29.-31.8.2014 - Völpke - Biketober-Feier der Vulcanier
Ich
stellte mein kleines Zelt weit abseits hin; das fiel zunächst
unangenehm auf, klärte sich aber im Laufe des Abends; meine Gründe
wurden akzeptiert und mein Mut wegen der besonderen Situation wurde
bewundert und respektiert
Dann hieß es, nach vorne zu gehen und die Leute zu begrüßen.
Die Frage, warum ich denn soweit hinten stehen würde, ob ich mit ihnen nichts zu tun haben wollte, kam natürlich ... Meine Antwort, ich würde derzeit zeitweise Ruhe nötig haben, wurde zunächst akzeptiert.
Vorteil: ich bin eine Frau, die machen oft Sachen, die Männern spanisch vorkommen.
Die andere Frage, warum ich allein da wäre - natürlich kam die Frage, denn ich war ja bislang IMMER zu zweit aufgetaucht bei den Events - wurde dann teilweise von einem Eingeweihten beantwortet, der dafür sorgte, dass ich ein Stück weit meine Ruhe bekam.
Ganz half das nicht. Das war aber kein Boden für Gewesenes, hier sollte es Party geben - trotzdem mußte ich ein Stück weit Farbe bekennen. Das Gewesene war noch frisch, noch nicht verheilt, ich war einfach noch viel zu höflich der Vergangenheit gegenüber ... konnten sie nicht wissen, und nahm ich ihnen auch nicht übel. Zumal eine Nachfrage so reizend offen herausplatzend formuliert wurde ... *schief grins* ...
Ich beobachtete die Gemeinschaft der anderen Gäste deshalb auch zunächst aus der Entfernung, lauschte den Gesprächen, während ich mich an meinem Thermobecher mit Kaffee festhielt. Stück für Stück näherte ich mich an. Beim Abendessen lockerte sich die Stimmung allgemein auf - auch ich aß einen Teil, und das Grillgut war einfach das beste, was ich seit Tagen zu mir genommen hatte. Eigenes Schlachtfleisch, da merkste den Unterschied. Und das lag nicht daran, dass ich total ausgehungert war.
Ich bekam nette Tischnachbarn, und unterhielt mich mit einem Mädel später noch hinter dem Festzelt. Ja, Einbrüche gab es an dem Abend immer mal wieder - ich zog mich dann einfach mal zurück.That was my cup of tea.
Trotzdem ich mich zurückhaltend verhielt, blieb das nicht unbemerkt. Einige sehr nette Gesten ...
An zwei Gespräche erinnere ich mich ganz besonders - ich möchte da aber nicht drauf eingehen. Nur soviel - das ihr den gedanklichen Hut verbal vor mir gezogen habt, weil ich den Mut hatte, auch allein aufzutauchen - obwohl ich mit Fragen rechnen mußte - hat sehr sehr gut getan ...
Gegen 2 Uhr war ich geschafft. Kondition aufgeraucht.
So ging ich zum Zelt, aber nicht alleine. Danke für die Begleitung, ihr Zwei. Und ja, das nächste Mal stelle ich mich mitten rein zwischen die Zelte. Ich habe es euch versprochen, und das halte ich auch.
Die Nacht war kalt. Der neue Schlafsack war zu kurz, ich stieß mit den Füßen unten an und das wärmte nicht. Der Schlaf kam nur kurzzeitig.
Da ich seit Tagen aber immer nur stundenweise schlafe, war das "gewohntes Übel".
Gegen 8 Uhr krabbelte ich aus dem Zelt. Total gerädert und verquollen um die Augen herum - zuwenig Schlaf für die Entfaltung.
Gestern hatte es etwas geregnet, aber an dem Morgen war es trocken. Der Herbst lag in der Luft - auf dem Zelt Wasserlachen, das Gras noch quatschnass.
Ich holte mir aus dem Teich eine Schüssel voll Wasser und wusch mein Gesicht wach. Zum Baden war es mir dann doch zu kalt. Dann ging es nach vorne. Das Frühstücksbuffet war schon aufgebaut.
Unglaublich große Mengen, sehr leckerer Aufschnitt und Mettwurst, verschiedenes Obst, Joghurt ... ich schüttete mehrere Becher Kaffee in mich hinein und ließ mich zu einem Brötchen nötigen.
