Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 20. Oktober 2014

19.10.2014 - Unterwegs in Thüringen

Eine spontane Übernachtung bei Freunden brachte mir unverhofft eine herbstliche Mitfahrgelegenheit im Thüringer Wald.
Da ich unvorbereitet war, mußte ein Rundruf gestartet und Motorradklamotten in meiner Größe organisiert werden.
Am Sonntag morgen nach einer erholsamen Nacht und einem guten Frühstück ging es los.

Treffpunkt war in Ilmenau an der STAR-Tanke. Um dahin zu kommen, hieß es durch den Rennsteigtunnel zu fahren.

Wo bei den Freunden noch tiefste Nebelsuppe herrschte, wartete nach dem knapp 8 Kilometer langen Tunnel strahlender Sonnenschein auf uns.

Pünktlich traf ich mit meiner Mitfahrerin und der Orange bei der STAR-Tanke ein. Die Jungs waren ein Stück weit vor mir gefahren, aber als es dann auf eine Anhöhe ging, verrauchten sie mich mit dem linken Zeh. Wesentlich besserer Anzug bei den starken Maschinen, und meine Fabia-Orange mit den lächerlichen 60 PS und auf drei Zylindern hatte keine Chance mehr.

Ein Lob an die Tankstellenkette STAR - in der Saison ist Sonntags der Kaffee für Biker frei! Das freundliche Angebot durch die Kassiererin wurde gleich begeistert wahrgenommen. Überhaupt merkte ich wieder einmal: die Leute hier waren einfach netter ... oder ich habe andauernd Ausnahmen erlebt, denn bislang war in jedem Geschäft, oder an jeder Tankstelle, immer eine nette Ansprache zu erleben gewesen. 


Da freut sich das Stofftierchen in der Auslage gleich mit mir!


Ich bekam einen besseren Parkplatz für meine Orange zugewiesen: im Schatten und in direkter Nähe zur Toilette. Weit genug weg von den Waschplätzen, die hier am SONNTAG geöffnet waren!

Undenkbar bei mir zuhause.
Da würden gleich sämtliche selbsternannte Bürgermeisterchen nebst häuslicher Regierung und dem stubeneigenen Dackel eine Demonstration bei der Stadt anzetteln ...

Die Sonne gab sich mächtig viel Mühe. Der Himmel strahlte in einem Kitschblau, dass es eine wahre Augenweide war.
Dann rauschten meine Leih-Sachen an und ich verschwand in der WC-Kabine - hoffentlich würden sie passen, war mein gezitterter Gedanke ...

Währenddessen genossen die Jungs die Sonne und den Freikaffee ...


Blauer Himmel, blitzende Maschinen, ein guter heißer Kaffee für lau und gleich eine sonntägliche Ausfahrt ... was braucht man(n) mehr?  

Meine geliehenen Motorrad-Cruisersachen (Hose, Jacke, Helm, Handschuhe, Halstuch) paßten wie für mich gemacht.

Ich stieg auf das Motorrad meines freundlichen Chauffeurs und die Tour ging gegen Mittag los, durch das herbstlich beschienene hügelige Thüringer Land.

Ich fuhr das erste Mal mit einem Jet-Helm. Für das Cruisen durchaus geeignet. Bei höheren Geschwindigkeiten vibrierte und summte die Umhüllung allerdings, dass mir schwummerig wurde. Aber ich will nicht nörgeln - der Helm tat seinen Dienst ganz brav und ohne ihn hätte ich nicht mit gekonnt!

Acht schwere Maschinen mitsamt Fahrern und einigen Sozia-Begleiterinnen fuhren gemütlich über Land. Die Sissi-Bar hielt mich auf dem Sitz fest, und ich konnte die Eindrücke wieder einmal ganz gemütlich wahrnehmen.

Ich war einen Teil dieser Strecke vor kurzem schon einmal gefahren. Nun in anderer Gesellschaft also noch einmal. Es wurde trotzdem nicht langweilig! 

Neue Eindrücke, neue Geräusche und Gerüche - gewaltige Hochbrücken, unter denen wir wirklich wie die Ameisen am Fließband wirkten ... dann die Saale, an der wir ein langes Stück des Weges entlang cruisten. Ein Graureiher, der wie aus Stein gemeißelt auf einem Ast hocke und auf ein Beutestück lauerte. Fachwerkhäuser in den kleinen Ortschaften. Winkende und staunende Kleinkinder, die uns mit offenem Mund nachstaunten ... 

Ab und an warteten an den Stichstraßen Jugendliche mit ihren Zwiebacksägen oder Eierfeilen - eine der vielen "Simson-Banden". Da knatterte und rotzte es blaue Stinkwolken durch die Straßen. Wir waren definitiv im Osten unterwegens :-).

