Ich hatte einen Plan: ich wollte um halb elf am Outdoor-GoDi meiner Gemeinde teilnehmen. Danach dann sollte es nach Wasserleben gehen. Eine Motorradfreunde-Gemeinschaft lud zur fünfundzwanzigsten Party vom 14.-17.5.2015, und ich wollte mir das Ziel ganz in der Nähe einmal begucken. Auf dem Einladungsflyer, den der liebe Jesko mir geschickt hatte, stand, dass sie die Feier bewußt familiär halten.
Und genau das hatte mir sehr gut gefallen, als ich das gelesen hatte. Trotzdem waren insgesamt über die Tage an die einhundert Leute oder mehr dabei gewesen (ich habe sie nicht nachgezählt und im Schätzen lag ich schon immer schwer daneben) ... und jede Menge Nachwuchs ebenfalls. Teilweise sogar "frisch geschlüpft" und total niedlich in weiße Plüschoveralls gekleidet.
Kurz vor zehn Uhr fuhr ich warm eingepackt los. Weiteres Zeug wartete in den neuen Satteltaschen auf seinen Einsatz.
Das Outdoor-Event war ziemlich anspruchsvoll vom Durchhalten her. Ich war nämlich die Einzige, die nicht gefroren hatte. Ein Hoch auf die Funktionskleidung.
Ich hatte mich aber auch darauf eingestellt, dass Outdoor Outdoor ist. Also nicht im Warmen stattfindet, zumindest nicht, wenn man vorher den Wetterbericht befragt.
Der heiße Kaffee anschließend war recht schnell ausgetrunken. Die Anwesenden waren alle etwas angefressen wegen der Mai-Kälte.
Gegen Mittag schwang ich mich wieder auf Ellie, und fuhr in den Vorharz. Das Gelände war allerbestens ausgeschildert. Hier war ich neulich erst vorbei getuckert - und nun fahre ich nicht mehr vorbei, sondern genau hinein. So kann es gehen ... Ich war aufgeregt wie immer, wenn ich wo fremd bin. Das gibt sich dann aber recht schnell, wenn das erste Fremdeln abgehakt ist!
Ich fuhr mit Ellie genau vor das Vereinsheim, zäumte ab, stellte mich bei den Clubmitgliedern höflich vor, und wanderte dann herum. Lecker Essen, jede Menge Bekannte getroffen, jede Menge "in Familie" anwesend, ein absolut geniales Zeltgelände und insgesamt ein wunderbarer Nachmittag mit fröhlichen Leuten und zehn Sterne Gastgebern.
Mein nächster Plan stand fest - ich werde morgen wieder hinfahren, dann aber mit dem neuen Zelt, und eine Nacht dort bleiben. Auf dem Nachhauseweg schrieb ich in Gedanken schon eine Liste, was ich alles benötigen würde. Die Hälfte davon ließ ich dann später doch zurück. Unnötig - und immer an Svenja denkend: was zuviel mit ist, muß ständig gesucht oder weggeräumt werden.
15.5.2015
Ich schaute morgens aufgeregt aus dem Fenster. Ja gibt's das denn? Das Auto war befroren! Verjuxt noch eins - und bei dem Wetter will ich zelten? Ich muß einen Schaden haben!
Gestern abend hatte ich Ellie schon beladen. Ein Hoch auf das neue Gepäcksystem. Die Spanngummis sind überall super anzubringen, nichts wackelt oder ruckelt und dank der Satteltaschen ist ausreichend Stauraum für Kleinigkeiten.
Nachdem meine Freundin mir ihre Urlaubs-Gästeschweinchen gebracht hatte, aß ich noch in aller Ruhe etwas und hoffte auf die wärmende Kraft der Sonne. Gegen 14 Uhr ging es dann los.
Das sieht jetzt gewaltiger aus, als es war. Wegen der nächtlichen Kälte hatte ich zwei zusätzliche Fleece-Verhüterlis für Verbesserung des Komfort im Schlafsack mitgenommen. In der Nacht fror ich endlich einmal nicht ... aber dazu später. Und außerdem kam mein kleiner Kocher und der neue, winzige Teekessel dazu. Ich hasse es, mir morgens mit kaltem Wasser meine ramponierte Knabberleiste putzen zu müssen ...
Der Aufdruck -10° ist ein Marketing-Gag des Herstellers - bei -10° wäre ich in dem Funktionsgewebe jämmerlich verreckt vor Kälte ...
Es war windig, und ich merkte ein anderes Fahrverhalten durch die vollen Satteltaschen. Ellie schwankte anders. Stellenweise verkrampfte ich mich ziemlich, was sich aber auf der Rücktour gab. Übung ist alles ...
Auf dem Weg traf ich einige andere Motorradfahrer - ich war die Einzige mit Gepäck. Die wollten wohl alle in den Harz zum Kurven haschen.
Gemütlich reiste ich erneut zum Partygelände, fuhr den Schotterweg hoch, ohne mir Gedanken über Wegrutschen zu machen, grüßte am Vereinsheim kurz und tuckerte gleich auf die Wiese. Ich hatte mir gestern schon einen Platz ausgeguckt und zum Glück war der heute noch frei.
