Ellie und ich

Ellie und ich

Donnerstag, 20. März 2014

20.3.2014 - Frühlingsanfang

Herrlichstes Frühlingswetter, für morgen und Wochenende war deutliche Verschlechterung angesagt - also machte ich etwas früher Feierabend, holte meine Sommerjacke aus dem Schlaf, puhlte das Wintersteppfutter aus der Moppedhose - und fühlte mich seltsam nackig unter der Schutzkleidung. Auch die Sommerlederhandschuhe fühlten sich sehr fremd an - ich hatte jetzt so unmittelbaren Kontakt mit den Griffen!

Zuerst fuhr ich zur Tanke, Luft kontrollieren. Vorne kaum der Rede wert, hinten gar nichts verloren.

Und dann ab auf die Hausrunde!


Ellie in Kalme-Ortseingang bzw. -ausgang
Kalme, ein klitzekleines friedliches Dorf im Landkreis



Es sollte bei diesem einen Foto bleiben! Heute war fahren und die Luft genießen angesagt.

Ich fuhr nach Vienenburg in die Eisdiele, genehmigte mir die Kugel Joghurt-Holunder, trank einen Latte Macciato. Es waren noch andere Motorradfahrer dort, alle waren aber mit sich bzw. ihren Gesprächspartnern beschäftigt.
Alle waren weit über 50 - es schien, als hätten die Pensionisten ihre Maschinen mal an die frische Luft geführt!

Vor der Eisdiele auf der Straße war die Hölle los um die Zeit. Sind noch mehr auf die Idee gekommen, eine Feierabendrunde zu drehen. Neu: Cabrio-Fahrer. Nicht neu: rücksichtsloses Drauflosgebretter ...

 Ich hatte nach kurzer Zeit keine Lust mehr auf das laute Gewusel, und fuhr dann ein Stück auf der Harz-Autobahn zurück. Das ging heute wie geschmiert - ich fühlte mich nicht unwohl bei der Geschwindigkeit von 125 km/h.
Wenn das mein Fahrlehrer gesehen hätte, er wäre stolz gewesen!


Die Leute waren heute allesamt wuselig drauf. Ob es am schönen Wetter lag? 

Es waren in den Ortschaften auch viele Traktoren mit Anhänger (Gülle/Grubber/Ladeanhänger) unterwegs. Stellenweise fuhren sie einfach aus dem Feldweg, obwohl hinter mir kein Auto zu sehen war. Mir genau vor die Nase.

Fast alle PKW auf meiner Tour waren agressiv und ungeduldig. Fenster aufgerissen, dröhnten die Bässe und verschmutzten den schönen warmen Frühlingsabend.

Ich machte noch einen kleinen Abstecher zu meinem Schrauber, der aber voll im Streß war: der ganze Hof stand voller Maschinen, die gewartet werden sollten. Jaja, der Saisonstart beginnt immer so plötzlich ...

Auf dem Heimweg, kurz vor der Ankunft in meinem Wohnort, hätte mich eine rasende Muddi bald von der Straße abgedrängt. Sie hatte die Kurve unterschätzt, war zu schnell, und zog rüber ...

Ich war froh, als ich zum Dunkelwerden heil in der Garage ankam.
Der Frühling hat auch Nachteile. Die Hormone stören bei so manchem die Gehirnfunktion. Oder offenbaren, dass da nie ein Gehirn war ...

Mittwoch, 12. März 2014

Teil 2: 8. und 9.3.2014 - In das Wendland an die Elbe; Brandenburger Alleen und Wittenberge, Sachsen-Anhalt Arendsee

9.3.2014

Ich erwachte mit dem Weckerpiepen um 8 Uhr. Obwohl ich in fremden Betten nie besonders gut schlafen kann, war ich nach immerhin 11 Stunden Ruhe bis auf die Nackenschmerzen doch gut erholt.
Die Nase war immer noch dicht, und mein Kreislauf zeigte mir deutlich an: da ist wieder eine Erkältung in Anmarsch. Ich hoffte darauf, dass ich an der Rezeption ein Aspirin bekommen würde. Ansonsten könnte der Tag ziemlich ätzend werden.

