Ellie und ich

Ellie und ich

Mittwoch, 6. November 2013

5.11.2013 - Gelegenheit ergriffen

5.11.2013

Der Wetterbericht verhieß für heute ab Mittag bis in den frühen Abend Sonne und Temperaturen über 10°. Ab morgen sollte es wieder novemberisch nass, eklig und unschön werden. Soviele Möglichkeiten würde mir der HerbstWinter nicht mehr schenken!


Punkt 12 Uhr saß ich warm eingepackt auf Ellie. Dieses Mal hatte ich meine Wollstrumpfhose über die Falke-Kniestrümpfe gezogen. Die Funktionsunterhose war mir letztens zu kalt gewesen.
Tchibo hat übrigens gerade die Merino-Wolle-Unterwäsche im Angebot! 69,95 Euro. Beeilt euch, ist schnell weg ...
Klick 


Zuerst ging die Tour über die Stadtautobahn zu POLO. Ich wollte mir Lenkerstulpen ansehen bzw. ausprobieren.

Wie locker sich das schreibt ... ging die Tour über die Stadtautobahn ... Heike auf einer kleinen Autobahn ... die A39 ist die Verbindung Braunschweig-Wolfsburg, gerne genutzt von Heizern aller Coleur - und ich mittendrauf ... und immer im Hinterkopf die Heike vom letzten Jahr, die da bibberte und zitterte ... und Heike 2013 fuhr souverän, sicher und kam auf 110 km/h ... das ist mein persönlicher Triumpf ... einer von vielen im Vergleich zu meinen Fahranfängen!

Der Verkäufer bei POLO war so nett und half beim Anbringen der Pratzen.

Also ... SCHICK ist was anderes ... (Fotos weiter unten).

Ein probeweiser Griff in diese Überzieher zeigte mir aber: meine Hände sind klein genug, dass diese Pfoten nicht stören. Ob die was taugen, würde aber nur eine Testfahrt zeigen.

Nach einem kurzen Rundgang durch den Laden hockte ich mich wieder auf die Maschine. Das Anziehen des Helms ist durch die Windbreakersturmhaube immer etwas tricky ... das Teil ist sehr eng am Kopf, aber die Nähte müssen wirklich perfekt positioniert sein, sonst jucken die nach wenigen Kilometern im Gesicht, und mit Helm auf dem Kopf ist Kratzen ja nicht wirklich möglich ...

Ich fuhr erstmal zur Hinterausfahrt um POLO herum, weil ich das andere Lenkergefühl mit den Lenkerstulpen testen wollte. Okay, anfangs ist es etwas störend, dass man da nicht von vorne reingreifen kann, sondern von der Seite reinschlupft. Aber die Pratzen sind groß genug, dass ich mit meinen Sommerhandschuhen gut an die Griffe kam, und der Eingriff ist auch weit genug, dass meine Winterjacke beim Reingreifen nicht stört.

Es ging auf die Stadtautobahn zurück. Bei 100 km/h schieben sich die Pratzen ein wenig nach unten, aber das ist nicht weiter schlimm. Wenn ich mal nicht daran gedacht hatte, dass ich jetzt mit Stulpen fahre, dann fuhr ich so wie immer.

In Sickte ging es dann runter, ich fuhr meine alte Hausrunde und dann zu Fritz, meinem Schrauber. 
Es gab einen heißen Kaffee für mich, und Fritz bestaunte dann die Stulpen ...

Naja ... schick ist was anderes ...

Sind eigentlich Roller-Stulpen ... wobei ich mich frage, wieso Rollerfahrer sowas brauchen ... die fahren doch nie so schnell!


Chrissi spielt Fotomodel, und Scully, die Berner Sennenhündin, mogelte sich auch noch ins Bild


Ich fahre mit Leuchtweste, und nun habe ich auch noch Lenkerstulpen. Wenn schon skuril, dann aber richtig!
Ich klärte mit Fritz noch fällige Werkstattgeschichten ab. Ellie hat bald die 24.000 Kilometer auf dem Tacho, und die große Inspektion ist fällig. Ölwechsel ist auch wieder dran, aber das kann alles im Dezember/Januar gemacht werden.

Wahnsinn ... gekauft hatte ich Ellie im letzten Jahr Juni mit 9.100 Kilometern! 

Fritz mußte dann wieder was tun - und ich wollte noch eine Runde touren. So fuhr ich gemächlich vom Hof. Die Ausfahrt ist etwas tricky, weil sie direkt an der Ampel liegt. Ich mußte erst alle PKW durchlassen, um dann quer über die Kreuzung nach links abbiegen zu können. Ich hasse solche Kreuzungen, weil ich nie weiß, ob die von vorne kommenden PKW auch wirklich bei Rot anhalten, oder doch noch bei dunkelorange rüberkacheln ... und mich vielleicht auf die Hörner nehmen ...

Mit dementsprechendem Adrenalin im Blut fuhr ich dann aber bei der nächst folgenden Kreuzung links ab, und raus aus der Stadt. Mein Wunsch war, über die Dörfer nach Hornburg, und dann weiter Richtung Vienenburg/Harz zu fahren. Je nachdem, wie fit ich war und wie warm ich blieb. Ausgiebige Testfahrt wegen der Stulpen ...

