Bei der Rückkehr zur Unterkunft machte ich dieses Foto, welches dann später vom Betreiber der Facebook-Seite gleich als Profilfoto genommen wurde. Sieht ja auch sehr werbewirksam aus. Das Morgenlicht ließ das Dach richtig leuchten.
Ich hatte kein Frühstück gebucht. Morgens versorge ich mich lieber selbst. Genug Proviant hatte ich mit gehabt. Der Zimmer-Kühlschrank hatte die Vorräte gut konserviert.
So saß ich da, mit Blick auf das Motorrad, und stärkte mich für die Weiterfahrt. Die Route für die Rückfahrt wurde nebenbei angeschaut, die Ortsnamen eingeprägt. Und doch fuhr ich dann später ganz ganz anders.
Beim Bezahlen des Zimmers versorgte ich mich auch mit Informationen über eine gute Rückfahrstrecke.
Um halb zehn fuhr ich dann ab. Die Luft war noch ziemlich kühl, und die Straßen fast leergefegt.
Kurz hinter Schrampe querte ich mal wieder die ehemalige Grenze.
Die Straßen blieben einsam. Grüne Alleen begleiteten meinen Weg.
Die kleinen Ortschaften, durch die ich fuhr, ließen Lust auf weitere Besuche aufkommen. Ein Dorfteich mit Freigängern auf der Straße - Enten und Gänsen - oder kleine Töpferstuben waren hier die Normalität, und überall blühte und grünte es. Ich komme wieder, denn diese Gegend schien wie geschaffen für das Blümchen-Pflücken.
Ich querte die B248 und fuhr direkt ins Wendland. Die Wege und Dörfer, die ich dort entdeckte, waren wirklich ein Traum. Die angedachte Route verwarf ich ziemlich schnell, und ließ mich in die grobe Rückrichtung treiben.
Schmale Sträßlein, und selten Ortshinweise. Ich orientierte mich an den Hinweistafeln für Radfahrer. Teilweise konnte ein Landkreisfremdling wirklich nur schwer erkennen, ob der Weg auch für Kraftfahrzeuge erlaubt war!
Das Wendland und seine Geschichte - achtet mal auf das Schild. Seht ihr das Atomzeichen?
Hier entdeckte ich auch folgendes - ein Wartehäuschen, was gleichzeitig Infomationsbude war.
Republik Freies Wendland - was es nicht alles gibt ...
Entwässerungskanäle gab es auch. Hinter dem Buschwerk pausierte ein Ehepaar mit Campingstühlen, Klapptisch und Picknick-Korb. Welch ein schöner Pausenplatz.
Mir begegneten sehr viele Radfahrer, mit und ohne E-Antrieb. Viele waren fröhlich, einige aber auch muffelig und mit dem Platz-da-hier-fahre-ich-Hausmeister-Gen - wohl weil ich ihrer Ansicht nach ihre stille Radlerwelt störte. Dabei ist Ellie so leise. Aber man sah auf diesen kleinen Straßen selten andere Fahrzeuge. Ich selbst sah nur drei andere Motorradfahrer. Mir war das recht. Die Wege waren wohl zu weit ab vom Schuß. Dabei hatten die wirklich schöne Kurven zu bieten.
Die alten Niedersachsenhäuser hatten ihre ganz eigene Faszination.
In der Region gab es auch diverse halbe Rundlings-Dörfer. Eines davon besuchte ich. Es war eine Sackgasse für motorisierte Fahrzeuge, und bis auf drei neugierige Hausfrauen und die beiden Dorfköter regte sich keine Nase. Dann kam Regung in die Szene: ein Schaf büxte aus und die drei Hausfrauen hatten ihre liebe Mühe, das Tier zurück in sein Stück Wiese zu treiben. Die beiden Hunde ließen sich derweilen von mir den Kopf kraulen und quittierten die Bemühungen der Frauen mit einem herzhaften Gähnen.
Ein halber Rundling ...
Nachdem ich durch meine faszinierte Herumgurkerei teilweise völlig die Orientierung verloren hatte, fuhr ich einfach in Richtung Bergen an der Dumme. Es ging durch ausgedehnte Waldstrecken.
Bis hier gut gemeistert. Zeit für eine Pause, einen großen Schluck aus der Wasserflasche und einen Biß in das Obst - und den Blick in die Karte: wo bin ich???
Dann wurden die Straßen auch schlechter - hier war der Aufbau Ost noch nicht angekommen. In den kleinen Ortschaften regierte Meister Kopfstein. Auch Flickwerk war normal. Und vereinzelt auch ziemlich verfallene Gebäude. Teilweise gab es nur die alten steinernen Hinweise:
Und immer wieder: Alleen
Und entlang der Landesgrenzen Hinweise
Hinter dieser Kurve geht es zurück in Richtung Bergen/Dumme - meidet diese Straße, es sei denn, ihr habt gute Reifen, gute Stoßdämpfer und keine Rückenprobleme ... weicht lieber auf die B71 und B248 aus; dieses Kopfsteinrelikt ist bei Regen lebensgefährlich
Der Harper Mühlenbach, in dessen Mitte bis 1989 der Grenzverlauf lag
Teilweise waren weitere Relikte aus der DDR-Zeit in den Dörfern zu finden - noch stehen die Außenmauern der Betongebäude. Die Fenster zerschlagen, wie überall ... und die Gebäude mehr oder weniger im Verfallszustand. Hier hausten jetzt andere Lebewesen - ich fand auf dem Weg Gewölle, also unverdaute Nahrungsreste von Eulen oder Greifvögeln. Beruhigend, wie sich die Natur zurückerobert, was der Mensch nicht mehr bewohnt.
