Ellie und ich

Ellie und ich

Freitag, 23. Mai 2014

Unfassbare Asphalt Sauerei - und lebensgefährlich noch dazu!

2013 haben sie bei uns eine neue Schicht auf die alte, zerfurchte Straße geklatscht. Dann wurde 3x Rollsplit drübergekippt, und die Autos sollten den Split "einfahren".

3 Tage hatten wir jetzt Temperaturen von 28 - 30°. Noch haben wir Mai, wohlgemerkt. Der Sommer mit extremen Temperaturen und längerer Hitzeperiode folgt erst noch!

Und DAS kam nach bereits drei Tagen Maiwärme dabei heraus:





Knapp 18/19 cm großer Teersirup-Fleck, der durch die Steinchen nach oben quillt - genau die Auflagenbreite eines Autoreifens


Der Untergrund löst sich auf und quillt bei Belastung nach oben, durch die eingedrückten Steine hindurch.
Ein großer Flatschen klebte an meinem rechten Hinterrad, weil mein Auto dort EINGESUNKEN war.
Bei der Rausfahrt aus dem Parkstreifen riß ich ein Loch in den Belag - siehe Foto 2.

Dort, wo andere PKW geparkt hatten, sah man deutlich die dunklen "Stehflecken" der vier Räder.
Aber nicht nur das - der GESAMTE Straßenbelag war an den Sonnenstellen weich wie Butter!

Was für eine riesige Pfuscherei hier bei uns im Landkreis Wolfenbüttel - Cremlingen.

Vorgestern rückte ein LKW an und schüttete eine weitere Ladung Rollsplit V-förmig über die T-Kreuzung bei uns vor dem Haus. Die Aktion sollte bitteschön WAS bewirken???

Gefährdend noch dazu: Kein Warnschild "Vorsicht Rollsplit".

Hier fahren viele Zweiräder durch.

Hier nutzen die Scater die leichte abschüssige Neigung der Straße.
Hier klebt man beim Überqueren der Straße bereits fest mit seinen Schuhsohlen. Gehstöcke sinken in den Teersirup ein.
Der Belag läuft an manchen Stellen in einer fetten Lache die Straße hinunter.

Ich habe einen Meldebogen vom IFZ Institut für Zweiradsicherheit ausgefüllt, Fotos beigefügt, und an unsere Gemeinde gemailt.
Eine Antwort, die Mail an die zuständige Behörde weiterzuleiten, liegt mir schon vor.

Wer mit seinem Motorrad in so einen Sirup gerät, befindet sich in einer echten Gefahrenlage.

Offenbar hat die Baufirma eine falsche Mischung gefertigt - bei knapp über 45° Bodentemperatur DARF so eine Masse einfach nicht in Teersirup umkippen!

Ich habe unseren ortsansässigen Fotografen und Ortsratsmitglied informiert, und er ist extra noch einmal mit mir zusammen vor Ort gewesen, gestern.
Profifotos werden nun hoffentlich auf der Homepage von unserem Ort bzw. der HP unserer Gemeinde erscheinen.

Aber vielleicht wird auch einfach nur wieder ein Schild aufgestellt mit der Aufschrift "Achtung Straßenschäden".


Nachtrag: 6.6.2014

Unter dem Motto "Viel hilft Viel" ...



Dieser Blechkübel wird auch im Winter verwendet - für Salzsplittstreuen.

Mit einem Gemisch aus Sand, Streu, Split und Bindemittel wurde heute die Straße zugenebelt. Staubwolken beim Drüberfahren der PKW garantiert. Rutschgefahr verhundertfacht.

Deutsche Straßen im Landkreis - Bauamt, was flickt ihr euch da für einen Mist zurecht ...
Ausweichmöglichkeit - Fehlanzeige. Ich werde beim Abfahren aus der Garage wohl in der nächsten Zeit mit Schneckentempo unterwegs sein müssen.

Fensterputzen brauche ich jetzt nicht mehr. Das ist täglich zugesaut. Ebenso die parkenden Autos.


Und passsend hierzu ein Bild aus dem Internet...


Die Klebeflecken sind ein Marketinggag einer Firma gewesen, die Stoßdämpfer herstellt. Das Auto "gleitet" quasi über die kaputte Straße. Nachdem es wohl zu häufigen Verkehrsproblemen gekommen war (Notbremsungen), entfernte die Firma die Klebies wieder. Zu groß war die Angst vor Klagen ...

Nichtsdestotrotz sind UNSERE Löcher in den Straßen KEIN Marketing-Gag :-( ...

Montag, 19. Mai 2014

Heike im Reisemodus

Mittlerweile (seit Magdeburg) war ich viel unterwegs. Ich habe festgestellt, dass der Blog mehr und mehr zu einem Reisedokument wird. Offenbar habe ich einiges nachzuholen, wobei mir Ellie gute Hilfe leistet!

