Ellie und ich

Ellie und ich

Montag, 17. Juni 2013

15. Juni 2013 - eine Runde nördlich der A2, Wasserschloß Flechtlingen

15.6.

Um 6 Uhr aufgestanden, den Käfigtag (Meerschweinchengehege säubern und Wohnungsputz) gut erledigt - und um 13 Uhr ging es dann los.

Eine Tour wollte ich mal wieder machen.
Nördlich der A2 - Richtung Flechtlingen. Dort gab es laut Google Maps ein Wasserschloß. Das wollten wir uns mal anschauen. Den Horizont erweitern, keine gewohnten Strecken, sondern mal wieder Abenteuer erleben.

Frohen Mutes also um 14 Uhr auf die Maschine. Ellie frisch geputzt, und blinkend auf der Bahn. Eine Augenweide.
Das Wetter war herrlich. Nicht zu warm (20°), ab und an eine kühlende Wolke, leichter bis mittelstarker Wind. Ich hatte ein gutes Fahrgefühl.
So ging es zunächst einmal über die kleinen Dörfer Schickelsheim, Groß Steinum, Süpplingenburg. Es war recht wenig Verkehr, so daß sich das Reisetempo bei 80-90 km/h einpendelte.
Von Süpplingenburg nach Barmke waren leichte Kurven zu fahren. Ab und an begegneten mir jetzt andere Motorradreisende - wie wir waren sie ebenfalls gemütlich unterwegs.




Weiter ging die Tour unter der A2 hindurch Richtung Mariental, wir bogen allerdings oberhalb dann nach links ab und fuhren ein schönes Stück durch den Wald. Eine Truppe anderer Motorradfahrer kam von hinten angebraust. An der nächsten Kreuzung konnte ich mir die Truppe begucken. Kurvenhatzer aus WOB, meist mit Sozia hinten drauf.
Hach wie schön, dass DIE Zeit der Sozia für mich vorbei ist!
Ich darf selber entscheiden, wann ich mich wie in welche Kurve lege :-).

Im nächst größeren Ort namens Grasleben drückte meine Blase, und ich hielt an einer kleinen freien Tankstelle. Im Wald pinkeln ist jetzt zur Zeckenzeit keine Option mehr für mich. Diese kleinen Biester können einen sterbenskrank machen und das möchte ich kein zweites Mal so erleben müssen!
Wer die Gefahr dieser Mistviecher unterschätzt, ist dumm. Bleibt auf den Straßen, auch beim Pause machen. Mädels, oder Jungs - besser nicht in den Wald. Zecken sind so klein, aber ihre schädliche Wirkung auf eure Gesundheit ist so lebensgefährlich ...



Freie Tanke. Klein und streßfrei.








Hier ging es gemütlich und familiär zu - auch die Kunden waren erfreulich entspannt.
Eine superfreundliche Säggssch-Angestellte begleitete mich den Weg durch die Werkstatt bis zu einem urigen Toiletten-Kabuffchen, was aber blitzeblank und nett dekoriert war. Der erste Eindruck trügte also.

Auf dem Rückweg sah ich ein Angebot aus der Region auf dem Tresen - saftige knallrote und süß duftende Erdbeeren. Ich mußte einfach eine Schale mitnehmen. 
Gesunder Snack! Und kein Vergleich zu dem Supermarkt-Schrott - das hier waren Erdbeeren, so wie sie sein müssen - Saisonale Schätze!
Nix Spanien! Nix rot angestrichene Zitronen!
Sowas macht mich glücklich. Erdbeeren ohne Schnickschnack, ohne Zucker, ohne Sahne, ohne Eis - einfach so, aus der Schale ab in den Mund!


Gesunde Beute! Und Heike strahlt!




Rot, röter - Erdbeerrot - süß und super lecker!




Viel zu schnell war die Schale leer. Eine zweite wollte ich nicht kaufen, weil ich mir nicht sicher war, wie die Erdbeeren die Fahrt überstehen würden.

GUTE ENTSCHEIDUNG

Denn was jetzt folgte, war einfach grottenmäßig und echt rückenunfreundlich.


