Ellie und ich

Ellie und ich

Donnerstag, 16. Januar 2014

11. Januar 2014 - Begegnungen mit der Vergangenheit

11.1.

Beruflich ändert sich gerade sehr viel bei mir. Dementsprechend voll ist mein Kopf, ich bin sehr unkonzentriert, ich schlafe sehr schlecht, und platt bin ich davon ebenfalls ständig. Das wird noch das nächste halbe Jahr so weitergehen, bis sich eine Richtung finden wird ... ich komme kaum zum Bloggen, was mich sehr stört aber derzeit einfach nicht anders machbar ist.

Umso wichtiger ist es, dass ich mir Erholungsinseln schaffe. Zum Teil komme ich durch das Walken ein bisschen runter.

An diesem Samstag entschloß ich mich, gegen Mittag mit Ellie loszufahren. Es waren gute 6°, die Sonne schien und die Straßen waren trocken und noch nicht eingesalzen. Die Sonne half, mir positive Energie zu schenken. Ich wollte es mal wieder versuchen: Mopped fahren. Noch war kein Schnee - wer weiß, wann ich sonst wieder die Möglichkeit gehabt hätte ...

Um ein Ziel zu haben, sollte es nach Meinersen ins Antik Café gehen. Ich plünnte mich in vielfache Schichten. Ellie sprang dieses Mal gleich an, was ich nicht erwartet hatte (ich hatte letzte Woche mal eine kleine Runde gedreht und da orgelte die Batterie wie ein Lungenkranker) - ich drückte den Choke zu früh runter und der Motor ging sofort aus.
Ein Hoch an den geduldigen Motor ... beim zweiten Versuch stank es nur ein wenig mehr aus dem Auspuff, und er lief relativ ruhig weiter.
Im Februar ist große Inspektion (die 24.000 haben wir schon lange runter, wird Zeit, wird Zeit). Da wird die Technik insgesamt mal wieder gründlich geprüft.

Die ersten Kilometer dominierte wie gehabt das zwängende Gefühl des Winteroutfits. Ich hockte etwas steif und unflexibel auf dem Sitz und vertraute auf die Fahrphysik. Grip (oder vielmehr schlechtes Fahrverhalten wegen nicht ausreichendem Grip im Winter) hatte ich im Hinterkopf.

Ellie wurde wie üblich an der HEM-Tankstelle überprüft - der Reifen vorne hatte nur geringfügig Luft verloren. Warm eingemummelt und leicht michelingefühlt ging die Tour am Stadtrand längs, durch das Industriegebiet und dann auf ruhigen Seitenstraßen und quer durch die Felder in den Landkreis Gifhorn.

Exakt die gleiche Runde hatte ich am 24.3.2013 gefahren ...

Damals:

Gleicher Halt - HEM Tanke, Luftdruck prüfen und sich von einem Passanten fotografieren lassen ... Heike Cool


Im Café - grinsebäckig und voller Adrenalin über diese Tour bei immerhin -12°
- Heike Rotbäckchen




Heute:




Heike Omma ihr Helm auf dem Sofa - Heike auf dem bequemen Sessel davor in Erwartung vom Kuchen 

Der frisch gebackene Streuselapfelkuchen - noch warm - mit einem großen Klecks frisch geschlagener Sahne war eine Offenbarung. Ein riesiges Stück, doppelt so groß wie üblich. Dazu einen heißen Kakao, und mein rebellischer Magen freute sich wie Bolle.

Durch den beruflichen Streß hatte ich den Punkt "Ernährung/Appetit" in den letzten Wochen arg vernachlässigt, und das ich jetzt nach dem Moppedfahren wieder wie ein wildes Tier reinfutterte, zeigte mir: Moppedfahren ist Therapie. GUTE Therapie für mich!

Ich saß in meinem weichen Sessel, streckte meine Beine aus (flegeln könnte man das nennen), die nette Bedienung stellte sich zu einem Plausch zu mir: "Früher bin ich mit meinem Mann auch Motorrad gefahren - ich finde das heute noch herrlich, aber wir fahren kaum noch ... ergibt sich irgendwie nicht mehr, wegen Arbeit und man wird ja auch nicht jünger...".
Andere Besucher kamen ins Café, ein Herr sprach mich an: "Ist das jetzt nicht zu ungemütlich?" worauf ich antwortete: "Ach, mit warmen Apfelkuchen, Kakao und Sahne ist fast alles zu schaffen".
Ratet, was er und seine Begleiterin sich bestellten ... ;-) 

Nach einer guten halben Stunde plünnte ich mich wieder ein und ging nach draußen zu Ellie.

Der Himmel hatte sich bezogen, und es dröppelte leicht. Wer mich kennt, weiß, wie ich es hasse, bei Regen zu fahren. Auf der Hinfahrt war ich gut drauf gewesen, jetzt hatte ich zusätzliche Energie in Form von Apfelkuchen und Sahne intus und hoffte auf Wiederholung meines Mutes.