Ich genoß das - in Ruhe wach werden, ohne große Konversation.
Die Anwesenden waren ebenfalls noch nicht fit, was niemanden störte. Das gehört dazu. Und das mochte ich total. Langsam wach werden - ganz langsam ...
Die Sonne kam raus, beschien die Dixi-Klos am Rand des Weges, und trocknete den Rasen langsam ab.
Netterweise bekam ich noch eine Führung über das Gelände - ich durfte mir die Viecherei ansehen, die dort wohnte. Hühner, Enten, Gänse, Ponys, Pferde, Ziegen ... herrliche Gegend, mit supernetten Bewohnern (2beinig).
Ich hatte eine Einladung zu einer Familienfeier. Eigentlich hatte ich wenig Lust, diese Gemeinschaft in Völpke zu verlassen, gerade jetzt, wo ich am auftauen war. Es löste allgemeines Erstaunen aus, das ich die Ausfahrt - das Salz des Tages - nicht mitfahren wollte. Meine Bedenken wurden nicht akzeptiert - ich wurde als Sozia rekrutiert.
Ein Anruf bei meiner Familie, und ich bekam Verlängerung zugesprochen.
Der Konvoi sammelt sich ...
Heike hoch zu VN ... weißer Helm hat hohen Erkennwert
Das Gefühl, auf der dicken Maschine zu sitzen, war unbeschreiblich. Ein erfahrener Fahrer, der sich strikt an die Konvoi-Regeln hielt - die Beschleunigung, wenn er den Blocker gemacht hatte und wir dem Konvoi wieder hinterher fuhren - das Aufrücken in die festen Plätze zurück - die Zuschauer in den fast menschenleeren Dörfern ... die Strecke kannte ich, da war ich selber schon oft gefahren.
Aber auf dieser Maschine, kutschiert werden und die Stimmung wirken lassen - ohne Nachdenken einfach dabei sein ... ich war das letzte Mal vor mehr als 2 Jahren als Sozia gefahren. Damals war das totaler Mist gewesen, und auch die Wiederholung vor wenigen Monaten war scheiße (aber das ist eine andere Geschichte).
Hier lief das so ab, als wäre ich schon immer mitgefahren. Das fühlte sich so passig an.
Bei einer kurzen Pause, weil jemand "abgehängt" worden war, kommentierte mein Chauffeur, das er mich gar nicht bemerken würde. Ich wäre superperfekt, kein Zappeln, kein Gegenlehnen - er hätte zeitweise nach hinten geschaut zur Kontrolle, ob ich überhaupt noch da wäre. Trotz Körperkontakt war ich quasi "verschmolzen".
Weiter ging die Tour, zur Huysburg. Wie die Maschinen dort in den Klosterhof donnerten, ließ die anwesenden Touristen mit großen Augen zuschauen.
Der schöne bunte Klostergarten
Das obligatorische Gruppenfoto
diesmal mit einer Heike
Weiter ging es - zu einem Ausflugslokal. Dort waren schon Gerichte vorbereitet, die wir vor der Ausfahrt hatten ankreuzen müssen.
Ich genoß eine spitzenmäßige Gulaschsuppe und durfte später noch die Pommes vertilgen, die bei der Currywurstgranate meines Nachbarn zurückgeblieben waren.
Die weitere Ausfahrt ging über menschenleere Dörfer, teilweise wirklich miese Straßenbelege und durch Ruinenansiedlungen.
Das Wetter hielt sich - der kleine Regenschauer von der Huysburg bis zum Ausflugslokal war schon wieder von der Straße abgetrocknet.
Als Überraschung war noch der Besuch einer ortsansässigen Eisdiele eingeplant. Ein großer Begeisterungssturm unter den Anwesenden.
Ich bekam ein Eis ausgegeben, und so stand ich da mit den Leuten und war einfach von Herzen glücklich. Das Gefühl hatte ich schon lange nicht mehr gehabt. Unter Gleichgesinnten. Ja, und auch unter echten Kumpel's.
Gegen 15 Uhr kam der Konvoi wieder beim Festplatz an.
