Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 7. Dezember 2015

Zweiter Advent, Nikolaustag - ab ins Kloster

Der zweite Advent begann sonnig, zickte dann ein wenig und verhüllte sich mit Sturmböen bis zu 48 km/h.

Über Nacht mußte der rotmützige Mann heimlich in meine Wohnung gekommen sein. Woher hat der Kerl bloß den Nachschlüssel??? In der Küche standen überall nette Geschenkitäten herum. Ich hatte ja den Zettfahrer in Verdacht, aber der schlief noch bis weit in den Vormittag seelig grinsend vor sich hin.

Ich suchte im Arbeitszimmer in der Geschenkpapiertruhe eine rote Schleife - er sollte seinen Kaffee ans Bett bekommen und der Becher sollte schön geschmückt sein. Da kam das Elena-Kind ins Arbeitszimmer getuckert, untersuchte interessiert das raschelige Papier, knabberte hier und unterwanderte dort und verschwand dann wieder in den Flur. Okay, Zeit, die Kinder auch noch zu füttern!

Elena bei der all-morgendlichen Extrafütterung


Advent, Advent ...


Wir Zweibeiner genossen später ein ausgedehntes Frühstückchen. Der Wind ließ nicht nach, der Himmel war immer noch maulig. Trotzdem wollte ich fahren. Das Wetter kann mich mal! Es schneit nicht, es ist über 10 Grad und mit Sicherheit würden wir so ziemlich die einzigen Motorradfahrer sein. Gnihihihihi ...

Ich zog mir die dicke Fleecejacke unter und hasste das Michelingefühl sofort. Half aber nüscht. Bei den Böen würde ich sonst zu schnell auskühlen.
Ein alter Motorradfahrertrick ist auch, sich vorne in die Jacke eine Lage Zeitungspapier zu stecken. Ich packte also die Sonntagszeitung zur Sicherheit in die Hecktasche.

Gegen 12 Uhr schwang ich mich auf Ellie. Als ich in den Sitz plumpste, ging sie in die Knie. Grumpf, 10 Kilo Klamotten ...

Dann ging es ab. Die Sonne kam jetzt zeitweise doch durch und beleuchtete die Höhenzüge meiner Hausrunde überirisch schön. Noch hielt sich der Verkehr in Grenzen - meist waren Weißhaarige in den Dosen unterwegs, auf dem Weg zur Mittagstafel. Da kamen schnell mal vierhundert Jahre zusammen bei manchen Insassen. Und fahren tun die ... Jungejunge ...

Wir bogen schnell ab von den Hauptverkehrswegen, und es ging über die Hausstrecke in die Einsamkeit.

Zweiter Advent und 11 Grad warm. Was für ein Traum! Leider hatten wir kein Weihnachtsmann-Kostüm, das wäre jetzt der Hit gewesen! Rote Maschinen und dann zwei Weihnachtsfiguren darauf. Na, mal schauen, was am 24.12. für ein Wetterchen ist ;-). Bis dahin könnte man so ein Kostüm organisieren ...




Auf der Hausrunde in einem Dorf namens Kalme
Auch hier: schön geschmückter Dorf-Tannenbaum - logisch, dass da ein Fotostopp eingelegt werden mußte!


Im Osten - hier wieder: mit Geschenkpackungen behängte Bäume und schön zurecht gemachte Vorgärten


In Stötterlingen bog ich vor der Vollsperrung ab in die Nebenstrecke, und wir holperten durch das wie ausgestorbene Dörflein. Ab und an rauchte ein Schornstein vor sich hin, und zeigte an, dass es doch noch Leben gab da in dem Ort.
Den Harz vor Augen überlegte ich kurz, blieb aber bei dem geplanten Ziel. Die Sturmböen waren jetzt doch ganz schön ordentlich, und das Fahrkönnen überstrapazieren wollte ich dann doch nicht.

So schaukelten wir mit den Böen Richtung Vienenburg. Wir hatten ein Ziel. Im Klostergut Wöltingerode war Adventsrambazamba. Ein sehr schöner Kunsthandwerkmarkt, der zur Weihnachtszeit jedes Jahr wieder Tausende Besucher anzieht.
Nun also auch uns.



Es war schon ziemlich voll auf der Anfahrtstraße. Uns begegnete ein Chopperfahrer, der geradezu überschwänglich grüßte. Wahrscheinlich hatte er bis dahin auch noch keinen weiteren Biker gesehen, genauso wie wir!

Überall standen THW-Helfer mit Warnwesten und lenkten den wuseligen Verkehr. Es waren überwiegend Wenigfahrer mit der Golf Plus Dose unterwegs - viele Rentner, außerdem viele Familienkutschen, wo die Mutter fuhr (klar, Vati wollte sich ja den Kopf mit Punsch zuzimmern ...).

Während die zögerlichen und teilweise orientierungsschwachen Dosenfahrer energisch reguliert wurden, fuhren wir einfach an den Ordnern vorbei zu einem Tor. Dort standen zwei weitere Helfer - ich quatschte sie an, und sie wiesen dem Zettfahrer, Jaybee, Ellie und mir einen wirklich guten Parkplatz zu. Sie versprachen uns, auf die Maschinen und das Gepäck zu achten. Im Gegenzug dazu versprachen wir ihnen einen Punsch "Ohne". Sie hätten zwar per Funk von ihrer Basisstation Getränke ordern können, nahmen unsere Einladung aber trotzdem gerne an.


