11.7.2015
Ein netter Trip in die Uelzener Gegend stand am Wochenende an ... Vulcanier Freunde hatten zum freiluftigen Geburtstags-Stammtisch eingeladen. Das Wetter paßte - zumindest auf der Hinfahrt.
Ich fuhr mit mäßig bestückten Satteltaschen (Ersatzschuhe, Regenkombi, Zelt-Groundsheet, Handfeger), kleiner Ortlieb-Tasche (in der war mein Kleinkram wie Luftmatte, Kissen, Waschkrams, Wäsche und so weiter), dem Klappzelt und dem Winterschlafsack bewaffnet in Richtung Uelzen los.
Der Winterschlafsack ist bei über 10° wirklich zu warm, aber das können wir jetzt noch nicht wissen ...
Im Tankrucksack befand sich meine neue Akku-Luftpumpe. Das Teil ist für Leichtgepäck-Liebhaber nichts. Es wiegt schon ganz ordentlich, weil es auch ordentlich Leistung hat. Ich wollte aber eine mit Akkubetankung haben, denn andauernd Batterien nachkaufen muß auch nicht sein. Ich hatte die Pumpe vorgeladen erhalten, sie seitdem 3x benutzt und die Leistung ist immer noch da. Strom würde ich auf jedem Campingplatz bekommen, insofern ist die Versorgung der Akkus auch gewährleistet.
Sollte ich jemals in die echte Botanik reisen, muß es halt wieder Luft aus der eigenen Lunge sein. Eine selbst aufpustende Schlafunterlage reicht mir nicht aus - und die, die meinem Rücken von der Höhe her gut tun, sind indiskutabel vom Packmaß her. Meine jetzige ist federleicht, kaum größer als eine Handtuchrolle, muß aber eben aufgepustet werden.
Das Gepäcksystem war wie vorher schon festgestellt perfekt geeignet, um überall Spanngurte anzubringen. Lieber einer mehr als einer zuwenig, ist mein Motto ...nichts ist ätzender als wenn man unterwegs das Gepäck verliert.
Über nette Seitenwege ging es am Mittag geruhsam aus dem Speckkreis von Braunschweig heraus, ins Gifhorner Land, und fast ohne Autoverkehr konnte ich mich ganz auf das Fahren konzentrieren.
Das tat auch not. Ich war etwas eingerostet, was das längere Tourenfahren anging.
Auch das auf-sich-allein-gestellt-sein war in der letzten Zeit zu kurz gekommen - ich war schlichtweg faul geworden! Immer nur im direkten Umfeld herumgefahren, und keine kleinen eigenen Abenteuer mehr wahrgenommen. Das hat mich eben faul und ein Stück weit auch nachlässig werden lassen. Eine lästige Unzufriedenheit hatte sich ebenfalls eingeschlichen.
Diese Tour von knapp 145 Kilometern war eine gute Übung, mal wieder die alte Einheit Ellie-Heike zu trainieren, und die innere Mitte wiederzufinden. Möge das Abenteuer beginnen.
Wir fuhren, genossen den Weg, die Fahrt durch die blühende Sommerlandschaft. Ich saugte die Eindrücke geradezu in mich hinein. Kilometer für Kilometer wurde meine Seele wieder lebendiger. Das alte freudige Fieber stellte sich wieder ein!
Irgendwo in der Landschaft machte ich eine Pause, "damit die Seele hinterher kommen konnte". Ein Schluck aus der Wasserflasche, ein Müsliriegel, einige Fotos schießen ...
Kleine Pause in einem Seitenweg ...
Düker ... was das ist, könnt ihr HIER nachlesen: KLICKKLICK
Ich fuhr wie üblich nach Papier-Karte. Einen Navi habe ich zwar, aber nur für die Orange. Notfalls würde mein Smartfone über Google Maps auch helfen, wenn ich überhaupt nicht weiter wissen würde.
Ein Stück weit kam ich mir schon ziemlich vorsintflutlich vor. Heutzutage hat doch so ziemlich jeder Zweiradfahrer einen Garmin oder Tomtom oder wasauchimmer ...
Ohne Streß und total entspannt hielt ich an Bushalte-Buchten, wenn ich mir nicht mehr sicher war über den Verlauf der Route. So tuckerte ich gemächlich von einem Heidedorf zum nächsten. Und entdeckte Routen, die ich in Deutschland nicht mehr vermutet hätte: Singel-Tracks, mittenmang durch die Landschaft - rechter Hand endlose Kartoffelfelder, linker Hand Nadelwald. Bei Svenjas Tour zum Nordkap war eine Passage zu finden, wo sie durch Finnland fährt. Genau an diese Beschreibung und die Fotos davon erinnerte ich mich, als ich diese kleinen Wege befuhr.
Und das beste daran: gleich bei mir um die Ecke, und auch noch legal zu befahren!
Erst lange geradeaus, dann mitten im Wald eine scharfe Kurvensequenz, rechts und links im Wald folgten Teiche, mit blühenden Seerosenfeldern bedeckt ... hier erwartete mich auf jedem Kilometer eine andere kleine Nettigkeit!
