Über Nacht mußte der rotmützige Mann heimlich in meine Wohnung gekommen sein. Woher hat der Kerl bloß den Nachschlüssel??? In der Küche standen überall nette Geschenkitäten herum. Ich hatte ja den Zettfahrer in Verdacht, aber der schlief noch bis weit in den Vormittag seelig grinsend vor sich hin.
Ich suchte im Arbeitszimmer in der Geschenkpapiertruhe eine rote Schleife - er sollte seinen Kaffee ans Bett bekommen und der Becher sollte schön geschmückt sein. Da kam das Elena-Kind ins Arbeitszimmer getuckert, untersuchte interessiert das raschelige Papier, knabberte hier und unterwanderte dort und verschwand dann wieder in den Flur. Okay, Zeit, die Kinder auch noch zu füttern!
Elena bei der all-morgendlichen Extrafütterung
Advent, Advent ...
Wir Zweibeiner genossen später ein ausgedehntes Frühstückchen. Der Wind ließ nicht nach, der Himmel war immer noch maulig. Trotzdem wollte ich fahren. Das Wetter kann mich mal! Es schneit nicht, es ist über 10 Grad und mit Sicherheit würden wir so ziemlich die einzigen Motorradfahrer sein. Gnihihihihi ...
Ich zog mir die dicke Fleecejacke unter und hasste das Michelingefühl sofort. Half aber nüscht. Bei den Böen würde ich sonst zu schnell auskühlen.
Ein alter Motorradfahrertrick ist auch, sich vorne in die Jacke eine Lage Zeitungspapier zu stecken. Ich packte also die Sonntagszeitung zur Sicherheit in die Hecktasche.
Gegen 12 Uhr schwang ich mich auf Ellie. Als ich in den Sitz plumpste, ging sie in die Knie. Grumpf, 10 Kilo Klamotten ...
Dann ging es ab. Die Sonne kam jetzt zeitweise doch durch und beleuchtete die Höhenzüge meiner Hausrunde überirisch schön. Noch hielt sich der Verkehr in Grenzen - meist waren Weißhaarige in den Dosen unterwegs, auf dem Weg zur Mittagstafel. Da kamen schnell mal vierhundert Jahre zusammen bei manchen Insassen. Und fahren tun die ... Jungejunge ...
Wir bogen schnell ab von den Hauptverkehrswegen, und es ging über die Hausstrecke in die Einsamkeit.
Zweiter Advent und 11 Grad warm. Was für ein Traum! Leider hatten wir kein Weihnachtsmann-Kostüm, das wäre jetzt der Hit gewesen! Rote Maschinen und dann zwei Weihnachtsfiguren darauf. Na, mal schauen, was am 24.12. für ein Wetterchen ist ;-). Bis dahin könnte man so ein Kostüm organisieren ...
Auf der Hausrunde in einem Dorf namens Kalme
Auch hier: schön geschmückter Dorf-Tannenbaum - logisch, dass da ein Fotostopp eingelegt werden mußte!
Im Osten - hier wieder: mit Geschenkpackungen behängte Bäume und schön zurecht gemachte Vorgärten
In Stötterlingen bog ich vor der Vollsperrung ab in die Nebenstrecke, und wir holperten durch das wie ausgestorbene Dörflein. Ab und an rauchte ein Schornstein vor sich hin, und zeigte an, dass es doch noch Leben gab da in dem Ort.
Den Harz vor Augen überlegte ich kurz, blieb aber bei dem geplanten Ziel. Die Sturmböen waren jetzt doch ganz schön ordentlich, und das Fahrkönnen überstrapazieren wollte ich dann doch nicht.
So schaukelten wir mit den Böen Richtung Vienenburg. Wir hatten ein Ziel. Im Klostergut Wöltingerode war Adventsrambazamba. Ein sehr schöner Kunsthandwerkmarkt, der zur Weihnachtszeit jedes Jahr wieder Tausende Besucher anzieht.
Nun also auch uns.
Es war schon ziemlich voll auf der Anfahrtstraße. Uns begegnete ein Chopperfahrer, der geradezu überschwänglich grüßte. Wahrscheinlich hatte er bis dahin auch noch keinen weiteren Biker gesehen, genauso wie wir!
Überall standen THW-Helfer mit Warnwesten und lenkten den wuseligen Verkehr. Es waren überwiegend Wenigfahrer mit der Golf Plus Dose unterwegs - viele Rentner, außerdem viele Familienkutschen, wo die Mutter fuhr (klar, Vati wollte sich ja den Kopf mit Punsch zuzimmern ...).
