Ellie und ich

Ellie und ich

Mittwoch, 5. August 2015

Teil 2: 31.7. - 2.8.2015 - Kurzurlaub im Harz; nächtlich eiskalte Camping-Idylle, Tourenfahren ins heiße Tiefland, und ramontisches am Abend

Teil 2 - der Samstag, 1.8.2015 - Hurra es ist August, MEIN Monat!


Nachts im Oberharz übernachten - kein Vergleich zu den Temperaturen meiner Heimschlafstätte. 

Der Zettfahrer hatte klugerweise eine dicke Wolldecke unter die Isomatten gelegt. Da hielt sich die Bodenkälte und Feuchtigkeit im Zelt in erträglichen Bahnen.

Die Nachttemperaturen gingen auf sechs Grad herunter - trotzdem fror ich nicht. Im Schlafsack trug ich Funktionswäsche - die FLM-Longjohns und das langärmelige Untershirt von FLM. Zusätzlich Wollsocken.

Wer sagt, man sollte mit sowenig Zeug wie möglich in den Schlafsack, litt höchstwahrscheinlich an aufsteigender Hitze.
Bei mir ist der Kreislauf in der Nacht auf Halbmast - wenn da kein anständiges Zeugs wie z.B. Wollsocken an mir dran ist, wache ich morgens mit Gefrierbrand auf! 
Mit meinen Händen kann man sowieso Drinks kühlen! Andere Frauen haben eiskalte Füße - bei mir sind es die Hände. Immer wieder schön für mich anzuhören: das erschreckte Gejuchze, wenn ich die eiskalten Pfoten unter das T-Shirt meines Gegenübers schiebe ... Gefrierbrandwarnung ...

Gegen acht Uhr fiepte das Handy unbarmherzig. Der Zettfahrer mußte abbauen und zusammen packen - der Job rief und er konnte nicht mehr weghören.
Zerknautscht und verknittert pellte ich mich aus dem Schlafsack. Geschlafen hatte ich gut, für meine erste Zeltübernachtung. Aber normalerweise brauche ich mehr wie 3-4 Stunden am Stück!
Misstrauisch schlich ich um das Zelt herum auf der Suche nach Wolfsspuren. Nichts zu entdecken, zum Glück ...

Die Kaffeemaschine vom Zettfahrer blubberte leise vor sich hin, und mit einem energischen Zischen zeigte das Teil an: KAFFEE FERTIG!




Gemütlich hockten wir in der Morgensonne, tranken Kaffee aus dem Südafrika-Blechbecher und genossen die letzten Minuten. Ich war noch so müde, und würde später noch einmal auf die Matratze krabbeln. MEIN Zelt stand ja noch!

Ein strahlend blauer Himmel verkündete: es wird warm! Mit einem deutlichen Frustgesicht fuhr der Zettfahrer seiner Arbeit hinterher - arbeiten am Wochenende ist echt ätzend.
Aber da ich schon groß bin, und auch gut allein klar komme, war ich nicht hilfos. Außerdem war Ellie noch da, und das Schlafschwein.
Die Ameisen zählen nicht, das sind Nutznießer und nur bedingt als Haustiere geeignet ...

Blauer Himmel, beste Temperaturen - und in der Ferne hörte ich sie brüllen: die ersten Knieschleifer, die in den Harz einfielen ...


Nach dem Zähneputzen verkroch ich mich noch für einige Nickerchen in mein Zelt, und wachte dann gegen 11 Uhr so langsam in den Normalzustand auf.


Wie - jetzt schon wieder allein gelassen werden?


Das Schlafschwein konnte gar nicht verstehen, warum es allein gelassen wurde ... aber die anderen Schweins zuhause brauchten Futter. Wir wollen ja mal gerecht sein, gell?


Die Reste vom Frühstück
Wassermelone sieht in der Sonne wirklich malerisch aus, oder?
Für mich persönlich ein Highlight beim Sommerfrühstück!


Den leeren Becher lieber umgekehrt aufstellen - da fliegt nix rein, was nicht rein soll
 


Der Platz erwachte langsam aber sicher. Die Ziegen meckerten lautstark, die Kinder krakeelten und spielten schon auf der Rutsche herum, und ein kleines, blasses und überbehütetes Stadtkind radelte ungeschickt und quengelnd über den Hof. 

Die Abfahrt der Knieschleiferfraktion hatte ich dank der Ohropax nur mit drei Gehirnsynapsen wahrgenommen, sprich: schlichtweg verschlafen!

