Ich tourte bei dem genialen Wetter mehrfach in den Harz. In der Woche ist das gut machbar. Am Wochenende meide ich das Gebiet. Zuviel Volk unterwegs ... auch aus der eigenen Riege.
23.8. - Runde Eins
Bei meiner Hausstrecke (Tankrunde) taumelten im Wind lustige Gesellen am kitschblauen Himmel.
Das machte mir gleich gute Laune, und ich nahm das als Zeichen dafür, dass ein schöner Tag folgen würde.
Ich entdeckte im näheren Anfahrtsgebiet neue Wege! Bedingt durch Baustellen mußte ich einige Male ausweichen und fand schöne schmale kurvige Nebenstrecken. Kaum ein Fahrzeug begegnete uns! Zum Feierabend würde das sicherlich anders aussehen. Wenn einem in der Kurve ein PKW begegnet, der zwei Fahrspuren einnimmt ... man kennt das ja leider.
Die Felder waren teilweise schon abgeerntet. Staubwolken kündigten die Erntemaschinen im noch aktiven Einsatz an. Mit dem Jethelm bekam ich das hautnah mit. Mein Halstuch diente somit auch als Atemschutz!
Wirkte irgendwie überdimensioniert, und war am Abend Treffpunkt der Schischa-Jugend ... ein Sperrwerk und ein Bächlein!
Warm war es. Die nackt geschorenen Schafe genossen den kühlen Schatten.
Warum hier ein Sperrwerk gebaut war, entzog sich meiner Kenntnis. Der Bach schien ziemlich flach, und nirgendwo konnte ich einen Stausee entdecken.
Ich fuhr weiter, über den Ortsberg bei Liebenburg hinweg, bog nach links ab in Richtung Harz. Über kleine Ortschaften ging es an den ersten Halden vorbei: wir kamen nach Langelsheim.
Erfrischende Rast an der Innersten, bei Langelsheim Ortseingang
Ab hier hieß es, aufpassen! Die Strecke in den Harz wird unter der Woche von viel Lieferverkehr befahren.
Auch in der fünften Fahrsaison hasse ich es, von LKWs bedrängt zu werden. Mein Tempo ist jetzt flüssiger - Fahrerfahrung - trotzdem find ich es immer noch bedrohlich, im Rückspiegel nur Scheinwerfer und einen dunklen Kühlergrill zu sehen. Die Geschwindigkeitshinweise scheinen für die meisten Fahrer eher "beratenden Charakter" zu haben.
In Teil Zwei der Harzfahrten erwähne ich deshalb kurz mal den mobilen Blitzer bei Braunlage ...
Eine Pause am Innerste Stausee verwarf ich wieder. Das dortige Lokal sah verdächtig nach Touristen-Abfütterung aus. Preise ...
Der Duft von frisch getrocknetem Harzer Wiesenheu kitzelte mir in der Nase und versetzte mich in meine Kindheit zurück. So duftete es in Österreich. So duftete es aber auch im Harz ... wo war das nochmal gewesen? Auf den Fotos von damals habe ich Rattenzöpfe, eine Zahnlücke und noch keine Brille.
Ich erinnere mich an kaum etwas von damals, nur der Duft, der hat bis heute einen Wiedererkennungswert in meiner Programmierung.
Ich hing mich also in die Kurven harzanwärts. Aus dem Augenwinkel nahm ich etwas interessantes wahr. Einige Meter fuhr ich weiter, dann ließ sich gefahrlos eine Wendung einbauen und es ging zurück.
Der Ausblick war in natura noch viel eindrucksvoller als auf den Fotos. Die Brücke scheint eine beliebte Wanderstrecke zu sein - an den Bäumen waren viele Hinweisschilder angebracht. Befahren ließ sich das Monument nicht mehr.
Inmitten von Licht und Schatten läßt Ellie sich gut wiederfinden. Das Rot leuchtete.
Heute war absolutes Fotowetter. Das Licht leuchtete überirdisch, und an allen Ecken und Kanten fand ich Fotomotive.
Kurz vor Lautenthal:
Eine herrlich weitläufige Koppel
Nervte ein Rückwärtiger zu sehr, fuhr ich mit Blinken rechts ran. Ab und an bedankte sich einer der gebückten Fraktion. Das fand ich nett.
