Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 2. November 2015

31.10. - 1.11.2015 - Das Saisonende der anderen, Familienfeier und grandiose Eröffnung der Wintersaison

31.10.2015
Reformationstag - in einigen Bundesländern Feiertag (nur Niedersachsen nicht, grumpf ...).

Am 31.10. endet für viele die Saison.

Der Tag war grau, nebelig und kühl angefangen. Im Laufe der Stunden hob sich das Ganze etwas, war aber nicht wirklich schön für einen Abschluß.

Der Zettfahrer, Elena und ich fuhren in die Umgegend und feierten in Familie.



Es ist erstaunlich, wie lange "alte Leute" feiern können, wenn der Anlaß dafür ein so seltener ist wie dieser!

Glücklicherweise hatten wir eine Übernachtungsmöglichkeit.
Vor dem Schlafen gab es noch Bespaßung "für's Kind".


Am nächsten Tag Bespaßung für die Erwachsenen!


Und ein Abschiedsspaziergang.


Gespannfahrer hatten dort auf dem Gelände gezeltet. Alljährlich treffen sie sich zum Ende Oktober aus weiten Teilen der Republik und fachsimpeln an dem Wochenende über ihre fahrbaren Untersätze. Ein teilweise ziemlich verschrobenes Völkchen. Und eine offenbar aussterbende Spezies, denn jung war von denen keiner mehr.








Dann folgten auf der Rückfahrt diverse Cachingpunkte. Wobei der eine ziemlich anrüchigen Charakter hatte und für diverse Lachflashes beim Zettfahrer und mir sorgte. Ich sage nur "Bitte Öffnungszeiten beachten!"
Auf was für Punkte die Leute kommen, der Oberhammer ! 


1.11.
Saisonbeginn für uns

Der arme Zettfahrer mußte am Sonntag leider arbeiten. Damit er nicht ganz so allein dastehen würde, klingelte mein Wecker auch um 6 Uhr, und ich stürzte mich so früh ich konnte auf die Reinigung des großen Meerschweingeheges.

Schlag 11 Uhr war ich dann aber unten in der Garage bei Ellie. Das Wetter war ein Traum. Und ich grinste mir in meinen Helm. Neverever Saisonkennzeichen. Am heutigen Tag trällerte ich diesen Song noch mehrfach!

Meine Fell-Einlegesohlen waren überflüssig. Aber gegen Abend sollte es kühl werden, und ich hatte nicht vor, früher als zum Dunkelwerden zuhause zu sein.


Seht ihr? Kein Strich-Kennzeichen!

 
Allerallerbestes Wetterchen und fast keine Motorräder mehr auf der Straße ... 
Was für ein Jammer, was für ein Elend ...






Während ich diesen Beginn der Fahrt genoß, wickelten sich ständig weiße klebrige Gespinste um mich, um das Motorrad und wurden vom Wind über die Felder verteilt. In diesen Fäden hingen kleine Spinnen, die so wohl auf Reisen waren. Altweibersommer kenne ich ja - das hier war aber etwas, was ich so zuvor noch nie gesehen hatte! Die Fäden waren teilweise meterlang und klebten überall dran.

Die Sonne wärmte und die Welt schimmerte in den herrlichsten Tönen. Meine Hausrunde kam mir noch nie so verzaubert vor.

In Seinstedt tankte ich. Einige Grüppchen von Motorradfahrern kamen mir entgegen - zur Asse hin ein Corso mit Transalp und Vollausstattung (Sozia, Koffersystem, farblich passende Kombis und Helme), und dann weiter zum Harz donnerte eine Gruppe Harleyfahrer. Auch sie: spinnenwebenverhangen, allesamt. Es sah teilweise so aus, als wären Mumien unterwegs, bei denen sich die Verbände langsam aufdröselten.
Krass.

Ich ließ mich treiben. Es war kaum Verkehr auf der Strecke, und so tuckerte ich mit gemütlichen 70 km/h durch die Landschaft.

In Osterwieck war das Benzin satte 25 Cent teurer. Das ist wohl der Feiertagszuschlag. In Sachsen-Anhalt ist der 31.10. Feiertag. Gleich danach, der 1.11. ist dann Allerheiligen, und Aral dachte sich wohl: zwei Fliegen mit einer Benzinklappe ...

