Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 14. Oktober 2019

12.10.2019 - Wanderer-Blog - Riefenbruch oberhalb von Bad Harzburg

Geplant war eine Wanderung bei Altenau - Zetti und ich wollten uns dort zwei Quellen anschauen und uns gesund trinken. Im Okertal waren aber Felsen abgegangen, und die Zufahrt komplett gesperrt. Eine großräumige Umleitung führte über die B4 und über Torfhaus.

Da wir erst weit nach Mittag losfuhren, wählte ich ein anderes Ziel. Auf Komoot klang das so schön, und die Bilder vom Riefenbruch sahen auch klasse aus.


Wir parkten gegenüber dem Radauer Wasserfall kurz hinter dem Ortsausgang von Bad Harzburg. Der Wasserfall führt tatsächlich wieder Wasser. Am Wasserfall direkt ist kaum eine Parkmöglichkeit, und das Lokal möchte keine Wanderer-Parker auf dem kleinen Platz haben. Verständlich - zu Stoßzeiten steht dort alles voll mit "Illegalen" und die Gäste wissen nicht wohin mit ihren Fahrzeugen.

Zetti und ich stapften einige Zeit direkt an der B4 entlang. Ätzend. Durch die Vollsperrung zwischen Oker und der Okertalsperre ist hier Verkehr wie auf der Autobahn. Kaum zwei Meter trennten uns von den Vorbeirasenden.

Endlich ging es ab vom Beton, hinein in das Waldgebiet. Zunächst direkt an der Bundesstraße entlang. Der Bach gab sich alle Mühe, die Geräusche zu übertönen - vergeblich. Von Zeit zu Zeit wurde ich von Hirschlausfliegen überfallen, es ist grad die Zeit für diese Plageviecher.

Der Naturweg ging es in einem Bogen nach rechts weg. Kleinere Rinnsale quollen aus den Hängen hervor. Der starke Wind - auf dem Brocken war sogar Orkanwarnung - rauschte in den Nadelbäumen. Unten rauschte der Verkehr der Wochenend-Urlauber. Wir überwanden so einige Höhenmeter und hatten einen Wegpunkt erreicht.



Der Steinbruch glich einer Wunde in der Landschaft. Hier war es still. Bis drei Frauen hinter uns auf einem Querweg in unsere Richtung gingen. Wander-Enten ... quasselnd, schnatternd und laut kichernd. Die eine näherte sich uns und rief ihren Genossinnen zu. Hier würde es nicht weitergehen!

Der Zettfahrer und ich guckten uns an - logisch ging es hier weiter. Ein Stück den Metallzaun entlang, querten wir ein Brennesselfeld - und schon konnten wir in den Gabbro-Steinbruch schauen. Wir warteten, bis die Frauen weit genug weg waren. Dann ging es weiter. Mit meiner neu gekauften Wanderkarte in der Hand versuchte ich mich als Entdecker. So ganz stimmten die Wege dort drauf aber nicht. Meine uralte Karte von 1994 ist da genauer. Die war aber zuhause geblieben. Neu dabei war ein Explorist 100 Navi Gerät. Damit konnte ich noch nicht umgehen - ich hatte aber immerhin schon verstanden, wie man es startet. Jetzt muß ich noch das achtzigseitige Handbuch durcharbeiten, dann habe ich für die nächste Wanderung hoffentlich genug Plan.

Ab und an gab es hölzerne Hinweise an den Weggabelungen, oder anderweitige Hinweise.


So stapften wir durch das Waldstück. Die drei Schnatterdamen waren abgebogen. Zetti und ich waren fast allein im Wald. Ein einsamer Mountainbiker mit Elektroantrieb kam uns entgegen, und verschwand irgendwo im Grün.

Vom Riefenbruch Hochmoor war kaum etwas zu sehen. Dichter Bewuchs. Ich konnte anhand des Baumbestandes erkennen, dass es hier feuchter war. Die Erlen zeigten es an. Gelegentlich waren kleine Bäche zu sehen, mit braunem Wasser. Es schmeckte erstaunlich gut, leicht metallisch.

Jetzt sollte der Gabbro-Steinbruch kommen. Ich bog einen Wirtschaftsweg ein, der mal wieder nicht auf der Karte verzeichnet war.


Das Steinbruchgebiet ist riesig. Und öde. Und verboten. Hier pustete der Wind frisch und böig.
 
Grau war die vorherrschende Farbe. Der Weg war für mich anstrengend zu laufen. Schotterpiste. Die Fußsohlen fanden nur bedingt Halt, man rutschte öfter auf gröberen Steinbatzen weg. Die Fernsicht auf den Brocken war wunderbar. Von hinter uns nahten zwei Mountainbiker. Auch sie motorisiert. Bei älteren Herrschaften verstehe ich das mit dem elektischen Antrieb. Aber die beiden waren um Mitte Dreissig. Elektisches Mountainbiken - quasi pseudo sportlicher Anstrich.




Uns kamen einige Autos entgegen. Hier war die Waldromantik schwer zu erhaschen.
 
Die graue Teerstraße zog sich. Mit Fahrrad sicherlich ein Traum zum fahren, aber für Wanderer nicht gerade entzückend. Teerstraße geht sich ähnlich wie Schotterpiste. Man rutscht zwar weniger weg, aber eine Magie hat das für mich nicht.

Endlich konnten wir wieder in den Wald abbiegen, während oben auf der Straße weitere Ausflügler den glatten Belag nutzten.  Der Wirtschaftspfad - diesmal gut ausgeschildert und auch auf der Karte - ging Richtung B4, wir hörten den emsigen Straßenverkehr. Hier gab es keine Ruhebänke. Auf der ganzen Strecke zählte ich nur zwei, und deren Standort war nicht wirklich ansprechend.