Und wieder ging die Fahrt weiter, nur um nach wenigen Kilometern erneut für einen Stopp unterbrochen zu werden.
Der Harz und der Bergbau - sie gehören auch heute noch untrennbar zusammen. Eine Kulturlandschaft, geformt und gestaltet. Und trotzdem gewinnt ... am Ende die Natur.
Ich gönnte mir einige Schlucke Mineralwasser und futterte meine Mini-Butterkekse. Auch ein Stück Obst fand sich noch in einer der Satteltaschen. Energie nachtanken für den Fahrer. Sehr wichtig.
Hier oben war die Temperatur erträglich, trotzdem ist der Hochsommer im Harz warm!
Neu waren mir nervige Insekten - genannt Hirschlausfliegen. Wegschnippen ließen sich die Plagegeister nicht. Totschlagen ebenfalls nicht.
Ich hatte genug und fuhr weiter.
Leider verfolgten mich diese Viecher auch später noch diverse Male. Sowas im Helm zu haben ist eine wirklich ätzende Angelegenheit. Es krabbelt und kniept. Da hilft nur rechts ran, Helm abrupfen und solange im Haupthaar wuscheln, bis der Übeltäter gestellt und vernichtet ist ...
Ich kam nach Clausthal-Zellerfeld, bog nach links von der befahrenen Route ab und landete im Ortsteil Zellerfeld. Hier war ich vor Jahrzehnten einmal verpartnert gewesen. Junge, ist DAS lange her. Der Partner ist weg. Kein Verlust. Im Ortsteil selbst hatte sich bis heute wenig verändert. Außer, das noch mehr Häuser leer stehen, und viele kleine Handwerksbetriebe nicht mehr da sind. In der heutigen Zeit sind "Event Attraktionen" angesagt. Alles, was schick, teuer und möglichst weit weg von der Einfachheit ist, wird hochgepuscht.
Selbst das schnöde Wandern wird jetzt mit englischen Begriffen gespickt, um möglichst attraktiv zu wirken. Eine saudämliche Entwicklung, wie ich finde.
Hier gab es zum Glück immer noch ein nettes Café, wo ich mir ein leckeres, selbst gekochtes Mittagessen gönnte (von der Enkelin). Empfehlung. Nur Sonntags haben sie nicht geöffnet. Wer mal aufs WC möchte, stapft durch das gesamte Untergeschoß und lernt so nebenbei kennen, wie die Oberharzer wohnen ;-).
Nudeln mit selbst gekochtem Gulasch - eine stattliche Portion für kleines Geld PLUS Salat - irgendwas bei 5 Euro ... ein Traum. Mein liebster Hunger-Stiller!
Hier klatscht der Gast Beifall ... im Kaffee Klatsch
Auch hier draußen leider: Hirschlausfliegen ... die waren nicht eingeladen, ließen sich aber nicht vom Platz vertreiben. Unverschämtheit.
Kostenlos dazu gab es noch einen Feuerwehr-Auftritt eine Querstraße weiter. Irgendjemand mußte per Drehleiter aus seiner Wohnung geholt werden, erfuhr ich von einem Einheimischen. Da oben passiert nicht viel - dieser Einsatz war für die Dortigen recht aufregend.
Ich war gestärkt, hatte keine Lust auf Schaulusten, und fuhr in den Ortsteil Clausthal. Da lockte noch ein Fototermin ... mit 10 km/h durch die Spielzone zu schleichen - das ist sogar für mich eine Herausforderung im Punkt Langsam unterwegs sein ...
In der Kirche hätte ich fast einmal geheiratet ... trotzdem finde ich sie heute immer noch schön ;-)
Die Motorraddichte nahm zu. Clausthal-Zellerfeld ist Durchgangsort für die Harzreisenden.
Bedingt durch eine Sperrung konnte ich nicht auf einer Nebenstrecke nach Altenau, also fuhr ich ein Stück zurück. Wieder war ein Fototermin angesetzt ...
Oberhalb der Okertalsperre - von Schulenberg aus
Die Strecke von Schulenberg hinunter zur Talsperre war Baustelle. Der Belag ganz frisch gemacht und für die Befahrung noch nicht freigegeben. Ich umfuhr die Absperrung
Ellie lenkte ich bis zur nächsten Parkbucht.
Wie erwähnt - Fotowetter ...