Kartoffeln im natürlichen Wuchsgebiet - Heidekartoffeln aus dem Heideboden ... welche Sorte das hier war, konnte ich nicht herausfinden
Fasziniert beobachtete ich den Belagwechsel bei Räderloh (das Dorf, wo meine Kollegin mit ihrem Pferd Urlaub macht - Räderloh ist Pferdeparadies - was man auch an den zahlreichen Hinterlassenschaften auf der Straße erkennen konnte). Asphalt auf Kopfsteinpflaster geklatscht, stellenweise heruntergefahren, und bei Regen sicherlich keine wahre Freude. Aber da ich im Osten Deutschlands schon sooo oft solche Beläge gekapert hatte, machte mir das keine Sorgen mehr.
In Unkenntnis eines schöneren Weges nahm ich von Sprakensehl bis Uelzen-Nord die B4. Himmel hilf, war DAS ätzend nach der schönen Tuckerei über die Dorfstraßen! Auf dem Rückweg würde ich definitiv andere Wege nehmen, grummelte ich in den Helm hinein.
Es war Samstag, es war nachmittags, schönes Wetter - warum waren die Menschen nur alle so epicht darauf, mit Überschallgeschwindigkeit irgendwohin zu rasen ...
Gegen halb vier am Nachmittag, knapp 3 Stunden nach Aufbruch von zuhause, kam ich bei den Freunden an.
Frech wie ich war, fuhr ich Ellie in die vorhandene Garage. Hier war sie geschützt vor der Natur. Erst am nächsten Tag merkte ich die Weisheit meiner Entscheidung ... aber dazu später!
Es folgte die Begrüßung der schon Anwesenden, Kaffee, Kuchen, Schwätzen, und dann kam der Zeltaufbau. Da im eigentlichen Garten ein riesiges Festzelt aufgebaut war, schwante mir Übles in bezug auf Nachtruhe. Also bat ich um ein Plätzchen im Vorgarten. Und bekam die Erlaubnis.
Das Klappzelt von Louis ist perfekt geeignet für kurze Reisen - es geht wunderbar schnell aufzubauen, ist für eine Person plus Gepäck genau richtig dimensioniert und hält sogar etwas Regen ab. Bei Dauerregen würde ich gnadenlos darin absaufen - das ist einem Bekannten mal so passiert.
Eine herrliche weiche Rasenfläche bot sich mir ebenfalls, die Heringe gingen wie durch Butter in den Boden. Das sich hier ganze Völkerscharen von schwarzen, nicht beißenden, aber trotzdem lästigen Ameisen herumtrieben, würde ich erst später bemerken.
Unterlage: eine Bundeswehr-Plane, günstig bei Ebay erstanden
Die anwesenden Rasenbewohner wunderten sich über die Dunkelheit über ihren Köpfen und schauten recht bald nach der Ursache - weil sie sich keinen Reim daraus machen konnten, riefen sie ihre gesamte Verwandtschaft zur Beratung dazu ...
Die anwesenden Rasenbewohner wunderten sich über die Dunkelheit über ihren Köpfen und schauten recht bald nach der Ursache - weil sie sich keinen Reim daraus machen konnten, riefen sie ihre gesamte Verwandtschaft zur Beratung dazu ...
Blick aus dem Zelt - auf einen kleinen Abflußgraben und den Dorfteich - Idylle für die Augen, und morgentlicher Schattenplatz zum geruhsamen Ausschlafen - so war mein Plan ...
Direkt hinter dem Gartenzaun, außerhalb vom Foto, lag eine Dorfstraße, die in der Nacht stärker befahren war als mir lieb war - die Scheinwerfer glitten ständig über das Zelt und weckten mich wegen der Flut-Beleuchtung/Fernlicht - dank Schlafmaske konnte ich dann aber doch einige Ruhestunden finden
Was für ein schönes Fleckchen war das hier!
Ist das nicht ramontisch?
Der Geburtstagsfrau wurde eine Ballonfahrt geschenkt. Ein Bollerwagen bestückt mit lauter Luftballons wurde ihr Fahrzeug. Sie mußte sich zunächst in Wintersachen plünnen, denn "oben in der Luft ist es ja bekanntlich sehr kühl!"
Lauthals Happy-Birthday singend begleiteten wir die warm eingepackte Probandin um den Dorfplatz herum.
Verrückt? Nein - einfach eine herrlich komische und liebevoll neckende Idee von ihren Stammtisch-Freunden!
Der Grill wurde angefeuert, und die Gäste futterten sich durch die Leckereien: Unmengen an Fleisch, Würstchen, Salate und Kuchen. Das Partyzelt füllte sich, und an den Tischen klönte jeder mit jedem. Es folgte ein Gruppenfoto von der großen Truppe mitsamt den anwesenden Gästen und Neuzugängen. Ein Besucher kam aus Korbach bei Kassel angereist, nur für den Abend! Das hat uns alle nachhaltig beeindruckt! Er wollte nicht über Nacht bleiben, sondern fuhr am gleichen Abend wieder heim. Noch einmal: wir waren beeindruckt!
