Die Prozentzahlen machen mich nicht glücklich!
Wenn ich mir den Trend so ansehe, werde ich versuchen, am Samstag zumindest mal ganz kurz rauszufahren. Wenigstens zur Tankstelle, Luft kontrollieren!
Das muß doch zu schaffen sein, männo!
Sonntag (40%!) bin ich leider den ganzen Tag mit der Rennsemmel unterwegs ...
Kurze Anmerkung zum Sonntag: ab 17 Uhr kamen Schnee- und Graupelschauer. Wie gut, dass ich manchmal so spontan bin (siehe Blog weiter unten ... ;-).
Der Trend schaut auch nicht unbedingt gut aus - außer am Mittwoch, und da kann ich wegen eines Seminars leider nicht fahren - also weiter warten, warten, warten ...
Ich bin ganz bestimmt die Allereinzige, die so sehnsüchtig auf den Beginn der Saison wartet!
Na immerhin ist der Schnee jetzt weg, und die glitschige Salzbrühe auf den Straßen ist weitestgehend in die Keller und Straßengräben der Region versickert. Der Rollsplit ist leider noch nicht weggeweht. Fieses Zeug! Wobei Sand oder ähnliches auch nicht besser ist.
Also mir ging der Winter schon immer auf die Nerven - und irgendwie geht er mir dieses Jahr nicht schnell genug zuende!
Klar kann ich auch bei diesen oben gezeigten miesen Bedingungen fahren. Aber so groß ist meine Sehnsucht und Unvernunft dann doch wieder nicht. Ein Sturz und der Anfang der Saison ist gelaufen.
Das riskier ich nicht!
Aber ich checke trotzdem jedes Stück überdachte Straße auf der A39 mit dem Gedanken: "Jetzt hier alles absperren, eine Kehrmaschine durchlaufen lassen und dann mal richtig losheizen - das wär's!"
Smile :-)
Um 10 Uhr hielt es mich dann aber doch nicht mehr. Ich dachte mir: "Jetzt oder nie!", stempelte aus und fuhr sofort von der Arbeit aus nach Hause.
Total zitterig vor Aufregung legte ich mir alle Klamotten zurecht, pellte mich in mehrere Schichten warmes Thermozeug und wollte in die Motorradhose rein.
Und siehe da - die war über den Winter hin eingelaufen. Ich mußte mich fluchend aufs Bett legen, und nur mit äußerster Kraftanstrengung bekam ich meine erotische Schwungmasse (die neu gewachsene Hüftspeckrolle) in die Hose reingezwängt.
Klitschnass geschwitzt und total frustriert wälzte ich mich vom Bett. So - angezogen war die Hose, aber wie bewege ich mich damit jetzt? Ich kam mir vor wie in einer Ritterrüstung! In der Garage bekam ich mein Bein kaum über den Sitz geschwungen.
Ich glaube, an diese neue Unbeweglichkeit und den blasendrückenden Nierengurt muß ich mich ganz neu gewöhnen!
Dann wollte ich Ellie starten. Die Batterie orgelte - und orgelte - und orgelte ... und nichts passierte. Mir lief der Schweiß den Rücken runter. Was war denn JETZT schon wieder los?
Nach mehreren vergeblichen Versuchen rief ich völlig entnervt Fritz an und hielt ihm das Handy an die Maschine. "Hier, hör mal! (verzweifelter Unterton)" orgelorgelorgelorgel ... "Was mach ich falsch???"
Er ging mit mir alles durch. Notausschalter - war okay. Choke gezogen - war okay. Und dann die Lösung: kein Gas geben! Kaum handelte ich so, wie er sagte - orgelBRUMMMMMMMMMMMMMMMM ging Ellie los. Ich hatte zuviel des Guten gewollt. Choke UND Gas geben, das war falsch. Gut - wieder was gelernt!
Dann plünnte ich mir die Sturmhaube drüber, den Helm auf, und langsam ging es aus der Garage. Ui - der Gashahn ist jetzt aber sehr sensibel gangbar eingestellt. Eine Bodenwelle und Ellies Motor jault auf. Ich werde das nachjustieren lassen. Noch bin ich zu verkrampft, und das ist beim Gashebel nicht gut.
Cockpit beim Losfahren
Dafür war die neue Jacke total super. Mir war warm (mir und endlich mal warm auf dem Motorrad, aber hallo!), allerdings ist der Kragen dann doch nicht hoch genug für meine Bedürfnisse. Ich hasse es, einen kalten Hals zu bekommen - trotz 2fach Schlauchtuch und Sturmhaube.
Ich fuhr zunächst mal nach Querum, zur Araltanke. Luft kontrollieren. Ein freundlicher alter Herr gab mir Hilfestellung, weil ich Ellie ziemlich weit abseits vom Luftgerät parken mußte (der Platz direkt davor war zunächst von parkenden Blechlingen belegt gewesen...). Er zog das Kabel bis zu mir hin, so dass ich es dann schließlich doch hinbekam, Ellies Ventile zu erreichen. Der Vorderreifen hatte wieder ein wenig verloren in den letzten vier Wochen, der Hinterreifen war super okay, wie gewohnt.
Ellie an der Luft-Bar - nebenan der nette alte Herr, etwas fotoscheu abgetaucht in den Kofferraum seines Autos
Der alte Herr prüfte dann seine Reifen, und paßte währenddessen auf meinen Helm, die Handschuhe und die Soziustasche auf. Ich mußte mal wieder aufs Klo - dieser Nierengurt drückt vielleicht ... Klamotten neu sortiert, fluchend wie ein HB-Männchen hoch und runtergehopst, bis ich die Hose zu hatte ... mit hochrotem Kopf dann raus aus dem Verkaufsraum. Normalerweise macht mir Zunehmen nichts aus. Zieh ich halt nen Rock an, wenn es im Bund kneift.