In den grenznahen Dörfern fand ich auch solche Relikte:
Im Ort Gladdenstedt:
Ich fuhr über Ehra-Lessin nach Weyhausen/Wolfsburg, bog ab in Richtung Meine bei Gifhorn. Die Einflugschneise der Wolfsburg-Stämmigen war nicht schön zu fahren. Viele große Fahrzeuge, die sich nicht im geringsten um die Geschwindigkeitsschilder kümmerten und mich manchmal wirklich in Bedrängnis brauchten. Seitenabstände wurden nicht ausreichend eingehalten, sehr dicht wieder eingeschert und noch andere unschöne Fahrweisen. Von mir aus könnte da gern öfter kontrolliert werden, dort am VW-Versuchsgelände. Der Unterschied zum gemütlich lässigen Wendland und der PS-orientierten VW-Region konnte nicht drastischer sein.
Über kleinere Nebenwege kam ich dann in meine Heimatregion.
Diese schöne Rücktour-Strecke werde ich demnächst noch einmal fahren. Es gibt noch viel mehr von der Region zu entdecken.
Hier mal ein GROBER Überblick - an all die kleinen Straßen, die ich nebenbei so entdeckt hatte, wo ich dann umgedreht bin und noch einmal hingetuckert für ein Foto, an all diese kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern.
Oder will es nicht - sucht es euch aus ;-)
Empfehlen kann ich auf jeden Fall die Wendland-Region. Besonders die Rundlingsdörfer. Demnächst findet dort die Kulturelle Landpartie statt. 10.-21. Mai 2018
Die meisten Quartiere sind jetzt schon ausgebucht. Aber für einen Tagesbesucher dürfte das kein Problem sein.
Fazit:
Tourenempfehlung für das Wendland! Allerdings ist das nichts für Kurvenkratzer oder diejenigen, die gerne zügig unterwegs sind.
Um mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen, braucht es Geduld. Die Wendländer sind ein eigenes Völkchen. Sehr grün ist es dort, nicht nur in der Landschaft. Sie sind rebellisch, die Bewohner. Wohl auch gezwungen dazu - wer hat schon gerne die Brennstäbe im Nachbardorf herumliegen. Das Atomklo der Nation sind wir nicht, las ich an eine Wand gesprüht. Wer die Rundlinge besucht, sollte diese andere Geschichte nicht verdrängen! Sie begegnet einem auf Schritt und Tritt in Form von Parolen, oder als Schablonen-Bilder auf Ortsschildern gesprüht.
Und häufig "Zutritt verboten - Privat!" Schilder bei den Grundstücken. Aber wer weiß, wie ich wäre, wenn mir dort tagtäglich neugierige Touristen im Garten herumlatschen, und mir naive Fragen in bezug auf "...waren Sie denn dabei beim letzten Castor-Protest?" stellen würden ... Das ist jetzt nicht ausgedacht von mir - ein Vorteil des Alleinreisenden. Man setzt sich an meinen Tisch, und spricht ungeniert untereinander weiter. Und dann war da noch der alte, schwerhörige Herr, der mich nach meinem Wohnort fragte - und dann mit der Geschichte kam: da war doch ein Pastor, der seine Frau ermordet hatte - aber der Indizienbeweis mit den Ameisen an seinem Stiefel wäre doch Humbug - wo es alle zehn Meter ein Ameisenvolk gebe ...
Pastor Geyer
Die Geschichte ist 21 Jahre her, aber der alte Herr da bei mir am Tisch erzählte, als wäre das gestern gewesen ... kein Wunder, das ich mich daran nicht erinnere - da wohnte ich noch gar nicht dort in der Region.
Manchmal hätte ich gerne ein Diktiergerät dabei, um die skurilen Unterhaltungen später detaillierter wiedergeben zu können.
Die Cafés bieten im übrigen sehr genialen Kuchen ...
Buchweizen-Eierlikör-Torte im Rundlingsdorf Satemin; Tour vom 6.5.2018
Satemin - ein sehr großer und vollständig erhaltener Rundling; hier ist viel Betrieb. Rundlinge gibt es in den Ortschaften drumherum noch weitere - Satemin ist das größte und somit nicht mehr so verschlafen und lässig, wie ich es mag.
Ein Nachtrag zu Teil Zwei:
Hier bin ich auf einer 230 Kilometer Tour am 6.5. hingefahren. Extra für dieses Foto. Blogger halt ... ;-).
Nachtrag zu den Fotos: manchmal hat Ellie eine gelbe Packtasche, und manchmal nicht. Das liegt daran, dass ich die Fotos von der Tour vom 6.5. mit eingebunden habe. Ich war zu faul, nochmal mit dem selben Blogtitel/-Post zum gleichen Landkreis zu schreiben. So geht's ja auch!





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