Gegen 22 Uhr waren die meisten wieder abgedüst. Ein kleiner Trupp gruppierte sich noch auf der Terrasse und konnte kein Ende finden. So langsam wurde ich müde, und gegen Mitternacht verzog ich mich dann in das Zelt.
Bis ich mich zurechtgewurschtelt hatte, verging einige Zeit. Ich liebe diesen Moment, in dem mir bewußt wird: ich liege weitab von zuhause in dem kleinen Haus-auf-Zeit, mit einem Minimum an Sachen um mich herum. Mit wie wenig man auskommen kann, sinnierte ich vor mich hin. Eigentlich belastet Besitz einen mehr, als man sich vorstellen kann. Mal eine Zeitlang raus aus allem Komfort (okay, Akkuluftpumpe ist jetzt nicht unbedingt Nicht-Komfortig ...). Mal eine Auszeit nehmen, ganz bewußt.
Wo das Zubereiten einer Mahlzeit nicht auf einem E-Herd gemacht wird, sondern in einer kleinen Bratpfanne. Auf einem kleinen Gaskocher. Irgendwo auf einer Wiese.
Aussteiger auf Zeit. Das wird zunehmend schwieriger in unserer hochmodernisierten Zeit. Aussteigen mit Google Maps Abfrage, mit Check des Regenradars ... eigentlich schon wieder viel zuviel Technikschnickschnack dabei!
Die Luftmatratze hatte etwas nachgelassen. Ich pustete sie wieder straff auf, und hoffte darauf, am nächsten Morgen nicht auf dem nackten Boden aufzuwachen ...
Kaputt konnte sie nicht sein. Vielleicht hatte ich den Stöpsel nicht richtig geschlossen ...
Irgendwann nach all der Grübelei war ich dann endlich in einen unruhigen Schlaf gefallen - also alles so wie immer, wenn ich die erste Nacht in der Natur bin. Ich brauche immer etwas, um mich auf Neues einzustellen ... da hilft dann, es öfter zu probieren!
Fazit:
So eine Aktion unbedingt wiederholen!
Der Augusturlaub ist wie geschaffen, diese Art von kleinen Abenteuern neu zu beleben. Mal eine oder drei Nächte irgendwohin fahren, wo ich noch nie war.
Sollte etwas brauchbares dabei herauskommen, werde ich im Blog berichten.

Diese B4 ist echt die Hölle! Ich fahre da manchmal mit dem Auto entlang, wenn ich nach Uelzen zur Verwandtschaft will und nicht auf der Autobahn weiter möchte. Es steht da zwar was von wegen keine LKW, aber das stört die Meisten nicht. Wenn ich für jeden Laster dort fünf Euro bekommen würde, der mir da entgegenkommt und nichts zu suchen hat dort, müsste ich nicht mehr hier sitzen...
AntwortenLöschenGerade in Norddeutschland, und je weiter nördlich man kommt, desto mehr, findet man tolle supereinsame Sträßlein, die absolut legal zu befahren sind. Da solltest Du unbedingt einmal Dich auf Expedition begeben!
Wo denn in Nord-D? Kannst mir da Geheimtipps geben?
LöschenIn Schleswig Holstein findet man jede Menge solcher Strassen! Zum Beispiel in der Nähe von Segeberg, bei Wensin und auch weiter oben, in der Nähe von Heiligenhafen. Man kann da wirklich weite Strecken auf kleinsten Sträßlein zurücklegen.
LöschenStatt der schweren Akku-Pumpe: Vielleicht gibt es ja ein leichteres Zigarettenanzünder-Modell? Ab in die Bord-Steckdose und los geht's.
AntwortenLöschenBei mir geht trotz Navi nichts über Kartenmaterial. Das macht einfach mehr Spaß und sich verfahren tut ja nicht weh (auch wenn Männer das meinen...). Dann wird halt nach dem Weg gefragt und man (Frau) bekommt noch einen netten Schnack mit den Eingeborenen.
Tja. Ellie hat keine Bordsteckdose :-)
AntwortenLöschenEasy peasy: Einfach zu montieren, Steckdosen dafür gibts bei Tante Louise oder Prolo.
LöschenLiebe Heike,
AntwortenLöschensoltlest du dich für eine Luftpumpe für die Bordsteckdose entscheiden, so gebe ich dir den Tipp mit auf den Weg: wenn du sie einsetzt, dann lasse bitte Ellie's Motor laufen. Ansonsten ist ihre Batterie schneller leer als du pieps sagen kannst (Bekannte von mir habens schon erlebt... )
DLzG
BlauerEngel
Hi Sanda - danke für den Hinweis! Momentan ist keine Bordsteckdose in Planung, die "Risiken" dafür sind mir zu groß.
LöschenDa nehme ich lieber einen Ersatz-Satz Akkus für die Pumpe mit oder bleibe beim alten - ichmachsmirselber - Prinzip: aufpusten!
Also manchmal fahre ich auch gerne schnell ... äääääh ... sehr schnell. Das macht doch auch Spaß :-)
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