Ellie und ich

Ellie und ich

Dienstag, 19. Mai 2015

Himmelfahrt - Teil Eins: der Auftakt, zwei Pläne, Nachtfrost im Mai und ganz viel Happyness

14.5.2015 Auftakt: morgens 8 Uhr.

Ich hatte einen Plan: ich wollte um halb elf am Outdoor-GoDi meiner Gemeinde teilnehmen. Danach dann sollte es nach Wasserleben gehen. Eine Motorradfreunde-Gemeinschaft lud zur fünfundzwanzigsten Party vom 14.-17.5.2015, und ich wollte mir das Ziel ganz in der Nähe einmal begucken. Auf dem Einladungsflyer, den der liebe Jesko mir geschickt hatte, stand, dass sie die Feier bewußt familiär halten.
Und genau das hatte mir sehr gut gefallen, als ich das gelesen hatte. Trotzdem waren insgesamt über die Tage an die einhundert Leute oder mehr dabei gewesen (ich habe sie nicht nachgezählt und im Schätzen lag ich schon immer schwer daneben) ... und jede Menge Nachwuchs ebenfalls. Teilweise sogar "frisch geschlüpft" und total niedlich in weiße Plüschoveralls gekleidet.

Kurz vor zehn Uhr fuhr ich warm eingepackt los. Weiteres Zeug wartete in den neuen Satteltaschen auf seinen Einsatz.
Das Outdoor-Event war ziemlich anspruchsvoll vom Durchhalten her. Ich war nämlich die Einzige, die nicht gefroren hatte. Ein Hoch auf die Funktionskleidung.
Ich hatte mich aber auch darauf eingestellt, dass Outdoor Outdoor ist. Also nicht im Warmen stattfindet, zumindest nicht, wenn man vorher den Wetterbericht befragt.

Der heiße Kaffee anschließend war recht schnell ausgetrunken. Die Anwesenden waren alle etwas angefressen wegen der Mai-Kälte.
Gegen Mittag schwang ich mich wieder auf Ellie, und fuhr in den Vorharz. Das Gelände war allerbestens ausgeschildert. Hier war ich neulich erst vorbei getuckert - und nun fahre ich nicht mehr vorbei, sondern genau hinein. So kann es gehen ... Ich war aufgeregt wie immer, wenn ich wo fremd bin. Das gibt sich dann aber recht schnell, wenn das erste Fremdeln abgehakt ist!

Ich fuhr mit Ellie genau vor das Vereinsheim, zäumte ab, stellte mich bei den Clubmitgliedern höflich vor, und wanderte dann herum. Lecker Essen, jede Menge Bekannte getroffen, jede Menge "in Familie" anwesend, ein absolut geniales Zeltgelände und insgesamt ein wunderbarer Nachmittag mit fröhlichen Leuten und zehn Sterne Gastgebern.
Mein nächster Plan stand fest - ich werde morgen wieder hinfahren, dann aber mit dem neuen Zelt, und eine Nacht dort bleiben. Auf dem Nachhauseweg schrieb ich in Gedanken schon eine Liste, was ich alles benötigen würde. Die Hälfte davon ließ ich dann später doch zurück. Unnötig - und immer an Svenja denkend: was zuviel mit ist, muß ständig gesucht oder weggeräumt werden.


15.5.2015
Ich schaute morgens aufgeregt aus dem Fenster. Ja gibt's das denn? Das Auto war befroren! Verjuxt noch eins - und bei dem Wetter will ich zelten? Ich muß einen Schaden haben! 

Gestern abend hatte ich Ellie schon beladen. Ein Hoch auf das neue Gepäcksystem. Die Spanngummis sind überall super anzubringen, nichts wackelt oder ruckelt und dank der Satteltaschen ist ausreichend Stauraum für Kleinigkeiten.

Nachdem meine Freundin mir ihre Urlaubs-Gästeschweinchen gebracht hatte, aß ich noch in aller Ruhe etwas und hoffte auf die wärmende Kraft der Sonne. Gegen 14 Uhr ging es dann los.



Das sieht jetzt gewaltiger aus, als es war. Wegen der nächtlichen Kälte hatte ich zwei zusätzliche Fleece-Verhüterlis für Verbesserung des Komfort im Schlafsack mitgenommen.  In der Nacht fror ich endlich einmal nicht ... aber dazu später. Und außerdem kam mein kleiner Kocher und der neue, winzige Teekessel dazu. Ich hasse es, mir morgens mit kaltem Wasser meine ramponierte Knabberleiste putzen zu müssen ...