Es ging an Osterwieck vorbei, Richtung Halberstadt. Kurz vor Zilly kehrte ich um, und bog in einen Agrarweg ein. Es war kein Schild vorhanden, welches mir die Weiterfahrt verbot (das kam erst am Ende des Wegs, aber hinten habe ich ja keine Augen und somit ...).
 















Dieser Halteplatz glänzte durch die völlige Abwesenheit von Geräuschen. Man hörte - nichts. Kein Motorlärm, kein Windgesäusel in den Bäumen, kein Vogelkrächzen. Absolut gar nix.

Staunend stand ich - voller Spinnenweben behangen - da und genoß dieses kleine Abenteuer. Ein Wirtschaftsweg, zugepflastert mit abgebrochenen Ästen der Pappeln, ab und an eine hochgepresste Bodenplatte - ich war hier im zweiten Gang ohne Gasgeben entlang gehopst. Lässig und locker, immer den Weg im Blick und doch voller Aufmerksamkeit für die Landschaft. Dieser Weg war nur ein schmaler grauer Strich auf meiner Motorradkarte. In natura war er aber ein echter Geheimtipp.

Das einzige Trübchen war, dass ich dem Zettfahrer nur Fotos schicken konnte. Er wäre zu gern dabei gewesen.


In Gedanken fährst du mit, Schätzeken :-)


Weiter ging es, das kleine Fahr-Abenteuer. Mittlerweile fuhr ich ohne Handschuhe, denn erstens war es warm genug in den Windpratzen, und zweitens war ich so fixer mit der Digicam. Fotomotive gab es genug, das Licht war der Traum eines jeden Outdoor-Fotografen!


Ein kleines Matsch-Stückchen wurde ohne Probleme von mir gemeistert
Ohne Heidenau-Reifen und ohne Enduro-Motorrad; ist möglich, wenn man aufpaßt, wie man lenkt und mit dem Angasen vorsichtig umgeht
 





Lenkerstulpen-Saison, ab 1.11. - war heute allerdings überdimensioniert gewesen - bei Außentemperaturen von bis zu 18°

In der Ferne sah ich drei Spaziergänger. Auch hier war ich wieder einmal froh über Ellies leisen Sound. Ihr Motorengeräusch störte die Ruhe kaum. Die drei gingen auch weiter, ohne sich nach uns umzudrehen. SO habe ich das gerne!
Ein Auto bog in den Weg ein. Ich hielt am Rand und ließ es passieren. Es bog direkt hinter mir ab. Die kleine Pause nutzte ich für den erneuten Fotostopp.



Idyllisches Wohnen
Schnell über die Schulter fotografierter Schnappschuß - ich wollte hier nicht länger als unbedingt nötig stehen, zumal das Auto ein "Hallo-wir-sind-da-komm-raus-Hupen" von sich gab und somit sicherlich wenige Augenblicke später die Einheimischen aus dem Haus purzeln würden ...


Was für ein traumhaftes Fotolicht - die Blätter leuchteten wie kleine Laternen!


Es gab jetzt auch wieder Anzeichen von Zivilisation ...







Fast wäre ich auf dem Radweg weitergefahren. Ich war so schön im Törn drin, kleine Fahrwege zu entern!

Weiter ging es Richtung Zilly. Ein Riesentraktor mit Anhängern dahinter war vor mir in die Straße eingebogen. Ich hielt Abstand und ließ die Dreckbombe am Horizont in einen Seitenweg verschwinden.
Freie und saubere Fahrt für mich.

Ich fuhr über Heudeber und Danstedt ins Schachdorf Ströbeck, ein Stück über kleine Sträßlein nach Mahndorf und dann ohne rechte Orientierung querfeldein. Wieder über Singeltracks. Als ich an Abzweigungen nicht mehr weiter wußte, befragte ich ein Radfahrpärchen, welches gerade am Äpfel ernten war. 
"Ja, Richtung Derenburg ist da, gucken Se mol - da wo der Schornstein is'. Da drauf zuhalten. Einfach durch die Feldmark wurschteln, det find'n Se schon!"