Hier allerdings mal eine Reise mit dem Auto in den Norden - vom 30.4. bis 4.5.2014
Zielort war Dorum-Neufeld bei Cuxhaven.
Empfehlung!

Unbedingt die Gezeiten beachten. Das Wasser ist meist weg, und das Watt in Dorum heftig matschartig. Aber so ist das Wattenmeer eben. Durch den kleinen Hafen wirkt das aber nicht ganz so örksig :-).

Der Wetterbericht verhieß nur sporadisch schönes Wetter, und so blieben die Motorräder zu Hause. Im Nachhinein gesehen war das eine gute Entscheidung gewesen!

Anfahrt dauerte leider sehr lange, weil auf der Strecke diverse Baustellen die Brückentag-Urlauber am Weiterkommen hinderten.

Knapp 5 Stunden, wo man normalerweise "nur" 4 benötigt ...

Insgesamt aber ein wunderbarer Urlaub, ich habe sehr viel gesehen und erlebt. Hier nur kurz einige Impressionen ... 

Dorum-Neufeld:



Wunderbar ruhig gelegene, geräumige Unterkunft, kostengünstig im Last Minute Angebot ergattert!





Hafen bei Niedrigwasser; Wasser weg; dieser Zustand nennt sich Ebbe ...


Hafen bei Hochwasser; Wasser wieder da; dieser Zustand nennt sich "Flut"; ändert sich alle 6 Stunden


Am Hafen Dorum-Neufeld, Bikertreff; lecker Fischbrötchen und stark frequentierte WC-Butzen ;-)





Sunrise ... alles rennt zum Strand!





Unwetter im Anmarsch; Dramatik über den Fahrrinnen-Priggs (Anzeiger"besen")








Cuxhaven

Kleines rotes grinsendes Boot mit weit geöffneten Augen - wer sieht's noch?





Am Horizont die Wattenmeerinsel Neuwerk; mein Lieblingsbild! Die Personen sehen aus wie Scherenschnittfiguren in einem Gemälde




Ablaufendes Wasser hinterläßt markante Spuren im Wattenmeer-Boden - hier bei der Kugelbake, dem Wahrzeichen von Cuxhaven, war der Wattboden hart wie ein Brett, und es gab auch einen schönen Sandstrand
In der Hochsaison tobt hier der Bär ... aber jetzt im Mai war es sehr angenehm 






Links Nordsee (Watt), rechts Elbe



Stadtbummel in Bremerhaven mit Besichtigung vom Neuen Hafen und dem Fischereihafen, wo Pfingsten das berühmte Fischereihafen-Rennen ausgetragen wird ...



Auswander-Denkmal am Willy-Brandt-Platz





Polnisches Segelschulschiff im neuen Hafen








Lecker Brötchen im Fischereihafen





Total niedlich - eine junge Möwe bettelt ihr Elterntier an ... achtet mal auf das enttäuschte letzte "Piep..." des kleinen Gierlappens ;-)


Die Gegend da oben ist bei weitem nicht so langweilig wie man glaubt! Auch hier gibt es viele nette kleine Seitenstraßen durch kuschelige urige Dörfer hindurch.
Cuxhaven ist okay, aber in der Hochsaison möchte ich hierum lieber einen großen Bogen machen.
Wremen ist sicher vielen von euch eher bekannt - mehr als Dorum. Wremen hat mir nicht so gut gefallen. Der Blick über das Watt und die Kräne vom Bremerhaven-Industriegebiet ist wenig romantisch.
Strand ist hier in der Gegend ein seeehr dehnbarer Begriff.
Er reicht von "grün" nach "zubetoniert und mit Wackersteinen geschützt" bis hin zu "sandig und wunderschön geharkt" (bei Cuxhaven).




"Strand" bei Altenbruch, im Hintergrund der Hafen Cuxhaven


Grüner Strand von Dorum-Neufeld



Grober Übersichtsplan; nach Cuxhaven waren es knapp 40 km von Dorumer Neufeld aus; die kleinen Dörfer bis Cuxhaven am Deichrand entlang sind gut geeignet zum cruisen; manchmal gibt es abenteuerliche Straßenbelege, aber auch wunderschöne alte Baumbestände und liebevoll gepflegte Hausdenkmäler!

Montag, 12. Mai 2014

27.4.2014 - Ein Ausflug nach Magdeburg per gefürchteter A2 - Strandbar, und auch noch Bikertreff Prester

27.4.2014

Das Wetter war morgens gut und wurde immer besser. Es war in der Nacht heruntergekühlt auf unter 10°, aber nun gegen 11 Uhr schien die Sonne, die Bäume waren quietschegrün belaubt, und die Schäfchenwolken am blauen Himmel machten mich kribbelig.