Ta Daaa - Privatparkplatz am Klostergut


Unsere persönlichen Motorradbewacher bei der Arbeit ...

Der Eintritt von 4 Euro war okay. Schließlich mußte der Platz ja später auch gesäubert werden. Und das Personal kostet auch.

Toilettengang 50 Cent, aber da fand ich später eine andere Lösung in der Natur. Die Schlange vor dem Damen-WC war mir zu heftig.


Der Platz und die Anwesenden füllten sich zunehmend

Ich bekam meinen Klosterpunsch "Ohne", und wir wanderten über das weitläufige Areal. Da waren wirklich schöne Dinge ausgestellt. Die Futterbuden waren nicht auf Null-acht-Fuffzehn-Niveau, es gab unter anderem Flammkuchen und natürlich viele Spirituosen aus der Klosterbrennerei käuflich zu erwerben. Ein Schmied bot seine Kunstwerke an und der Zettfahrer bekam zittrige Hände beim Betrachten der wunderbar gemachten Messer.

Der Markt war insgesamt sehr gut besucht. Es wurde geschoben und ein wenig gedrängt. An den Punschbuden bildeten sich angeschickerte Grüppchen, die schrill lachten und ziemlich präsent im Weg standen.

Als wir ein wenig Ruhe brauchten, bogen wir ab von der Käufermeile und genossen die Klosteranlage ... hier war es wirklich schön. Und das Wetter paßte auch.

 





Zurück kamen wir nur, wenn wir wieder durch das Gewusel gingen. Zu anderen Zeiten konnte man durch den Kräutergarten wandern, und am Wildgehege vorbei wieder zum Haupttor gehen.

Ich bin ja nicht der Freund von Menschenmassen und somit besuche ich größere Weihnachtsmärkte eher ungern. Der Zettfahrer traf etliche Bekannte und ehemalige Arbeitskollegen und wir ratschten den einen oder anderen Satz zusammen. Die Zeit flog, und ich wurde langsam unruhig. Die Dunkelheit kommt schnell im Dezember. Ich wollte heim, und tanken mußte ich auch noch.

Wir gingen zurück zu den Motorrädern. Während ich die Natur ansah, organisierte der Zettfahrer den versprochenen Punsch für die beiden THW-Jungs. Ein Tourenfahrer knatterte vorbei - Motorradfahrer Nummer Zwei an diesem Tag.

Ich wunderte mich - der Zettfahrer kam und kam nicht wieder. Der Weihnachtsmarkt war jetzt overcrowded. Sicher stand er lange an der Punsch Bude?
Als er mir dann später eine Schale Poffertjes in die Hand drückte, wußte ich warum er sich verspätet hatte. Ich schlang die heißen Winzpfannkuchen in mich rein und genoß das warme Gefühl in der Magengegend. So schmeckt Weihnachtsmarkt!

Die Sonne wärmte jetzt nicht mehr wirklich, und so war es Zeit zum Aufbruch. Ein Holzstern und ein kleiner Holzengel mit schiefem Grinsen fuhren in der Hecktasche mit - Andenken an den Klosteradventsmarkt.
Auch total schön: mit der Eintrittskarte hatte jeder Besucher einen Baumanhänger aus Holz bekommen. Das war eine nette Erinnerung an Wöltingerode. 




Der Adventsmarkt hat schöne Dinge zu bieten, und zu teuer waren die auch nicht. Er ist halt sehr gut besucht, das muß man mögen. Ich bin eher der Freund von kleinen Dorf-Märkten, wo die Anzahl der Besucher überschaubar ist. Wöltingerode ist ein Ort, der auch von vielen Reisebussen angefahren wird - und das war zu spüren.

An der Shell Tankstelle bekam Ellie den Tank voll. Währenddessen wartete der Zettfahrer im Innenraum an der Kasse darauf, dass ich fertig war mit dem Vorgang. Außerdem gab es ein klärendes Geplänkel mit dem Kassierer, der dann auch kapierte, dass Frauen im Dezember durchaus Eis essen, dass deutsche Fahrer mitnichten im Dezember frieren, und Frauen im Winter auch mit dem Motorrad unterwegs sein können.


Ich trug meine Sturmhaube, und in den Motorradsachen sehe ich durchaus "unisex" aus. Jetzt stell sich mal einer vor, ich hätte noch das Weihnachtsmann-Kostüm angehabt. Der arme Kassierer, er wäre ja sicher total verwirrt worden.

Es ging über Hornburg Richtung Wolfenbüttel zurück. Der Wind hatte etwas nachgelassen. In Hornburg wurden wir von einem einheimischen Endurofahrer überholt, der die Kurven im Ort gekonnt und mit engagierter Geschwindigkeit nahm. Nummer Drei!

Ich bog in kleine Singletracks ab, fuhr kreuz und quer, damit die Hausrunde mal aufgelockert wurde. Richtung Lucklum und dann über Veltheim-Ohe ging es an die B1. Dort meinte eine Sonntagsrentnerin beim Linksabbiegen, die Spur schneiden zu müssen. Sie kam meinem Vorderrad bedrohlich nahe.

