Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 30. September 2013

28.9.2013 - Vienenburg - Okertalsperre - Clausthal - grandioser Sonnenuntergang bei Wolfenbüttel

28.9.

Die Morgentemperaturen waren noch gruselig: 5°. Igitt. Der Wetterbericht versprach mir aber einen milden Frühherbsttag.
So pusselte ich in der Wohnung herum, bis es Mittag war. Nun zeigte das Thermometer schon 15° an und ich beschloß, loszufahren.

Dreifach Lage Funktionskleidung. Um die Fußwärme machte ich mir keine Sorgen mehr - die Falkestrümpfe sind einfach genial, halten warm und auch bei Themperaturen bis 20° bekam ich keine schwitzigen Füße!

Diesmal fuhr ich mit einer Thermosturmhaube. Die liegt sehr eng am Kopf an (Helmfrisur doppelt gruselig, sag ich euch ...), und das Drunterfummeln der Brille ist auch nicht so einfach. Außerdem wird das Gestell der Brille stets ein wenig herumgeschoben. Muß ich wohl für den Winter meine Harry-Potter-Nickelbrille aufsetzen, die ist vom Gestell her kleiner.
Aber ich hatte keine kalte Stirn und keinen kalten Hals mehr beim Fahren! Der Fahrtwind war eisig, unglaublich, wie das unter dem Helm zieht. Doch die klare Luft und die scharfen Konturen der Felder und Bäume, die Fernsicht allgemein, machten das alles wieder wett!

12 Uhr. Ich fuhr, als würde ich Prosecco durchpflügen - wie berauscht von Farben und Licht!

Zunächst einmal die grobe Hausrunde. Und weil ich merkte, wie gut ich trotz der Kühle drauf war, ging es nach Vieneburg. Zur Eisdiele.

Wo ich DIESES Foto extra für die liebe Sonja aufnahm ;-)!





Ich saß da im Gartenbereich der Eisdiele, schlürfte meinen heißen Latte Macciato und fühlte mich so lebendig wie schon lange nicht mehr. Meine Nase in die Sonne gehalten, kostete ich die Pause voll aus. Das Gefühl von Freiheit geisterte mir im Herzen herum und ich hatte den Wunsch, "Schmetterlinge zu umarmen" :-).
War aber keiner da, die hockten noch im warmen Stübchen und warteten wohl auf den nächsten Sommer ...

Das Wetter lockte mich dann aber heftigst - und so plünnte ich mich wieder gefühlte 2 Stunden lang an. Für diese Tour hatte ich übrigens meine alten Fahrschulhandschuhe von Probiker ausgegraben. Die waren schon in der Altkleidertüte gelandet, weil mir im letzten Jahr das enge Futter so mißfallen hatte. Eingelaufen bei diversen Regenfahrten ...
Eine Chance sollten sie aber noch erhalten, und bei dieser Ausfahrt wunderte ich mich: das Futter war eng, keine Frage. Aber die Winddichtigkeit und die Wärme waren 1a topp. Wunderbares Griffgefühl, und wenn man sie am Handgelenk nicht zu eng schnallte, durchaus bequemes Grundgefühl!

Es ging weiter, Richtung Vienenburg Ortsausgang, und weil mich das Harzpanorama so lockte, dann nach Oker. Ich sah nicht viele Motorradfahrer an diesem Morgen, auch hier nicht, auf der Einflugschneise Richtung Oberharz! Und so fuhr ich aus der Stimmung heraus die Straße weiter hoch, durch das Okertal und über Romkerhalle und bis zur Okertalsperre.

Im Harz fahren ist Samstags noch gut machbar. Am Sonntag trampelt sich hier alle Welt die Füße platt, Biker nebst Rentnerausflüglern. Jede Gruppe für sich beansprucht die Straße auf eine Art und Weise, die MICH (und ganz viele andere Biker) davon abhält, dort oben zu fahren. Es ist einfach zu gefährlich. Autos wenden in unübersichtlichen Kurven über beide Fahrbahnen, und die Insassen pöbeln einen noch an, wenn man es wagt zu hupen. Oder Fußgänger im Nacktschneckentempo kriechen über vielbefahrene Einfahrstraßen. Rennradfahrer im Pulk, die wie um einen zu ärgern, kaum das sie ein Motorrad hören, plötzlich zu Dritt auf der Bahn sind ... nebeneinander ... Flachlandmöchtegern-Rennbiker fahren kreischend nebeneinander, und überholen einander in Kurven, dass der Gegenverkehr - ich - zusammenzuckt und die ehemals perfekte Kurvenlinie im Arsch ist ... und so weiter ...

