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Sonntag - und wieder schönes Wetter angesagt. Morgen sollte es wieder eklig werden. Also war mein Plan heute, noch einmal auf Tour zu gehen.
Da meine Erkältung sich nicht so verzog wie ich es gern gehabt hätte, wollte ich heute aber nur eine kleine Runde drehen.
Zunächst ging es in die Stadt zu POLO. Verkaufsoffener Sonntag ist für die Serviceleute ein Gräuel, zugegeben.
Ich griff mir einen frischen Kaffee ab und simste meinen Buddy an, ob er Lust hätte, nach der Schicht ins Rock Café nach Salzgitter zu kommen.
Er wollte.
Also fuhr ich gegen 13 Uhr von POLO Braunschweig los. Ich wollte über die Dörfer Richtung Salzgitter - noch ein wenig das gute Wetter ausnutzen. Die Stimmung war gut, die Kraft war okay, und die Konzentration ebenfalls da. Die Nase lief nicht mehr, und der Kopf war durch die klare Luft frei und ohne Beschwerden.
Ich fuhr etwas über 50 km/h auf einer Nebenstrecke neben der Stadtautobahn. Und plötzlich schießt ein Touran aus einer Seitenstraße, von mir aus rechtsseitig. Ein LKW stand auf dem Parkstreifen und hatte wohl die Sicht auf mich verdeckt. Normalerweise tastet man sich auf die Hauptverkehrsstraße.
Der PKW Fahrer tat das nicht.
Ich bremste ohne Überlegung aus Reflex mit Hand- und Fußbremseneinsatz gleichzeitig - Ellie brach hinten leicht aus, ich verhielt mich instinktiv locker und unverkrampft - die PKW-Seite kam immer näher und ich versuchte weiterhin, Ellie rechts zur Seite zu lenken, ohne auf die Straße zu klatschen oder in den PKW zu krachen.
Wenige Sekunden später brachte ich Ellie am Straßenrand zum Stehen, machte den Gang in den Leerlauf, kickte den Seitenständer raus, und drehte den Schlüssel um.
Stille.
Ich mußte erstmal verschnaufen.
Wow - das erste Mal nach knapp 24.000 Fahrkilometern, dass mir sowas passierte. Die klassische Situation halt, die jeder erfahrene Motorradfahrer sicher schon erlebt hatte.
War das jetzt so eine Art Ritterschlag in meiner Fahrchronik, oder wie???
Der PKW Fahrer hatte seinen Wagen ein Stück in den Graben gelenkt, und kam schon über die Straße auf mich zugelaufen. Er redete auf mich ein, und nach einigen Sekunden nahm ich seine Worte auch wahr.
"Ich habe Sie nicht gesehen! Ich habe nur nach rechts geschaut - der LKW hatte Sie verdeckt - ich hatte nur rechts geschaut!!! Ist Ihnen was passiert? Brauchen Sie was?"
Er war total erschrocken. Hätte er den Touran nicht herumgerissen, so dass sein Heck von mir weg rutschte, hätte ich ihn frontal zu spüren bekommen ...
Er war in Eile gewesen, wollte zum Sport, hatte gepennt ... kann ja mal vorkommen ...
Obwohl mir der Schreck in den Knochen saß, war ich ruhig. Er hatte zugegeben, dass er gepennt hatte. Es war um Haaresbreite gut gegangen. Ich hatte die Vollbremsung irgendwie gut hinbekommen, hatte keinen Blödsinn gemacht. Ellie hatte nur ein wenig Gummi auf der Straße gelassen. Die Straße war trocken gewesen, kein Öl, keine Blätter.
Ich gab ihm zum Abschied die Hand. "Schön aufpassen, gelle? Wir sind auch im November noch auf den Straßen ..."
Ich denke schon, dass der Fahrer sich diese Situation gemerkt hat. Ich war nicht schnell gewesen, das war mein Glück. Hätte ich die Strecke mit nur wenigen KM/H mehr gemacht ... außerdem waren da zwei Spaziergänger mit Hund auf dem Radweg gewesen - hätte ich ein Stück weit anders reagiert, wäre auf den Bürgersteig ausgewichen oder ähnliches, hätte ich die umgenietet.
Ich hatte keine Lust mehr, über die Dörfer zu fahren. Ich fuhr schnurstracks auf die Autobahn 39. Da kommen sie wenigstens nur von hinten, dachte ich mir ...
