Ellie und ich

Ellie und ich

Freitag, 10. Juni 2016

5. Juni 2016 - Im Wald, am Schlund der Erde und dann kühles Nass. Plus Kuchen und Geburtstagsstammtisch.

Sonntag, und keine Termine. Doch, einen: so früh wie möglich raus mit Ellie.

Gesagt, fast geschafft. Um halb neun wuchtete ich mich ledergewandet auf das treue Motorrad, legte mit dem gewohnten "KrACK" den ersten Gang ein und tuckerte vom Hofplatz.

Ein wenig hierhin, ein wenig dorthin. Und weil mir warm war, nochmal in das Reitlingstal.

Kurve links hoch ...

 Blick zurück, von wo ich herkam: Hinter den Bäumen Kurve links runter ...

Pausenplatz


Um die Uhrzeit war zum Glück sehr wenig los hier. Ein Rollerfahrer fuhr zweimal an meinem Feldweg vorbei: einmal hin, einmal zurück. Und alles innerhalb weniger Minuten. Ob das seine Hausrunde war?

Mich juckte es in den Fingern, es wurde auch immer heißer und die Fliegen lästig. Also weiter.

So fuhr ich den Ort an, den ich sonst genauso meide wie die Sauna ... 


Sonntag morgen um 8:50 Uhr am Tetzelstein/Elm - keiner der üblichen Verdächtigen anwesend! Seltenheitsfoto.

Wenige Minuten nach dem Foto truddelten sie dann ein: weißhaarig, sonnenbebrillt, und hormonstrotzend trotz des offensichtlich hohen Alters. Der Eine auf einer Buell - viel zu gequetscht und der Beinwinkel ... naja. Aber laut war die. Und das war wohl wichtig.

Liebe Ellie, Zeit für uns, da wegzufahren ...

Mit mehr Schwung als notwendig heizte ich vom Platz. Nein danke. Hier auf der Rentnerbank hocken, andere Motorräder bestaunen müssen und mir den Smalltalk einzelner Besserwisser antun - aus der Haut bin ich entwachsen.
Damals, als Anfängerin, krauchte ich hier einige Male verschüchtert über den Asphalt. Bewunderte heimlich und neidvoll die Recken dort auf ihren Maschinen: in Leder gezwängt, Fliegenübersäht - sie schienen mir die wahren Helden zu sein.

Jetzt, mit mehr als vierzigtausend Fahrkilometern und ein wenig Erfahrung mehr, weiß ich: auch die sind nur normale Menschen. Sie waren es vorher wohl auch, nur meine Sichtweise auf sie war eine andere.

Away Away - so mag ich das. Leere Straßen und die frische kühle Luft im Wald!


Vereinzelt wagten sich die Sonntagsrenter in das Grün, aber da sie meist von vorne auf uns trafen, störte es meine entspannte Laune nicht weiter.

Ich fuhr weiter, Richtung Schöningen. Ich mußte tanken, und Hunger hatte ich auch. Die Aral am Ortsausgang von Schöningen hat ausreichend im Angebot, auch wenn der Sprit hier - im Vergleich zu anderen, freien Tankstellen - irgendwie mit Gold aufgewogen wird.

In aller Ruhe pellte ich mich aus, tankte Ellie voll, und ging in den klimatisierten Innenraum. Hier tummelte sich die Jogginghosen-Klientel, tauschte leere gegen volle Bierflaschen um, und brauchte ewig, um sich für ein Frühstücksbrötchen zu entscheiden.
Ich hatte Appetit auf ein besonderes, aber das war grad aus. Als ich an der Reihe war, fragte ich danach und bekam es fast sofort frisch zubereitet über den Tresen gereicht. Dazu gab es einen Becher Kakao. Mal schauen, ob ich ihn kleckerfrei in der Hecktasche transportiert bekam.

Ich wollte Frühstück-mit-Aussicht. Dort auf der Tanke war es mir zu wuselig: gerade traf sich dort ein Rudel Uniformierte - Spielmannszug oder so.

Also steuerte ich Ellie wieder heraus, heraus aus dem Ort. Es ging am Tagebau vorbei, und dann fand ich einen Platz.

In praller Sonne stand sie da, die arme Ellie. Kurzer Check vom Tankrucksack: keine Schokolade dabei? Gut. Die wäre sonst nämlich zu Kakao geworden.
Ich selber mußte Schatten haben. Es ging um die frühe Morgenzeit schon an die 26 Grad heran!

Soviel wie möglich zog ich aus, ohne das es unschicklich wurde, schnappte meine Frühstücksbeute und verzog mich an den Rand vom Tagebau in den dürftigen Schatten weniger zerzauster Bäume. Den Frühstücksplatz teilte ich mir mit wieselflinken Waldameisen, die schneller wieder von mir runterliefen, als ich sie wegschnipsen konnte.


Warmer Kakao und eine heiße Aussicht: über dem Tagebau waberte die Luft, und Raubvögel tanzten in den warmen Luftströmen gen Himmel. Eine grandiose, aber auch schaurige Kulisse ... weltbester Frühstücksplatz, wie ich fand!


Das backfrische und -belegte Baguette "Tai-Chicken", welches genauso lecker war wie es im Verkaufstresen angepriesen wurde.

