Ellie und ich

Ellie und ich

Freitag, 8. Mai 2015

3.5.2015 - Wir besuchen Steine des Teufels, genießen die Landschaft und gucken uns die Vergangenheit im Museum an

Am Nachmittag waren schwere Gewitter angesagt. Dementsprechend früh war ich auf den Beinen. Die Erkältung machte sich bereits bemerkbar, aber ich hatte da was von Ratiopharm ...

Normalerweise frühstücke ich nicht, aber mit leerem Magen loszufahren ist laut eines Fachberichtes in einer Rennzeitschrift nicht besonders klug. Ich zwang mir also ein Rührei nebst Vollkornbrötchen rein, und als Vesper-Schmankerl kam ein geschälter Apfel nebst Nüssen in die Brotdose.
Beim Runterbeugen und Schuhe anziehen merkte ich, warum ich meist ohne Frühstück losfahre ... Mit Anstrengung überzeugte ich das Essen, unten zu bleiben - da, wo es hingehört. Los, geh in den Verdauungsprozeß, doofes Brötchen! Und nerv nicht rum! Der Nierengurt wurde etwas tiefer umgeklipst.
Vielleicht wäre eine Handvoll Traubenzucker doch klüger gewesen?

Gegen 10 Uhr war Ellie gesattelt, ich zuppelte mir die Sturmhaube zurecht und los ging es. Mein Ziel: noch einmal Thale. Ich wollte dieses Mal das DDR-Museum von INNEN begucken.

Das neue Google-Maps liefert leider blöde Ansichten - daher nehme ich mal ein älteres Foto zur Streckendarstellung:



Ich fuhr wie üblich über Land, und bei Stapelburg ging es auf die B6n, die so genannte Harzautobahn.
Ellie braucht seit der Entdrosslung mehr Sprit, wenn ich mehr Gas gebe - also auf der Autobahn fahre. Sie hat einen deutlich kräftigeren Anzug, und mehr Vibrationen ab 90 km/h. Bei 140 km/h vibrieren ihre Spiegel so doll, dass ich den rückwärtigen Verkehr nur erahnen kann. Nicht schön bei Überholvorgängen, aber da ich ja nicht auf der Flucht war, nutzte ich eine Lücke, die für 20 LKW gereicht hätten ...

Ein kurzer Halt vor dem Ziel ... und gleich etwas zum Lernen ...



Nicht nur ein lustiger Erdhügel ...


... sondern ein Bestattungsplatz; 
So etwas erwartet man nicht auf einem schnöden Rastplatz, auch wenn er "Regenstein-Festungsblick" hat


Und noch etwas nettes für's Auge ...


Weiter ging die gemütliche Fahrt, bis ich hinter Blankenburg von der B6n abfuhr.

Ich ignorierte die angebotene Umleitungs-Empfehlung, die hartnäckig gelb leuchtend unter den Abfahrtschildern zu erkennen war (Baustelle bei Thale, Westerhausen nach Warnstedt), sondern fuhr eine Ausfahrt weiter. Also genau dahin, wo keine Durchfahrt war. Das störte mich aber nicht, da ich ortskundig war und wußte, wo ich hinwollte. Der vor mir fahrende holländische Tourist wußte das nicht, und umrundete den Kreisel hilflos 3x, bevor er dann wieder zurück zur Autobahn fuhr.

Ellie war ziemlich leergefahren, und so bog ich in den Ort Westerhausen ab, auf der Suche nach einer Tankstelle. Mit Handschuhen ist das Smartphone nicht zu bedienen, und bis ich die ausgezogen hatte, kam schon ein junger Familienmann anspaziert. Sein krähender Nachwuchs zappelte in der quietschrosa Buggy-Karre und mit großen Augen zeigte Sprössling auf das Motorrad: "Da .. DADAAAA KrblKreischLachPups" ...
Mit dem Vater war eine knappe Unterhaltung möglich. Zur Tankstelle? Ortsausgang, dann rechts - eine HEM!

Danke, und tschüssi und los ging es wieder. Der Nachwuchs schaute mit rotem Gesicht hinter mir her, plärrte los und griff mit den Patschehändchen ins Leere.
Aha - ich habe einen Fan "angefixt". Aber vielleicht hatte das Mädelchen nur die Windeln voll ...

