Ellie und ich

Ellie und ich

Mittwoch, 18. Dezember 2013

17.12.2013 - Eine fast weihnachtliche Gelegenheit

17.12.

Wetter perfekt - 9° und trockene Straßen. Ich nutzte die Gelegenheit und verwandelte mich gegen Mittag in eine Michelinfrau. Ellie hatte leichte Starterschwierigkeiten (vor 6 Wochen das letzte Mal bewegt worden), aber nach dreimaligem Versuch blubberte sie dann doch los. Im Januar werde ich die Batterie mal ausbauen und an den Pro-Charger anschließen. Die braucht mal Wiederbelebung, denke ich!

Und ab ging es zur Tankstelle, vor der Tour Luftdruck prüfen. Ich hatte das letzte Mal vor 2 Monaten geprüft, also war das mal wieder dran!
Bei der Abzweigung auf die Auffahrt zur Tankstelle konnte ich mich erneut über den Fahrstil von Autofahrern weit jenseits der 80 Jahre ereifern ... *hört nix, sieht nix, kriegt nix mit* ... blieb mitten vor der Auffahrt stehen und machte den Motor aus!??
Da half nur das energische Hupe betätigen, bevor Schlimmeres auf mich zukam. Der Asbach-Oldie kapierte dann auch nach dreimaligem Anhupen, dass er da nicht stehen bleiben sollte ...

Wieder einmal war klar: die anderen wollen mich alle töten ...

Vorne 0,4 Bar verloren, hinten 0,2. Das Aufstecken des Luftschlauches war wie immer fummelig und die schwarze Schutzabdeckkappe rollte ebenfalls wieder einmal heimtückisch überall hin. Hat sich also diesbezüglich nix verändert. Ich glaube, ich male mir die mit rotem Nagellack an! Wegen der besseren Sichtbarkeit ...

Aufgepustet (Ellie) und freudig erregt (ich) ging es dann auf kleine Hausrunde.

Ich war knapp 6 Wochen nicht gefahren. Funktionsunterwäsche, Wollunterwäsche, Filzeinlegesohlen in den Stiefeln, Sturmhaube, Winterhandschuhe - alles fühlte sich gewohnt ungewohnt an. Das Gefühl "Einheit mit der Maschine" mußte sich erst wieder einstellen.

Befremdlich ebenfalls das Umfeld: überall hingen diese gruseligen Weihnachtsmannfiguren an Hauswänden, oder standen überdimensionierte Aufblasfiguren vor Geschäften herum. Kurz vor Weihnachten Motorrad fahren - DAS war neu für mich. Letztes Jahr wurde ich ja durch das Saisonkennzeichen zur Pause gezwungen.

In den kleinen ländlichen Ortschaften war um die Mittagszeit meist Rentnerverkehr: zu Aldi, zu Bäckerei Ziebart, zu den Gärtnereien, zu den Weihnachtsbaum-Verkaufskäfigen. Dreifache Vorsicht half mir da ohne Schaden hindurch. Wer Sickte kennt, weiß um die Gefahren ...

Erleichterung bei mir, als ich dann in das einsame Umfeld abbog. Feldrunde, Richtung Asse. Die Sonne kam von vorne, blendete aber nicht. Das Licht war anders, weicher. Die Landschaft überwiegend kahl und fast ohne Farben (monochrom). Meine Leuchtweste sicherlich meilenweit zu erkennen.

Ich genoß diese Wintertour mit jedem Kilometer mehr. Der Kopf wurde endlich frei, und das Einssein mit der Natur, der Maschine und die Freude an diesem genialen Hobby kam mit Kraft hervor. Hurra, ich fahre wieder !

Unten am Visierrand bildete sich Kondenswasser vom Atmen, aber noch waren Hände und Füße warm genug. Die übliche Aufwärm- und Relaxpause in Seinstedt ... kurz unterbrochene Stille von einem Rollerfahrer, der beim Zurückschauen auf mich fast in den Graben fuhr. Sicher wollte er nur gucken, ob bei mir alles in Ordnung ist ... denn außer mir war da niemand auf zwei Rädern unterwegs gewesen ... Motorradfahren im Dezember hat was ganz eigenes!




Allein, allein ... und doch nicht allein - Ellie, ich und irgendwo dahinten ein Rollerfahrer



Grandiose Wolkenbilder



Farbtupfer in eintöniger Landschaft


Meinen ursprünglichen Plan, bis kurz vor den Harz zu fahren, verwarf ich wieder. Es war schon halb zwei durch, und allmählich kühlte ich doch aus. So bog ich kurz vor Hornburg wieder Richtung Wolfenbüttel ab. Die Sonne strahlte, und ich strahlte mit!

