Ellie und ich

Ellie und ich

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Einige Nachzügler

Bei der Durchsicht der Fotos und dem Nachlesen im Blog stellte ich fest: ich habe euch so einige kleinere Touren unterschlagen.

Zum einen die Mohnblumen Tour - eine kleinere Strecke von gesamt 100 Kilometern - im Juni. Eine erweiterte Hausrunde, mit kleinen High-Lights.







Und dann, schon fast am Ende der "normalen" Saison am 26. Oktober, eine Runde quer über den Harz zu einer Stippvisite bei den Kolbenfressern.


Die Fahrt über Bad Lauterberg nach Hattorf a.H., und weiter durch kleinere Dörfer südlich am Harzrand, war mehr oder weniger anstrengend für mich. Wir kamen erst gegen nachmittag am Festplatz an, und blieben auch nicht lange. Ich wollte vor dem Dunkelwerden zuhause sein.

Die Strecke war machbar für mein Knie. Die Gewöhnung an Ellie war also wieder da. Während ich die Kreidler für kleinere Runden nutze, ist Ellie das Fahrzeug für längere Strecken, bei denen auch mal Tempo angesagt ist.

Zum Fazit des Ausflugs sei gesagt, dass das nicht meine Art und Weise des Motorradfahrens ist: hinkacheln, Käffchen, und zurück. Ich bin ein Gänseblumenzähler. Dutzende Haltepausen, und sei es nur für kurz (um den Drängler hinter mir loszuwerden) verschönern meinen Fahreindruck. Ich kann auch mal "nur fahren". Wenn es nötig ist. Meine Wohlfühlzone ist aber anders.

Das Jahr ist fast rum - ich schreibe diesen Eintrag am 18. Dezember! Fahrkilometer hatte ich dieses Jahr nicht viele. Zusammen mit der Kreidler komme ich auf ungefähr 6000 Kilometer. Wehwehchen pflasterten die Monate, und verhinderten Hausrunden. So war das dieses Jahr. Ich bin gespannt, wie es 2020 weitergeht.

Ellie wird nicht umgebaut. Das Versetzen der Fußrasten und die Gesamtarbeit daran ist teuer, und ob der Fahrkomfort davon wirklich besser wird, stellt sich erst nachher fest. Soviel fahre ich nicht mehr, und dafür lohnt sich der Aufwand einfach nicht. Also bleibe ich erst einmal zufrieden mit dem, was ich habe. Im neuen Jahr sehe ich dann, was kommt.

Montag, 14. Oktober 2019

12.10.2019 - Wanderer-Blog - Riefenbruch oberhalb von Bad Harzburg

Geplant war eine Wanderung bei Altenau - Zetti und ich wollten uns dort zwei Quellen anschauen und uns gesund trinken. Im Okertal waren aber Felsen abgegangen, und die Zufahrt komplett gesperrt. Eine großräumige Umleitung führte über die B4 und über Torfhaus.

Da wir erst weit nach Mittag losfuhren, wählte ich ein anderes Ziel. Auf Komoot klang das so schön, und die Bilder vom Riefenbruch sahen auch klasse aus.


Wir parkten gegenüber dem Radauer Wasserfall kurz hinter dem Ortsausgang von Bad Harzburg. Der Wasserfall führt tatsächlich wieder Wasser. Am Wasserfall direkt ist kaum eine Parkmöglichkeit, und das Lokal möchte keine Wanderer-Parker auf dem kleinen Platz haben. Verständlich - zu Stoßzeiten steht dort alles voll mit "Illegalen" und die Gäste wissen nicht wohin mit ihren Fahrzeugen.

Zetti und ich stapften einige Zeit direkt an der B4 entlang. Ätzend. Durch die Vollsperrung zwischen Oker und der Okertalsperre ist hier Verkehr wie auf der Autobahn. Kaum zwei Meter trennten uns von den Vorbeirasenden.

Endlich ging es ab vom Beton, hinein in das Waldgebiet. Zunächst direkt an der Bundesstraße entlang. Der Bach gab sich alle Mühe, die Geräusche zu übertönen - vergeblich. Von Zeit zu Zeit wurde ich von Hirschlausfliegen überfallen, es ist grad die Zeit für diese Plageviecher.

Der Naturweg ging es in einem Bogen nach rechts weg. Kleinere Rinnsale quollen aus den Hängen hervor. Der starke Wind - auf dem Brocken war sogar Orkanwarnung - rauschte in den Nadelbäumen. Unten rauschte der Verkehr der Wochenend-Urlauber. Wir überwanden so einige Höhenmeter und hatten einen Wegpunkt erreicht.