Der Aufdruck -10° ist ein Marketing-Gag des Herstellers - bei -10° wäre ich in dem Funktionsgewebe jämmerlich verreckt vor Kälte ...


Es war windig, und ich merkte ein anderes Fahrverhalten durch die vollen Satteltaschen. Ellie schwankte anders. Stellenweise verkrampfte ich mich ziemlich, was sich aber auf der Rücktour gab. Übung ist alles ...

Auf dem Weg traf ich einige andere Motorradfahrer - ich war die Einzige mit Gepäck. Die wollten wohl alle in den Harz zum Kurven haschen.

Gemütlich reiste ich erneut zum Partygelände, fuhr den Schotterweg hoch, ohne mir Gedanken über Wegrutschen zu machen, grüßte am Vereinsheim kurz und tuckerte gleich auf die Wiese. Ich hatte mir gestern schon einen Platz ausgeguckt und zum Glück war der heute noch frei.

Es war warm in der Sonne! Und ich hatte ein T-Shirt vergessen. Nicht direkt vergessen - ich hatte es wieder ausgepackt, weil ich nicht mit solchen Temperaturen gerechnet hatte. Später bekam ich eines ausgeliehen von einer der Damen vom Club. Die Farbe gefiel mir auch. Hach, Luxusproblemkind, ich ...


Zelt steht - das Regenschirm-System ist prima - nur einmal die Finger geklemmt, steht es innerhalb weniger Minuten und ist groß genug für eine Person, ein Schlafschwein und das Gepäck


Klein, fein, mein ...
Mein Zelt, mein Stuhl, mein Motorrad!




Während hinter mir auf dem Wirtschaftsweg die jungen Rockers mit den Simsons herumfetzten - rauf und runter, denn auf die Straße durften sie aus Altersgründen noch nicht - beguckte ich mir das Zeltgelände, genoß die Ruhe dort, und war sehr zufrieden mit meinem Plan, dort zu zelten.




Freunde von meinem Stammtisch wollten auf der Rücktour aus dem Weserbergland vorbeischauen, und als ich gerade mal austreten war, klopfte mein Smartfone mit der Meldung "Wir sind da. Wo bist du?"
Jetzt nur keine hektischen Bewegungen - wenn das Smartfone im Dixiklo landet, werde ich da nicht reinlangen und es rausholen ...

Alles gut gegangen, jetzt noch kurz Hände waschen an der Waschstation und nach vorne hüpfen und die Tourer begrüßen.







Hurra hurra - endlich einmal stärkere Präsenz als "nur ich". Viel zu schnell waren die Stunden verflogen, und beide mußten wieder Richtung Braunschweig. Schön, das ihr da wart, das hat mich riesig gefreut!

Hinterher grinsen mit geliehenem T-Shirt


Später am Abend: meinereiner mit Britta von den Rats Hannover, und Peter, einem sehr lieben Freebiker aus Magdeburg




Ein besonderer Gag, der sich morgen noch stark erweitert wiederholen sollte!


Der Abend wurde richtig lustig. Ich lernte viele neue Leute kennen, wurde am Bierwagen bestens versorgt, wir sabbelten allesamt jede Menge Unsinn am Feuer und am Bierwagen, und jeder achtete auf den anderen, falls es zu Gleichgewichts-Schwankungen kam und das Feuer zu dicht war.

Irgendwann gegen zwei Uhr nachts ging ich leicht angeschiggert zu meinem Zelt, raffelte mich in die Decken ein und lauschte auf dem Rücken liegend noch ein wenig den Geräuschen der Unermüdlichen am Feuer. Als die Nachbarn rechts und links neben mir das Sägen anfingen, konnte ich auch endlich einschlafen.
Männer schnarchen ja nur deshalb, damit die wilden Tiere wissen, wer der Stärkere ist ...

Gefroren hatte ich in der Nacht nicht, nur die Nasenspitze war zeitweise eisekalt. Ich ratzte mit einigen Unterbrechungen bis 9 Uhr morgens. Strategisch günstig hatte ich das Zelt vor einem Baum aufgeschlagen, und der Schatten hielt die Sonne davon ab, den Innenraum auf das Unerträgliche aufzuheizen!
Ha, ich hatte meine Svenja gut verstoffwechselt!