Ich bedankte mich artig und tuckerte weiter. Während die Frau mir den Weg beschrieben hatte, hatte der Mann Ellie beäugt. Einmal verzog er das Gesicht anerkennend - hach, trotz Spinnenweben sah Ellie wieder blitzend rot in der Sonne aus. Ich war höflich, bedankte mich vernünftig, und war auch noch leise abgefahren. Wieder etwas für das gute Bild getan.

Auf der Weiterfahrt begegnete mir eine Frau mit zwei Schäferhunden. Ich zog die Kupplung und rollte fast geräuschlos an ihr vorbei. Die Hunde hechelten, schauten einmal kurz zu mir und zeigten ansonsten keinerlei Agression.

So ganz legal war ich schließlich nicht unterwegs, und wenn ich mich nicht wie eine wilde Sau verhalte, würde das sicher keinen weiter stören.
Richtig gepokert.



Da vorne der kleine Strich - das ist der Turm der Glasbläserei von Derenburg
 


Ich fuhr am Ende des schönen stillen Weges auf die L82, auf der viele Reisende von Halberstadt aus in die Umgegend fuhren. In Derenburg lockte mich kurzzeitig das Hinweisschild "Indianermuseum - geöffnet".

Da das Wetter aber so perfekt war, hatte ich keine Lust, abzusteigen und in einem Gebäude herumzustapfen. Der Winter ist lang, das kann ich immer noch, wenn kein Fahrwetter ist.

In Heudeber gab es einen weiteren Fotostopp. Erst war ich dran vorbei gefahren, aber nach kurzer Überlegung kehrte ich am Ortsausgang um und nahm diese Gelegenheit noch mit.





Dann ging es nach Wasserleben zum Zettfahrer, der mittlerweile Feierabend hatte und dem es ebenfalls in der Gashand juckte.

Ich bekam ein leckeres verspätetes Mittagessen, und gegen 16 Uhr schwangen wir uns gemeinsam auf unsere Motorräder.

Die Sonne ging langsam zurück, es wurde kühler. Die Spinnenweben hatten sich auch verzogen, glänzten aber in der schrägstehenden Sonne noch über den Feldern. Teilweise sah es aus, als wären die frisch gepflügten Ackerfurchen mit Silber überzogen.

Wir fuhren eine ausgedehnte Heimroute, hielten mal hier, mal dort an für Fotos ... und wurden an diesem Tag auch noch romantisch beglückt.


Abendrot, welches in Natura noch viel viel schöner war - als würde der Himmel brennen!
 





Ellie
 

Jaybee im Abendrot
(die Zett war im Winterlager)


Kurz nach 18 Uhr trafen wir vor der Garage ein. Überall hingen Spinnenweben, und die Fliegenleichen verzierten uns auch reichlich.


Fazit:
Das war der schönste 1.11., den ich bislang erlebt hatte. Kaum Motorradrasende unterwegs, allerbestes Wetter, ein kleines Wegabenteuer, kaum nervende Dosenfahrer und insgesamt einfach ein toller Sonntag!
Das ich keine Streckenkarte poste, ist Absicht.

Im Schatten am Straßenrand waren die welken Blätter übrigens auch am Nachmittag noch nass und glitschig. Ich probierte das einmal aus, indem ich - zu Fuß! - Anlauf nahm und versuchsweise eine Schlitterpartie simmulierte.
Fast hätte ich mich langgemacht. Das Laub ist gefährlich.

Kleine Orientierung für Ortsfremde:

 


Stichwort Saisonkennzeichen/Kosten:

Pro Monat kostet mich Ellie etwas mehr wie 10,- Euronen. Selbst wenn der Januar und Februar winterig werden sollte, bringen mich diese geringen "nicht abgefahrenen" Beträge nicht um. Dafür ein Saisonkennzeichen? Nein. Da spare ich kaum dran. Würde ich in Schweden oder am Nordkap wohnen, würde ich anders darüber denken.
So aber ... bleibt es, wie es ist. Ohne Strich.