An einer Baustellenampel röchelte eine alte verschraddelte Simson an den Straßenrand - der Fahrer hatte sich im Hinterrad etwas eingefangen - die kleine Maschine hatte einen Platten. Der Mann sah nicht besonders glücklich aus ... er hatte mein Mitgefühl.
Wer sein Mopped liebt, der schiebt trotzdem nicht so gerne wie er fährt ...



Nächster Halt war die Talsperre Hohenwarte.



Nur die Mädels mußten 50 Cent bezahlen - die Männer konnten frei Pippi machen ... also da hinter der Holztür. Ob sie da drin waren, habe ich dann natürlich nicht kontrolliert ... ich bin ja schließlich schenant ...


Mit dem Besitzer der Pharao-Hecktasche kam ich sofort ins Gespräch - er war aus Leipzig angereist mit seinem Sohn - Respekt, alter Knabe ... sehr nette Leute und so kommunikativ!


Hunger!
Thüringer Bratwurst essen!


Skeptischer Blick mit grauenvoller Helmfrisur - ist die Wurst auch wirklich lecker? 

Ja, war sie :-)!


Da werden Erinnerungen wach ... ich hörte in Gedanken den "Jiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiha!"-Schrei noch einmal ...


Mein Capuccino ... das stimmt einen gleich noch fröhlicher, so ein Smilie, gelle?




Der Imbißbetrieb war gut ausverkauft ... Schnitzel war nach unserem Besuch dort dann auch endgültig "Aus". Die Saison dort oben ist zuende, nur noch am Sonntag wird per mobiler Bratbude die Thüringer auf dem Grill atomisiert, alles andere wurde nicht mehr nachgekauft. Es lohnt sich auch nicht. Dort oben ist zu schnell der Schnee da, und dann kommt kaum noch Kundschaft. Für heißen Kaffee allein lohnt sich der Betrieb dann wohl nicht mehr ...

Heute war Sonntag, die Sonne schien, und der Rastpunkt war voll! Biker, Wanderer, Bustouristen, alle drängelten sich an den Bootsanlegepunkt und genossen das Kaiserwetter. Wir futterten unsere Speisen, hier und da gönnte sich einer noch ein Eis auf die Hand. Was ging es uns gut da!

Gesättigt und gewärmt (wir Damen hatten uns in die pralle Sonne gelümmelt; letzte Gelegenheit zum Bräune erhaschen?) ging es weiter zum Ziel der Tour: Burg Ranis (klickklick). Die lag ein Stück weit oberhalb der Talsperre.



Steiler Anstieg zum Gemäuer - manch einer war in Versuchung gekommen, hier doch mit dem Motorrad in den Innenhof zu blubbern ...
Eintrittsgeld von 1,- Euro für die Erhaltung der Anlage war zu verkraften!








Imposanter Ausblick!
Imposanter Rückenanblick ...



Später gab es dann noch das obligatorische Gruppenbild, auf dem ich mit meiner Leih-Lederkluft eine recht ordentliche Figur machte ... die Haare mal ausgenommen!




Es hieß Abschied nehmen. Der Nachmittag kam ins Land und bald mußte ich ja auch wieder Richtung Niedersachsen ... ihr lest meine nicht vorhandene Begeisterung dafür sicher heraus ...

Einen Stopp gab es noch. Bei einer Bäckerei an einer viel befahrenen Straße. Hier war Schlange stehen angesagt. Ich wollte nur eine kleine Flasche Eistee, aber das Personal hatte nur die eine Kasse, und da war es egal, ob ich "nur eine Flasche bezahlen" wollte - auch ich mußte mit anstehen und verfluchte im Innersten die Kunden, die sich jeden Keks einzeln ansahen, ob er nun in die Tüte durfte ...

Durchgeschwitzt und ohne Eistee - die Flasche war nämlich geleert, bis ich an der Reihe war - saß ich dann draußen und genoß die Sonne hinter der Glasscheibe.


Alles gut, alles schick - ein schöner und spontan genutzter Sonntag im Kreise von Freunden ... ich hatte den Tag optimal ausgekostet!
Ohne die Freunde wäre es allerdings anders gekommen - aber das ist eine andere Geschichte, die hier nicht erzählt wird ...

Nachdem jeder seinen Anteil im Schlange-stehen erledigt hatte - und das alles ohne eine einzige Banane zu kaufen - hockten wir noch dort auf den Stühlen und Bänken, tranken den (grauenvollen) Kaffee, scherzten und lachten, machten Fotos und freche Sprüche ... kurzum, ein Sonntag unter Motorradfahrern, wie er schöner nicht hätte sein können.

Hier bekam ich auch eine andere Mitfahrgelegenheit - ich durfte mal auf einer starken Triumph mitfahren. Herrliches Gefühl!

Gegen 17 Uhr kamen wir wieder in Ilmenau an. Ein Teil der Leute hatte sich vorher verabschiedet und fuhr Richtung Erfurt.