Leute Leute ... nicht nur, dass ihr zuwenig fahrt. Das ihr Schlangenlinien fahrt. Das ihr keinen Schulterblick mehr macht, weil ihr den Kopf nicht so weit drehen könnt ... Risikofaktoren sind sie für mich, allesamt. Gerade in der Weihnachtszeit oder zu Totensonntag.

Ohne weitere Vorkommnisse kamen wir gegen halb fünf vor der Garage an. Der heiße Tee und die heiße Suppe in der warmen Wohnung, beleuchtet von zwei Kerzen, tat uns beiden richtig gut. Was für ein wunderbarer zweiter Advent war das gewesen!


Fazit:
Drei Motorradfahrer gesehen. Trockene Straßen, böiger Wind, und knapp 140 Kilometer mehr auf dem Tacho. Eine Ausfahrt zum zweiten Advent, die richtig gut getan hatte. Endlich paßte das Wetter an einem freien Tag mal!
Die Lage Zeitungspapier hatte ich nicht gebraucht, ich war gut gekleidet gewesen. Auf dem Hinweg waren die Füße etwas kalt, dafür heizte mir die Griffheizung so gut ein, dass ich sie kurz vor dem Ziel wieder ausstellte. Zu heiß! Den Pratzen sei Dank blieb die Wärme also da, wo sie hingehört: an die Hände.
Die teilweise heftigen Windböen machten mir wenig Probleme. In Rückerinnerung an meine Anfängerzeit muß ich manchmal stark schmunzeln. Was mich da alles geschreckt hatte ... Es hilft eben die Übung. Immer wieder neu probieren. Die Hausrunde ist jedesmal anders, weil auch die eigene Tagesform täglich anders ist. So fand ich meine Straßenlinie heraus, ganz für mich. Leute, die in Gruppen unterwegs sind, haben es da sicherlich leichter gehabt. Ich habe mir "die Linie" anders beigebracht - auch durch Abgucken, aber eben nicht in der Gruppe.

Ich fahre jetzt das dritte Jahr, und bin ein Stück weit sicherer geworden. In allem.
Eine schöne Erfahrung.  






Donnerstag, 3. Dezember 2015

3.12.2015 - Ellie und nette Weihnachtserfahrungen

3.12.2015

Das Wetter heute war ein Traum. Eine Unpässlichkeit, die mich seit längerem im Griff hatte, mußte jetzt ausheilen - so mein Beschluß. Und was bringt bessere Gesundung als eine Tour?

Ich packte mich gegen 13 Uhr auf Ellie, warm eingemummelt. Die Sturmhaube wurde bis an die Nasenwurzel heran gezogen. Hauptsache, der Kopf ist gut gegen Zugluft geschützt!

Die Sonne wärmte mich wie im Herbst. Kein Wunder, bei Außentemperaturen von 11° im Schatten und bestimmt 22° in der Sonne!

Ich fuhr mit der Sonne im Gesicht. Meine Sonnenbrille war aber zu dunkel für das funzelige Dezemberlicht. Nun denn, Kopf senken, Helm runterziehen - dann ging es. Die Hausrunde über die Dörfer, die Asse, Richtung Osterwieck. Meine Nebenhöhlen dankten es mir. Ich mußte öfter anhalten und die Laufnase trocken legen.
Aber das störte mich nicht, denn so kam ich auch zu vielen Fotogelegenheiten. Das tat so gut, den Blick in die Ferne auf den Harz gerichtet. Die Umgebung mal wieder hautnah zu erleben.




In den kleinen Ost-Dörfern hinter Hornburg sah ich einige Male schön geschmückte Bäume auf freien Plätzen. Richtig mit Geschenkkartons behängt. Hier ein Beispiel:

Im Hintergrund der dorfeigene Weihnachtsbaum


Ich tourte gemütlich und ohne viel Nachzudenken in der Gegend herum.
 

Naseputz- und Fotopause
 
Bitte nicht füttern stand auf dem Gehegeschild. Die Ziegen fanden das doof und meckerten und schmatzten mich an. Sorry, ihr Süßen - Wunsch eures Besitzers geht vor.


Die Nase lief, der Kopf wurde frei. Endlich keine Kopfschmerzen mehr. Die frische Luft tat supergut. So spurte ich Kilometer für Kilometer. Angehalten wurde nur zum Naseputzen.

Der Harz leuchtete blau am Horizont, und dieses Lied "Von den blauen Bergen kommen wir" kam mir in den Sinn. Dieser Ohrwurm verließ mich erst auf der Arbeitsstätte vom Zettfahrer.

In Stötterlingen war Baustelle. Ich fuhr heran, bis die Zufahrt tatsächlich nicht einmal mehr über Bürgersteige zu befahren war. Ein Anwohner zeigte mir dann einen Schleichweg zur Landstraße. So lernte ich den kleinen Ort mal von der ursprünglichen Seite kennen. Kopfsteinpflaster, kleine restaurierte Häuser und ein wenig verfallener Plattenbau waren zu erleben. Das sollte ich viel öfter tun. Weg von den aalglatten Wegen, rein in den Dorfkern.

Auf einer Anhöhe kurz vor Vienenburg tickerte ich den arbeitenden Zettfahrer an. Er beschrieb mir den Weg zu seiner Arbeitsstätte. Wir waren erst einmal gemeinsam dort gewesen, allerdings per Auto. Und er war gefahren. So ganz wußte ich also nicht, wohin ich wirklich mußte.