Rote Blitze kennzeichnen die Horrorstraßen ... klickt drauf, dann wird der Weg deutlicher ...


Zwischen Grasleben und Weferlingen herrliche Waldstücke - und absolut beschissene Landstraßenbelege. Sowas hatte ich selbst auf den alten Panzerstraßen, die ich mal in der letzten Saison bei Osterwiek erkundet hatte, noch nicht erlebt.
Faustgroße Löcher im Asphalt. Der Asphalt mosaikmäßig geflickt. Ein Schild "Achtung Fahrbahnschäden" gab nicht einmal ansatzweise wieder, WIE mies die "Straße" war. In Weferlingen dachte ich noch, das wäre es jetzt gewesen. Im Ort war die Fahrbahndecke hervorragend.
Aber kaum waren wir wieder draußen, ging die ganze Scheiße von vorne los und wurde immer übler.
Ellie hopste und knackte, und mein Rücken stöhnte.
Mehr wie 50 km/h war einfach nicht drin. Ich schwitzte wie verrückt, und wollte da einfach nur weg.

Weferlingen, Siehstedt, Bensdorf, weiter durch herrlichen Wald und über höllenmäßige Straßen - bis endlichendlich Flechtingen erreicht war.
Wenn ich mir überlege, wie nett die Dörfer zurechtgemacht waren - Gemeindekasse - und wie übel die Landstraßen - Landkasse - dann ist ja klar, wo die Gelder gelandet sind ...

Leute Leute - ich plädiere für eine Wikipedia-NAVI-Landkarte - ich würde da nicht gerade zimperlich umgehen mit meinen real erlebten Beschreibungen!!!

Hier mal die Karte, wie ICH es erlebte:


Der Horror ging nach Flechtingen gleich weiter, aber dazu dann weiter unten im Bericht ...


Flechtingen also.
Flechtingen umrundet, und am Kurhaus auf einem gut gebauten Parkplatz angehalten.
Aha - wieder gut angelegte Gelder ...

Die Sonne knallte jetzt ordentlich, es war kurz bei 15.30 Uhr.
Der Blick auf das Wasserschloß war wirklich einmalig!






Ich als Hamburgerin mußte natürlich erstmal gucken, was das für ein Wasser ist; es ist nass, ja, und es gibt da keine Muscheln ... also langweilig! 


Es folgte ein Spaziergang zum Wasserschloß. Die Bewegung tat mir gut, ich war so kreuzlahm gerüttelt ...


Das Wasserschloß war leider eine Bauruine, was so aus der Ferne nicht ersichtlich war. Später erfuhren wir, dass dort seit 13 Jahren herumgewerkelt wird, aber dieser Kasten verschlang bis heute schon 30 Millionen und war ein Faß ohne Boden. Es wurde in der Anfangsphase viel gestohlen, so dass die Burg jetzt geschlossen ist.







Etwas zur Geschichte der Burg ... Biografie E. von Schenck - klick!

Direkt neben dem versperrten Eingang gab es ...




... das Torhaus.
Ein kleines und liebevoll restauriertes Restaurant, welches wir im Keller fanden. Der Gewölbekeller ist eine ehemalige Waschküche gewesen, und ein Ehepaar aus dem Münsterland betreibt das Restaurant hier nur am Wochenende.
Das Torhaus hatte einen Garten - und dieser Ruheplatz entschädigte uns für die miese Anfahrt!





Das Torhaus steht unter Denkmalschutz; die Besitzer haben auch den Turm mit den Zinnen in Eigenarbeit restauriert, so wie das Denkmalamt es gerade noch genehmigte ... alt und modern, gekonnt inszeniert



Blick aus dem Kaffeegarten auf die teure Bauruine; die meisten Fenster sind nur Attrappen






Meinereiner wieder glücklich - hier gefällt es mir sehr gut



Frisch und selbstgebacken - Rhabarber-Pfirsich-Streuselkuchen, und Kännchen für die müden Kaffeedurstigen; 12,- Euro für alles sind nicht gerade günstig, aber man bezahlt ja den Ausblick mit - Schnitzelindex á la Svenja: gehobener Standard
Für den Besucher, der das besondere liebt; das Torhaus ist DER Renner für Gesellschaften und hat auch ein exzellentes Speisenangebot




Mjammi - starker Kaffee, und lecker Kuchen




Borps - ich bin ziemlich vollgefressen - das liegt BESTIMMT nuuur an den Erdbeeren! Isch schwööör




Ich glaube, die Hose ist soeben irgendwie eingelaufen - komischer Zufall ...