Als ich aus dem Fenster schaute, bot sich mir dieser Anblick:


Blick nach rechts zur Straße hin



Blick nach links zu den Pevestorfer Wiesen



Das Haus gegenüber, in dessen Garten rechts außerhalb des Fotos sich zwei rollige Katzen den Morgen vertrieben ...


Die Sonne versprach einen wunderbaren Tag, und den wollte ich nutzen und genießen. Energisch verdrängte ich meinen Schnöf, torkelte etwas unelegant ins Bad und genehmigte mir eine heiß-kalte Dusche. Damit der Kreislauf mal auf Touren kommt! Nachdem ich mich in die Alltagsklamotten gebracht hatte, ging es vor dem Frühstück noch auf Fototour.
Die hatte es in sich!
Zunächst schaute ich nach Ellie - logisch ... Alles noch am Platz, nur der Sitz war durch die Nachtfeuchte angenässt. Da die Sonne aber schon Kraft hatte (Wahnsinn, und das am 9. März!), dürfte bis zur Abfahrt alles trocken sein!




Eine Hinweistafel am Gasthof

Dann ging es in den Garten des Gasthofes. Der kleine Teich blitzte in der Morgensonne - das Boot hatte den Namen "Grautvornix" ;-).




Der Blocker war schon früh am Morgen in den Wiesen gewesen und berichtete von Nachtfrost. 

Morgens gegen 6 Uhr, die Wiesen sind noch weiß





Umso schöner war es jetzt, um kurz vor 9 Uhr. Die Welt war wie frisch gewaschen! Und die Sonne wärmte sehr angenehm.


Blick auf den Gasthof - ganz links im Bild zu sehen:











Eine Wiese mit alten Obstbäumen - Privatbesitz, keine öffentliche Streuobstwiese (oh Leute, ihr glaubt doch wohl nicht, dass mich im Herbst sowas aufhalten würde ...)


Und dann hörte ich sie, lange bevor ich sie in der Morgenhelligkeit ausmachen konnte ... das charakteristische "Hupen" ... (klick!)



Kraniche - nicht im Zoo, nicht im Fernsehen - live!



Wir gingen ganz langsam einen ausgefahrenen Feldweg, um näher an die wunderschönen Tiere heranzukommen



Sie sahen uns noch nicht als Bedrohung an - ein Hoch auf die Telefunktion der Digicam



Und dann waren wir zu dicht, die beiden flogen ein Stück weiter und dort waren sie im Gegenlicht kaum noch wahrzunehmen 


Mir gingen die Kontaktlaute durch Mark und Bein. Da war ein Gefühl von Sehnsucht nach Weite, Ferne und Fernweh, nach Abenteuern erleben und fremde Länder entdecken ... wahrscheinlich so ein Eigending von mir, genau wie wenn ich auf weite Wasserflächen schaue.

Dieses Erlebnis war ein weiteres Highlight auf dieser Tour.

Im angrenzenden Gasthotel wartete ein sehr leckeres und gut sortiertes Frühstücksbufett auf uns. Lustig fand ich, dass der Aufschnitt in einem Gitterschrank war. Notwendig, wie uns die nette Wirtin erzählte. Wegen der Mücken, Fliegen und Schnaken. Das hatte ein Gast für sie gebaut.

Sie hatte mir einen sehr leckeren Kräutertee zum Frühstück gemacht. Nicht aus Teebeuteln, nein - lose in einem Filter, und das alles in einem hübschen Kännchen.






Ich mag blaues Steingut-Geschirr :-)

Als ich von meinen Erkältungsproblemen berichtete, versprach mir die Wirtin zwei Ibuprofen zu besorgen.
Heureka - so könnte ich den anstrengenden Tourtag doch gut überstehen! Außerdem durfte ich meine Trinkflasche mit dem bereitstehenden Fruchtsaft auffüllen.