Leider mußte ich am Samstag wieder heimfahren und konnte den Höhepunkt der Party, die Ausfahrt und die Band, nicht mitnehmen. Zuhause wartete Besuch. Was aber auch schön war. Und unvermutet machte ich das Rotkäppchen. Dazu später dann mehr! In Teil Zwei.


Montag, 18. Mai 2015

13.5.2015 - Unerwartet Grenzfahrer und Grenzgänger sein, und eine alte Wassermühle finden


Ich hatte mir einige Zeit Ruhe gegönnt und für die Himmelfahrtswoche stückweise Urlaub genommen.
Das Wetter sollte gut sein, allerdings drohten die Eisheiligen. Und kühl war die Luft, das stimmte!

Nun denn, trotz neuer Schraube im Kiefer (mein Zahnarzt hat die lockere, die da ständig herumkollert, jetzt festgetackert ... autsch) war ich guter Laune. Einige Tage frei haben und fahren können - mein Plan für einen guten Kurzurlaub.

Ich fuhr ein wenig ziellos in der Gegend herum ...

Inspiriert von der lieben Funny kam in Bühne das folgende Foto zustande, wobei die Dorfbevölkerung sehr verwundert zuschaute.
Anfahren, hinrangieren, über die Straße tippeln, den richtigen Blickwinkel finden und die vorbeifahrenden Feierabendautos abwarten ...


Fotopause auf der Hausrunde - dank lieben Bloggerkolleginnen sehe ich manche Dinge auf meiner Hausrunde durch ihre Blogs neu!


Die Kirche sieht in natura noch schöner aus, das Schieferdach glänzt richtig in der Sonne ... hier fahre ich sehr oft durch den Ort auf der Hausrunde, und die kleine Dorfkirche sieht jedes mal anders aus, je nach Tageszeit und Lichtverhältnis. Sie liegt genau in einer S-Kurve im kleinen Dorf Bühne.

Weiter ging die Runde. Etwas angeschlagen wegen der Zahn-OP vom Montag pustete ich mir nur den Wind um die Nase, auf Strecke-machen hatte ich heute keine Meinung.


Kurz vor der Autobahnauffahrt Vienenburg ... eine Seitenstraße und kleine Augenidylle, die Ecker


Lustige Art, auf ein Restaurant aufmerksam zu machen
Drei große Rundballen Stroh/Heu und etwas Deko


 Weiter ging die kleine Tour zur Eisecke Vienenburg.


Lecker Getreidekäffchen und eine Kugel Joghurt-Holunder mit frischem Obst - wat lecker!


Ich genoss es, dort im Halbschatten zu sitzen, der Wind rauschte in den großen Tannen hinter mir, vorne auf der Straße war noch nicht soviel los wie am Wochenende und fünf schöne Tage Urlaub lagen vor mir. Allmählich fiel der Büroärger und diverse andere nervende Ereignisse von meiner Seele ab.
Entspannt ging es dann weiter. Diesmal fuhr ich nicht wie üblich zurück, sondern machte über Lochtum einen kleinen Schlenker und fuhr westlich von Abbenrode in den kleinen Ort. 

Und entdeckte ein Zeit-Denkmal ...


Minya - ich hab das jetzt mal mit dem motoplaner gemacht ;-)
 










Genau da, wo Ellie parkte - am Grenzpfahl - war vor 25 Jahren noch die deutsch-deutsche Teilung gewesen und die Westler guckten in den Ulbricht-Zoo ... wenn ich heutzutage zerschnittenen Grenzzaun sehe, der Gärten einfasst oder Weiden begrenzt, Komposthaufen in Form hält oder als Sieb dient, dann fällt es zunehmend schwerer, die alte Teilung als ehemalige Realität zu erinnern.
Insofern sind solche Zeit-Dokumente wie dieser ehemalige Grenzübergang wichtig. Gegen das Vergessen. Damit das nicht noch einmal geschieht.
Frommer Wunsch ... es gibt genug andere Länder auf der Erde, wo Teilung heute realer als gewünscht ist ...





Ellie und ich, Grenzfahrer ...