Und heute war ich auch mutig. Ich wollte einen Sonntagsritt nach Magdeburg wagen, wieder einmal Elbe gucken - und ein längeres Stück weit über die Autobahn A2 anfahren.

Ellie stand startklar in der Garage, und ich ließ das Winterfutter noch in der Jacke drin. Ausziehen geht immer noch!

Ich fuhr zunächst einmal bis Königslutter, sammelte den Mann ein und dann fuhren wir im Minikorso rauf auf die Bahn.

Ich hielt es 40 Kilometer weit durch. Es war trotz Sonntag doch recht viel Verkehr. Vereinzelte LKW's störten den Verkehrsfluß. Ich blinkte rechtzeitig, der Mann zog hinter mir schonmal auf die Mittelspur, und ich folgte dann vor ihm nach.
Durch den Fahrtwind drückte sich der rechte Außenspiegel immer ein kleines Stückchen nach hinten, so dass ich meinen Rückenblocker ständig aus den Augen verlor.
Bei 120 km/h mit der linken Hand dem rechten Außenspiegel einen Stups zu geben, gehört nicht zu meinen Lieblingsaufgaben während der Fahrt!

Irgendwann reichte mir mein Mut, und ich fuhr kurz vor Magdeburg runter. Auf der A2 bemühte ich mich darum, möglichst locker zu sitzen, damit meine Nackenmuskulatur nicht zu heftig gequält wird. Das ging auch gut, aber wie gesagt - nach 40 Kilometern reichte mir das zum Anfang.

Es war meine erste längere Fahrt auf der von mir "gefürchteten" A2!

Es ging ein Stück weit über die B1 und ruhige Dörfer in der Magdeburger Börde. Hier war sehr wenig los, allerdings waren in den verwinkelten Ortschaften auch wieder einmal unerwartete Hindernisse: Rentner, die mit seniler Gemütsruhe erst 40, dann 30 km/h fuhren, und dann unerwartet mitten über die Straße irgendwo rein abbogen. Natürlich ohne zu blinken.
Da hat die Autobahn Vorteile: die Idioten sind alle in der gleichen Richtung unterwegs!

Einige Male sah ich Störche am Himmel kreisen. Das erinnerte mich sofort an unseren Grieben-Urlaub in den Ostertagen.

Auf der B1 ging es dann in die Stadt. Anmerkung: wer von Braunschweig aus über die B1 anreist, findet nur auf der linken Straßenseite Tankstellen vor. Rechts sind Häuser, und Straßenbahnschienen!

Durch die Autobahnfahrt hatte Ellie ganz schönen Benzindurst gehabt, und die Tanknadel näherte sich ungewohnt schnell dem roten Bereich.
Ich hasse es, mit sowenig Sprit im Tank irgendwo unterwegs zu sein. Andererseits war ich noch nicht in Tanklaune. Wir wollten erst einmal am Zielort ankommen. Angepeilt war das Elbeufer, und hier das so genannte Schleinufer.
Der Navi führte den Mann, allerdings ließen Gleisarbeiten uns nicht so herankommen wie geplant.

Irgendwann hielten wir mal am Straßenrand, und ich mußte mich absprechen. Ich übernahm nach einer kleinen Diskussion die Führung, und nach kurzer Wegstrecke entdeckte ich den Parkplatz, den mir mein Googleplan (ausgedruckt, auf dem Tankrucksack platziert) versprochen hatte.

Hier sollte es einen Imbiß geben. Hier konnte ich auch endlich mein warmes Zeugs loswerden. Und der Imbiß lag äußerst schön gelegen - unbeabsichtigt waren wir an der Petriförder Strandbar angekommen!












Das tat gut! Kühler Sand an meinen heißen Füßen ... Moppedstiefel sind nicht unbedingt die besten Sommerschlappen ...





Unten an der Elbe wehte ein frischer Wind, und die Aussicht auf das andere Elbufer war auch für die Urlaubsstimmung gut!




Ich hockte auf einer Holzbank unter einem Sonnenschirm, der weiße Sand kühlte mir die armen Füße, und dann gab es einen leckeren Latte Macciato und eine gut gebratene Wurst vom Imbiß dazu.
Die Strandbar hat WC-Container, die zwar etwas schwankig sind, aber trotzdem sauber! Benutzung kostenlos (was auch nicht selbstverständlich ist).

Hier ließ es sich aushalten. Der Mann in seiner Lederkombi tat mir von Herzen leid - das mußte doch irre heiß sein!