Aber alles ging super. Die Stulpen hielten mich warm (ich fuhr mit Sommerhandschuhen!), und am Körper war ich ebenfalls warm genug eingepackt.
Die Sonne strahlte, und die Luft war sehr sauber und frisch. Trotz Sturmhaube zog es mir unter das Visier - der Wind frischte nämlich auf.
Letzte Saison hatte mich der Wind immer noch verunsichert, jetzt ritt ich sozusagen mit ihm mit. Wenn ein LKW von vorne kam, drosch der Fahrtwindstrudel auf mich ein. Aber nicht einmal das schmälerte den Fahrspaß!

Und dann war ich kurz vor Vienenburg - eine kleine Pause wurde eingeschoben. Die Glieder strecken, und Fotos machen ...

Der Himmel zeigte ein schönes Phänomen!


Der Blick auf den Harz - dramatische Wetterverhältnisse. Wie gut, dass ich da nicht längs fuhr ...
Da unter der großen schwarzen Wolke hatte sich der Brocken versteckt ...


Ich stand da, bestaunte den Himmel, stapfte hin und her um meine Beine zu strecken und die Durchblutung anzuregen. Den Helm ließ ich auf dem Kopf. Zu aufwändig war mir das spätere Wiedereinplünnen ...

Dann fuhr ich weiter, Richtung Vienenburg, bog aber kurz vorher in eine Seitenstraße ab. Der Kaffee drückte ...
Es ist ein Kunststück, die Jacke anzubehalten, den Helm auf dem Kopf zu lassen, und sich nur untenrum auszuplünnen - dann wieder alles Zeug anzuziehen, den Nierengurt ohne Sichtkontakt so zuzukletten, dass er ohne Falten sitzt und die Moppedhose wieder drüberzustreifen. Da beneide ich die Jungs sehr - die haben es wirklich viel einfacher ...

Die Büsche verlieren jetzt immer mehr Blätter, und meine Leuchtweste konnte man sicherlich meilenweit erkennen. Am Horizont kreiste ein Hubschrauber. Mal sehen, ob demnächst Fotos bei Facebook auftauchen - unbekannter Motorradfahrer beim Wildpinkeln ertappt ... 

Die dramatischen schwarzen Wolken im Blick, fuhr ich jetzt doch wieder zurück. Meinen ursprünglichen Plan, durch Vienenburg durch und am Harzrand entlang zurück zu fahren, verwarf ich. Es war 14 Uhr durch, und ab 18 Uhr hatte der Landwetterbericht Regen angesagt. So ging es zurück auf die Landstraße - in einer Parkbucht sah ich einen Motocrossfahrer um seine Maschine rumgehen. Ich fuhr langsam ran, und brüllte durch die Sturmhaube, ob alles okay wäre bei ihm. Er reckte den Daumen hoch, also gab ich wieder Gas und fuhr weiter.

Der war mir auf der Hinfahrt schon begegnet, hatte wohl auch mal eine PPause gemacht ... denn diesen kleinen Seitenweg befahren sonst wenige Nichteinheimische.
Ich finde es normal, kurz anzuhalten und nachzufragen. Kann ja immer mal sein, dass jemand Hilfe benötigt. 
Ich denke in solchen Fällen daran, wie es bei mir war, als ich im Mai den Umfall-Unfall hatte ... wie glücklich ich da über den heranfahrenden Radfahrer gewesen war ...

Mich plagte nun doch ein kleines Hüngerchen. Zum Mittag hatte ich nur einige Löffel Couscous in einer Gemüsebrühe gehabt - nicht wirklich genug Kalorien für eine Tour. Erfolgreich vergessen hatte ich, dass ich neuerdings immer ein Schächtelchen Studentenfutter bei mir mitführe - für die Energiezufuhr (Nüsse und Rosinen - unschlagbar für kurzzeitigen Kick).
Memo an mich selbst: öfter mal die Hecktasche durchsehen ...

Das gute Wetter war mit uns - um uns herum drohende Wolkenberge, aber wir fuhren in hellem Sonnenlicht.
Ich wollte mein Wetterglück und meine Kondition aber nicht strapazieren, und so ging es an den Rückweg, über Hornburg in einem Ausschwenker nach Seinstedt, meinem Lieblingsplatz.

Dort oben auf dem Hügel machte ich noch eine kleine Pause. Ich merkte jetzt, wie meine Füße kalt wurden (Energieabfall ...). So lief ich also um mein Mopped herum, und schaute zwischendurch wechselweise den Himmel und die Landschaft an.


Blick auf die Asse

Blick Richtung Harz und Brocken (ganz rechts im Bild, kurz vor dem Strommast)


Die Sonne war weiterhin mit uns - es war jetzt kurz nach 15 Uhr.
Und wie ich da stand, und mir die Landschaft ansah, da überkam es mich plötzlich wieder - dieses unbestimmte aber überwältigende Glücksgefühl.