So fuhr ich ein Stück über die B6n, und bog Wernigerode-Nord von der Bahn ab. Ich verfuhr mich gleich zweimal. Aber immer, wenn ich am Straßenrand anhielt und die Handschuhe auszog, um Google Maps auf dem Smartfone zu aktivieren, kamen Fußgänger auf mich zu und boten mir ihre Hilfe an. Dank der freundlichen Weghelfer traf ich mit nur geringer Verspätung am Arbeitsort ein. Ich hatte nur eine Simson gesehen, ansonsten war ich, bis ich zuhause wieder ankam, ganz allein als Zweirad auf der Bahn.

Ich durfte mich aufwärmen, Ellie wurde bewundert, ich neugierig beäugt und dann durfte ich mich sogar beim Bufett bedienen. Sehr leckeres Essen wird den Klienten tagtäglich geboten!

Beispielfoto: Hühnerfrikassee, Salat und Möhrengemüse - die genauso schmeckten wie meine Mama sie immer macht.
Der Zettfahrer versteht sein Handwerk *schleck*
Ich langte gleich zweimal zu. Bedauerlicherweise war ich dann wirklich satt bis zum Anschlag. Ich hätte auch noch eine dritte Portion genommen, aber da ging einfach nichts mehr rein.

Ich schwatzte mit einigen Kids aus dem Internat und durfte mir sogar einige Zimmer ansehen. Wow. Da wäre ich auch gerne untergebracht.
Das ganze Haus war nett weihnachtlicht geschmückt. Nur die Musik im Hintergrund war so gar nichts. Das fanden die Kids auch.
Immerhin war ich den "Blaue Berge"-Ohrwurm los geworden und summte noch lange Zeit später "Stihiiiihillä Naaacht" in den Helm.  



Gegen halb vier mußte ich dann wieder an die Rückfahrt denken. Die Dunkelheit kommt schnell im Dezember ...
Ich fuhr im Feierabendverkehr aus Wernigerode heraus. Kreisel können die da im Osten! Die Strecke, die mir vor zwei Jahren noch Schauer über den Rücken jagte, wurde jetzt ohne Nachzudenken einfach so abgespult.

Ein Stück ging es über die Schnellstraße, dann durch Wasserleben, Berßel, Hessen und die Verbindung Richtung Schöppenstedt.
Da war es schon richtig schummerig. Die Weihnachtsbeleuchtung und der Einkaufswahnsinn vor dem Geschäfteviertel in Schöppenstedt war nicht wirklich meins. Einige dunkelhäutige Flüchtlingsmänner waren auf Fahrrädern ohne Beleuchtung unterwegs und verschmolzen mit der Umgebung. Leute Leute ...

Ich gab Gas, ließ das Gewusel hinter mir, und fuhr bei fast völliger Dunkelheit über die B1 Richtung Heimat.

Nachts kann ich nicht besonders gut gucken, und auf dem Motorrad neige ich dann dazu, mich extrem zu verkrampfen. Ich ermahnte mich im Stillen ständig selbst  "Bleib locker!" und summte dann zum Entspannen die blauen heiligen Berge aus dem Wald vor mich hin. Dieses bewußte Verdrehen des Textes lenkte mich von der Unsicherheit ab, und ich fuhr wieder so locker wie wenn es hell wäre.

Gegen 17 Uhr kam ich zuhause vor der Garage an. Wieder 150 Kilometer mehr auf dem Tacho.

Ich bin die heutige Strecke schon so oft gefahren, aber in letzter Zeit leider wetterbedingt zu oft mit dem Auto. Das war heute eine angenehme Abwechslung gewesen!

Fazit:
Samstag soll gutes Wetter sein. Die Straßen sind sauber und trocken. Also auf, noch einmal die weihnachtsdekorierten Dörflein besuchen und Fotos haschen!
Zum Ende der Tour kam noch ein Rollerfahrer auf die Straße. Aber Motorräder außer mir? Fehlanzeige.

Dabei war es ein so schöner Tag, eine so gute Gelegenheit gewesen ;-)

Montag, 23. November 2015

AGNES

Es ist zwar noch nicht Weihnachten, aber ich durfte schonmal gucken. Und probieren ;-)


Denkt euch einfach die rote Geschenkschleife drum herum!

Hinterreifen platt, Bautenzug hängt durch, keine Blinker, die Sitzbank hat Risse und der Lack ist unter aller Sau ... ABER beim Ankicken tut sich was im Motor und DAS ist das wichtigste. Den Rest kriegen wir schon hin!


Stooooooooooooolz! Ein Mädchentraum erfüllte sich!



Blink-Wink


Ein Scheunenfund. Baujahr 1974. Gerade mal 4500irgendwas auf dem Tacho. Da der Tacho mit überlackiert wurde, kann man davon ausgehen, dass es reale Kilometer sind! Seit der Wende wurde sie nicht mehr genutzt.

Eine Menge ist dran zu machen. Unter anderem wird der Lack neu. Über die Farbe bin ich mir noch nicht ganz klar.
Ziel ist, nächste Saison damit durch den Osten zu knattern. Das wird klappen.

