Die fünfte Saison begann.
Es fing ganz unspektakulär an.
Sonntag. Eigentlich wollte ich mal ausschlafen, war aber um 7 Uhr wach. Die Straßen waren trocken, die Temperatur stieg und stieg. Der Zettfahrer hatte mir eine Nachricht per WhatsApp gesendet, das er vor um 10 Uhr nicht unter den Lebenden ist. Na, das würde ja passen ... Frühstück und dann von dort aus weiter. Gebongt. So mach ich das!
Ich versorgte den Haushalt, die Tiere zu Land und zu Wasser, und dann packte ich mich warm ein. Die Sturmhauben saßen nicht - da würde ich den Tag über noch diverse Male dran herumzuppeln.
Als ich Ellie startete, brauchte der Choke einige Zeit, damit ihr Motor warm wurde. Sie stand da blitzend in der Morgensonne, und ich sinnierte vor mich hin. Hoffentlich würde die neue Saison gut laufen und wir im Dezember heil und unversehrt wieder einparken.
Ich schwang mich auf den Sattel, wackelte auf dem Airhawk-Kissen hin und her (Probe-Popometer), und fuhr los. Passend kam die Sonne hervor. Es lief wie die letzten Male am Anfang ... sehr huckelig und steif. Die Kurvenlinie mußte erst noch neu eingeübt werden, die Blickführung und Schreckmomente waren noch nicht wirklich in Routine. Kam ein Auto aus einer Einfahrt, zuckte ich innerlich noch ziemlich heftig zusammen.
Es ging zunächst über die Bundesstraße 79 Richtung Halberstadt, dann bog ich in Richtung Hornburg ab. Dort erwischten mich einige Regentropfen, aber die Sonne bahnte sich weiter den Weg. Einige Kilometer Straße waren noch leicht weiß gemustert - das Wintersalz. Der gröbste Dreck war heruntergespült, aber wir hatten noch Februar und mit Resten war zu rechnen. Salz ist der Todfeind für jedes ältere Motorrad.
In einem kleinen Dorf in der Nähe von Hornburg machte ich eine kurze Fotopause - die Blogleser sollen ja nicht NUR Text bekommen ;-).
Ellie vor dem Tor einer ehemaligen LPG
Ein Quadfahrer kam mit viel Getöse angefahren und grüßte uns wild winkend und grinsend. Das fand ich nett. BeHelmte Köpfe grüßen einander - egal, ob mit 2 oder 4 Rädern. Die Saison war noch so frisch, dass so etwas möglich war. Das verläuft sich später - schade eigentlich. Da grüßen sich oftmals "nur" die gleichen Fahrzeuge, oder "man" grüßt die Warnwestenträger nicht, Rollerfahrer werden stoisch ignoriert ... das ganze Zenober von "wer grüßt wen und wen nicht" ist mir irgendwie immer noch fremd.
Ich ruckelte über das Kopfsteinpflaster in Osterwieck.
Ich ruckelte über das Kopfsteinpflaster in Osterwieck.
Die altvertraute Hausroute ist zu Beginn der Saison immer wieder ein Abenteuer. Etliche Male gefahren, ist sie am Jahresanfang doch wieder etwas besonderes.
Auf dem Hof vom Zettfahrer angekommen, zückte ich das Handy und rief ihn an. Er klang ziemlich verschlafen. Als er endlich registrierte, dass ich vor dem Fenster parkte, wurde er früher wach, als er vorgehabt hatte.
Wir frühstückten gemütlich. Anschließend wurde Ellies Luftdruck überprüft - jeweils 0,2 Bar verloren seit Dezember. Alles im gewohnten Bereich. Der Tank war noch fast voll, insofern brauchte ich keine Verzögerung.
Dann fuhren wir los, zunächst nach Dardesheim an die Tankstelle. Während der Joghurtbecher gefüllt wurde, genoß ich die Aussicht auf den noch verschneiten und versalzenen Harz.
Es ging über die Anhöhe Richtung Vogelsdorf, und wir genossen einfach die ungeplante Fahrt ohne eine feste Route. Die Sonne und die warmen Temperaturen waren ein Traum! Apropos träumen - ich mußte mich arg zusammennehmen und wirklich auf die Straße acht geben. Es fühlt sich altvertraut an, aber meine Reflexe waren doch eingerostet. Also besser später Aussicht genießen, und momentan eher auf Training gehen!
Einkehren taten wir einige Zeit später bei Ritchy's Imbiß - direkt vor der Tür.
Einen Kaffee, heiße Schokolade und meinem Stammgericht später ging es nach einem kurzen Plausch mit dem Chef weiter. In Beierstedt brüllten wir den Pyromanen von der Couch. Ein kurzer Informationsaustausch, und wir reisten gesittet weiter.
Das Wetter hielt sich, und so machte ich als Tourguide einen erneuten großen Schlenker in Richtung Harz. Es waren wenige Autos und noch weniger Motorräder unterwegs. Die Saisonfahrer würden erst am 1.3. losstürmen. Oder am 1.4.
Ich hatte den Januar nicht nutzen können - der Winter wollte es zu oft wissen. Da Ellie mich im Monat aber kaum mehr wie 9 Euro an Versicherung kostet, wäre ein Saisonkennzeichen nicht wirklich wirtschaftlich.
Das Wetter hielt sich, und so machte ich als Tourguide einen erneuten großen Schlenker in Richtung Harz. Es waren wenige Autos und noch weniger Motorräder unterwegs. Die Saisonfahrer würden erst am 1.3. losstürmen. Oder am 1.4.