Ich wollte meinen Füßen noch etwas gutes tun, und hielt sie in die Elbe. Anmerkung: das Wasser war vorher auch schon so trübe!





Entsprechend gestärkt, erholt und mit frischen Kräften sollte es nun auf der anderen Elbseite zurück nach Hause gehen.
Allerdings war noch ein zünftiger Zwischenstopp eingeplant!

Der Mann programmierte den Navi, und es ging los. 




Die Anfahrt ging über Buckelpflaster und gefühlten vierhundert Straßenbahnschienen-Knotenpunkten.

Von Brückfeld nach Prester: stellt euch auf Herausforderungen ein!


Eigentlich hätte mich das wenig gestört - war ich doch vom Osterurlaub viel viel schlimmere Straßenverhältnisse gewohnt!
Aber offensichtlich hatte mich die Autobahnfahrt mehr Aufmerksamkeit und Kraft gekostet, als ich erwartet hatte. Ich fuhr ziemlich unsicher und verkrampft.

Der Zielort: Bike-Inn in Prester! DER Bikertreff der Region. 
Sehr leckerer Pflaumenkuchen, gute Portion Kaffee dazu, ein raubeiniger und herzlicher Thekenwirt - ich war fasziniert von dem Ort!



Hier kann man sogar - wenn man möchte - mit dem Mopped bis zum Tresen vorfahren; Tarnnetz unter der Decke und überall Exponate von Motorrädern - standesgemäße Deko







Hier war ein ständiges Kommen und Wiederabfahren. Auf dem Gelände einer alten Fabrik hockten sich die Wettergesichter, Sozias und Heike in den Schatten, quatschten ein wenig Benzin oder hingen einfach den Gedanken nach.

An unserem Tisch saß ein solches altes Wettergesicht - LKW Fahrer an die 60 Jahre jung, und Chopperbesitzer, der uns wertvolle Tipps für die Heimreise (Tankstelle, Baustellen, Abkürzungen durch das Industriegebiet Schönebeck) gab.


Mittlerweile war es weit nach 17 Uhr, und wir mußten an die Heimreise denken. Gemütlich ging es wieder vom Gelände. Die Auffahrt auf die Landstraße gestaltete sich schwierig - ständig rauschten Fahrzeuge an uns vorbei.




Die K1227 ist DIE Kurvenstrecke da in der Region!

Ich fuhr so zügig wie ich mir zutraute. Aus den Augenwinkeln nahm ich die schönen Elbauen wahr - aber richtig Zeit zum gucken blieb mir nicht.
Von vorne, von hinten, an mir vorbei - jaulten die Gebückten und die Kurvenräuber aus dem Landkreis.
Mir wurde angst und bange. Dann lieber Autobahn, war mein tiefster Gedanke!

In Plötzky war ich schweißgebadet. Auf der B246a ging es nach Schönebeck/Elbe, dann weiter durch das Industriegebiet.
Die Wegbeschreibung vom netten Chopper-Lkw-Fahrer war perfekt - wir fanden die Tankstelle auf Anhieb.

Ellie wurde versorgt, und ich konnte mein nassgeschwitztes Shirt ein wenig abkühlen.

Puh - meine Kondition war aufgeraucht.

Nun stand uns aber noch eine längere Rückfahrt bevor. Ich informierte den Mann über meinen Zustand, der das aber schon längst gesehen hatte (von hinten sahen meine Kurvenlinien wohl ziemlich besoffen eierig aus).

Der Himmel hatte sich bezogen, und es sah nach Regen aus. Ich hatte ja noch ein zusätzliches Shirt eingepackt, und in Wansleben an einer Tankstelle plünnte ich es über. Mir wurde jetzt doch etwas frisch.




Es ging nach Oschersleben und von dort aus Richtung Helmstedt, wo wir der Einfachheit halber die B1 bis Königslutter fuhren. Die Strecke war mir schon aus früheren Touren gut bekannt. Die Stecke von Oschersleben bis Kölu wurde durch kleine Pausen zeitmäßig verlängert, aber anders bekam ich es nicht mehr gebacken.

Ein kurzer Verschnaufer und dann fuhr ich nach Hause. Kein Tropfen Regen kam an Ellie heran; der kam erst in der Nacht runter!
Als ich mit Ellie in der Garage stand, freute ich mich auf die heiße Badewanne!

Meine erste längere Autobahnfahrt zeigte mir auch meine Grenze an. Ich werde jetzt öfter einmal Autobahnfahren üben. Und mir DANACH nicht viel Weg vornehmen, denn offensichtlich zehrt mich das mehr, als ich ahnte!

Heutige Tour: 240 Kilometer.
"Mal eben einen Ausflug" machen - gegen 13 Uhr los und um 20 Uhr wieder zuhause. Viel gefahren, und wieder etwas mehr gelernt.