Leider mußte ich jetzt mein Zeug einpacken, und nach Hause fahren. Familienfeier, ich erwähnte es ja bereits ...
Mir gefiel das nicht. Da einfach wegfahren. Da waren noch Dinge offen - das wollte ich so nicht stehen lassen ... ich verabschiedete mich mit dem Versprechen, zum Frühstück wieder da zu sein.
Und ich klamüserte mit jemand vom Team, dass sie eine Flasche Jackie auf den Tisch stellen sollte abends beim Spanferkel-Essen - mit Gruß von mir.
Ich fuhr die Heimstrecke über die Bundesstraße in Rekordzeit, parkte Ellie ohne viel Theater in die Garage, während sie heiß tickend vor sich hin murmelte ...
Ja, ich hatte sie gescheucht - ja, sie war nass geworden - ja, ich hatte sie seit Tagen nicht geputzt - ja, sie hatte das Gepäck noch drauf - ja, mich interessierte und irritierte das nicht mehr ...
In der Wohnung schmiss ich mein Zeug hin, hetzte unter die Dusche, putzte mir später den Pelz von den Zähnen und zehn Minuten später fuhr ich mit dem Auto weiter zur Familienfete.
Pünktlich zum Grillabend kam ich dort an. Lustig war es, laut und lärmig und Gewusel. Perfekt!
Erst gegen 23 Uhr fuhr ich wieder heim. Kroch erschöpft in mein Bett und schlief wie unter Drogen sofort tief und fest ein.
Der Wecker klingelte um 6 Uhr morgens. Gegen 7 Uhr fuhr ich mit dem Auto über die A2 zurück nach Völpke ...
Allgemeines Erstaunen einiger schon wach Anwesenden, ob ich schon wieder oder immer noch da wäre. Aber auch Freude, das ich wieder da war, kam mir entgegen.
Und ich bekam ein Dankeschön-Knuddler von jemandem, dem der Inhalt aus der Jackie-Flasche gestern abend etwas Kopfweh heute morgen, aber doch auch Freude bereitet hatte. Beim nächsten Event werde ich allerdings nicht drumrum kommen, zumindest einen Drink mitzunehmen - quasi als Ausgleich. Na dann ...
Da ich mich beim Frühstück am 31.8. nicht eingetragen hatte, holte ich mir nur Hallo-Wach-Kaffee, denn so richtig viel geschlafen hatte ich ja auch nicht.
Die Feier soll gestern noch super gewesen sein - mit Bikerspielen, Spanferkel und Stimmung mit der Live-Band.
Einige Damen schauten heftig verknittert aus der Wäsche - da war was gewesen mit Selbstgebranntem.
Gegen halb zehn rollten die meisten vom Hof. Allgemeine Verabschiedungszeremonie mit Reihenbildung und Umarmungen und dem Versprechen, sich zu melden, sich wiederzusehen und auf jeden Fall auf sich aufzupassen beim Fahren.
*Kloß im Hals* Wir werden uns wiedersehen. Die nächsten Termine stehen schon!
Der harte Kern half dann noch beim Abbauen. Ich packte mit an. Ich war die letzte, die vom Hof runterfuhr ...
Fazit:
Bitter-sweet-symphony
Aber was danach kam, war heilsam! Aber das ist eine andere Story ...
:-)
Das Foto spricht für sich ...
Der Alk auf dem Tisch war aber für mich ohne Auswirkung und Bedeutung
Heike - die Teilzeit-Uschi :-)
Danke an die Jungs,
die mir das Fest erleichtert hatten - ihr seid wirklich
klasse - ihr habt meinen Mut gewürdigt und mir Respekt erwiesen - das
tat sehr sehr gut.
Als "Belohnung" meiner
Mutprobe habt ihr mich mitgenommen auf meine allererste Ausfahrt, und
was für ein geniales Feeling, im Rückspiegel den nachfolgenden Korso zu
sehen, den Sound zu hören und die Tour als Mitglied der Truppe
mitzuerleben.
Unvergeßliches Erlebnis.
Danke auch an meinen Chauffeur - gut, dass Du mich überredet hast !
So hat alles Geschehen irgendwie auch ein gutes Körnchen.