Der Steinbruch glich einer Wunde in der Landschaft. Hier war es still. Bis drei Frauen hinter uns auf einem Querweg in unsere Richtung gingen. Wander-Enten ... quasselnd, schnatternd und laut kichernd. Die eine näherte sich uns und rief ihren Genossinnen zu. Hier würde es nicht weitergehen!

Der Zettfahrer und ich guckten uns an - logisch ging es hier weiter. Ein Stück den Metallzaun entlang, querten wir ein Brennesselfeld - und schon konnten wir in den Gabbro-Steinbruch schauen. Wir warteten, bis die Frauen weit genug weg waren. Dann ging es weiter. Mit meiner neu gekauften Wanderkarte in der Hand versuchte ich mich als Entdecker. So ganz stimmten die Wege dort drauf aber nicht. Meine uralte Karte von 1994 ist da genauer. Die war aber zuhause geblieben. Neu dabei war ein Explorist 100 Navi Gerät. Damit konnte ich noch nicht umgehen - ich hatte aber immerhin schon verstanden, wie man es startet. Jetzt muß ich noch das achtzigseitige Handbuch durcharbeiten, dann habe ich für die nächste Wanderung hoffentlich genug Plan.

Ab und an gab es hölzerne Hinweise an den Weggabelungen, oder anderweitige Hinweise.


So stapften wir durch das Waldstück. Die drei Schnatterdamen waren abgebogen. Zetti und ich waren fast allein im Wald. Ein einsamer Mountainbiker mit Elektroantrieb kam uns entgegen, und verschwand irgendwo im Grün.

Vom Riefenbruch Hochmoor war kaum etwas zu sehen. Dichter Bewuchs. Ich konnte anhand des Baumbestandes erkennen, dass es hier feuchter war. Die Erlen zeigten es an. Gelegentlich waren kleine Bäche zu sehen, mit braunem Wasser. Es schmeckte erstaunlich gut, leicht metallisch.

Jetzt sollte der Gabbro-Steinbruch kommen. Ich bog einen Wirtschaftsweg ein, der mal wieder nicht auf der Karte verzeichnet war.


Das Steinbruchgebiet ist riesig. Und öde. Und verboten. Hier pustete der Wind frisch und böig.
 
Grau war die vorherrschende Farbe. Der Weg war für mich anstrengend zu laufen. Schotterpiste. Die Fußsohlen fanden nur bedingt Halt, man rutschte öfter auf gröberen Steinbatzen weg. Die Fernsicht auf den Brocken war wunderbar. Von hinter uns nahten zwei Mountainbiker. Auch sie motorisiert. Bei älteren Herrschaften verstehe ich das mit dem elektischen Antrieb. Aber die beiden waren um Mitte Dreissig. Elektisches Mountainbiken - quasi pseudo sportlicher Anstrich.




Uns kamen einige Autos entgegen. Hier war die Waldromantik schwer zu erhaschen.
 
Die graue Teerstraße zog sich. Mit Fahrrad sicherlich ein Traum zum fahren, aber für Wanderer nicht gerade entzückend. Teerstraße geht sich ähnlich wie Schotterpiste. Man rutscht zwar weniger weg, aber eine Magie hat das für mich nicht.

Endlich konnten wir wieder in den Wald abbiegen, während oben auf der Straße weitere Ausflügler den glatten Belag nutzten.  Der Wirtschaftspfad - diesmal gut ausgeschildert und auch auf der Karte - ging Richtung B4, wir hörten den emsigen Straßenverkehr. Hier gab es keine Ruhebänke. Auf der ganzen Strecke zählte ich nur zwei, und deren Standort war nicht wirklich ansprechend.

Kurz vor dem Molkenhaus-Parkplatz ging ein schmaler Trampelpfad steil hinunter. Sollte das der reguläre Wanderweg sein? Er war es tatsächlich! Die Magie des Weges kam ganz zum Schluß. Ein wunderschönes Tal, mit vielen kleinen Wasserfällen. Und eine extrem anspruchsvolle Abstieg-Strecke! Zuhause schaute ich mir noch einmal die Legende der Wanderkarte an. Die >> Zeichen bedeuten steiler Abstieg/steiler Anstieg. Das paßte.