Ich hatte den Januar nicht nutzen können - der Winter wollte es zu oft wissen. Da Ellie mich im Monat aber kaum mehr wie 9 Euro an Versicherung kostet, wäre ein Saisonkennzeichen nicht wirklich wirtschaftlich.
Der Frühling hatte in den Vorgärten schon Stellung bezogen.
In der Sonne voll aufgeklappte Winterlinge - wie kleine gelbe Sonnen sahen sie aus
Eine Tankrunde für Ellie erfolgte in Vienenburg.
Unsere erste Tour - ich hatte im Kopf dann doch noch etwas geplant auf der Strecke.
Unsere erste Tour - ich hatte im Kopf dann doch noch etwas geplant auf der Strecke.
An's Wasser.
Blick über das Binnenmeer ...
Zwei Dorfkinder setzten sich zu uns und fragten neugierige Kinderfragen. Ob wir dort auch im Sommer baden würden, wie lange wir schon Motorrad fahren, ob das schwer sei und so weiter ... außerdem erzählte uns das Mädel, das sie eine Pätschwörg Familie wären und der kleine Junge "sowas wie ein Bruder". Der wäre vom Freund ihrer Mutter 'mitgebracht'.
Diese Unterhaltungen am Rande waren für mich das Salz in den Begegnungen - mit Motorrad ging das irgendwie leichter. Die Leute waren, wenn sie ihre Scheu abgelegt und festgestellt hatten, dass wir auch nur "normale Menschen" wären, sehr mitteilsam. Schon so mancher erzählte mir bei den Saisontouren der vorherigen Jahre, was er oder sie als junger Mensch alles gefahren hätte - alte Damen kicherten verhalten, wenn sie erzählten, dass ihre Eltern das gar nicht wissen durften, wenn sie bei ihrem Schatz mal als Sozia mitgefahren wären. Und alte Charmeure schmunzelten, wenn sie stolz von ihrer Zeit als "Halbstarker" berichteten. Ob der Zettfahrer und ich später auch mal so sind?
Ich verspürte Teedurst und wir steuerten das nahegelegene Ausflugslokal "Itschenkrug" an. Die Wirtsleute hatten renoviert und das war ihnen gut gelungen. Kein Schickimicki, sondern harmonisch in das alte Gebäude integrierte neue Wandfarbe, neue WC-Ausstattung und diverse kleine Tischdetails.
Der Tag war gut gelaufen. Ab und an fuhren jetzt doch so einige andere Zweiräder an den Fenstern vorbei. Ich überlegte so für mich, in welche Richtung die wohl wollten: nach Vienenburg? Schladen und dann weiter am Harzrand entlang? Frage an die Leser aus der Region: wenn ihr am Itschenkrug vorbei fahrt - wo genau treibt es euch dann hin?
Auf dem Heimweg gab es noch ein knalliges Fotomotiv!
Der Zettfahrer und ich fuhren dann über Hornburg, Seinstedt und die Dörfer die Hausrunde zurück. Ein Halt in "unserer Kurve" bei Gilzum - auch hier: Nachdenken und Zurückerinnern an 2016.
Kurz nach Sonnenuntergang kamen wir wieder vor der Garage an. Ellie wurde hineingeschoben, und der Tacho angeschaut: 186 Kilometer.
Fazit:
Feedback vom Zettfahrer: sooo ungenau wäre meine Kurvenlinie nun nicht gewesen! Das Fahrttempo würde sich im Laufe des Jahres noch steigern lassen - ich hatte es bewußt nicht übertrieben. Viel zuviele Saisonkennzeichler ließen es auf der ersten Fahrt krachen - und leider kostet das so einigen gleich am ersten Wochenende das Leben.
Nein, das ist nichts für mich. Ich werde nie die Schallmauer durchbrechen, aber das ist auch nicht mein Anliegen. Ich bin der gemütliche Fahrtypus - und zu meinem Glück genießt der Zettfahrer die Touren mit Ellie und mir, und sagt das nicht nur so dahin. Wir sind jetzt lange genug zusammen, dass man ehrlich miteinander sein kann - und sich auch bei abendlichen Besuchen nicht in Schale schmeißen muß (Jogginghose!) ;-). Es ist schon schön, wenn da jemand dabei ist. Und was die Abenteuerlust angeht, neue Wege zu finden, Grauzonen zu entdecken, da mache ich ihm doch ab und an noch Verwunderung.
Wenn ich denn mal meine Enduro habe - nach der immer noch gesucht wird - dann könnte es sehr lustig im Blogbericht werden ;-)







Ich bin zufrieden;-). Gruss, Zettfahrer
AntwortenLöschenToller Bericht wie immer ! Schön das Du schon unterwegs bist, bei mir wird es noch länger dauern.
AntwortenLöschenIch wünsche Dir und Deinem Zettfahrer eine problemlose und Unfallfreie Fahrt !
Liebe Grüße Harry
186 km? Wow, das ist eine ausgewachsene Tagesetappe. Bist du auch so zufrieden mit dem Airhawk? Das hat für mich alle Sitzprobleme gelöst. Diese erste Tour des Jahres ist ganz wunderbar. Habe ich gestern auch gemacht, aber nur 70 km, dann war ich durchgefroren und ohnehin wieder zu Hause: Frühstück :-)
AntwortenLöschenDann wünsche ich dir schon jetzt eine wunderbare Saison 2018. Fahrt ihr nicht diesen Sommer beide nach Skagen? Das wird sicher toll.
Liebe Grüße, Svenja
...und Pieps, näh?!