Grinsend fuhr ich bei der HEM auf den Platz. Ellie bekam ihr Elixier, und ich an der Kasse von der netten Maus dort ein Pflaster. Ich hatte mir gestern abend in den Finger geschnitten, und der blöde Schnitt blutete mir heute den Handschuh voll.
Bei der ärztlichen Versorgung lümmelten einige kahlrasierte und bleichgesichtige Jugendliche in der Café-Ecke herum, während draussen aus den offenen Autos die Rap-Musik dröhnte. Stört hier keinen, weil eben Ortsausgang.
Auf meine Nachfrage, ob es in Westerhausen auch eine Sparkasse mit Geldautomat gibt, bekam ich wiederum eine detaillierte und engagiert-höfliche Antwort. Genaue Ortsbeschreibung, "am NP Markt vorbei und dann links in einem Haus - Parkstreifen ist auch links".

Vor der Filliale, die aus einem Geldautomaten, einem Kontoauszugsdrucker und jede Menge miefiger Luft bestand, lümmelte ein Junge in seinem getunten Auto herum, vor dem Gesicht das allgegenwärtige Smartphone.
Ich zog mir etwas Westgeld aus dem Automaten, schwang mich wieder auf Ellie und fuhr in Richtung Thale weiter.

Wie auch am 1.5., bog ich in Richtung Timmenrode, auf einen kleinen und ziemlich hubbeligen Weg ab. Die Landschaft war wirklich herrlich, aber dieser Straßenbelag forderte die Aufmerksamkeit. Ich hielt für einen Fotostopp an.







Ausläufer der Teufelsmauer




Auf den Fotos kommt der Zauber nicht so gut durch. Aber die Landschaft drumrum war schon gewaltig! Eben noch im Flachland, geht es kurzerhand rauf in den Wald und an die Felsen. Leider nicht mit Ellie ...



Hier könnte man doch ... sind ja Fahrspuren da!


Neues Google ... sieht doof aus, bitte das Autohinweisschild ignorieren; ich habe bislang noch nicht herausgefunden, wie ich das wegklicken kann ...



Die Straße nach Timmenrode war sehr dicht befahren. Ich schlängelte mich am Hang entlang, wurde einmal per Schild aufgefordert, bei 30 km/h zu bleiben und hopste mit Ellie über Eisenbahnschienen und eine gewellte Straße hinweg.

Im Ort Timmenrode bog ich nach links ab, und reihte mich in den emsigen Verkehr, der sich aus Blankenburg nach Thale aufgemacht hatte. Sehr viel mehr Verkehr durch die Umleitung ...

Auch hier wieder: haufenweise Gebückte, denen es nicht schnell genug gehen konnte. Es ging durch eine Obstbaum-Plantage hindurch, mit unbefestigtem Randstreifen. In dichten Abständen jaulten die Terroristen an mir vorbei. 70 war erlaubt, ich fuhr schon 85, und von vorne kamen ständig PKW-Sonntagsreisende entgegen.

Ja, ich gebe es offen zu: ich mag diese Sonntags-Renntypen nicht. Sie gefährden sehr häufig sich und andere. Ein schicker enger und kotzbunter Lederdress macht das fehlende Hirn leider auch nicht wett. Und selbst die Sozia hintendrauf erhöht die Intelligenz nur mäßig durch ihre Anwesenheit. 

Gesund und nur leicht angenervt kam ich am Kreisel an, ignorierte die rotweiße Absperrung und fuhr mit Ellie ziemlich dicht an das DDR Museum heran.
Auch ich kann ein Revoluzzer sein ... so!


Das ist jetzt nicht der Eingang zum Museum, sondern der Eingangsbereich einer stillgelegte Firma ...


Hier war heute deutlich weniger Besucherandrang als am 1. Mai. Mich störte das absolut nicht. Der Mittelalter-Bäcker hatte leider kein Rosinenbrot mehr, also gab ich mich mit einer Pizzazunge zufrieden.
Was die alles so hatten, damals, da im Mittelalter ...

Heute ging es also IN das Museum.
Eigentlich ist es ein Möbel-Einrichtungshaus. Das Museum ist im 6. Stock des Hauses untergebracht.


Nippes - niedliche Monsterspardosen mit Monsterpreisen, nicht niedlich ...


6. Stock, obere Etage des Möbelhauses - jede Menge Erinnerungen ... 


Der Eintritt kostet 5,- Euro, mit der Eintrittskarte kaufte ich mich auch ein in den Lieferservice des Möbelhauses, "wir liefern bundesweit" ... okay, falls ich also einen neuen Einrichtungsgegenstand finde, den ich nicht mit Ellie wegschaffen kann, wende ich mich an euch, ihr Guten!


Unglaublich, aber wahr: hier ROCH es sogar nach Klassenzimmer ... gruselig, echt!





So ein Teil hatte mein Vater auch ... allerdings nicht lange - war dann doch etwas zu unfallträchtig - genau wie da oben auf der schwarz-weiß Zeichnung *kicher*


So fuhr man in Urlaub ... das war auch echter Sand, allerdings ohne Zigarettenkippen und Hundehinterlassenschaften, wie es heute oftmals der Fall ist, beim Urlaub an der See ...