Steil, rutschig und glitschig durch die Bodenfeuchtigkeit. Loses Geröll inklusive. Das hier ist auch eine Down-Hill-Strecke für Mountain-Biker. An einer Stelle war der Weg genau zwei Fußbreiten schmal. Links ragten zersplitterte Äste aus dem Hang. Das hier mit dem Rad bewältigen? Nun gut, es soll ja Künstler geben!





Die losen Äste sahen wie Stoßzähne auf einem Elefantenfriedhof aus. Fiese Fußhakeln. Jeder Tritt ein Abenteuer.



Gelegentlich ging es durch kleine Bäche hindurch. Und an Felsbrocken vorbei.

An einer Weggabelung rächte sich mein Wanderanfänger-Verhalten. Ich war ausgepowert. Keine echte Pause gegönnt, zu spät losgelaufen, zuwenig achtsam mit meinen Kräften gewesen. Ich legte mein Sitzkissen auf eine Betoneinfassung einer kleinen Brücke, und ließ die Beine baumeln. Was als kleine Runde geplant gewesen war (höchstens 5 Kilometer, wenn man beide Quellen abgelaufen wäre), ist etwas ausgeartet. Ich war in nicht so guter Verfassung gewesen. Zu anderer Zeit hätte mich das nicht so geschlaucht. Und die zu überwindenden Höhenmeter - 244 rauf und runter - waren auch ein Kräftezehrer. Kein Vergleich mit Spazieren in der Heide, wo es topfeben war.

Nach einigen weinerlichen und mosernden Minuten ging es dann wieder. Im Wald wurde es langsam schummerig, der Sonnenuntergang nahte mit großen Schritten.

Glücklicherweise hatte die Gaststätte am Radauer Wasserfall Mitleid mit uns. Die Küche war eigentlich schon geschlossen, aber wir bekamen noch etwas.
Perfekt war der Durstlöscher. Eine kleine Privatbrauerei aus Uslar war der Hauslieferant.


Uriges Ambiente. Urgemütliche jahrzehntealte Gaststätte, mit sehr nettem Servicepersonal.


Während der Zettfahrer sich den ersten Grünkohl der Saison bestellt hatte, jachterte ich nach Königsberger Klopsen. Die Klopse waren hausgemacht. Für mich Kapernliebhaber waren da zuwenig drin, aber die Portion war ansonsten angemessen. Sie standen mit 9,90 Euro auf der Karte. Gute Hausmannskost. Wobei ich relativ kritiklos war, weil sehr sehr hungrig.
Als Nachtisch gab es für mich noch Apfelkuchen.

Ein verdientes Essen war das. Ein schöner Abschluß dieser Überraschungswanderung.

Als wir die Gaststätte verließen, war es draußen stockfinster. Wir mußten ja noch über die vielbefahrene und zappendustere B4 rennen, um zu unserem Parkplatz zu gelangen. Eine Fußgängerampel gab es nicht. Ein Autofahrer hatte uns wohl nicht wahrgenommen und hupte empört. Wir hatten ihn zwar nicht gestört, aber vielleicht wollte er uns auch nur zeigen, wie schön er laut geben konnte.



So ungefähr stimmt die Tageskilometeranzeige. Wenn ich das jetzt mit der Google Maps Route vergleiche! Eventuell bin ich zu schnell losgelaufen, und der Explorist hatte noch keinen Satelliten gefunden.


Meine sonst so guten Schuhe hatten heute versagt. Ich hatte links und rechts oberhalb der Ferse an der Fußinnenseite kleine Blutergüsse, wie von Nadelstichen. Die Strümpfe waren offenbar nicht der Hit gewesen - zuviel Powergewebe, zuwenig weicher Flausch. Für das nächste Mal auf die Merkliste: zweites Paar Socken mitnehmen.

Was die Magie des Weges angeht, muß ich noch einiges mehr dazu lernen. Einen Plan B zu haben scheint mir gut. Und aufgeben, weil die Kondition mal nicht mitmacht, ist keine Schande. Das zu erkennen braucht Übung. Ich lerne ja noch.

Oberstes Ziel: nicht von der Bergwacht in der Waagerechten nach Hause transportiert werden. Blasen können halt mal vorkommen.

Montag, 7. Oktober 2019

3.10.2019 - Wanderer-Blog: Heiliger Hain, bei Wahrenholz/Gifhorn



Nettes kleines Heidelandschafts-Gebiet, quasi die Lüneburger Heide en miniature.

Anreise über Gifhorn, wird man - wenn man den hölzernen Hinweisen folgt - etwas umständlich über Wesendorf und Wahrenholz geleitet. Der Wandererparkplatz Heiliger Hain ist geräumig, was auf gelegentliche Besucherströme (besonders zur Heideblüte) hinweist.