Dienstag, 6. Mai 2014

26.4.2014 - Gedenkfahrt Salzgitter

Jedes Jahr findet am letzten Samstag im Monat April eine Motorrad-Gedenkfahrt statt, die  vom ACM (Arbeitskreis Christlicher Motorradfahrer) organisiert wird.
Vorlaufzeit 8 Monate!

Vor zwei Jahren war ich Mithelferin dort. Der NDR brachte vor der Fahrt einen Bericht, und ich durfte damals "interessiert zugucken und zuhören", als Reinhard, der Pastor, über die Arbeit des ACM berichtete.





Ich durfte dann vor der Ausfahrt mit anderen Helfern zusammen das Startgeld von 1,- Euro einsammeln. Damals war ich nur Motorradfan gewesen - von Führerschein noch keine Rede!
Ich stapfte da durch die Reihen, scherzte mit den Heranfahrenden und irgendwie schaffte ich es immer, mehr als 1,- Euro einzusammeln ... vielleicht lag es an meiner Freude, die tollen Maschinen anrollen zu sehen - oder die alten Wettergesichter ehrfurchtsvoll anzustarren ... keine Ahnung.

Meine aufmerksamen Leser wissen, wie es dann weiterging   KLICK ...

Im letzten Jahr (2013) lag ich mit Erkältung im Bett, und leider war der Gedenktag total verregnet gewesen. Nur 500 Teilnehmer fuhren im Gedenken an die verunfallten Biker aus der Region.

In diesem Jahr war sich der Wetterbericht nicht einig. Sonst ist Proplanta immer sehr zuverlässig, aber am 26.4.2014 waren sich die Prognotisten nicht wirklich sicher.

Trotz allem Hin- und Her beschloß ich, mit Ellie nach Salzgitter zu fahren. Ob ich die Ausfahrt mitmachen wollte oder nicht, wollte ich vor Ort entscheiden.

In der Salzgitterzeitung wurde gute Werbung gemacht  KLICK HIER (vollständiger Bericht)



Stadt Salzgitter erwartet 4000 Biker zur Gedenkfahrt

Lebenstedt Der Konvoi fährt vom Rathaus in Salzgitter aus zur Martinikirche in Braunschweig. Acht Holzkreuze begleiten ihn.

 

8 Holzkreuze bedeuten, 8 verunfallte Motorradfahrer in unserem Landkreis. Dieses Event hat einen ernsten Hintergrund, der - wie seit vielen vielen Jahren - würdevoll gestaltet wurde. Berufsschüler zimmern die schlichten Holzkreuze, auf denen der Vorname und das Alter der Person steht.

In diesem Jahr war ein Junge mit 15 Jahren dabei ...

Gegen halb zehn und bei bestem Sonnenwetter schwang ich mich auf Ellie und fuhr zunächst einmal zur Tankstelle. Tanken und Luft kontrollieren.
Bei der Zapfsäule war ich nicht schnell genug, ein anderer Biker kam mir zuvor. Netterweise schob er seine Maschine direkt nach dem Tankvorgang zur Seite und winkte mich ran. Erst dann ging er bezahlen.

Dank an den Unbekannten, das fand ich klasse!

Als ich dran war, blieb ich wie immer auf dem Motorrad sitzen. Es gibt Tankstellen, da ist das mittlerweile verboten ...
Nach dem Bezahlen wollte ich freundlich sein und einen Autofahrer an die Säule lassen - das Handschuhanziehen dauert doch immer etwas und ich wollte die Säule nicht blockieren. Also setzte ich mich auf Ellie und schob sie einige Meter nach vorne. 200 Kilo mal eben schieben ... nicht grad ohne.
Der Autofahrer hinter mir aber ... zeterte und schimpfte und schüttelte mit dem Kopf in seiner Kiste.
Also schob ich noch einige Meter und landete fast im Rinnstein. Das reichte dem Typen aber immer noch nicht. Er fuhr mir sozusagen auf die Kimme ...

Erst als ich mit Ellie mitten auf der Straße parkte, war ihm das gut genug. Er wollte den Tankrüssel genau wagerecht in seine Karre stecken.

Da will man EINMAL höflich sein ... 

Ich zog in aller Ruhe meine Handschuhe an, setzte mich in Position und fuhr in einem eleganten Bogen auf die Hauptstraße raus. Mir begegneten ständig andere Kumpels, alle grüßten, die Sonne lachte, der Frühling duftete ... und ich fuhr mit klopfendem Herzen über Klein Schöppenstedt auf die Stadtautobahn Richtung Salzgitter.

Überall Motorradfahrer. Nur die Autos störten irgendwie ...

