Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 16. März 2020

Ausfahren in Corona Zeit

Dieser beknackte Virus hat ja nun mittlerweile alles öffentliche Leben ausgebremst. Bikerpartys werden eine nach der anderen abgesagt. Treffen verschoben. Konzerte in den Herbst verlegt. Da hoffe ich mal, dass die nächste Infektionswelle dann nicht auch noch wütet.

Einige wenige Gaststätten haben noch geöffnet. Ansonsten gilt es, soziale Kontakte zu reduzieren. Da ich als Motorradfahrerin ja einen Helm mit Visier habe, und Handschuhe, kann ich also schon noch Bikertreffpunkte anlaufen. Eigenes Risiko, schon klar. Seien wir ehrlich: die Saison ist gestartet, das Frühlingswetter ist da - und dann zuhause bleiben und die dreckigen Scheiben anstarren, weil draußen die Viren lauern?

Es mußte mal rausgehen. Ich verabredete mich mit Zetti bei Ritchy, unserem Stammlokal. Bis dahin fuhr ich mich mit Ellie wieder ein, und die Stimmung hob sich deutlich. Die Reifen müssen dringend neu, die sind schon ganz eckig. Aber durch zweiTierarztrechnungen in der letzten Woche muß das noch einige Zeit so gehen ...

Bei Ritchy angekommen, gab es eine Überraschung. Ich hatte zuvor bei Fatzebuch einen Aufruf gemacht, und tatsächlich folgte ein guter Bekannter dem nach.


Hier war schon richtig schöner Frühling im Garten.

 
Mir war es draußen zu frisch. So saßen wir in der Gaststube schön am Kamin, wo ein kleines Feuer gut wärmte und schöne Stimmung machte. Der Kaffee schmeckte, meine Pizza auch. Später kam ein weiterer Biker an unseren Tisch. Er hatte erst seine zweite Saison, war deutlich über fünfzig und hatte seinen Spaß an unseren Benzingeschichten. Er hatte nur angehalten, weil er unsere Motorräder dort parken gesehen hatte. Er war hier schon öfter in der Gegend gewesen, aber immer nur dran vorbei gefahren. Ja, das höre ich von vielen Bikern ... aber das Anhalten lohnt sich. Es ist kein schraddeliger Dorfimbiß, hier kann man wirklich gut speisen.

Gegen 16 Uhr wurde es schattiger, unser Gast aus Halberstadt mußte auch weiter, und Zetti und ich fuhren eine gemütliche Runde bis zu mir nach Hause. Es war so schön zu fahren. Die Straßen fast menschenleer, wenig Autoverkehr. Ich hatte den Eindruck, das es mehr Zweiräder als Autos auf den Straßen gab.

Am nächsten Tag hätten wir eigentlich andere Pläne gehabt, die ich aber spontan umwarf. Fahren wollte ich - bevor uns das auch noch verboten wird. Meine Schwägerin sollte ihre ausgeliehenen Tuppersachen zurück erhalten, und wir freuten uns auf eine schöne Tour Richtung Celle.

Ich verabredete mich mit dem Zettfahrer in Semmenstedt an der Tankstelle. Dort gab es Probleme. Die Sonnenbrille vom Zetti war verschwunden (hat wohl in der kurzen Bezahlabwesenheit jemand vom Sitz gestohlen), und der Joghurtbecher war nass. Kühlflüssigkeit. Der Joghurtbecher war gerade für eine Stange Geld in der Werkstatt gewesen - was war das jetzt wieder für ein Shice???

Ich fuhr über Wolfenbüttel und die Dörfer zurück Richtung Braunschweig. An einer Ampel zeigte Zetti auf den Joghurtbecher: der warf Rauchwolken. Wir fuhren nicht mehr weiter Richtung Celle, sondern erstmal zu mir. Kurz vorher mußte Zetti rechts ran. Und dann wars auch schon gelaufen.


Eine ziemlich große Pfütze unter dem Motorrad. ADAC angerufen - der würde innerhalb einer Stunde kommen. Ich fuhr in der Zeit zweimal nach Hause. Einmal wegen der WC Angelegenheit, und ein zweites Mal, um den vergessenen Nierengurt nachzuholen *grumpf*.