  
Ich chillte in Gemütlichkeit. Sehr heimelig dort, dieses schattige Plätzen mit dem Ausblick auf dieses gewaltige Burggebäude. Kaum vorstellbar, dass das so eine Ruine war ... die Fassade gaukelte dem Betrachter etwas anderes vor!
Anschließend folgte ein Verdauungsspaziergang rund um den Burgsee ...






Ein kleiner Begrüßer am Kaffeegarten, direkt gegenüber vom Torhaus; andere See-Seite






Kanone auf das Schloß gerichtet - na ich weiß ja nicht, wie sinnvoll DAS sein soll ...




Dramatisch, dramatisch - Endzeitstimmung am Himmel - was für ein Foto!





Informationen zum Park um das Wasserschloß - Wald, Park, See - Luftkurort Flechtingen


Ich stand da an der Brüstung, und schaute auf das Schloß. Ich malte mir aus, wie das wäre, wenn ich GANZ viel Geld hätte.
Also mit Sicherheit würde ich die Kohle in ein BIKERHOTEL da in der Burg investieren. Ich sah schon die Kolonnen über den Torweg donnern, und hörte förmlich, wie die Motoren im Burghof die Glasfenster zum Zittern bringen ...

Es ging weiter. Die Moppeds standen noch brav da, wo sie abgestellt waren. Am Kurhaus fand eine Feier statt, und so wie das aussah, eine Abi-Feier "in elegant".
Pickelige Halbstarke in Vaddis Golf, angeplünnt mit Anzug und Hemd, und die Mädels in abenteuerlichen Kleidern - waren sie das totale Kontrastprogramm zu MM und mir.
Und andererseits ich Biker, fliegenbesprenkelte Kluft, die Freiheit unter dem Dubs - um nichts in der Welt hätte ich an dem Nachmittag mit so einer klimatisierten Blechdose tauschen mögen ...

Es ging so langsam Richtung Heimat.
Seufz ... wieder über grauenvolle Landstraßen in grandiosen schattigen Waldgebieten. Das bekam ich alles nur am Rand mit - ich war vollauf damit beschäftigt, das Wildpferd unter mir zu bändigen. Ellie mal bockig - so kannte ich sie bislang nicht.

Es ging über Ivenrode und Bregenstedt Richtung Alleringersleben und Marienborn. Irgendwann war da eine Umleitung, und meine Karte versagte. Ich hielt an, und wußte nicht mehr weiter. Mir reichte es jetzt, und ich wollte einfach nur noch nach Hause.
Der Ort Marienborn hatte schöne Gemäuer zu bieten, an denen ich gerne angehalten hätte. Aber mein Rücken machte nicht mehr mit.
Nach Hause, in die Badewanne - auf dem schnellsten Weg. Ich war so kaputt, ich hätte sogar jetzt ein Stück A2 in Kauf genommen ...

Außerdem drohte von links ein Gewittergebiet.
Ich schaute mehrfach nach links - das rollte bedrohlich schnell auf mich zu. Es ging jetzt auf dem kürzesten Weg nach Helmstedt, ich mußte in Harbke noch einmal anhalten (Pippipause zwischen Gartengaragen; mein rechter Unterschenkel piesackte mich mit ständigen Krämpfen), dann ging es durch einen Kreisel, an Helmstedt vorbei, und dawar schon die B1 Richtung Heimat.