Während die zögerlichen und teilweise orientierungsschwachen Dosenfahrer energisch reguliert wurden, fuhren wir einfach an den Ordnern vorbei zu einem Tor. Dort standen zwei weitere Helfer - ich quatschte sie an, und sie wiesen dem Zettfahrer, Jaybee, Ellie und mir einen wirklich guten Parkplatz zu. Sie versprachen uns, auf die Maschinen und das Gepäck zu achten. Im Gegenzug dazu versprachen wir ihnen einen Punsch "Ohne". Sie hätten zwar per Funk von ihrer Basisstation Getränke ordern können, nahmen unsere Einladung aber trotzdem gerne an.
Ta Daaa - Privatparkplatz am Klostergut
Der Eintritt von 4 Euro war okay. Schließlich mußte der Platz ja später auch gesäubert werden. Und das Personal kostet auch.
Toilettengang 50 Cent, aber da fand ich später eine andere Lösung in der Natur. Die Schlange vor dem Damen-WC war mir zu heftig.
Der Platz und die Anwesenden füllten sich zunehmend
Ich bekam meinen Klosterpunsch "Ohne", und wir wanderten über das weitläufige Areal. Da waren wirklich schöne Dinge ausgestellt. Die Futterbuden waren nicht auf Null-acht-Fuffzehn-Niveau, es gab unter anderem Flammkuchen und natürlich viele Spirituosen aus der Klosterbrennerei käuflich zu erwerben. Ein Schmied bot seine Kunstwerke an und der Zettfahrer bekam zittrige Hände beim Betrachten der wunderbar gemachten Messer.
Der Markt war insgesamt sehr gut besucht. Es wurde geschoben und ein wenig gedrängt. An den Punschbuden bildeten sich angeschickerte Grüppchen, die schrill lachten und ziemlich präsent im Weg standen.
Als wir ein wenig Ruhe brauchten, bogen wir ab von der Käufermeile und genossen die Klosteranlage ... hier war es wirklich schön. Und das Wetter paßte auch.
Zurück kamen wir nur, wenn wir wieder durch das Gewusel gingen. Zu anderen Zeiten konnte man durch den Kräutergarten wandern, und am Wildgehege vorbei wieder zum Haupttor gehen.
Ich bin ja nicht der Freund von Menschenmassen und somit besuche ich größere Weihnachtsmärkte eher ungern. Der Zettfahrer traf etliche Bekannte und ehemalige Arbeitskollegen und wir ratschten den einen oder anderen Satz zusammen. Die Zeit flog, und ich wurde langsam unruhig. Die Dunkelheit kommt schnell im Dezember. Ich wollte heim, und tanken mußte ich auch noch.
Wir gingen zurück zu den Motorrädern. Während ich die Natur ansah, organisierte der Zettfahrer den versprochenen Punsch für die beiden THW-Jungs. Ein Tourenfahrer knatterte vorbei - Motorradfahrer Nummer Zwei an diesem Tag.
Ich wunderte mich - der Zettfahrer kam und kam nicht wieder. Der Weihnachtsmarkt war jetzt overcrowded. Sicher stand er lange an der Punsch Bude?
Als er mir dann später eine Schale Poffertjes in die Hand drückte, wußte ich warum er sich verspätet hatte. Ich schlang die heißen Winzpfannkuchen in mich rein und genoß das warme Gefühl in der Magengegend. So schmeckt Weihnachtsmarkt!
Die Sonne wärmte jetzt nicht mehr wirklich, und so war es Zeit zum Aufbruch. Ein Holzstern und ein kleiner Holzengel mit schiefem Grinsen fuhren in der Hecktasche mit - Andenken an den Klosteradventsmarkt.
Auch total schön: mit der Eintrittskarte hatte jeder Besucher einen Baumanhänger aus Holz bekommen. Das war eine nette Erinnerung an Wöltingerode.
Der Adventsmarkt hat schöne Dinge zu bieten, und zu teuer waren die auch nicht. Er ist halt sehr gut besucht, das muß man mögen. Ich bin eher der Freund von kleinen Dorf-Märkten, wo die Anzahl der Besucher überschaubar ist. Wöltingerode ist ein Ort, der auch von vielen Reisebussen angefahren wird - und das war zu spüren.
Der Adventsmarkt hat schöne Dinge zu bieten, und zu teuer waren die auch nicht. Er ist halt sehr gut besucht, das muß man mögen. Ich bin eher der Freund von kleinen Dorf-Märkten, wo die Anzahl der Besucher überschaubar ist. Wöltingerode ist ein Ort, der auch von vielen Reisebussen angefahren wird - und das war zu spüren.
