Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 4. November 2013

November-Biken

Der Wetterbericht verhieß für den Samstag gute Bedingungen. Da ich schon zwei Wochen nicht auf Ellie gefahren bin, war mein Jieper nach Motorradaction dementsprechend riesengroß.

Aber als ich meine Augen Samstag morgens endlich offen hatte und nach draußen schaute, regnete es wie blöde ... Grund genug, die Augen wieder zuzumachen und den Samstag zu verdrömeln. So'n Schiet, ey ...

Tags zuvor gab es ein Spanferkelessen bei einem MC. Leckeres Schwein, doch den Krustennachschlag hätte ich mir ersparen sollen - bzw. meiner nicht mehr vorhandenen Gallenblase ... da reagiere ich seit dem Entfernen der selbigen doch empfindlich ...

Insofern drömelte ich den Samstag mit Frust weil nicht fahren können, Magendarmproblemen und Müdigkeit hinfort.

Sonntag dann miesepeterig aufgewacht, rausgeguckt - hm, ein Stück blauer Himmel. Soll ich es wagen?

Blöde Frage, ey ...

Gegen 12 Uhr hielt mich dann nichts mehr.

Klamotten an, Sturmhaube auf, Ellie raus aus der Garage - und zunächst mal zur Tanke. Ohoh, Luft verloren.
Vorne nur noch 1,6 und hinten 2,1. Das letzte Mal hatte ich vor zwei Monaten Luft kontrolliert, insofern lag der Verlust im tolerierbaren Bereich.

Aufgefüllt auf 2,4 und 2,7 - und dann schrubbte ich regelrecht durch die Gegend. Zunächst die Reifen vorsichtig warm gefahren, aber dann auf geraden Strecken am Hahn gezogen. Jui - der Wind sauste mir kalt um den Helm, und mein Grinsen wurde immer breiter.

Erst ging es über Hordorf und Schandelah Richtung Elm, dann aber doch lieber nur dran längs. Im Waldbereich fahren war mir zu gefährlich. Die Straßen waren nämlich trotz Sonne und Wind noch reichlich feucht in Schattenbereichen, und glitschige Blätterhaufen nebst Rübenernte-Lehmbrocken lauerten. Kaum Motorräder (wie erwähnt: insgesamt Stücker 7!). An den Ampeln und an der Tanke schauten mich Beifahrer manchmal recht intensiv an.
Jaja, wer im Herbst/Winter fährt, gilt schon als Sonderling.
Tschakka - allein das ist Grund genug, zu fahren ;-).

Eine weite Runde bog ich dann über das Land, an die Asse heran ... Ellie schnurrte unter mir, die Sturmhaube schützte meinen Kopf sehr gut, die Sonne schien hell und machte mir gleich doppelt gute Laune, die Fahrt lief flüssig und gemütlich vor sich hin ...

Vereinzelte Vollpfosten überholten mich wie geisteskrank, und mehr als einmal war der Mindestabstand unter einem Meter ...
Hm ... also ich fuhr auf der Landstraße schnell genug, aber offensichtlich gibt es Geländewagen mit Beisitzern und extrem kleinen Extremitäten, die durch ihre Fahrweise ihr Minimum an Potenz und Gehirn (welches Gehirn ...) wettmachen wollen ...

Seufzend zuckte ich gedanklich die Achseln - die lernen es nimmer mehr. Und ließ mir die Tour trotzdem nicht vermiesen.
Auch ein Motorradfahrer hat im Herbst-Winter die Berechtigung, auf der Straße unterwegs zu sein. Selbst wenn diese Minderbemittelten einem das absprechen wollen ... Neid kann solchen Leuten schon arg zusetzen ;-).



Links im Bild - der Elm-Höhenzug - (links, also da, wo das weiß-rote Schild hinzeigt)
Rüben lauern in Bergen am Feldrand im Vorland (hier rechts im Bild, liebe Ursula) bereit, von den Rübenlastern abtransportiert zu werden - Garant für schmierige und glitschige Straßen bei Nässe



Sonne - Wolken - herbstlich kahles Land - aber kein anderes Fahrzeug auf weiter Flur - so mag ich das ...



Auch bei uns gibt es Kurven!



Da vorne geht's fein rechtwinkling nach links rum!
Also am Rübenberg vorbei, liebe Ursula :-) - der Baum am Horizont neigt sich schon passend in die richtige Richtung - links ist da wo die Kupplung sitzt ;-) 


Mir begegneten auf der kleinen, knapp 100 Kilometer langen Runde gerade mal 7 Motorradfahrer. Alle bis auf einen grüßten. Sogar die Chopper.