Zum Glück hat der Zettfahrer ein weitreichendes Netzwerk an Enthusiasten, die mit Feuer bei der Sache sind.

Über eins bin ich mir aber jetzt schon klar - vorne in den Knieraum wird mit Airbrush die DDR-Fahne gesprüht.
Das muß einfach sein ;-).

Ich wollte immer schon mal eine Mofa haben. Eine Schwalbe ist sogar noch besser. Bald schon werde ich wie Schwester Agnes durch die Botanik knattern. Wartet nur ab!


Das Geschenk wurde gleich "befeiert" 
- Standesgemäß im Baumkuchenhaus Wernigerode - eine absolute Empfehlung!


Baum Kuchen!


Nach soviel Kalorienzufuhr ging das Mopped unter mir gleich in die Knie!
 


Fazit:
Seinem Freund zu sagen: "Ach, das klappt ja eh nie mit einem Ost-Mokick - viel zu teuer sind die geworden!" weckt bei so manchem Mann erst recht den Jagdtrieb.

Lange wurde gesucht. Heimlich, im Verborgenen. Und dann kam ein unscharfes Handyfoto und konfrontierte mich mit der Realität.



Sollten wir so gar nicht zusammen passen, Agnes und ich, dann ist sie mit Sicherheit eine Wertanlage, die für ein Vielfaches an Geld weitergegeben werden kann.
Aber soweit mag ich gar nicht denken.



Ossi-Bowling-Party der Vulcanier in Sömmerda/Thüringen
Probesitzen auf einer Polizeischwalbe

Mit Blinker und schönem Lack - so ähnlich wird Agnes dann auch werden!

 
 

20.11.2015 - Noch einmal kurz vor dem ersten Schnee

Freitag Mittag. Mit Argwohn hatte ich seit Tagen den Wetterbericht verfolgt. Angeblich sollte am Wochenende der Winter seine schneekalten Finger nach uns ausstrecken.

Tat er dann auch - aber davon später mehr ...

Ich hatte eine anstrengende Arbeitswoche hinter - und weitere bis Weihnachten noch vor mir. Ein wenig Überarbeitungsmüdigkeit hatte sich breitgemacht, und ich brauchte eine gute Aufmunterung. Sonst würde die 4 Wochen lange Durststrecke bis zum Urlaub nicht zu bewältigen sein.

Ich rammte meine Stempelkarte um viertel vor ein Uhr in den Wandschlitz, registrierte das PIIIEP mit Wohlwollen und fuhr auf Umwegen nach Hause. Meine Antwort auf die ermüdende tägliche Routine: ab und an andere Wege befahren. Hilft gut in der dunkleren Jahreszeit ...

Das Pflegekind Elena war heute gut drauf - sie wartete schon am Gitter darauf, dass ich sie rauslassen würde.
Diesmal fand sie kein Ende. Saß auf ihrem Outside-Fressparcour und futterte sich durch die Angebote, während ich in Motorradklamotten auf der Couch darauf wartete, dass sie fertig war.

Beispielfoto


Die Sonne kam durch und ich fing an zu schwitzen. Aber nein - Pflegeschwein geht vor. Gegen 14 Uhr war sie dann satt und wollte wieder ins Gehege gelassen werden.

Wie ein Blitz war ich aus der Wohnung und unten in der Garage.

Als ich dann mit Ellie vom Hof fuhr, atmete ich tief auf.

DAS hatte mir sehr gefehlt. Ich war sehr froh über meine Windstulpen. Ich hielt den Kopf hoch, aber trotzdem beschlug mir ständig die Brille durch die warme Atemluft. Visier auf, Visier zu - an jedem Halt nutzte ich die Lüftungsmöglichkeiten.
So ist das eben als Brillenträger im Herbst und Winter.

Während ich fuhr, tanzten meine Gedanken mit den letzten welken Blättern auf der Straße um die Wette. Es dauerte eine lange Zeit, bis ich den Zauber des Fahrens richtig genießen konnte. Mit Arbeit kann man sich wirklich das Leben versauen!

Ellies Tank war nur noch zu einem Drittel voll. Also hielt ich auf Semmenstedt zu. Dort gab es Sprit bis unter den Rand.

Grün und rot - Kawasaki's Farben :-)


Bis jetzt sah ich nicht einen anderen Motorradfahrer unterwegs. Und das änderte sich nicht, bis ich wieder zuhause ankam.

In der Tankstelle standen zwei kraftvolle Typen an einem Seitentisch. Auf dem Ärmel stand "Six Pack". Die Statur der beiden war eher griffig und knuddelig, aber ich wollte sie nicht auf das Mißverhältnis aufmerksam machen, zahlte und rödelte mich wieder auf Ellie. Ein Dreh am Gasgriff und ich rauschte wieder vom Hof.
Der Wind war recht frisch, das muß ich zugeben. 12 Grad waren irgendwo angezeigt, aber die Luft war schon deutlich kühler.

Ich drehte meine übliche Runde. Die Straßen waren teilweise sehr siffig und mit Bedauern sah ich später bei einer Rast in Seinstedt, dass die ganze Putzarbeit zum Teufel war. Egal - dafür war das zufriedene Gefühl wieder ins Gehirn eingezogen! 