Aber heute war Samstag und heute hielt sich das Chaos noch in erträglichen Bahnen! Ich fuhr ohne große Probleme die Einfahrt zum Okertal-Parkplatz hinein und hielt am Rande. Okay, auch hier hatte man mich schon mal eingeparkt, doch wahrscheinlich dachte der PKW-Fahrer, ich könnte mich aus der Parkfalle herausfliegen ...


Wenig andere Motorradfahrer da ... war mir recht ... Rudelbildung ist nicht meins ...











 Dieses Licht ... ein Traum!



Unspektakulärer Abgang zum Stauwasser



Fundstück - war aber nicht meine Farbe - ich mag Tussie-Pink nicht ... 



Diese Farben mochte ich lieber - leuchtendes Herbstrot



Blick vom Wasserspiegel aus an die Staumauer


Steiniges Ufer






Ein Schiff ist im Anmarsch ...



DAS ultimative Werbefoto für die Okertalsperre - Ausflugsboot - 
or maybe somewhere in Nova Scotia? Canada?


So angefüllt mit Farben, Bildern und Energie, schwang ich mich auf Ellie und fuhr noch ein Stück weiter, hoch hoch hinaus ... das Wechselspiel Sonne von vorne, Schatten, Sonne, Schatten ... ist anstrengend. Die wechselnden Lichtverhältnisse sind nichts für dunkle Sonnenblenden oder Sonnenbrillen, so fuhr ich also mit normaler Sehbrille. Ab und an jaulten einige Papageien an mir vorbei - also diese Sportkombi-Knieschleifer. Ich wünschte ihnen im Stillen eine gute Heimfahrt ... ob die mitbekommen hatten, was das für ein herrlicher Tag war? Die Farben der Natur?

Ich fuhr nach Schulenberg hoch. Und wurde belohnt. Wieder einmal!


Blick auf die Okertalsperre mit der Brücke nach Altenau - 
Fertigstellung der Brücke Oktober 2013 - wurde auch Zeit!


Sagt selbst - ist DAS nicht phänomenal grandios???







Dafür, dass ich "nur eine kleine Trainingsrunde mit Winteroutfit" hatte drehen wollen, war ich doch schon GANZ schön weit entfernt von zuhause!

Und weil es jetzt auch nicht mehr drauf ankam, fuhr ich noch ein Stück weiter. Nach Clausthal-Zellerfeld. In Zellerfeld kehrte ich in einer kleinen Seitenstraße in ein total niedliches Caféstübchen ein, direkt neben der Mineralienhandlung in der Marktstraße. Hier aß ich eine hausgemachte Soljanka - heiß und nahrhaft versorgte mich der Eintopf mit neuer Energie für die Rückfahrt nach Hause. Es war knapp bei 17.30 Uhr ... Zeit für die Heimreise! Es wurde ja auch bald dunkel ...

Kurz nach den Ortsausgang von Clausthal, an der L517, fand ich noch ein Fotomotiv ... hier bugsierte ich mich mal wieder in eine unmögliche Parksituation. Schräg abfallende Straße, Schotter, Spurrillen ... und als ich wieder wegfahren wollte, mußte ich meterlang an der Teerstraße längs fahren, weil mir der Absatz, um wieder AUF die Straße zu kommen, zu hoch erschien.

Aber das Foto war mir den Aufwand wert ;-):


Wieder mal ein Herz gefunden :-)



Der Rückweg über die bekannte Strecke war relativ wenig aufregend. Die Sonne allerdings strahlte den Brocken an, das ich nur noch den Kopf schütteln konnte: Kitsch as Kitsch can ... so klar, so deutlich und leiderleider so unfotogen - das ist was, was nur das Auge wirklich würdigen kann ...

Auf der Gegenfahrbahn kamen mir jetzt die Einkäufler entgegen - auf meiner Spur hinter mir waren nur selten andere Fahrzeuge. Da ich "abschüssig fahren" nicht so gerne mag, blieb ich bei 80 km/h. Das langte mir völlig. Es ging in die Abendstunden, und die Wildtiere sind im Harz keine nette Touristenattraktion auf Plakaten - nein, die Viecher wagen es tatsächlich, aus dem Wald und auf die Straßen zu spazieren ... da blieb ich lieber bei einem gemäßigten Tempo. Mir war mein Hals zu wertvoll ...

Ab und an kamen jetzt vereinzelt Papageienfahrer zurück. Ich bemitleidete sie wegen ihrer Ledercombis. Das muß so ätzend kalt sein, wenn die Außentemperatur rapide unter 15° sinkt!