Als ich anreiste, war ich gegen 9 Uhr dort. Außer mir nur stand da nur ein PKW, eine alte Dame und ihr Enkelkind mit Holzkörbchen in den Händen. Pilzesucher.

Später folgte ein einzelner Herr, der mir kurz zunickte, um dann strammen Schrittes im Gelände zu verschwinden. Ich folgte seinen Spuren im noch feuchten Sand.



Es gab noch viele lila farbene Felder mit blühendem Heidekraut
 


So früh am Morgen war das Licht teilweise ziemlich verwaschen. Der gestrige Tag war komplett verregnet gewesen, und so glitzerten die Heidekrautfelder im stärker werdenen Sonnenschein. Die Sandwege waren gut zu laufen. Der Sand rutschte nicht weg, die Schuhsohlen fanden guten Halt. Angenehm für die Gelenke. Pfützen gab es keine - im Sand war alles durchgerutscht.



Die Wacholdersträucher sehen sehr urig aus. Die Nadeln sind spitz!
 



Kronsbeeren oder auch Preiselbeeren

Kleine Trampelpfade gingen durch Wacholderdschungel hindurch. Leises Vogelpiepsen, in der Ferne rauschten die PKW über die B4. Die Heidelandschaft hat ihren eigenen Charme. Wenn man sich auf das Karge einläßt, kann der aufgeregte Mensch zur Ruhe kommen.


Trittsicher sollte man sein. Die Baumwurzeln suchen sich ihren Weg und wer nicht aufpasst, kann auch mal wegrutschen.

Viel zu schnell war ich mit dem ersten Teil der Wanderung durch.


Das nächste Ziel - der Löns Stein ist außerhalb des Heidegebietes. Um dahin zu gelangen, kann man entweder den schmalen Teerweg mit dem Auto anreisen, oder - wie ich - hinwandern.


Vorbei an lichtdurchfluteten Waldstücken ging es etwa einen Kilometer auf der Teerstraße entlang. Der Löns Stein - ein schöner Rastplatz, wo ich auch mein zweites Frühstück einnahm.





Hier saß lang keiner mehr. Und so erobert sich die Natur zurück, was sie bevorzugt: Pilze auf Holz - im Wald ganz natürlich, hier aber auch schön anzusehen! 





Ein kleiner Stichweg lockte mich, und ich schaute mal, wo ich da hin kommen würde. Das Tor war geschlossen, aber zu so früher Stunde war hier keiner. Ein Donnern war zu hören. Der Boden schien zu beben? Dann kam eine Herde Pferde angaloppiert. Neugierige Vierbeiner treffen auf neugierigen Zweibeiner.





Nachdem ich mich gestärkt hatte, trafen die Pferdeversorger ein. Für mich war es Zeit zum Weiterziehen. Die Richtung war das Oerreler Moorgebiet, und dort ein Zugang zur Ise.

Es wurde langsam warm. Ich zog die Jacke aus und füllte meinen Rucksack aus. Die ausgedruckte Karte von Komoot in der Hand, stapfte ich Meter für Meter besinnlich vor mich hin.

Später sollte ich feststellen, dass die eingetragenen Wege manchmal eher Empfehlungscharakter haben und mit der Realität nicht hundertprozentig übereinstimmen. Aber ein wenig Abenteuer ist gut machbar, wenn man die Hosenbeine in die Socken steckt, und wasserdichte Wanderschuhe hat.

Kein Mensch war zu sehen. Genau so mag ich das. Ab und an krächzte ein Rabe seinen Ruf in den blauen Himmel. Ich kam an einer kleinen Teerstraße heraus.



Hier begegneten mir auch das erste Mal andere Menschen. Artig grüßten sie, jeder einzelne von ihnen.
 
Ich folgte einem Hinweisschild und patschte einen matschigen Waldweg entlang.
 
Hier gefiel es mir. Das Flüsslein murmelte vor sich hin, und auch hier war ich allein. Fast.
 


Irgendwo hier holte ich mir eine Zecke. Das bemerkte ich aber erst, als ich kurz vor dem Weiterwandern mal die Hose runterlassen mußte, weil ich mußte. Das Zeckenvieh krabbelte gerade zielgerecht auf meinen Bauchnabel zu. War mir wohl von unten in das Hosenbein geraten.
Verdammte Biester, die können doch nicht gewußt haben, dass ausgerechnet ich - des Zeckens liebstes Opfer - heute vorbei kommen wollte !!! Oder haben die so eine Art Früh-Informationssystem? Ich schnippte das Tier angeekelt weg, und ging zurück auf den Weg. Mochten die Fischotter von jemand anderem entdeckt werden.