Kurz hinter Helmstedt erwischte es mich dann. Das Gewitter kam runter. Nach nur 5 Minuten hatte ich Wassereinbruch in den Stiefeln, im Schritt und an den Schultern. Meine Lederhandschuhe waren im Bruchteil einer Minute durch, und mein Visier beschlug.
Was mich aber am meisten ärgerte, war, dass meine frischgeputzte Ellie dreckig wurde. Ich hasste den Osten Deutschlands wieder einmal aus tiefstem Herzen - wären die Straßen nicht so grottig gewesen, wären wir sicherlich schon viel früher zuhause angekommen - vielleicht auch nicht, aber irgendwer MUSSTE jetzt einfach mal schuld haben, so!

Wie um mich zu ärgern, versammelten sich sämtliche Trecker der Umgegend auf meiner Fahrspur. Das Wasser stand handbreit hoch auf dem Asphalt, aber ich überholte trotzdem. War nicht besonders klug von mir, nur konnte ich nicht anders. Ich hatte in dem Moment die Schnauze gestrichen voll von der Tour.

Kaum kamen wir in Königslutter an, kam die Sonne raus, wie um mich zu verhöhnen. Ich fühlte mich reichlich inkontinent mit meiner nassen Unterhose, aber irgendwie war die Situation jetzt trotz allem lustig.

Zuhause angekommen, konnte ich nicht schnell genug aus meiner tropfnassen Kombi kommen. Die Hose klebte an den Oberschenkeln, und beinahe wäre ich noch auf die Nase gefallen bei dem Versuch, das Zeug runterzuzerren.

Ich hatte quatschnasse Socken. Die Halbstiefel von Alpine Stars, kaum ein Jahr alt, sind fürn Arsch.
Zuhause hatte ich noch Daytona Stiefel zum Ausprobieren - allein der Preis hatte mich so geschockt, dass ich sie noch nicht angezogen hatte.
Alpine Stars Stiefel: 99,- Euro. Daytona Stiefel 299,- Euro. Ich werde den Gürtel enger schnallen, und mir die Daytona jetzt doch kaufen. Da ist wenigstens halbwegs sicher, dass ich gute Ware bekomme!
Die alten Alpine-Stars werde ich jetzt nur noch bei Sommersonne nutzen können. Insofern war der Regenguß ein guter Test.
Auch die Sommerkombi hatte ihren Dienst versagt. Da hat Louis sich nicht mit Ruhm bekleckert. Goretex Membrane verlängert nur den Zustand des "nass werdens". Aber ich finde, 20 Minuten im Regen müßten auch DIE Klamotten hinkriegen!

Ein heißes Vollbad entspannte meine durchgeschüttelten Gräten dann so einigermaßen.
Ellie trocknete in der Garage - der Straßendreck hielt sich in Grenzen, es war überwiegend Blütenstaub-Pampe. Darum würde ich mich dann morgen in aller Ruhe kümmern!
Um 23 Uhr fiel ich ins Schlafkoma, und wachte die nächsten neun Stunden nicht einmal mehr für eine WC-Pause auf ...



Hier die Tour noch einmal in Gänze ...



Fazit:

Um 14 Uhr gestartet, etwa um 19 Uhr wieder angekommen.
Die Gegend da oben nördlich der A2 ist landschaftlich wirklich schön. Nette Dörfer, interessante Bauwerke und herrliche Waldgebiete.
Mit dem Auto sicherlich ein Genuß.
Mit dem Motorrad zu erfahren für mich kein Wunschgebiet mehr.

Im Rückblick betrachtet überwiegen die schönen Erinnerungen.

6 Kommentare:

  1. Schöne Gegend, deine Gegend.

    Wieviel Ka_emmchen seit ihr gefahren?

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  2. @Funny - was bedeutet Kämmchen fahren?

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  3. LOL
    Ach sooo - hm, ich schätze, es waren so 130 km ... genau habe ich nicht auf den Tacho geachtet, er war ja so nass und die Sicht eeetwas verschwommen ;-)

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  4. Danke Herbert :-). Mittlerweile habe ich im Osten Deutschlands soviele miese Straßen befahren, dass ich diese Strecke nur müde lächelnd nachlese ;-).

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