Die Straßenmeisterei des Landkreises hatte sich schon auf den Winter eingestellt und Vorkehrungen getroffen.
An den Fahrbahn-Leitpfosten waren Schneestangen angebracht.
 


Über dem Harz liegen dicke Wolken - wir kriegen Wetter ...


Ellie vor einer so genannten Schnee-Stange; über Land werden diese Holzstangen überall dort an den Leitpfosten angebracht, wo der Wind ohne Hindernisse die Straßen mit Schneewehen bedecken kann. Diese Stangen sollen anzeigen, wo die Straße zuende ist.


Überall an den Feldrändern lagerten Tonnen von geernteten Zuckerrüben, aufgetürmt zu Bergen, bereit für den Abtransport. Einige Berge waren mit Plane abgedeckt und von Ferne sahen sie aus wie urzeitliche Unfallopfer, die vor Blicken geschützt werden sollten.



Allmählich wurde mir kalt. Die Sonne ging auch langsam unter. Also fuhr ich Richtung Wolfenbüttel und kehrte noch bei meinem Schrauber auf einen heißen Kaffee ein. Dort besprachen wir auch gleich, wann Ellie wieder zur Inspektion sollte. Sie bekam noch Luft auf die Reifen - ein halbes Bar vorne fehlte, aber das ist normal, sie hatte längere Zeit gestanden und ich war schluderig gewesen mit dem Nachfüllen.

Dann ging es gegen halb fünf Richtung zuhause. Es wird jetzt immer recht schnell dämmerig und ich wollte die Rückfahrt nicht gerne im Dunkeln haben.

Einige Gärtnereien hatten schon mit Weihnachtsgedöns-Dekoration angefangen. Tannengirlanden, überdimensionale Rentiere und Weihnachtsmann-Figuren - und da Totensonntag vor der Tür stand, jede Menge Grabgestecke in den Fensterauslagen. Wann genau ist eigentlich dieser Hype und die Panikmache "Hilfe - bald ist Weihnachten" angefangen? 



Bis ich zuhause ankam, begegnete mir nur ein Rollerfahrer. Kein anderer Motorradfahrer war unterwegs gewesen.
Stellenweise fuhren die Dosenterroristen, als hätten sie ihre Scheine im Lotto gewonnen.
Ellie rutschte mir nicht einmal weg. Ich hatte also dazu gelernt. Natürlich juckte es mich und ich wäre gerne mehr Schräglage gefahren. Da die Bodentemperaturen aber deutlich unter 10 Grad lagen, verkniff ich mir das aus Gründen der Sicherheit.
Ein Risiko eingehen, so kurz vor der Winterpause, das wäre zu blöd gewesen!

Also fuhr ich wie gewohnt die Ideallinie, nur halt etwas vorsichtiger.

Knapp 100 Kilometer waren wir unterwegs gewesen und nur die Dunkelheit bremste uns aus.

Am Sonntag kam dann der angekündigte Wintereinbruch. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde sogar schon gestreut. Diese Bekloppten ...

Naja, es soll Mitte der Woche 48 wieder wärmer werden. Dann ordentlich Regen und die Straßen sind wieder sauber. Und weitere Gelegenheiten warten auf uns!

Fazit:
Das Fahren ist immer noch und immer wieder Therapie gegen Frust jedweder Art!
Und Gelegenheiten werden noch kommen, bevor die Saison der anderen wieder beginnt.

Montag, 2. November 2015

31.10. - 1.11.2015 - Das Saisonende der anderen, Familienfeier und grandiose Eröffnung der Wintersaison

31.10.2015
Reformationstag - in einigen Bundesländern Feiertag (nur Niedersachsen nicht, grumpf ...).

Am 31.10. endet für viele die Saison.

Der Tag war grau, nebelig und kühl angefangen. Im Laufe der Stunden hob sich das Ganze etwas, war aber nicht wirklich schön für einen Abschluß.

Der Zettfahrer, Elena und ich fuhren in die Umgegend und feierten in Familie.



Es ist erstaunlich, wie lange "alte Leute" feiern können, wenn der Anlaß dafür ein so seltener ist wie dieser!

Glücklicherweise hatten wir eine Übernachtungsmöglichkeit.
Vor dem Schlafen gab es noch Bespaßung "für's Kind".


Am nächsten Tag Bespaßung für die Erwachsenen!


Und ein Abschiedsspaziergang.


Gespannfahrer hatten dort auf dem Gelände gezeltet. Alljährlich treffen sie sich zum Ende Oktober aus weiten Teilen der Republik und fachsimpeln an dem Wochenende über ihre fahrbaren Untersätze. Ein teilweise ziemlich verschrobenes Völkchen. Und eine offenbar aussterbende Spezies, denn jung war von denen keiner mehr.








Dann folgten auf der Rückfahrt diverse Cachingpunkte. Wobei der eine ziemlich anrüchigen Charakter hatte und für diverse Lachflashes beim Zettfahrer und mir sorgte. Ich sage nur "Bitte Öffnungszeiten beachten!"
Auf was für Punkte die Leute kommen, der Oberhammer ! 


1.11.
Saisonbeginn für uns

Der arme Zettfahrer mußte am Sonntag leider arbeiten. Damit er nicht ganz so allein dastehen würde, klingelte mein Wecker auch um 6 Uhr, und ich stürzte mich so früh ich konnte auf die Reinigung des großen Meerschweingeheges.