Es war warm in der Sonne! Und ich hatte ein T-Shirt vergessen. Nicht direkt vergessen - ich hatte es wieder ausgepackt, weil ich nicht mit solchen Temperaturen gerechnet hatte. Später bekam ich eines ausgeliehen von einer der Damen vom Club. Die Farbe gefiel mir auch. Hach, Luxusproblemkind, ich ...
Zelt steht - das Regenschirm-System ist prima - nur einmal die Finger geklemmt, steht es innerhalb weniger Minuten und ist groß genug für eine Person, ein Schlafschwein und das Gepäck
Klein, fein, mein ...
Mein Zelt, mein Stuhl, mein Motorrad!
Während hinter mir auf dem Wirtschaftsweg die jungen Rockers mit den Simsons herumfetzten - rauf und runter, denn auf die Straße durften sie aus Altersgründen noch nicht - beguckte ich mir das Zeltgelände, genoß die Ruhe dort, und war sehr zufrieden mit meinem Plan, dort zu zelten.
Freunde von meinem Stammtisch wollten auf der Rücktour aus dem Weserbergland vorbeischauen, und als ich gerade mal austreten war, klopfte mein Smartfone mit der Meldung "Wir sind da. Wo bist du?"
Jetzt nur keine hektischen Bewegungen - wenn das Smartfone im Dixiklo landet, werde ich da nicht reinlangen und es rausholen ...
Alles gut gegangen, jetzt noch kurz Hände waschen an der Waschstation und nach vorne hüpfen und die Tourer begrüßen.
Hurra hurra - endlich einmal stärkere Präsenz als "nur ich". Viel zu schnell waren die Stunden verflogen, und beide mußten wieder Richtung Braunschweig. Schön, das ihr da wart, das hat mich riesig gefreut!
Hinterher grinsen mit geliehenem T-Shirt
Später am Abend: meinereiner mit Britta von den Rats Hannover, und Peter, einem sehr lieben Freebiker aus Magdeburg
Ein besonderer Gag, der sich morgen noch stark erweitert wiederholen sollte!
Der Abend wurde richtig lustig. Ich lernte viele neue Leute kennen, wurde am Bierwagen bestens versorgt, wir sabbelten allesamt jede Menge Unsinn am Feuer und am Bierwagen, und jeder achtete auf den anderen, falls es zu Gleichgewichts-Schwankungen kam und das Feuer zu dicht war.
Irgendwann gegen zwei Uhr nachts ging ich leicht angeschiggert zu meinem Zelt, raffelte mich in die Decken ein und lauschte auf dem Rücken liegend noch ein wenig den Geräuschen der Unermüdlichen am Feuer. Als die Nachbarn rechts und links neben mir das Sägen anfingen, konnte ich auch endlich einschlafen.
Männer schnarchen ja nur deshalb, damit die wilden Tiere wissen, wer der Stärkere ist ...
Gefroren hatte ich in der Nacht nicht, nur die Nasenspitze war zeitweise eisekalt. Ich ratzte mit einigen Unterbrechungen bis 9 Uhr morgens. Strategisch günstig hatte ich das Zelt vor einem Baum aufgeschlagen, und der Schatten hielt die Sonne davon ab, den Innenraum auf das Unerträgliche aufzuheizen!
Ha, ich hatte meine Svenja gut verstoffwechselt!
Leider mußte ich am Samstag wieder heimfahren und konnte den Höhepunkt der Party, die Ausfahrt und die Band, nicht mitnehmen. Zuhause wartete Besuch. Was aber auch schön war. Und unvermutet machte ich das Rotkäppchen. Dazu später dann mehr! In Teil Zwei.










Huch! Wo kommt denn der Genosse von der VP her? Sogar mit dem gestreiften Stab... Ich hoffe er hat keine "Gänsefleisch - Fragen" gestellt!
AntwortenLöschenEigentlich wollte ich am Wochenende auch zelten, aber die Arbeit ist mir dazwischengekommen. So wird es also ohne Probelauf in die heiße Phase gehen.
Das scheint eine wirklich nette Veranstaltung gewesen zu sein, wo Du warst. Bei uns war neulich auch etwas ähnliches, das ist aber durch das Auftreten der sieben ortsansässigen Glatzen aus dem Ruder gelaufen. Es wurde mir von vielen blutigen Nasen berichtet.
Blutige Nasen machen das fehlende Gehirn leider auch nicht komplett ... echt schade, dass manche Menschen beim Thema Kinderstube gefehlt haben ... ich habe mich auf den Bikerfeten immer sicher gefühlt. Jedes dorfeigene Schützenfest ist unruhiger als die Feten dort. Da achtet normalerweise jeder auf jeden, die herumlaufenden Sprößlinge werden immer im Auge behalten und für schwere Köpfe gibt es den Bach, in den man "fallen kann" ;-)
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