Es folgte ein weiterer Rundumguck ins Land.



Oh Tannebaum - oh Tannebaum - mit Ellie :-)


 Und hier, etliche Luftkilometer vom Harz entfernt, ein genialer Blick quer über das Land auf den "Großen" ...



We proudly present - der Brocken; von ganz weit weg



 Und weil er so schön aussah, gleich noch einmal ...



Ziemlich ganz weit weg, was?


Jetzt brauchte ich dringend Wärme von innen, und so fuhr ich nach Wolfenbüttel, zu Fritz. Da kam noch ein Bekannter von ihm dazu, und so kam ich nicht nur zu Kaffee und freundlicher Gesellschaft, sondern auch noch zu einem Mettbrötchen! Danke, Carsten :-)!
Kaffee und Nahrung - sehr wichtig bei Wintertouren. Wer selber Motorrad fährt, weiß das ...

Und weil ich jetzt wieder mit neuen Lebensgeistern erfüllt war, fuhr ich noch über die Stadtautobahn nach Braunschweig zu POLO. Die Auffahrt Klein Schöppenstedt-Sickte mochte ich nie so besonders, heute wollte ich mich aber nicht drücken. Diese so genannte Hundekurve ist mit dem Auto schon nicht ohne.
Alles lief gut, und auf der A39 sauste ich dann mit 115 km/h, tränenden Augen und Laufnase bis zur Abfahrt in die Südstadt.
Im Sommer finde ich das Lüftchen, was trotz geschlossenem Visier unter den Helm geht, ja ganz angenehm - im Winter ist das eher lästig ...

Das gewohnte Verkehrschaos der Innenstadt und bei der Auffahrt zu POLO irritierte mich nur kurz, dann fuhr ich verkehrswidrig einfach ein Stück weiter und bog verkehrt herum in die Einfahrt ein.
Diese Zufahrt ist die Pest - geht über eine Tank- und Waschstelle, und die ist meistens brechend überfüllt, die Autos stehen auf dem Abbieger (gerade mal für 3 PKW Platz) und kommen nicht zu Potte ...

Bei POLO fuhr grad ein Chopper vom Hof - hurra, endlich mal EINER gesichtet, der auch auf zwei Rädern unterwegs blubbert !

Im Laden gab es Wärme, und wieder einen großen Becher Kaffee. Der andere Becher, bei Fritz getrunken, war schon durch die Nieren durch, und ich verbrachte die üblichen gefühlten Stunden mit dem Klogang.
Bis man sich da wieder vernünftig in die vier Lagen Funktionswäsche geplünnt hat ...

Kurz vor dem Dunkelwerden um halb fünf war ich wieder zuhause angekommen. Diese kleine Tour von knapp 120 Kilometern war mein Weihnachtsgeschenk an mich selber :-). 


Fazit:
Schön war es. Und ein wenig exotisch fühlte sich das an, so ganz allein auf zwei Rädern zwischen den ganzen Blechdosen. Sollte sich in meinem Weihnachtsurlaub die Gelegenheit ergeben, werde ich es wiederholen.
Ich möchte noch so gerne ein Foto für den Blog - Ellie vor einer überdimensionalen Weihnachtsmann-Figur ;-)

5 Kommentare:

  1. Solange sich an Augen und Nase keine Eiszapfen gebildet haben, geht es ja noch :)

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  2. Pööööh, nur ich da'f nie mein Freunachtsgeschenk vorher ... *grummel* ... un' immer nur muss ich mir die Zähne putz'n für's Kris'kind ...

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    1. Arme Pieps - immer auf die Kleinen, gelle? :-( ... ich hoffe auf ganz viel Körscheis für Dich vom Kris'kind ... !

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  3. Gibt es was Schöneres als allein da draußen unterwegs zu sein? Winterfahrten haben etwas ganz Eigenes, schon weil man (Frau) etwas macht, was nicht jede® kann. Ganz tolle Bilder übrigens!

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    1. Dankeschön, liebe Sonja, für das Bilderlob :-). Hat mich sehr gefreut!
      Der Wetterbericht sieht nicht so schlecht aus für Samstag und Sonntag. Ich werde schauen, ob Ellie und ich noch kleine Runden drehen können.
      Über 5° und trockene Straßen, da gehs gut genug. Tut Herz und Seele wohl - Entspannung für die Psyche gleich noch mit! Ihr, die ihr selber fahrt, kennt das Gefühl!

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