Ich bin ungefähr 13000 Kilometer bis jetzt gefahren. Ganz genau weiß ich das nicht, weil ich das obligatorische Tachofoto im Januar vergessen habe.
Kommt aber so ziemlich hin, die Schätzung.
 

6 Kommentare:

  1. Erster?! :-)
    Ich hatte andere Termine am gesamten Wochenende, daher konnte ich das Wetter leider (!) nicht ausnutzen. Dafür freut es mich umso mehr, dass du mich auf diese kleine Reise mitgenommen hast. Man sieht an den Fotos, man liest aus dem Text, dass es dir richtig gut erging und gefallen hat!
    BTW, das Foto mit deinem Untertitel " Was für ein traumhaftes Fotolicht - die Blätter leuchteten wie kleine Laternen!" ist SUPER!
    Das mit den Spinnweben habe ich noch nie bewusst erlebt! Morgen kann ich eine kleine Feierabendrunde drehen, dann werde ich da mal drauf achten.
    Ähm- die Straßen sind nicht verboten, wenn sie von deiner Seite aus nicht beschildert sind. Hier in der Ecke (Ahsewiesen bei Soest) ist das dortige Naturschutzgebiet so schlecht ausgeschildert, dass man mit ein paarmal abbiegen legal mittendurch kann. Ich vermeide es aus den Gründen allerdings, die du in deinem Text aufgeführt hast.
    Boah, was würde ich diese Strecke auch gern fahren! *Neid*

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    1. Hei Volker! Gell, das Blätter-Laternenfoto hat es in sich! In natura blendete das Gelb die Augen richtig. Kleine Sonnen, die letzten Tapferen am Baum!
      Die Spinnenwebler waren sonst auch nicht SO kräftig gewesen. Ich bin ja oft im Herbst gefahren, aber so krass war das noch nie. Ich habe keine Tageszeitung und kann somit auch nicht nachlesen, ob das ein einmaliges Phänomen war.
      Ja, die schönsten Gebiete bei uns sind verboten. Überall Schilder. Seufz... aber das hält andere nicht davon ab, solche Traumplätze als illegale Müllablageplätze zu mißbrauchen. Irgendwie schrecken die Schilder kaum jemanden außer mir ...

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  2. Was für ein tolles Licht bei Euch! Das kann ich gar nicht oft genug schreiben! Wie schön, daß Du das so gut nutzen konntest!
    Ich selbst bin schon eine gute Woche nicht mehr mit Gesa unterwegs gewesen, diese blöde Erkältung war zäher als ich dachte. Und am Wochenende war nur Nebel bei uns. Mööh.

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    1. Oh Minya, das ist ja gleich doppelte Strafe :-( ... ich wünsche gute Besserung an Dich. Hier in der Firma hustet und röchelt auch jeder zweite vor sich hin. Wenn die bloß mal zuhause bleiben würden. Hoffentlich springt es mich nicht noch einmal an. Das muß ich nicht erneut haben :-( ...
      Heute ist übrigens wieder so ein geniales Wetter. Und ich hocke im Büro und träume von gestern. Leider ist kein Urlaub mehr übrig, sonst wäre ich heute mit Sicherheit woanders unterwegens. Jawollja!

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  3. Aaaarrrghh....das ganze WE trübe Suppe, und pünktlich zum Montag herrlicher Sonnenschein. ...
    Neid für Deine tolle Tour. ...*seufz*

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  4. Schöner Ausflug, Heike. Wenn ich mit meiner Vespa in den Weinbergen unterwegs bin, sagt auch nie jemand was, weder der Weinbauer noch die Spaziergänger. Anders würde das allerdings sein, wenn ich mit der Sportster daher käme... die ist halt von Natur aus etwas -hüstel- lauter.

    Jetzt fängt der beste Teil der Saison an... die ganzen BruchstricherInnen haben ihre Bikes eingemottet und die Straße gehört wieder den GanzjahresfahrerInnen. Ich freue mich jedenfalls schon auf meine Vespa-Tripps durch den Winter, wenn sich plötzlich motorisierte Zweiradfahrer jeglicher Zunft (die sich unterm Jahr nicht mit dem Allerwertestens angeguckt hätten) wieder grüßen...

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