An der Okertalsperre - Blick auf die Brücke nach Altenau
Ich kraxelte den schmalen Steilweg hinunter zum Wasser und überlegte lange, ob ich mich dort hinein stürzen wollte. Memo an mich selbst: im Sommer immer Badeanzug mitnehmen. Dort "blank" zu schwimmen ist wie wenn ich mich in den Trevi-Brunnen werfen würde. Vollzeit-Beobachtung garantiert! Bis ich dann wieder in den Motorrad-Sachen drin bin ... das war mir alles zu anstrengend. Dann doch lieber standesgemäß den Fahrwind in die Jacke pusten lassen. Ich zog mein Halstuch durch das Trinkwasser, würde so zumindest einen kühlen Hals bewahren, und stapfte den steilen Weg wieder hoch.
Es ging weiter, Richtung Altenau.
Vorsperre der Okertalsperre
Links am Wegschild vorbei, durch die Büsche, einen Trampelpfad entlang Hang abwärts ... und ich hatte Wasserkontakt! Allerdings nur mit den Händen und Füßen.
Glasklar und angenehm temperiert - allein die Egel dort unter den Steinen im Wasser hielten mich ab ...
Zurück auf dem Schotterparkplatz fand ich noch ein nettes Benzingespräch mit fünf Bikern aus dem Norden. Alle durch die Bank weg Ü-50, eher schon 60-Mitte. Sie urlaubten in einer Biker-Lodge in Altenau, von der ich schon im Internet gelesen hatte. Ihre Prioritäten (Abends mit allen gemeinsam am Lagerfeuer; viele Biker vor Ort) waren dann aber doch nicht meins. Mir fehlt das Rudel-Gen.
Der Tag war sehr angefüllt mit Erlebnissen. Durch die gemütlichen und kulinarischen Pausen zwischendurch war ich noch fit. Ich fuhr noch einmal hoch, ganz hoch ... an den Hängen wurden die Bäume gerippiger. Durch den Borkenkäfer oder doch noch durch das Waldsterben? Genaues Hinsehen war nicht möglich - die kurvige Straße fordert Konzentration, wenn man die Fahrlinie beibehalten will. Hier durch Träumen ins Tal abzuschmieren, das steht nicht auf meiner To-Do-Liste!
Es ging schon auf den Abend zu. Die meisten Touristen verschwanden pünktlich, um gegen 18 Uhr beim Futtertrog zu sein.
Ich besuchte den Outdoor-Shop gegenüber. Ein Kauf stand noch an. Geschenk für den Zettfahrer!
Dann fuhr ich über die Hauptader B4 zurück ins Tal. Links überholten mich Gebückte mit viel Gebrüll. Teilweise zwei bis drei Maschinen schräg versetzt hintereinander. Mir zog sich die Kopfhaut unter dem Helm zusammen ... die fahren, als gäbe es kein Morgen mehr.
Damit ich den Hauptstraßen-Staub los wurde, ging es in Bad Harzburg noch eine kleine Runde abseits. Ich befuhr ein kleines Tal gleich in der Nähe. Eckertal - hier lasse ich häufig eine Tour ausklingen. Kleine Pause am Straßenrand, Blick in die Landschaft "zurück", und die Seele nachkommen lassen. Ganz wichtig für mich.
Das Geschenk für den Zettfahrer
Auch spät abends noch beim Ernteeinsatz ...
Kurz vor Zuhause belohnte mich die Natur noch einmal.
Himmelsbelohnung am Schluß.
Welch ein schöner angefüllter Tag war das gewesen!
Fazit:
Es war schön.
Und es hat Spaß gemacht. Ich fühle wieder intensiver "bergauf".
Gesamtkilometer: irgendwas mit 260 oder so ...

















Schöne Tour , schöne Bilder
AntwortenLöschen"bergauf" trifft's gut - ein schöner Bericht
AntwortenLöschenWas les ich da für einen Halbsatz? Kindheit in Österreich? Ja sag! Woher stammst du?
AntwortenLöschenGrüße aus Österreich!
Angelika
Huhu Angelika. Geboren in Hamburg, verbrachte ich in der Kindheit diverse Urlaube in Österreich. Die Region weiß ich leider nicht mehr, außer, dass der Ortsberg der Pihapper hieß ;-). Und unser Quartier in Hollersbach "aufn Berg naufi, übern Woid!" war.
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