An der Shell Tankstelle bekam Ellie den Tank voll. Währenddessen wartete der Zettfahrer im Innenraum an der Kasse darauf, dass ich fertig war mit dem Vorgang. Außerdem gab es ein klärendes Geplänkel mit dem Kassierer, der dann auch kapierte, dass Frauen im Dezember durchaus Eis essen, dass deutsche Fahrer mitnichten im Dezember frieren, und Frauen im Winter auch mit dem Motorrad unterwegs sein können.
Ich trug meine Sturmhaube, und in den Motorradsachen sehe ich durchaus "unisex" aus. Jetzt stell sich mal einer vor, ich hätte noch das Weihnachtsmann-Kostüm angehabt. Der arme Kassierer, er wäre ja sicher total verwirrt worden.
Es ging über Hornburg Richtung Wolfenbüttel zurück. Der Wind hatte etwas nachgelassen. In Hornburg wurden wir von einem einheimischen Endurofahrer überholt, der die Kurven im Ort gekonnt und mit engagierter Geschwindigkeit nahm. Nummer Drei!
Ich bog in kleine Singletracks ab, fuhr kreuz und quer, damit die Hausrunde mal aufgelockert wurde. Richtung Lucklum und dann über Veltheim-Ohe ging es an die B1. Dort meinte eine Sonntagsrentnerin beim Linksabbiegen, die Spur schneiden zu müssen. Sie kam meinem Vorderrad bedrohlich nahe.
Leute Leute ... nicht nur, dass ihr zuwenig fahrt. Das ihr Schlangenlinien fahrt. Das ihr keinen Schulterblick mehr macht, weil ihr den Kopf nicht so weit drehen könnt ... Risikofaktoren sind sie für mich, allesamt. Gerade in der Weihnachtszeit oder zu Totensonntag.
Ohne weitere Vorkommnisse kamen wir gegen halb fünf vor der Garage an. Der heiße Tee und die heiße Suppe in der warmen Wohnung, beleuchtet von zwei Kerzen, tat uns beiden richtig gut. Was für ein wunderbarer zweiter Advent war das gewesen!
Fazit:
Drei Motorradfahrer gesehen. Trockene Straßen, böiger Wind, und knapp 140 Kilometer mehr auf dem Tacho. Eine Ausfahrt zum zweiten Advent, die richtig gut getan hatte. Endlich paßte das Wetter an einem freien Tag mal!
Die Lage Zeitungspapier hatte ich nicht gebraucht, ich war gut gekleidet gewesen. Auf dem Hinweg waren die Füße etwas kalt, dafür heizte mir die Griffheizung so gut ein, dass ich sie kurz vor dem Ziel wieder ausstellte. Zu heiß! Den Pratzen sei Dank blieb die Wärme also da, wo sie hingehört: an die Hände.
Die teilweise heftigen Windböen machten mir wenig Probleme. In Rückerinnerung an meine Anfängerzeit muß ich manchmal stark schmunzeln. Was mich da alles geschreckt hatte ... Es hilft eben die Übung. Immer wieder neu probieren. Die Hausrunde ist jedesmal anders, weil auch die eigene Tagesform täglich anders ist. So fand ich meine Straßenlinie heraus, ganz für mich. Leute, die in Gruppen unterwegs sind, haben es da sicherlich leichter gehabt. Ich habe mir "die Linie" anders beigebracht - auch durch Abgucken, aber eben nicht in der Gruppe.
Ich fahre jetzt das dritte Jahr, und bin ein Stück weit sicherer geworden. In allem.
Eine schöne Erfahrung.
Die teilweise heftigen Windböen machten mir wenig Probleme. In Rückerinnerung an meine Anfängerzeit muß ich manchmal stark schmunzeln. Was mich da alles geschreckt hatte ... Es hilft eben die Übung. Immer wieder neu probieren. Die Hausrunde ist jedesmal anders, weil auch die eigene Tagesform täglich anders ist. So fand ich meine Straßenlinie heraus, ganz für mich. Leute, die in Gruppen unterwegs sind, haben es da sicherlich leichter gehabt. Ich habe mir "die Linie" anders beigebracht - auch durch Abgucken, aber eben nicht in der Gruppe.
Ich fahre jetzt das dritte Jahr, und bin ein Stück weit sicherer geworden. In allem.
Eine schöne Erfahrung.