Ein Stück weiter war eine Brücke. Der Gehsteig war ziemlich schmal, aber Blogger kennen ja nix, wenn es um DAS Foto geht ...






Da Ellie sich nach links neigt - auf den Seitenständer - und das Geländer sehr dicht war, der Gehsteig sehr schmal, war dieses Foto ein akrobatischer Akt: ich mußte nämlich nach rechts absteigen.
Wer das mitangesehen hätte, würde sich wohl heute noch den Bauch vor Lachen halten. Aber ich habe mein Foto für den Blog, und nur das zählt ;-)

Trotz Maiwetter und Urlaubslaune fuhr ich ziemlich nachdenklich weiter. Und folgte einem kleinen Holzschild, weiter in das Dorf Abbenrode hinein. An einer alten roten Telefonzelle fand ich den Hinweis auf das Heimatmuseum und die alte Wassermühle.












Die Mühle war geschlossen, aber zum Mühlentag am Pfingstmontag kann ich hier ja noch einmal rumgucken.









Der Nachmittag war weit fortgeschritten und ich hatte auf der üblichen Hausrunde völlig neue Dinge "nebenbei" entdecken können. Da sag noch einmal jemand, das die vertrauten Wege langweilig sind ...


Zum Abschluß noch ein Landschaftsbild, kurz vor Zuhause ...




Fazit:

Die Hausrunde hat trotz allem immer mal wieder kleine Besonderheiten für mich in petto. Dieser ehemaligen Grenzübergang bei Abbenrode war mir bis heute unbekannt gewesen.

In Anbetracht meiner vielen Bekannten in Sachsen-Anhalt bin ich mehr als froh, heute nur noch als Blog-Tourist über die ehemals gruselige Grenze fahren zu können.
Viele Jugendliche von heute langweilt diese Zeit, und sie kennen sie nur aus den Geschichtsbüchern. Ich selber war damals mit der Schulklassse in Berlin gewesen, stieg auf einen Aussichtsturm und guckte befremdet über die Stacheldrahtanlagen nach Ost-Berlin herüber. Das ist aber alles so lange her, das ich das selber kaum noch weiß. Damals langweilte mich dieser Geschichtsausflug - was hatte ich damit zu tun, was alte Männer da veranstaltet hatten ...

Erst bei solchen Ausflügen erinnere ich mich wieder daran, das mich das auch etwas angeht.
 

Montag, 11. Mai 2015

10.5.2015 - Wir reisen an die Elbe, entdecken die Saale, fahren Fähre und unglaubliche Straßen und reißen 323 Kilometer ab

Also laut Tageskilometerzähler waren es nur 304 Kilometer, laut Google Maps 323 - also wird es irgendwas bei 320 gewesen sein...  
Liebe Erzählerin, ich habe es mit motoplaner versucht, aber ich hatte die Geduld einfach nicht aufbringen können...
Ich bleibe dabei - das alte Google Maps war für Routendarstellungen einfach das beste. Die Produkte, die ich euch hier zeige, sind ein Konglomerat aus Dutzenden von Flüchen, dem Bildbearbeitungsprogramm Paint und Gimp.
GMaps macht fette Punkte, wo ich keine will - oder schmeißt Routen um, die ich so auch nicht wollte - und eine Gesamtdarstellung war auch nicht möglich, weil Maps nicht soviele Weg-Punkte akzeptierte ...
Perfektionistin, die ich bin, bin ich mit dem Ganzen mehr als unzufrieden. Für die Blogdarstellung muß es erstmal reichen, ich hoffe, ihr könnt damit etwas anfangen ...


Hintour: 145 km


Rücktour: 178 km
Gesamt: 323 km laut Routenplaner


Heute habe ich die Route als Erstes gezeigt. Mal was anderes ausprobieren ;-). 

Ach so, in der 'Stadt Frankfurt' waren wir auch:

Foto vom Ortsschild folgt noch :-)

Am Sonntag Morgen sah es nicht gut aus, wettermäßig. Warm zwar, aber viele Wolken. Ich wartete noch ab. Gegen 13 Uhr aber ging es los!
Ich wollte eigentlich ins Bike-Inn nach Cracau (uriger Biker-Treff in einer alten Montagehalle). In Hötensleben machte ich die erste Pause, checkte meine Whats-App Nachrichten. Alle beschäftigt, also mußte ich auch nicht unbedingt nach Cracau. Planänderung: nach Barby an die Elbe, dort Kaffeepause machen. Genug Futter hatte ich im Gepäck, und mit Blick auf den Fluß essen - das ist mein Liebstes.