Gegenüber von unserem Tisch saßen die anderen Motorradfahrer und turtelten - mit dem Rücken zu uns. So richtig warm wurde ich mit denen nicht. Die anderen Gäste waren "Baumstreichler" - also Naturfreunde. Überwiegend jenseits der 60, drahtig und mit einem zufriedenen Grinsen auf den Gesichtern. Stammgäste, wie es den Anschein hatte. Kann ich nachvollziehen, diese Gegend ist wunderschön, es gibt viel Natur zu sehen und in dem freundlichen Ambiente des Gasthofes/Hotels kann man sicherlich total gut erholen! Hier komme ich nochmal her, versprach ich mir in dem Moment selber.

Nudelsatt ging es auf's Zimmer zurück, Sachen packen und schonmal das Motorrad beladen. Die nette Wirtin gab mir dann auch zwei Ibu, wo ich dann leider die zweite Tablette erfolgreich irgendwo auf der Tour verlor, ich Töffel.

Noch etwas Frühling genießen, bevor es weiterging - vor dem Gasthof an einem Spielplatz in der Morgensonne sitzen:







Die beiden anderen Motorradfahrer waren schon abreisefertig. Der Blocker stand noch im Smalltalk mit ihnen, während ich mir an der Hotelrezeption die Ibu-Tablette einwarf. Ich bekam noch einen Teil der Unterhaltung mit.
Ob Ellie neu sei, kam die Frage - nein, meinte mein Blocker, aber die Besitzerin putzt gerne - darauf antwortete die BMW-Fahrerin leicht verächtlich: "Dafür habe ich keine Zeit. Meine Maschine ist nur dann sauber, wenn sie in der Inspektion war. So ein Teil ist für mich ein Gebrauchsgegenstand!"
Der Mann sagte fast entschuldigend: "Naja, so ein Putzservice liefert auch nur BMW".

Dann fuhren sie ab, gekleidet im Partnerlook ... und ich fuhr mit dem gelben Microfasertuch extra noch einmal liebevoll an Ellies Gehäuse entlang.
Merkwürdig verbissene Type, diese Frau. Hatte ich doch gleich gemerkt, ihre Maschine hat keinen Charakter, weil sie nur ein schnödes Sportgerät ist. Ein Glück, dass die Frau nicht reitet - sicherlich hätte sie da auch ihre Leute für, die das Tier pflegen - und sie würde das nur durch das Gelände scheuchen ... ob sie jemals eine leidenschaftliche Liebe zum Motorsport entwickeln könnte? Was entgeht ihr da nur.

So unterschiedlich sind Motorradbesitzer. Ich persönlich fühle mich nicht wohl, wenn meine Maschine nicht sauber ist - ich liege auch persönlich unter Ellie und schaue, ob da alles okay ist, nichts tropft oder keine Stoßmacke bekommen hat - das gibt mir einfach ein besseres Gefühl! Ich will wissen, was ist!  Ich kenne zwar nicht jede Schraube, aber ich kenne Ellies Geruch! Mir machen dreckige Finger nichts aus. Kettenfett ist nichts, was auf ewig kleben bleibt. Da gibt es gute Reinigungstücher, die das entfernen ...

Und dann schwangen wir uns auch auf die Moppeds - die nette fränkisch stämmige Wirtin winkte uns noch nach - und fuhren noch einmal an den Elbanleger. Die anderen Motorradfahrer waren auch da, hatten aber brav vor dem Stopschild angehalten - der Mann fuchtelte dann zum Spaß ein wenig "erzieherisch" mit den Händen, aber das hielt mich natürlich nicht auf.
Pah!






