Endlich Sonne. Endlich wärmere Temperaturen. Die Wetterfrösche unkten allerdings, dass es am Wochenende bereits wieder winterlich werden sollte. Also hockte ich mich gleich nach Feierabend auf Ellie, und fuhr eine große Runde. Erst zur Tanke nach Braunschweig, Ellies Tanknadel war gefährlich im roten Bereich. Der Stadtverkehr war sehr wuselig, und ich kam damit mental nicht so gut klar. Na, das konnte ja noch was werden ...
Eigentlich wollte ich bis Vienenburg fahren. Mal gucken, ob die Eisdiele schon geöffnet hatte.
Die Sonne stand tief, und war sehr hell. Das erinnerte mich daran, dass ich schon lange eine Motorradsonnenbrille kaufen wollte. Da ich aber eine in meiner Brillenstärke brauche, ist das nicht so einfach wie "von der Stange" zu kaufen. Die Brille, die ich im Auto habe, paßt nicht unter das Helmpolster. Die Bügel drücken nach wenigen Kilometern so heftig an den Kopf, dass ich davon Kopfschmerzen bekomme.
Mein Helm hat nämlich leiderleider keine herunterklappbare Sonnenblende. X-Lite X-701 - Sondermodell ... Blöd, lieber Hersteller. Ich hätte gerne noch 50,- Euro draufgepackt und eine gehabt! Nachrüsten läßt dieses Modell sich leider auch nicht.
So fuhr ich also stellenweise halbblind und mir liefen die Tränen herunter durch die Helligkeit. Das Fahren selber war ruckelig und unrund - was aber nicht an Ellie lag. Ich war einfach nicht gut drauf heute.
Obwohl 12° angesagt waren, war ich nach einer Stunde etwas ausgepowert. Meinen Plan, bis Vienenburg zu fahren, hielt ich nicht durch. 7 km vor Vienenburg, außerhalb der Ortschaft Stötterlingen, fuhr ich rechts ran, und machte eine Pause - bevor ich dann wieder zurück fuhr.
Ellie blickt zum Brocken; der sich aber verschämt im Abenddunst versteckte. Und noch ganz viel Schnee an den Hängen hatte!
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus ;-). Heike-Langbein in der Abendsonne
Ellie in voller Schönheit - so schön, dass ein Kollegen erstaunt fragte, als er das Foto sah: "Warum glänzt die denn so toll?"
Tja, gute Pflege, Herr Doktor!
Nachdem ich mich gereckt, gestreckt und etwas entfaltet hatte durch sinnloses Herumlaufen, den Brocken anstarren und in-der-Gegend-herumfotografieren, ging es wieder über die Dörfer zurück nach Hornburg.
Die Sonne war schon fast untergegangen, und es war zu merken, dass es noch kein echter Frühling war. Mir war schweinemäßig kalt.
Durch Heiningen durch, und um die Asse herum ging der Rückweg. Durch den Asse-Höhenzug traute ich mich nicht. Wer weiß, wie glitschig da die Straßen waren ...
Kurz vor Groß Vahlberg war ein Traktor am beackern des Feldes. Seine Stollenreifen hatten meine Fahrbahn so mit Lehmerde
verschmutzt, dass ich auf die Gegenfahrbahn ausweichen mußte. Zum Glück
war um die Uhrzeit kein Fahrzeug unterwegs. So holperte ich also total
verkrampft über das Kopfsteinpflaster in Groß Vahlberg, und machte innerlich drei Kreuze, als ich den Ort hinter mir ließ. Kopfsteinpflaster ist immer ein Risiko, und nasses oder mit Lehmerde verschmiertes hätte mich dazu gezwungen, im Schritttempo auf dem nicht vorhandenen Fußgängerstreifen weiterzuhoppeln ... So gerne ich da längs fahre (die Aussicht oberhalb von Klein Vahlberg ist grandioses Kopfkino!!!) - diese Ortsdurchfahrt ist nichts für unsichere Fahrer ...
Auf einem kleinen Halteplatz gegenüber der Asse hielt ich an und zog mir unter die Kuhfußhandschuhe die Seidenhandschuhe an. Trotzdem waren die Heizgriffe für mich jetzt dringend nötig ...
Ellie vor der Asse
Verfrorene Papparazza - und es sind noch etliche Kilometer bis nach Hause ...
Endlich war ich in Gilzum angekommen. Meine geliebte Hausstrecke bereitete mir heute echte Probleme. Ich war so innerlich kalt, dass meine Gashand total verkrampft ein ungesundes Eigenleben führte. Ellie bockte und hopste, sobald wir über holperige Straßen fuhren. Dieses Phänomen kannte ich noch aus der Fahrschule - aber was sollte ich tun? Ich mußte ja nach Hause.
Die letzten Kilometer zogen sich wie Kaugummi, während ich zähneklappernd auf dem Motorrad hing und hoffte, dass ich gesund zuhause ankommen würde.
Als ich dann vor der Garage abstieg und den Helm abnahm, fühlte sich die Luft gar nicht kalt an! Offenbar war ich unterzuckert gewesen, oder hatte sonstwelche Frauenproblemchen gehabt.
16 Uhr losgefahren, 18.30 Uhr wieder zuhause gewesen. Gerademal 100 km geschafft.
Fazit: Es gibt Tage, da sollte man besser Walking machen, anstatt sich aufs Motorrad zu setzen. Das blöde an solchen Erkenntnissen - man weiß das immer erst hinterher :-).
Wie gut, dass ich auf mein Bauchgefühl gehört hatte, und nicht bis Vienenburg weitergefahren bin. Ich vermute, der Rückweg wäre sehr ungesund geworden für meinen Fahrstil.
Was mir im Auto nichts ausmacht, hat auf dem Motorrad seine eigenen Gesetze. Das oberste Prinzip: Wie gut geht es mir - kann ich noch weitermachen - und wenn ich weitermache, muß ich daran denken, dass ich noch einen Rückfahrweg zu bewältigen habe!
Ich war an der Grenze meiner Kräfte längs geschrabbelt. Das Schwierige an solchen Weisheiten ist, genau auf der Hälfte zu erkennen (und dann hochzurechnen), wann es genug ist. Denn den Rückweg zu unterschätzen, kann böse enden ...
Hinweg
Durch Draufklicken wird die Tour größer angezeigt
Rückweg
Klick mich ... dann wird der Weg deutlicher ...

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