Die Straßen waren voll. Muttertag, und außerdem die unseelige Baustelle auf der A2 zwischen Königslutter und Helmstedt. Etliche Autobahnflüchtende spielten ihren Trieb auf der Bundesstraße nach. Ich bog ein Stück weit in kleine Dörfer ab - Ausleben ist wirklich niedlich, und auch Hornhausen (kurz vor Oschersleben) zeigte sich verschlafen und geruhsam. Einmal rannte eine Fasanenhenne über die Straße - ich konnte sie rechtzeitig erkennen und fuhr langsamer, das Auto hinter mir zum Glück auch. Wo eine Henne ist, könnten auch Küken hinterher eilen. Aber da war nix.


In Oschersleben brummte der Verkehr. Die Straßencafés waren voll mit älteren Muddies und ihren Angehörigen. Klar, einmal im Jahr werden sie mal ausgeführt. Meine hat es da besser gemacht - sie ist mal wieder in den Norden abgedüst und entzieht sich dem Trubel. Schlaue Mama ...


Oschersleben ist gut ausgeschildert, und so verfuhr ich mich endlich einmal nicht. Weiter ging es nach Wanzleben. Die B246 zwischen Oschersleben nach Wanzleben hat ein Stück schnurgerade Strecke. Hier heißt es für die Getunten: Feuer frei ... ätzende Strecke, das mache ich nächstes Mal anders. Der Wind war außerdem ziemlich heftig an dem Tag, und hier fegte er, das ich mich stellenweise schräg legte, obwohl keine Kurve da war.

Ich fuhr die Nebenstrecke Richtung Schönebeck. Auch hier: endlich kein Verfahrer. Cool! Die Tour gefiel mir bis dahin nicht richtig gut. Zuviel Verkehr. Viel zu hektische Leute. Es war Sonntag und die verhielten sich teilweise wie an einem Freitag nachmittag. Meine Hausrunde ist da deutlich ruhiger (aber mittlerweile auch deutlich langweiliger). So hing ich da auf dem Motorrad, fuhr schneller als gemocht, und riß einfach die Kilometer runter. 

Bei Gnadau, kurz vor Schönebeck, verließ ich die Bundesstraße, und fuhr über Dorfstraßen zu einem Gehöft ...

Open from Dust Till Dawn ...  

Ich wußte vorher, dass keiner da war, aber ich wollte zumindest einmal dort mit Ellie vorbei schauen. Zur Sommerparty kann ich leider nicht dabei sein - da ist Jahrestreffen ... Dann ging es weiter, und als ich durch den kleinen niedlichen Ort Barby getuckert war, kam ich endlich ans ersehnte Ziel. Elbe!



Sonnenbrillen-Wetterchen


Wilder Schnittlauch im Bildvordergrund


Ich hockte mich da auf ein Brett, genoß die Aussicht auf die emsige Fähre, futterte mein Essen, hatte sogar frischen Schnittlauch, der da wild wuchs, für mein mitgenommenes Schinken-Rührei ... was für ein schöner Platz zum Essen und Chillen


Als ich mich gestärkt hatte, unternahm ich einen kleinen Spaziergang.


Elbe rechts vom Fähranleger






Und die andere, linke Seite vom Fähranleger ...







Was für eine Idylle, nicht wahr?




 Ein Plätzchen dicht am Wasser ...


 


Das andere Ufer ... mit Zoom herangeholt
Seht ihr das Storchennest mit Storch? Klickt auf das Foto für eine größere Ansicht! 






Und dann wurde es noch richtig kitschig ... auf die Bühne vor meine Kamera traten ... ein Gänsehirt und seine Herde:







Na sagt selbst - ist das nicht niedlich? So etwas vermutete ich nur in Polen, aber nicht hier, in Barby ... (wieder eine Reise gespart ... nä - nicht wirklich ;-) ...

Ich genoß noch einige Zeit die schöne Stimmung da am Wasser. Es war herrlich angenehm mit der Sonne, da vorne direkt am Wasser pustete der Wind aber ganz ordentlich.
Die Zeit war vorangeschritten, es ging auf 16.30 Uhr zu. Ich mußte an den Rückweg denken.