Leuchtboje Heike an der Elbe auf dem Elbesand



In der Morgensonne leuchtete das Wasser richtig tiefblau


Der Tourplan sah vor, dass wir in Schnakenburg auf die Fähre fahren und nach Brandenburg übersetzen.
Vorher gab es aber noch eine Umzieh-Pause kurz vor Schnackenburg. Es war richtig schön heiß draußen! Ich verkroch mich auf einer Wiese hinter abgeholzte Eichen, zog und zerrte und später mußte ich das Ganze auf dem Parkplatz wiederholen, weil ich Unmengen von Späne mit in das Unterzeug geschaufelt hatte, was piekste und mir jeden Schritt zur Hölle machte :-(. Zum Glück war die Deichstraße wenig befahren, so dass ich den Touristen mit meinen winterweißen Beinen keinen Schrecken einjagte. Die Lenkerstulpen wurden ebenfalls abgetüddelt und im Koffer untergebracht.

Die anderen beiden Motorradfahrer fuhren an uns vorbei. Sie wollten wohl auch zur Fähre.
Ich muß gestehen, dass ich mir beim Anziehen extra Zeit ließ. Irgendwie hatte ich jetzt keine Lust mehr, den beiden noch einmal zu begegnen.


 
Elbvorland vom Deich geschützt



Seltsamer Name für so eine schöne Landschaft!



Auch hier wieder: die Atomkraft-Zeichen, nicht ganz legal auf die Straßenschilder gesprüht


Und dann waren wir dank Navi gut in Schnackenburg angekommen. Ein kleines Hinweisschild an einer Mauer wies mit Pfeil nach links - zur Fähre. Eine abschüssige Kopfsteinpflasterampe erwartete uns, so dass ich mich zurückhielt. Der Blocker fuhr mit Tempo vor, während ich relativ eierig hinterher tuckerte.






Gleich geht es los. Die Schranke ist hoch, die Autos links, die Motorräder bitte rechts halten. Überfahrt kostet 3,- Euro pro Fahrzeug.

Als letztes Motorrad tuckerte ich mit Ellie die grüne Blechrampe hinüber. Geschafft!





Fähre fahren - diesmal mit eigener Maschine, selber raufgefahren; Heike stolz

 


 

Heike fährt Fähre








Aufgeregt - die Fähre ist gleich in Brandenburg, Ellie's Motor läuft, die Abfahrt steht bevor ... ob ich die steile Auffahrrampe an Land schaffe, ohne wegzurutschen oder umzufallen?


Alles ging gut. Ich schaute mir ab, was die Motorräder vor mir so anstellten, und machte das dann in meinem Tempo nach. Ellie schnurrte problemlos im ersten Gang die Rampe hoch, und ich stellte sie rechts an den Wegrand. Mir war heiß geworden und ich wollte den Triumph über meine Angst ein wenig genießen. Außerdem mußte ich etwas trinken - die Erkältung schien mich regelrecht auszutrocknen.



Die Fähre auf ihrem Rückweg nach Schnackenburg



Sieht gar nicht so schlimm aus, die Rampe ... von Land aus gesehen!


Mit sehr viel weniger Unterzeug ging es weiter, durch Brandenburg. Zunächst einmal an der Elbe weiter auf der 195, dann ein Stück weit ins Land und wieder zurück an die Elbe.





Weiche Kurven und leere Straßen ließen das Fahren hier zu einem besonderen Vergnügen werden. Die Alleen faszinierten mich! Sicherlich sahen sie im Sommer noch schöner aus als jetzt, wo die Bäume noch kahl und nackt in den Himmel ragten. Ich will euch im Sommer nochmal besuchen, wenn es mir möglich ist!





Auf dem ganzen Weg bis nach Wittenberge - ein weiteres Tourziel - fuhren wir durch viele Alleen hindurch. Das Tempo war überall auf 70 begrenzt. Mir war das sehr recht, so konnte ich in Ruhe auch mal in die Gegend schauen! Auf einem Parkplatz stand ein Wagen mit der Aufschrift "Gulaschkanone" - leider war er noch nicht in Betrieb. Solche Angebote finde ich herrlich unkonventionell! Und das Essen ist auch in den allermeisten Fällen deftig und preislich absolut okay.