Ich zog mir wieder meine Straßensachen an und fühlte mich komisch. Das Leder hatte doch eine Sicherheit suggeriert, die die Jeans einfach nicht hinbekam.

Ich legte die geliehenen Sachen ordentlich zusammen und war noch einmal sehr dankbar - schön, dass das alles so geklappt hatte. Unproblematisch und mit Engagement - wirklich klasse gemacht, Freunde.

Dann standen wir noch ein wenig herum, und genoßen den letzten Gratiskaffee vor dem Abschied.
Hier bekam ich dann auch meinen neuen Namen, weil es unter uns zwei Damen mit gleichem Vornamen gab und jedesmal beide reagierten, wenn gerufen wurde.

Immer schön schwimmen, schwimmen, schwimmen ... Ich bin ja in vielen Gewässern unterwegs, abenteuerlustig und nicht immer klug unterwegs, dabei meist gute Laune und anpassungsfähig, immer für eine Überraschung gut, hilfsbereit und liebenswert ...




Dorie 
Im ganzen großen Ozean wird man keinen Fisch finden, der hilfsbereiter und liebenswerter ist als Dorie. Als so etwas wie ein guter Samariter unter Wasser bietet sie in Findet Nemo natürlich auch Marlin sofort ihre Hilfe bei der Suche nach seinem Sohn an. Wegen ihrer großen Schwäche, ihrem Kurzzeitgedächtnis, ist sie auf den ersten Blick natürlich ein sonderbarer Partner für eine derartige Herausforderung. Aber ihr Optimismus erweist sich schließlich als unschätzbare Voraussetzung dafür, dass Marlin das Unmögliche schafft. Und was ihren Optimismus angeht: Für Dorie ist das Glas immer halb voll!

Großer Dank an die Schusterin, die uns auf diese Idee brachte ;-).


Dorie grüßt aus dem Kreise ihrer Freunde


Dann war es Zeit für den Aufbruch, bevor es noch kühler wurde. Der Herbst war hier oben wirklich mit großen Schritten unterwegs ...

Auf mich warteten noch mindestens 4 Stunden Heimfahrt, die anderen hatten es da leichter. Jungejunge, hatte ich vielleicht eine Lust dazu ... Sarkasmusmodus ... 

Ich fuhr in das Abendrot, und genoß eine lange Strecke lang die Stille im Auto, nur begleitet von meinen Gedanken und den Bildern vom Wochenende im Kopf. Das Radio hätte da gestört, also blieb es bis kurz vor Zuhause aus. Da war ich dann zu müde, und mußte mich ablenken lassen.


Gegen 22 Uhr kam ich dann zuhause an. Kurz darauf ging ein Monstergewitter runter. Gut, dass ich da schon sicher in der Wohnung angekommen war ...

Das Wochenende verlief anders als erwartet, aber ich hatte wie gewohnt das Beste draus gemacht.
Danke an die Sachen-Ausleiher, ohne Euch wäre die schöne Tour gar nicht möglich gewesen. Und Danke an T. und H. für die Unterkunft und das leckere Essen.

Fazit:
... immer schön schwimmen, schwimmen, schwimmen ... 

So - ziemlich lütt, aber nun standesgemäß!

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And at it's last ...

"Jiiiiiiiihaa" ...


 ... und manchmal verlieren sie auch. Aber das ist eine ganz andere Geschichte, die hier nicht erzählt werden wird ...

Man sieht sich, demnächst oder wann auch immer in der Szene ...



5 Kommentare:

  1. Schön geschrieben.Man merkt du hattest einen schönen Tag.Das freut mich.

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  2. Na Dorie, aber bleib' von den Quallen weg ;-)

    Freut mich, dass Dein Wochenende so eine tolle Wendung genommen hat. If life gives you lemons... make lemonade!

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    1. Sonja, die englischen Weisheiten haben ihren besonderen, eigenen Reiz - you're right, lemonade ... by that way: I love it ;-).
      Danke!

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  3. Genau! Immer schön schwimmen, schwimmen, schwimmen!
    Ich habe Thüringen auch immer als besonders freundliches Land kennengelernt. Man kommt rasch ins Gespräch und fühlt sich schnell heimisch. Im nächsten Jahr werde ich auch wieder mal dort hinfahren. Dann das erste Mal mit Gesa...

    Es freut mich ganz besonders, daß Du wieder unterwegs bist und Dir die Freude am Fahren und diesen Dingen nicht nehmen läßt!

    Viele liebe Grüße,
    Minya

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    1. Hei Minya, wenn du mit Gesa unterwegs bist und die Termine hinzubiegen sind, könnte ich Dich glatt ein Stück weit begleiten. Melde dich, wenn deine Planung steht. Da ich die Kommentare ja erst freischalte, können wir auch gern Emailadressen austauschen :-).
      Danke für Deinen Kommi!
      Liebe Grüße und allzeit gute Reise mit Gesa - Heike

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