergeßliches Erlebnis.
Danke auch an meinen Chauffeur - gut, dass Du mich überredet hast ! 


So hat alles Geschehen irgendwie auch ein gutes Körnchen.