Teil Zwei unserer August-Urlaubstour. Zunächst ging es zur Tankstelle. Voller Tank und leere Blase - zwei Grundvoraussetzungen für eine Tour.
Die Weiterreise ging über Uhry. Oberhalb der A2. Dort kommt der strahlend weiße Spielkasten-Sand her. Eine Sandgrube, deren geförderte Berge weit in die Landschaft strahlen. Diese weißen Sande, die zu fast 100 Prozent aus Quarz bestehen, sind ein begehrter Rohstoff für die Industrie und werden u.a. auch zur Herstellung von Computerchips verwendet. Hier sah ich im letzten Jahr einen Wolf, der im gestreckten Galopp vor uns flüchtete.
Die Richtung Rennau-Mariental wurde absichtlich ausgelassen. Hier toben sich die VW Werksarbeiter auf ihrer privaten Rennstrecke aus. Tiefergelegte Leasingwagen röhrten an mir vorbei. Da gab es doch diesen Spruch je größer der Auspuff desto kleiner der ... des Fahrers? Das scheint ein Stück Wahrheit zu haben.
Wir fuhren über Rhode, Bisdorf bis nach Klein Sisbeck, bogen ein Stück auf die B244 und dann gleich wieder fort davon. Ab über die kleinen Dörflein. Im Dorf Papenrode mit seinen kleinen Fachwerkhäuslein bogen wir rechts ab, und kurz vor Ortsausgang wieder links. Der Wegweiser war zu übersehen, wenn man nicht drauf achtete. Eine eineinhalb spurige Straße führte uns weiter, begleitet von Obstbäumen am Straßenrand. Das Obst lag auf der Straße, es vergammelt unter der Sonne. Reiches Deutschland ... man kauft ja lieber Obst aus Neuseeland oder Spanien - schön blank gespritzt ...
Kleine Pause im Schatten - Fallobst naschen, aus der Wasserflasche trinken, die Karte studieren ...
Wir durchfuhren verschlafene Dörflein, verfuhren uns mehrfach - fanden aber immer wieder nette und hilfsbereite Menschen, die uns den Weg weisen. Diese kurzen Gespräche mit denjenigen, die in den Dörfern tagsüber das Leben aufrecht erhalten, die tun mir immer gut.
In einem kleinen Dorf fand ich dieses Pipi-Langstrumpf-Idyll:
Direkt daneben hatte ein Ehepaar stürmische Zeiten überstanden, und viele viele gemeinsame Schritte gemacht. Eine wirklich tolle Idee - seht selbst:
Mit einem Lächeln unter dem Helm fuhren Ellie und ich weiter. Diese kleinen Erlebnisse und Begebenheiten waren genau nach meinem Geschmack.
Dank eines netten Straßenarbeiters fand ich auch einen gemütlichen einsamen Weg zum nächsten Zielort. Wir überquerten wieder einmal die ehemalige Grenze. Das kleine Dorf Mackendorf lockt mit fischigen Delikatessen - als ich am Haus vorbeifuhr, war keiner dort. Nur der Räucherofen schickte rauchige Botschaften in die Gegend. Mmmh, das roch aber gut ...
Kleiner Nachtrag: der Zettfahrer und ich fuhren diesen Weg am 16.9. noch einmal. Und wir hatten Glück. Der Fischwagen stand vor der Tür. Wir bekamen leckeren frischen Fisch, ich probierte Algensalat (saulecker - hätte ich nie erwartet, unbedingt ausprobieren!), und der nette Verkaufswagen-Chef gab uns später noch eine Führung im Gebäude:
Absolute Empfehlung. Im Mai gibt es ein opulentes Matjes-Fest. Termine und ähnliches könnt ihr im Internet nachlesen. Hier finden auch Nicht-Fischesser demnächst gastronomische Möglichkeiten. Das Angebot wird ausgebaut - und für besondere Wünsche (Motorräder im Innenhof fotografieren? Eine Horde hungriger Motorradfahrer versorgen nach Anmeldung? Kein Problem ...) ist man dort offen.