Allmählich mußte ich an die Abfahrt denken. Ich machte den Reißverschluß am Zelt sorgsam zu. Zuvor hatte ich die überzähligen Lebensmittel in den Innenraum gerettet.
Ziegen, Ameisen, Wölfe - hier trieb sich einfach zuviel gefräßiges Volk herum!

Ich plünnte mich in die Motorradsachen, verstaute die nicht mehr benötigten Ausrüstungsgegenstände auf dem Gepäckträger, und fuhr gemächlich die Schotterabfahrt herunter bis zur Straße. Hier sicherte ich erst einmal in aller Ruhe nach allen Seiten. Der Touristenverkehr war im Vergleich zu gestern imens.
In Hasselfelde an der Ampel hieß es, das Fahrkönnen zu beweisen, weil die Straße anstieg. Der Harleyfahrer vor mir ließ sein Gefährt erst einmal absaufen ... irgendwie machte es mir Freude, als ich ohne Hektik rechts an ihm vorbei ziehen konnte. Anfahren am Hang - das hatte ich schon öfter "auf dem Trockenen" geübt.

Durch Hasselfelde hindurch, hinter Touristen-PKW aus Cuxhaven, Lüneburg und Oldenburg hinterher, mußte ich zunächst einmal tanken. Ellie säuft auf Autobahnstrecken mehr als sonst, und ihre Tanknadel hatte sich schon seit Wernigerode nicht mehr wirklich bewegt - hing fest im roten Randbereit. Normalerweise komme ich ohne Probleme 250 Kilometer weg.

Ortsausgang von Hasselfelde, rauf auf die Total. Eine leere Red-Bull-Dose kullerte durch die Gegend - ich schnappte sie mir und brachte sie an die Kasse.
"Tja, typisch Motorradfahrer!" tönte der Kassierer, worauf ich mit einem deutlichen "HE! ICH FAHRE AUCH!!!" antwortete. Ich war lieb zu ihm und habe ihn nicht gehauen!

Der Kassierer erzählte, das er Montags immer lauter leere Pfanddosen im Müll findet - offenbar hat die Zweirad-Fraktion zuviel Kohle, war sein resignierter Kommentar.
Wir wissen nicht, was der arme Kerl da sonst noch für Repressalien durchmachen muß, mit den Motorradfahrern ... aber wer gleich alle über einen Kamm schert, muß schon reichlich was erlebt haben ...

Ich zahlte und stiefelte wieder zu Ellie. Am Rande versammelten sich einige Horden an Harzjägern. Bunt, laut, jung ...
Ab und an sogar ein Mädel dabei.

Ich tuckerte an die Straße und ließ mir Zeit beim Abbiegen. Der Touristenstrom hatte wieder zugelegt. Es ging zurück nach Hasselfelde, und dann wurde rechts abgebogen, und bei Mario und Carmen einen Zwischenstopp eingelegt. An der Total wollte ich keinen Kaffee, da war es mir irgendwie unbehaglich ...

Mario ist der Pächter vom Biker-Treff, bei Pullmann City.

Ich parkte Ellie an der Blockhütte, im Schatten, rödelte ab und ging auf die kühle schattige Holzterrasse.
Kurze Zeit später war Ellie total eingeparkt. Hinter mir, und auch neben mir, aber sehr weit nach vorne abgestellt, einige BMW GS Tourer.
Bei der Abfahrt würde ich vorne über den Schotterrandstreifen fahren müssen. Schotter und rangieren auf selbigem ist nicht grad mein Liebstes, und ich fluchte leise in mich hinein, als ich die Pfeifen bei ihrem Parkmanöver beobachtete.

Im Bikertreff waren noch andere Bekannte anwesend, allesamt Freunde vom Zettfahrer. Schön, da zu sitzen, gemütlich den zweiten Kaffee zu schlürfen und einfach in totaler Kurzurlaubslaune zu schwelgen!
Auch immer wieder herrlich für mich zu beobachten: als Frau ist man bei einem gewissen Klientel unsichtbar. Es wurde auf die Einweihung des neuen Clubhauses hingewiesen, mit deutlichen Gesten und Gehabe - na, wer mich als Person nicht wahrnimmt, der wird mit Sicherheit nicht meine Anwesenheit ertragen müssen.

Wie gut, das ich so etwas nicht persönlich nehme und mich allenfalls innerlich darüber amüsiere. Der weiß ja nicht, was ihm wunderbares entgeht, ist dann mein geschmunzelter Gedanke.