Mir gefiel die Landschaft da. Zu unserem Glück war noch keine Saison, wenig Touristen unterwegs, und andere Motorradfahrer sahen wir da wenige.
Es ging also gemütlich auf Wittenberge zu. Wir hielten uns an die Hinweisschilder Sportboothafen, und kamen über Kopfsteinpflaster zu unserem Rastpunkt. Kopfsteinpflaster können die da, in Brandenburg ...


















Blaubeertorte, selbst gebacken von dem Backteam; weintraubengroße Beeren und megalecker! Hinter der Torte versteckt sich noch ein Sahneklecks - wenn schon, denn schon


Eigentlich war noch gar keine Saison, aber bei dem schönen Wetter hatte das Café Elbterrasse sich entschlossen, aufzumachen. Wie gut für uns!


Erste Etage - falls es einem draussen zu kalt ist; Gemütlichkeit und helle freundliche Stimmung im frisch renovierten Saal


Die Pause hatte ich auch dringend nötig. Die Wirkung meiner Tablette ließ nach, und mein Schädel brummte, als wären dort Bienen zuhause. Der Cappucino zeigte zum Glück schnelle Wirkung.



Noch kurz verschnaufen, bis es wieder über schräge Kopfsteinpflasterwege zurück zur Hauptstraße geht ...


Wir fuhren über die große Elbbrücke und der Blick von dort auf Wittenberge war fantastisch. Leider keine legale und nicht lebensbedrohliche Möglichkeit, anzuhalten und das zu dokumentieren.



Über die 189 bis zur Abzweigung zur 190, nächster Rastpunkt Arendsee


Es ging zum Arendsee. Kurz vor dem Ort zeigte der Navi nach rechts - leider kam da wieder eine der typischen Kopfsteinpflasterstraßen, die mich und meine Stimmung malträtierten. Auch Sachsen-Anhalt kann Kopfsteinpflaster.

Schließlich fuhren wir am Seebad Arendsee vorbei. Der See war zu sehen, aber überall Gitter und kein Parkplatz. So drehten wir wieder um, und suchten uns eine legale Parkmöglichkeit. Ein sandiger Platz, auf dem schon zwei andere Biker standen, wurde dann zum Haltepunkt. Die Schranke gab komische Brummtöne von sich, aber der Baum blieb oben. Noch keine Saison, noch keine Parkgebühren.
Hinter dem Parkplatz begann ein Campinggelände - auch das hatte ich mir vorher bei Google Satelit angeschaut, aber so wie es in real war, kam das nicht rüber. Es war so kommerziell aufgezogen.

Waldboden, sandig, sicherlich im Sommer mit vielen Waldameisen und anderem Getier behaftet. Uah - nichts für mich.

Ja, Arendsee hatte ich mir anders vorgestellt. Nicht so ... vergittert. Komerziell. Vielleicht hatten wir aber nur eine falsche und zu stark besuchte Ecke ausgewählt. Man bedenke: noch war keine Saison. Ich möchte nicht wissen, wie heftig das hier ist, wenn Sommer ist!





Wir ließen den Großteil unserer Sache am Mopped, aber hier schloß ich meinen Helm sicherheitshalber im vorgesehenen Schloß an Ellie fest.
Dann ging es über die Teerstraße zum Strandbereich. An einem dieser typischen kleinen Imbißwagen gab es erstmal ein Käffchen für jeden. Mit dem in der Hand stapfte ich zum Wasser. Es dauerte etwas, bis ich einen Platz fand, an dem ich mich niederließ.





Schön geharkter Sandstrand - sauber und ohne Papiermüll - sowas kostet natürlich Geld, also Gehälter für die Angestellten - und deshalb muß man in der Saison wohl auch Eintritt zahlen; für Strandbegehung, für Klo und Dusche und Liegen und Spieleland



Stegübergang zu einer Aussichtstribüne - ich war aber nicht da vorne, Wasser gucken kann ich auch vom Strand aus


Ich wollte mit den Füßen ins Wasser, hatte aber eine Strumpfhose unter der Moppedhose an. Die mußte also runter. Leider gab es kein Gebüsch, aber mir kam ins Gedächtnis: Ex-DDR - Freikörperkultur.
Also runter mit den Klamotten - zumindest teilweise! Und rein ins Wasser mit den Füßen.