Kurz vor dem Molkenhaus-Parkplatz ging ein schmaler Trampelpfad steil hinunter. Sollte das der reguläre Wanderweg sein? Er war es tatsächlich! Die Magie des Weges kam ganz zum Schluß. Ein wunderschönes Tal, mit vielen kleinen Wasserfällen. Und eine extrem anspruchsvolle Abstieg-Strecke! Zuhause schaute ich mir noch einmal die Legende der Wanderkarte an. Die >> Zeichen bedeuten steiler Abstieg/steiler Anstieg. Das paßte.


Steil, rutschig und glitschig durch die Bodenfeuchtigkeit. Loses Geröll inklusive. Das hier ist auch eine Down-Hill-Strecke für Mountain-Biker. An einer Stelle war der Weg genau zwei Fußbreiten schmal. Links ragten zersplitterte Äste aus dem Hang. Das hier mit dem Rad bewältigen? Nun gut, es soll ja Künstler geben!





Die losen Äste sahen wie Stoßzähne auf einem Elefantenfriedhof aus. Fiese Fußhakeln. Jeder Tritt ein Abenteuer.



Gelegentlich ging es durch kleine Bäche hindurch. Und an Felsbrocken vorbei.

An einer Weggabelung rächte sich mein Wanderanfänger-Verhalten. Ich war ausgepowert. Keine echte Pause gegönnt, zu spät losgelaufen, zuwenig achtsam mit meinen Kräften gewesen. Ich legte mein Sitzkissen auf eine Betoneinfassung einer kleinen Brücke, und ließ die Beine baumeln. Was als kleine Runde geplant gewesen war (höchstens 5 Kilometer, wenn man beide Quellen abgelaufen wäre), ist etwas ausgeartet. Ich war in nicht so guter Verfassung gewesen. Zu anderer Zeit hätte mich das nicht so geschlaucht. Und die zu überwindenden Höhenmeter - 244 rauf und runter - waren auch ein Kräftezehrer. Kein Vergleich mit Spazieren in der Heide, wo es topfeben war.

Nach einigen weinerlichen und mosernden Minuten ging es dann wieder. Im Wald wurde es langsam schummerig, der Sonnenuntergang nahte mit großen Schritten.

Glücklicherweise hatte die Gaststätte am Radauer Wasserfall Mitleid mit uns. Die Küche war eigentlich schon geschlossen, aber wir bekamen noch etwas.
Perfekt war der Durstlöscher. Eine kleine Privatbrauerei aus Uslar war der Hauslieferant.


Uriges Ambiente. Urgemütliche jahrzehntealte Gaststätte, mit sehr nettem Servicepersonal.


Während der Zettfahrer sich den ersten Grünkohl der Saison bestellt hatte, jachterte ich nach Königsberger Klopsen. Die Klopse waren hausgemacht. Für mich Kapernliebhaber waren da zuwenig drin, aber die Portion war ansonsten angemessen. Sie standen mit 9,90 Euro auf der Karte. Gute Hausmannskost. Wobei ich relativ kritiklos war, weil sehr sehr hungrig.
Als Nachtisch gab es für mich noch Apfelkuchen.

Ein verdientes Essen war das. Ein schöner Abschluß dieser Überraschungswanderung.

Als wir die Gaststätte verließen, war es draußen stockfinster. Wir mußten ja noch über die vielbefahrene und zappendustere B4 rennen, um zu unserem Parkplatz zu gelangen. Eine Fußgängerampel gab es nicht. Ein Autofahrer hatte uns wohl nicht wahrgenommen und hupte empört. Wir hatten ihn zwar nicht gestört, aber vielleicht wollte er uns auch nur zeigen, wie schön er laut geben konnte.



So ungefähr stimmt die Tageskilometeranzeige. Wenn ich das jetzt mit der Google Maps Route vergleiche! Eventuell bin ich zu schnell losgelaufen, und der Explorist hatte noch keinen Satelliten gefunden.


Meine sonst so guten Schuhe hatten heute versagt. Ich hatte links und rechts oberhalb der Ferse an der Fußinnenseite kleine Blutergüsse, wie von Nadelstichen. Die Strümpfe waren offenbar nicht der Hit gewesen - zuviel Powergewebe, zuwenig weicher Flausch. Für das nächste Mal auf die Merkliste: zweites Paar Socken mitnehmen.

Was die Magie des Weges angeht, muß ich noch einiges mehr dazu lernen. Einen Plan B zu haben scheint mir gut. Und aufgeben, weil die Kondition mal nicht mitmacht, ist keine Schande. Das zu erkennen braucht Übung. Ich lerne ja noch.

Oberstes Ziel: nicht von der Bergwacht in der Waagerechten nach Hause transportiert werden. Blasen können halt mal vorkommen.

2 Kommentare:

  1. Nicht schlecht, Frau Specht. So läuft's doch. Sehr atmosphärische Bilder.

    Ihr habt schon Grünkohl? So etwas kennt man hier unten im Blackforest leider nicht, ich muss immer auf Konserven zurück greifen oder warten, bis ich mal wieder bei Muttern im Rheinland bin.

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  2. Weiß ich gar nicht, welche Fotos ich besser finde. Die von dem tollen Urwald, wo die Bäume kreuz und quer über Felsen liegen, oder die von den Königsbergern. Wen ich danach nicht zu fragen brauche, ist Pieps. Da weiß ich, was sie sagt. *seufz*

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