Nach längerer Fahrpause folgt ein Lebenszeichen von uns.
Ellie wird zum Oktober umgebaut. Die Fußrasten werden versetzt, tiefer gepackt, und der Beinwinkel somit verändert. Das ist notwendig, weil ich durch eine Knieverletzung nicht mehr länger fahren konnte, ohne das ich am nächsten Tag ein Knie wie einen Ballon hatte.
Der Kostenfaktor ist recht beachtlich, weil auch der Umbau aufwändig ist. Deshalb verschiebe ich das auch auf das Saisonende. Das Weihnachtsgeld hilft da weiter.
Bis dahin fahre ich nur Kurzstrecken. Und ich meine wirklich kurz! Alles über 100 Kilometern ist nicht mehr möglich. Bei der Kreidler sitze ich anders drauf, da geht es besser. Wobei mein Knie dort dann durch das Gerüttel dick wird - aber ich sitze da besser *Ironiemodus*.
Bei der brutalen Hitze der letzten Wochen bin ich eh lieber zuhause geblieben. Ab 30 Grad bin ich nicht mehr mit dem Motorrad unterwegs.
Die letzte große Tour machte ich Pfingsten. Da ging es einfach der Nase nach, ohne große Pläne. Schön war's!
Die grobe Richtung war der Tagebau Harbke, bei Schöningen. Hier gibt es auf meiner Karte Linien, die ich noch nicht befahren habe. Das ist immer für Überraschungen gut. So auch dieses Mal. Bei Nässe werde ich so einen Weg nicht fahren wollen. Blaubasalt ist wie Schmierseife! Ich tauchte ein in ein kleines Wäldchen, der bröselige Asphalt ging in Kopfsteinpflaster über.
Den schmalen Weg entlang gefahren, hörte ich unter mir in einer Senke Einzylinder Geräusche. Zeit für eine Pause.
Der Fahrer und seine Partnerin kamen später den Hang hoch gestiefelt und wollten mal schauen, wer sie da fotografierte. Sie hätten in der Vergangenheit Ärger mit Fremden gehabt, die sie beim Landkreis angezeigt hätten. Obwohl sie die Grube gepachtet haben, für Enduro Training und -Turniere.
Ich konnte sie beruhigen. Der junge Mann erzählte von seinen Erfolgen beim Gelände-Crossen. Er wird aber aufhören, da er sich schon soviel und so oft verletzt hatte. Und nun ja in wenigen Monaten Vater wird. Da macht sich ein Halsbruch nicht wirklich gut.
Dann zeigten sie mir noch eine Attraktion aus vergangener Zeit: ein verlassenes Schwimmbad. Ein "Rotten Place", was nur Einheimische kennen. Und jetzt wir.
Das Gebiet hat wirklich noch Überraschungen parat. Ich staune immer wieder.
Die Runde ging weiter. Ich ließ mich treiben ...
Die Wirtschaftswege sind nur teilweise gesperrt. Manches Mal sind sie auch reguläre Zubringer"straßen". Hier hat die Landwirtschaft Vorfahrt. Man tut gut daran, das zu bedenken. Deren Bremsweg ist nämlich um ein vielfaches länger als der eines PKW!
Wir fuhren an Feldern voller Mohn- und Kornblumen vorbei. Es ging durch mittagsträge Dörflein, wo sich höchstens der Dorfkater zeigte. Es war Sonntag und die Gegend fast ausgestorben. Mir gefiel das.
Hier kann man für 59.000 Euro Verhandlungsbasis ein Gutshaus kaufen. Wer also Interesse hat ...
Ich suchte mir Wege aus, die auf meiner Karte nur schmale schwarze Striche waren. Das kam dabei heraus:
Wenn man im Osten das Schild "Straßenschäden" sieht, dann ist das noch eine Nummer härter als die Schäden, wie wir Weichwessies haben. Dort sind Straßenschäden wirkliche Kreuzbrecher und man sollte die Schilder nicht nur als "Richtlinie" sehen, sondern ernst nehmen. Aus heiterem Himmel kann man da auf Schlaglöcher treffen, in denen sich ein mittelgroßer Hund komplett verstecken kann.