Weiter ging die Tour. In fast jedem Ort gab es einen Gasthof und meistens auch ein Gemeindehaus. Typische Treffpunkte, wie ich sie auch von meiner Heimat her kenne.
Huch - das ist aber hübsch hier. Ich tuckerte gemütlich durch den Ort, und durch die Innen"stadt".
Mehr durch Zufall und dank schneller Reaktion (hrmpf ... dran vorbei, huch da war etwas interessantes - also anhalten, Ellie auf dem Parkstreifen abstellen, zurücklaufen, kurzen Blick riskieren, zu Ellie zurück, aufsitzen, umdrehen und hoch holpern ...) fand ich eine Attraktion. Die Burgruine Weferlingen.
Eine Woche vorher hatte in der Ruine der Bürgermeister geheiratet. Deshalb der rote Teppich und der Blumenbogen stand auch noch. Bevor ich das herausfand, dachte ich allen Ernstes, der rote Teppich wäre für mich hingelegt. Natürlich stand ich auch drauf - und hätte ich mich getraut, hätte ich Ellie auch mit hinauf gefahren ;-).
Schwer beeindruckt wanderte ich über das Gelände und guckte in jeden Winkel. Das Gelände ist frei zugänglich. Man geht an der Feuerwehr vorbei, durch ein Gittertor, biegt dann links ab und steht direkt in der Ruine. Sie kostet keinen Eintritt, beinhaltet keinen Kiosk und keinen Münzpräge-Automaten. Sie ist einfach da. Informationen bekommt man vor dem Gebäude der Feuerwehr, dort steht ein Haus, in dem die Heimatstube untergebracht ist. An der Tür ist ein kleines Schild mit einer Telefonnummer, und wenn die Stube geschlossen ist, kann man diese Nummer anrufen - dann kommt ein Ehrenamtlicher und erzählt einem etwas über die Ruine und deren Geschichte. Dieser Mitarbeiter ist dann auch da, um den Turm aufzuschließen. Normalerweise!
Gegenüber der Ruine stand ein trutziger Turm. Interessiert wanderte ich hinüber.
Da stand etwas von Öffnungszeiten. Das Gittertor war aber geöffnet, also ging ich hinein. Ein Blick nach oben zeigte mir: mächtig viele Stufen. Jede Stufe hatte einen Namen an der Kante. Hier haben sich wohl Einwohner Stufen gekauft, zur Finanzierung des Erhaltes. Es war niemand zu sehen und zu hören. Meine Neugier siegte, und ich stiefelte tapfer in die Höhe. Auf der Hälfte zog ich die Jacke aus, stopfte das Halstuch in die Tasche und fing asthmatisch an zu keuchen. Verblödete Idee, mitsamt Motorradklamotten ...
Als ich dann oben war, entschädigte mich der Ausblick für den harten Anstieg!
Hier oben wehte ein guter Wind. Das tat mir gut. Als ich wieder atmen konnte ohne zu pfeifen, machte ich mich auf den Rückweg. Unten angekommen, schlich eine ältere Frau um den Turm herum und kam verlegen lächelnd auf mich zu. Eigentlich wäre der Turm geschlossen - er war heute nur offen, weil kurz vor meinem Betreten eine Schulklasse oben gewesen wäre. Im Rahmen eines Ausfluges. Ich wollte der Dame des Interessenvereins das Eintrittsgeld geben, aber sie lehnte das energisch ab. Nein, ich hätte eben Glück gehabt - sie wünschte mir eine gesunde Weiterfahrt und schloß dann mit einem großen Bartschlüssel das Gitter wieder zu.
Das war wirklich nett gewesen. Das sie zuschloß, nachdem ich unten war. Sonst hätte ich ziemlich blöde aus der Wäsche geguckt, nach dem Runtersteigen.