Geht aber auf dem Mopped nicht!
Ergo: abnehmen und/oder neue Hose kaufen!
Ich bedankte mich bei dem freundlichen alten Herren, wuchtete mich wieder auf Ellie und schob sie rückwärts aus der Parkbucht. Beim Einfädeln in den Ortsverkehr war ich einem BMW-Rentner wohl nicht schnell genug. Der fuhr von seiner Tanksäule weg, mir ziemlich dicht aufs Nummernschild, und hupte mich doch tatsächlich an. Wie gut für seine Gesundheit, dass ich mich kaum bewegen konnte! Ich ignorierte ihn und fuhr dann los, als die Lücke im Einkaufsverkehr meiner Meinung nach groß genug war. Wegen so eines Hansel riskier ich nichts.
Mit quietschenden Reifen überholte der Spacko mich und beim Einfädeln schnitt der mich auch noch. Reizender Genosse. Ich fuhr 50, genau wie es sein sollte. Querum hat gerne mobile Blitzer, das weiß ich noch aus der Fahrschulzeit. Insofern fahre ich da stur die erlaubte Geschwindigkeit!
Wenige Meter danach mußte der ungeduldige Grufti dann links abbiegen, und wegen des Gegenverkehrs elend lange warten, bis er ins Gewerbegebiet fahren konnte.
Ausgleichende Gerechtigkeit :-), tschakka!
Ich fuhr gemütlich weiter, aus der Stadt raus, Richtung Sickte, Hötzum, und weiter über die Dörfer zu Fritz, meinem HausUndHofSchrauber, Retter in höchster Anfängernot und Anlaufstelle für allerlei Wehwehchen Ellie betreffend.
Die Überland-Straßen waren saumäßig siffig. Überall Rollsplit, ein schmieriger Film aus Lehm, Rübenhäksel, Salzlake und "Winterstaub". In den sonnenabgewandten Straßengräben klebte noch schmutziger Schnee.
Der Wind pfiff ungewohnt um meinen Kopf herum, der Gashahn war sensibel wie nie zuvor, und einmal zog ich auf und fuhr mal mit 100 km/h los. Einige kleinere Wedel-Übungen folgten. Alles war wieder ganz neu. Ich werde neue Routine erarbeiten müssen, damit ich mich mit Ellie wieder als Einheit fühlen kann.
Bei Fritz gab es den lang ersehnten Kaffee. Ein Kumpel von ihm war zu Besuch, und spendierte sogar eine frisch gegrillte Bratwurst. Eigentlich wollte ich ja die nächsten drei Monate nur noch von Kaffee und Luft leben - wegen Gewicht abnehmen!
Aber die Bratwurst war einfach zu verlockend!
Nach einer weiteren Klamotten-Zurechtzuppel-Pause schwang ich mich auf Ellie und nach zwei kleinen Verschluckern beim Starten brummten wir dann vom Hof, Richtung Hornburg. Altvertraute Wege, neue Schlaglöcher, grottenmäßig gestreuselte Rollsplitstrecken mit frischem Teer und dann endlich die Anhöhe von Seinstedt.
Lieblingsrastplatz Seinstedt - und nun war ich doch noch glücklich!
Nach einer kleinen Verschnaufpause zog ich mir die neuen Seidenunterhandschuhe an, und anschließend die Kuhfuß-Handschuhe drüber. Erstaunlich, wie warm meine Finger nun waren, und das ohne Griffheizung.
Mittlerweile bezog sich der Himmel, und in der Ferne über der Asse tobten sich Regenschauer aus. Das hielt mich auch davon ab, doch noch einmal bei Fritz wegen des Gashahn-Nachjustierens vorbeizufahren.
Gute Entscheidung!
Denn drei Kilometer vor zuhause fing es an, wie aus Eimern zu schütten. In der neuen Jacke war mir warm genug, und so störte mich das nicht besonders.
Nach knapp 90 km und gegen 15 Uhr war ich wieder zuhause. Ich rupfte mir den Nierengurt runter und tauschte die enge Motorradhose gegen die Joggingbüx. Ich brauchte anschließend eineinhalb Stunden, bis ich Ellie wieder sauber hatte.
Die Straße hatte auf den letzten Kilometern soviel Siff und Schmutz gehabt, dass Ellie von unten total eingesaut war.
Fazit: im Spätwinter zu fahren kann mit den richtigen Klamotten tierischen Spaß machen. Nachdem ich gestern (3.2.) in Hannover-Garbsen beim Bikerszene-Treffen mit einigen anderen Motorradfahrern gesprochen hatte, bin ich auch beruhigt, was das Zunehmen angeht. Das geht denen auch so. Jedes Jahr im Frühling der Frust, wenn die Hose doch nicht mehr paßt.
Sehr beruhigend :-)!
Der Glückshormonekick setzte spät ein. Ich verzichtete nämlich das erste Mal seit Monaten auf die abendliche Süssigkeitenfreßattacke!
Da sag nochmal einer, Motorradfahren wäre nur just for fun! Motorradfahren ist gut - gut für die Psyche, gut für die Figur, gut für die Industrie (neue Hose, neues Putzmittel)!
In bester Stimmung beim Bikerszene-Treffen in Hannover-Garbsen, 3.2.2013 - Heike und ihre erotische Schwungmasse inmitten lauter Leckereien menschlicher und nahrungsmitteltechischer Natur :-D

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