So saß ich da, schmauste mein Frühstück und ließ die Gedanken truddeln. Wenn es nur nicht gar so heiß sein würde ... am Nachmittag hatte ich ein Date. Ein erfrischendes. Bis zum Mittag mußte ich allerdings noch durchhalten. Um 12 Uhr würde das Freibad geöffnet werden, und bis dahin mußte ich mich irgendwie durch das Land buxieren.

Ich spülte mir die Finger mit dem Leitungswasser ab, was ich mitgenommen hatte. Einen ordentlichen Schluck aus der Pulle gönnte ich meiner ausgetrockneten Kehle zusätzlich. Dann ging es weiter. Durch kleine und kleinere Dörflein, mit merkwürdigen Versprechen im Ortsnamen:


Bei Seehausen im Waldstück traf ich einen flitzigen PKW-Fahrer, der schnell die verengte Fahrspur der kleinen Baustelle (Fahrbahnabsenkung) hinter sich bringen wollte. In Gedanken schüttelte ich den Kopf. Die Kurve war schlecht einzusehen, er hätte sich da mehr rantasten müssen ...

Im Ort Seehausen selber schien etwas im Gange zu sein. Überall hockten Menschen im Schatten auf Klappstühlen, wedelten mit kleinen Fahnen. Auch der Ort war festlich geschmückt. Eine längere Fahrzeugschlange quälte sich die Hauptstraße entlang. Ich hängte mich dahinter - und sah das Übel: ein Trecker, mit einem Anhänger, in dem sich lautstark lustige Menschen umarmten und den Passanten zuwinkten. Schien eine Art Volksfest im Gange zu sein. Zum Glück bog das lahmarschige Fahrzeug bald links ab, und ich konnte den Trubel hinter mir lassen.

An dem Vormittag durchfuhr ich drei weitere Volksfestivitäten im Umland. Offenbar ist der 5. Juni ein besonderer Tag dort in der Region ...

Ich reckte den Hals, damit Luft in die Lederjacke zog. Endlich paßte die Uhrzeit, und ich kam dort an, wo es kühl und nass war!


Hurra! Angekommen!
Die anderen waren auch schon da. Eine badete gerade, die anderen testeten den Kaffee.


Kurz Hallo gesagt, dann ab in die Umkleidekabine und den Badeanzug übergezogen. Kurzes Abduschen und mit großen Schritten ab ins Becken. Was habe ich mich gefreut, als das kühle Nass über meinem Kopf zusammenschlug. Davon hatte ich die letzte Stunde geträumt!

Einer meiner Stammtisch-Brüder hatte Geburtstag. Zum Mittag gab es Chinesisch: Ente! Und als wir alle randvoll waren, kam noch ein fettes Schmankerl oben drauf.



Schokokuchen mit Goldpulver - er war genauso mächtig, wie er ausschaute. Und total lecker!


Für die Mädels gab es dann noch einen kleinen Schluck zum Anstoßen. Merke: Hitze und Sekt macht Sausen ...

 So sieht man halt aus, nachdem man einen großen Kübel Rotkäppchen Mango reinschlürfte ... kleinen Glimmer im Blick!



Der Zustand normalisierte sich aber nach diversen Gängen in das erfrischende Wasser des Schwimmbeckens!

Um 17 Uhr löste sich der Haufen auf. Ich fuhr als Zweite im Pulk mit einem anderen Bruder gen Heimat. Seine VN hatte einen mächtigen Anzug, mit dem Ellie nicht mithalten konnte. In den Kurven schrammten die Endstücke vom Auspuff verdächtig nah am Asphalt. Da gewann Ellie dann wieder.

Ein herrlicher Sonntag ging zuende. Die Hitze ließ gegen Abend nur ein wenig nach: die Sonne brannte nicht mehr so, aber die Luft war noch ziemlich aufgewärmt.

Fazit:
Biker-Frühstück mit besonderer Aussicht - das kann mir kein Schickimicki-Café der Welt bieten.
Schwimmen klappt immer noch.
Sekt vertrage ich bei Hitze noch weniger als sonst. Aber luschtisch war es im Wasser, blubb blubb ;-)

Der rasante PKW-Fahrer gegen Mittag kurz vor Seehausen war der Bademeister gewesen. Er meinte, er hätte mich erkannt und sogar noch zugewunken. Als hätte ich das erkennen können, bei dem Licht- und Schattenspiel der Bäume. Außerdem war er ziemlich schnell an mir vorbei gesemmelt ... der Jungspund, der.
Er war übrigens vorher in dem Festumzug in Seehausen stecken geblieben, und dementsprechend in Eile, weil er ja doch pünktlich das Bad aufschließen mußte ...  

1 Kommentar:

  1. Ein bissel was neidisch bin ich schon auf das schöne Wetter, daß Ihr da habt. Hier ist seit Wochen Regen, Gewitter, Unwetter und Co. An Freibad ist da nicht zu denken. Brauche ich auch nicht. Wenn ich Wasser will, stelle ich mich vor die Tür.
    :)
    Das hört sich aber nach einem gelungenen Sonntag an, mit schöner Tour, mit netten Leuten und tollem Kuchen. Meine Güte, ist mir da das Wasser im Mund zusammengelaufen!

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