Die Regenfront zog heimtückisch in meine Richtung, und so entschied ich mich, über die Bundesstraße 214 Richtung Braunschweig heimzufahren. Das ist öde, geht aber schneller als die Route von der Hinfahrt.
Nach Oberg zog ich am Gas, und ich kam auf sage und schreibe 120 km/h, die ich recht lange durchhielt. Es dröppelte etwas heftiger gegen mein Visier, aber kurz vor Braunschweig hatte ich dann eine Regenpause.
In einem Kreiselverkehr, in den ich ohne großes Nachdenken oder Zaudern hineinfuhr, ging mir bei äußerst geringem Tempo beim Anfahren das Hinterrad weg.
Okay - ich fahre Avon Reifen, die Außentemperatur war nur noch bei 5° und der Grip offensichtlich ein Verkaufstrick der Hersteller.

Hier merkte ich aber wieder deutlich meine gewachsene Fahrerfahrung. Ich quiekte nur "HUCH???" in den Helm, und im Zehntelsekundenbruchteil mit gegendrückendem Popometer war Ellies Heck wieder da, wo es sein sollte.

Ab da fuhr ich doch etwas gemäßigter in leichten Kurven.

Erst wollte ich bei POLO noch ein Käffchen nachwerfen, aber als ich die Dunkelheit am Himmel sah, und misstrauisch die nassen Stadtstraßen anvisierte, fuhr ich doch nach Hause.

Durchschnittliche Geschwindigkeit 100 km/h. Stadtautobahn. Vorher die Bundesstraße. Nochmal Gas geben auf 120 km/h, und bin dann kurz vor knapp halbwegs trocken in der Garage ankommen.
Ellie war nicht so schmutzig, wie ich befürchtet hatte. Trotzdem wischte ich mit einem nassen Tuch gleich ihren Unterkörper sauber. Falls doch noch ein Rest vom Salz auf den Straßen gewesen war ...

Ich war insgesamt 2 Stunden gefahren. Und im Vergleich zum letzten Jahr - die gleiche Strecke bis auf die Rückfahrt - kann ich vermelden: Fahrweise und -Erfahrung sind verbessert. Ich komme mehr auf Tempo, ich sitze lockerer, und in gewisser Art und Weise sind manche Abläufe schon routiniert gewesen. Wo letztes Jahr allein der Gedanke, eine Bundesstraße zu befahren, bei mir Durchfall und Magenkrämpfe auslöste, sah ich es heute als öde Notwendigkeit an, die mich kaum noch schockte.

Für mich war dieses Erlebte wichtig. Wichtig zu erkennen, dass da tatsächlich Erfahrung mit im Spiel war. 
Ich habe meine Zeit gebraucht, um bestimmte Abläufe zu verstoffwechseln. Stück für Stück traue ich mich heute an Situationen, die mir vor einem Jahr unüberwindbar vorgekommen sind.

Alles braucht seine Zeit, und wenn ich zurückblicke, ging manches deshalb schief, weil ich eine Abkürzung nehmen wollte.
Heute sah ich die Entwicklung selber. Und das hat mir Mut gemacht: jeder hat sein eigenes Tempo - Abkürzungen sehen nur auf den ersten Blick kürzer aus!

Nicht aufgeben, es immer wieder versuchen - nur sich selber gegenüber eine Verantwortung haben - sich nicht einschüchtern lassen - zäh dran bleiben, manchmal unter Tränen oder auch mit dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit - all das habe ich durch ... Ich persönlich weiß, was ich bis jetzt gelernt und geschafft habe.

Aus eigenem Antrieb heraus.

Fazit:
Schön zu erkennen, dass ich was gelernt habe. Wirklich gelernt. Ich habe ... verstoffwechselt :-). Das gibt mir Hoffnung und Mut, auch das berufliche hinzukriegen ...



4 Kommentare:

  1. Hallo Heike, schön, dass Du Gelegenheit hattest, Dir den Kopf frei zu fahren. Meines Erachtens die beste Therapie (oder hast Du schon mal ein Mopped vor der Praxis eines Psychologen gesehen…).

    Die ErFAHRung steigt mit jedem Kilometer und so ist ein kleiner Wegrutscher nicht mehr als ein Seufzen wert.

    Ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deiner beruflichen Veränderung. Denk nur immer wieder dran, Dir mal 'ne Auszeit zu nehmen.

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    1. Vielen lieben Dank, Sonja - das mit der Auszeit werde ich mir von innen auf die Augenlider schreiben ... Danke für die Erinnerung daran!

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  2. Fein. ;) Das Cafe in Meinersen(da wohnt ein Kumpel von mir), ist als Zwischenstop fest vorgemerkt.
    Für das andere drück ich beide Daumen gaaaaaaaaaaaaaaanz doll.

    Grüßle Hans

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    1. Hei Daddy - Danke für das Daumendrücken. Geht ja jetzt erst richtig ab da bei mir in der Firma -_- ... Aber die Ruhe am Wochenende hat gut getan und ein kleiner Strategieplan ist geschmiedet! Mal sehen, ob ich das durchsetzen kann ...

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