Ich fuhr am Braunschweiger Kreuz vorbei, und dann das kleine Stück auf der A39, wo ich letztes Jahr noch solchen Horror vor hatte. Abfahrt Salzgitter-Lebenstedt Nord runter, mehrere Biker hinter mir im Schlepptau. Alle fuhren Richtung Rathausplatz.

Der Bereich um den Platz war wie immer abgesperrt. Ich hielt vor den rotweißen Barken an und fragte nach einem Anhaltebereich für Unentschlossene (da ich mir noch nicht sicher war, ob ich mitfahren würde).
Die beiden Ordner waren das erste Mal dabei und dementsprechend uninformiert. Jungsjungs, liest denn vorher KEINER den Stadtplan von euch?
Ich solle mich einfach "irgendwo rechts an den Rand stellen", war die vage Aussage. Da ich aber vorletztes Jahr schon mal da war, wußte ich, dass der Rand entweder als Restbehelf für Nachzügler oder als Rettungsstreifen genutzt wird.
Die beiden Kerls da in ihrem quietschegelben Outfit waren wohl noch nie dabei gewesen, schien es mir ... auch vor zwei Jahren nicht als Zuschauer ...

Gut, das ich mich auskannte. Ich wollte auf den alten Postbank-Parkplatz. In einem weiten Bogen fuhr ich also um den Rathausplatz - und fand mich auf einmal an der Stadtgrenze von Salzgitter wieder. Okay, SO einen großen Bogen zu fahren war also nicht so schlau. Also zurück. Und dann fand ich den Platz, wo ich vor zwei Jahren mit dem Auto geparkt hatte. Im Schatten, unter einem großen Baum, an einer Betonabgrenzung, neben einem dicken Mercedes-Kombi, der den Blick versperrte, war genau Platz für meine Ellie.

Als ich den Helm abnahm, hörte ich schon die Bässe und den typischen Lärmpegel für so ein Event.
Ich zog das langärmelige Wintershirt aus und knotete es um den Spiegel. Wer das klaut, hat selber schuld ... den Rest des Zeugs prummelte ich in meine Heck- und die Tanktasche hinein, klipste den Helmriemen zu, hängte mir den Helm über den Unterarm, streichelte Ellie noch einmal ... und dann stapfte ich auf den Rathausplatz.

Hunderte von Motorradfahrern waren schon da, ebenso etliche Einwohner und Touristen in Sommerkleidung, denn die Sonne hatte schon heftig zugelegt. Ich steuerte das Zelt vom ACM an. Da konnte ich den Helm, die Jacke und die Taschen loswerden. Außerdem entledigte ich mich dort im Hintergrund im Schutz der Biertische ganz unkonventionell meiner langen Unterhose. Uff, schon besser ... dann die Hosenbeine der Motorradhose hochgeschlagen, nur die Lederweste über das T-Shirt gezogen ... sehr viel besser! Jetzt noch die Sonnenbrille aufsetzen, und ich war gerüstet.
Mein Handy brummte und ich war erstaunt, wer mich JETZT störte. Der Mann war es, er war auch kurzentschlossen nach Salzgitter gefahren.
Wir trafen uns vor dem ACM Zelt, begrüßten Uli und Reinhard (die Hauptorganisatoren) und wanderten dann auf dem Platz herum.



Der Moderator vorne auf der Bühne hörte sich wohl gerne reden ... mir war das zuviel Gelaber, ich brauchte erstmal einen Kaffee!






Coole Einstellung - Daumen hoch für den Getränkestand!








  

Nur Kaffee war auch irgendwie zuwenig, also gab es noch eine Bratwurst (für den Mann). Für mich kam vom Stand des Tierheims Salzgitter ein leckere Stück Mandarinentorte dazu (Bratwurst kam bei mir später ;-).

Im nachhinein kamen in den Foren kritische Nörgeler zu Wort, die den Gedenktag als Fress- und Saufparty beschimpften.
Der Tag würde immer mehr kommerziell verkommen.

Nun, ja, es waren Verkaufsstände da - einer für Lederwaren, einer mit Schmuck und Tüchern, einige Infostände (Biker-Union, Tierheim, Bike-Schmiede, Sparkasse) - aber hey - irgendwer muß diesen Tag auch sponsern!
Für die Kinder wurde etwas geboten (Plastikkugeln, in denen sie herumkugeln konnten - und Hochseil-Springen), und die Erwachsenen konnten etwas trinken oder futtern (Crepes-Bude, Getränkebude, Würstelbuden, Dönerbude, guggsdu).

Vorne vor der Bühne standen auf schwarzen Tüchern die 8 Holzkreuze. Ich beobachtete, dass viele Biker davor stehen blieben. Später drehten sie ab, setzten ihre Sonnenbrillen wieder auf und holten sich etwas zu trinken (kein Alk vor 14 Uhr, wir erinnern uns!).

