Wie ihr erkennen könnt, bin ich in Fußball nicht besonders bewandert. Wer gegen wen, warum, und überhaupt ...
Eins habe ich von Holger Aue aber gelernt: wenn Fußball ist - besonders dann, wenn die deutsche Mannschaft spielt - dann sind die Straßen fast leer, und es ist geniale Moppedzeit.
Da Holger selber Motorrad fährt und in jeder seiner genialen Comic-Geschichten mehr als ein Körnchen Wahrheit zu stecken scheint, wollte ich das jetzt selber austesten!
Gegen 18 Uhr schob ich Ellie aus der Garage, und fuhr zunächst einmal zur Tankstelle. Luftkontrolle (nichts verloren), und tanken (1,56 Euro für Super; das ist der WM-Bonus ...). Beim Versuch, elegant vom Hof zu tuckern, rutschte mir das Hinterrad leicht weg.
Memo an mich selbst: an Tankstellen ist mit Öl auf dem Asphalt zu rechnen ...
Weiter fuhr ich, zurück nach Hause, dann über den Berg und in Richtung Hausrunde. Das Wetter paßte, und bis auf vereinzelte frustriert aussehende (Haus?-)Frauen und einem Rentnerbusfahrer, der sich mehr innerlich wie äußerlich am Leben erfreute und wohl Zitronen zum Abendbrot hatte, begegneten mir keine Autofahrer.
Ganze vier Moppeds sah ich, wobei alle mit sich selber beschäftigt schienen. Die grüßten nicht!
Fuhr ich durch die kleinen Dörfer, sah ich bis auf einige Vögel und Hauskatzen keine Lebewesen auf den Wegen.
Vereinzelt drangen aus geöffneten Fenstern Urlaute an mein Ohr - Gegröhle und Hurra-Rufe. Der Duft von Grillgut wehte durch mein offenes Visier; in den Hinterhöfen fand wohl das dorfeigene Public-Viewing statt. So eine Art kollektives Zusammenrotten, alkoholisches Saufen und unter freiem Himmel Fernsehgegucke.
Ich fühlte mich zeitweise wie in einem Asimov-Sciene-Fiction-Film. Richtig gruselig! Feierabendzeit, und kein Mensch auf der Straße!
Ellies beruhigendes Motorgebrummel brachte mich aber recht schnell wieder in meine Welt zurück. Ich ließ sie laufen, ohne ihre Drehzahl hochzujagen. Wozu auch. Heute hatte ich Zeit, heute drängelte keiner. Heute konnte ich gemütlich im Rollertempo mit 60 km/h herumtuckern, ohne jemanden zu behindern.
Ich sog die Landschaftsbilder in mich auf wie ein durstiger Schwamm. Die Luft war klar und die Höhenzüge schienen zum Greifen nahe. Dazu der blaue Himmel und in der Ferne einige Wetterwolken. Die türmten sich aber nicht bedrohlich auf. DAS war mal ein Feierabend ... !
Blick über das Land, Richtung Gilzum und dahinter der Elm
Zu zweit allein auf weiter Flur ... herrlich!
So tuckerte ich mehr als gemächlich durch die Felder. Diese Strecke kann ich schon tanzen, so oft, wie ich hier gefahren bin.
Und während der Fahrt kam der Tacho auf 29.100 km. Ich hatte Ellie mit 9.100 km auf dem Tacho gekauft. Ergo habe ich seit 16.7.2012 jetzt 20.000 Kilometer zusammengefahren.
Wenn man bedenkt, dass ich in der ersten Saison nur vom 16.7.2012 bis zum 31.10.2012 gefahren bin und da schon knapp 8000 Kilometer runter hatte ...
Um diesen Meilenstein genießen zu können, legte ich eine weitere Pause ein.
Zwei, die gut miteinander klarkommen und gemeinsam schon ganz viel erlebt haben ...
An meinem Lieblingsplatz, der Anhöhe bei Seinstedt; ein Blick auf die Asse und den Elm, und zur rechten Seite hin außerhalb des Fotos der Harz
Ich stand da, ließ den Blick schweifen und fühlte mich einfach wohl. Fast schon ein wenig gelangweilt.
Was hatte ich früher für Aufregung gespürt, wenn ich bis hierhin gekommen war. Das schien jetzt alles schon Routine geworden zu sein. Auch das scheinbar sinnlose Herumfahren - ohne das Ziel eines Bikertreffens oder einer Veranstaltung - muß ich wohl neu genießen lernen.
Oder muß ich nicht? Habe ich mich soweit weiterentwickelt, dass mir diese Hausrunde nicht mehr reicht? Fast scheint es so.
Gegen 20 Uhr kam ich wieder zuhause vor der Garage an. Ich putzte Ellies Auge, weil sich doch einige Fliegen dran verewigt hatten. Ansonsten blitzte sie noch wie neu, da brauchte ich nichts mehr dran verschönern.
Ich glaube, Deutschland hat das Spiel gewonnen - dem Vuvuzela-Lärm in der Nachbarschaft nach zu urteilen.
Fazit:
Holger Aue hatte recht ;-)
Öl auf Tankstellenasphalt ist ein Ärgernis; mir wurde heiß unter dem Helm, aber das erwartete Angstzittern blieb aus.
Ich kann in wenigen Wochen "offen" fahren - soll heißen: ich darf dann auch mehr wie 48 PS Maschinen bewegen. Die Lernzeit von 2 Jahren ist bald rum. Ich hatte die Zeit nötig. Ich bereue meinen freiwilligen "A-begrenzt"-Motorradschein nicht!
Hausrunden ohne festes Ziel sind nicht mehr so reizvoll, wie sie am Anfang meiner Motorradmanie gewesen sind.
Ich muß aufpassen, nicht übermütig zu werden, auch wenn mir meine Hausrunde derzeit babyeierig leicht vorkommt.
Gratulation zu diesem Meilenstein, damit hast Du mehr abgespult als so mancher Saisonfahrer. Ich finde, es sollte viel mehr Sportereignisse dieser Art haben, damit wir Moppedfahrer freie Bahn haben, oder?
AntwortenLöschenEine Hausrunde zu haben ist doch klasse, meine ist ideal für den Feierabend. Nach der Arbeit habe ich vielleicht nicht mehr den höchsten Konzentrationslevel und auf meiner Hausrunde kenne ich jede Kurve, jede Ausfahrt, jeden Grasbüschel. Dann kann ich einfach beim Fahren loslassen (mental, meine ich...).
Wenn Du mal mutiger wirst... im Schwarzwald wartet ein Bett auf Dich ;-)
Hei Sonja!
AntwortenLöschenDein Argument mit der Hausrunde ist gut, das werde ich so verinnerlichen - auch etwas Langeweile hat einen Trainingseffekt, stimmt!
Du Liebe ... etwas mehr als 600 Kilometer Anreise - das ist eine harte Nummer für mich. Ein Abenteuer wäre das, mit Sicherheit! Ich werde fleissig trainieren! Danke Dir für den Impuls, Deinen Fotos nach ist die Gegend bei euch wunderwunderschön!
Diesen Freitag ist übrigens wieder Moppedzeit ;-)!
Wir können ja mal schauen, was so zwischen uns in der Mitte liegt... Jede fährt 300km?
LöschenDie Mitte klingt super. 300 km sind sicher okay. Wir finden da etwas :-)!
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