Ab da wanderte ich mit den Hosenbeinen in die Socken gesteckt weiter. Später in der Wohnung stellte ich dann fest, dass sich wohl so ein Viech an meinen Rucksack geklammert hatte - es lief über den Teppich direkt auf meinen nackten Fuß zu. Ein fetter feister Holzbock. Der wurde dann aber fachgerecht mit Feuer abgefackelt, bis nur noch Asche vorhanden war! Ich hatte monatelang Kreuzkümmelöl-Kapseln geschluckt, nach wenigen Minuten andauernd nach dem Kümmelöl aufgestoßen - ich ertrug das alles in der irrigen Hoffnung, dass die Biester mich dann nicht mehr mögen würden. Okay, Marketing Gag - bei Heike wirkt das nicht ...

Weiter ging meine Wanderung, immer schön der Komoot Karte hinterher. Der Waldweg wurde immer schmaler. Der Boden war zerfurcht durch Rückefahrzeuge: Holzschlage-Saison. Im Boden fanden sich sehr viele Feuersteine - ich grub einen ganz aus dem Schlamm heraus, schlug ihn an einen anderen an - und siehe da, Funken über Funken.

Am Bach namens Bruno kam ich dann heraus. Laut Karte sollte hier ein Übergang zur Wiese sein. Nichts zu sehen, kein Handy Empfang zum Nachklären über Google Maps. Ich hielt mich auf Verdacht nach links hin. Und war überrascht. Ein Übergang war vorhanden, aber so ganz anders als ich gedacht hatte!



Der schmale Holzsteg war umschwärmt von Libellen, und federte beim Drübergehen nach. Links wanderten Dutzende Spaziergänger am Rand der Wiese - dort mußte also ein offizieller Weg sein. Als ich den Steg überquert hatte, setzten sich die herumfliegenden Libellen wieder auf das Holz und sonnten sich.

Ich ging über die Wiese, folgte erneut einem Sandweg und war tatsächlich fast wieder auf dem Übergangsweg zum Heiligen Hain. An einem Baum war ein hölzener Hinweis - "Bienen Regal" und ein weißer Pfeil zeigte nach rechts. Sogar eine Wegangabe war vorhanden: "100 Meter". Was ein Bienenregal ist, wollte ich jetzt wissen ...






Das Gelände wirkte verlassen. Erfreulicherweise war hier wenig bis kein Abfall, und auch keine Graffitis verunstalteten die Gebäude. Eine dicke aber friedliche Hornisse schwirrte im Hof herum, und verzog sich mit viel Lärm über das Schindeldach in die Baumwipfel. Eine Biene sah und hörte ich dort nicht.

Leider ließen sich die Schaukästen nicht gut fotografieren - das Tageslicht spiegelte sich zu stark.
 



Hier machte ich meine zweite Pause - die Teekanne war jetzt leer, auch der Apfel war gegessen. Beim Aufstehen stieß ich mir recht heftig den Kopf - der Balken für die zweite Etage vom Regal war einfach zu niedrig für einen Menschen ... einen dussligen. Denn nachdem das Schädelbrummen aufgehört hatte, stieß ich ein zweites Mal dageben. Manchmal lernt man auch aus Schaden zuwenig.


Die Wege dort in der Gegend sind recht anständig ausgeschildert.

Und so war ich wieder am hölzernen Hinweisschild im Heiligen Hain angekommen.

Ich wanderte den breiteren "Hauptweg" quer durch das Gelände. Es war jetzt gegen 14 Uhr, und mir begegneten nun recht viele andere Wanderer bzw. Spaziergänger. Im Gelände trugen sich die Stimmen weit - manch Spazierpaar redete so laut, dass es wirklich störte. Im Schlepptau kläffende Kleinköter, die vom Frauchen kommentiert wurden mit sehr hohen fisteligen Kindertonlagen "Feiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin issser nicht feiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin ..."

Die Natur war immer noch schön. Und leise. Um so ein Naherholungsgebiet zu genießen, muß man wirklich sehr sehr früh hier sein. Gut, dass ich das so geschafft hatte.









Die Menschenströme nahmen zu. Etliche Frauen keuchten ihre Kinderkarren durch den mittlerweile lose getretenen Sand, holperten über die Baumwurzeln und moserten über die bescheidenen Wege. Das ist aber auch böse von der Natur, da keinen Asphalt zu haben ...