Gegen halb zwei traf ich in Salzgitter ein. Mein Buddy kam etwas später, da hatte ich schon einen Hawaiiburger und einen großen Becher Kakao intus. Meine Hände zitterten nicht mehr, aber mein Kopf war immer noch ziemlich beschäftigt ... mit dem, was eine Stunde vorher passiert war!
Er hatte seine Digicam dabei und als ich gegen 15 Uhr abfuhr, knipste er mal so nebenbei ...
Aufrödeln und warm einpacken, damit am Kopf nichts zieht ...
Brille friemeln ...
In Gedanken zwei Stunden zurück ...
Starten ...
Straße einsehen, sichernder Blick nach allen Seiten ...
Ich fuhr Richtung Wolfenbüttel, bog dann bei Halchter ab und fuhr noch eine Runde auf meiner gewohnten, wenig befahrenen Hausstrecke. Ich merkte meine Unsicherheit deutlich. Wenn ein Auto mit Tempo von rechts an eine Einmündung heranfuhr, zuckte ich innerlich zusammen. Mit Geduld akzeptierte ich meine Reaktion - das Erlebte muß verstoffwechselt werden. Da nützt es nichts, wenn ich mich selber unter Druck setzen würde.
Ich fuhr bewußt Strecken, wo es viele Einmündungen gab. Und Stück für Stück lockerte sich der Knoten.
Und zum Nachmittag wurde ich dann noch belohnt.
Irgendwie kam mir der Sonnenuntergang schöner vor als die, die ich vorher erlebt hatte ...
Gegen 17 Uhr war ich zuhause in der Garage. Ich nahm einen feuchten Wischlappen und putze in aller Ruhe die vielen Fliegen von Ellie ab.
Das Erlebnis heute hatte mich mal wieder daran erinnert, was dieses Hobby kosten kann. Bislang habe ich fast 24.000 Kilometer unbeschadet überstanden.
Dummerweise dachte ich, das geht so weiter. Ich war ein wenig zu unbekümmert geworden. Diese Erinnerung heute kam vielleicht genau zur richtigen Zeit.
Fazit:
Lebe jeden Tag so intensiv es Dir möglich ist. Genieße. Und freue Dich auch an Kleinigkeiten. Es muß nicht das große Ganze sein.
Heute war für mich ein Stück weit ein zweiter Geburtstag ...
Kurz vor der Tour hatte ich übrigens einen neuen Aufnäher auf meine Weste gebracht ...
Hat sich ja bewährt ... irgendwie ...












Schutzengel kann man nie genug haben.
AntwortenLöschenDanke - stimmt auffallend ...
AntwortenLöschenEieiei! Das stimmt, Schutzengel kann man nie genug haben.
AntwortenLöschenUnd leider ist man vor diesen Hirschen nie und nirgends sicher. Da kann man aufpassen, so gut man will!
Was ein Glück dass das noch mal gut gegangen ist und dass Du Dich davon auch wieder erholen konntest und doch noch den Tag etwas genießen konntest.
Viele ganz liebe Grüße,
Minya
Tief atmen...das hilft. Und wieder sofort fahren. Der Flow kommt nach ein paar Kurven wieder. Hatte ja auch schon das ein oder andere Erlebnis...http://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/Ente-fliegt-in-Motorradfahrer-der-stuerzt-und-verletzt-sich-id19616996.html
AntwortenLöschenAber ich würde immer wieder auf die Maschine steigen...
Gratuliere aber auch zur guten Reaktion...
DLzG
Marcus
Marcus, auch wenn das nicht zu lachen ist - die Überschrift ließ mich doch schmunzeln. Ente im Tiefflug ... Was für ein Erlebnis. Eine Amsel ist mir auch schonmal an den Helm geknallt. Dieser Schlag war unglaublich laut und heftig. Eine Ente ist ja um einiges schwerer ...
LöschenDas wir "against all odds" trotzdem wieder aufsteigen, können Außenstehende und Nichtinfizierte nur schwer nachvollziehen.
Das ich so reagiert habe, und alles gut ging, ist wirklich nur Glück gewesen. Mit Routine konnte ich da nicht aufwarten, egal, wie oft ich nebenbei "Beschleunigen, Bremsen, Bremse und Kupplung lösen, Ausweichen" übe ...
Mein Glück war vielleicht meine lockere Körperhaltung, dass Ellie sich nicht langgelegt hatte ...