Der ADAC hatte den Joghurtbecher schon auf dem Wagen. Ich fuhr über die Dörfer zum Schrauber, der ADAC und Zetti nahmen die Autobahn.
Zetti wurde dann von seinem Schwager abgeholt - ich sollte den Tag noch genießen bei dem schönen Wetter. Das tat ich auch. Aber mit schlechtem Gewissen. Wäre aber blöd gewesen, wenn ich nicht gefahren wäre. Ich hätte ja doch nichts tun können außer, selbst schlechte Laune zu bekommen.

So fuhr ich also in großem Bogen wieder zum Stammlokal. Das Mitleid für den Zettfahrer war angemessen, obwohl es sich in einer Sprachnachricht an ihn über Whatsapp nicht ganz so anhörte ;-). Ich hatte Hunger, der ganze wirre Kram der Panne nervte meinen Magen.

Der Wochenburger! Hamburger mit Vollkorn-Brötchen. Ein fettes Teil, mit viel leckerer Soße und einem Gemüsebett unten drunter (weil ich keine Zwiebeln mag).


Ein Trupp von fünf Bikern hielt an, als sie Ellie vor der Tür stehen sahen. Sie blieben aber draußen - Los der Raucher. Auch hier wieder: sie waren sonst immer vorbei gefahren. Sah meist so geschlossen aus ...  Klar: wenn man Montag vorbeifährt: Montag = Ruhetag.

Anschließend fuhr ich noch eine weitere Runde durch den Elm. Am Tetzelstein war ziemlich viel los. Da hielt keiner Abstand, viele Gruppen standen da rum und redeten Benzin. Mir ließ das kaputte Motorrad von Zetti keine Ruhe - ich fuhr nochmal wieder Richtung Wolfenbüttel auf den Hof vom Schrauber. Er hatte den Joghurtbecher aber schon in die Werkstatt geschoben - der Vorplatz war leer.

Nun konnte ich doch noch ein wenig entspannen. An der Asse gab es ein kleines privates Supermoto-Event. Auf einem Parkplatz standen mehrere PKW, ein Grill qualmte vor sich hin, und eine größere Gruppe schaufelte sich das Essen rein oder machte sich gerade fertig für die nächste Runde. Es roch nach Grillfeuer, Bratwurst und Benzin - herrliche Mischung. Die Stimmung war gut, man grüßte mich fröhlich und ausgelassen.

Auf den braunen erdigen Feldern balgten sich fast perfekt getarnt Feldhasen. Sie feiern Hasenhochzeit - mit Staubwolken und ausgerissenen Haarbüscheln. Geht ziemlich zur Sache bei denen. Als sie meinen Schatten sahen, gingen sie in Deckung. So ähnlich hatten es die Supermoto Fahrer auch gemacht, bis sie erkannt hatten, das ich keine Gefahr (sprich: Polizei) bin.

Kurz vor Dettum machte ich noch einen Fotostopp. Damit ich wenigstens einige schöne Fotoerinnerungen an diese fast 200 Kilometer lange Runde habe (außer dem Burgerfoto, was wirklich Appetit macht, gell?).




Es war heute teilweise ziemlich windig gewesen und ich sehr froh über meine Stulpen und die Griffheizung.

Mir tat nichts weh, nur ein wenig Muskelkater in den Unterschenkeln war zu spüren. Kurz vor Sonnenuntergang war ich wieder Zuhause.

Nachtrag:
Beim Joghurtbecher war nur eine Schlauchschelle abgerutscht. Da die Tachowelle aber auch kaputt ist, bekommt Zetti sein Wintermotorrad erst im Laufe der Woche wieder. Ab April kann er dann wieder Zett fahren, und hat dann die Wahl zwischen drei Motorrädern. Nur jetzt grad hat er höchstens noch die Schwalbe. Und die ist doch etwas anstrengend, meint er. Mir wäre das egal, da würde ich dann den CRümel nehmen. Aber ihm ist das zuviel Getucker ;-).

 

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