Kreisch - das war so kalt, dass es sich anfühlte, als würde es mich beißen!





Es blieb beim Fußbad - ich hielt mich am heißen Kaffee fest und fand den See auf einmal nicht mehr ganz so einladend



Huflattich leuchtete in der Sonne - Frühlingsanzeichen am Strand von Arendsee


Eine Portion Currywurst wurde geholt, und ich bekam auch ein Stück ab. Naja - es schmeckte wie ich es kannte: nicht mein Fall. Ich hatte noch einige kleine Salami-Kanten in meinem Tankrucksack und so langsam mußten wir auch an die echte Heimfahrt denken. So strubbelte ich den Sand ab, packte meinen Kram und zog wieder die warme Moppedhose an. Uff - Winterfutter.

Da die Toiletten noch alle geschlossen waren, suchte ich mir eine Gelegenheit. Ein Mann schien mich zu verfolgen - da er genauso suchend herumschaute, wußte ich, der will auch ...

Wieder eingeplünnt - mit Wintersturmhaube - ging die Tour Richtung Heimat. Auf der Karte wurde ein gelber Weg angezeigt, der mir bei der Planung verheißungsvoll erschien. Keine langweilige Bundesstraße, sondern schön durch die Dörfer - so dachte ich mir.

Kaum das wir einige Kilometer gefahren waren, warteten Schlaglöcher, brüchiger Asphalt und wieder einmal äusserst östliche Buckelpisten auf uns.
Gleich im ersten Dorf hatte ich die Nase voll und wollte umkehren. Dann fuhr ich widerwillig weiter - aufgeben ist auch keine Lösung. Einige andere Motorradfahrer überholten uns und wir folgten ihnen - einheimische Kennzeichen! Sie zeigten uns einen anderen Weg (Durchfahrt für PKW und Motorräder verboten, nur Anlieger - naja, wir hatten ja ein Anliegen). Kurze Zeit war mein Rücken wieder erfreut ...




So ging es dann weiter und weiter - kein Dorf ohne Huckel oder schräg nach außen abfallendes Kopfsteinpflaster. Diese Abkürzung war eine echte Strafe und kostete Energie.

Kurz bevor wir die 71 kreuzten, mußte ich wieder eine Pause haben. Meine Kraft war aufgebraucht, die Erkältung zwang mich in die Knie.





Hier mal nettes Buckelpflaster ... mit einer Enduro sicherlich kein Problem - Ellie's Federung war leider nicht so rückenfreundlich


Weiter ging es dann über Apenburg und Beetzendorf, die Strecke, die wir auch tags zuvor als Anfahrt genutzt hatten. Und dann weiter auf der B248. In Brome (Rastort auf dem Hinweg) gab es wieder eine Pause. Es war nur noch eine Stunde mit Tageslicht zu rechnen, und so entschloß ich mich, zurück auf der A39 zu fahren. Mein Rücken wurde ja "freigeblockt" - ein gutes Gefühl!

Von Weyhausen bis zur Abfahrt Cremlingen hielt ich durch. Immerhin 30 Kilometer auf einer Autobahn, mit durchschnittlich 110/115 km/h.

Kurz vor dem Dunkelwerden kamen wir dann zuhause vor der Garage zum Stehen, Ellie's Tank war fast leer.

Mein Tourblocker halt mir noch, die Maschine in's Trockene zu schieben, meine Kraft war aufgeraucht.
An meiner Wohnungstür hing eine Tasche - mein Bruder hatte mit seinem neuen Cabrio eine Ausfahrt gemacht, und meine Schwägerin hatte mir zwei selbstgebackene Brote überlassen. Das war eine herrliche Überraschung, denn ich hatte ziemlichen Hunger. Das Frühstück war lange her gewesen, und der Blaubeerkuchen auch schon lange durch.