Die Luft war kühl - 12° plus Außentemperatur heißt gefühlt etwa 8° Grad für mich. Dank Sturmhaube und Griffheizung überstand ich es gemütlich. Die Hände und Füße wurden erst knapp 20 Kilometer vor Zuhause kalt ... am Körper trug ich das Funktionsshirt, darüber das Thermoboy-Shirt, was so schön lang den Rücken-Pobereich runter wärmt, darüber die Windbreakerjacke von Reusch, darüber meine Moppedjacke mit Winterfutter. Der Bereich blieb warm und kuschelig, wenn auch etwas michelinartig vom Gefühl her. Die langen Kniestrümpfe von Falke mit Wollanteil hielten meine Beine und Füße länger warm als die Teile von Vanucci. Darüber war die Funktionsunterhose, die ich im Winter dann gegen eine Wollhose eintauschen werde. Wolle wärmt einfach am besten!

Ich fuhr relativ relaxt durch das Land. Sonne wechselte sich mit Wolkenbergen ab. Die Luft klar und die Fernsicht einmalig schön. Der Blick auf den Harz war durch drohende Wolkentürme versperrt - na, da wollte ich ja eh nicht längs!

Ich verlängerte meine Hausrunde, fuhr an Seinstedt und meinem Lieblingspausenplatz vorbei und bog dann wieder Richtung Wolfenbüttel, Kissenbrück und Neindorf ab.
Auf den bekannten Strecken kam ich nach zwei wöchiger Fahrabstinenz trotzdem gekonnt und souverän auf lockere 100 km/h hoch. Ellie fühlte sich gut an unter mir. 

Trotzdem bekam mein rechter Unterschenkel nach der Hälfte der Strecke wieder Probleme mit dem Kniewinkel und unterbewußter Verkrampfungshaltung meinerseits. Da ich ohne Pause einfach durch die Gegend fuhr, mich nirgendswo aufwärmte, und auch nur eine Tasse Kaffee im Magen hatte, moserte mein Körper und forderte Schonung.

Nach knapp zwei Stunden war ich wieder zuhause. Ich hätte sicherlich noch 30 Minuten länger touren können. Das Wetter war grandios geblieben, die Sonne fast am Dauerscheinen - und trotzdem war es besser, dass ich es nicht übertrieb.

Im Herbst fahren, das bedeutet für mich, kürzere Strecken fahren. Mehr Aufwärmpausen einlegen.
Wenn das nicht gemacht wird, verkürzen sich die Strecken oder ich muß mit Einschränkungen rechnen.

Egal - es war herrlich, für die Seele wunderbar, und ich grinste zuhause mit knallrotem Kopf (Fahrtwind) im Kreis.
Was kann es Schöneres geben? Was für ein wunderbares Hobby!


Fazit:
Ich bin sehr froh, dass ich kein Saisonkennzeichen mehr habe :-)! Heute (Montag) ist mieses Regenwetter - wie gut, dass ich die Gelegenheit gestern wahrnahm.
In der Woche wird Fahren bei Tageslicht nicht mehr möglich sein. Und an den Wochenenden wird es jetzt immer schwieriger, vernünftige Bedingungen zu erwischen. Aber selbst wenn ich so selten Gelegenheit haben werde in den nächsten Wochen, nur eine Tour wie die gestrige, und das ganze Warten auf die nächste Saison (mit vielen Fahrstunden) lohnt sich wieder :-).


4 Kommentare:

  1. ... *gröööööhl* ... Ich als LinksRechts-Schwächlingline habe mir den Rübenberg angeguckt und überlegt, was ihr für komische Höhenzüge bei euch in der Gegend habt :)

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    1. ;-) Hab ich es schon erwähnt? Ihr lieben Leser, ihr bereichert mich ;-)
      Danke an Ursula - ich habe die Fotobeschreibung ein wenig verändert - vielleicht ist es jetzt eeetwas deutlicher? Hihihi

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  2. Das Grinsen kann man sogar noch zwischen Deinen Zeilen lesen. Wieder ein schöner kleiner Erlebnisbericht. Es kommt ja nicht auf den Kilometerstand, sondern den Spassfaktor an, aber 100km bei den jetzigen Temperaturen: Alle Achtung!
    Saisonkennzeichen sind für Schlaffies ;-)

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    1. Ich Schlaffi werde mir jetzt Lenkerstulpen zulegen. Diese eiskalten Finger muß ich nicht mehr haben. Mal schauen - ich wollte heute eine kleine Runde zu Polo und die Dinger ausprobieren. Sehen nicht sooo cool aus, sind aber gegen "Cool" ;-)

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