Ohne besondere Vorkommnisse fuhr ich durch Vienenburg, weiter über die Hausrunde und bis nach Wolfenbüttel.

Und wie als Bonbon Belohnung kam dann das noch obendrauf:












Oberhammer wooooooooooooooooow ...




Kein Scherz ... ich habe vor Überwältigung in die Sturmmaske geheult, so klasse fand ich das Szenario ...


Hier mußte ich jetzt die Heizgriffe einsetzen - die Temperatur war unter 10° gesunken. 
Gegen 19.30 Uhr und bei fast völliger Dunkelheit kam ich zuhause vor der Garage an. Verheulte Augen, aber von Herzen glücklich.

Was für eine Tour. Unglaublich.
210 Kilometer gefahren. Einfach mal so.

Mittlerweile bin ich bei über 7000 Kilometer in dieser Saison angekommen ... und diese Tour war die Beeindruckenste der ganzen bisherigen Saison für mich gewesen ...


Mal so die ungefähre Route





Fazit:

Überwältigender Tag. 

Der Herbst ist da. Die Blätter tanzen auf der Straße, und sind morgens nass und glitschig. Einmal ging mir in der Kurve der Hinterreifen leicht weg. Ups ... Gas weggelassen, fing Ellie sich gleich wieder.
Kastanien, die an den Helm klatschen, machen einen irre Krach.
Birnen, die einen auf den Rücken knallen in Obstbaum-Alleen, tun selbst durch den Protektor weh - und erschreckten mich gewaltig.
Zwetschgen auf der Straße sind glitschig und saugefährlich.

Touristen im Oberharz sind unberechenbar und auf einer Linie mit Wild, das ebenso unvermutet aus dem Wald bricht.

Sonntags fährt man entweder um 9 Uhr in den Harz und ist gegen 11 Uhr wieder weg - oder man läßt das bleiben.

Wenn man in die Sturmmaske heult, wird der Augenrand schnell eiskalt, und die Nase läuft wie hulle ... hier ist damenhaftes Benehmen mal zur Seite zu legen - Nase hochziehen und männlich schnorcheln rettet das Weiterfahren.
Nase putzen ohne den Integral-Helm abzunehmen oder die Handschuhe auszuziehen ist NUR möglich am Straßenrand.

Heizgriffe können Fingerfertigkeit deutlich verbessern ;-).

4 Kommentare:

  1. Ist ja süß, dass Du meinetwegen nun auf Rollis achtest ;-) Also diesem Bericht hab' ich auch wieder total genossen. Das Phänomen Rennradler, Rentnergangs oder Papageien in Kanada sagen wir: Power Ranger) in freier Wildbahn gibt es hier im Schwarzwald auch. Die scheinen weit verbreitete und unberechenbare Spezies zu sein, und immer mit den gleichen Verhaltensmustern aufzuwarten.

    Und ja, wenn Du Ostkanada einmal besuchen solltest, wirst Du eine gewisse Ähnlichkeit in den Motiven feststellen: viel Wald und noch mehr Seen (allerdings ganz selten Touri-Ausflugsboote).

    Bei diesem Ausflug hattest Du aber wirklich viel Glück mit dem Wetter und DEM Licht. Deutschland kann eben auch schön sein, oder?

    Griffheizung? Du bist aber ein Luxusweibchen ;-)
    Ich verstehe ja Deine Rührung angesichts des wirklich fantastischen Abendlichtes, denke bitte nur daran, dass es bei noch kälteren Temperaturen die Tränen fest frieren können...

    Schade, dass die Saison fast vorbei ist...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Griffheizung war schon bei Ellie's Kauf dabei. Sie hat drei Stufen, aber bislang reichte Stufe 2 bei -12° immer aus :-). Ich möchte die nicht mehr missen. Sehr hilfreich auch bei Nässe ... warme Handflächen heißt, flexiblere Zugriffmöglichkeiten, schnellere Motorik.
      Festfrierende Freudentränen - ich plädiere für eine Visierheizung ;-)!

      Löschen
    2. Visierheizung - gröl!

      PS: habe mir gerade eine Veggie Soljanka gemacht, danke für die Idee.

      Löschen
  2. Hab nochmal nachgeschaut - die Griffheizung (von Hein) hat vier Stufen. Dank an den Vorbesitzer!

    AntwortenLöschen

Danke für Deinen Kommentar. Er wird so schnell wie möglich von mir freigeschaltet, wenn er den Datenrichtlinien entspricht. Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Das war vor der neuen Datenschutzverordnung auch so, nur interessierte das sehr viele einfach nicht. Nun müssen wir Blogger euch aber davor warnen. Tue ich hiermit. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung -siehe: Impressum