Der Tod ist eine ernste Sache. Er ist so endgültig. Keiner von uns weiß, wann er oder sie dran ist. Und es schert den Sensemann nicht, ob wir nun eine Bratwurst mehr oder weniger im Bauch haben, und aus welchem Anlaß wir sie gegessen haben!

Auf der abgesperrten Straße füllte es sich langsam ...













Die Reihe geht bis zur hinteren Absperrung und bildete dann den zweiten Teil des Korsos; natürlich war der rechte Randstreifen voll belegt gewesen!


Es folgte eine Rede vom Oberbürgermeister Klingebiehl (in Lederklamotten, und ehrlich, er sieht darin besser aus als in Anzug und Krawatte). Die Stadt Salzgitter ist in vielen Dingen lässiger als Braunschweig: hier wird ganz einfach mal eben kurzfristig eine Doppelstraße gesperrt (später, zur Stuntshow), und die Anwohner nehmen das gelassen.
Wo in Braunschweig sofort die Nörgler wie Herpes aus dem Boden schießen, sind die Leute in SZ gelöster. "Ist endlich mal was los hier bei uns!" sagte ein Rentner zu mir, der mit in der Menschenschlange lustwandelte, als wir die Motorräder anguckten.

Gegen 14 Uhr war angepeilt, den ersten Korso auf den Weg zu schicken. Es war noch Zeit, und so legte ich mich ins Gras und hing meinen Gedanken nach ...




Diese Stimmung dort - mit einer Portion Ernsthaftigkeit wegen des Anlasses - die ganzen Motorräder (und ein Haufen von Gehirnkranken, die das als willkommene Möglichkeit sahen, ihre Dezibelstärken aufheulen zu lassen ... grmpf ...), die Gespräche der Leute um mich herum, und meine Erinnerung an den Tag vor zwei Jahren!

Diesmal laufen andere Leute durch die Reihen und bitten um das Startgeld!
Ich lag da, und auf einmal war es da, dieses Gefühl. Hier und heute bin ich Teil einer Gemeinschaft, die ich vor zwei Jahren unbedingt auch kennenlernen wollte. Zwei Jahre - was ist in der Zeit alles passiert!

In dem Moment entschloss ich mich allerdings auch, im Korso besser nicht mitzufahren. Mir war das zu wuselig.

Ein Freund kam mit seinen Kumpels zu mir, er wollte den Korso mitfahren. Sie hätten mich in die Mitte genommen, aber trotzdem war ich nicht in der Stimmung.
Der zweite Korso war wesentlich ruhiger, und vielleicht hätte ich dort eine gute Möglichkeit gehabt zum mitfahren, aber das wußte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht ...


Gleich geht's los



Es brummt, hupt, blubbert und ballert schon im Hintergrund!


   
Und dann kam das Startsignal - der erste Korso fuhr endlich los!






Sie fuhren im Schritttempo, und ich konnte deutlich erkennen, wer Schritt fahren konnte und wer nicht. Sie fuhren langsam, stoppten, fuhren wieder an, zwischendurch kamen Trikes und Roller, und ich war froh um meine Entscheidung, nicht mitzufahren. Das war mir da zu anstrengend, ständig auf die anderen Fahrer mit aufzupassen. Etliche eierten sich da einen ab ...

Ein echter Korso, so wie die MC's sie fahren - versetzt, in strenger Ordnung(klick) - war hier nicht erkennbar.
Aber das war wohl auch zuviel verlangt ... Viele Motorradfahrer treten zwar in Schwärmen auf, fahren aber lieber als Lonely-Wolf. Ist wohl auch besser so.

Sie zogen gemächlich an mir vorbei - trotzdem ein beeindruckender Anblick und eine imense Geräuschkulisse!

Der Mann hatte Termine und verabschiedete sich - ich blieb noch und wollte den zweiten Konvoi abwarten.

Eine halbe Stunde später fuhr der zweite Konvoi. Ich hätte noch Zeit gehabt, mich einzureihen ... bis zuletzt war ich doch zögerlich. Vielleicht im nächsten Jahr?

Gegen 15 Uhr plünnte ich mich wieder an, verließ die Festmeile, und fuhr mit Ellie noch eine kleine Runde in der Gegend herum. Prompt gelangte ich in einen Rückstau, denn für den Konvoi war die Autobahnauffahrt, zu der ich wollte, gesperrt. Zum Glück kenne ich mich in der Gegend aus, und fuhr weiträumig - über Halchter und Ohrum - zurück nach Hause.

Ich mußte noch einkaufen, und außerdem wollte ich gegen Abend mit dem Auto zurückkommen und die Konzerte der angekündigten Coverbands mitnehmen!