Schlag 11 Uhr war ich dann aber unten in der Garage bei Ellie. Das Wetter war ein Traum. Und ich grinste mir in meinen Helm. Neverever Saisonkennzeichen. Am heutigen Tag trällerte ich diesen Song noch mehrfach!

Meine Fell-Einlegesohlen waren überflüssig. Aber gegen Abend sollte es kühl werden, und ich hatte nicht vor, früher als zum Dunkelwerden zuhause zu sein.


Seht ihr? Kein Strich-Kennzeichen!

 
Allerallerbestes Wetterchen und fast keine Motorräder mehr auf der Straße ... 
Was für ein Jammer, was für ein Elend ...






Während ich diesen Beginn der Fahrt genoß, wickelten sich ständig weiße klebrige Gespinste um mich, um das Motorrad und wurden vom Wind über die Felder verteilt. In diesen Fäden hingen kleine Spinnen, die so wohl auf Reisen waren. Altweibersommer kenne ich ja - das hier war aber etwas, was ich so zuvor noch nie gesehen hatte! Die Fäden waren teilweise meterlang und klebten überall dran.

Die Sonne wärmte und die Welt schimmerte in den herrlichsten Tönen. Meine Hausrunde kam mir noch nie so verzaubert vor.

In Seinstedt tankte ich. Einige Grüppchen von Motorradfahrern kamen mir entgegen - zur Asse hin ein Corso mit Transalp und Vollausstattung (Sozia, Koffersystem, farblich passende Kombis und Helme), und dann weiter zum Harz donnerte eine Gruppe Harleyfahrer. Auch sie: spinnenwebenverhangen, allesamt. Es sah teilweise so aus, als wären Mumien unterwegs, bei denen sich die Verbände langsam aufdröselten.
Krass.

Ich ließ mich treiben. Es war kaum Verkehr auf der Strecke, und so tuckerte ich mit gemütlichen 70 km/h durch die Landschaft.

In Osterwieck war das Benzin satte 25 Cent teurer. Das ist wohl der Feiertagszuschlag. In Sachsen-Anhalt ist der 31.10. Feiertag. Gleich danach, der 1.11. ist dann Allerheiligen, und Aral dachte sich wohl: zwei Fliegen mit einer Benzinklappe ...

Es ging an Osterwieck vorbei, Richtung Halberstadt. Kurz vor Zilly kehrte ich um, und bog in einen Agrarweg ein. Es war kein Schild vorhanden, welches mir die Weiterfahrt verbot (das kam erst am Ende des Wegs, aber hinten habe ich ja keine Augen und somit ...).
 















Dieser Halteplatz glänzte durch die völlige Abwesenheit von Geräuschen. Man hörte - nichts. Kein Motorlärm, kein Windgesäusel in den Bäumen, kein Vogelkrächzen. Absolut gar nix.

Staunend stand ich - voller Spinnenweben behangen - da und genoß dieses kleine Abenteuer. Ein Wirtschaftsweg, zugepflastert mit abgebrochenen Ästen der Pappeln, ab und an eine hochgepresste Bodenplatte - ich war hier im zweiten Gang ohne Gasgeben entlang gehopst. Lässig und locker, immer den Weg im Blick und doch voller Aufmerksamkeit für die Landschaft. Dieser Weg war nur ein schmaler grauer Strich auf meiner Motorradkarte. In natura war er aber ein echter Geheimtipp.

Das einzige Trübchen war, dass ich dem Zettfahrer nur Fotos schicken konnte. Er wäre zu gern dabei gewesen.


In Gedanken fährst du mit, Schätzeken :-)


Weiter ging es, das kleine Fahr-Abenteuer. Mittlerweile fuhr ich ohne Handschuhe, denn erstens war es warm genug in den Windpratzen, und zweitens war ich so fixer mit der Digicam. Fotomotive gab es genug, das Licht war der Traum eines jeden Outdoor-Fotografen!


Ein kleines Matsch-Stückchen wurde ohne Probleme von mir gemeistert
Ohne Heidenau-Reifen und ohne Enduro-Motorrad; ist möglich, wenn man aufpaßt, wie man lenkt und mit dem Angasen vorsichtig umgeht
 





Lenkerstulpen-Saison, ab 1.11. - war heute allerdings überdimensioniert gewesen - bei Außentemperaturen von bis zu 18°

In der Ferne sah ich drei Spaziergänger. Auch hier war ich wieder einmal froh über Ellies leisen Sound. Ihr Motorengeräusch störte die Ruhe kaum. Die drei gingen auch weiter, ohne sich nach uns umzudrehen. SO habe ich das gerne!
Ein Auto bog in den Weg ein. Ich hielt am Rand und ließ es passieren. Es bog direkt hinter mir ab. Die kleine Pause nutzte ich für den erneuten Fotostopp.



Idyllisches Wohnen
Schnell über die Schulter fotografierter Schnappschuß - ich wollte hier nicht länger als unbedingt nötig stehen, zumal das Auto ein "Hallo-wir-sind-da-komm-raus-Hupen" von sich gab und somit sicherlich wenige Augenblicke später die Einheimischen aus dem Haus purzeln würden ...


Was für ein traumhaftes Fotolicht - die Blätter leuchteten wie kleine Laternen!