Mittlerweile knurrte mein Magen und ich wollte mich stärken. Ein Blick auf meine Straßenkarte zeigte mir, dass das nächste angepeilte Ziel noch ein wenig weit weg lag. Ach egal - ich hatte genügend Obst in der Hecktasche. Der Fallobst-Apfel schmeckte gut, löschte auch den Durst. Gestärkt ging es weiter. Durch den Kreisverkehr. Dank zwei Einwohnerinnen bekam ich einen guten Weghinweis. Hier und dort waren nämlich Straßensperrungen, die meine Pläne mehrfach durchkreuzten. Da ich mir vorgenommen hatte, ohne starre Vorgabe zu reisen, nervte das nicht.
Dann änderte ich schlagartig den Wegplan. Ich hatte ein Hinweisschild gesehen.
Steine! Beispiel für das Klinzer Gehügel ;-)
Grandios. Mein Spitzname wurde als Name für ein Dorf verwendet. Und es gibt sogar Alpen, die nach mir benannt sind.
Tschakka - DAS soll mir mal einer nachmachen!
Ich fuhr kreuz und quer durch das Dorf auf der Suche nach den besten Fotomöglichkeiten.
Wieder verließ ich einen Ort mit breitem Grinsen unter dem Helm. Was für eine Überraschung.
Es ging nach Flechtingen. Den Kreisverkehr kapierte ich jetzt besser, und fuhr in die korrekte Straße ein. Es gab ein Hinweisschild auf eine Umleitung. Mein Ziel war also nicht auf geradem Wege erreichbar. Diesmal dachte ich mir "Was solls", und fuhr trotzdem dorthin. Das Umleitungsschild tauchte noch mehrfach auf.
Einen kleinen Abstecher an den Kanal gab es auch. In Bülstringen. Ein Stück Obst und wieder einen Schluck aus der Wasserflasche verschönerten die kurze Pause. Jetzt hatte ich mächtig Hunger, das Obst reichte nicht mehr.
Emsig waren Frachtschiffe damit beschäftigt, unter polnischer Flagge Güter hin- und her zu schippern. Ein Auto oder ein Motorrad bzw. Roller waren fast immer mit an Bord.
Dann war ich im Ort Süplingen angekommen. Die Straße wurde erneuert, und der Belag auf großer Tiefe abgetragen. Dank den Hinweisen von freundlichen Einwohnern tuckerte ich durch das Chaos von Steinhaufen, Gulli-Monumenten und Asphalt-Placken hindurch. Mit Motorrad geht das meistens. Ein PKW holperte in riesiger Staubwolke voran, und als sich der größte Dreck gelegt hatte, folgte ich. Heureka, es war gelungen.
Ziel erreicht!
Ein Arbeitskollege, der hier in der Nähe wohnt, hatte mir diesen Ort empfohlen. Gastronomie soll sehr gut sein (stimmt!), und der anschließende Campingplatz klein, familiär und erholsam (stimmte auch; bis auf die zwei Assis, die da direkt gegenüber des WC Gebäudes hausierten und jeden Besucher lautstark kommentierten - typische deutsche Malle-Gäste, permanent alkoholisiert und mehr als schlicht gestrickt).
Der Campingplatz hat einen eigenen Badesee, der aus einem ehemaligen Steinbruch resultiert. Das Gelände war Abbaugebiet gewesen.
Ich setzte mich auf die Terrasse der Gastwirtschaft. Die Bedienung brachte mir einen Sonnenschirm, was mir gut gefiel. Die Sonne hatte an Kraft gewonnen, und mir war ziemlich warm.
Wespen können die hier!
Weil ich einen Genießerurlaub machte, gönnte ich mir eine Steakpfanne. Vom Zeitpunkt der Bestellung bis zur Lieferung des leckeren Essens verging keine halbe Stunde. Aus der Küche vernahm ich das typische Klopfen, wenn ein Koch das Fleisch mit dem Hammer bearbeitet.