Gegen 14 Uhr packte ich mich wieder in das warme Zeugs, und buxierte Ellie mit Vorsicht aus der Parklücke.
Am liebsten hätte ich ja die GS neben/vor mir ein wenig angestupst ... wer parkt nur sowas von egoistisch ...

Hier paßt meine Heckfigur total!


Stoisch resigniert-genervter Blick ;-)


Es ging zurück über die öde B81, runter nach Blankenburg. Allein zwei Pannen-PKW mit Warnblinker zwischen Ortsausgang Hasselfelde und der Köhlerhütte, und beide halb auf der Fahrspur parkend. 
Und in Wendefurth direkt hinter dem Ortsschild ein kleiner Stau durch einen Linksabbieger.
Gut, das ich am Ortseingang eh nur noch 50 km/h drauf hatte. Eine kräftige Bremsung war trotzdem notwendig.
Der Golf hinter mir fuhr mir fast drauf.
Schnarchnase ...
Samstag, Hauptreisetag im Harz. Auf der Gegenspur etliche Langsamfahrer, die dann von PKW-Fahrern überholt wurden, die dann von Rennmaschinen überholt wurden.
Einmal sah ich - wie schon anderswo erwähnt - vier entgegenkommende Lichter auf MEINER Fahrspurt.
Ruhe bewahren, langsamer werden, die Vollpfosten an meiner linken Seite vorbeizischen lassen ... wäre ich noch Fahranfänger, hätte ich mir spätestens jetzt in die Hose gemacht!
Aber auch so war ich froh, als ich endlich raus war aus dem Gehügel!

So ohne Gepäck fuhr es sich auch besser. Die Kurven hatte ich ohne das übliche Gezitter gemeistert. Bergab Kurven fahren mit Dränglern im Genick nervt mich allerdings auch heute noch, auch nach drei Jahren Fahrerfahrung ...

Im Tiefland war es deutlich wärmer gewesen! Ich nahm ein Stück die Harzautobahn, fuhr dann über Vienenburg bis nach Wolfenbüttel Linden, quälte mich mit Cabrio-Fahrern herum und traf am Nachmittag zuhause vor der Tür ein.
Schon einige Zeit vorher bekam ich die ersten vier Gänge nicht gut eingelegt. Das Schalten gestaltete sich sehr hakelig. Ich trat stärker, als es gut war, und hatte dann wohl den Schalthebel malträtiert.
Zum Glück gibt es ja Schraubstöcke und Fachpersonal ... der Zettfahrer bekam es allerdings mit der Angst zu tun, als er am Montag in der Werkstatt das verbogene Metall in der Hand hielt.
Sollte er jemals jemanden benötigen, der anderen in den Hintern tritt, würde er auf mich zurückkommen - ich hätte wohl genug Kraft in meinen Beinen, um den Kontrahenten bis zum Mond zu schießen, war sein trockener Kommentar!

Ich fütterte die Schweinchen, betüddelte das Krankschwein, duschte, schmierte mir eine Mittagsstulle, chillte noch ein wenig - und fuhr gegen 18 Uhr über die Dörfer zurück hoch in den Harz. 
Zunächst fuhr ich zur Arbeitsstelle vom Zettfahrer, wo er den Schaden am Schalthebel begutachtete, und mich mit hochgezogenen Augenbrauen ansah: "Du machst mir jetzt Angst!"
Nach einer Beruhigungs-Sprite und einer kleinen Schale Pommes ärgerte ich mich auch nicht mehr so doll über mich selber.

Ich fuhr gegen 20 Uhr über Elbingerode und Hüttenrode zurück zum Campingplatz.




Die Temperaturen waren mittlerweile angenehm, kaum noch Touristenverkehr unterwegs und insgesamt eine deutlich entspannte Stimmung auf den Straßen!

Das Zelt stand noch da, wo es stehen sollte, und ich parkte Ellie gekonnt davor am Holzzaun.

Auf dem Platz waren neue Motorradfahrer angekommen, und neue weiße Ware mit einem irren Equipment wurde gerade aufgebaut.
Unschön, dass zwei unangeleinte Hunde auf dem Platz herumwuselten und die hochschwangeren Ziegen jagten. Der Pächter vom Campingplatz sprach ein höfliches aber deutliches Wort zum Thema "Hunde auf dem Platz AN DIE LEINE", und danach war dann Ruhe.