Eine interessante Absperrungssicherung war auch zu entdecken - hier kommt wohl Telefon hin. Die Kabel lugten unten aus der Erde.
Mit Backeband läßt sich so ziemlich alles bewerkstelligen!
Mir war warm, und die Trinkflasche war jetzt auch leer. Zeit für eine Orientierung: Wo war ich?
Irgendwo da, wo der Schlüssel hinzeigt. Gar nicht weit weg von einem perfekten Ausflugsziel!
Während ich begeistert schmauste, raste ein behaarter kleiner Wicht um mich herum. Und wenn ich sage "raste", meine ich damit extrem schnell wuseln!
Der kleine bepelzte Kerl war eine Raupe. Und zwar eine richtig große! Die ließ sich sehr schwer
fotografieren, weil sie ständig aus dem Scharfstell-Modus der Cam heraus
wuselte. Nicht nur mein Handy begleitete dieses emsige Tierchen. Keiner tat ihm etwas zuleide, sogar die anstrengenden Kinder am Nebentisch hielten sich zurück. Später bekam ich ein altes Ehepaar an meinen Tisch, und wir unterhielten uns von Zeit zu Zeit über unsere Teller hinweg. Die Spatzen lärmten auf der Regenrinne, und schwere Landmaschinen fuhren von Zeit zu Zeit über die Brücke. Die Anhänger waren mit großen Rundballen beladen. Futtervorräte. Die Staubwolken am Horizont zeigten, wo die Ernte stattfand. Bei der trockenen Witterung brauchte es nicht lang, bis das Heu soweit war.
Satt
und vollgefuttert ging es für mich gemütlich zurück - ich ließ mir Zeit, und genoß das Cruisen.
Bei Uhry traf ich ein
Rudel Rehe, die am Straßenrand standen und sich nicht einig waren, ob
sie auf die Straße springen sollten oder nicht. Rehen traue ich nur so weit wie ich sie werfen kann! Ich hatte keine Eile,
hielt an und stellte den Motor ab. Sie hopsten dann im Eiltempo zurück
auf das Feld.
Ein schöner Fahrtag ging zuende.
Damit
ich weiter solche Fahrten erleben kann, werde ich den Umbau machen
lassen. Falls sich jemand berufen fühlt, uns eine Spende zukommen zu
lassen, kann er oder sie sich gern vertrauensvoll an mich wenden. Umso
eher folgen neue Berichte. Und zwar welche von weiter entfernten Zielen.
Weil ich dann ja wieder länger unterwegs sein kann :-)
Kurzzeitig hatte ich daran gegrübelt, ob ich Ellie verkaufen und mir ein bequemeres Motorrad suchen sollte. Ich hatte dann aber keine Lust auf das Ausprobieren der anderen Modelle. Bei Ellie weiß ich die Macken und die Vorteile. Da sie erst 79000 Kilometer auf dem Tacho hat, immer gut gepflegt wird und ich auch die Serviceintervalle einhalte, dürfte der Motor mich noch einige gute Jahre begleiten.
Ellie und ich
Mittwoch, 31. Juli 2019
2 Kommentare:
Danke für Deinen Kommentar. Er wird so schnell wie möglich von mir freigeschaltet, wenn er den Datenrichtlinien entspricht. Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Das war vor der neuen Datenschutzverordnung auch so, nur interessierte das sehr viele einfach nicht. Nun müssen wir Blogger euch aber davor warnen. Tue ich hiermit. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung -siehe: Impressum
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Ich hänge auch an meiner Tengai...auch wenn sie wirtschaftlich nicht mehr tragbar ist, hergeben?....Neee...
AntwortenLöschenEine Motorrevision würde mehr kosten als ich damals für sie bezahlt habe. Aber im Augenblick läuft sie noch, und never change a running system...
Genau - never change ... Ich habe wirklich lange überlegt. Für 2-3000 Euro bekommt man ja schon eine Auswahl an Motorrädern. Gute gebrauchte. Mich schreckten aber die eventuellen Folgekosten ab. Weiß ich denn, was der Vorbesitzer heruntergehobelt hat? Das zeigt sich erst beim Gebrauchen.
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