Gleitschuhe hatte ich als Kind auch - ich habe die Dinger geliebt! Damals hatten wir im Norden allerdings immer nur sehr mäßigen Winter ...


Technik, die begeistert - das war nur ein Bruchteil dessen, was es dort an Exponaten gab - und alles durfte angefaßt und umgedreht werden!












Woll-Knüddel-Kissen, genau so eins haben meine Eltern auch ...


So ein Teil schlummert auch heute noch bei meinen Eltern in der Abstellkammer ... es funktioniert sogar noch!


Ich schlenderte da durch die einzelnen Themenräume, und entdeckte in jeder Ecke etwas Bekanntes und lange nicht mehr Gesehenes. Hier kann man wirklich eine lange Zeit verbringen, und wer dann Appetit bekommt, kann in der Kantina sogar noch "echtes Essen von damals" bestellen. Das habe ich aber nicht ausprobiert.

Der Himmel bezog sich, und ich mußte ja noch trocken nach Hause kommen. Ich werde auf jeden Fall noch einmal hierher fahren. Das lohnt sich.

Am Ausgang entdeckte ich dann noch etwas Niedliches, was mich immer schon begeisterte ...

 Links im Bild ... der kleine Mauli ... Held meiner Sendung-mit-der-Maus-Kindheit ... nun auch an Bord!


Zurück wählte ich einen abenteuerlichen Weg an der B6n entlang, kreuzte eine Harz-Kaserne der Sanitäter dort bei Blankenburg, hatte einen fantastischen Blick von unten auf die Burgruine Regenstein und freute mich, wieder einmal einen Weg gefunden zu haben, den es bei Google Maps nicht gibt!

Von wegen, die Straße endet ... die rote Linie zeigt: nein, die Straße geht weiter!
Regenstein-Blick ... die Wellenlinien sollen ausdrücken: aua aua Straßenbelag ...


Es ging dann bei Blankenburg auf die Autobahn.

In Stapelburg ging es von der Autobahn herunter, ich tuckerte über Abbenrode und die bekannten Dörfer Richtung Heimat.

Die Käfer machen momentan einen riesigen gelben Matsch auf dem Visier, auf Ellie und auf meiner Motorradjacke, wenn sie während der Fahrt dort aufprallen.


Fazit:
Wieder 250 Kilometer mehr auf der Uhr. Auch auf der Rücktour jede Menge blühende Kirschbaum-Alleen gefunden, die Farbenpracht und Blütenfülle des Frühlings genossen, Wege gefunden, die Google nicht angibt ... ein schöner Sonntag.
Und das Gewitter ging erst um 19 Uhr los. Da saß ich warm und gemütlich auf der Couch und freute mich.  

7 Kommentare:

  1. Wie für Deinen Schnuppen was von Ratio gibt, gibt's auch was bei Louis für wackelnde Spiegel. Spiegelvibrationsdämpfer für knapp 10 €. Ein Segen für Einzylinder und für offene Ellies...;-)

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  2. Ich mache meine Planungen mit motoplaner.de. Und mit dem Snipping Tool kann man super die Ausschnitte wählen. Vielleicht ist das ja eine Alternative für dich ;)

    Und jetzt les ich den Rest mal in Ruhe durch.

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    1. Ich habe es mit motoplaner versucht, aber dieses Programm macht mich wahnsinnig ...

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  3. Ah, genau, diese Roll- und Gleitschuhe hatte ich auch ... nebst dem Cassetten-Rondell :-)

    Die Küche finde ich ja mal richtig cool, so eine hätte ich gerne.

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  4. Hey Heike,
    ich erinnere mich, bei einem Sommerurlaub in Timmenrode haben wir an so einer Strasse im Hinterland mit vielen Kirschbäumen herrliche Kirschen gepflückt (damals war dort total wenig bzw. kein Verkehr - oder vielleicht hatten sie auch nur gebaut ? Muss 1981 oderso gewesen sein)
    Nachher war ich sehr stolz, weil ich einen ganzen Eimer Süsskirschen mit in den Kindergarten bringen konnte. (Kirschen für alle !)
    Deine email habe ich auch wiedergefunden. Leider hab ich dieses Jahr zum Männertag ;-) nicht frei.
    Aber irgendwann will ich wieder in den Harz.
    Liebe Grüsse, Michael

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  5. In einem DDR Museum war ich auch mal gewesen. Allerdings in Burg im Spreewald. Mir scheint das, in dem Du warst aber noch schöner zu sein. Egal, hochinteressant sind sie alle...
    Das war wieder ein Klasse Bericht von Dir!

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