Ich verabschiedete und bedankte mich bei meinem Tourpartner, und dann genoß ich ein heißes Vollbad - so herrlich entspannend, dass ich fast im heißen Wasser einschlief. Mir tat jeder Knochen weh, und der Nacken war besonders verspannt. Das Erkältungsbad verhalf mir zu freien Nebenhöhlen, nachdem ich wegen der ätherischen Öle mindestens 20 Mal hintereinander geniest hatte.
Jui, das hallt so schön im Badezimmer ...


Fazit:
Ich hatte gut durchgehalten, allen Krankheitssymthomen zum Trotz. Ich habe zum Ende der Tour sogar noch ein Stück Autobahn drangehängt, etwas, was ich mir letztes Jahr nicht zugetraut hätte.
Eine so lange Tour hatte ich noch nicht gemacht, aber sie hat mir sehr viel gegeben.

Und nach der Tour ist vor der Tour: ich plane, im April ein Stück weit die gleiche Route zu fahren, ebenfalls mit einer Übernachtung - wieder in diesem kuscheligen Landgasthof. Dieses Mal geht es am nächsten Tag (wieder Fähre Schnackenburg) dann allerdings in Brandenburg links die Karte hoch bis Amt Neuhaus, Neu Darchau, und da wieder mit einer Fähre übergesetzt über Hitzacker nach Dannenberg. Die Kilometer der Wendland-Tour und die der neuen Tour muß ich noch einmal nachrechnen.

Die Wendland-Tour hatte ungefähr 350 Kilometer alles zusammengerechnet. Da ich nur mit halber Leistung gefahren bin (krankheitsbedingt), bin ich stolz, überhaupt soweit gefahren zu sein!
Meine kleine Hausrunde kommt mir jetzt im Vergleich dazu irgendwie babyeierig vor ... trotzdem werde ich sie bald mal fahren, weil ich Ellies Verhalten unter mehr Gepäck (mit Gepäckrolle nämlich) testen will.
Ich habe ja schließlich nicht jedes Mal einen Blocker mit dabei, der mein überflüssiges Zeug in seinen Gepäckkoffern aufnimmt. Ich kann jedem/jeder Fahrer/in so eine Konstellation empfehlen - es tut gut, einen (im günstigsten Fall) erfahrenen Fahrer hinter sich zu wissen, der auch mal die Tourführung übernimmt und einem Kurvenlinien vormacht.
Außerdem ist es nett, mit jemandem die Erlebnisse austauschen zu können, oder sich Tipps zu holen. Oder Motivation (Stichwort Kopfsteinpflaster-Buckelstraßen).

Aber eigene kleine Abenteuer werde ich mir weiterhin gönnen - zum Beispiel mit der Tour im April (wenn alles klappt).

Tourstrecken Rückfahrt:
Arendsee - Winterfeld (Huppelpistenstrecke - zählt doppelt!) 28,2 km
Winterfeld - Brome - A39 - Heimat  88,5 km

Rückfahrt somit 189,2 km laut Google (plus Huppelpistendoppel: 28,2 obendrauf - also 217,4 km ;-)

Hintour 153 km

Summa sumarum also 342,2 km insgesamt - wenn man jetzt noch einige Rumfahrrouten dazu nimmt, kommt es auf ungefähr 350 km insgesamt.
Mir wäre es lieber gewesen, die Kilometeranzahl umgekehrt zu haben. Also die weitere Strecke am Anfahrttag. Am zweiten Tag bin ich meist etwas schlaffer. Auch ohne Erkältung in den Gliedern.
Besser wäre es, wenn sich die Strecken ungefähr die Waage halten. Am Anfahrtag guckt man mehr, ist man aufmerksamer - so scheint es mir zumindest!