Auf der Bank vor dem Fähranleger hatte sich eine einheimische Rentnergang versammelt, und schwätzte in den Nachmittag. Einer guckte kurz, als ich da vorbei stapfte, und ich grüßte freundlich. Ein knapper Gruß kam zurück - Touristen hatten sie hier wohl zur Genüge.

Dicht neben Ellie parkte ein Familienauto. Der ganze Platz war frei, aber nein - wir parken das Motorrad zu. Nun, mittlerweile schreckt mich die Fahrt über eine Rasenfläche nicht, und gekonnt tuckerte ich zwischen zwei Begrenzungsheuhaufen hindurch zurück auf den Schotterweg.

In Barby verpaßte ich die Einfahrt, drehte, und fuhr eine holperige Seitenstraße zurück auf den Hauptweg. Jetzt wußte ich auch, warum diese Seitenstraße nicht beidseitig ausgeschildert war ...

Am Ortsausgang war eine Tankstelle, und Ellie bekam frisches Benzin. Ein Chopperfahrer stand an der Säule vor mir, und grüßte freudig zu uns herüber. Weiter ging meine Fahrt, und ich bog in Tornitz ab. Das Schild "Fähranleger" irrigierte mich etwas. Auf einer mäßig angenehmen Straße ging es nach Tornitz hinein, vorbei an Kiesteichen und utopisch aussehenden Schöpfgeräten, und sehr mäßig ging es dann weiter!

Kopfsteinpflaster ab Ortsausgang Tornitz ...




Hier nutzte ich innerhalb kürzester Zeit die Radfahr-Spur, neben dem Kopfsteinpflaster. Ich hatte absolut keine Meinung, mich weiter durchschütteln zu lassen. Es kam kein Rad entgegen, nur einmal schauten sich zwei Fußgänger erstaunt um. Ich bog kurzzeitig ab, auf die Holperpiste, und als sie vorbei waren, ging es zurück auf den schmalen Streifen. Dort war ein deutlich besseres Fahren ...

Ohne Ortskenntnisse zu haben, tuckerte ich durch ein Wäldchen und landete dann irgendwann hier:






Auf meiner Motorradkarte kaum zu erkennen: der Fährübergang nach Groß Rosenburg

Oh fein - Fähre fahren! Schnell überprüfte ich meinen Klimpergeld-Barbestand. Hinter mir wartete noch ein PKW. Aus Stade. Die wummernden Bässe nervten in die Stille. Ein Blick in den Rückspiegel zeigte mir, dass der Typ es nicht wert war, dass ich ihn verhaue. Ich ertrug die akustische Umweltverschmutzung, und wartete gespannt auf die Fährfahrt.

Die Gierseil-Fährte schwamm geruhsam an den Anleger, der von oben ziemlich steil abfallend aussah. Ich bekam das Zeichen und fuhr langsam auf die Metallrampe. Alles bestens gelungen. Hurra, Fähre fahren!
2,- Euro kostete eine Fahrt, die kaum mehr als eine Minute dauerte. Ich konnte gerade noch zwei Fotos machen ...




Viel zu schnell war die Fahrt vorbei!


Ich ließ den BMW Fahrer vorbei und beguckte mir auf der anderen Seite den Weg. Das gleiche: Kopfsteinpflaster, und links daneben ein netter Radweg.
Wie vorher nutzte ich den Radweg, und kam dann nach einigen Metern endlich auf einen normalen Asphalt.
"Groß" Rosenburg ist echt übertrieben. Niedliches Örtchen, ab und an Bauruinen bzw. verfallene Gebäude, ein schickes Feuerwehrgebäude, eine Bank, einen Gasthof und natürlich ein Auto Service Center (bei den Straßenbelegen sind neue Stoßdämpfer sicherlich DER Renner da) ... that's it.

Es ging über Patzetz Richtung Calbe. Das Schild "Achtung Straßenschäden" nahm ich schon gar nicht mehr wahr. Ich wunderte mich dafür später, als ich es NICHT sah.
Asphalt auf ehemalige Kopfsteinpflasterstraßen geklatscht, dadurch holperiges Vorankommen - in der Gegend scheint das normal zu sein.
Ellie ächzte und klapperte, die Bodenwellen machten nicht nur mir zu schaffen. Ich war froh über mein Airhawk Kissen.