Ich querte den Weg, und ging noch einmal ein Stück zurück. Ein schmaler Trampelpfad führte in ein Waldstück. Mir kamen zwei ältere Damen entgegen. Eine von ihnen kommentierte lautstark, dass mich der Weg da nicht weiterführen würde, zu nass, ich würde mir nur nasse Schuhe holen. Ihr besserwisserischer Ton ging mir heftig auf die Nerven. Was treibt Menschen in so einer schönen Naturlandschaft dazu, so eklig aufzutreten.
Ich gab ihr den freundlichen Hinweis, dass meine Schuhe Outdoor tauglich und somit wasserdicht wären, und ging meinen Weg weiter, mitten hinein in das Sumpfland. Der Boden war weich, und stellenweise knisterte die Feuchtigkeit in der nassen Erde. Moorlandschaft. Eindeutig!



Ein kleiner Wassergraben stellte für mich kein Hindernis dar, aber ich ging trotzdem zurück. Wenn hier seltene Pflanzen wuchsen, hatte ich dort nichts zu suchen. Der Sonnentau zum Beispiel. Aber auch die Glockenheide war schön anzugucken. Nein, hier wollte ich nichts kaputt treten.


Ich kam wieder auf den festen Sandboden. Meine Schuhe von Salomon hatten kein Wasser gezogen, sie waren ihr Geld wert. Mein Magen gab ein dezentes Geräusch von sich. Es war auch gut jetzt - ich hatte viel gesehen, und war gut 10 Kilometer gewandert.





Jeder, der mir jetzt entgegen kam, hatte einen Hund an der Leine. Und fast jeder einen Kinderbuggy dabei. Der Geräuschpegel war imens. Der Besucherandrang jetzt nach dem Mittag kurz vor der Kaffeezeit recht heftig. Die begleitenden Teenager hatten allesamt ihr Handy vor der Nase, und so stolperten sie von einer Wurzel im Weg zur nächsten.

Wenig später war ich dann wieder am Auto, fuhr ein Stück den Parkplatz herunter, und parkte nun mit der Schnauze zur Straße. Dann öffnete ich die Fahrertür und machte mir damit meinen Picknickplatz blickdicht. Es folgte die hintere Fahrgast-Tür. Diese Tür war dann auch meine Rückenlehne. Dann klappte ich den Schirm als Windschutz auf, deckte meinen kleinen Esstisch und feuerte den Kocher an.




Als das Wasser heiß war, goß ich mir zusätzlich einen frischen Tee auf. So saß ich also da, auf meinem kleinen Vierbein-Klapphocker, mit Blick in den Wald, während hinter mir auf der Zubringerstraße etliche Autos mit mehr oder weniger Tempo durch die Landschaft fuhren. Meist mit mehr ...

Ab und an fuhren Spaziergänger auf den Platz, und andere verließen ihn, begleitet von lautem Kindergeschrei. Die lieben Kleinen waren wohl müde. Kurze Kinderbeine in weichem Zuckersand - wo sie wegrutschen, wenn sie laufen wollen, wo sie im Heidekraut hängen bleiben und auf die Nase fallen ... Sand ist für Kinderaktivität supergut, wenn er zu einem Strand gehört, wenn Wasser da ist, in dem sie herumtoben und patschen können. Sand in einer Heidelandschaft ist eher weniger ein Kinder Paradies, vermute ich mal.

Ich ließ die Wanderung mit meinem Picknick gemütlich ausklingen, genoß den heißen Tee und knabberte den Schokoriegel als Nachtisch. Beim Wegfahren sah ich mehrere Wege in den Wald, die für ein ruhiges Picknick besser geeignet gewesen wären.
Schlauer ist man hinterher ja immer.

Gegen 17 Uhr war ich wieder Zuhause. Gewandert war ich in etwa 10 Kilometer. Ganz gemütlich war ich unterwegs gewesen. Ich wollte mir Zeit geben zum Gucken und Staunen.

Fazit:
Heiliger Hain, Wahrenholz
 

Ein schönes Gebiet, welches man wirklich wirklich FRÜH aufsuchen sollte. Dann gibt es schöne Gelegenheiten, sich die Wacholder-Landschaft in Ruhe betrachten zu können.
Die Wege auch drumherum sind gut zu bewältigen, kaum zu erwähnende Steigungen. Die Wege sind sandig, teilweise durchwurzelt.