Eine gute Entscheidung ...

Nick Young war echt super. Vorne an der Bühne heftig laut, aber ich konnte ja ausweichen!









Ich stand da in der Gegend herum, und genoß die Stimmung. Einige angetüddelte Einwohner wankten auf dem Platz entlang - das gehört irgendwie mit dazu zu so einem Event! - aber der große Teil der Besucher war friedlich, und guter Laune. Als Nick Young eine Pause einlegten, kam Micha Thein, ein Stuntfahrer, mit seiner Show. Ich hatte ihn schon einmal in Wolfsburg auf der Motorradmesse erlebt. Hier in SZ war er ebenfalls gut drauf, die Straße bot mehr Platz und die Show war superklasse.

Leider blinkte mein Akku schon wieder heftig vor sich hin, so dass kein Video möglich war. Nur zwei Fotos ...






Micha Thein in Action - um 19, 20 und 21 Uhr mit seiner Stuntshow - echt super!


Kurz vor Eintritt der Dunkelheit kam eine Dire-Straits-Coverband auf die Bühne. Und DAS war ein Highlight. Erst der Rock von Nick Young (hart, heftig und laut) und dann die sanfteren Töne. Dazu die Light-Show ... eine ganz besondere Stimmung!
Der Bekannte von mir, der heute mittag den Korso mitgefahren war, traf auch ein. Sein Bericht bestätigte mir, dass ich mich richtig entschieden hatte, nicht mitzufahren.
"Ein totaler Hühnerhaufen!" war sein Fazit. Er wolle da nicht noch einmal mitfahren.

So saßen wir da auf den Biertisch-Sitzbänken, lauschten den Klängen der Band, während der Himmel langsam immer dunkler wurde. Die Sterne kamen raus, und so allmählich wurde es auch kühl.
Ein schöner Abend klang aus.
Wir nahmen die Stuntshow um 21 Uhr noch mit, dann verabschiedete ich mich.

Während ich zum Auto ging, fing die Band wieder an zu spielen, und im Hintergrund auf einem anderen Fest ging ein Feuerwerk los.
Das war alles so passend, dass ich mich ins Auto setzte, die Fenster offen ließ, und noch zehn Minuten die besondere Stimmung genoß, bevor ich randvoll angefüllt mit dem Erlebten gemütlich nach Hause fuhr.

Die Stadtmarketing-Leute von Salzgitter haben wieder einmal viel auf die Beine gestellt. Die Angebote vom Verkehrssicherheitstag im Rathausgebäude habe ich gar nicht angeschaut - es soll da eine Rauschbrille gegeben haben und noch diverse andere interessante Möglichkeiten!

Die Leute vom ACM haben ebenfalls Großartiges geleistet. Alles in ehrenamtlicher Arbeit, und die Koordination mit den Ämtern ist mit Sicherheit keine leichte Sache gewesen ... alleine das Straßensperren und Einweisen in Braunschweig muß schon echt hart gewesen sein ...

Wie schon erwähnt, sind einige Leute in den Foren agressiv gegen die Veranstaltung gegangen. Ein friedliches Verständnis für so ein besonderes Event ist leider keine Selbstverständlichkeit mehr - manch einer tobte, weil er - obwohl im Verkehrsfunk und in der Presse angekündigt - Umwege oder Wartezeit in Kauf nehmen mußte.

So etwas stimmt mich traurig, nicht erst seit heute. Früher als Kind fand ich diese Konvois schon immer faszinierend, wenn sie unter mir - ich als Zuschauer auf der Autobahnbrücke - Richtung Hamburg donnerten.
Ich habe dieses Gen in mir - andere haben es nicht. Ihnen entgeht sehr viel. Das Unbekannte ist nicht in jedem Fall eine Bedrohung - oftmals ist es eine Bereicherung, wenn man sich drauf einläßt.
Egal in welche Richtung! Entweder, es gefällt einem - oder es gefällt einem weniger - aber in jedem Fall hat man eine Horizonterweiterung erfahren!

Alle Dinge, die mir geschehen, dienen mir zum besten - hier mal ein Zitat aus der Bibel. Ich habe in zwei Jahren sehr viel mehr Horizont bekommen. Bin ständig über meine Angstgrenzen gegangen. Das war anstrengend, keine Frage. Das war oftmals mit großem Kampf. Ich habe andere Aktivitäten - und Menschen - aufgeben müssen, um weiterzukommen. Das hat weh getan.Und trotzdem - ich bereue es nicht.
Keinen einzigen Tag. Denn ich habe soviel neues erleben können. Und den Horizont geweitet. Und so ein Fazit ist doch etwas tolles, finde ich :-)