Der Frühling ziert sich! Die Temperaturen mal dargestellt:
Straßen waren trocken, so dass mich am Nachmittag nichts mehr zuhause hielt. 5° und Sonne reichten mir! Ich hatte viel zu lange auf das Fahren warten müssen!
Seit Wochen hatte ich eisern auf Süßkram verzichtet, aber kam trotzdem wieder sehr schlecht in meine Hose rein. Grummel ...
Als Ellie draußen vor der Garage stand, wallte ein Freudengefühl in mir hoch!
Ich plünnte mich winterfest ein (Fleecekragen, zwei Funktionsshirts; eine Kopfbewegung, und der Ratschenverschluß am Jackenkragen rutschte um zwei Stellungen zurück; Scheißprinzip, Rev'it!). Mit Mühe kam ich auf den Sitz.
Dieses gepresste Bauchgefühl war unmöglich. SO fett war ich nicht geworden, und deshalb entschloß ich mich, sobald es möglich war, eine neue Hose zu kaufen.
Jetzt fuhr ich aber erstmal los.
Sturmhaube sei Dank, trotzdem war es echt frisch am Kopf. Aber dann kam die Sonne und das Fahrgefühl wurde sofort besser.
Ich fuhr über die Dörfer Richtung Wolfenbüttel, zu Fritz, meinem Schrauber. Er sollte sich noch einmal den Gashahn ansehen und nachjustieren.
Fotostopp auf halber Strecke; ja, das ist noch Schnee, liebe Leute!
Winterfelder vor Wolfenbüttel
Es war kalt, ja. Dank Heizgriffen, Seidenhandschuhen und Kuhfußfäustlingen waren meine Finger aber beweglich. Mein Gesicht brannte von der Kälte (halboffenes Visier, weil innen ständig der Atem drin beschlug), und ich hatte einen Muskelkater vom Grinsen.
Es war superklasse. Die Sonne, die ab und an durch die Wolken kam. Der Restschnee in den Gräben - an manchen Stellen einen Meter hoch! Ich sah keinen anderen Motorradfahrer, dafür aber lachende Gesichter von Kindern, die Ellie und mir hinterher winkten. Zu dieser Jahreszeit scheinen nur ganz Mutige - oder total verrückte Süchtelkinder wie ich! - unterwegs zu sein. Da fällt jedes Motorrad auf.
An den Kreuzungen lag viel Rollsplit. Ich fuhr aufmerksam und schaffte es locker und unverkrampft bis zu Fritz. Da war ich dann vor Aufregung ganz plötzlich am Bibbern. Fritz mußte noch kurz ein Motorrad ausliefern, war aber so lieb und machte mir die Heizung an.
Heike taut auf! Oh wie herrlich sind diese Zeltheizungen !!!
Dann konnte ich mir sogar noch einen Kaffee gönnen. In der Werkstatt Selbstbedienung - danke für Dein Vertrauen, lieber Fritz!
Wärme auch von innen; köstlich heißer und süßer Kaffee von FritzMOTO
Fritz stellte mir später den Gasgriff neu ein, mit mehr Spiel. Mehr geht jetzt nicht. Durch die Reinigung der Innereien ist der Gashahn jetzt sensibler als vormals, wo noch "die Staub-Mäuse des letzten Jahres drin gebrütet hatten". Ich muß mich neu dran gewöhnen. Und ich werde mich dran gewöhnen!
Dank der Heizungswärme und des Kaffees funktionierte auch meine Körperfunktion wieder - rauf ins Bad und später wieder der Frust mit dem Hosen anziehen.
Da reichte es mir und ich entschloß mich, noch bei POLO vorbeizusehen. Ich will Spaß haben und mich auf dem Mopped wohl fühlen, und wenn das mit der alten Hose nicht geht, dann ist eine neue fällig. Keine Lust, ständig rumzunörgeln oder Frust zu schieben!
Mit dieser Lösung im Gepäck wuchtete ich mich anschließend wieder gut eingemummelt auf Ellie, und fuhr dann über die Dörfer, und ein Stück die Stadtautobahn längs bis nach Braunschweig. Sehr viel Split auf dem Parkplatz, aber ich bekam das prima hin.
Mit voller Montur stampfte ich in den Laden rein.
Ich geb's zu - ich fühlte mich wie King Else. Die einzige Moppedbraut weit und breit! Ich kam mir mutig, verwegen und reichlich irre vor.
Normalzustand also ;-).
Ich erkundigte mich nach einer Hose, bekam die Info, dass nur noch heute eine sehr gute im Angebot wäre, zog sie mir dann auch gleich über.
Zu kurz. Nee, oder???
Dann holte ich die Langgröße hervor - paßte. Anderer Schnitt als meine alte, aber tausendfach mehr Funktionen. Hochgezogener Rücken, SEHR gut! Taschen hier und da, überall Klettbänder zum Einstellen - sogar im HOSENBUND - tschakka! - nur an den Waden etwas eng.
Hm - was tun?
Meine Hoffnung war, dass ich wegen meiner dreifach Unterwäsche nebst langen Motorradstrümpfen etwas kräftiger war als sonst. Meine Waden sind ja nie besonders grazil gewesen. Der Tätowierer sagte damals: "Endlich mal vernünftiges Material!".
Ich behielt die Hose gleich an. Falls sie mir irgendwas einschnüren würde, könnte ich sie am nächsten Tag zurückbringen, so sie denn noch heil und sauber ist.
Draußen war es nun stockdunkel, es war weit nach 19 Uhr. Beamen ist ja noch nicht möglich, also schnallte ich meine alte Hose hinten auf die Rückbank, und schickte ein Gebet in den Abend. Hoffentlich komme ich heil an ...
Schon beim Aufsitzen große Erleichterung: da zwickt nix mehr, da preßt nix mehr, das Gesamtgefühl Hüfte abwärts: super!
Ich fuhr also in rabenschwarzer Nacht los. Und dann hinter einem LKW her auf die Stadtautobahn zurück. Nur einmal war ich am schissern, dann ignorierte ich die Dunkelheit und fuhr einfach. Und alles ging gut. Ich kam sogar auf 100 km/h, aber dann fror ich zu sehr. Wieso hatte ich eigentlich meinen Regencombi zuhause gelassen? Ach ja, ich wollte ja ursprünglich "nur eine kurze Runde" und dann wieder heim ...
Nur eine kurze Runde - aha - Heike, du Träumerle ...
Die neue Hose ist leider nur einen kleinen Teil wärmer als meine alte, aber wesentlich bequemer. Mit Windbreakerunterhose würde ich mich ab sofort pudelwohl fühlen (ich Depp hatte die vor der Rückfahrt ausgezogen, weil ich eben fühlen wollte, ob das Thermofutter ausreicht - es reicht für Normalos, nicht für mich ...).
Ich werde sie behalten, zumal sie sich auch mit meiner Sommerjacke verbinden läßt!
Ich werde sie behalten, zumal sie sich auch mit meiner Sommerjacke verbinden läßt!
Um 19.30 Uhr in der Garage. Strahlekeks glücklich, mit neuer Hose - anstatt schwarz, zur Abwechslung mal ... schwarz - und neuer Motivation!
Fazit:
Es ist noch nicht wirklich Motorradwetter. Aber es ist machbar, wenn die Straße trocken ist. Erhöhtes Augenmerk auf Salz, Rollsplit und Wasserlachen.
Aber das alte Fieber kocht wieder.
Am Sonntag sollen sieben Stunden Sonne sein, und 7°. Leute, ratet mal, wo ich bin ... ;-)

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