In Calbe fuhr ich über eine Brücke, die die Saale überquerte. Es ging in Richtung Nienburg/Saale. Ein niedliches Städtchen mit einer Burg, die ich aber nur aus den Augenwinkeln wahrnahm: die Straße forderte volle Aufmerksamkeit ...

Über Orte mit Namen Neugattersleben und Hohenerxleben fuhr ich nach Staßfurt. Meine Karte war nicht eindeutig, und so fragte ich zwei Passanten um Rat. Über eine holperige Nebenstraße (...) tuckerte ich durch den Ort, nahm zwei schicke neue Kreisel mit - Kreisel können sie da - und fuhr nach Neundorf, in Richtung B6n. An einer Tankstelle standen zwei Motorradfahrer, und der eine winkte geradezu begeistert zu uns rüber. Bislang waren mir auf der Strecke recht wenig Zweirad-Touristen begegnet, insofern freute ich mich über diesen netten Gruß und winkte zurück.

Endlich war ich auf der B6n, genoß den Flüsterasphalt und riß meine Kilometer ab. Ohne Pause fuhr ich bis Abbenrode durch, verließ dort die Autobahn und machte an meinem üblichen Parkplatz noch eine Rast. Ich brauchte etwas zu futtern. Ein Blick auf die Uhr ließ mich erschrecken: es war bald 19 Uhr. Kein Wunder, dass ich müde war. 78 Kilometer Autobahn, vorher auch ziemlich durchgeschüttelt ... Der Fahrtwind auf der Autobahn hatte mich ziemlich zugedröhnt, ich hatte leichte Kopfschmerzen, und etwas Hunger. Die letzte kleinere Mahlzeit war an der Elbe gewesen, und die Energiezufuhr schon aufgebraucht.

Ich aß den Energieriegel, genoß noch einige Minuten die Kraft der Sonne und schwang mich dann wieder auf Ellie. Um die Uhrzeit hörte sich das an, als würde es auf den Helm regnen - tat es ja auch: Unmengen von Insekten waren in der Luft, klatschen an den Helm und an Ellie. Das würde noch viel Putzarbeit geben ... aber nicht mehr heute.

Gegen 20 Uhr kam ich zuhause vor der Garage an, schloß das Tor auf und fuhr hinein. Ich schnappte mir nur kurz meine Sachen, streichelte Juni und ging nach oben in die Wohnung. Während im Backofen die Pommes und die Fischstäbchen ihrer Reife entgegen brutzelten, versank ich im heißen Schaumbad und entspannte meine Muskeln.
Was für ein Tripp.

Fazit:
Später sagte mir Google ja, ich wäre 323 Kilometer gefahren. Nun, die Kopfsteinpflasterstraßen und die Autobahnfahrt zählen irgendwie mehr, was die Kräfteverluste angeht ...

Zur Elbe fahre ich sicherlich bald einmal wieder. Allerdings werde ich dann nicht mehr die kleinen grauen Wege benutzen, sondern lieber die Straßen mit "L ..."-Kennzeichnung wählen.
Frag ich mich doch, was mit meinem Soli passiert ... wenn die Straßen da nach immerhin mehr als 25 Jahren Einheit IMMER noch so mies sind ... Autowerkstätten scheinen dort gut überleben zu können ... neue Stoßdämpfer einbauen dürfte dort das Häufigste sein!

323 Kilometer Tagestour kann man machen - muß man aber nicht. Mein Favorit sind Touren bis 200 Kilometer. Da habe ich genug Muße, mit den Augen und der Seele zu reisen. Dieses Kilometer-Abreißen ist nicht meins! Mal ist das okay, wenn man irgendwo hin möchte - und mein näheres Umfeld ist ja nun wirklich ziemlich abgegrast, was Ziele angeht.
Aber gerne mögen tue ich dieses lange Anfahren nicht, zumal der Rückweg meist doch etwas öde wirkt.
 

Elbe und Fähre und Ellie und gutes Wetter ... soviele "Und" ... einfach ein herrlicher Mai-Tag, dieser Muttertag!


Elbe, schönes Wetter, Mopped fahren ... grinsekeksglückliches Ich

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