Ellie und ich

Ellie und ich

Freitag, 22. März 2019

Das neue Fahr-Jahr - das neue Fahr-Jahr?

Nach langer Zeit wollte ich Ellie gestern endlich einmal wieder fahren. Ich baute die Batterie ein, dann folgte der Sichtcheck und die Kettenpflege. Ich hatte mal irgendwo im Netz gelesen, dass man nach dem Einbau der Batterie nicht gleich starten soll. Nun war eine halbe Stunde vergangen, diese Zeit mußte reichen.

Ich drückte den Choke nach vorne, den Zündschlüssel um - Licht ging schonmal an! - und drückte auf den E-Starter. Als wäre ich erst gestern in die Garage gefahren, startete die Maschine sofort. Ich ließ den Motor einige Zeit laufen. Die Auspuß-Gase rochen etwas merkwürdig. Ich schätze, das ist immer so, wenn man das Motorrad ungefähr ein halbes Jahr nicht bewegt. Fällt sonst bestimmt niemandem auf, aber ich bin halt sehr aufmerksam. Ellie ist sowieso fällig für die große Inspektion mit dem Wechsel sämtlicher Flüssigkeiten, Einstellen der Ventile, neue Zündkerze, neuer TÜV usw.

Dann stellte ich den Motor wieder aus und ging in die Wohnung hoch, mich vorschriftsmäßig anplünnen. Trotz Frühlingswärme traute ich dem Frieden nicht ganz, und verzichtete nicht auf die Sturmhaube und die warme Unterkleidung nebst Wollsocken. Das Winterfutter nahm ich allerdings aus der Hose heraus. Da mußte die lange Unterbüx reichen!

Als erster Unterschied zum CRümel fiel mir die aufrechte Sitzposition auf. Und natürlich die stärkere PS-Zahl. Ich mußte nicht ständig das Gas voll aufdrehen, damit "etwas passiert". Und Ellie ist so schön leise ... das ist ein deutlicher Unterschied zum Knötern vom CRümel!
Ellies Technik ist im Vergleich dann doch nicht so prall. Die Bremse könnte mehr greifen (vorne und hinten), dafür gingen die Gänge besser rein. Die Reifen sind schon ziemlich eckig - da fällt der CRümel irgendwie von allein in die Kurve. Helfen tut da auf jeden Fall der Austausch der Reifen.

Die Fahrt ansich war keine Freude, das sage ich euch. Was ist nur in dem halben Jahr Fahrpause mit der Menschheit passiert? Die heizen und drängeln, fahren Schlangenlinien (Handy am Ohr???), nehmen einem bei fast jeder Straße die Vorfahrt, und sind insgesamt ein großer Haufen Vollpfosten! Man kommt sich innerorts mit 60 km/h schon als Staatsfeind Nr. 1 vor, so wie diese Art von PKW-Fahrern gebärdet! Einmal verringerte ich mein Fahrtempo, weil an einem Zebrastreifen Kinder heranliefen. Da hupte mich dieser Depp von hinten an und fährt mir fast auf das Kennzeichen drauf.
Jetzt 'ne Knarre, fiel mir spontan ein!

Das kann doch nicht nur an der Uhrzeit liegen! Ich fuhr um 17 Uhr, also Feierabendzeit. Die meisten Volldeppen hatten ein Wolfsburger Kennzeichen. Schmächtige schräg sitzende Kerlchen oder Hausmütter-Typen in großen getunten Fahrzeugen (TROC ... wat für ein bekloppter Name) und wummernden Bässen von innen nach außen.

Nein, das hatte mir wirklich keinen Spaß gemacht gestern!

Eine Baustelle verleidete mir die gemütliche Randrunde, so daß ich verkehrt herum in die Einbahnstraße tuckerte und bei Gegenverkehr zwischen die rot-weißen Baken fuhr. Ätsch! Dann ging es doch noch ein Stück auf meine ruhige Hausrundenstrecke. Ich bog in einen schotterigen Feldweg ein. Zeit für einen Fototermin. Zeit, sich abzuregen.




Mal Daumen hoch für das Foto


In der Kurve zwischen Dettum und Wansleben, auf der Höhe Weferlingen, gaben sich die Rennsemmeln einen Kurventest. Auf den angrenzenden Feldern standen Rehe. In dieser Kurve war im letzten Jahr in den Morgenstunden ein Zweiradfahrer wegen Wildwechsel verunfallt.

Ich stand da und sinnierte vor mich hin. Mir tat mein rechter Unterschenkel weh - die Beinposition bei Ellie stimmt nicht. Beim CRümel tat mir der rechte Arm weh, wegen der ständigen Gasgebe-Notwendigkeit. Für eine Erleichterung hatte ich mir einen Klipp gekauft, den man auf den Gasgriff tut - die Bewertungen bei Tante Luise sind recht positiv. Das muß noch ausprobiert werden, und wird im CRümel-Blog erwähnt.

Liegt es an meinem Alter, dass mir diese Hetzerei zum Feierabend auf die Nerven geht? Bin ich doch eher der E-Bike-Typ geworden, der mit Kraftunterstützung auf stillen Feldwegen unterwegs ist und sich bewußt der lauten und nervigen Welt - und seinen Mitmenschen - entzieht? Denn seine Ruhe hat man wirklich nur noch auf den geraden Wegen, die sonst keinen interessieren. Und das zu Zeiten, wo andere vor der Glotze sitzen (Fußball-Weltmeisterschaften, Tagesschau, Karneval).

Denn eins ist mal klar: egal, wie schnell ihr hetzt, egal, wie schnell ihr fahrt, um zum Sport/zur Kita/zur Arbeit/nach Hause etc. zu kommen ... gewonnen habt ihr davon nur wenig. Der Streß, der dabei entsteht (und es ist Streß, nicht Adrenalin) tut nicht gut und vernichtet sehr viel von dem Guten, was "anschließend" folgen sollte.

Fazit:
Ungefähr 40 Kilometer Hausrunde.
 
Erholung sieht für mich anders aus. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie es weitergeht.





1 Kommentar:

  1. Du hattest Dir die falsche Gegend ausgesucht....kann passieren. Hier im Süden gibt's wunderbare ruhige Strecken.

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