Die Kinder kamen angelaufen und erzählten mir von den Babyziegen, was sie heute alles erwandert hätten, ob ich gut gefahren war, wie es meinem Krankschwein ging etc.
Das Holländerpärchen hockte Rücken an Rücken und grüßte zurückhaltend lächelnd in meine Richtung.
Es war wie ein Nachhause-kommen ...

Nachdem ich Ellie abgepackt und mich umgezogen hatte, ging ich nach vorne zum Grillplatz und genoß ein unglaublich schönes farbenprächtiges Spiel der Natur!


Die letzten Touristen verließen den Harz - ich konnte ihre Rückscheinwerfer auf der kurvenreichen Straße Richtung Hasselfelde erkennen. Wenn sie über den Hügel gefahren waren, hörte man nur noch die Grillen zirpen. Einfach herrlich, diese Abendruhe. Ein Rotkehlchen kam angeflattert, dann noch ein Rotschwänzchen. Sie ließen sich auf einem nahegelegenen Zaunpfahl nieder, guckten mich mit ihren schwarzen Kugelaugen an und pickten einige Insekten vom Holz. Meine Anwesenheit war zur Kenntnis genommen, und nicht als Bedrohung deklariert.

Ich saß da, ließ den Blick zum Brocken und den Tierchen wandern, und dachte noch einmal über den Tag nach.

Als zwei Campinggäste dazu kamen und sich mit ihren Handys und lautstarken Telefonaten mit der Ehegattin beschäftigten, war die ramontische Atmosphäre beendet.
Ruhe und Stille in der Natur genießen ist eben nichts für Weicheier, sondern für Kenner!

Ich hatte vorher dort auch mit meinem Handy gehockt, hatte aber den Ton ausgestellt. In den Sonnenuntergang quatschen, das kam mir irgendwie falsch vor ...
Ich schnappte mir das Handy und meine Kamera, und schlappe gemächlich zurück zum Zelt. Zeit zum Schlafengehen!

4 Kommentare:

  1. Hallo Heike,
    nachdem ich 2013 als "Wiedereinsteiger" mit dem Moppedfahren angefangen habe lese schon einige Zeit in Deinem Blog mit und vieles kommt mir bekannt vor ;-)
    Das letzte Juliwochenende sind wir aus dem Süden der Republik nach Bad Frankenhausen zum Kyffhäuser und zur Rappbode-Talsperre, dachte vielleicht steht Ellie ja auf dem Parkplatz ....
    Wünsche Euch noch eine gute Saison und uns schöne Tourenberichte von Ellie und Dir :-)
    VG Alex

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  2. Huhu Alex. Danke fürs Lesen :-)!
    Ach herrje, da war ich grad mal NICHT unterwegs gewesen, an dem Wochenende - das ist ja schade ... wobei ich an der Rappbode nicht mehr zu finden bin. Das Chaos da mit 1,- Euro Parkgebühr und 1,- Euro WC-Kosten ist mir einfach zu albern geworden!
    Aber ein Stück weiter, beim Bikertreff in Hasselfelde (Pullmann City), DA sind wir in letzter Zeit doch recht häufig :-)!
    Dir auf jeden Fall allzeit immer genug Grip unter den Reifen, und fahr nie schneller als dein Schutzengel mithalten kann!

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  3. Jawollll .. deine Lagerstatt sieht wieder so gemütlich aus, wahrscheinlich wegen des Lakens und Kissens.
    Das Schwein ist noch die Sahnehaube. Ich werd plötzlich so müde und will mich in so ein schönes zelt legen - bei mir sieht das eher spartanisch aus und vollgemöhlt.
    Gute Nacht :-)

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    1. Hei Mic!
      Das Laken hat den Vorteil, dass man nicht direkt auf dem ollen Matratzenmaterial schlafen muß. Das gibt irgendwie ein klebriges Gefühl, wenn man z.B. tagsüber draußen auf dem Gras rumlümmelt. Die Haut klebt da drauf fest bei Hitze. Sowas mach ich nicht ...
      Ist Dir der Bienchenkopfkissenbezug aufgefallen? ;-)
      Auch das hat einen Sinn - außer das es niedlich aussieht, rutscht das aufblasbare Kopfkissen nicht mehr nach hinten weg, in der Nacht, wenn man sich im Schlaf unruhig wälzt. Der Bezug "stoppt" sozusagen das Wegrutschten.
      Gesehen in der Kinderabteilung vom Bettenlager, mit Deckenbezug für 3,- Euro. Den Deckenbezug kann man hervorragend als Fußsack im Sommer im Schlafsack nutzen, weil der einem Erwachsenen nur bis zur Hüfte geht.

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