Im Kopf spielen sich die Flashbacks heute in unschöner Regelmäßigkeit ab. Das ist ja normal so - ich verarbeite das eben ... Verdrängung bringt hier nichts. Außer Verkrampfung!
Keep the rubber side on the road ...
DLzG ... kommt gut durch den Winter, ihr alle ...
Ohja, dass sind solche Schreckmomente. Da hast du ja noch mal richtig Schwein gehabt und gut reagiert.
AntwortenLöschenAber witzig, Heike ... also unsere HeikeK64, um sich das noch mal auf der Zunge zergehen zu lassen ... fährt aus Sicherheitsgründen (!!!) auf die/auf der AB :-D
Aaaah - Funny du Gute - ich wußte, irgendeiner wird das noch einmal aufgreifen :-).
LöschenIch liebe meine Leser.
Ja, das ist schon ein Ding, oder?
Ich - Heike K 64 - fühle mich auf der AB sicher ... ;-)
Wir erinnern uns alle an meinen Werdegang, ja?
!!!!!!!!!!
EURE Heike K 64 :-)!
Da gab es doch diesen Film ... Brave Heart ... paßt irgendwie ... HeikeK64 alias Braveheart ...
AntwortenLöschenMensch, Heike! Ich bin ja so froh, dass Du (und Ellie natürlich) cool geblieben bist (seid). Es geht eben nichts über entsprechendes Training. Du bist weit gekommen, seit Deinen Anfängertagen. Leider lassen sich solche Situationen nicht vermeiden. Manchmal ist eine Dose dran schuld, ein anderes Mal verschätzt Du Dich vielleicht. Hauptsache, Du fährst nicht schneller, als Dein Schutzengel fliegen kann.
AntwortenLöschen@Heike: Die leichte Verletzung war immerhin ein gebrochenes Wadenbein und ein luxiertes Fußgelenk. Leider ist mir ja dann nach 4 Wochen die Stellschraube gebrochen, also noch mal das ganze vernietet worden. Die Platte und die abgebrochene Schraube ist immer noch drin. Moped ist seitlich auf den Sturzbügel und Kofferträger gerutscht, brauchte nur noch nen neuen Lenker, ein bisschen Farbe und Plastikkleber. Schwarz Mattlack ist ne tolle Sache...;-)
AntwortenLöschenMarcus, das liest sich aber total unschön :-( ... Hast Du denn noch Schmerzen? Bleibt die Schraube noch weiterhin drin? Au weia ...
LöschenNaja, war ja im Jahre des Herrn 2012...also schon ne Weile her. Die Platte und die Schraube bleiben, bis sie Ärger machen. Habe für meine kaputten Knie eh schon GdB von 30%. Hat die Sache nicht besser gemacht. Schmerzen nur bei langer einseitiger Belastung (Stehen, viel Laufen, langes enges Sitzen)
AntwortenLöschenAber Mopedfahren geht noch :-))
Oh ha, das war knapp. Immerhin hat sich der Autofahrer entschuldigt ... . Bin froh, dass Dir nichts passiert ist. Danke für den Bericht.
AntwortenLöschenDanke, Frauke - ich weiß von einigen Motorradfahrern, dass Autofahrer sich da oft aus dem Staub machen ... Der war anders. Ja, es war wirklich knapp gewesen, und ich hatte ehrlich gesagt schon mit dem Aufprall gerechnet. Zum Glück kam es anders. Da kann man wie gesagt noch so oft Ausweichen üben - hätte hier nüscht geholfen. Der war einfach da, genau vor mir. Soviel Erfahrung habe ich ja auch noch nicht - was sind schon 23.000 Fahrkilometer. Wir haben keine Airbags, und in vielen Fällen geht es ganz anders aus. Auch bei solchen geringen Geschwindigkeiten ...
AntwortenLöschenIch war wohl noch nicht dran ...
Mach keinen Sch.... Heike !
AntwortenLöschenIch zucke fast jedes mal zusammen, wenn ein Auto von rechts heranfährt. (Ich auf der Hauptstrasse wohlgemerkt).
Das ist weil ich tief drinnen immernoch FAHRRADfahrer bin. Da hat man vor ALLEM Angst, manchmal sogar vor Fussgängern (=positionsändernde Hindernisse :-)
Tragen wir es mit Fassung und nennen es gut Reflexe......
Viele Grüsse, Michael
Danke,Micha - und den Ausdruck "positionsveränderne Hindernisse" kenne ich seit der Fahrschule unter dem Begriff "Fuß-Gangster" :-D
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