Knusprig gebraten mit einer leckeren Sauce Bernaise waren die drei Steaks, eine reichhaltige Portion Bratkartoffeln kamen dazu, und der Salat war teilweise selbst gemacht, nicht einfach lieblos aus dem Eimer geholt. Empfehlung.
Gesättigt machte ich mich auf zu einer Platzrunde. Der nette Campingplatzbetreiber saß an einem verblichenen Plastiktisch, und beäugte mich mitsamt seinen älteren Freunden neugierig, interviewte mich vorsichtig "Woher, wohin", und freute sich über mein positives Feedback seinen Platz betreffend. Es ist dort auch ein Camping-Faß zu mieten, aber leider war dort ein Dauergast eingezogen. Den besuchte ich, weil ich mal in das Innere der Unterkunft luschern wollte. Sah wirklich gemütlich aus. Der Gast schien so etwas wie ein Schriftsteller zu sein - er residiert dort bei gutem Wetter - und somit ist diese Unterkunft wohl leider nicht für mich geeignet. Bei Regen will ich nämlich nicht campen. Die Waschräume konnte ich nicht besichtigen, da braucht man einen Schlüssel. Aber das Gast-WC war sauber und roch auch nicht nach "oll".
Zurück beim Kiosk und beim Campingplatzwart erhielt ich noch eine Radwanderkarte von dem Gebiet. Auf der Karte konnte ich einen kleinen schmalen Weg entdecken, der mich aus der miesen Baustelle heraus führte. Den durfte ich sogar legal befahren, welch Glück!
Dann hieß es weiterfahren. Ich fand die Wege, die ich herausgefitzelt hatte. Weil ich keine Lust auf Bundesstraße hatte, bog ich ab durch den Wald. Hier waren die Straßen noch nicht wirklich gut gemacht. Landschaftlich wirklich wunderschön, aber dieser Straßenbelag ...
Ich machte auf der Hälfte der gesuchten Waldstraße eine Pause. Meine Rückenwirbel jammerten nicht mehr, die waren schon gestorben.
Dann kam ich in Emden an. Nicht in Ostfriesland, sondern in Sachsen-Anhalt ;-).
Weiter ging die Reise, der Verkehr wurde dichter. Dafür war die Straße besser. Der Feierabendverkehr war im vollen Gange. Jetzt hieß es für mich: Kilometer abarbeiten.
Bei Hötensleben machte ich eine erneute Pause. Spät war es geworden. So langsam wurde ich müde. Ohne besondere Vorkommnisse fuhren wir auf einer der Hausrunden in Richtung Heimat.
Fazit des heutigen Tages:
Ich habe die Tageskilometer nicht gezählt. Die Runde war schön, und wird morgen erweitert gefahren.
Die kleinen Dörfer sind einen Abstecher wert. In jedem Dorf gibt es etwas zu entdecken - kleine niedliche Dorfplätze, oder Besonderheiten wie z.B. die Klinzer Alpen. Laßt euch mitnehmen, morgen geht es weiter in der Region Drömling - Flechtinger Höhenzug.












Das ist spannend, solche Ruinen zu sehen. Hier in der Gegend ist auch so eine Ruine, die sieht sehr ähnlich aus. Das ist die Ruine Landskron, oberhalb von Oppenheim. Ich finde es faszinierend, wie gleich doch mitunter die Bauausführung ist, obwohl so viele Kilometer dazwischen liegen.
AntwortenLöschenEine schöne Tour, die Du da gemacht hast!
Oh - da kommt später noch etwas. Man könnte meinen, man wäre in Transsilvanien ;-) ...
LöschenIch bin auch schon gespannt!
LöschenDie Idee mit den silbernen Schuhen ist dermaßen klasse!!! Wenn ich mal 25 Jahre verheiratet bin, dann will ich silberne Motorradstiefel! :-D
AntwortenLöschenUnd in die Alte Schmiede, dorthin will ich mal essen fahren. Das ist so wunderhübsch (und ca 830 km entfernt...)!