Es gab jetzt auch wieder Anzeichen von Zivilisation ...







Fast wäre ich auf dem Radweg weitergefahren. Ich war so schön im Törn drin, kleine Fahrwege zu entern!

Weiter ging es Richtung Zilly. Ein Riesentraktor mit Anhängern dahinter war vor mir in die Straße eingebogen. Ich hielt Abstand und ließ die Dreckbombe am Horizont in einen Seitenweg verschwinden.
Freie und saubere Fahrt für mich.

Ich fuhr über Heudeber und Danstedt ins Schachdorf Ströbeck, ein Stück über kleine Sträßlein nach Mahndorf und dann ohne rechte Orientierung querfeldein. Wieder über Singeltracks. Als ich an Abzweigungen nicht mehr weiter wußte, befragte ich ein Radfahrpärchen, welches gerade am Äpfel ernten war. 
"Ja, Richtung Derenburg ist da, gucken Se mol - da wo der Schornstein is'. Da drauf zuhalten. Einfach durch die Feldmark wurschteln, det find'n Se schon!"

Ich bedankte mich artig und tuckerte weiter. Während die Frau mir den Weg beschrieben hatte, hatte der Mann Ellie beäugt. Einmal verzog er das Gesicht anerkennend - hach, trotz Spinnenweben sah Ellie wieder blitzend rot in der Sonne aus. Ich war höflich, bedankte mich vernünftig, und war auch noch leise abgefahren. Wieder etwas für das gute Bild getan.

Auf der Weiterfahrt begegnete mir eine Frau mit zwei Schäferhunden. Ich zog die Kupplung und rollte fast geräuschlos an ihr vorbei. Die Hunde hechelten, schauten einmal kurz zu mir und zeigten ansonsten keinerlei Agression.

So ganz legal war ich schließlich nicht unterwegs, und wenn ich mich nicht wie eine wilde Sau verhalte, würde das sicher keinen weiter stören.
Richtig gepokert.



Da vorne der kleine Strich - das ist der Turm der Glasbläserei von Derenburg
 


Ich fuhr am Ende des schönen stillen Weges auf die L82, auf der viele Reisende von Halberstadt aus in die Umgegend fuhren. In Derenburg lockte mich kurzzeitig das Hinweisschild "Indianermuseum - geöffnet".

Da das Wetter aber so perfekt war, hatte ich keine Lust, abzusteigen und in einem Gebäude herumzustapfen. Der Winter ist lang, das kann ich immer noch, wenn kein Fahrwetter ist.

In Heudeber gab es einen weiteren Fotostopp. Erst war ich dran vorbei gefahren, aber nach kurzer Überlegung kehrte ich am Ortsausgang um und nahm diese Gelegenheit noch mit.





Dann ging es nach Wasserleben zum Zettfahrer, der mittlerweile Feierabend hatte und dem es ebenfalls in der Gashand juckte.

Ich bekam ein leckeres verspätetes Mittagessen, und gegen 16 Uhr schwangen wir uns gemeinsam auf unsere Motorräder.

Die Sonne ging langsam zurück, es wurde kühler. Die Spinnenweben hatten sich auch verzogen, glänzten aber in der schrägstehenden Sonne noch über den Feldern. Teilweise sah es aus, als wären die frisch gepflügten Ackerfurchen mit Silber überzogen.

Wir fuhren eine ausgedehnte Heimroute, hielten mal hier, mal dort an für Fotos ... und wurden an diesem Tag auch noch romantisch beglückt.


Abendrot, welches in Natura noch viel viel schöner war - als würde der Himmel brennen!
 





Ellie
 

Jaybee im Abendrot
(die Zett war im Winterlager)


Kurz nach 18 Uhr trafen wir vor der Garage ein. Überall hingen Spinnenweben, und die Fliegenleichen verzierten uns auch reichlich.


Fazit:
Das war der schönste 1.11., den ich bislang erlebt hatte. Kaum Motorradrasende unterwegs, allerbestes Wetter, ein kleines Wegabenteuer, kaum nervende Dosenfahrer und insgesamt einfach ein toller Sonntag!
Das ich keine Streckenkarte poste, ist Absicht.

Im Schatten am Straßenrand waren die welken Blätter übrigens auch am Nachmittag noch nass und glitschig. Ich probierte das einmal aus, indem ich - zu Fuß! - Anlauf nahm und versuchsweise eine Schlitterpartie simmulierte.
Fast hätte ich mich langgemacht. Das Laub ist gefährlich.

Kleine Orientierung für Ortsfremde:

 


Stichwort Saisonkennzeichen/Kosten:

Pro Monat kostet mich Ellie etwas mehr wie 10,- Euronen. Selbst wenn der Januar und Februar winterig werden sollte, bringen mich diese geringen "nicht abgefahrenen" Beträge nicht um. Dafür ein Saisonkennzeichen? Nein. Da spare ich kaum dran. Würde ich in Schweden oder am Nordkap wohnen, würde ich anders darüber denken.
So aber ... bleibt es, wie es ist. Ohne Strich.

Ich bin ungefähr 13000 Kilometer bis jetzt gefahren. Ganz genau weiß ich das nicht, weil ich das obligatorische Tachofoto im Januar vergessen habe.
Kommt aber so ziemlich hin, die Schätzung.