Alles stimmte - das ich die Gelegenheit ergriffen hatte, den Nachmittag noch einmal auszukosten; das Wetter, was mit fantastischen Wolkenbildern aufwartete und die Sonne, die mich auch noch so schön wärmte; der Fahrspaß durch die Lenkerstulpen; den kurzen Augenblick, wo ich kurz vor Rimbeck bei Hornburg in einem Straßengraben den Graureiher stehen sah, ganz unbeweglich und hochkonzentriert auf der Lauer; die knallroten Früchte der Eberesche, die in der Nachmittagssonne leuchteten, als würde der Baum brennen; die beiden Motorradfahrer, die nahezu enthusiastisch mit der linken Hand wedelten im Gruß; die zwei Kinder, die in einem kleinen Ostdorf ihr Fußballspiel auf der Straße abhielten und, als ich angetuckert kam und mein Tempo stark verringerte, mir zuwinkten und DANKE brüllten ...


It's wonderful - it's marvellous - it's the best thing ever ...  
wer das Bild anklickt, sieht unten am Visierrand meine kondensierte Atemluft ... so ist es eben, wenn man im Herbst fährt!


Das Wolkengebiet zog sich zusammen, und die Sonne wurde jetzt mehr und mehr von Wolkenschleiern überdeckt. Ruckzuck wurde es kalt. Ich machte die Griffheizung auf niedrigste Stufe, und fuhr weiter. Über Remlingen und an der Asse vorbei. Noch einmal den Blick: rechts auf den Harz - dunkle Wolken und ein Regengebiet. Links der Elm, noch in der Sonne. Grandiose Fernsicht! Glasklare Luft, und die Dörfer sahen aus wie im Miniaturwunderland.

Die Griffheizung konnte sich jetzt voll austoben, da der Fahrtwind ja blockiert wurde durch die Handpuschen. Auf 50% wurde es richtig mollig in den Handflächen!
Die Füße kühlten dafür leider immer mehr aus. Mein schmerzender rechter Unterschenkel mahnte mich, nicht so verkrampft zu fahren. Aber die Luft/Kondition war nun raus. Ich war knapp 120 Kilometer unterwegs, bei Temperaturen zwischen 12 und 8°. Lufttemperatur weit darunter, als die Sonne weg war. Nur eine Pause im Warmen, bei Fritz.

Es wurde Zeit, zuhause anzukommen ... Auf der Landstraße gab ich nochmal richtig Gas. Die Stulpen saßen auch bei 110 km/h immer noch super, die Hände waren warm. Nur die Nase lief mir in die Sturmhaube ...

Um 16.15 Uhr kam ich zuhause an. Ellie wurde kurz übergeputzt, und die Kette nachgefettet. Ein Nachbar meinte zu mir, als er sein Auto in die Garage neben mir fuhr: "Na Heike, jetzt machst Du sie wohl endlich winterfertig?"
Belustigt antwortete ich: "Nö - ich mache sie fit für weitere Touren - solange es nicht schneit oder die Straßen voller Salz sind, solange fahre ich!"
Was ihn dann doch etwas entsetzte ...

Ich habe Lenkerstulpen - mir frieren jetzt nur noch die Nasenhaare ein oder die Zehen. Also warum sollte ich nicht auch noch im Dezember fahren?
Ich habe ja kein Saisonkennzeichen ;-)!

Anschließend walkte ich noch eine kurze Runde von 4 Kilometern, um meine steifen Beine wieder in Bewegung zu bekommen. Noch in Sportklamotten ging es dann zum Einkaufen, und als ich wieder zuhause ankam und unter der heißen Dusche stand, war mein Adrenalin immer noch so hoch und meine Laune ebenfalls.

Fazit:
Glücklich!

Der Landwetterbericht hatte recht - nach 18 Uhr kam das Geschiss ... und der Sturm ... und heute ist mieses Wetter. Nasskalt, windig und mit einer Stunde Verspätung kam auch Sonne heraus ... das geht noch bis heute 15 Uhr so weiter ... danach dann Wiederholung vom Morgenwetter ...

Wer auch mal ziemlich genaue Voraussagen haben will:
hier: proplanta.de/Agrar-Wetter/Deutschland/ klick: -> http://www.proplanta.de/Agrar-Wetter/Deutschland/

Trefferquote von einem zum anderen Tag immer noch am besten im Vergleich zu Wetteronline oder Wetter.de


2 Kommentare:

  1. Dein Blog sprießt ja so vor Enthusiasmus und Frohsinn!!! Schön, noch einmal (wenn auch nur virtuell) mit Dir durch den Herbst zu fahren. Der blaue Himmel und die noch grünen Felder täuschen vor, dass es viel wärmer sein müsste. Diese Handschuh-Ohren sind ja visuell nicht wirklich der Renner, aber wenn es was bringt… vielleicht schau' ich mir die auch nochmal an, aber bisher war es noch nicht kalt genug, und meine Allwetterhandschuhe waren im Wind ausreichend.

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  2. DIE Wolke habe ich am Dienstag auch gesehen. Hammer! Nur leider hatte ich keinen Fotoapparat dabei.

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